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"Bindekräfte" des Systems?

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Neuauflage "(Ost)Deutschlands Weg" Ostdeutsche Frakturen Geschichtspolitik von oben? Anpassungsprozess der ostdeutschen Landwirtschaft Daniela Dahn: TAMTAM und TABU Wege, die wir gingen „Der Ort, aus dem ich komme, heißt Dunkeldeutschland” Unternehmerischer Habitus von Ostdeutschen Teuer erkauftes Alltagswissen Trotz allem im Zeitplan Revolution ohne souveränen historischen Träger Mehr Frauenrechte und Parität Lange Geschichte der „Wende“ Eine Generation nach der ersten freien Volkskammerwahl Unter ostdeutschen Dächern Die de Maizières: Arbeit für die Einheit Schulzeit während der „Wende” Deutschland – Namibia Im Gespräch: Bahr und Ensikat Gorbatschows Friedliche Revolution "Der Schlüssel lag bei uns" "Vereinigungsbedingte Inventur" "Es gab kein Drehbuch" "Mensch sein, Mensch bleiben" Antrag auf Staatsferne Alt im Westen - Neu im Osten Die Deutsche Zweiheit „Ein echtes Arbeitsparlament“ Corona zeigt gesellschaftliche Schwächen Widersprüchliche Vereinigungsbilanz Schule der Demokratie Warten auf das Abschlusszeugnis Brief an meine Enkel Putins Dienstausweis im Stasi-Archiv Preis der Einheit Glücksstunde mit Makeln Emotional aufgeladenes Parlament Geht alle Macht vom Volke aus? Deutschland einig Vaterland 2:2 gegen den Bundestag "Nicht förderungswürdig" Demokratie offen halten Standpunkte bewahren - trotz Brüchen Die ostdeutsche Erfahrung Kaum Posten für den Osten Braune Wurzeln Wer beherrscht den Osten „Nicht mehr mitspielen zu dürfen, ist hart.“ Ein Ost-West-Dialog in Briefen Stadtumbau Ost Ostdeutschland bei der Regierungsbildung 2017 Die neue Zweiklassengesellschaft DDR-Eishockey im Wiedervereinigungsprozess Die SPD (West) und die deutsche Einheit Die Runden Tische 1989/90 in der DDR Die Wandlung der VdgB zum Bauernverband 1990 Transatlantische Medienperspektiven auf die Treuhandanstalt Transformation ostdeutscher Genossenschaftsbanken Demografische Entwicklung in Deutschland seit 1990 Parteien und Parteienwettbewerb in West- und Ostdeutschland Hertha BSC und der 1. FC Union vor und nach 1990 25 Jahre nach der Wiedervereinigung Ostdeutsches Industriedesign im Transformationsprozess Wende und Vereinigung im deutschen Radsport Wende und Vereinigung im deutschen Radsport (II) Kuratorium für einen demokratisch verfassten Bund deutscher Länder Europäische Union als Voraussetzung für deutschen Gesamtstaat Welche Zukunft braucht Deutschlands Zukunftszentrum? Ein Plädoyer. Erinnern, Gedenken, Aufarbeiten Wenn Gedenkreden verklingen Zeitenwende Geschichtsklitterungen „Hat Putin Kinder?“, fragt meine Tochter Wolf Biermann über Putin: Am ersten Tag des Dritten Weltkrieges Der Philosoph hinter Putin „Putin verwandelt alles in Scheiße“ Das Verhängnis des Imperiums in den Köpfen Ilse Spittmann-Rühle ist gestorben Was bedeutet die Liquidierung von Teilen Memorials? 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"Bindekräfte" des Systems? Das Beispiel der Medizinischen Akademie Magdeburg

Christoph Lorke

/ 16 Minuten zu lesen

In den 1960er-Jahren versuchte die SED gezielt, ihren Einfluss bei der Umgestaltung des Bildungssystems geltend zu machen. Den Hochschullehrern kam dabei eine wichtige Rolle zu, waren sie doch in hohem Maße für die Ausbildung der "hochqualifizierten sozialistischen Persönlichkeit" ihrer Studierenden verantwortlich.

1. Fragestellung


Siegel der Medizinischen Akademie Magdeburg. (© CommonContent )

Die Medizinische Akademie Magdeburg (MAM) war eine mit Promotions- und Habilitationsrecht ausgestattete medizinische Hochschule zur Ausbildung von Ärzten. Sie wurde 1954 gegründet und besaß – im Gegensatz zu den anderen beiden Medizinischen Akademien der DDR, Dresden und Erfurt – seit 1960 auch die Möglichkeit der Ausbildung im sogenannten Vorklinikum.

