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Das Lob der ersten Schritte und der Nutzen von Vielfalt und Konflikt | Deutschland Archiv | bpb.de

Deutschland Archiv Neu im DA Schwerpunkte Zeitenwende? Der Ukrainekrieg und die Folgen. 45 Analysen & Essays. Was riskieren wir? Ein Sommer der Unentschlossenheit Zehn Monate Krieg Die Waffen nieder? Ungleiche Fluchten? Schwerter allein sind zu wenig „Russland wird sich nach Putin ändern“ Die be(un)ruhigende Alltäglichkeit des Totalitären Vergessene Bomben aus Deutschland Putins Mimikry Schon einmal Vernichtungskrieg Verhandeln, aber wie? Das sterbende russländische Imperium und sein deutscher Helfer Was lief schief seit dem Ende des Kalten Krieges? „Sie haben die Zukunft zerbrochen“ Vertreibung ist auch eine Waffe "Wie ich Putin traf und er mich das Fürchten lehrte" "Wir bewundern sie und sie verschwinden" Mehr Willkommensklassen! Hoffen auf einen russischen „Nürnberger Prozess“ Russische Kriegskontinuitäten Wurzeln einer unabhängigen Ukraine Der erschütterte Fortschritts-Optimismus "Leider haben wir uns alle geirrt" Die Hoffnung auf eine gesamteuropäische Friedens- und Sicherheitsarchitektur nicht aufgeben „Ihr Völker der Welt“ Das erste Opfer im Krieg ist die Wahrheit China und die „Taiwanfrage“ Deutschlands Chinapolitik – schwach angefangen und stark nachgelassen "Ein Dämon, der nicht weichen will" Transformation und Deutsche Einheit Die sozialpsychologische Seite der Zukunft Zwölf Thesen zu Wirtschaftsumbau und Treuhandanstalt Die andere Geschichte der Umbruchjahre – alternative Ideen und Projekte 30 Jahre nach Rostock-Lichtenhagen Wiedervereinigt auf dem Rücken von Migranten und Migrantinnen? Film ohne Auftrag - Perspektiven, die ausgegrenzt und unterschlagen wurden Geheimdienste, „Zürcher Modell“ und „Länderspiel“ 50 Jahre Grundlagenvertrag Drei Kanzler und die DDR Populismus in Ost und West Akzeptanz der repräsentativen Demokratie in Ostdeutschland Zusammen in Feindseligkeit? Neuauflage "(Ost)Deutschlands Weg" Ostdeutsche Frakturen Geschichtspolitik von oben? Anpassungsprozess der ostdeutschen Landwirtschaft Daniela Dahn: TAMTAM und TABU Wege, die wir gingen „Der Ort, aus dem ich komme, heißt Dunkeldeutschland” Unternehmerischer Habitus von Ostdeutschen Teuer erkauftes Alltagswissen Trotz allem im Zeitplan Revolution ohne souveränen historischen Träger Mehr Frauenrechte und Parität Lange Geschichte der „Wende“ Eine Generation nach der ersten freien Volkskammerwahl Unter ostdeutschen Dächern Die de Maizières: Arbeit für die Einheit Schulzeit während der „Wende” Deutschland – Namibia Im Gespräch: Bahr und Ensikat Gorbatschows Friedliche Revolution "Der Schlüssel lag bei uns" "Vereinigungsbedingte Inventur" "Es gab kein Drehbuch" "Mensch sein, Mensch bleiben" Antrag auf Staatsferne Alt im Westen - Neu im Osten Die Deutsche Zweiheit „Ein echtes Arbeitsparlament“ Corona zeigt gesellschaftliche Schwächen Widersprüchliche Vereinigungsbilanz Schule der Demokratie Warten auf das Abschlusszeugnis Brief an meine Enkel Putins Dienstausweis im Stasi-Archiv Preis der Einheit Glücksstunde mit Makeln Emotional aufgeladenes Parlament Geht alle Macht vom Volke aus? Deutschland einig Vaterland 2:2 gegen den Bundestag "Nicht förderungswürdig" Demokratie offen halten Standpunkte bewahren - trotz Brüchen Die ostdeutsche Erfahrung Kaum Posten für den Osten Braune Wurzeln Wer beherrscht den Osten „Nicht mehr mitspielen zu dürfen, ist hart.“ Ein Ost-West-Dialog in Briefen Stadtumbau Ost Ostdeutschland bei der Regierungsbildung 2017 Die neue Zweiklassengesellschaft DDR-Eishockey im Wiedervereinigungsprozess Die SPD (West) und die deutsche Einheit Die Runden Tische 1989/90 in der DDR Die Wandlung der VdgB zum Bauernverband 1990 Transatlantische Medienperspektiven auf die Treuhandanstalt Transformation ostdeutscher Genossenschaftsbanken Demografische Entwicklung in Deutschland seit 1990 Parteien und Parteienwettbewerb in West- und Ostdeutschland Hertha BSC und der 1. FC Union vor und nach 1990 25 Jahre nach der Wiedervereinigung Ostdeutsches Industriedesign im Transformationsprozess Wende und Vereinigung im deutschen Radsport Wende und Vereinigung im deutschen Radsport (II) Kuratorium für einen demokratisch verfassten Bund deutscher Länder Europäische Union als Voraussetzung für deutschen Gesamtstaat Welche Zukunft braucht Deutschlands Zukunftszentrum? Ein Plädoyer. Erinnern, Gedenken, Aufarbeiten Vier Ansichten über ein Buch, das es nicht gibt "Es war ein Tanz auf dem Vulkan" Föderalismus und Subsidiarität „Nur sagen kann man es nicht“ Wenn Gedenkreden verklingen Zeitenwenden Geschichtsklitterungen „Hat Putin Kinder?“, fragt meine Tochter Wolf Biermann über Putin: Am ersten Tag des Dritten Weltkrieges Der Philosoph hinter Putin „Putin verwandelt alles in Scheiße“ Das Verhängnis des Imperiums in den Köpfen Ilse Spittmann-Rühle ist gestorben Der Friedensnobelpreis 2022 für Memorial Rückfall Russlands in finsterste Zeiten Memorial - Diffamiert als "ausländische Agenten" Die Verteidigung des Erinnerns Russlands Attacken auf "Memorial" Der Fall Schalck-Golodkowski Ende des NSU vor zehn Jahren 7. Oktober 1989 als Schlüsseltag der Friedlichen Revolution Die Geschichte von "Kennzeichen D" Nachruf auf Reinhard Schult Leningrad: "Niemand ist vergessen" Verfolgung von Sinti und Roma Zuchthausaufarbeitung in der DDR - Cottbus Sowjetische Sonderhaftanstalten Tage der Ohnmacht "Emotionale Schockerlebnisse" Ein Neonazi aus der DDR Akten als Problem? Eine Behörde tritt ab Ostberlin und Chinas "Großer Sprung nach vorn" Matthias Domaschk - das abrupte Ende eines ungelebten Lebens Ein Wettbewerb für SchülerInnenzeitungen Totenschädel in Gotha Bürgerkomitees: Vom Aktionsbündnis zum Aufarbeitungsverein Westliche Leiharbeiter in der DDR Hohenzollern und Demokratie nach 1918 (I) Hohenzollern und Demokratie nach 1918 (II) Auf dem Weg zu einem freien Belarus? Erstes deutsch-deutsches Gipfeltreffen im Visier des BND Neue Ostpolitik und der Moskauer Vertrag Grenze der Volksrepublik Bulgarien Die Logistik der Repression Schwarzenberg-Mythos Verschwundene Parteifinanzen China, die Berlin- und die Deutschlandfrage 8. Mai – ein deutscher Feiertag? China und die DDR in den 1980ern 1989 und sein Stellenwert in der europäischen Erinnerung Stasi-Ende Die ungewisse Republik Spuren und Lehren des Kalten Kriegs Einheitsrhetorik und Teilungspolitik Schweigen brechen - Straftaten aufklären Welche Zukunft hat die DDR-Geschichte? Die Deutschen und der 8. Mai 1945 Jehovas Zeugen und die DDR-Erinnerungspolitik Generation 1989 und deutsch-deutsche Vergangenheit Reformationsjubiläen während deutscher Teilung 25 Jahre Stasi-Unterlagen-Gesetz Kirchliche Vergangenheitspolitik in der Nachkriegszeit Zwischenbilanz Aufarbeitung der DDR-Heimerziehung Der Umgang mit politischen Denkmälern der DDR Richard von Weizsäckers Rede zum Kriegsende 1985 Die Sowjetunion nach Holocaust und Krieg Nationale Mahn- und Gedenkstätten der DDR Behörde des Bundesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen Die Entmilitarisierung des Kriegstotengedenkens in der SBZ Heldenkult, Opfermythos und Aussöhnung Durchhalteparolen und Falschinformationen aus Peking Buchenwald und seine fragwürdige Nachgeschichte Grenzsicherung nach dem Mauerbau Einmal Beethoven-Haus und zurück Das Bild Walther Rathenaus in der DDR und der Bundesrepublik Alles nach Plan? Vier Gedanken über Werner Schulz „Wie ein Film in Zeitlupe“ "Ich hatte Scheißangst" 1989/90 - Friedliche Revolution und Deutsche Einheit Frauen in der Bürgerbewegung der DDR und während der Friedlichen Revolution Die Wege zum 9. November 1989 „Die Stunde ist gekommen aufzustehen vom Schlaf“ Mythos Montagsdemonstration Ossi? Wessi? Geht's noch? Es gibt keine wirkliche Ostdebatte Die. Wir. Ossi. Wessi? Wie man zum Ossi wird - Nachwendekinder zwischen Klischee und Stillschweigen 2 plus 4: "Ihr könnt mitmachen, aber nichts ändern“ Blick zurück nach vorn Wem gehört die Revolution? Die erste und letzte freie DDR-Volkskammerwahl Mythos 1989 Joseph Beuys über die DDR Der 9. Oktober 1989 in Leipzig Egon Krenz über den 9. November Die deutsche Regierung beschleunigt zu stark Projekte für ein Freiheits- und Einheitsdenkmal in Berlin und Leipzig Deutsch-deutsche Begegnungen. Die Städtepartnerschaften am Tag der Deutschen Einheit Mit Abstand betrachtet - Erinnerungen, Fragen, Thesen. Die frohe Botschaft des Widerstands Mauerfall mit Migrationshintergrund "Wer kann das, alltäglich ein Held sein?" "Es geht um Selbstbefreiung und Selbstdemokratisierung" Kann man den Deutschen vertrauen? Ein Rückblick nach einem Vierteljahrhundert deutscher Einheit Von der (eigenen) Geschichte eingeholt? Berlin – geteilte Stadt & Mauerfall Berliner Polizei-Einheit Die Mauer. 