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Beleuchteter Reichstag

16.9.2020

9. Sprache

"Wie meinste dis?". Auch sprachlich stoßen Ost- und WestberlInerinnen nach dem Mauerfall auf Unterschiede. Den ausgeprägteren Jargon machen sie im Osten aus. Und stoßen auf Wörter, die es im Westen gar nicht gibt: "Urst" zum Beispiel.

Grafitti an der Berliner Mauer in der Bernauer Straße Anfang 1990.Grafitti an der Berliner Mauer in der Bernauer Straße Anfang 1990. (© Holger Kulick)


Berliner Dialekt


(a) Gina BW 01 (Osten) Eine waschechte Berlinerin spricht

Gina (© FU Berlin / Norbert Dittmar & Christine Paul 2019)

0049 GINA
na ick meine klar hier halten se im in som kleenen betrieb (0.2) da halten se irgendwie mehr zusammen weil ja jeder auf den andern ebend anjewiesen is halt ne^ (0.5) und da ick meen * da hat ebend jeder so-n bißchen so (0.4) naja willste nich wenn nich denn (1.0) komm immer so-n paar ecken denn ebend halt rüber denn ne^

0050 FK
? wie meinste dis?

0051 GINA
naja * weeß ick wenn de ürgendwie keene gute arbeit jeleistet hast oder irgendwat denn (1.4) (1.0) ick weeß nich irgendwie haste dit denn ooch jemerkt denn * unter den kollejen denn ooch daß die denn irgendwie so * je'tuschelt haben denn * oder * daß die einen so blöd anjemacht haben denn also * is ebend * blöd jewesen halt ne^

0052 FK
hm *? und dis is hier nich

0053 GINA
wenn eenem weeß ick die neese nich jepaßt hat oder sowat denn denn wurdest de erstmal * irgendwie abjeschoben oder so ne (1.0)

0054 FK
? und dis is hier nich

0055 GINA
denn wurdeste abjestempelt na kiek doch mal die da und und und dis* is hier 'nich (1.0) da würste ebend so akzeptiert wie de bist und (0.4) ick meine fehler hat jeder davon abjesehn

nur (0.9) hier tuschelt keener * und sagt kiek ma iih der hat ja ne brille uff oder ürgendwie so sowat blödet ja^ so ss wo man sich jetzt an kopf fäßt ja^ * naja

i

Übergreifender Kontext für "Berlinern"

Wer über das Berlinern mehr erfahren möchte, wird zum Beispiel hier fündig: https://ids-pub.bsz bw.de/frontdoor/deliver/index/docId/8584/file/Schoenfeld_Berliner_Stadtsprache_1997.pdf Unter dem Link findet man eine brauchbare Übersicht über phonetische, grammatische und lexikalische Besonderheiten / Eigenschaften des Berlinischen. Eine differenzierte umfassende Grammatik des Berlinischen ist das Nachschlagewerk Berlinisch heute von DDR Linguist Dr. Helmut Schönfeld (ehemals HU), siehe Link im Teil C. Je nach phonetischem, silbischem und lexikalischem Kotext kommen die Varianten kategorisch (immer !) oder variabel (je nachdem) zur Anwendung. Man sollte sich die Audio-Version mehrmals anhören.

Typisch für das Berlinische sind die urbanen Schnellsprechregeln (typisch: wees^ick , das von Gina oft wie wssik! (Plosiv + Verschlusslaut) sehr reduziert artikuliert (durchgegurgelt oder genuschelt) wird. Für das moderne Berlinisch nach der Wende ist ein auffälliger Gebrauch der Modalpartikel halt festzustellen. Eigentlich gibt es seit eh und je nur eben (ausgesprochen ebent) im Berlinischen /Brandenburgischen. In dem Satz es ist eben so unterstreicht die Partikel die Bedeutung Evidenz, d.h. etwas Vorerwähntes gilt im objektiven Sinne (beweisbare Tatsache). Demgegenüber drückt das im diskursiven Alltag in den siebziger Jahren von schwäbischen und bairischen Einwanderern nach Berlin exportierte (und von den Berlinern übernommene) halt persönliches (subjektives) Für-richtig-halten aus (subjektive Evidenz).

