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2.2.2012 | Von:

Flucht und Vertreibung im bundesdeutschen Spielfilm der 1950er-Jahre

5. Ergänzung der Geschichtsschreibung

Die genannten Spielfilme und auch andere zu diesem Themenkomplex schaffen eine Ergänzung der wissenschaftlich-akademischen und journalistischen Geschichtsschreibung. Auch ein "Geschichtsspielfilm" ist eine wichtige Art von Geschichtsschreibung, weil er Bilder für die Erlebnisse von Millionen Menschen findet und diese heutigen Zuschauern auch anhand der Angebote einer Identifikation mit den Figuren emotional zugänglich macht. Wenngleich am Spielfilm kritisiert wird, dass er historische Strukturen personalisiere oder verkleinere[21], so kann er doch einen Zugang zur Geschichte eröffnen, wie er weder der Wissenschaft noch dem Journalismus möglich ist.[22]

Indem also Flucht- und Vertreibungsgeschehen auf der einen und Flucht- und Vertreibungsgebiete auf der anderen Seite im Spielfilm thematisiert und visuell sowie emotional greifbar werden, können Zuschauerinnen und Zuschauer, die keine geflüchteten oder vertriebenen Vorfahren haben, die keine Fernsehdokumentationen sehen oder Geschichtsbücher lesen, sowohl eine Vorstellung vom Geschehen um 1945 als auch von den einst deutschen Gebieten und ihrem heutigen Zustand erhalten, zumal Spielfilme damals wie heute für viele die einzige Informationsquelle über historische Ereignisse waren und sind. Es ist zudem möglich, bisher visuell tabuisierte Teile der deutschen Geschichte im kollektiven Bildgedächtnis zu verankern.

Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass in der deutschen Spielfilmproduktion der letzten Jahre vormals narrativ und visuell tabuisierte Themen, wie Flucht, Vertreibung und die Gebiete des historischen Ostdeutschlands, aufgegriffen wurden. Weitgehend ausgeblendet bleiben der Rückkehrgedanke, das Vertreibungsgeschehen und die Interaktionen zwischen Polen und Deutschen in diesem Zeitraum, während die grundsätzliche Akzeptanz von Flucht und Vertreibung Leitmotiv war und ist. Spielfilme zu dieser Thematik sind trotzdem wichtige Ergänzungen der wissenschaftlichen und journalistischen Geschichtsschreibung.

Fußnoten

21.
Vgl. Bernd Gäbler, Bosheit kann im Film keine Hexe sein, in: stern, 27.2.2007.
22.
Zum Verhältnis verschiedener historiografischer Diskurse zueinander: Vivian Sobchack, The Instistent Fringe. Moving Images and Historical Consciousness, in: History and Theory 6 (1997) 4, S. 4–20.

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