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Beleuchteter Reichstag

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23.4.2012 | Von:
Lutz Sartor

Die "Hungerdemonstration" in Olbernhau am 18. Juli 1946

2. Proteste gegen die Versorgungslage

Alle diese Faktoren verursachten eine Härte der Lebensbedingungen in allen Besatzungszonen, die zusammen mit den vielfältigen psychischen Belastungen der Nachkriegszeit zu öffentlichen Protesten führten. Der bekannteste Vorfall ist wohl die "Hühnerfutter-Rede" des CSU-Politikers Johannes Semler vom 4. Januar 1948 in Erlangen, in der er die Importpolitik und besonders die Maislieferungen der Alliierten für die deutsche Bevölkerung als "Hühnerfutter" brandmarkte.[9]

Die Protestaktionen und Streiks der Jahre 1947 und besonders 1948 aufgrund der mangelhaften Versorgungslage sind für die Bi-Zone[10] und insbesondere für Bayern[11] bereits wissenschaftlich aufgearbeitet worden. Die Forschungslage für die französische Besatzungszone ist schlechter, reicht aber aus.[12] Es fehlen jedoch jegliche Untersuchungen über entsprechende Vorgänge in der SBZ. Auch nach 1990 hat sich die deutsche und internationale Geschichtswissenschaft dieses Themas noch nicht angenommen. Hinzu kommt die schlechte Quellenlage; bislang konnte nur zu einer dieser "Hungerdemonstrationen" ausreichendes Material ermittelt werden, obwohl eine vergleichende Untersuchung zu diesem Thema reizvoll – und notwendig – wäre.

Folgende Proteste gegen die sowjetischen Besatzungsbehörden in Bezug auf die Versorgungslage konnten in Literatur und Quellen bislang ermittelt worden: Die ersten solcher Demonstrationen sind für 1945 (vor der Vertreibung) aus Breslau belegt, wo am 30. Juli 250 Frauen und Kinder und am 2. August "1.500 Arbeiter/innen mit roten Fahnen" demonstrierten.[13]

Ein zeitlicher Höhepunkt solcher Proteste in Sachsen scheint, soweit die wenigen Quellen eine solche Aussage zulassen, im April 1947 gelegen zu haben: Am 12. April fand in Heidenau bei Dresden eine solche Demonstration von Frauen statt.[14] Ebenfalls aus dem April 1947 finden sich zwei aufschlussreiche Notizen in den Protokollen der SED-Landesleitung Sachsen: "Hunger-Demonstrationen waren keine. In Wilkau sind kleinere Anzeichen, daß die Menschen beginnen zu rebellieren."[15] Und "in Dresden und Radeberg haben sich Demonstrationen ergeben, Entschließungen von Betrieben, illegale Plakate und Aufrufe liegen vor."[16] Für den Oktober 1947 wird ein Streik aus einem Schacht des sowjetischen Uranbergbaus im südlichen Erzgebirge erwähnt. Es handelte um einen Streik auf einem Schacht des Explorationsobjekts 4 der SAG "Wismut" mit Sitz in Buchholz. Es legten ca. 70 Beschäftigte die Arbeit nieder, um die Ausgabe von zusätzlicher Verpflegung zu erzwingen. Der Streik wurde im Keim erstickt.[17]


Fußnoten

9.
Vgl. Das Kabinett Ehard II 20. September 1947 bis 10. Dezember 1950, Hg. Historische Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften/Generaldirektion der Staatlichen Archive Bayerns, München 2003, Bd. 1, S. 22, Anm. 68.
10.
Günter J. Trittel, Hunger und Politik. Die Ernährungskrise in der Bizone (1945–1949), Frankfurt a. M./New York 1990.
11.
Erker (Anm. 6).
12.
Lediglich Rothenberger (Anm. 2) geht näher auf dieses Thema ein.
13.
Bärbel Galert, Kinder der Flucht – Kinder der Vertreibung 1945–1948, in: DA 44 (2007) 5, S. 833–839, hier 835.
14.
Sächs. Staatsarchiv – Hauptstaatsarchiv Dresden (StA-D), 11378, Nr. 390, Bl. 3. – Hier auch wie auch in den anderen Fällen ist den jeweiligen Kommunalarchiven von diesen Protesten nichts bekannt.
15.
Protokoll der Sekretariatssitzung Nr. 23 v. 14.4.1947 aus dem Bericht des Kreisvorstandes Zwickau, StA-D, 11856, Nr. IV/A 779, Bl. 175.
16.
Protokoll der Sekretariatssitzung Nr. 24 v. 21.4.1947 aus dem Bericht des Kreisvorstandes Dresden, ebd., Bl. 179.
17.
Dmitrij N. Filoppovych/Vladimir V. Zacharow, Deutsches Uran für die sowjetische Atombombe. Zur frühen Geschichte der Sächsischen Bergverwaltung und der Sowjetischen Staatlichen Aktiengesellschaft »Wismut«, in: Der Anschnitt 50 (1998) 2/3, S. 82–94, hier 91.

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