Beleuchteter Reichstag

7.3.2011 | Von:
Christian Könne

Wirtschaftssendungen für die DDR

Hörfunk zur Finanzierung des Sozialismus

Weil der Aufbau einer sozialistischen Wirtschaft sich schwierig gestaltete, überlegte die SED zusammen mit dem DDR-Hörfunk, wie das sozialistische Wirtschaftsleben der DDR-Bevölkerung vermittelt werden könne. Die neuen Rundfunkformate sollten auch Unterhaltung bieten. Zur Finanzierung schreckte man selbst vor westlicher Werbung nicht zurück.

Einleitung


Die wirtschaftliche Entwicklung war von Beginn an ein zentrales Element in der Systemauseinandersetzung beider deutscher Staaten. Dies galt nicht zuletzt für die Frage, unter welchen Bedingungen sich eine Vereinigung beider deutscher Staaten vollziehen sollte. So erklärte der SPD-Vorsitzende Kurt Schumacher bereits 1948: "Die Prosperität [...] kann den Westen zum ökonomischen Magnet machen. Es ist realpolitisch vom deutschen Gesichtspunkt aus kein anderer Weg zur Erringung der deutschen Einheit möglich, als diese ökonomische Magnetisierung des Westens".[1] Umgekehrt stand auch im Osten Deutschlands fest, dass "die politische Strahlkraft der Deutschen Demokratischen Republik maßgeblich von der Leistungsstärke ihrer Volkswirtschaft" abhing.[2] Doch die wirtschaftlichen Probleme des Sozialismus waren so groß, dass der Vergleich mit dem Westen zunehmend schwer fiel.

Die SED hatte also ein vitales Interesse daran, mit allen Mitteln – auch medialen – für Verbesserung zu sorgen. Fest stand für die Arbeit der Medien in diesem Bereich, dass "alle ökonomische Entwicklung unseres Staates [...] vom sozialistischen Bewußtsein der Werktätigen" abhing und dass Presse, Rundfunk und Fernsehen mit ihrer Arbeit auf eben "diese Bewußtheit" abzielten.

Bis zum Ende der 1960er-Jahre war es – neben der Presse – vor allem der Hörfunk, der für die Wirtschaftsagitation eingesetzt wurde.[3] Mit der angeblichen Ausbildung des sozialistischen Bewusstseins waren die Journalisten nach eigener Ansicht zu "Organisatoren der nationalen Wirtschaft und der technischen Revolution" geworden.[4] In den Mittelpunkt seiner Arbeit stellte der Hörfunk "in erster Linie die moralisch-ideologische Seite, also die Verhaltensweise der Menschen im Prozeß der Arbeit, zueinander, zur Arbeit, zu den Produktionsmitteln [..., die] ökonomische Diskussion, vor allem die Erläuterung und Erklärung von ökonomischen Zusammenhängen".[5]

Doch was hieß das konkret für die Arbeit des Mediums? In der Wirtschaftsagitation lassen sich unterschiedliche Arbeitsweisen ausmachen. Die verschiedenen medialen Konzepte zur Steigerung der Wirtschaftsleistung werden nachfolgend politisch, programmpolitisch und in ihrer wirtschaftlichen Bedeutung untersucht.

Fußnoten

1.
Zit.: Wolfgang Benz (Hg.), Die Bundesrepublik Deutschland. Geschichte in drei Bänden, Frankfurt a.M. 1983, S. 31f.
2.
Christian Könne, Neue Formen der Propaganda. Wirtschaftsagitation im Funk, in: Klaus Arnold/Christoph Classen (Hg.), Zwischen Pop und Propaganda. Radio in der DDR, Berlin 2004, S. 133–149, hier 134.
3.
Vgl. u.a. Konrad Dussel, Hörfunk in Deutschland. Politik, Programm, Publikum 1923–1960, Potsdam 2002. Die Wirtschaftssendungen des Hörfunks wurden z.T. auch im Fernsehen übernommen: vgl. Rüdiger Steinmetz/Reinhold Viehoff (Hg.), Deutsches Fernsehen Ost. Eine Programmgeschichte des DDR-Fernsehens, Berlin 2008, S. 256–261.
4.
4. Journalistenkonferenz des Zentralkomitees der SED 11. und 12. Dezember 1964 in Berlin, Ideologische Waffen für Frieden und Sozialismus. Die Aufgaben von Presse, Rundfunk und Fernsehen beim umfassenden Aufbau des Sozialismus in der DDR, Berlin (O.), 1965, S. 42.
5.
Entwicklungstendenzen der Wirtschaftsjournalistik, 29.5.1964, BArch, DY30/IV A 2/9.02/135.

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