Mit dieser strukturellen Umgestaltung vollzogen sich innerhalb der MAM bis zum Ende der 1960er-Jahre auch personelle Brüche mit nachhaltiger Wirkung, die ihren Weg zu einer "sozialistischen Hochschule" begleiteten. Der Blick richtet sich hierbei auf die Hochschullehrerschaft. Dabei werden unter dem Begriff "Hochschullehrer" all jene Personen gefasst, die im Untersuchungszeitraum entweder Professoren mit Lehrstuhl, Professoren mit vollem Lehrauftrag, mit Lehrauftrag, Dozenten, Lehrbeauftragte und emeritierte Professoren waren – unter Berücksichtigung dessen, dass sich die Habilitationskriterien im Laufe des Untersuchungszeitraums änderten und unschärfer wurden. Zu diesem Lehrkörper gehörten an der MAM 1958 24, 1961 27 und fünf Jahre später 33 Personen. Die Bedeutung dieser Personengruppe liegt auf der Hand: Es war nicht nur deren Aufgabe, die "hochqualifizierte sozialistische Persönlichkeit zu formen", sie besaßen auch eine Art Schlüsselstellung und kontrollierten in ihrer "Torhüter-Funktion" den Zugang zum Beruf des Arztes.

Anhand der ausgewerteten Quellen – vornehmlich Personalakten aus dem Universitätsarchiv der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg, dem Bundesarchiv sowie Akten des Bundesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen (BStU) – ist es möglich, den groß angelegten, DDR-weiten universitären Elitenwechsel der 1960er-Jahre für das lokale Beispiel Magdeburg nachzuzeichnen.

Die enge Verzahnung zwischen personellen und strukturellen Modifikation vermag im Folgenden zeigen, dass die Haltung der Hochschullehrer auch dazu beitrug, die zweite deutsche Diktatur zu stabilisieren. Gleichzeitig wirft sie Fragen auf, ob ungeachtet einer augenscheinlichen Steuerungsdominanz von Staat und Politik und einem hohen Politisierungsgrad von Hochschule und Wissenschaft in der DDR Bereiche der relativen Autonomie entstehen konnten und wo die Grenzen des Anspruchs einer totalitären Durchdringung und Beherrschung der Gesellschaft lagen.

2. Die 1950er: Die MAM als "konservative Bastion"?


DDR-weit wurden bereits Ende der 1950er-Jahre viele Emeritierungen an den medizinischen Hochschuleinrichtungen damit begründet, dass nur dann "mit Erfolg eine sozialistische Entwicklung" dieser Einrichtungen erreicht werden könne, wenn die "grauen Eminenzen" ihren Einfluss verlören. Diese alten Ordinarien würden die politische Entwicklung hemmen, die "ideologische Auseinandersetzung" verlangsamen und ein "Zentrum für die völlig falsche politische Erziehung der Studenten" und des wissenschaftlichen Nachwuchses bilden.

Blick auf die neu erbaute Landesfrauenklinik, die zur Medizinischen Akademie Magdeburg gehörte. Aufnahme vom 28. Februar 1956. (© Bundesarchiv, Bild 183-36424-0001, Foto: Biscan.)

Für die Medizinische Akademie Magdeburg der späten 1950er-Jahre war besonders der damalige Rektor der Parteiführung und dem Ministerium für Staatssicherheit (MfS) als unliebsame Erscheinung an der Spitze der Akademie aufgefallen. Karl Ludwig Nißler (Jahrgang 1908) war seit 1933 Mitglied der SA und seit 1937 der NSDAP gewesen. Obgleich formal Mitglied der SED seit 1946, entging dem Staatssicherheitsdienst nicht Nißlers "widerspruchsvolle Haltung" sowie eine "kleinbürgerliche ideologische Position". Der Geheime Informator "G. Wenzel" wusste im September 1961 zu berichten, dass Nißler "keine feste politisch-ideologische Bindung zur Partei" zeige und nur "in den seltensten Fällen" an deren Veranstaltungen teilnähme. Ferner stütze Nißler sich "stark auf den politisch-rückständigeren Teil der Professoren" und sei Mitglied des "'kleinen Senats' der bürgerlichen Professoren". Dieser tage inoffiziell und verbreite einen "feindlichen Einfluß" und sei in erster Linie geschaffen worden, um "die Linie der bürgerlichen Professoren" festzulegen. Alles, was Rektor Nißler anpacke, geschähe aus einer "kleinbürgerlichen Position" heraus. Ferner führten seine "politisch indifferente Haltung", seine "umfangreichen Westverbindungen" sowie "kirchlichen Bindungen" vermutlich zu der Annahme, es käme bei Nißler den Studenten gegenüber zum "Ausweichen vor der Erziehungsaufgabe, sie zu sozialistischen Ärzten zu erziehen". Nißler, angesehener Fachmann auf dem Gebiet der Pädiatrie, geriet unter operative Kontrolle. Dem MfS galt der Rektor der MAM als ein "Störfaktor" und ein Hemmnis für die anvisierte politisch-ideologische Umgestaltung der MAM.

