Beleuchteter Reichstag

11.12.2019

Wer wir sind – die Erfahrung ostdeutsch zu sein

Ein Streitgespräch zwischen Jana Hensel und Wolfgang Engler

2018 diskutierten die Schriftstellerin Jana Hensel und der Soziologe Wolfgang Engler im Studio von Zeitzeugen-TV (Berlin) über das „Ostdeutschsein“. Dieser Film ist ein Konzentrat daraus.

Jana Hensel und Wolfgang Engler im Streitgespräch im Studio von Zeitzeugen TV im März 2018.Jana Hensel und Wolfgang Engler im Streitgespräch im Studio von Zeitzeugen TV im März 2018. (© Zeitzeugen-TV)

Im März 2018 trafen sich die Schriftstellerin Jana Hensel und der Soziologe Wolfgang Engler im Studio des Berliner Medienunternehmens Zeitzeugen TV zu einem Gespräch über ostdeutsche Erfahrungswelten. Ihr Dialog wurde mitgeschnitten und für ein Buchprojekt des Aufbau-Verlags transkribiert. Dieses Video gibt ein Konzentrat des Gesprächs wieder, das die Publizistin Maike Nedo moderierte.

Beide vertreten allein durch ihr Geburtsjahr unterschiedliche ostdeutsche Generationen. Wolfgang Engler, geboren 1952, hat die DDR seit ihren Anfangsjahren bis zu ihrem Untergang miterlebt. Er besitzt eine ostdeutsch geprägte Vita mit reichlich DDR-Erfahrung im Gegensatz zu der erst 1976 geborenen Jana Hensel. Ihre DDR-Erinnerungen speisen sich aus der späten Phase der DDR. Als ostdeutsche Teenagerin absolviert sie während des Wiedervereinigungsprozesses Abitur und Studium.

Wolfgang Engler dagegen wird mit der Abwicklung wissenschaftlicher und künstlerischer Institutionen konfrontiert und versucht sich seitdem dem Phänomen „ostdeutsch“ soziologisch zu nähern. So vertreten beide unterschiedliche Erfahrungshorizonte in Bezug auf die DDR-Gesellschaft und deren Wandel. Was zum einen zu Gemeinsamkeiten, aber auch zu differenzierten und konträren Ansichten über das „Ostdeutschsein“ führt. So entstand ein offenes und authentisches Streitgespräch über eine Gesellschaft, die innerhalb kürzester Zeit kollektives Eigentum wieder in Privateigentum und eine Parteidiktatur in ein demokratisches System transformieren musste. Warum dabei biografische Brüche nicht ausblieben, wieso Rechtspopulistinnen und -populisten erstarkten und ob ostdeutsche Erfahrungen nostalgische Verklärung sind, darüber streiten Jana Hensel und Wolfgang Engler.



Hier gibt es den Video-Icon Film mit Untertiteln.

Wolfgang Engler, geboren 1952 in Dresden, Studium der Philosophie an der Humboldt-Universität, 1980 Promotion, 1992 Professor für Kultursoziologie und Ästhetik an der Schauspielhochschule „Ernst Busch“ in Berlin, an letzterer Rektor von 2005-2017. Viel beachtet sind seine soziologischen Abhandlungen über das Phänomen der ostdeutschen Gesellschaft. Im Aufbau Verlag erschienen unter anderem: „Die Ostdeutschen. Kunde von einem verlorenen Land“, „Die Ostdeutschen als Avantgarde“, „Bürger ohne Arbeit. Für eine radikale Neugestaltung der Gesellschaft“

Jana Hensel, geb. 1976 in Leipzig, Studium der Romanistik und der Neueren Deutschen Literatur in Leipzig, Berlin und Paris. Ihr Debütroman „Zonenkinder" wurde ein Bestseller und in mehrere Sprachen übersetzt. Sie verarbeitet darin ihre Erfahrungen mit der Deutschen Einheit. Hensel war als Journalistin für Die Zeit, den Spiegel und Die Welt tätig. 2017 erschien ihr Roman „Keinland“. Autorinnentätigkeit für Zeit Online und Die Zeit im Osten.

Das Buch:

Wolfgang Engler, Jana Hensel, Wer wir sind, Die Erfahrung ostdeutsch zu sein, Berlin 2018.

Das Buch ist auch 2019 in der Schriftenreihe der Bundeszentrale für politische Bildung/bpb erschienen.


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