Für die Ostberliner war das in Westberlin bereits weithin gebräuchliche halt ganz neu. Nach der Wende übernahmen Jugendliche und nach Westberlin umsiedelnde oder dort gleich beschäftigte OstberlinerInnen rasch den modischen Ausdruck. Dass der Gebrauch von halt für Gina (Übernahme einer neuen Arbeit in Westberlin bereits im Laufe 1990) noch brandneu war, zeigt die unübliche Verwendung an halt ne am Ende des Satzes (die Partikel steht normalerweise direkt hinter dem finiten Verb) sowie die Partikeldopplung eben halt (interessant: die subjektive folgt der objektiven Modalisierung). Typisch die Verwendung von kieken (was man zu der Zeit in Westberlin nicht mehr häufig hören konnte) und Wendungen wie wenn einem die Nase nicht passt bzw. jeder hat / da gibt es mal so ein paar ecken (im alltäglichen Miteinander läuft nicht immer alles glatt /jede(r) von den MitarbeiterInnen hat ein paar nicht-nette Eigenschaften).

Einstellungen zum Berlinern: SprecherInnen aus dem Osten


(b) Vera BW 19 (Osten)
Vera (© FU Berlin / Norbert Dittmar & Christine Paul 2019)

0033 OL
? eh hast du * unterschiede in der sprache festgestellt zwischen ost und west jetzt vom vokabular * natürlich sicherlich aber jetzt auch so vom * von der aussprache oder so?

0034 VERA
ja also es gibt natürlich (2.0) 'viele westler wie auch ostler halt die so richig berlinern^ ich sprech ja nu auch nich grade hochdeutsch aber * eh arbeitsbedingt muß ich mir * natürlich auch manchmal viel mühe geben hochdeutsch zu reden * weil dis einfach die: die nähe des arbeitsplatzes erforderlich macht hochdeutsch zu sprechen weil man dann sonst mipm schiefen augen anjeguckt wird so nach dem motto na wie redet die denn^ die kann nich mal ordentlich hochdeutsch reden na man wird schon manchmal anjezählt daß man halt ordentlich reden soll aber so im allgemeinen

0035 VERA
(2.0) denk ick mal oder * ja et jibt wörter also da könnte man sich na kopp fassen wat früher bei uns broiler war^ dit is jetzt hänchen also dit is doch vom prinzip her dit gleiche * also da könnt ick mich drüber stundenlang aufregen aber dit bringt nüscht also (3.0) eh oder von der schulbildung her jetzt so grammatikalisch mal jesehn * wir sagen ja * ich stehe hier oder ich habe dort gestanden^ und die sagen eh 'ich bin gestanden wie hört sich denn dit an dit is doch keen deutsch also ürgendwo oder ich bin gesessen eh * ja entweder seh ick dit vakehrt oder * oder eben weeß ick nich oder ick hab * drei jahre umsonst deutsch jelernt oder zehn jahre so inner inner grundschule und hauptschule und so aber * ich bin jestanden also * weeß nich ürgendwie * na ja es ja also trotzdem noch alljemein so viele reden natürlich sehr hochdeutsch wat sich manchmal wirklich n bissen bescheuert anhört * weil man denkt man is eigentlich nich typgerecht dit paßt überhaupt nich zu dem so zu reden * aber wenn er der meinung is daß man so reden muß dann muß er halt so und * jeder redet so wie er will und ick rede nu mal so und wenn ick halt hochdeutsch reden muß dann geb ick mir natürlich allergrößte mühe aber ansonsten is mir dat eigentlich (2.0) so völlig ejal ick bin berliner bin in berlin jeborn bin in berlin groß jeworden und dazu gehört nu mal die berliner sprache und wer dat nich will * der muß halt woanders hingehn (2.0)

i

Gesellschaftspolitischer Kontext (Varietätenwahl Berlinisch vs. Hochdeutsch)

Was die süddeutsche Variante ich bin gesessen angeht, sieht Vera "dit vakehrt". Die Bedeutung stimmt mit Norddeutsch ich habe gesessen überein. Es handelt sich um dialektale Varianten. Aufgrund ihrer Zugehörigkeitsgefühle zur ostdeutschen Sprechergemeinschaft räumt Vera dem Dialekt Gebrauchsrecht für den Alltag ein. "Ordentlich hochdeutsch reden" solle man / frau können, aber dauernd hochdeutsch zu reden "hört sich manchmal wirklich n bissen bescheuert an". Veras sprachliche Identität ist das balinarn – und wer das nicht schätze, der möge halt bitte woanders wohnen.

