Beleuchteter Reichstag

30.3.2011 | Von:
Heidrun Budde

Vopo – Beruf für Auserwählte

Das Einstellungsgespräch


Im Rahmen einer Jugendstunde (Vorbereitung auf die Jugendweihe) besuchen im Frühjahr 1989 Achtklässler eine Ausstellung der Deutschen Volkspolizei im Ministerium des Innern.Im Rahmen einer Jugendstunde (Vorbereitung auf die Jugendweihe) besuchen im Frühjahr 1989 Achtklässler eine Ausstellung der Deutschen Volkspolizei im Ministerium des Innern. (© Klaus Franke / Bundesarchiv, Bild 183-1989-0329-022)
Mit dem Bewerber war ein Einstellungsgespräch zu führen, wenn die erste Vorprüfung positiv ausfiel. Doch in diesem Gespräch ging es nicht vordergründig um die fachliche Eignung des Kandidaten, sondern um "eine umfassende Wertung der Persönlichkeit". Im Protokoll über das Einstellungsgespräch war an erster Stelle zu berichten über die "[p]olitische Zuverlässigkeit[.] Hierbei sind insbesondere folgende Faktoren zu werten:
- Motiv der Bewerbung;
- die unbedingte Treue und Ergebenheit zur Arbeiter-und-Bauern-Macht;
- Freundschaft mit der Sowjetunion und den anderen Ländern der sozialistischen Staatengemeinschaft;
- Teilnahme am gesellschaftlichen Leben, Funktionen, Auszeichnungen;
- politische Tätigkeit der Eltern, des Ehepartners bzw. Verlobten, Funktionen, Auszeichnungen;
- Westverwandtschaft, vorhandene Kontakte zu Personen bzw. Einrichtungen in der BRD, anderen nichtsozialistischen Staaten und Westberlin, Verhältnis zu Verwandten u. a. Personen, die Westkontakte haben;
- Einstellung zum Westfernsehen, Westrundfunk;
- eventueller Aufenthalt in der BRD, anderen nichtsozialistischen Staaten oder Westberlin."

In der weiteren Abfolge der zu protokollierenden Erkenntnisse folgten an zweiter Stelle die "moralische Eignung", danach die "Persönlichen Eigenschaften und Willensqualitäten" und erst an vierter Stelle wurden "[b]ildungsmäßige Voraussetzungen" abgefragt. Zum Schluss waren Aussagen über "[g]esundheitliche Voraussetzungen" und über die "Einsatz- und Entwicklungsmöglichkeiten" zu machen.

Die Einstellungskommission erteilte in Auswertung dieser umfangreichen Informationen einen Einstellungsvorschlag, mit welchem Dienstgrad, in welche Dienststelle und wann die Einstellung erfolgen sollte. Dieser Vorschlag hatte empfehlenden Charakter.

Der Vorsitzende der Einstellungskommission war für die Vollständigkeit der Unterlagen und für die "gründliche Überprüfung der Bewerber" verantwortlich. Der "zuständige Offizier der Abteilung Kader/Ausbildung bzw. Kaderoffizier" hatte die "Einstellungsunterlagen vor Erarbeitung des Einstellungsvorschlages [...] auf Vollständigkeit, noch vorhandene Widersprüche und Lücken sowie Einhaltung der Einstellungsbedingungen gründlich zu prüfen."

Erst nachdem dieser Vorgang so allumfassend bearbeitet vorlag, wurden die Unterlagen dem Ministerium für Staatssicherheit "zur endgültigen Abstimmung" übergeben. Einen wichtigen Beitrag zur heimlichen "Begutachtung" des Bewerbers und seines Familien- und Umgangskreises leistete zuvor jedoch die Polizei selbst.



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