1961 bis 2021 The Wall: 1961-2021 - Part One The Wall: 1961-2021 - Part Two "Es geht nicht einfach um die Frage, ob Fußball gespielt wird" Mauerbau und Alltag in Westberlin Der Teilung auf der Spur The Games at the Gate Der Mauerfall aus vielen Perspektiven Video der Maueröffnung am 9. November 1989 Die Mauer fiel nicht am 9. November Mauersturz statt Mauerfall Heimliche Mauerfotos von Ost-Berlin aus Ost-West-Kindheiten "Niemand hat die Absicht, die Menschenwürde anzutasten" Berlinförderung und Sozialer Wohnungsbau in der „Inselstadt“ Wie stellt der Klassenfeind die preußische Geschichte aus? Flughafen Tempelhof Die Bundeshilfe für West-Berlin Christliche Gemeinschaft im geteilten Berlin Amerikanische Militärpräsenz in West-Berlin Das Stadtjubiläum von 1987 in Ost- und West-Berlin Bericht zum Workshop "Das doppelte Stadtjubiläum" Das untergegangene West-Berlin Interview: „Der Zoo der Anderen“ Un-Rechts-Staat DDR Bedrohter Alltag Unrecht, Recht und Gerechtigkeit - eine Bilanz von Gerd Poppe Der Geschlossene Jugendwerkhof Torgau – eine "Totale Institution" Stasi-Hafterfahrungen: Selbstvergewisserung und Renitenz Kritik und Replik: Suizide bei den Grenztruppen und im Wehrdienst der DDR Suizide bei den Grenztruppen der DDR. Eine Replik auf Udo Grashoff Die Todesopfer des DDR-Grenzregimes, ihre Aufarbeitung und die Erinnerungskultur Die Freiheit ist mir lieber als mein Leben „Nicht nur Heldengeschichten beschreiben“ Wer war Opfer des DDR-Grenzregimes? Todesopfer des DDR-Grenzregimes - Eine Recherche Todesopfer des DDR-Grenzregimes - Eine andere Sicht "Begriffliche Unklarheiten" Die Reichsbahn und der Strafvollzug in der DDR "Schicksale nicht Begriffe" Mauerbau und Machtelite Zwangseingewiesene Mädchen und Frauen in Venerologischen Einrichtungen Stasi-Razzia in der Umweltbibliothek Politisch inhaftierte Frauen in der DDR Ein widerständiges Leben: Heinz Brandt Über den Zaun und zurück – Flucht und Rückkehr von Dietmar Mann Die politische Justiz und die Anwälte in der Arä Honecker Geraubte Kindheit – Jugendhilfe in der DDR Haftarbeit im VEB Pentacon Dresden – eine Fallstudie Zwischen Kontrolle und Willkür – Der Strafvollzug in der DDR Suizide in Haftanstalten: Legenden und Fakten Die arbeitsrechtlichen Konsequenzen in der DDR bei Stellung eines Ausreiseantrages Max Fechner – Opfer oder Täter der Justiz der Deutschen Demokratischen Republik? Die "Auskunftspersonen" der Stasi – Der Fall Saalfeld Geschlossene Venerologische Stationen und das MfS Jugendhilfe und Heimerziehung in der DDR Fraenkels "Doppelstaat" und die Aufarbeitung des SED-Unrechts "OV Puppe". Ein Stasi-Raubzug im Spielzeugland Alltag und Gesellschaft Ost-West Nachrichtenvergleiche Fußball mit und ohne Seele München 1972: Olympia-Streit um das „wahre Freundesland“ Afrikas Das religiöse Feld in Ostdeutschland Repräsentation Ostdeutschlands nach Wahl 2021 Die Transformation der DDR-Presse 1989/90 Das Elitendilemma im Osten "Affirmative Action" im Osten Ostdeutsche in den Eliten als Problem und Aufgabe Ostdeutsche Eliten und die Friedliche Revolution in der Diskussion Die Bundestagswahl 2021 in Ostdeutschland Deutsch-deutsche Umweltverhandlungen 1970–1990 Der Plan einer Rentnerkartei in der DDR "Es ist an der Zeit, zwei deutsche Mannschaften zu bilden" Deutsch-ausländische Ehen in der Bundesrepublik Verhandelte Grenzüberschreitungen Verpasste Chancen in der Umweltpolitik Der dritte Weg aus der DDR: Heirat ins Ausland Und nach Corona? Ein Laboratorium für Demokratie! Nichtehelichkeit in der späten DDR und in Ostdeutschland 30 Jahre später – der andere Bruch: Corona Mama, darf ich das Deutschlandlied singen Mit der Verfassung gegen Antisemitismus? Epidemien in der DDR Homosexuelle in DDR-Volksarmee und Staatssicherheit „Die DDR als Zankapfel in Forschung und Politik" Die Debatte über die Asiatische Grippe Coronavirus - Geschichte im Ausnahmezustand Werdegänge Familien behinderter Kinder in BRD und DDR Vom Mauerblümchen zum Fußball-Leuchtturm DDR-Alltag im Trickfilm Die alternative Modeszene der DDR Nachrichtendienste in Deutschland. Teil II Nachrichtendienste in Deutschland. Teil I Die Jagd gehört dem Volke Homosexuelle und die Bundesrepublik Deutschland Honeckers Jagdfieber zahlte die Bevölkerung Sicherheitspolitik beider deutscher Staaten von 1949 bis 1956 Frauen im geteilten Deutschland Ostdeutsche Identität Patriotismus der Friedensbewegung und die politische Rechte Rechte Gewalt in Ost und West Wochenkrippen und Kinderwochenheime in der DDR Urlaubsträume und Reiseziele in der DDR Reiselust und Tourismus in der Bundesrepublik Schwule und Lesben in der DDR Die westdeutschen „Stellvertreterumfragen“ Erfahrungen mit der Krippenerziehung „Päckchen von drüben“ Vor aller Augen: Pogrome und der untätige Staat Zwischen Staat und Markt Dynamo in Afrika: Doppelpass am Pulverfass „DDR-Übersiedler in Afrika hochwillkommen” Jüdinnen in Deutschland nach 1945 Interviews Beiträge Porträts Redaktion "Ungehaltene Reden". Denkanstöße ehemaliger Abgeordneter der letzten Volkskammer der DDR Was sollten Wähler und Wählerinnen heute bedenken? Ein urdemokratischer Impuls, der bis ins Heute reicht „Als erster aus der Kurve kommen“ Die Rolle des Staats in der Wahrnehmung der Ostdeutschen Die durchlaufene Mauer Interview: Peter-Michael Diestel Interview: Günther Krause Interview: Lothar de Maizière Schülerzeitungstexte Noch Mauer(n) im Kopf? Liebe über Grenzen Ostseeflucht Fluchtursachen Die Frau vom Checkpoint Charlie Mutti, erzähl doch mal von der DDR Staatsfeind Nr.1: DAS VOLK!!! Mit dem Bus in die DDR Ost und West. Ein Vergleich Warum wird der 3. Oktober gefeiert? "Ich wünsch mir, dass die Mauer, die noch immer in vielen Köpfen steht, eingerissen wird" Zeitenwende Ist der Osten ausdiskutiert? Der Mutige wird wieder einsam Das Jahr meines Lebens Basisdemokratie Lehren aus dem Zusammenbruch "Wir wollten uns erhobenen Hauptes verabschieden" Für die gute Sache, gegen die Familie DDR-Wissenschaftler Seuchenbekämpfung Chemnitz: Crystal-Meth-Hauptstadt Europas Keine Ahnung, was als Nächstes passieren wird Allendes letzte Rede Friedliche Revolution Gethsemanekirche und Nikolaikirche Das Wirken der Treuhandanstalt Gewerkschaften im Prozess von Einheit und Transformation Zusammenarbeit von Treuhandanstalt und Brandenburg Privatisierung vom DDR-Schiffbau Die Leuna-Minol-Privatisierung Übernahme? Die Treuhandanstalt und die Gewerkschaften: Im Schlepptau der Bonner Behörden? Treuhand Osteuropa Beratungsgesellschaft "Ur-Treuhand" 1990 Internationale Finanzakteure und das Echo des Sozialismus Soziale Marktwirtschaft ohne Mittelstand? Die Beziehungen zwischen Frankreich und der DDR Suche nach den Spuren der DDR Wirtschaftsbeziehungen zwischen Frankreich und der DDR Der Freundschaftsverein „EFA“ Die Mauer in der französischen Populärkultur DDR als Zankapfel in Forschung und Politik DDR-Geschichte in französischen Ausstellungen nach 2009 Theater- und Literaturtransfer zwischen Frankreich und der DDR Die DDR in französischen Deutschbüchern Kommunalpartnerschaften zwischen Frankreich und der DDR Regimebehauptung und Widerstand Mut zum Aussteigen aus Feindbildern Für die Freiheit verlegt - die radix-blätter Der Fußballfan in der DDR Jugend in Zeiten politischen Umbruchs Umweltschutz als Opposition Sozialistisches Menschenbild und Individualität. Wege in die Opposition Politische Fremdbestimmung durch Gruppen Ist Antisemitismus vor allem ein ostdeutsches Problem? Antisemitismus in Deutschland Die Zweite Generation jüdischer Remigranten im Gespräch War die DDR antisemitisch? Antisemitismus in der DDR Teil I Antisemitismus in der DDR Teil II Als ob wir nichts zu lernen hätten von den linken Juden der DDR ... Ostdeutscher Antisemitismus: Wie braun war die DDR? Die Shoah und die DDR Umgang mit jüdischen Friedhöfen und Friedhofsschändungen, Teil I Umgang mit jüdischen Friedhöfen und Friedhofsschändungen, Teil II Israel im Schwarzen Kanal Der Nahostkonflikt in Kinder- und Jugendzeitschriften der DDR, I Der Nahostkonflikt in Kinder- und Jugendzeitschriften der DDR, II Das Israelbild der DDR und dessen Folgen Buchenwald und seine fragwürdige Nachgeschichte Macht-Räume in der DDR Wirtschaftspläne im Politbüro 1989 "Macht-Räume in der DDR" Macht, Raum und Plattenbau in Nordost-Berlin Machträume und Eigen-Sinn der DDR-Gesellschaft Die "Eigenverantwortung" der örtlichen Organe der DDR Strategien und Grenzen der DDR-Erziehungsdiktatur Staatliche Einstufungspraxis bei Punk- und New-Wave-Bands Kommunalpolitische Kontroversen in der DDR (1965-1973) Schwarzwohnen 1968 – Ost und West Der Aufstand des 17. Juni 1953 Interview mit Roland Jahn Der 17. Juni 1953 und Europa Geschichtspolitische