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Beleuchteter Reichstag

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20.6.2012 | Von:
Peter Wurschi
Leonard Schmieding

"Hallo?! – Hier kommt die DDR"

Bericht über das Halbtagesseminar "Somewhere – Das Land hinter dem Zaun" mit Thüringer Schülern

13.00–14.00 Uhr: Block IV

Es herrscht Arbeitsatmosphäre. In Kleingruppen bearbeiten die Jugendlichen die selbstgestellten Fragen und Aufgaben. Zumeist aufgeteilt in sechs Gruppen entwickeln sie sich zu Experten für ein bestimmtes Thema. Wie genau führte die Staatssicherheit Protokolle über HipHopper? Warum zogen Punks Lederjacken an und bemalten sich HipHopper ihre Turnschuhe? Warum sollte der negative politische Einfluss des Imperialismus so konsequent zurückgedrängt werden?

Um all dieses Wissen zusammenzuführen und in einer Abschlussdiskussion zu bewerten, ist eine Präsentation nötig. In den Gruppen wurden Vorträge und Plakate vorbereitet oder – wenn es die Gruppenstärke zulässt – eine Rolle erarbeitet. Auf einer Podiumsdiskussion im Jahre 2012 treffen sich dann Vertreter der damaligen Zeit: Rapper und Graffiti-Künstler aus der Stadt, Dorfpunks und Punkmusiker, MfS-Offiziere und Vertreter der SED-Kreisleitung und diskutieren über ihr damaliges Leben, über die politischen Besonderheiten der 1980er-Jahre und über das gegenseitige Unverständnis.

Es ist für uns Seminarleiter (wie auch für die beiwohnenden Lehrer) immer wieder verblüffend, wie gut die Schüler ihre Rolle verinnerlichen und durch ihr erarbeitetes Wissen die Problemlagen der 1980er-Jahren ansatzweise verarbeitet haben. Wenn 16-Jährige (die wohlgemerkt die DDR nur noch aus der Erzählung kennen) zu unversöhnlich auftretenden und dialektisch argumentierenden SED-Kulturfunktionären werden und eher schüchterne Schüler als Punks auf einmal lauthals die Internationale singen und für Menschenrechte eintreten, dann entbehrt das nicht eines gewissen Humors, zeigt aber auch, dass die Schüler die Texte verstanden und sich mit ihren in Beziehung gesetzt haben.
Somewhere-PräsentationPräsentation der Ergebnisse (© Stiftung Ettersberg)


Dieses neuerworbene Wissen noch einmal zu verfestigen und in den Zusammenhang ihrer eigenen, anfangs gestellten Fragen zu bringen ist dann die Schlussaufgabe von uns Seminarleitern. Ähnlich einem Mosaik haben die Schülerinnen und Schüler ihr "Expertenwissen" den anderen vorgetragen, und der gesamte Klassenverbund hat sich mit neuen Bildern, neuen Geschichten und neuen Wahrnehmungen aus der DDR auseinander gesetzt. Nicht immer ist das Ergebnis für die Schüler befriedigend, denn sie bekommen keine Antworten auf die Frage, wie es denn nun wirklich in der DDR war. Sie bleiben manchmal verwirrt und erschüttert zurück, können mit dem gerade Gelesenen oder von Klassenfreunden Vorgetragenen schwer etwas anfangen, passt es doch so gar nicht in das bisher gepflegte Bild der DDR. Dieses Nebeneinandersetzen von Geschichte, von unterschiedlichen Erfahrungen, zudem gepaart mit der Arbeit an Originalquellen hat sich auch bei Nachfrage als sehr sinnvoll herausgestellt. Im besten Fall fragen die Schülerinnen und Schüler zuhause einmal mehr nach, nehmen interessierter die Meldungen zur Zeitgeschichte wahr oder wollen von ihren Lehrerinnern und Lehrern nun doch wissen, wie es in der DDR wirklich war. Um die DDR zu bewerten, müssen die Schüler nicht dabei gewesen sein, sie müssen nur die richtigen (Nach)Fragen stellen.


Wir haben Hunger. Nach mehr als sechs Stunden packen wir unsere Klappbox wieder ein und verabschieden die Schüler in den Nachmittag. Erschöpft, aufgekratzt, nachdenklich und froh, endlich Schulschluss zu haben, verlassen sie den Klassenraum in eine Welt, in ihre Welt – fern von der DDR.

Wir suchen einen Imbiss und machen uns auf den Weg zurück, auf zur nächsten Schule, am nächsten Morgen.

P.S.: Der Inhalt der Klappbox: Beamer, zwei Laptops, Lautsprecher, zwei Ordner mit Kopiervorlagen.


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