Soziolinguistischer Kommentar: Die Einwohner (Sprecher) der Kommunikationsgemeinschaft Berlin-Ost sprachen (und sprechen) ganz überwiegend die berlinische Umgangssprache im Alltag. "Sprache bzw. der Sprachgebrauch" war in der DDR kein soziales Selektionskriterium – genau dies gilt aber im Westen.

(c) Alla BW 25 (ursprünglich Osten, vor dem Mauerfall in den Westen ausgereist)

Alla (© FU Berlin / Norbert Dittmar & Christine Paul 2019)

0190 JD
und jetzt hier; ehm fällt ihnen was auf, zum dialekt. in ost und west. gibts da unterschiede? also zum berlinischen. berlinern die kinder im osten mehr oder ((unverständlich))

0191 ALLA
oh die die berlinern bei úns mehr. ich glaube es ja. (0.1) auch von den erwachsenen; also das schlimme; dieses diesen schlimmen * jargon * glaub ich gibts mehr * im ostteil. es

0192 JD
durch alle schichten oder is es schon auch fixiert auf,

0193 ALLA
nee nee das is nich durch alle schichten also * vielleicht die weniger gebildeten schichten also eh árbeiter ...

i

Kontext Varietätenwahl

Alla bestätigt, dass in Ostberlin mehr berlinert wird. Sie nennt das Berlinische abwertend einen "schlimmen Jargon". Das Ausdrucksrepertoire des Jargons erfüllt die Funktion der Zugehörigkeit zu einer sozialen Gruppe (z.B. Arbeiter) und zugleich der Abgrenzung gegenüber anderen Teilen der Gesellschaft. Besondere Wörter und Wendungen machen den Symbolwert des Jargons aus. Für Alla ist der Jargon das Ausdrucksmittel der "weniger gebildeten Schichten".

Einstellungen zum Berlinern: SprecherInnen aus Westberlin


(d) Caroline und Berta BW 45 (West)

Caroline und Berta (© FU Berlin / Norbert Dittmar & Christine Paul 2019)

165 BERTA
ja für die is das auch ganz normal ehm für die is das auch nich so verpönt also ich find * in westberlin is-ses ja doch in vielen bezirken einfach nich so angesagt zu berlinern_ * oder in vielen situationen einfach nich also ich mein ich berliner ja würd ja jetzt auch nich einfach hier losberlinern eh

166 BL
warum eigentlich

167 BERTA
weil ich-s unangenehm finde_ weil ich den dialekt nich so: toll finde_ (2.0)

168 BL
also jetzt klanglich oder was man^

169 BERTA
also s hat n negativen touch * proll_ * n proll verbind ich damit

i

Kontext Varietätenwahl:

In halbformellen oder formellen Situationen wirkt berlinern in West-Berlin ordinär. Für Berta hat Berlinisch einen "negatativen touch", es ist die Sprache der Proleten.

(e) Cris BW 50 (West) "die berlinern mehr die ostberliner"

Chris (© FU Berlin / Norbert Dittmar & Christine Paul 2019)

0165 JD
ja. * die berlinern mehr die ostberliner.

0166 CHRIS
die berlinern mehr, ja.

0167 JD
wer berlinert da?

0168 CHRIS
alle.

0169 JD
alle. * was heißt alle?

0170 CHRIS
durch alle bevölkerungsschichten geht das.

0171 JD
und hier?

0172 CHRIS
na hier is das ja dadurch daß hier ich denke hier sind sehr viele wéstdeutsche. es gibt gar nich so viele einge- einheimische eingesessene berliner; daß das hier nachgelassen hat das berlinern; ich stell das auch in der schule fest,

0173 JD
hmhm,

0174 CHRIS
nun ham wirn sehr hohen anteil ausländischer schüler,

0175 JD
hmhm,

0176 CHRIS
und aber auch die déutschen die ich jetzt habe berlinern nich mehr so wie * vor zwanzig jahren als ich anfing in neukölln zu unterrichten.