Aspekte des 17. Juni 17. Juni Augenzeugenbericht Kultur und Medien Einmal Beethoven-Haus und zurück Gedächtnis im Wandel? Der Aufbau des öffentlich-rechtlichen Rundfunks in Ostdeutschland Die Demokratisierung von Rundfunk und Fernsehen der DDR Die Stasi und die Hitler-Tagebücher Ein Nachruf auf Walter Kaufmann Die Tageszeitung »Neues Deutschland« vor und nach 1990 Wie ein Staat untergeht Objektgeschichte antifaschistischer Ausstellungen der DDR Reaktionen auf die Ausstrahlung der Fernsehserie „Holocaust“ „Mitteldeutschland“: ein Kampfausdruck? Gesundheitsaufklärung im Global Humanitarian Regime The British Press and the German Democratic Republic Kulturkontakte über den Eisernen Vorhang hinweg "Drei Staaten, zwei Nationen, ein Volk“ "Flugplatz, Mord und Prostitution" SED-Führung am Vorabend des "Kahlschlag"-Plenums Ende der Anfangsjahre - Deutsches Fernsehen in Ost und West "Wer nicht für uns ist, ist gegen uns. Es gibt keinen Dritten Weg" Frauenbild der Frauenpresse der DDR und der PCI Regionales Hörfunkprogramm der DDR DDR-Zeitungen und Staatssicherheit Eine Chronik von Jugendradio DT64 Die "neue Frau": Frauenbilder der SED und PCI (1944-1950) Lager nach 1945 Ukrainische Displaced Persons in Deutschland Jugendauffanglager Westertimke Das Notaufnahmelager Gießen Die Gedenkstätte und Museum Trutzhain Die Barackenstadt: Wolfsburg und seine Lager nach 1945 Die Aufnahmelager für West-Ost-Migranten Die Berliner Luftbrücke und das Problem der SBZ-Flucht 1948/49 Migration Fortbildungen als Entwicklungshilfe Einfluss von Erinnerungskulturen auf den Umgang mit Geflüchteten Friedland international? Italienische Zuwanderung nach Deutschland Jüdische Displaced Persons Das Notaufnahmelager Marienfelde Migration aus Süd- und Südosteuropa nach Westeuropa Die "Kinder der 'Operation Shamrock'" Rück- und Zuwanderung in die DDR 1949 bis 1989 West-Ost-Übersiedlungen in der evangelischen Kirche Migration aus der Türkei Griechische Migration nach Deutschland Die Herausforderung der Aussiedlerintegration Die Ausreise aus der DDR Das Spezifische deutsch-deutscher Migration Flüchtlinge und Vertriebene im Nachkriegsdeutschland Interview mit Birgit Weyhe zur Graphic Novel "Madgermanes" Die Migration russischsprachiger Juden seit 1989 Chinesische Vertragsarbeiter in Dessau Arbeitsmigranten in der DDR Gewerkschaften und Arbeitsmigration in der Bundesrepublik Deutschlandforschertagung 2016 Eröffnungsreden Panels und Poster Session Grenzgebiete Die Wende im Zonenrandgebiet Der andere Mauerfall Das "Grüne Band" Alltagsleben im Grenzgebiet Aktion, Reaktion und Gegenreaktion im „Schlüsseljahr“ 1952 Außensichten auf die deutsche Einheit Wahrnehmung des geeinten Deutschlands in Serbien Norwegische Freundschaft mit dem vereinten Deutschland Deutschland im Spiegel des Wandels der Niederlande Österreichs Reaktionen auf die Mühen zur deutschen Einheit Israelische Reaktionen auf die Wiedervereinigung Deutsche Diplomaten erleben den Herbst 1989 Das wiedervereinigte Deutschland aus Sicht der Slowaken Wahrnehmung der deutschen Einheit in Dänemark Die Perzeption der Wiedervereinigung in Lateinamerika Deutsch-polnische Beziehungen Der Blick junger Schweizer auf Deutschland Bulgarien blickt erwartungsvoll nach Deutschland Vom bescheidenen Wertarbeiter zur arroganten Chefin "Gebt zu, dass die Deutschen etwas Großes geleistet haben." 150 Jahre Sozialdemokratie Wehners Ostpolitik und die Irrtümer von Egon Bahr 150 Jahre Arbeiterturn- und Sportbewegung Die Spaltung der SPD am Ende der deutschen Teilung Willy Brandts Besuch in Ostberlin 1985 Deutschlandforschertagung 2014 Einleitungsvortrag von Christoph Kleßmann Tagungsbericht: "Herrschaft und Widerstand gegen die Mauer" Tagungsbericht: Sektion "Kultur im Schatten der Mauer" Interview mit Heiner Timmermann Interview mit Angela Siebold Interview mit Jérôme Vaillant Interview mit Irmgard Zündorf Interview mit Andreas Malycha Die Mauer in westdeutschen Köpfen Multimedia Wie wurde ich ein politischer Mensch? Zeitreisen mit "Kennzeichen D" Der Anfang vom Ende der DDR: Die Biermann-Ausbürgerung 1976 Wendekorpus. Eine Audio-Zeitreise. 1. Vorboten von Umbruch und Mauerfall 2. Schabowski und die Öffnung der Grenzen am 9. November 1989 3. Grenzübertritt am 10. November 4. Begrüßungsgeld 100 D-Mark 5. Den Anderen anders wahrnehmen 6. Stereotypen 7. Was bedeutet uns der Fall der Mauer? 8. Emotionen 9. Sprache Gespräche mit Zeitzeuginnen und Zeitzeugen Brecht & Galilei: Ideologiezertrümmerung Die Zweite Generation jüdischer Remigranten im Gespräch Ausgaben vor 2013 Bau- und Planungsgeschichte (11+12/2012) Architektur als Medium der Vergesellschaftung Landschaftsarchitektur im Zentrum Berlins Kunst im Stadtraum als pädagogische Politik Dresden – das Scheitern der "sozialistischen Stadt" Bautyp DDR-Warenhaus? Ulrich Müthers Schalenbauten Medizinische Hochschulbauten als Prestigeobjekt der SED Transitautobahn Hamburg–Berlin Literaturjournal Aufarbeitung (10/2012) "Es geht nicht um Abrechnung ..." "Ein Ort, der zum Dialog anregt" Eckstein einer EU-Geschichtspolitik? Schwierigkeiten mit der Wahrheit Personelle Kontinuitäten in Brandenburg seit 1989 "Geschlossene Gesellschaft" Kulturelite im Blick der Stasi Experten für gesamtdeutsche Fragen – der Königsteiner Kreis Friedrich II. – Friedrich der Große Literaturjournal Deutsch-deutscher Literaturaustausch (8+9/2012) Eine gesamtdeutsche Reihe? Die Insel-Bücherei Versuche deutsch-deutscher Literaturzeitschriften Geschiedene Gemüter, zerschnittene Beziehungen Ein Name, zwei Wege: Reclam Leipzig und Reclam Stuttgart Die Beobachtung des westdeutschen Verlagswesens durch das MfS Volker Brauns Reflexionen über die Teilung Deutschlands Die Leipziger Buchmesse, die Börsenvereine und der Mauerbau Die Publikationskontroverse um Anna Seghers' "Das siebte Kreuz" Westdeutscher linker Buchhandel und DDR Die Publikationsgeschichte von Stefan Heyms "Erzählungen" Das große Volkstanzbuch von Herbert Oetke Eine deutsch-deutsche Koproduktion: die "OB" Dokumentation: "Ein exemplarisches Leben – eine exemplarische Kunst" Literaturjournal Nach dem Mauerbau (7/2012) Der ewige Flüchtling Der Warenkreditwunsch der DDR von 1962 Die Entstehung der "Haftaktion" Leuna im Streik? Mit dem Rücken zur Mauer Der Honecker-Besuch in Bonn 1987 Ein Zufallsfund? Literaturjournal Politische Bildung (6/2012) Antikommunismus zwischen Wissenschaft und politischer Bildung Subjektorientierte historische Bildung Geschichtsvermittlung in der Migrationsgesellschaft "Hallo?! – Hier kommt die DDR" Vergangenheit verstehen, Demokratiebewusstsein stärken Keine einfachen Wahrheiten Literaturjournal Sport (5/2012) Sportnation Bundesrepublik Deutschland? Marginalisierung der Sportgeschichte? Dopingskandale in der alten Bundesrepublik Hooliganismus in der DDR "Erfolge unserer Sportler – Erfolge der DDR" Literaturjournal Nachkrieg (4/2012) Jüdischer Humor in Deutschland Die SED und die Juden 1985–1990 "Braun" und "Rot" – Akteur in zwei deutschen Welten Kriegsverbrecherverfolgung in SBZ und früher DDR Die "Hungerdemonstration" in Olbernhau Eklat beim Ersten Deutschen Schriftstellerkongress Workuta – die "zweite Universität" Dokumentation: Die Rehabilitierung der Emmy Goldacker Kaliningrader Identitäten "Osten sind immer die Anderen!" Freiheit und Sicherheit Literaturjournal Wirtschaft und Soziales (3/2012) Zeitgeschichte/ Zeitgeschehen Forum Literaturjournal Zeitgeschichte im Film (2/2012) Zeitgeschichte/ Zeitgeschehen Forum Literaturjournal Nonkonformität und Widerstand (1/2012) Zeitgeschichte/ Zeitgeschehen Dokumentation Forum Literaturjournal Deutsch-deutsches (11+12/2011) Zeitgeschichte/ Zeitgeschehen Dokumentation Forum Literaturjournal Öffentlicher Umgang mit Geschichte (10/2011) Zeitgeschichte/ Zeitgeschehen Forum Literaturjournal 21 Jahre Deutsche Einheit (9/2011) Zeitgeschichte/ Zeitgeschehen Dokumentation Forum Literaturjournal Wissenschaft (8/2011) Zeitgeschichte/ Zeitgeschehen Forum Literaturjournal 50 Jahre Mauerbau - Teil 2 (7/2011) Zeitgeschichte/ Zeitgeschehen Dokumentation Forum Literaturjournal 50 Jahre Mauerbau (6/2011) Zeitgeschichte/ Zeitgeschehen Dokumentation Forum Literaturjournal Kultur (5/2011) Zeitgeschichte/ Zeitgeschehen Dokumentation Forum Literaturjournal Innere Sicherheit (4/2011) Zeitgeschichte/ Zeitgeschehen Dokumentation Forum Literaturjournal Wirtschaftsgeschichte (3/2011) Zeitgeschichte/ Zeitgeschehen Dokumentation Forum Literaturjournal Ost-West-Beziehungen (2/2011) Zeitgeschichte/ Zeitgeschehen Dokumentation Forum Literaturjournal Medien (1/2011) Zeitgeschichte/ Zeitgeschehen Dokumentation Forum Literaturjournal Über das Deutschland Archiv Redaktion Nach den Unruhen in Kasachstan: Wendepunkt oder Weiter so?

