Beleuchteter Reichstag

5.5.2011 | Von:
Jörg Bernhard Bilke

Deutsche und Russen 1945

"Wir müssen weit gehen, liebes Kind"


Das Buch der Görlitzerin Hannelore Klar (geboren 1944) ist der lebenslangen Suche nach ihrem Vater Alfred Ulbrich gewidmet, der am 8. Mai 1945, dem Tag des Kriegsendes, an einer Splitterverletzung in Kopenhagen gestorben ist und dort begraben liegt. Weder Mutter noch Tochter wollten in den Nachkriegsjahren diesen Tod wahrhaben, bis es der Tochter durch Täuschung der DDR-Behörden gelang, der Mutter zum 80. Geburtstag am 31. Juli 1986 eine Westreise nach Hamburg zu verschaffen, von wo sie an einer Busfahrt mit dem "Volksbund deutscher Kriegsgräberfürsorge" nach Kopenhagen teilnehmen konnte. Das gleiche Husarenstück gelang der Tochter am 10. April 1987 noch einmal, obwohl DDR-Bürgern auf Westbesuch Reisen ins "kapitalistische Ausland" strikt verboten waren.

Im Vergleich zu den vier anderen Büchern ist das von Hannelore Klar noch das "harmloseste". Die Autorin erzählt frisch und frei von ihrem DDR-Leben 1949–1989, beispielsweise über ihre Arbeitskollegin Christa Mühle, die mit 17 Jahren nach Russland verschleppt worden war und, mutig genug, Jahrzehnte später dem Werber für den Eintritt in die Gesellschaft für deutsch-sowjetische Freundschaft in großer Runde Einzelheiten aus ihrem Lagerleben preisgab; oder über die Enteignung der Feinoptikfirma Hugo Meyer & Söhne. Die Nachkommen des Firmengründers waren in sowjetische Speziallager wie Sachsenhausen verschleppt worden und dort verhungert, wonach der Betrieb, in dem die Erzählerin arbeitete, leichter in "Volkseigentum" hatte überführt werden können.

Spuren ihres unbekannten Vaters hoffte sie überall dort zu finden, wo er sich während des Krieges aufgehalten hatte: im Lochstädter Wald auf der Frischen Nehrung in Ostpreußen, wo er 1945 verwundet worden war; im hessischen Bad Nauheim, wo er 1941 im Lazarett gelegen hat; auf der Halbinsel Hela bei Danzig, wo er als Verwundeter eingeschifft worden war, und im lettischen Windau, wo er als Soldat stationiert war. Wegweiser für ihre Reisen war ihr dabei der "gelbe Karton" mit Aufzeichnungen, Briefen und Fotos ihres Vaters.



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