0177 JD
wie kommt dat oder woran liegt das?

0178 CHRIS
eh ich denk schon durch die míschung; dadurch daß sehr viele fremde gekommen sind;

0179 JD
hm.

0180 CHRIS
und eh in den schulen nich mehr so berlinert wird;

0181 JD
und prestige? als stichwort,

0182 CHRIS
prestige. nun sind bin ich ja anner hauptschule.

0183 JD
na ja gut. nich bei den schülern.

0184 CHRIS
bei den schülern.

0185 JD
eh berlinisch und

0186 CHRIS
be * eh bei den eh ja. das da da ja das weiß ich nich. (2.1) (2.0) das soll ja keine rolle gespielt haben. früher nich, (2.0)^

0187 JD
ob man berlinert

0188 CHRIS
ob man berlinert eh oder * is das sone schichtengeschichte? hier gewesen, in berlin? * weiß ich jetzt nicht.

0189 JD
is ihnen nichts aufgefallen, * ich glaube schon daß es * für westberliner * relativ unschick war zu berlinern ((unverständlich))

0190 CHRIS
n makel?

0191 JD
am gymnasium

0192 CHRIS
ja gut.

Der Gebrauch des Berlinischen an Hauptschulen. Aufklärung über verschiedene Faktoren, die den Alltagsgebrauch sanktionieren.
0340 UM
bei ost berlinern an der uni^ hören wir es immer noch_ also eben daß die berlinern^

0341 CHRISTINE
die berlinern unheimlich_

0342 UM
genau_ und n bißchen anders_ eben obwohl ich immer noch nich genau weiß wie

0343 CHRISTINE
na einfach viel intensiver_

0344 JENS
die original *

0345 CHRISTINE
doch also

0346 JENS
slang * is doch n bißchen stärker erhalten bei denen.

0347 CHRISTINE
also hier durch durch seinen ehemaligen prof da von der tu da ham wir leute eben auch aus karlshorst kennenjelernt_ und sie is ärztin und die berlinert wirklich unglaublich find ick_

0348 JENS
hmhm_

0349 CHRISTINE
also da merkste dit wirklich ganz stark

0350 JENS
die hat son son richtjet berliner mundwerk son loset_

0351 CHRISTINE
ja^ und wenn de jetzt auch hier so im im fernsehn manchmal da warn dann so sendungen die von der charite so ärztlich so über ürgendwat gesprochen hatten_ dann eh (0.2) haste dit eigntlich auch fand ick immer erstaunlich für leute die so * in soner jehobenen position auch sind ja^

i

Kontext Varietätenwahl

Für Jens ist 'berlinern' ein Slang. Slang ist in der Soziolinguistik ein spontan aufkommender Jargon (siehe oben), der im Prozess häufiger und zunehmend lebendig werdender Interaktionen aufkommt und wieder verschwindet, sobald dieser ineraktive Hype vorbei ist. Der Begriff (von Jens nicht wissenschaftlich verwendet) hat hier eine ähnliche negative Konnotation wie oben Jargon.

Berlinisch: Ausgewählte Ausdrücke / besondere Eigenschaften


Gitta BW 10 (Osten)

0273 GITTA
ne^ die würden dit wirklich in kauf nehm andere die hatten nen die wurden traktiert durch ausreiseantrag wir ham viele freundschaften hier die übergesiedelt sind muß ick sagen^

0274 OL
hmhm^

0275 GITTA
überwiegend eigentlich * wir ham och recht * na sag ick mal arrogante wessis * so im jargon kennengelernt ja^ In Ost-Berlin wurde ein Sammelbegriff (Hyperonym) wie Freundschaften dem semantisch eingeengteren (individuellen) Begriff (Freunde) vorgezogen. Wir (die beiden Autoren) denken, dass Freundschaften eine etwas abstraktere Wortwahl ist – so wie etwa der Ausdruck Kollektiv.