Gleicht man diesen Befund über den Rektor mit weiteren schriftlichen Zeugnissen ab, dann lässt sich für die Zeit kurz vor dem Mauerbau wohl nicht von einer "konservative Bastion" sprechen. Gleichwohl verhielt sich die Hochschullehrerschaft der Akademie in jener Zeit eher zurückhaltend-unpolitisch. Die Verhältnisse ließen sich aus Sicht der Partei- und Staatsführung am ehesten als "rückständig-bürgerlich" bezeichnen – ein für die DDR nicht untypischer Befund.

3. Richtungswechsel nach dem Mauerbau


Neubau des Pathologischen Instituts der Medizinischen Akademie Magdeburg, 4. Januar 1960. (© Bundesarchiv: Bild 183-69879-0004/ Fotograf: Biscan)

1962 wurde der erst 37-jährige Pharmakologe Hansjürgen Matthies – SED-Mitglied seit 1946 – vom Senat der Akademie als Rektor zum Nachfolger des lästigen Nißlers gewählt. Unterstützt wurde er bei seiner Wahl nicht nur vom Ministerium für Hoch- und Fachschulwesen, sondern auch vom MfS. Mehrere Zwischenfälle verweisen darauf, dass seitens der "bürgerliche Professoren" versucht wurde, einen Wahlerfolg Matthies' zu verhindern. Bedenken lassen sich vermittels des Wahlergebnisses nachweisen: So stimmten sechs Professoren "mit Gewissheit gegen den neuen Rektor"; selbst ein SED-Mitglied habe sich des Votums – bei einer geheimen Wahl! – enthalten. Nur mit knapper Mehrheit konnte Matthies als Sieger aus der Abstimmung hervorgehen. Letztlich wurde mit ihm ein politisch-ideologisch zuverlässiger Genosse zum Rektor der MAM berufen, um "die dortige Situation zu ändern und den bürgerlichen Einfluß zurückzudrängen".

Der aus einer Stettiner Kaufmannsfamilie stammende Matthies war 1943 der NSDAP beigetreten, sein 1944 begonnenes Medizinstudium durch den Kriegsdienst an der Ostfront unterbrochen worden. Nach der Rückkehr aus englischer Kriegsgefangenschaft hatte Matthies sich zunächst einige Monate als Maschinenarbeiter verdingt, ehe er sein Medizinstudium wieder aufnehmen konnte. 1946 trat er in die SED ein. Im Folgenden begann sein rasanter wissenschaftlicher Aufstieg: 1953 Promotion, 1957 Habilitation; im selben Jahr erhielt Matthies einen Ruf an die MAM. Die Geschwindigkeit seines Vorankommens brachte ihm das Prädikat "Senkrechtstarter" unter den Medizinordinarien der DDR ein, er war seinerzeit der jüngste Professor in der gesamten Republik (32 Jahre). Dabei ist jedoch schleierhaft, ob der Aufstieg allein dadurch begünstigt wurde, dass Matthies ein – und dies trotz seiner unleugbaren NSDAP-Vergangenheit – verdienter SED-Aktivist und Zuträger des MfS war. Ohne seine offenbar überdurchschnittliche Qualifikation als Wissenschaftler wäre dieser akademische Aufstieg wohl auch unter DDR-Bedingungen nicht zu schaffen gewesen. Bei Matthies trifft man auf jene Erscheinung, welche man als "Doppelstaatsbürger von Partei und Fach" (Anna-Sabine Ernst) bezeichnen kann und welche die Bedingungen und Möglichkeiten der Hochschulmediziner in der DDR anscheinend recht angemessen charakterisiert.

Matthies profitierte bei seinem Aufstieg mit Sicherheit nicht zuletzt vom Personalmangel in der DDR-Medizin. Seit Juli 1957 war er Dozent und kommissarischer Direktor des neu gegründeten Pharmakologie-Instituts, umgehend wurde er zum Prorektor für Studienangelegenheiten ernannt – was offenbar gegen den Willen der "bürgerlichen Professoren" an der Akademie geschah. Es lassen sich Unstimmigkeiten im Senat nachweisen, weil er diesen Posten bereits so kurz nach seiner Arbeitsaufnahme an der MAM bekam. Der Senat hatte ursprünglich einen anderen Prorektor vorgeschlagen, der aber vom Staatssekretariat für Hochschulwesen abgelehnt worden war.

Mit diesem "ministeriellem Rückenwind" versehen konnte Hansjürgen Matthies somit 1962 die Leitung einer medizinischen Hochschule übernehmen, womit deren "sozialistische Umgestaltung" weiter beschleunigt werden konnte. In seiner ersten Amtszeit als Rektor führte Matthies "eine straffe Ordnung in die staatliche Leitung der MAM ein", wie es von Seiten des Staatssekretariats für Hoch- und Fachschulwesen hieß.