Das Lob der ersten Schritte und der Nutzen von Vielfalt und Konflikt Strömungen und Schlüsselfiguren der unabhängigen DDR-Friedensbewegung

Alexander Leistner

/ 26 Minuten zu lesen

Der Weg, in einer Gesellschaft grundlegende Veränderungen anzustoßen, ist meist steinig und mühsam, das Unterwegssein geprägt von typischen Problemen. Am Beispiel der DDR-Friedensbewegung wird daher die grundlegende Bedeutung bekannter wie unbekannter Schlüsselfiguren aufgezeigt: vom Pionier über den Vernetzer bis hin zum Aktionisten.

"Weg des Friedens" – "Wege zum Frieden"

Es gab und gibt – vor allem in christlichen Kreisen – eine Metapher für das Friedensengagement: der vielzitierte und biblisch aufgetragene "Weg des Friedens". Zuweilen wird auch von den "Wegen zum Frieden" gesprochen. Der Fokus liegt dann mehr auf zu erreichenden Endzuständen, und im Plural ist mitgedacht, dass dessen Verwirklichung so mühsam wie kompliziert ist. Nun muss man weder des Lukas-Evangeliums kundig noch an friedensethischen Grundsatzdebatten interessiert sein, um in diesem Bild des Weges wie des Unterwegsseins zentrale Aspekte und elementare Erfahrungen des politischen Engagements zu erkennen. Bei Albert Camus etwa führen die Schritte hin zu gesellschaftlicher Veränderung immer wieder neu bergan und hinein in die Daueranstrengung eines vermeintlich fröhlichen Steinewälzens. Günter Grass trägt dem Engagierten an, die Geschwindigkeit der Schnecke als Maßstab für die erwartbaren Fortschritte zu akzeptieren. Die Metapher des Weges und des Unterwegssein ist einschlägig bis in politischen Kontrastbegriffe hinein: das "Erreichte" markiert dann die Ankunft, die häufig, aber nicht zwangsläufig mit dem Ende des Unterwegsseins zusammenfällt. Die "Verirrung" steht für jedwede Form des faktischen oder vermeintlichen Überschreitens der jeweils bestehenden weltanschaulichen Leitplanken. Beides warf man von staatlicher Seite aus den Aktivisten der staatsunabhängigen Friedensbewegung in der DDR vor: Sie galten mindestens als "Verirrte", weil sie das "Erreichte", also die Errungenschaften des real existierenden Sozialismus, nicht einfach hinnahmen und weil sie ferner die friedenssichernde Wirkung von dessen hochgerüsteter Frontexistenz hartnäckig hinterfragten und ihn so in Teilen schmerzhaft an die emanzipatorischen Wurzeln der eigenen Ideologie erinnerten.

Die Friedensbewegung in der DDR nannte sich unabhängig, weil sie im Widerspruch zur staatlichen Friedensrhetorik stand und die Militarisierung der Gesellschaft kritisierte. Die ersten Gruppen entstanden unter dem Dach der evangelischen Kirche, aber immer wieder gab es Konflikte zwischen den politisch drängelnden Aktivisten und insgesamt eher vorsichtigen Kirchenleitungen. Das inhaltliche Spektrum war breit und konfliktreich, die Themen reichten von Fragen der Wehrdienstverweigerung (in den späten 1960er-Jahren) über die Militarisierung der Gesellschaft (Ende der 1970er) bis hin zur Durchsetzung demokratischer Grundrechte als Voraussetzung für Friedensarbeit (in den späten 1980er-Jahren). In dieser Entwicklung der Friedensbewegung von den Anfängen bis in die Zeit nach 1989 möchte ich unterschiedliche Strömungen und Phasen, sowie die Bedeutung von Schlüsselfiguren aufzeigen. Das ist der konkrete Gegenstand.

Die These wäre, dass sich an dieser historischen Bewegung idealtypisch einige grundlegende und letztlich verallgemeinerbare Probleme sozialer Bewegungen verdeutlichen lassen: Der steinige und ungewisse, der vielleicht recht einsame Beginn. Die Berufung, also die Fragen: "Was ist mein Auftrag?" und "Warum tue ich das überhaupt?" Die Suche nach Mitstreitern, das Ringen um Orientierung, der Streit um die richtige Richtung und die damit möglicherweise einhergehenden zwischenmenschlichen Enttäuschungen und Verletzungen. Die Krisen, die Zeiten der Erschöpfung. Der lange Atem, weiter zu gehen, obwohl ein Ende nicht immer absehbar ist. Schließlich die – wie im Fall der DDR – unerwartete "Ankunft" und die krisenbehaftete Frage: "Was nun und wie eigentlich weiter?" Schließlich die Rückschau auf den zurückgelegten Weg und die Unterschiedlichkeit und den Widerstreit der Erinnerungen – je nachdem, woher und wohin man gekommen ist.

Bezogen auf diese Herausforderungen und Probleme möchte ich vier Fragen nachgehen: Welche Merkmale waren charakteristisch für die DDR-Friedensbewegung (1)? Warum waren und warum sind vor diesem Hintergrund bekannte wie unbekannte Schlüsselfiguren von Bedeutung (2)? Was wurde aus den Gruppen und Aktivisten nach 1989 (3)? Und abschließend: Was ist der Ertrag dieses Ansatzes für die erinnerungskulturelle Rückschau wie für den Ausblick auf die aktuellen Herausforderungen von Protestbewegungen (4)?

1. "Unberechenbar wie ein Gebirgsbach" –
die Entstehung und Stabilisierung
der Friedensbewegung

Beginnen wir zunächst allgemein.

Protest gegen das geplante "Bombodrom" auf einem Truppenübungsplatz in der Wittstock-Ruppiner Heide nahe Fretzdorf. (© picture-alliance/AP)

Was wird aus einer sozialen Bewegung, wenn der Erfolg und die Bedeutung von einst verblasst sind? Wenn die politischen Rahmenbedingungen, innerhalb derer sie entstand, sich wandeln? Wenn der Kalte Krieg beendet und die Mauer gefallen, wenn die unmittelbare Kriegsbedrohung gewichen ist? Wenn die Wut und die Angst von damals verpufft sind und die Empörung glattgeschliffen ist? Wenn der Idealismus der immer noch Aktiven abgekämpft klingt, zuweilen melancholisch und nicht selten verbittert?

Diese Ausgangsfrage stellte sich auch der Journalist Christof Siemes. In der Wochenzeitung "Die Zeit" veröffentlichte er 2002 ein Portrait der gesamtdeutschen Friedensbewegung am Vorabend der Irak-Invasion. Er besuchte verschiedene Friedensgruppen und Initiativen in Ost und West. Siemes' These: Die Friedensbewegung schmilzt ab auf einen Kern von wenigen Gruppen und Langzeitaktivisten. Sie hält Winterschlaf. Siemes' Text hat zwar mit der DDR-Friedensbewegung auf den ersten Blick nichts zu tun. Auf den zweiten ist er aber eine sehr plastische und dichte Annäherung an ein flüchtiges und instabiles soziales Gebilde, wie es soziale Bewegungen sind. Die öffentlichkeitswirksamen Proteste gegen die Stationierung atomarer Mittelstreckenraketen in den 1980er-Jahren in der Bundesrepublik vor Augen schreibt Siemes: "Die letzten Mutlanger Pershings verschwanden 1990 und mit ihnen die German angst vor dem atomaren Schlachtfeld Deutschland. 'Besuchen Sie Europa, solange es Europa noch gibt' – das Flugblatt aus dieser bewegten Zeit mutet heute an wie eine hethitische Keilschrifttafel. Wo einst die Abschussrampen standen, wird jetzt an einer Einfamilienhaussiedlung geheimwerkelt [...] Was bleibt von der Friedensbewegung außer Brennholz und ein paar Devotionalien? 'Wir waren nicht erfolgreich', sagt einer aus der Tiefe eines ausrangierten Sofas in der Pressehütte. 'Keine Raketen nach Mutlangen', war die einfache Losung. Und heute? Lagern sie halt woanders, in Büchel in der Eifel zum Beispiel, 36 Sprengköpfe. Aufregen tut das niemanden mehr. Jetzt ist der Krieg woanders und alles nicht mehr so einfach. [...] 'Man muss aber auch mal nix tun dürfen', wirft eine alte Kämpin zaghaft ein. Der Job, die Kinder, das Haus, der Garten – irgendwann ist alle Kraft aufgezehrt, nichts bleibt für das Ehrenamt des Pazifismus. Und nichts ist leichter, als bei der Friedensbewegung nicht mehr mitzumachen: Man geht einfach nicht mehr hin. Es gibt keine Mitgliedschaft, die man kündigen müsste. Sie ist nur eine soziale Bewegung, an der man teilhat, weil man an die Bergpredigt glaubt oder an Mahatma Ghandi [sic]. Andere können die Bombennächte des letzten großen Krieges nicht vergessen, und viele wollen bloß, dass man um Ressourcen nicht kämpft, sondern sie gerecht verteilt. Unberechenbar wie ein Gebirgsbach ist die Bewegung mal mitreißend, mal fast versickert."

Generell mag also gelten, dass die Gestalt einer Bewegung flüchtig, die Erfolge relativ und die gesellschaftliche Resonanz geprägt ist von achtloser Wechselhaftigkeit. Für die DDR kann man diese Merkmale jeweils noch weiter zuspitzen. Zwei möchte ich dabei hervorheben:

Erstens das Problem der instabilen Entstehung und des nichtabsehbaren Fortgangs. Die ersten Schritte durch eine kleine Schar von Bewegungspionieren war zunächst geprägt von Ungewissheit. Anfang der 1970er-Jahre entstanden in der DDR erste Friedensgruppen. Gegründet wurden sie in der Regel von Wehrdienstverweigerern. Dementsprechend kreisten die Themen zunächst vor allem um Fragen der Wehrdienstverweigerung, um die Beratung junger Wehrpflichtiger und um den Erfahrungsaustausch. Zu dieser Zeit war weder abzusehen noch war es geplant, dass aus diesen ersten Gruppen in den 1980er-Jahren eine unabhängige Friedensbewegung entstehen sollte. Zudem war das gesellschaftliche Klima für die ersten Friedensaktivisten ausgesprochen "unfreundlich". Die Wehrdienstverweigerung führte zu vielfältigen staatlichen Repressionen, insbesondere beruflichen Benachteiligungen, in vielen konservativ geprägten Kirchgemeinden stießen die jungen Männer zusätzlich auf Unverständnis.

Friedensseminar in Königswalde, o.J. (© Martin-Luther-King-Zentrum Werdau)

Das zweite Merkmal ist die mühsam auszubalancierende Unterschiedlichkeit der einzelnen Strömungen. Die Stabilisierung und die Vernetzung des losen Nebeneinanders von Gruppen waren prekär und verliefen konflikthaft. In den späten 1970er- und mehr noch in den 80er-Jahren bildeten sich landesweit erste Netzwerke zwischen einzelnen Gruppen und Aktivisten. Unter dem Eindruck des Wettrüstens und der zunehmenden Militarisierung der DDR-Gesellschaft formierte sich die Friedensbewegung aus verschiedenen teilweise unverbunden nebeneinander existierenden Gruppen und Kreisen. Das waren neben den Wehrdienstverweigerern die Gruppen der Bausoldaten sowie die in den 1970er-Jahren entstehenden Friedensseminare und Friedenskreise der Studentengemeinden. Es gehörten ferner die Jugendlichen und Gruppen der Offenen Arbeit dazu, die vor allem im Süden der DDR entstanden. Eine weitere Strömung bestand in der kulturellen Dissidenz: kritische Liedermacher, Künstler und Schriftsteller. Und schließlich marxistische Intellektuelle, die aus den kirchenfernen, linksoppositionellen Zirkeln der 1970er-Jahre kommend beispielsweise in Friedenskreisen der Evangelischen Studentengemeinden mitarbeiteten.