BW-15 Maria (Ost) "ick (habe) ne westverwandtschaft, die selbst Lehrer ist"

0018 MARIA
die die westvawandschaft hat sich sehr um uns bemüht^ * ond hat vasucht * uns-n bißchen den westen zu zeigen * und o:ch denn vorübajahend also o:ch mit geld unta-m arm zu greifen

Wie bei Freundschaften ist Westverwandtschaft ein Sammel- oder Kollektivbegriff. Gemeint sind sicher konkrete Onkels, Tanten, Nichten, Neffen, Enkel etc. Westdeutsche würden auch sagen Verwandte. Möglicherweise stammen die Begriffe Freundschaften, Verwandtschaften aus dem offiziellen bürokratischen Sprachgebrauch der ehemaligen DDR.

Intensivierungspartikel (emotionale Verstärkung des Wortes, vor dem es steht): urst (von urig, sehr urig=urigst = in der Umgangssprache zusammengezogen zu urst)

Ilona BW 41 (West)

183 UM
und ein wort was ich zum beispiel erst vor kurzem gelernt hab daß es existiert * is urst *

184 ILONA
hmhm; hmhm;

185 UM
hörst du das viel?

186 ILONA
eh ja von den jüngeren leuten.

187 UM
a nur von den jüngeren.

188 ILONA
hmhm,

0189 UM
also weiß ich nicht so ähnlich wie * weiß nicht oder wenn man sonst geil sagt oder so keine ahnung. also * es war die urste reise die wir je hatten oder ürgendwie so.

Christine und Jens BW 40 (West)

0378 UM
ja ja_ also zum beispiel n wort was ich jetzt erst vor kurzem sozusagen gelernt habe is urst_ * also * hab ich vorher nich

0379 CHRISTINE
heißt denn dit^

0380 UM
ehm * ja_ * wann sagen die dis^ die sagen das so ich glaub so ähnlich wie (2.0) na ja wie super nich aber * also zum beispiel ehm das war wir hatten den ursten spaß oder so

0381 CHRISTINE
ach so

0382 JENS
ach so^ von urig oder irgendwie sowat ja

In den vorigen zwei Beispielen wird der Supeerlativ urst benutzt. Anfang der 90iger Jahre war dieser Ausdruck einer, an dessen Gebrauch man gleich einen Ossi erkannte.Fragt man Berliner heute, ob sie wissen, was urst bedeute, so können diese Frage nur noch vereinzelte ältere Menschen beantworten.

Christine und Jens B W 40 (West) der Gebrauch von halt und eben

0419 UM
und denn worüber wir noch ne diskussion hatten war * ob ehm* also es muß halt auch irgendwo ausm süddeutschen raum kommen dieses * halt die berliner sagen ja eben_

0420 CHRISTINE
ach so_

0421 UM
weil das eben so is_

0422 CHRISTINE
ja genau das is eigentlich n süddeutsche

0423 UM
und es gibt aber inzwischen ganz viele berliner die sagen weil das halt so ist_ *

0424 CHRISTINE
aber das kommt glob ick nich ausm osten u.

0425 UM
nee aber nein sondern ausm süddeutschen_

0426 CHRISTINE
ja

0427 UM
die die fra was sagst^ sagst du benutzt du das halt^

0428 CHRISTINE
nee_ überhaupt nie_

0429 UM
nee ne^

0430 CHRISTINE
ich sag eben_

0431 UM
benutzt du das halt^ nee ne^ * weil das halt so is nee

0432 CHRISTINE
nee_

0433 JENS
eben benutz ich sicherlich_

0434 UM
aber dann gibs auch noch leute die beides benutzen_ die sagen weil das halt eben so ist_

0435 CHRISTINE
((lacht)) ((lacht)) nee_

0436 JENS
ja das gibs auch_

0437 CHRISTINE
ja das gibts auch aber

0438 UM
und dann ham wir überlegt ob auch geht * weil das eben halt so ist_

0439 CHRISTINE
((lacht)) ja das sagen bestimmt auch welche aber * eigentlich benutz ick

0440 JENS
das würd ich für die ungebräuchlichste form halten

0441 CHRISTINE
ja denk ich auch

0442 UM
und und eh * weil nämlich wenns wirklich ausm ausm schwäbische raum oder so * kommt^ dann dürftens die ossi ossis nicht benutzen aber da isses auch völlig unterschiedlich_