Eine weitere Beschleunigung der Umgestaltung zur "sozialistischen Hochschule" wurde im Mai 1965 in die Wege geleitet. Damals wurde vom – von Matthies geführten – Senat der MAM eine Erweiterung des Lehrkörpers durch Einrichtung neuer Lehrstühle und Extraordinariate beschlossen. Ziel dieser Maßnahme war es nicht nur, die "Verantwortung für zu große organisatorische und administrative Belange zu mindern" und einen "engeren Kontakt der Dozenten mit den Studenten" zu erreichen. Zuvörderst sollte dadurch vielmehr erreicht werden, dass "eine breite Schicht wissenschaftlich aktiver, selbständiger Spitzenkader" entwickelt würden, die "ihre besondere Verantwortung für die unmittelbare Ausbildung der Studenten, aber auch für die Erziehung zu sozialistischen Ärztepersönlichkeiten erkannt haben". Wozu diese Erweiterung führen sollte, belegen eindrücklich die nachfolgend genannten Zahlen. Auch die Parteiführung registrierte dies wohlwollend und konnte ab etwa 1965/66 zufrieden "eine allmähliche Änderung im Verhalten der Ärzteschaft" feststellen.

4. Der Prototyp 1966: männlich, "bürgerliche" Herkunft, 46 Jahre alt, Parteimitglied


Dies kann empirisch anhand der Sozialprofile skizziert werden: Für die geschlechtliche Zusammensetzung ergibt sich eine absolute Dominanz männlicher Beschäftigter. In jedem Vergleichsjahr war jeweils nur eine Frau als Hochschullehrerin an der MAM angestellt. Auffällig ist im Untersuchungszeitraum eine deutliche Steigerung des Anteils der "Arbeiter- und Bauern-Kader". Stieg dieser bei den Medizinischen Akademien DDR-weit zwischen 1962 und 1969 immerhin von 6,4 auf 15,6 Prozent, so lässt sich für die MAM in dem vergleichbaren Zeitraum 1961–1966 gar eine Erhöhung von 16,7 auf 29,3 Prozent feststellen Die von der SED gewünschte Ersetzung alter Ordinarien durch "neue Kader" schien in Magdeburg also bereits zur Mitte der 1960er-Jahre mehr Früchte zu tragen als in der DDR insgesamt.

Alter und NS-Vergangenheit

Für die altersmäßige Zusammensetzung ergibt sich für die MAM ein leicht sinkendes Durchschnittsalter der Hochschullehrer. Betrug der Altersschnitt 1958 noch 47,9 Jahre, sank dieser 1961 auf zunächst 47,1 und fünf Jahre später auf 46,1 Jahre. Damit lag die MAM deutlich unter dem DDR-weiten Durchschnitt von 54,3 Jahren. Dies hängt zum einen mit dem Ausscheiden älterer Ordinarien zusammen; vor allem jedoch wurde diese frappierende Verjüngung durch die nach dem Senatsbeschluss eingeleitete schrittweise Erweiterung des Lehrkörpers und sukzessive Einbindung "neuer Kader" 1965/66 erreicht. Für das Vergleichsjahr 1966 erscheint eine vergleichsweise hohe generationelle Homogenität bemerkenswert: Mehr als die Hälfte der Angehörigen des Lehrkörpers damals war 1945 jünger als 25 Jahre gewesen, gehörte also jener Generation an, für die der Krieg mittel- oder unmittelbar eine biografische Zäsur darstellte: Die Universitätslaufbahn begann für sie zum Ende der 1940er-Jahre, wobei sie im Durchschnitt 1952 promoviert wurden und sich 1961 habilitierten. Die Professorenwürde erreichte diese Kohorte durchschnittlich knapp vier Jahre später, also 1965.

Mehr als vier Fünftel (81,8 Prozent) der Hochschullehrer der MAM (Stand 1961) verfügte über Fronterfahrung im Zweiten Weltkrieg, sei es als Stabs- oder Unterarzt, in Sanitätskompanien oder in Lazaretten. Mindestens fünf von ihnen waren im Zuge dessen mit Verdienstorden wie der "Ostmedaille" oder dem "Eisernen Kreuz" I. und II. Klasse ausgezeichnet worden. Mitglied der NSDAP waren von den Hochschullehrern des Jahres 1958 53,4 Prozent gewesen – davon war die Hälfte (26,7 Prozent) zu diesem Zeitpunkt Mitglied der SED. Dies ist als klarer Kompromiss zwischen politischem Postulat und Unverzichtbarkeit des Einzelnen zu werten. Zwar sagt allein die Feststellung einer formalen NSDAP-Mitgliedschaft noch wenig aus über die tatsächliche politische Gesinnung und den Grad der Identifikation mit den Zielen des NS-Regimes aus; zudem lassen die bloßen Zahlen unberücksichtigt, dass es hier – wie im Fall Nißlers – Dopplungen gegeben hat. Dennoch weisen diese Werte klar in die Richtung, dass eine breite Durchdringung des Lehrstuhls durch SED-Kader ein Ziel der Parteiführung sein musste. Eine vorherige NSDAP-Mitgliedschaft bei mehr als der Hälfte aller Hochschulangehörigen konnte seitens der SED nicht toleriert werden, verwies dies doch auf ein geringes Innovationspotential und auch auf eine gehemmte Anpassungsbereitschaft an die Werte des Sozialismus. Dass die Zahlen aufgrund von Emeritierungen rückläufig waren, nimmt kaum Wunder: 1961 waren nur noch 33,3 und 1966 18 Prozent aller Hochschullehrer Mitglieder der NSDAP gewesen.