Der Blick auf die Biografien, auf die gesellschaftlichen wie persönlichen Umstände der Politisierung präzisiert diese Unterscheidungen noch einmal. Ordnet man die Unterschiede im Selbstverständnis den verschiedenen Phasen der Bewegung zu, so werden vier idealtypische Strömungen sichtbar. Sie agierten mehr oder minder überzeugt unter der von außen herangetragenen Bezeichnung "Friedensbewegung". Diese Strömungen wechselten sich zeitlich nicht einfach ab. Sie periodisch zu ordnen, heißt nicht, dass sie zu anderen Zeiten keine Rolle für die individuelle Politisierung spielten. Vielmehr soll deutlich werden, dass bestimmte Themen und Probleme zu verschiedenen Zeiten unterschiedlich dominant und bedeutsam waren.

Zur ersten Strömung: In den 1960er-Jahren führten die "Mitmach-Konflikte" – den zweiten Weltkrieg noch drastisch vor Augen – bei den Wehrpflichtigen zu einer "Nie-Wieder-Politisierung". In den von mir geführten biografischen Interviews wird dies deutlich in der Einbettung der Entscheidungsprozesse in eine intensive Auseinandersetzung mit dem Zweiten Weltkrieg und in eine rigide, teils religiös teils politisch begründete rigorose Kriegsablehnung. Dieses Thema wurde kontinuierlich von Gruppen bearbeitet, da innenpolitische Entwicklungen wie die fortgesetzte Militarisierung und die Spannungsfelder des Kalten Krieges es immer wieder reaktivierten. In diesem Sinne war die unabhängige Friedensbewegung zuallererst und bis zu ihrem Ende eine Kriegsablehnungsbewegung.

Zeitlich parallel und sich bis in das individuelle Selbstverständnis hinein überschneidend entstand die zweite Strömung. Steht das "Nie wieder" für die Rigorosität der Kriegsablehnung, so meint die Ernst Blochs Hoffnungsphilosophie entlehnte Formel des "Noch nicht" die Weite damaliger Anspruchshorizonte, die knisternde Aufbruchstimmung einer auf eine bessere, zukünftige Gesellschaft hin ausgerichteten Anspannung, wie sie prägend für die 1960er-Jahre war. Über das Studium oder über Bekannte gerieten die damals Politisierten in den Sog dieses Erwartungshorizontes, der als schillernde Kontrastfolie die real existierenden Konstruktionsmängel der DDR-Gesellschaft umso schärfer erscheinen ließ. In diesem Sinne war die unabhängige Friedensbewegung eine Reformbewegung mit dem Anspruch auf umfassende Veränderungen in der Gesellschaft wie in der Kirche.

Diese Politisierungskonstellationen ändern sich in den 1980er-Jahren. In der Abgrenzungsformel "Jetzt reicht's" verdichten sich die biografisch teilweise langwierigen Distanzierungsprozesse gegenüber dem DDR-System. Die atomare Vernichtung vor Augen führte diese Mischung zu einer Dramatisierung der Bedrohungswahrnehmung und vor dem Hintergrund von Überdruss und angestauten Ausgrenzungserfahrungen (bis hin zum Arbeitsplatzverlust) zu einer intensiven Politisierung der zu diesem Zeitpunkt noch nicht Aktiven. Es stießen solche zur Friedensbewegung, die zweifellos durch die atomaren Bedrohungen und die dramatische Aktualisierung des "Nie wieder!" politisiert wurden. Häufig waren es aber Personen, die – aus privilegierten Berufen kommend – mit dem DDR-System nunmehr abgeschlossen, mithin nicht mehr viel zu verlieren hatten und entsprechend konfrontationsbereiter agierten. In diesem Sinne war die unabhängige Friedensbewegung eine sich zunehmend energisch artikulierende Protestbewegung, in der sich innenpolitische Konflikte und Veränderungsbegehren bündelten und in der sich die Abkehr vom real existierenden Sozialismus ausdrückte.

Bei vielen in derselben Zeit politisierten Jugendlichen verband sich die Bedrohungswahrnehmung mit der Suche nach kulturellen Freiräumen und alternativen Lebensperspektiven. Diese "Ohne mich"-Politisierung zielte einerseits gegen Militarisierung und Atomkrieg, andererseits als kultureller Aufbruch gegen die Verkrustungen in den Familien, Kirchen und in der Gesellschaft. In diesem Sinne war die unabhängige Friedensbewegung auch eine Emanzipationsbewegung, in deren Basisgruppen und Lebensgemeinschaften ein konsequenter Ausstieg aus einer als kleinbürgerlich empfundenen Gesellschaft verwirklicht werden sollte.

Diese ganz unterschiedlichen, sich hier überschneidenden oder da einander fremd gegenüberstehenden Strömungen verdichteten sich vor Ort zu kleinen Szenen. Diese waren in der Regel auf das Wohlwollen lokaler Kirchenvertreter angewiesen und Konflikte dementsprechend vorprogrammiert. Einerseits zwischen den Gruppen und der Kirche – zu denken wäre etwa an die Gründung der Friedensgemeinschaft Jena 1983, die mit dem Schritt aus dem schützenden Dach der Kirche zugleich das zögerliche und bremsende Verhalten von Kirchenfunktionären kritisierten. Andererseits traten zunehmend Konflikte zwischen den Gruppen auf, die – vor allem in Berlin – zu zahlreichen Abspaltungen und Neugründungen führten.

2. Die Bedeutung von Schlüsselfiguren

Die Friedensbewegung existierte somit seit den 1980er-Jahren als spannungsreich auszubalancierendes Nebeneinander von vier Strömungen. Sie formierte sich als loses Netz punktuell miteinander verbundener Gruppen. Ihr Wirken blieb lange Zeit auf kirchliche Nischen begrenzt. An dieser Stelle kommt das Konzept der Schlüsselfiguren ins Spiel.

Bei der Entstehung und Formierung einer Bewegung, auf ihrem Weg durch die Geschichte, gibt es verschiedene Phasen mit je eigenen Herausforderungen. Es braucht – damals wie heute – den Anstoß zum Engagement und zwingend Menschen, die einfach anfangen, losgehen, die Wegbereiter sind – was unter den Bedingungen der DDR ungewöhnlich genug war. Ermutigung ist unentbehrlich: "Mach das", "Lass dich nicht beirren", "Bleib nicht auf der Strecke". Gerade dort, wo der Zugang zur Öffentlichkeit verwehrt wird und Kommunikationsmittel beschränkt sind, ist das Vernetzen, das Knüpfen von Kontakten, das Fädenspinnen und Strippenziehen von zentraler Bedeutung. Es braucht jene, die verständlich und hörbar das Problem an- und aussprechen; die darauf einschwören, warum der Protest nötig und das Engagement sinnvoll ist. Und es sind die geduldigen und anerkannten Vermittler nötig, die zwischen sich ausbildenden Flügeln und Fraktionen einer Bewegung Kontakt und Ausgleich suchen. All diese Handlungsaspekte und Funktionen sind nicht ausschließlich, aber gerade in sozialen Bewegungen und mehr noch in der ohne organisatorischen Kern und ohne anerkannte Repräsentanten agierenden DDR-Friedensbewegung an einzelne Schlüsselfiguren gebunden.

Was meint das Konzept? Es geht mir erstens nicht um einzelne, konkrete Personen. Die einzelnen Schlüsselfiguren sind Idealtypen, in denen sich jeweils eine zentrale Funktion verdichtet. So kann eine konkrete Person mehrere solcher Funktionen erfüllen. Und es muss ihr – im Unterschied zu einer sozialen Rolle – nicht einmal bewusst sein, dass sie dies tut. Es geht zweitens nicht um Prominenz, nicht um den Erfinder, das Gesicht, den Vordenker einer Bewegung – also nicht um deren mythische (Selbst-)Zuschreibungen. Im Gegenteil braucht es solche Schlüsselfiguren in allen Phasen der Entwicklung – zu unterschiedlichen Zeiten unterschiedlich wichtig – und auf allen Ebenen.

Die Ursprünge dieses Konzepts liegen in der Kritik an der Forschung zur Geschichte der US-Bürgerrechtsbewegung und an deren zu starker Fixierung auf Führungsfiguren wie Martin Luther King. Folgt man der Kritik, so kommen die unbekannten und ungenannten Akteure in den Blick, die Ränder der Bewegung, die Vorgeschichte, die Provinz fernab der oppositionellen Zentren.

a) Die Pioniere und Wegbereiter

Pioniere sind die Wegbereiter. Nicht immer sind es zeitlich gesehen die Ersten. Mögen auch irgendwo längst Gruppen gegründet worden sein, der erste Schritt vor Ort ist deshalb nicht automatisch leichter, die Umwelt nicht per se wohlwollend. Insofern gab und gibt es sie zu allen Zeiten der Bewegung. Wegbereiter gehen los, aber nicht immer geht es voran. So wie jener Bausoldat der ersten Generation, der schon in den 1960er-Jahren versuchte, eine Friedensgruppe zu gründen, dabei aber auf keinerlei Resonanz stieß. Es dauerte viele Jahre intensiver Gemeindearbeit, ehe 1973 das erste Seminar entstand. Es fällt auf, dass die Gründer der ersten Gruppen zur Pioniergeneration der ersten Bausoldaten-Jahrgänge gehörte und somit Mitglieder einer Zeugnisgemeinschaft, die während des monatelangen Militärdienstes entstanden war.

b) Die Mentoren

Die Mentoren unterstützen und ermutigen die ersten Aktivitäten. Häufig sind es "signifikante Andere": im konkreten Beispiel hauptamtliche Mitarbeiter der Kirche, meist Jugend- oder Studentenpfarrer, Jugendmitarbeiter oder ältere Bezugspersonen. Daneben waren in den biografischen Interviews mit Friedensaktivisten Prägungen durch "geistige Mentoren" wirksam, die sich beispielsweise in der Orientierung an exemplarischen Lebensläufen prominenter Aktivisten zeigen. Zum anderen spielte die aktive Ratsuche bei bekannten Leitfiguren eine wichtige Rolle. In den 1950er- und 60er-Jahren war die halböffentliche Ratsuche eine vor allem im Raum der Kirche gebräuchliche Form der Ratsuche. Exemplarische Einzelne, etwa Köpfe der Bekennenden Kirche oder prominente Pazifisten, wurden in öffentlichen Konflikten per Brief um Rat ersucht. So schrieb 1962 beispielsweise ein junger Wehrdienstverweigerer und Mitbegründer einer Friedensgruppe an Martin Niemöller mit der Bitte um Rat. Niemöller antwortete: "Für mich heißt Kriegsdienst bzw. Wehrdienst ohne weiteres Verleugnung des christlichen Glaubens". Neben konkreter Ermutigung durch eine "Lichtgestalt" der jüngeren Kirchengeschichte wurde das Friedensengagement hier zur Bekenntnisfrage erhoben und damit religiös legitimiert.

c) Die Märtyrer

Diese Figur hat zwei Bedeutungen: Als Zeugen verkörpern Märtyrer einerseits den Mut und die moralische Rigorosität der eigenen Haltung; in der Gestalt der "unschuldigen Opfer" wird andererseits der Unrechtscharakter des kritisierten Gegenübers skandalisiert. In der DDR traf dies unter anderem auf den Pfarrer Oskar Brüsewitz zu, der sich 1976 aus Protest gegen staatliche Repressionen öffentlich verbrannte, sowie auf Matthias Domaschk, engagiert in Junger Gemeinde und Jenenser Friedensbewegung, der 1981 unter ungeklärten Umständen in der Untersuchungshaft des Ministeriums für Staatssicherheit ums Leben kam.

