Beleuchteter Reichstag

16.8.2011 | Von:
Manuel Becker

Die Bedeutung des deutschen Diktaturenvergleichs für die politische Kultur der "Berliner Republik"

Deutschland ist im weltweiten Maßstab ein einzigartiger Fall für den Diktaturenvergleich – dies fordert Wissenschaft und Geschichtspolitik der "Berliner Republik" in gleicher Weise heraus. Wie lassen sich die beiden deutschen Diktaturen in der bundesdeutschen Erinnerungskultur in ein angemessenes Verhältnis zueinander setzen?

Einleitung


Ein Gedenkort für beide Diktaturen: die Haftanstalt "Roter Ochse" in Halle (Saale). Aufnahme aus den 1990er-Jahren.Haftanstalt "Roter Ochse" in Halle (Saale). (© Stiftung Gedenkstätten Sachsen-Anhalt)
Ein Gedenkort für beide Diktaturen: die Haftanstalt "Roter Ochse" in Halle (Saale). Aufnahme aus den 1990er-Jahren.

Als mit der Epochenzäsur von 1989/1991 das "kurze 20. Jahrhundert"[1] an sein Ende kam, sah sich die deutsche politikwissenschaftliche und zeitgeschichtliche Forschung in besonderer Weise gefordert. Deutschland ist weltweit das einzige Land, dessen Geschichtsaufarbeitung sich mit zwei Diktaturen entgegengesetzter ideologischer Prägung auseinandersetzen muss. Man mag an einige osteuropäische oder südamerikanische Staaten denken, die ebenfalls ein ideologisch rechtsgerichtetes und ein ideologisch linksgerichtetes Regime durchlitten haben. Dennoch kann davon ausgegangen werden, dass Deutschland im weltweiten Maßstab einen einzigartigen Fall für den Diktaturenvergleich darstellt, sowohl was die weltanschauliche Intensität als auch was die praktische Herrschaftsdurchsetzung angeht.

Aus diesem Befund ergeben sich Konsequenzen für die Geschichtsaufarbeitung und Vergangenheitsbewältigung der Bundesrepublik: Wie lassen sich beide Diktaturen in einem adäquaten Verhältnis erinnern? Wie können sie zueinander in Beziehung gesetzt werden? Wie können die Verbrechen des DDR-Regimes zeitgemäß dargestellt werden, ohne damit die nationalsozialistischen Gräueltaten zu relativieren, zu verharmlosen oder zu banalisieren? Antworten auf diese Fragen zu finden bleibt eine zentrale Aufgabe für die politische Kultur der "Berliner Republik".

Die folgenden Ausführungen möchten dazu einige Denkanstöße liefern. Zunächst einmal sollen die Vorzüge und Nachteile des Vergleichs als wissenschaftlicher Methode in der Zeitgeschichte analysiert werden (1). Anschließend wird ein knapper Überblick über die Rezeptionsgeschichte des deutsch-deutschen Diktaturenvergleichs in den vergangenen 20 Jahren gegeben (2). Davon ausgehend wird herauszuarbeiten sein, welchen Einfluss die zweifache Diktaturvergangenheit auf die politische Kultur der Bundesrepublik hat und welche Möglichkeiten und Grenzen sich daraus ergeben. Die vielfältigen Herausforderungen lassen sich auf mindestens vier Ebenen ausbuchstabieren: Sie haben sowohl eine semantische als auch eine pädagogisch-didaktische wie auch eine wissenschaftliche und schließlich eine politische Dimension (3).


Fußnoten

1.
Vgl. Eric Hobsbawm, Age of Extremes. The short Twentieth Century, 1914–1991, London 1994.

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