Siehe den Kommentar zu halt und eben oben unter (a) Gina BW 01

Doppelte Perfekt- und Präteritummarkierung


Lena BW-16 (Ost) "'n gewissen Lebensstandard hat man sich geschaffen gehabt"

0092 LENA
nee nee * na und n gewissen lebensstandard hat man sich jeschaffen jehabt und man is ja (2.0) kaum bereit davon abstriche zu machen

BW 10 Gitta (Ost) "dit war n sportflitzer jewesen"

wir ham jesacht sofort ins auto 'rein dit war n sportflitzer jewesen ick saß hinten uffn sozius^ ja^ son notsitz^ dit war mir so egal jewesen * sind wa mit dem k. denn hinjefahrn^ * und ham die janze sache da jesehn dit warn riesen trubel jewesen der erste trabi der war in schöneberg den wa da jesehn hatten ick sag kiekt mal da is n trabi^ da is n trabi^ dit war sone freude jewesen ja^ war janz toll gewesen

i

Vergangenheitsformen im Berlinischen

In den beiden Sätzen (i) und (ii)
(1) 'n gewissen Lebensstandard hat man sich geschaffen gehabt
(2) dit war n sportflitzer jewesen
gibt es eine morphemische Doppelmarkierung der Vergangenheit durch das grammatische Partizip Perfekt. In beiden Fällen (gehabt, jewesen) würde man im Standard oder in der überregionalen Umgangssprache die zweite grammatische Markierung durch eine Partizip-Perfekt-Form nicht verwenden. So klingt diese für das Berlinische typische Tempusroutine doppeltgemoppelt. Allerdings ist einzuräumen, dass die Partizipform das Vollendetsein des jeweiligen Sachbezugs unterstreicht. In diesem Sinne wird mehr Distanz zum vergangenen Ereignis geschaffen.


Die Mauer. 1961 bis 2021

Bildmontagen und eine VR-Animation

Anlässlich des 60. Jahrestags des Mauerbaus erinnert das Deutschland Archiv der Bundeszentrale für politische Bildung/bpb mit 46 Bildmontagen und einer Virtual-Reality-Animation an das Bauwerk, das die Stadt über 28 Jahre lang teilte.

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60 Jahre Mauerbau

Die Berliner Mauer trennte mehr als 28 Jahre lang Ost und West. Sie ist zum Symbol der konfliktreich verkanteten Nachkriegsordnung der Alliierten geworden. Zwischen 1961 und 1989 wurden mindestens 140 Menschen an der Berliner Mauer getötet oder kamen in unmittelbarem Zusammenhang mit dem DDR-Grenzregime ums Leben. Darüber hinaus verstarben mindestens 251 Reisende aus Ost und West vor, während oder nach Kontrollen an Berliner Grenzübergängen. In diesen Angaben nicht erfasst ist die unbekannte Anzahl von Menschen, die aus Kummer und Verzweiflung über die Auswirkungen des Mauerbaus auf ihre individuellen Lebensverhältnisse starben.


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NEU: "(Ost)Deutschlands Weg 1989-2021". 80 Studien zur Lage des Landes

Ein Mosaik der (ost)deutschen Transformationsgeschichte von 1989/90 bis in die Gegenwart. Mit Texten von Ilko-Sascha Kowalczuk, Krisztina Slachta, Jens Reich, Marianne Birthler, Hans Modrow, Steffen Mau, Antonie Rietzschel, Andreas Zick, Esther Dischereit, Bernd Wagner, Naika Foroutan, Raj Kollmorgen und 70 weiteren AutorInnen. Der Doppelband mit 1.350 Seiten und zahlreichen Fotos kostet 7 Euro im Angebot der bpb.