Auch wenn es nur in wenigen Bewegungen reale Märtyrer gibt, so sind sie doch als abstrakter Bezugspunkt im Hintergrund immer präsent. In ihnen verdichtet sich die Frage: "Welchen Preis bin ich bereit für mein Engagement zu zahlen?" So werden – etwa in biografischen Interviews mit Aktivisten – historische Märtyrer zur Legitimation und Selbstvergewisserung des eigenen Engagements herangezogen – wie von Dorothee König*, die vor und nach 1989 in der Friedensbewegung aktiv war: "obwohl man wenig davon sieht, aber dass das [...,] mein Glauben, das also so wie die Geschwister Scholl total gescheitert sind, wie Jesus total gescheitert ist, [auch] Martin [Luther King] – wo sie hingucken wollen – die Großen [...], und wir wissen [...,] dass sie leben, sie leben in unserem [...] Gedächtnis weiter und sind Vorbild [...,] insofern ist mein kleines Tun nicht sinnlos".

Neben dem Martyrium als Deutungsmuster für den Ernst der eigenen Gesinnung, wurden zudem eigene Haft- und Unrechtserfahrungen und mehr noch die Aussichtslosigkeit des Tuns ("total gescheitert") indirekt als Martyrium gedeutet und religiös als "Kreuz auf sich nehmen" aufgewertet. Das eigene politische Engagement hat einen starken Eigenwert und lässt die Aktivisten handeln ohne Rücksicht auf die vorauszusehenden Folgen.

d) Die Vordenker

Die Funktion von Vordenkern ist zwiespältig. Sie sind wichtig, weil sie die politischen Anliegen in breitere gesellschaftliche Kreise hineintragen, diese übersetzen und somit (begrenzt) Öffentlichkeit herstellen. Sie liefern zudem Orientierung und Denkanstöße. Weil damit zugleich eine gewisse Sichtbarkeit und Prominenz einhergeht und sie als Schreiber von Texten am ehesten historisch greifbare Spuren hinterlassen, wird der Einfluss von Vordenkern zuweilen aber überschätzt. Denn auch hier gilt: Es gibt sie auf allen Ebenen – bekannt wie unbekannt.

In den einzelnen Gruppen sind es jene, die Diskussionspapiere oder Aufrufe erstellen und inhaltliche Diskussionen dominieren. Ich nenne sie die lokale Auslegungselite. Zugleich werden zwischen diesen 'Lautsprechern' die Deutungskämpfe der einzelnen Fraktionen ausgetragen. Konflikte, Konkurrenzen und persönliche Befindlichkeiten zwischen ihnen führen – wie vor allem in der Berliner Szene der 1980er-Jahre – zu Abspaltungen und Neugründungen. Und nicht zuletzt begünstigt ihre Dominanz gruppeninterne Hierarchien, womit also eine Sicht forciert wird, in der praktische Tätigkeiten wie das Drucken und Verteilen der Aufrufe, das Ein- und Ausräumen der Kirche oder die Verköstigung der Aktivisten latent entwertet werden.

Daneben gibt es zweitens Experten, die als Vertreter spezialisierter Berufe einen wichtigen Beitrag zur Professionalisierung einer Bewegung liefern. Man denke an Naturwissenschaftler wie Helmut Dohmke, Michael Beleites oder Sebastian Pflugbeil, die beispielsweise über die Folgen einer atomaren Verseuchung in der DDR informierten. Man denke an Joachim Garstecki, der als hauptamtlicher Friedensreferent des DDR-Kirchenbundes wichtige Studien und praktische Arbeitsmaterialien herstellte.

Zu den Vordenkern gehören schließlich drittens einflussreiche Intellektuelle, die durch eine relative Unabhängigkeit oder durch ihr Ansehen die Anliegen der Gruppen verstärken. Zu nennen wären Vertreter einer kritischen Theologie wie der Erfurter Probst Heino Falcke oder bekannte Dissidenten wie Rudolf Bahro oder Robert Havemann.

e) Die Fürsprecher

Soziale Bewegungen zielen darauf, die Öffentlichkeit mit ihren Anliegen aufzurütteln und die politischen Entscheider auf ihre Forderungen zu verpflichten. Sie sind – und sei es nur punktuell – auf jene angewiesen, die Ziel und Anliegen außerhalb der Bewegung übersetzen.

Unter den Bedingungen der SED-Diktatur war die Ausgangsituation entsprechend schwierig. Zur Besonderheit der DDR-Friedensbewegung gehörte, dass sie stark – dabei aber mehr oder weniger freiwillig – mit kirchlichen Strukturen verwoben war. Die Gruppen agierten meist unter dem schützenden Dach von Kirchgemeinden und waren also notwendig auf die Zusammenarbeit mit der lokalen Kirchenleitung angewiesen. Und gerade im Konflikt mit den Gruppen übte der Staat immer wieder einen Disziplinierungsdruck auf die Kirchenleitungen aus und versuchte, innerreligiöse Debatten um Grenzen und Regeln des Religiösen politisch zu instrumentalisieren: etwa die Frage, was Punks in einer Kirchgemeinde verloren hätten. Das ließ Gruppen dann misstrauisch werden, wenn zuständige Ortspfarrer den "religiösen Charakter" einer Veranstaltung einforderten. Wenn kirchliche Vertreter aber als parteiische Fürsprecher der Gruppen handelten, konnte vor Ort und auf Dauer eine stabile oppositionelle Szene entstehen – was eher die Ausnahme als die Regel war und auf größere Städte und einzelne Regionen beschränkt blieb. Das Gegenbeispiel wären entsprechend jene Orte, wo eine ängstlich angepasste Kirchenleitung verhinderte, dass Friedensgruppen sich überhaupt dauerhaft etablieren konnten.

Fürsprecher übersetzten und integrierten zudem die Anliegen der Gruppen in unterschiedlich folgenreiche kontextuelle Theologien über Auftrag und Gestalt von christlicher Religion und sicherten – gerade in der schwierigen Umbruchzeit von 1984/85 nach dem NATO-Nachrüstungsbeschluss – die Existenz der bedrängten Gruppen und schufen strukturelle Arbeitsbedingungen. Fürsprecher gab es keineswegs nur in Teilen der Kirche. Wichtig waren auch parteiische Journalisten wie Peter Wensierski, die in den Westmedien als Übersetzer immer wieder über die Bewegung berichteten und Dokumentationen herausgaben. Sie gehörten damit zu den besten Kennern der Bewegung und halfen dabei, dass diese sich selbst überhaupt als ein Ganzes erkannte.

f) Die Vernetzer

Auch mit der fortschreitenden Professionalisierung, der Herausbildung von professioneller Arbeitsteilung und Kooperationsstrukturen bleibt für soziale Bewegungen insgesamt charakteristisch, dass sie aus einem Netzwerk von Gruppen und Organisationen, von Gewerkschaften und Parteien bestehen. Diese schließen sich anlassbezogen zu Kampagnen zusammen und sind dabei auf aktive Vernetzungsarbeit angewiesen (sei es durch eine ausgebildete Mobilisierungsinfrastruktur, sei es durch Schlüsselfiguren, die im Hintergrund Kontakte einfädeln und Netzwerke knüpfen).

Gerade in der DDR, in der die Gruppen so zerstreut und ohne voneinander zu wissen entstanden, bestand ein hoher Bedarf an struktureller und personeller Vernetzung. Dies geschah anfänglich über die Bekanntschaft bei gemeinsamen Veranstaltungsbesuchen (wie Friedensseminaren, Friedenswerkstätten oder dem "Mobilen Friedensseminar"), später dann im exklusiven, mit einem Delegierungssystem der Basisgruppen agierenden Koordinationskreis "Frieden konkret". Dort, wo auch vor Ort eine Vernetzung der verschiedenen kirchennahen bzw. unabhängigen Gruppen mit kulturellen und kirchlichen Milieus gelang, konnte sich ein aktionsfähiges Protestfeld ausbilden. In Leipzig war es beispielsweise eine Katechetin, die hier eine Schlüsselfunktion innehatte. Sie war kirchliche Mitarbeiterin und konnte ihre Arbeitszeit für Vernetzungsaufgaben "umwidmen". Weil sie aber selbst Mitglied der ältesten Friedensgruppe der Stadt war, genoss sie ein hohes Ansehen und wurde als Kirchenvertreterin nicht so misstrauisch beäugt.