SED-Mitgliedschaft

Wie für die NSDAP-, so lässt sich auch für die SED-Mitgliedschaft behaupten: Sie gilt als auch nach außen hin öffentlich bekundete Form machtkonformen Verhaltens. Wie für das "Dritte Reich" galt aber auch für die DDR, dass die Mitgliedschaft in der staatstragenden Partei kaum etwas über die politische Überzeugung und die faktische Identifikation des Einzelnen mit dem jeweiligen System aussagt. Dennoch handelt es sich bei einer Parteimitgliedschaft um ein klar definiertes Merkmal, wenngleich gespeist aus höchst unterschiedlichen Motiven: tatsächlich vorhandene politische Überzeugungen, Karrierismus, Schutz der eigenen Person/Familie, materielle Vorteile etc. Andere denkbare Formen loyalen Verhaltens gegenüber der bestehenden Diktatur – ausgezeichnete und vorbildliche Arbeitsleistungen, (system-) loyales Auftreten in Diskussionen oder besondere Sozialisationsleistungen bei der "Reproduktion", also bei der Erziehung systemtreuer Nachfolgegenerationen – unterliegen in weit größerem Maße subjektiven Bewertungsmaßstäben und sind ohnehin anhand der verfügbaren Quellen nicht mehr aufzuzeigen.

Es scheint unstrittig, dass in den 1960er-Jahren neben der "richtigen" sozialen Herkunft und den jeweiligen Qualifikationen vor allem die politische Loyalität "die Eintrittskarte in die operative und/oder administrative Dienstklasse" war. Mit dem Eintritt in die SED demonstrierte man wenigstens nach außen hin seine persönliche Solidarität und Treue zum Gesellschaftskonzept der DDR. Wer in diesem Staat höhere Positionen bekleiden oder beruflich schneller vorankommen wollte, "der tat gut daran, in die SED einzutreten". Für alle, die ohnehin mit den politisch-ideologischen Zielen der Partei übereinstimmten, war dieser Schritt nur konsequent. Andere konnten sich hierfür zwischen einer Mitgliedschaft bei einer Blockpartei oder der SED entscheiden.

Auch hier lohnt ein Blick auf die Zahlen: War 1958 etwa ein Viertel aller Hochschullehrer Mitglied der SED, so erhöhte sich diese Zahl in den nächsten drei Jahren zunächst auf 29,6 Prozent. Vermutlich widerspiegeln sich in solchen eher niedrigen Zahlen auch die realistischen Karriereaussichten – zumindest der beginnenden 1960er-Jahre –, denn damals galt noch: "Ein sicheres Ticket für die flotte akademische Karriere war das SED-Parteibuch mitnichten." Solange es an den medizinischen Fakultäten respektive Akademien konservative Mehrheiten gab, konnte die SED-Mitgliedschaft einer Karriere eher nachteilig als förderlich sein.

Einen immensen Mitgliederzuwachs erlebte die SED seitens der MAM-Hochschullehrer dann in den folgenden Jahren: Im "Jahr des Durchbruchs" 1966 gehörten bereits 45,5 Prozent aller Hochschullehrer der Einheitspartei an. Diese Zahlen korrespondieren mit anderen Erhebungen. Zunehmend ab der Mitte der 1960er-Jahre wurde DDR-weit eine langsame "SEDisierung der Sektionen" deutlich; neue, in der DDR ausgebildete Professoren kamen hinzu, während alte verstärkt emeritiert wurden. Dieser graduelle Prozess führte schließlich dazu, dass 1989 in der Regel weit über 80 Prozent aller Lehrstuhlinhaber im Bereich Medizin das SED-Parteibuch besaßen.

Differenziert werden muss bei solchen Zahlen immer nach dem jeweiligen Eintrittszeitpunkt. In den Anfangsjahren der SBZ/DDR unterstrichen viele mit dem Eintritt in die SED ihre Ablehnung gegenüber dem untergegangenen nationalsozialistischen Regime. An der Medizinischen Akademie Magdeburg zählte 1961 die übergroße Mehrheit der SED-Angehörigen (87,5 Prozent) zu jenen Genossen der "ersten Stunde", diese waren der Partei bis zur Gründung der DDR beigetreten. Aber auch ehemalige NSDAP-Mitglieder wurden recht schnell in die Einheitspartei integriert. 57,1 Prozent der SED-Genossen von 1961 hatten eine "braune" Vergangenheit. Nicht zuletzt auch an solchen Zahlen muss sich der "antifaschistische Gründungsmythos" messen lassen.

