Beleuchteter Reichstag

15.3.2011 | Von:
Sabine Moller

Diktatur und Familiengedächtnis

Anmerkungen zu Widersprüchen im Geschichtsbewusstsein von Schülern

Der Widerspruch zwischen unterschiedlichen Lesarten der DDR-Geschichte wird im vorliegenden Beitrag an einem Fallbeispiel aus einer Schülerstudie illustriert und in historischer sowie ost-west-vergleichender Perspektive ausgeleuchtet. Dadurch wird deutlich, warum Bildungseinrichtungen offen und konstruktiv mit Schülervorstellungen umgehen und eine "richtige" Lesart der Geschichte nicht vorschreiben sollten.

"Weil der Sieger schreibt die Geschichte."


"Weil der Sieger schreibt die Geschichte. Ist nun mal so."

Mit diesen Worten bilanziert der 17-jährige Dennis[1] den Umstand, dass die Darstellung der DDR-Geschichte in den Medien sehr viel kritischer ausfällt als bei seinen eigenen Eltern und Großeltern. Der Ort dieser Äußerung ist ein Gymnasium im Ostteil Berlins Ende des Jahres 2006. Viele Schüler, mit denen ich dort gesprochen habe, berichten von Widersprüchen zwischen der familiären Überlieferung und der öffentlichen Erinnerung an den SED-Staat. Den Schülern ist dieser Widerspruch in der Regel bewusst, und sie sprechen ihn offen an.

Im Mittelpunkt des vorliegenden Beitrages[2] steht dieser Widerspruch, der in mehreren empirischen Studien konstatiert wird und auch in der öffentlichen Debatte über den Umgang mit der DDR-Vergangenheit zunehmend Aufmerksamkeit erfährt.[3] Er wird zunächst an einem Beispiel aus einer eigenen Interviewstudie illustriert, um dann in historischer sowie ost-west-vergleichender Perspektive genauer ausgeleuchtet zu werden. Vor diesem Hintergrund sowie vor dem jüngerer Debatten über das mangelhafte Geschichtswissen von Schülern, wird am Ende die Frage diskutiert, wie Schulen und andere Bildungseinrichtungen auf Widersprüche zwischen persönlichen und öffentlichen bzw. offiziellen Überlieferungen von Zeitgeschichte reagieren können.

Fußnoten

1.
Pseudonym.
2.
Erweiterte Fassung eines Vortrags, gehalten im Juni 2009 auf dem "Geschichtsforum 1989/2009" in Berlin; demnächst auch in: Saskia Handro/Thomas Schaarschmidt (Hg.), Die Aufarbeitung der Aufarbeitung. Geschichtskulturelle Schlüsseldiskurse zur DDR, Schwalbach/Ts. 2011.
3.
Vgl. als eine der jüngsten Studien: Kathi Bromberger u.a., "Jetzt haben wir auch mal die schlechten Seiten der DDR gesehen." Eine empirische Studie zu Schulklassenbesuchen in der Gedenkstätte Bautzen, in: DA 42 (2009) 5, S. 863–873.

Ausgebombt! Eine Zeitreise ins kriegszerstörte Berlin

31 Bildmontagen des Berliner Fotografen Alexander Kupsch, aus historischen Fotos vom zerstörten Berlin und Aufnahmen aus dem Jahr 2015, rücken die zerstörerische Kraft des Krieges erneut ins Bewusstsein, indem sie die Ruinen aus dem Mai 1945 ins Berlin von heute übertragen.

Mehr lesen

NEU: Videoreportagen

Vom Einläuten der Friedlichen Revolution

Rund um den 7. Oktober 1989 herrschte Ausnahmezustand in mehreren Städten der DDR. Polizei und Stasi gingen gewaltsam gegen Demonstranten vor, die friedlich für Reformen eintraten. Ein filmischer Überblick.

Jetzt ansehen

Themenseite

30 Jahre Mauerfall

Die Berliner Mauer war über 28 Jahre das Symbol der deutschen Teilung und des Kalten Krieges. Am 9. November 1989 reagierte die DDR-Regierung mit Reiseerleichterungen auf den Ausreisestrom und monatelange Massenproteste – die Mauer war geöffnet. Wir präsentieren ausgewählte Angebote zur Geschichte der Mauer und des Mauerfalls.

Mehr lesen

Deutschlandarchiv bei Twitter

Ausstellung + Film

Die Mauer. Sie steht wieder!