Das Beispiel der Fürsprecher und Vernetzer zeigt, dass die Folgen ihres Wirkens umso stärker waren, je mehr sie in organisatorische Strukturen eingebunden und deren materiellen wie legitimatorischen Ressourcen nutzen konnten. Dass etwa kirchliche Mitarbeiter in dieser Weise agierten und die Rollenanforderungen weitaus politischer interpretierten, als es dem Staat und Teilen der Kirche lieb sein konnte, hängt wiederum stark mit der eigenen Biografie zusammen, mit einem Selbstverständnis, das sie für die Gruppen Partei ergreifen ließ.

g) Die Aktionisten

In dieser Figur verdichtet sich einerseits das Drängen auf eine stärker konfrontative politische Auseinandersetzung und andererseits die Bereitschaft zur Durchführung hoch riskanter Aktionen. Ein frühes Beispiel ist die Jenaer Friedensgemeinschaft. Sie entstand im Konflikt mit lokalen Kirchenvertretern. Ihre Mitglieder suchten die Öffentlichkeit, führten Demonstrationen durch, drängten zur Konfrontation. Die Gründe für ein Dominantwerden solcher "radikaler Flügel" sind vielschichtig. Diese Fraktionen sind das Ergebnis von Konflikten und Ausdruck eines unterschiedlichen Selbstverständnisses etwa zwischen moderaten oder aktionsorientierten Gruppen. Sie sind schließlich auch das Produkt von Generationenunterschieden. So dominierten ab Mitte der 1980er-Jahre vor allem jüngere Oppositionelle die zunehmend aktionsorientierten Gruppen. Hinzu kamen dann vor allem in Leipzig die Ausreiseantragsteller, die aufgrund ihres Status nichts mehr zu verlieren hatten und deshalb besonders risikobereit auftraten.

h) Die Renegaten

Diese Figur ist insofern existent, als sie so etwas wie eine Beschimpfungsformel innerhalb einer Bewegung ist. Und hier wird noch einmal die Besonderheit der Begriffsbildung deutlich. Die Schlüsselfiguren agierten nur teilweise bewusst, etwa im Sinne von Rollenanforderungen. In diesem idealtypischen Kunstbegriff, der die Wirkungen eines Handelns auf eine abgrenzbare Funktion zuspitzt, ist mitgedacht, dass den Akteuren diese Funktion nicht bewusst oder nicht mehr als eine Zuschreibung von außen ist. Und so, wie "Pionier" eine nachträgliche Bezeichnung ist, so steht das Renegatentum für die Innensicht einer Bewegung auf jene, die sie verließen. Der Austritt aus der Bewegung und der Abbruch des Engagements werden als "Verrat an der guten Sache" kritisiert. Dieser Vorwurf galt innerhalb vieler Gruppen vor allem Ausreiseantragstellern, später in der Umbruchszeit von 1989/90 dann Mitstreitern, die in jeweils missliebige Parteien wechselten oder beruflich Karriere machten – was auch immer das im jeweiligen Kontext dann sein mochte.

Ohne das werten zu wollen: Das starke Misstrauen, das diesen wechselseitigen Beobachtungen heraufbeschwor, führte zu manch ungerechtem Urteil. Für die Aktiven war die Auseinandersetzung mit den angeblich Abtrünnigen ein wichtiger Prozess der Selbstvergewisserung: "Was ist an deren Verhalten falsch, warum mache ich das nicht?"

i) Der Agent Provocateur

Mit Agent Provocateur bzw. dem Informanten sind vom Ministerium für Staatssicherheit eingeschleuste oder angeworbene Aktivisten gemeint, die – an möglichst zentraler Position – Informationen beschafften oder auf das Handeln der Friedensbewegung Einfluss nehmen sollten. Interessant ist (wenngleich wenig verwunderlich), dass dem Handeln des MfS unausgesprochen eine rudimentäre "Theorie" über die Bedeutung und Funktion wichtiger Schlüsselfiguren zugrunde lag. Inoffizielle Mitarbeiter wurden gezielt in ganz bestimmten einflussreichen Positionen eingesetzt (und in anderen gerade nicht): in Ausbildungsstätten oder der kirchlichen Jugendarbeit mit dem Ziel, den kritischen Einfluss von Mentoren zurückzudrängen; an den theologischen Fakultäten, um die Differenzierung zwischen "fortschrittlichen" und "reaktionären" Pfarrern zu forcieren oder durch parteiische Experten theologische Diskussionen im Sinne einer Entpolitisierung von Kirche zu beeinflussen; als Mittler zwischen Kirche und Gruppen, um (gegen den Einfluss der Fürsprecher) massiv Einfluss auf die Ausbildung lokaler Oppositionsszenen zu nehmen und an vielen Orten die Ausbildung von Friedensgruppen zu unterbinden oder zu begrenzen. Und schließlich natürlich in den Gruppen selbst: Dort wurden neben Informanten häufig "Auslegungsexperten" eingesetzt, die zermürbende Grundsatzdebatten provozierten und die Arbeit dergestalt lähmten.

Ab Mitte der 1980er-Jahre setzte eine zunehmende Politisierung der Friedensbewegung ein, in deren Folge der Charakter als Protest- und Emanzipationsbewegung überwog und zunehmend innenpolitische Themen wie Menschenrechte und Demokratisierung behandelt wurden. Diese Entwicklung bereitete den Weg für erste oppositionelle Zusammenschlüsse und und mündete schließlich in den turbulenten Ereignissen des Herbstumbruches.

In der Übersicht wird aber zugleich deutlich, dass es den Weg hin zur friedlichen Revolution nicht gab und dass die vielen Wege zudem nicht Schritt für Schritt geplant waren. Das Geflecht von Gruppen war fragil, zum Teil stark zerstritten, ein koordiniertes Vorgehen selten und die Ereignisse letztlich ein Zusammenspiel unterschiedlichster Faktoren. Ein Großteil der Akteure des "Vorherbstes" sah sich zudem nicht als Wegbereiter der Deutschen Einheit, sondern engagierte sich mehrheitlich für einen Dritten Weg – hin zu einer reformsozialistischen DDR, basisdemokratisch erneuert, entwaffnet, von ökologischen Freveln bereinigt. Die Schlüsselfiguren agierten in diesem Sinne nicht abgestimmt aufeinander. Weder gab es eine übergreifende Zusammenarbeit noch den einen sichtbaren Zusammenschluss. Ganz im Gegenteil, es war ein kontingentes Zusammenwirken, ohne dass man sich des eigenen Beitrages bewusst sein musste und angesichts bestehender Spannungen und inhaltlicher Unvereinbarkeiten.

Dementsprechend waren in den oppositionellen Zentren der DDR am Vorabend des revolutionären Herbstes drei markante Akteurskonstellationen entstanden, die einen je unterschiedlichen Beitrag zu den Ereignissen leisteten. Charakteristisch für Leipzig war die Dominanz von Aktionisten, die in die Massendemonstrationen des Revolutionsherbstes mündete. Charakteristisch für Berlin war wiederum eine Dauerkonkurrenz wichtiger Gruppenvertreter, die zur Ausdifferenzierung politischer Ansätze führte und schließlich in der Bildung der verschiedenen Bürgerbewegungen mündete. Charakteristisch für Dresden oder Erfurt war schließlich die Dominanz einflussreicher Fürsprecher, die einerseits die Verhandlungsmacht der lokalen Kirche und der Gruppen erfolgreich, machtvoll bündelten und andererseits den Staat in einen Dialog verstrickten, aus dem er sich nie wieder befreien konnte.

Es folgten zwischen Oktober 1989 und März 1990 turbulente Wochen und Monate, geprägt von Umbrüchen und von vielfältigsten Ansätzen der Selbstorganisation in verschiedenen gesellschaftlichen Feldern. Es gab runde Tische überall, und die Aufbruchshoffnungen hatten dort kurzzeitig einen festen Platz bekommen. Auf den immensen Bedeutungszuwachs der neuen politischen Vereinigungen folgten dramatische Resonanzverluste, die sich in verheerenden Wahlergebnissen ausdrückten. Die Weggefährten des Vorherbstes wurden von der Geschichte überholt, diese ging über sie hinweg.

3. Die Entwicklungen nach 1989/90

War der Weg der Aktiven mit der deutschen Einheit zu Ende? Wie sollte es weitergehen und in welche Richtung? Über diesen und anderen Fragen zerfiel die Bewegung – auch erinnerungskulturell – mindestens in die vier oben genannten Strömungen. Es verblieben friedensbewegte Reste, die sich durch Vereinsgründungen oder neue Aufgabenschwerpunkte stabilisieren konnten. Es entstanden etwa der Friedenskreis Halle (Saale) oder das Ökumenische Informationszentrum Dresden, es behaupteten sich die "Häuser der Demokratie" als Herbergen für Vereine und Initiativen. Wichtige Themen in diesen Jahren war die erfolgreiche Einführung des "Zivilen Friedensdienstes", aber auch die zermürbende Auseinandersetzung mit den Kriegseinsätzen der Bundeswehr oder um die "Neu"-Regelung der Militärseelsorge in den ostdeutschen Landeskirchen. Diese Debatten stehen exemplarisch für die Erfolge, wie die Rückschläge und Ernüchterungen der Friedensbewegung.

Zugleich trat eine weitere Figur dominant in Erscheinung: die der Veteranen einer Bewegung. In der Schlüsselfigur der Veteranen sind die frühere Bedeutung oder die Erfolge konserviert. Im Unterschied zum Urgestein, das aktiv bleibt, dominiert beim Veteranen die Erinnerung an das frühere Engagement. Am Status der Veteranen einer Bewegung entzünden sich erinnerungskulturelle Deutungskämpfe: Wer wird in Talkshows eingeladen, und woran wird erinnert? An den Unrechtscharakter der DDR (Protestbewegung) oder an die stecken gebliebenen Veränderungsimpulse (Reformbewegung)? Und in der Rückschau entsteht ein klares Gefälle zwischen anerkannten und "vergessenen" Schlüsselfunktionen. Es dominiert die Erinnerung an Wegbereiter und risikobereite Aktionisten, wie es etwa im Streit über den angemessenen Standort für ein Einheitsdenkmal durchschimmert. Es dominiert die Erinnerung an Märtyrer wie Matthias Domaschk und die Mahnung, man möge das Repressionsrepertoire des SED-Regimes nicht vergessen. Tendenziell übersehen werden weniger gut sichtbare Mentoren, Vernetzer und Fürsprecher. Gänzlich umstritten ist häufig die Rolle der kirchlichen Vermittler – die im Rückblick häufig als Bremser der Revolution erscheinen.

Es ist charakteristisch, dass Veteranen nicht selten selbst zu einflussreichen (oder aber vollkommen marginalisierten) Akteuren der zeitgeschichtlichen Aufarbeitung der DDR-Geschichte geworden sind – als Schreiber und Archivare wortwörtlich "ihrer" Geschichte oder als offizielle Beauftragte für Aufarbeitung und politische Bildung. Der Status als Bürgerrechtler ermöglichte selbst berufliche Anschlüsse. Einige wenige haben diesen Status auch professionalisiert und konserviert. Sie sind ausgebucht als Kommentatoren zeitgeschichtlicher Debatten um Stasi-Aufarbeitung und Ost-West-Befindlichkeiten, als Festredner an Gedenk- und Feiertagen. Sie sind – auf je verschiedene Weise – Zeitzeugen von Berufs wegen.