Aufstieg

Eine solche SED-Mitgliedschaft konnte sich durchaus positiv und beschleunigend auf die Karriere auswirken, wie sich empirisch belegen lässt. So hatten alle Hochschullehrer der MAM des Jahres 1966 im Durchschnitt 15,1 Jahre von der Promotion bis zur Erlangung eines Lehrstuhls benötigt. Die Parteilosen an der Akademie hatten hierfür 19,1 Jahre gebraucht, die SED-Mitglieder dagegen nur 11,9 Jahre.

Überträgt man diese Zahlen auf die einzelnen Geburtsjahrgänge, so fällt besonders bei der Generation derjenigen, die nach 1920 geboren worden waren, auf, dass genau 50 Prozent dieser Hochschullehrer Mitglied der SED waren. Bei den älteren Geburtsjahrgängen liegen diese Zahlen bei 20–30 Prozent. Betrachtet man nur diejenigen, die zwischen 1925 und 1933 geboren worden waren, also die "Antifa-Generation" der desillusionierten HJ-, Flakhelfer- und Volkssturm-Jahrgänge, deren prägende politische Erfahrungen sich mit der Gründung der DDR und den Aufbaujahren verbanden, so beträgt diese Zahl sogar 91 Prozent. Die restlichen neun Prozent waren keineswegs parteilos, sondern Mitglied in einer der Blockparteien. Eine solche Mitgliedschaft galt besonders nach dem Mauerbau als Zeichen einer zumindest bedingt systemloyalen Einstellung und konnte sich ebenfalls positiv auf die Karriere auswirken. Gerade Personen, die nicht unter dem direkten Einfluss der Einheitspartei stehen, aber trotzdem ihre Karriere beschleunigen wollten, bot der Eintritt in eine Blockpartei eine Möglichkeit dazu.

Was eine SED-Mitgliedschaft konkret für den einzelnen Hochschullehrer bedeutete, lässt sich nicht im Einzelfall feststellen; ebenso wenig lässt sich beantworten, wie groß die Diskrepanz zwischen formaler Mitgliedschaft und tatsächlicher innerer Verbundenheit mit dem System jeweils war. Allerdings verpflichtete jeder Genosse nach einjähriger Kandidatenzeit sich dazu, den Beschlüssen der Einheitspartei zu folgen und diese aktiv durchzusetzen. Für jene Hochschullehrer, die gleichzeitig Genossen waren, galt demnach rein formal, dass sie idealiter die Ansichten der SED in ihre Lehre einzubringen und als sozialistisches Vorbild für den Ärztenachwuchs zu wirken hatten. Auch hier sind Schattierungen zu vermuten. Nicht zuletzt spielte die Bedeutung des Einzelnen und dessen Un-/Ersetzbarkeit eine Rolle.

Um dies zu unterstreichen, wurden Einzelverträge mit den Hochschullehrern geschlossen. Im Jahre 1961 kamen nachweislich 21 Hochschullehrer in den "Genuss" eines solchen Vertragswerkes (77,8 Prozent). Diese stellten für den Hochschullehrer ein hohes Einkommen und andere Annehmlichkeiten, wie Reisemöglichkeiten oder Ausbildung der Kinder, sicher – um den Preis, vom Staat gewissermaßen "gekauft" worden zu sein.

Auszeichnungen

Im Zeichen der Fluchtprävention stand neben den Einzelverträgen auch die Vielzahl von Auszeichnungen, mit denen die Hochschullehrer der MAM geradezu "überschüttet" wurden: "Verdienter Arzt des Volkes", Vaterländischer Verdienstorden, Hufeland-Medaille in Gold, Silber und Bronze, Medaillen für ausgezeichnete Leistungen, Rudolf-Virchow-Preis, Clara-Zetkin-Medaille usw. – Nahezu alle Hochschullehrer, unabhängig von ihrer Parteizugehörigkeit, erhielten mindestens einen dieser Preise (Stand 1966). Nicht nur quantitativ ist Hansjürgen Matthies hier der unangefochtene "Spitzenreiter", auch qualitativ: Neben fünf der genannten Auszeichnungen allein in den 1960er-Jahren erhielt er 1968 sogar den Nationalpreis der DDR.

All diese Preise waren jeweils mit einer Geldprämie verbunden. Allein bis zum Mauerbau wurden insgesamt 20 dieser Auszeichnungen an verschiedene Hochschullehrer der MAM vergeben. Einerseits wollte man durch Zugeständnisse die Mediziner im Lande halten, andererseits soll gerade der Anschein dieser Intention nicht erweckt werden, um nicht die Schwäche der eigenen Position offen einzugestehen. Die dekorierten Personen drückten so – mindestens unfreiwillig – ihre Verbundenheit mit dem System aus.

Massenorganisationen

Ähnlich den Blockparteien dienten auch die Massenorganisationen als Transmissionsriemen sozialistischer Politik. Über diese Organisationen versuchte die SED, große Teile der Bevölkerung zu erreichen. Allerdings darf auch hier bezweifelt werden, dass die politisch-ideologische Erziehung Erfolge zeitigte. Neben den fachlichen Ausschüssen und medizinischen Vereinen waren die Hochschullehrer Mitglieder in diversen Vereinigungen. 1966 waren insgesamt 91,6 Prozent der MAM-Hochschullehrer Mitglied im Freien Deutschen Gewerkschaftsbund (FDGB), gefolgt von der Gesellschaft für Deutsch-Sowjetische Freundschaft (DSF, 62,5 Prozent), dem Kulturbund (33,3), der Freien Deutschen Jugend (FDJ, 29,6) sowie dem Deutschen Turn- und Sportbund (DTSB, 12,5 Prozent).

