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24.4.2012 | Von:
Wolfgang Schlott

Positionen einer europäischen Erinnerungspolitik

Geschichtsbilder in den postdiktatorischen Ländern Europas

Besier/Stokłosa (Hg.), Geschichtsbilder in den postdiktatorischen Ländern EuropasGerhard Besier/Katarzyna Stokłosa (Hg.), Geschichtsbilder in den postdiktatorischen Ländern Europas (© LIT, Berlin)
Wenn Herausgeber – wie hier Gerhard Besier und Katarzyna Stokłosa – bereits in der Einführung die wesentlichen Thesen der einzelnen Beiträge, wie in dieser vergleichend angelegten Publikation zu europäischen Geschichtsbildern und der Suche nach nationalen und transnationalen Identitäten, eingehend vorstellen, dann erleichtert diese Vorgehensweise zweifellos auch die vergleichende Bewertung des Rezensenten. Oft verschwinden aber aufgrund solcher nebeneinander aufgereihten Zusammenfassungen wesentliche perspektivische Einstellungen aus dem Blickwinkel desjenigen, der sich einen Überblick über europäische Geschichtspolitik nach 1989 verschaffen will. Im Falle des vorliegenden Sammelbandes erweist sich ein solches Vorgehen aufgrund der unterschiedlichen Verfahrensweisen als notwendig. Er enthält drei Analysen zur Geschichtspolitik im Zarenreich und in der Sowjetunion (Lars Karl), alternative Erinnerungen im Übergang von der sowjetischen zur post-sowjetischen Periode (Olga Novikova) und zur inoffiziellen Geschichtsschreibung (Elena V. Müller), eine Studie zur Geschichtspolitik in Polen (Katarzyna Stokłosa), Gerhard Besiers vergleichende Auseinandersetzung mit den polnisch-deutschen Beziehungen aus europäischer Sicht, eine interethnische Studie zur Karpatho-Ukraine (Paul Robert Magocsi), einen Beitrag zu Rumäniens nicht vollzogenem Bruch mit der kommunistischen Vergangenheit (Cristina Petrescu/Dragoş Petrescu) sowie eine Kontrast-Studie zur Funktion des Baskenlands in der spanischen Politik vom 19. bis zum 20. Jahrhundert (Fernando Molina).

Die vergleichende Beschäftigung mit den imperialen Visionen im Zarenreich und in der Sowjetunion gehört, wie Lars Karl auch in seinem ausgiebigen Anmerkungsapparat nachweist, vor allem in der nordamerikanischen Russland-Forschung zu den beliebtesten Themen. Im Fokus seiner Untersuchung stehen "Heldendichter", die in der russischen und in einzelnen nationalen Kulturen des imperialen Reiches so lange umfunktioniert wurden, bis sie zu Sinnbildern staatlicher, symbolisch aufgeblasener Inszenierungen wurden. Das spannendste Ergebnis in Novikovas Studie ist die Instrumentalisierung der Stalin-Verbrechen durch die neue politische Elite unter Vladimir Putin, indem die traumatische Vergangenheit durch eine moralische Haltung aufgehoben werde, die in eine nationale Versöhnungsorgie münden soll. Gegen diese von oben angeordnete Narrative kann sich, wie Elena Müller in ihrer Studie zeigt, inoffizielle Geschichtsschreibung nur marginal durchsetzen, ohne sich im Massenbewusstsein diskursiv festsetzen zu können. Zu nennen ist auch, ohne die anderen, nicht weniger substantiellen Beiträge in den Hintergrund zu stellen, der umfangreiche, mit vielen Quellennachweisen versehene Beitrag von Petrescu/Petrescu über den intensiven repressiven Charakter des Ceauşescu-Regimes, der nach 1990 eine "Amnestie unmöglich und die Amnesie nicht erwünscht machte" (155).



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