Neben diesen Werdegängen eines Vollzeitveteranentums stehen die vielfältigen und höchstpersönlichen Lebenswege der weniger bis unbekannten Friedensaktivisten. Es gab den enttäuschten Abbruch des Engagements, schließlich den Rückzug, um sich fortan der Familie, die zu DDR-Zeiten ja tendenziell immer zu kurz kam, oder der beruflichen Weiterentwicklung zu widmen, die einst meist verwehrt blieb. Aber es gab auch die verschiedenen Formen des Weitermachens. Zwei typische Wege möchte ich skizzieren:

Zunächst die Kontinuität des Engagements innerhalb der Friedensbewegung oder in bewegungsnahen Kontexten. Beispiele hierfür wären jenes Friedensseminar, das – 1973 gegründet – bis heute zweimal im Jahr tagt, oder die Biografie einer studierten Mathematikerin. Anfang der 1980er-Jahre verliert sie aus politischen Gründen ihre Stelle in einem Forschungsinstitut und wendet sich ("jetzt reicht's") einer Friedensgruppe zu. Sie wird kurzzeitig zur Wirtschaftsfachfrau des Neuen Forums und engagiert sich heute in einem Arbeitskreis von Attac. Wieder anders gelagert ist der Fall des Pfarrers, der als Theologiestudent in der Friedensbewegung aktiv ist und später eine Pfarrstelle im ländlichen Raum antritt mit zunächst wenigen Anknüpfungspunkten für politisches Engagement. Aber die Gemeinde liegt nahe eines Truppenübungsplatzes. Nach der "Wende" soll hier ein Bombenabwurfplatz der Bundeswehr entstehen, 17 Jahre kämpfen mit ihm die Menschen in der Region gegen das Projekt, bis es 2010 endgültig aufgegeben wird.

Titelblatt der Zeitschrift "Telegraph", die sich als "letzte authentische Zeitschrift der linken DDR-Opposition" versteht. Ausgabe 120-121 zum 20. Jahrestag der Deutschen Einheit, 2010. (© Haus der Demokratie und Menschenrechte. )

Eine zweite Entwicklung ist die Professionalisierung des Engagements. Im engen Sinne ist hier die ausgesprochen seltene Verberuflichung des Friedensengagements selbst gemeint. Etwa im Fall der Krankenschwester, die Anfang der 1980er-Jahre mit der Einführung des Wehrpasses für Frauen eine Friedensgruppe mitbegründet und immer tiefer in das republikweite Netzwerk von Friedensgruppen hineinrutscht. Nach 1989 holt sie ein Studium nach und wird hauptamtliche Friedensfachkraft. Sie gehört zu den Trainern, die in Nordrhein-Westfalen die ersten Fachkräfte des Zivilen Friedensdienstes ausbilden. Gemeint ist aber auch im weiten Sinne die Professionalisierung dessen, was man schon zu DDR-Zeiten ehrenamtlich, aber mit viel Herzblut in den Nischen oppositioneller Szenen ausprobiert und gemacht hatte. Und weil das nicht immer einen thematischen Bezug zur Friedensproblematik hatte, führte es zum allmählichen Hinausdriften aus der Bewegung und einer erheblichen Bandbreite von biografischen Neupositionierungen. Da wäre auf der einen Seite der Redakteur von zahlreichen Untergrundzeitungen, der weiterhin die einzig verbliebene Zeitschrift der "linken Opposition" aus dieser Zeit herausgibt, der jetzt keine Punkkonzerte mehr organisiert, sondern als Galerist und Kulturjournalist arbeitet. Anders wiederum der studierte Fotograf, der 1989 Infobroschüren des Neuen Forums gestaltet und mit den anderen Herausgebern eine Firma gründet und heute ein mittelständisches Werbeunternehmen leitet.

Es fehlt hier der Raum, um die Vielfalt verwickelter Lebenswege nach 1989 zu skizzieren. Sie reichen von krisenhaften Enttäuschungs-erfahrungen und fortgesetzt prekären Nischenexistenzen über ungekannte Möglichkeiten der beruflichen wie privaten Selbstverwirklichung bis hin zu prestigereichen Aufstiegen in Politik und Gesellschaft. Was dabei auffällt und irritiert: Nicht selten sind die Urteile der Dabeigewesenen über derlei Werdegänge ehemaliger Weggefährten ausgesprochen harsch. Der Lebensverlauf wird dann an den damaligen, geteilten Überzeugungen gemessen und als zu "lau", "korrumpierbar" oder "karriereorientiert" befunden.

4. Was ist das Erbe der Friedensbewegung?

Dabei dominiert zuweilen eine erinnerungskulturelle Zementierung des Rück-Blicks auf das "Erreichte" – die Wiedervereinigung – und in negativer Abgrenzung auf das "Überwundene" – die Selbstbefreiung von Unterdrückung und Überwachung. Geschichte wird dann aber nicht als ungewisses Unterwegssein erzählt, sondern auf eine Ankunftserzählung reduziert, mit der Folge, dass man die weitreichenden Anspruchshorizonte, das schöpferische Potential und die Veränderungshoffungen der Weggefährten samt und sonders mit der DDR untergehen lässt.

Diese Klage ist so neu nicht. Sie prägt nicht zuletzt Konflikte zwischen den geteilten Erinnerungsgemeinschaften der Veteranen, die sich wechselseitig als Fortsetzung alter Grabenkämpfe mit anderen Mitteln unversöhnliche Vorwürfe machen. Wo den Einen "sozialistische Flausen" vorgehalten werden, sind die Anderen verdächtig, sich vor den Karren einer "Sieger"-Geschichtsschreibung spannen zu lassen. Immer geht es dabei aber um "Verirrungen" und Abweichungen vom jeweils als wahr und richtig geltenden Weg.

Neu wäre es, das Konzept der Schlüsselfiguren als beispielhafte Antwort auf die grundlegende Frage zu verstehen, welchen Beitrag Einzelne auf dem Weg gesellschaftlicher Veränderungen leisten. Verschiedene Phasen und Funktionen kommen dann in den Blick, wie überhaupt das Prozesshafte, das unsicher Vorwärtstastende. Eine wichtige Erkenntnis wäre, dass gesellschaftliche Veränderungen nicht plan- oder gezielt herbeiführbar sind, man aber immer mit dem eigenwilligen Zusammenwirken unterschiedlichster Akteure und Faktoren zu rechnen hat. Kein Grund also zu Fatalismus. Denn die Lehre aus der Geschichte lautet auch: Man muss irgendwann und irgendwo damit anfangen. Es braucht die ersten Schritte und den langen Atem der Pioniere, das Zutrauen und das Zureden der Mentoren. Es braucht die tastende Suchbewegung, das "die Zeit verstehen Wollen" der Vordenker. Es braucht die Konsequenz und Zeugnisbereitschaft der Märtyrer, das selbstlose Einfühlungsvermögen der Fürsprecher und Vermittler und die ebenso selbstlose Knüpfkunst der Vernetzer. Es braucht den Mut und die Entschlossenheit der Aktionisten. Und ein bisschen braucht es auch die Renegaten, negative Bezugspersonen, an denen man sich reibt und immer neu selbst vergewissert: "So will ich nicht sein", die vielleicht fragen lassen: "Wer will ich sein in diesen Zeiten?".

Fussnoten

Fußnoten

  1. Für einen Überblick über die friedensethischen Grundsatzdebatten der letzten Jahre vgl. Michael Haspel, Friedensethik und Humanitäre Intervention, Neukirchen-Vluyn 2002.

  2. Der Begriff "Friedensbewegung" wird hier als Selbst- und Sammelbezeichnung der im Umfeld der evang. Kirche entstandenen Friedensgruppen verwendet. Damit geht keine theoretische Festlegung auf die Charakterisierung der Gruppen als "Neue Soziale Bewegung" einher, wie sie in den 1990er-Jahren diskutiert wurde. Stattdessen schließe ich mich einem weniger engen theoretischen Verständnis sozialer Bewegungen an, das deren Besonderheit darin sieht, dass sie par excellence eine Form unwahrscheinlicher Ordnungsbildung sind: vgl. dazu Andreas Pettenkofer, Radikaler Protest. Zur soziologischen Theorie politischer Bewegungen, Frankfurt a. M./New York 2010. – Für einen Überblick über die Geschichte der Friedensbewegung in der DDR vgl. Ehrhart Neubert, Geschichte der Opposition in der DDR 1949–1989, Berlin 1997, u. Detlef Pollack, Zwischen Ost und West, zwischen Staat und Kirche: Die Friedensgruppen in der DDR, in: Philipp Gassert u.a. (Hg.), Zweiter Kalter Krieg und Friedensbewegung, München 2011, S. 269–282. Daneben sind in den letzten Jahren zahlreiche Fallstudien zu einzelnen Gruppen oder Orten entstanden.

  3. Vgl. ausführlicher Alexander Leistner, Sozialfiguren des Protests und deren Bedeutung für die Entstehung und Stabilisierung sozialer Bewegungen: Das Beispiel der unabhängigen DDR-Friedensbewegung, in: Forum Qualitative Sozialforschung, 2/2011, http://www.qualitative-research.net/index.php/fqs/article/view/1682/3207 [14.11.2011].

  4. Christof Siemes, Luftwaffeln mit Schlagsahne, in: Die Zeit, 18/2002.

  5. Die Interviews entstammen dem Dissertationsprojekt d. Vf. über das erklärungsbedürftige Langzeit-Engagement in sozialen Bewegungen. Die Namen der Interviewten wurden anonymisiert und mit * gekennzeichnet.

  6. Vgl. Marc-Dietrich Ohse, Ostdeutscher Protestantismus und Prager Frühling, in: Siegfried Hermle u.a. (Hg.), Umbrüche: der deutsche Protestantismus und die sozialen Bewegungen in den 1960er und 70er Jahren, Göttingen 2007, S. 131–146.

  7. Vgl. Henning Pietzsch, Jugend zwischen Kirche und Staat. Geschichte der kirchlichen Jugendarbeit in Jena 1970–1989, Köln u.a. 2005.

  8. Vgl. Belinda Robnett, African-American Women in the Civil Rights Movement, 1954–1965: Gender, Leadership, and Micromobilization, in: American Journal of Sociology 6 (1996), S. 1661–1693.

  9. Vgl. Matthias Kluge, Das Christliche Friedensseminar Königswalde bei Werdau, Leipzig 2004.

  10. Zur Bedeutung entsprechender literarischer Selbstzeugnisse für die Politisierung vgl. Alexander Leistner, "Dann gibt es nur eins, sag nein!" Das Verhältnis von Literatur und Friedensbewegung, in: Friedensforum, 5/2011, S. 17–19.

  11. Vgl. Hagen Findeis, Das Licht des Evangeliums und das Zwielicht der Politik. Kirchliche Karrieren in der DDR, Frankfurt a. M./New York 2002.

  12. Vgl. Thomas Klein, "Frieden und Gerechtigkeit". Die Politisierung der Unabhängigen Friedensbewegung in Ost-Berlin während der 80er Jahre, Köln u.a. 2007.

  13. Vgl. Detlef Pollack, Politischer Protest. Politisch alternative Gruppen in der DDR, Opladen 2000, S. 209–252.

  14. Vgl. Karsten Timmer, Vom Aufbruch zum Umbruch. Die Bürgerbewegung in der DDR 1998, Göttingen 2000.

M.A., Doktorand am Institut für Kulturwissenschaften der Universität Leipzig.