Innerhalb der "Antifa-Generation", also der 1925–1933 Geborenen, fallen diese Zahlen deutlich höher aus: Alle von ihnen gehörten dem FDGB an, gefolgt von der DSF (72,7 Prozent), dem Kulturbund und der FDJ (je 54,5) sowie dem DTSB (18,1 Prozent). Für diese Jahrgänge lässt sich demzufolge eine weit höhere Bereitschaft nachweisen, sich gesellschaftspolitisch – zumindest auf dem Papier – einzubringen.

Eine Pflicht zur Mitgliedschaft in diesen Organisationen bestand zwar nicht, doch gab es stets einen informellen Druck, sich mindestens einem dieser Verbände anzuschließen. Wer nicht in der SED war – und das war 1966 immer noch die Mehrheit der untersuchten Hochschullehrer –, musste sich wenigstens anderweitig gesellschaftlich engagieren. Insbesondere der Kulturbund bot eine Möglichkeit, nicht allzu viel Konformität an den Tag legen zu müssen.

Zudem wurden die Massenorganisationen noch durch andere Maßnahmen attraktiver gestaltet. So vergab der FDGB Urlaubsreisen – auch für Hochschullehrer war dies (trotz ihrer teils erweiterter Reisemöglichkeiten) oft die einzige Möglichkeit, einen Urlaubsplatz zu bekommen.

5. Hochschullehrer als Stabilisatoren der Diktatur?


Anders als von der SED gewünscht, konnte an der Medizinischen Akademie Magdeburg zu Beginn der 1960er-Jahre kein ideologisches Zentrum als Gegengewicht zu den noch relativ konservativ geprägten medizinischen Fakultäten an den Universitäten geschaffen werden. Dies lag unter anderem daran, dass das Lehrpersonal in Anbetracht des recht kurzfristigen Aufbaus der Akademien zu einem erheblichen Teil aus anderen medizinischen Ausbildungseinrichtungen rekrutiert werden musste und es eine "bürgerliche Einstellung" von dort bereits mitbrachte. Auf diesem Wege konnten als weder personelle Kontinuitäten gebrochen noch eine neue Elite installiert werden. Folglich musste die konservativ-bürgerliche Bildungselite als politisch neutralisierte Funktionselite in den neuen sozialistischen Staat integriert werden.

Die sogenannte "neue Intelligenz" aus Arbeiter- und Bauernkreisen konnte bis Anfang der 1960er-Jahre innerhalb der Hochschullehrerschaft der MAM noch keinen prägenden Einfluss erlangen. Dieser Prozess vollzog sich eher schleppend und konnte erst nach der Erweiterung des Lehrkörpers 1965/66 sowie dem Ausscheiden der alten Ordinarien greifen. Die personelle Veränderung in den Folgejahren ist beachtlich: Es gelang der SED-Kaderpolitik, den Anteil der Professoren aus der Arbeiter- und Bauernschaft zwischen 1958 und 1966 – nach einem moderaten Wachstum bis 1961 – nahezu zu verdoppeln. Er lag damit deutlich über dem DDR-Durchschnitt. Dabei ist das Jahr 1965 als "Wendepunkt" anzusehen.

Die Erweiterung und schrittweise Verjüngung des Lehrkörpers führte zudem zu einer Verlagerung der politischen Gesamtausrichtung. Neue DDR-Absolventen wurden schrittweise in den Lehrkörper eingebunden, immer mehr traditionell konservativ geprägte Hochschullehrer schieden mit ihrer Emeritierung aus. Rein quantitativ war die Hochschullehrerschaft der MAM im Untersuchungszeitraum von einer höheren SED-Durchdringung gekennzeichnet als andere medizinische Fakultäten der DDR.

Offenbar wurde die SED-Mitgliedschaft seit den 1960er-Jahren in zunehmendem Maße zu einem entscheidenden Auswahlkriterium für Positionen in der akademischen Lehre und Forschung. Hochschullehrer konnten sich fortan nur schwer dem Einfluss der Partei entziehen. Dies korrespondiert auch mit der überdurchschnittlich hohen Bereitschaft der "Antifa-Generation", der Einheitspartei beizutreten. Diese Zahlen können jedoch nicht darüber hinweg täuschen, dass sich eine Mehrheit der Hochschullehrer der MAM offensichtlich auf die Rolle des "politisch indifferenten", also parteilosen "Humanisten" zurückzog, der sich allein auf Lehre und Forschung konzentrierte. Auch gab es mit Sicherheit genügend Ärzte, die Hervorragendes leisteten, ohne sich mit den Vertretern des "entwickelten Sozialismus" zu arrangieren. Dies geschah jedoch im Fall der MAM, ohne aufzubegehren – zumindest dokumentierten die Quellen für den Untersuchungszeitraum keine Handlungen oppositionellen Verhaltens seitens der Hochschullehrer.