Was wäre, wenn die Mauer Berlin erneut halbieren würde? 30 Jahre nach dem Mauerfall erinnert das Deutschland Archiv der bpb mit 30 Bildmontagen und einem Film von Alexander Kupsch an das Bauwerk, das die Stadt über 28 Jahre lang teilte.

Mehr lesen

Chronik der Mauer

Es erwartet Sie eine Fülle von multimedial aufbereiteten Informationen über Mauerbau und Mauerfall - und über die Opfer der Grenze.

Mehr lesen auf chronik-der-mauer.de

Dossier

Stasi

Alles wissen, alles kontrollieren, Menschen manipulieren. Aus der Arbeitsweise der DDR-Geheimpolizei "Stasi" ist auch viel zu lernen über die Mechanismen von Diktaturen der Gegenwart. In der DDR überwanden couragierte Bürgerinnen und Bürger allerdings 1989 ihre Angst vor der "Staatssicherheit". Vor 30 Jahren wurde sie gänzlich entmachtet.

Mehr lesen

Online-Angebot der bpb und der Robert-Havemann-Gesellschaft

jugendopposition.de

Wie haben junge Menschen in der DDR mit Mut und Musik gegen Stasi und SED-Diktatur gekämpft? Zeitzeugen berichten. Mit zahlreichen Texten, Videos, Audios, Fotos und Dokumenten.

Mehr lesen auf jugendopposition.de

Online-Archiv

www.wir-waren-so-frei.de

Fast 7.000 private Filme und Fotos aus der Umbruchzeit 1989/90 sowie über 100 begleitende Erinnerungstexte. Dazu ost- und westdeutsche Medienberichte. Die persönlichen Erfahrungen der Fotografen und Filmemacher bieten zusammen mit der öffentlichen Berichterstattung vielfältige Blicke auf die historischen Ereignisse und deren Auswirkungen auf den Alltag in Ost und West.

Mehr lesen auf wir-waren-so-frei.de

Wird die DDR-Diktatur verharmlost? Und warum begann die intensive Auseinandersetzung mit der NS-Vergangenheit erst so spät? Die Deutung von Geschichte ist oft umstritten - und nicht selten ein Politikum.

Mehr lesen

13. August 1961: In den frühen Morgenstunden beginnt der Bau der Mauer, die Deutsche Teilung wird zementiert. Am Abend des 9. November 1989 kommt es zum Mauerfall. Bald 30 Jahre danach ist Deutschland in vielem noch immer ein Land mit zwei Gesellschaften.

Mehr lesen

Zu dem Thema "Children of Transition, Children of War, the Generation of Transformation from a European Perspective" diskutierten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler auf der Deutschlandforschertagung 2016 vom 3. bis 5. November 2016 in der Universität Wien. Die Tagungsdokumentation gibt Einblick in die Themen und Ergebnisse.

Mehr lesen

Messenger-Projekt

Der Mauerfall und ich

Es ist Leipzig im Spätsommer des Jahres 1989. Die Studentin Kathrin und ihre Freundinnen und Freunde erleben eine Zeit des Umbruchs in der DDR. Im November fällt die Mauer und damit die Grenze, die Deutschland und die Deutschen viele Jahrzehnte trennte. Über ihre Erlebnisse hat Kathrin von August bis November 2019 im bpb-Messengerprojekt "Der Mauerfall und ich" berichtet.

Mehr lesen

Gedenkstätten, Museen, Dokumentationszentren, Mahnmale, Online-Angebote - zahlreiche Einrichtungen und Initiativen erinnern an die Opfer des Nationalsozialismus, bieten Bildungsangebote zur Geschichte des Nationalsozialismus und engagieren sich für Überlebende und Jugendbegegnungen. Wo Sie welche Erinnerungsorte mit welchem pädagogischen Angebot finden, erfahren Sie in der Datenbank.

Mehr lesen auf bpb.de

Der Tag in der Geschichte

  • 25. September 1996
    Arbeitsrechtliches Beschäftigungsförderungsgesetz: Für Betriebe mit bis zu zehn (bisher fünf) Arbeitnehmern gilt kein gesetzlicher Kündigungsschutz; denn viele Kleinunternehmen, vor allem Handwerker, hatten nicht mehr als fünf Mitarbeiter eingestellt, da sie... Weiter