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Videoreportagen

Vom Einläuten der Friedlichen Revolution

Rund um den 7. Oktober 1989 herrschte Ausnahmezustand in mehreren Städten der DDR. Polizei und Stasi gingen gewaltsam gegen Demonstranten vor, die friedlich für Reformen eintraten. Ein filmischer Überblick.

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Chronik der Mauer

Es erwartet Sie eine Fülle von multimedial aufbereiteten Informationen über Mauerbau und Mauerfall - und über die Opfer der Grenze.

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30 Jahre Mauerfall

Die Berliner Mauer war über 28 Jahre das Symbol der deutschen Teilung und des Kalten Krieges. Am 9. November 1989 reagierte die DDR-Regierung mit Reiseerleichterungen auf den Ausreisestrom und monatelange Massenproteste – die Mauer war geöffnet. Wir präsentieren ausgewählte Angebote zur Geschichte der Mauer und des Mauerfalls.

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Ausgebombt! Eine Zeitreise ins kriegszerstörte Berlin

31 Bildmontagen des Berliner Fotografen und Designers, Alexander Kupsch, aus historischen Fotos vom zerstörten Berlin und Aufnahmen aus dem Jahr 2015, zeigen, dass bei Kriegsende im Mai 1945 in der Stadt kaum ein Stein mehr auf dem anderen stand. Die Bildmontagen rücken die zerstörerische Kraft des Krieges erneut ins Bewusstsein, indem sie die Ruinen und Schuttberge aus dem Mai 1945 ins Berlin von heute übertragen.

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Dossier

Stasi

Alles wissen, alles kontrollieren, Menschen manipulieren. Aus der Arbeitsweise der DDR-Geheimpolizei "Stasi" ist auch viel zu lernen über die Mechanismen von Diktaturen der Gegenwart. In der DDR überwanden couragierte Bürgerinnen und Bürger allerdings 1989 ihre Angst vor der "Staatssicherheit". Vor 30 Jahren wurde sie gänzlich entmachtet.

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Online-Angebot der bpb und der Robert-Havemann-Gesellschaft

jugendopposition.de

Wie haben junge Menschen in der DDR mit Mut und Musik gegen Stasi und SED-Diktatur gekämpft? Zeitzeugen berichten. Mit zahlreichen Texten, Videos, Audios, Fotos und Dokumenten.

Mehr lesen auf jugendopposition.de

Online-Archiv

www.wir-waren-so-frei.de

Fast 7.000 private Filme und Fotos aus der Umbruchzeit 1989/90 sowie über 100 begleitende Erinnerungstexte. Dazu ost- und westdeutsche Medienberichte. Die persönlichen Erfahrungen der Fotografen und Filmemacher bieten zusammen mit der öffentlichen Berichterstattung vielfältige Blicke auf die historischen Ereignisse und deren Auswirkungen auf den Alltag in Ost und West.

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Wird die DDR-Diktatur verharmlost? Und warum begann die intensive Auseinandersetzung mit der NS-Vergangenheit erst so spät? Die Deutung von Geschichte ist oft umstritten - und nicht selten ein Politikum.

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13. August 1961: In den frühen Morgenstunden beginnt der Bau der Mauer, die Deutsche Teilung wird zementiert. Am Abend des 9. November 1989 kommt es zum Mauerfall. Bald 30 Jahre danach ist Deutschland in vielem noch immer ein Land mit zwei Gesellschaften.

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Zu dem Thema "Children of Transition, Children of War, the Generation of Transformation from a European Perspective" diskutierten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler auf der Deutschlandforschertagung 2016 vom 3. bis 5. November 2016 in der Universität Wien. Die Tagungsdokumentation gibt Einblick in die Themen und Ergebnisse.

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Der Mauerfall und ich

Es ist Leipzig im Spätsommer des Jahres 1989. Die Studentin Kathrin und ihre Freundinnen und Freunde erleben eine Zeit des Umbruchs in der DDR. Im November fällt die Mauer und damit die Grenze, die Deutschland und die Deutschen viele Jahrzehnte trennte. Über ihre Erlebnisse hat Kathrin von August bis November 2019 im bpb-Messengerprojekt "Der Mauerfall und ich" berichtet.

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