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24.4.2012 | Von:
Thomas Widera

Militär (in) der DDR

Die Sicherheitspolitik des SED-Staates war der Doktrin des permanenten Klassenkampfes verpflichtet, die militärischen und paramilitärischen Organe dienten der Machtsicherung nach innen wie nach außen.

Sammelrezension zu:

  • Winfried Heinemann: Die DDR und ihr Militär (Militärgeschichte kompakt), München: Oldenbourg 2011, 224 S., € 19,80, ISBN: 9783486704433.
  • Heiner Bröckermann: Landesverteidigung und Militarisierung. Militär- und Sicherheitspolitik der DDR in der Ära Honecker 1971–1989 (Militärgeschichte der DDR; 20), Berlin: Links 2011, 952 S., € 49,90, ISBN: 9783861536390.
  • Rüdiger Wenzke: Ab nach Schwedt! Die Geschichte des DDR-Militärstrafvollzugs (Forschungen zur DDR-Gesellschaft), Berlin: Links 2011, 492 S., € 39,90, ISBN: 9783861536383.
  • Bernd Eisenfeld, Peter Schicketanz: Bausoldaten in der DDR. Die "Zusammenführung feindlich-negativer Kräfte" in der NVA (Forschungen zur DDR-Gesellschaft), Berlin: Links 2011, 627 S., € 39,90, ISBN: 9783861536376.
Die Sicherheitspolitik der SED war der Doktrin des permanenten Klassenkampfes unlösbar verpflichtet, aber widerstreitenden Interessen unterworfen, denn die militärischen und paramilitärischen Organe dienten der Machtsicherung nach innen wie nach außen. Aus der Gleichzeitigkeit von Herrschaftssicherung und Schutz vor äußerer Bedrohung resultierte eine potentielle Unvereinbarkeit der ideologischen Ausrichtung mit militärstrategischer Rationalität. Darin unterschied sich die Nationale Volksarmee (NVA) diametral von Armeen der Staaten des Westens. Hinzu trat die fehlende Legitimität der SED-Herrschaft, die, korrespondierend mit dem Sicherheitsbedürfnis der sowjetischen Staats- und Parteiführung, eine hypertrophe Wahrnehmung von Gefahren durch die Führungsgremien der Partei bewirkte. Für die von der Sicherheits- und Verteidigungsdoktrin der Sowjetunion fremdbestimmte Militärpolitik der SED galt der Grundsatz, dass allein militärische Überlegenheit den Frieden sichern könne.

Ungeachtet dieser bekannten Sachlage verweist der vielfach synonyme Gebrauch der Begriffe "Militärpolitik", "Verteidigungspolitik" und "Sicherheitspolitik" auf eine Unschärfe in der Rezeption der Forschung. Zudem gilt teilweise noch immer die Militärpolitik der SED apologetisch als "derjenige Teil ihrer Gesamtpolitik, der die Sicherung des Friedens und den Schutz der DDR durch die Gewährleistung der Verteidigungsfähigkeit des Staates im Bündnis mit der UdSSR und den anderen Staaten des Warschauer Vertrages zum Inhalt hatte".[1] Die der SED-Führung nachgesagte Absicht, der Militärapparat habe der Sicherung des Friedens dienen sollen, ist eine von der Parteipropaganda erzeugte Vorspiegelung. Die neuen Publikationen zur Geschichte des Militärs in der DDR setzen sich in der Bearbeitung des komplexen Forschungsgegenstandes auch mit unzutreffenden Aussagen wie diesen differenziert auseinander.


Fußnoten

1.
Reinhard Brühl, Militärpolitik, in: Andreas Herbst u. a. (Hg.), Die SED. Geschichte, Organisation, Politik, Berlin 1998, S. 318–332, hier 318.

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