"Den" Hochschullehrer der MAM in den 1960er-Jahren hat es nicht gegeben. Vielmehr ergibt sich ein Bild von Dozenten und Ärzten jenseits simpler totalitarismustheoretisch inspirierter Entwürfe, aber auch weit weg von Weichzeichnungen der zweiten deutschen Diktatur. Die Hochschullehrer befanden sich stets im Spannungsgefüge zwischen Anpassung und Repression, das eine Vielzahl von Handlungsoptionen offen hielt. Die Mehrheit hat sich den Spielregeln der sozialistischen Gesellschaft zumindest angepasst; einige diese sicherlich begrüßt, andere in "missmutiger Loyalität" (Alf Lüdtke) hingenommen, allein: in keinen Fällen nachweislich offen aufbegehrt. Die meisten Hochschullehrer der Medizinischen Akademie Magdeburg trugen somit – bewusst oder unbewusst – als "Bindekräfte" (Sabrow) zur relativen Stabilität der DDR nach dem Mauerbau bei.

Fussnoten

Fußnoten

  1. Aus dem Referat des Ministers, Prof. Dr. [Ernst-Joachim] Gießmann, auf der Rektorenberatung am 6.12.1968, LHA Magdeburg, Rep. 13, IV/ B-2/9.02/835, Bl. 13.

  2. Ralph Jessen, Akademische Elite und kommunistische Diktatur. Die ostdeutsche Hochschullehrerschaft in der Ulbricht Ära, Göttingen 1999, S. 430.

  3. Begründung der Emeritierungen an den Medizinischen Fakultäten zum Ende des Studienjahres 1956/57, BArch, DR 3, 1. Schicht, 344, Bl. 2.

  4. Bericht des GI "G. Wenzel" im Sept. 1961 über die Lage an der MAM, BStU, MfS, BV Mgb, AKK 1114/75, Bl. 22, 24. Das Folgende ebd., Bl. 20–24.

  5. Vgl. Klaus-Dieter Müller, Konservative Bastionen an den Hochschulen? Die SED und die medizinischen Fakultäten/Medizinischen Akademien in der DDR, in: hochschule ost 6 (1997) 2, S. 39–51.

  6. Vgl. die Akte IM "Kropnatel", BStU, MfS, BV Mgb, AIM 259/69, Teil I, Bl. 67.

  7. Siehe ebd., Teil II, Bl. 72, 110f.

  8. Anna-Sabine Ernst, "Die beste Prophylaxe ist der Sozialismus". Ärzte und Hochschullehrer in der SBZ/ DDR 1945–1961, Münster u.a. 1997, S. 33.

  9. Vgl. Analysen/Einschätzungen der politisch-ideologischen Situation – Mai 1967, BArch DR 3/B, Nr. 7212, Bl. 105.

  10. N.N., Erweiterung des Lehrkörpers, in: Akademiezeitung 4 (1965), S. 4.

  11. Vgl. Information über politisch-ideologische Probleme der medizinischen Intelligenz v. 8.9.1967, BStU, MfS, HA XX Nr. 479, Bl. 562–563.

  12. Anna-Sabine Ernst, "Die beste Prophylaxe ist der Sozialismus". Ärzte und Hochschullehrer in der SBZ/ DDR 1945–1961, Münster u.a. 1997, S. 52.

  13. Erika M. Hoerning/Feiwel Kupferberg, Die anhaltende Loyalität der ostdeutschen Intelligenz, in: BIOS 12 (1999), S. 32.

  14. Klaus Schroeder, Der SED-Staat. Geschichte und Strukturen der DDR, München 1998, S. 405.

  15. Anna-Sabine Ernst, "Die beste Prophylaxe ist der Sozialismus". Ärzte und Hochschullehrer in der SBZ/ DDR 1945–1961, Münster u.a. 1997, S. 31.

  16. Vgl. Klaus-Dieter Müller, Konservative Bastionen an den Hochschulen? Die SED und die medizinischen Fakultäten/Medizinischen Akademien in der DDR, in: hochschule ost 6 (1997) 2, S. 39–51, hier 46.

  17. Vgl. für Jena: Stefan Wallentin, Entbürgerlichung? Eine quantifizierende Untersuchung zur Struktur des Lehrkörpers der Friedrich-Schiller-Universität Jena vom Ende des Zweiten Weltkrieges bis zur "Dritten Hochschulreform" von 1968/ 69, in: Uwe Hoßfeld u.a. (Hg.), Hochschule im Sozialismus. Studien zur Geschichte der Friedrich-Schiller-Universität Jena (1945–1990), Köln u.a. 2007, Bd. 1, S. 267–287.

Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Historischen Seminar der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster.