30 Jahre Deutsche Einheit Mehr erfahren
Beleuchteter Reichstag

30 Jahre letzte Volkskammer -
30 "ungehaltene Reden"

Am 2. Oktober 1990 endete die Geschichte des letzten Parlaments der DDR. Sechseinhalb Monate zuvor, am 18. März 1990, war die "10. Volkskammer" gewählt worden, zum ersten Mal in einer freien und demokratischen Wahl. Am 12. April trat sie im Ostberliner "Palast der Republik" zusammen, ein Gebäude, das seit 2008 nicht mehr existiert. 30 ehemalige Abgeordnete kamen im Sommer 2020 dem Angebot des Deutschland Archivs nach, noch einmal eine "ungehaltene Rede" zu formulieren.

Protest-Plakate vor der DDR-Volkskammer am 4. November 1989. Viereinhalb Monate später wurde das DDR-Parlament erstmals frei gewählt.Protest-Plakate vor der DDR-Volkskammer am 4. November 1989. Viereinhalb Monate später wurde das DDR-Parlament erstmals frei gewählt. (© picture-alliance/dpa)

Quer durch die damaligen Parteien kamen hintergründige Rückblicke, aber auch couragierte Denkanstöße für Deutschlands Zukunft zustande - von den AkteurInnen des wahrscheinlich effektivsten deutschen Parlaments. Denn es hatte in der Kürze seiner Amtszeit den DDR-Alltag gesetzlich neu zu regeln, die Deutsche Einheit am 3. Oktober 1990 vorzubereiten und sich am Ende selber abgeschafft. Ein Mosaik zum Durchstöbern - als demokratischer Erfahrungsschatz:

Der Vorsitzende der Ost-CDU, Lothar de Maiziere, im Gespräch mit Sabine Bergmann-Pohl. Auf der konstituierenden Sitzung der ersten frei gewählten Volkskammer der DDR am 5. April 1990 wurde die CDU-Abgeordnete mit 214 Stimmen zur neuen Volkskammer-Präsidentin gewählt. Auf ihren Gegenkandidaten Höppner aus der SPD entfielen 171 Stimmen, fünf Stimmen waren ungültig.

Ein emotional aufgeladenes Parlament

Kein Historiker "wird jemals den physischen und psychischen Druck nachempfinden können, den wir alle täglich erlebten", bilanziert Sabine Bergmann-Pohl ihre Volkskammerarbeit 1990. Sie zog damals für die CDU ins letzte DDR-Parlament ein und wurde zu dessen Präsidentin gewählt: "Es ging nicht um weniger als die Verwirklichung lebendiger Demokratie in der DDR".

Mehr lesen

Die an der neuen DDR-Regierung beteiligten Parteien unterzeichnen in der Volkskammer in Berlin die Koalitionsvereinbarung. V.l.n.r.: Rainer Eppelmann, Markus Meckel, Lothar de Maiziere, Hans-Wilhelm Ebeling und Prof. Dr. Rainer Ortleb.

Eine „Schule der Demokratie“

Am 12. April 1990 begann die eigentliche parlamentarische Arbeit der letzten Volkskammer der DDR. Der Mediziner Rüdiger Fikentscher (SPD) bilanziert: "Wer nach der Vereinigung vermutet hätte, dass wir drei Jahrzehnte später noch immer über Ost-West-Unterschiede sprechen, wäre als notorischer Pessimist bezeichnet worden. Darüber gilt es zu sprechen, heute, und noch eine Weile länger".

Mehr lesen

Vorwahlkampf. Der damalige Bundeskanzler und CDU-Vorsitzende Helmut Kohl (r) neben DDR-Ministerpräsident Hans Modrow (l) am 19. Dezember 1989 in der Dresdner Innenstadt auf dem Weg zum Kulturpalast, im Hintergrund die Kreuzkirche.

Die Deutsche Zweiheit

Ein Rückblick von Hans Modrow (92), Ministerpräsident der DDR a. D. 1989/90 und Mitglied der DDR-Volkskammer 1958 bis 1990. Modrow regt an, "auch geplatzte Träume, Brüche und verpasste Chancen für den Prozess der Vereinigung und des Zusammenwachsens zu reflektieren", und plädiert für eine vielperspektivische Aufarbeitung: "Es wäre Zeit für Glasnost".

Mehr lesen

Wandbild auf der ehemaligen Berliner Mauer an der East Side Gallery in Berlin zur Würdigung von Michail Gorbatschow, der von März 1985 bis August 1991 reformorientierter Generalsekretär des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei der Sowjetunion und von März 1990 bis Dezember 1991 Staatspräsident der Sowjetunion war.

Gorbatschows vergessene, erste Friedliche Revolution

In der Serie „Ungehaltene Reden“ ehemaliger Volkskammerabgeordneter der DDR, blickt Martin Gutzeit, der Mitgründer der SDP (später SPD) in der DDR, auf das Jahr 1988 zurück. Damals machte der sowjetische Staats- und Parteichef Michail Gorbatschow mit seinen Grundsatzbeschlüssen die Umwälzungen in der DDR 1989/90 erst möglich – und damit auch die erste demokratische Volkskammerwahl im März 1990 und in deren Folge die Deutsche Einheit.

Mehr lesen

Ein ehemaliger mit Graffiti bemalter DDR-Grenzturm inmitten einer grünen Wiese mit Blumen Sträuchern und Bäumen.

Der Blick zurück 2020 - Eine Generation danach

Die 10. Volkskammer der DDR wird inzwischen von HistorikerInnen als ein Parlament beurteilt, das lediglich den eigenen Staat abzuwickeln und sich selbst aufzulösen hatte, kritisiert der ehemalige SPD-Abgeordnete Volker Schemmel. Aber für viele der 400 Abgeordneten habe vor dem “Selbstabwickeln“ noch etliches Eigenständiges auf der Tagesordnung gestanden, was aus den Zielen der Friedlichen Revolution umgesetzt werden sollte.

Mehr lesen

Ziel ein geeintes Deutschland mit europäischem Geist? Transparent während der Friedlichen Revolution im Herbst 1989 in Leipzig.

„Ein echtes Arbeitsparlament“

„Alles musste eigentlich gleichzeitig geschehen“ erinnert sich die CDU-Politikerin Maria Michalk aus der Lausitz an ihre Volkskammerzeit. Die später langjährige Bundestagsabgeordnete berichtet von politischen "Mogelpackungen" der damaligen SED-Nachfolgepartei PDS und bedauert, dass manches 1990 versäumt wurde, intensiv zu behandeln. So seien DDR-BürgerInnen nicht auf die Europäische Union vorbereitet worden. Das habe im Osten Deutschlands „Folgen bis heute“

Mehr lesen

Mauerrest 1991 im Norden Berlins.

„Eine äußerst widersprüchliche Vereinigungsbilanz“

Der Ökonom Prof. Klaus Steinitz war damals PDS-Vorstandsmitglied. Er beschreibt facettenreich die wirtschaftliche und soziale Entwicklung im Osten Deutschlands - als „Vorausschau aus dem Jahr 1990 und Rückblick 30 Jahre danach“. Bilanzierend plädiert er für ein „spezielles Zukunftsprogramm für Ostdeutschland", das "sowohl die Spezifik der hier bestehenden Verhältnisse, als auch Erkenntnisse aus der Bekämpfung der Corona-Pandemie berücksichtigt".

Mehr lesen

Vor 30 Jahren: DDR-BürgerInnen mit Transparenten wie "Kein § 218! So wahr und Gott helfe" vor der Volkskammer in Ostberlin am 22. April 1990.  Bei einer Vereinigung der beiden deutschen Staaten müsse dafür gesorgt werden, dass das Recht auf Abtreibung nicht eingeschränkt werde, so die Forderung der Frauen. Ein Schwangerschaftsabbruch bis zur zwölften Woche war seit 1972 in der DDR legal.

Für mehr Frauenrechte und Parität

Die sachsen-anhaltinische CDU-Politikerin Carmen Niebergall reflektiert über die "Kraft der Anfangsjahre" nach 1989, auch frauenpolitische Ziele durchsetzen zu können. Doch inzwischen, so kritisiert sie, bewege sich auf diesem Gebiet vieles nur noch "im Schneckentempo". Eine strukturelle, institutionelle Gleichstellungspolitik sei "irgendwo angesiedelt, wenig sichtbar, und mit wenig Befugnissen ausgestattet". Engagiert fordert sie ein Parité-Gesetz.

Mehr lesen

Aufbruchstimmung vor 30 Jahren in der Nacht zum 3. Oktober 1989 am Brandenburger Tor.

"Vereinigungsbedingte Inventur"

"1 plus 1 macht so etwa 1,7“ bilanziert der ehemalige CDU-Volkskammerabgeordnete Jörg Günter Brochnow aus Halle die Deutsche Wiedervereinigung und reflektiert seine Parlamentserfahrung von 1990. Viel Arbeit sei „für den Papierkorb“ erfolgt. Dennoch habe die Wiedervereinigung auch dazu geführt, in der Bundesrepublik überfällige Veränderungen zu bewirken. Fraktionszwang und Lagerdenken hätten ihn aber abgeschreckt, seine politische Karriere fortzusetzen.

Mehr lesen

Hans-Dietrich Genscher und Markus Meckel während der "2+4"-Gespräche zur deutschen Einheit im Juni 1990

Eine Glücksstunde mit Makeln

Markus Meckel war letzter Außenminister der DDR und sieht seine Parlamentszeit als "aufrechten Gang der DDR-Bürger in diese mehrheitlich von ihnen gewünschte Einheit". Er mahnt: „Wer die Vergangenheit nicht begreift und verarbeitet, wird es schwer haben, die Zukunft zu gestalten.“

Mehr lesen

Die Abgeordneten der Volkskammer stimmen mit Handzeichen während der Abstimmung am 23. August 1990 für den Beschluss zum Beitritt der DDR zur Bundesrepublik am 3. Oktober 1990. Die nach langen Auseinandersetzungen um unterschiedliche Beitrittstermine gefällte Entscheidung erfolgte mit 294 Ja - gegen 62 Nein-Stimmen.

Putins Ausweis

Konrad Felber war damals Gründungsmitglied der Deutschen Forum Partei DFP, die sich dem Wahlbündnis „Die Liberalen“ anschloss. Später wurde Felber zum Leiter mehrerer Außenstellen der Stasi-Unterlagenbehörde. Bei Aktenrecherchen stießen seine Mitarbeiter auf den Stasi-Hausausweis von Vladimir Putin.

Mehr lesen

Der SPD-Staatssekretär Stefan Körber 1990 nahe dem Gästehaus der Volkskammer in Hohenschönhausen, wo mehrere Abgeordnete unterkamen.

Ausstieg, Aufstieg, Abstieg, Umstieg

Das ehemalige Mitglied der SPD-Fraktion, Stefan Körber beschreibt, wie er als Staatssekretär im Wirtschaftsministerium hinter die Kulissen der wirtschaftlichen Transformation Ostdeutschlands blicken konnte und beklagt die "Entwertung von Biografien und Know-how".

Mehr lesen

Berlin-Mitte, Palast der Republik am ehemaligen Marx-Engels-Platz. Teilansicht der Fassade, hinter der u.a. die DDR-Volkskammer tagte, noch mit dem DDR-Staatswappen (Hammer und Zirkel) 1990.

„Was meine Enkel von der Volkskammer erfahren sollen“

Der Bergbau-Ingenieur Hans-Peter Häfner (82, CDU) schildert seinen Enkeln die Friedliche Revolution und seine Parlamentserfahrungen: "Der Fall der Mauer glich dem Bruch eines Staudammes. Wir standen vor der Aufgabe, nicht zu jammern und das Land wieder urbar zu machen. Das hat die Volkskammer geschafft."

Mehr lesen

Landesflagge Namibia

Deutschland – Namibia, Beziehung der ungenutzten Chancen

Der Schriftsteller und PDS-Volkskammerabgeordnete Jürgen Leskien blieb seiner Wahlheimat "südliches Afrika" auch nach 1990 verbunden. Er kritisiert die deutsche Afrikapolitik und beschreibt sein anhaltendes Engagement. Bereits zu DDR-Zeiten half er in Namibia, Angola und Tansania.

Mehr lesen

Treffen ost- und westdeutscher Sozialdemokraten zum Auftakt des Volkskammerwahlkampfs am 12. Februar 1990 in Ost-Berlin: Johannes Rau (SPD-NRW), Stephan Hilsberg, der Autor dieses Textes (damals Sprecher der SPD-Ost), Hans-Jochen Vogel (damals Parteivorsitzender SPD-West), Ibrahim Böhme (damals bis zu seiner Enttarnung als Stasi-IM Geschäftsführer der SPD-Ost) und Markus Meckel (Zweiter Geschäftsführer der SPD-Ost) sowie vorn sitzend Willy Brandt (ehemaliger Bundeskanzler und Ehrenvorsitzender der SPD-West).

"Der Schlüssel lag bei uns"

Der Mitbegründer der SDP 1989 in Ost-Berlin, Stephan Hilsberg, resümiert welche drei Faktoren auf dem Weg zur Deutschen Einheit besonders wichtig waren. Er verweist dabei auf den nicht unerheblichen Einfluss Michail Gorbatschows und der Friedensbewegung als Impulsgeber für die Demokratie- und Bürgerrechtsbewegung der DDR.

Mehr lesen

Erinnerung an den Mauerfall, East Side Gallery, Berlin 2020. Das Bildmotiv des Berliner Künstlers Kani Alavi aus dem Jahr 1990 heißt: "Es geschah im November"

Geht alle Macht vom Volke aus?

Dietmar Keller war damals stellvertretender Fraktionsvorsitzender der PDS. Der einstige DDR-Kulturpolitiker reflektiert über „kopfgesteuerte Demokratie“, und erinnert daran, wie 1989/90 „Demut, Diskussions- und Streitfähigkeit und vor allem Toleranz“ neu gelernt wurden. Aktuell formuliert er eine „Aufforderung zur politischen Mitte“ in der Außenpolitik.

Mehr lesen

Werben für die Einheit in Berlin nahe dem Brandenburger Tor am 19. Dezember 1989

Warten auf das Abschlusszeugnis

Als „Lernenden in einem politischen Crashkurs“ bezeichnet sich der ehemalige Volkskammerabgeordnete Rainer Jork aus Radebeul. Er vertrat damals die CDU und blickt in Form einer Glosse auf seine Erfahrungen im letzten Parlament der DDR zurück - auf erfüllte Hoffnungen, aber auch auf Altlasten, die bis heute geblieben sind.

Mehr lesen

Eine alte Grenzmarkierung im Harz auf der Mauerkrone der Eckertalsperre bei Ilsenburg

"Mensch sein, Mensch bleiben"

"Die vier Pentagone der Gesellschaft" - Gedankensplitter zur Lage der Nation von Ortwin Ringleb. Der heute 71-jährige Sozialdemokrat vertrat damals als Nachrücker den Wahlbezirk Magdeburg. Er formuliert "gemischte Gefühle" beim Blick zurück und erzählt auf etwas ungewöhnliche Weise seinen politischen Werdegang in Ilsenburg im Harz.

Mehr lesen

Die letzte Volkskammerpräsidentin, Dr. Sabine Bergmann-Pohl, und Schiedsrichter Walter Eschweiler, kurz vor dem Anstoß zum Fußball-Spiel von Volkskammer-Abgeordneten am 21. September 1990 gegen Parlamentarier aus dem Bundestag. Das Motto: »Miteinander-Füreinander – nie wieder gegeneinander« .

2:2 gegen den Bundestag

Erinnerungen an die Demokratisierung der DDR von Reiner Schneider, der 1990 den Wahlkreis Karl-Marx-Stadt für die CDU in der Volkskammer vertrat. Er wirft einen detailreichen Blick hinter die Kulissen des letzten DDR-Parlaments und beschreibt die Vorurteile zwischen Ost- und West-CDU-Vertretern.

Mehr lesen

Coronavirus

„Corona führt uns die Schwächen unserer Gesellschaft vor Augen“

Wie lässt sich Demokratie nachhaltig stärken, fragt Hinrich Kuessner (SPD) aus Greifswald. „Menschen wollen heute nicht nur regiert werden“, kritisiert er, sondern sich beteiligen. Dabei lenkt der Theologe den Blick über Grenzen hinaus – bis hin zu deutscher Verantwortung in Afrika.

Mehr lesen

Sitzung des Zentralen Runden Tisches der Parteien und Bürgerbewegungen der DDR im Berliner Schloss Niederschönhausen am 22.01.1990. Christa Luft von der SED-PDS (r), ehemalige Rektorin der Berliner Hochschule für Ökonomie und Wirtschaftsministerin in der Regierung von Ministerpräsident Hans Modrow (4.v.r.), spricht zu den Anwesenden. Daneben die Moderatoren des Zentralen Runden Tisches Monsignore Dr. Karl-Heinz Ducke (Katholische Kirche, 2.v.r.), Pastor Martin Lange (Methodistische Kirche, 3.v.r.) und Oberkirchenrat Martin Ziegler (Bund der Evangelischen Kirchen der DDR, 2.v.l.). Foto: Peter Zimmermann +++(c) dpa - Report+++

"Das Alte des Westens wurde das Neue im Osten"

Die Ökonomie-Professorin Christa Luft war 1989/90 Wirtschaftsministerin der DDR und vertrat die PDS. Sie plädiert für eine „unvoreingenommene Aufarbeitung“ des aus ihrer Sicht „dunklen Kapitels“ der Nachwendezeit und wirbt für eine stärker „gemeinwohlorientierte Ökonomie“.

Mehr lesen

Ist im wiedervereinigten Deutschland wirklich alle Freiheit freiest möglich geregelt? Oder ist beispielsweise Rundfunkfreiheit zu gemaßregelt organisiert, fragt der ehemalige Volkskammerabgeordnete Joachim Steinmann (CDU).

Antrag auf Staatsferne

Joachim Steinmann, der vor 30 Jahren für die CDU den Wahlkreis Bützow in Mecklenburg vertrat, lebt heute in Lübeck. Er schlägt im vereinigten Deutschland eine Neustrukturierung der Rundfunkgremien vor, ohne Einfluss von ParteienvertreterInnen. Eine fiktive Rede.

Mehr lesen

Als die Freiheit laufen lernte. Demonstration am 4.11.1989 in Ost-Berlin vor dem damaligen Sitz der DDR-Volkskammer im Palast der Republik. Fünf Tage später fiel die Mauer. Das Foto stammt aus einem Sack zur Verbrennung vorgesehener Stasi-Akten.

"Halten wir diese Demokratie offen"

Gunter Weißgerber aus Leipzig verließ seine Partei, die SPD, 2019. Er bemängelt, dass Wissenschaft sich nicht mehr "im kreativen Diskurs von These und Antithese" entwickele. Ein weiterer Meinungsbeitrag im Rahmen der Serie „Ungehaltene Reden“ des Deutschland Archivs.

Mehr lesen

Was wäre, würde es den Palast der Republik mit der einstigen DDR-Volkskammer darin heute noch geben und ehemalige Abgeordnete aus dem Jahr 1990 könnten nochmals eine Rede halten? Das ehemalige "MdVK" (Mitglied der Volkskammer) Walter Fiedler aus der Fraktion CDU/DA würde sich der Schwimmbadförderung annehmen, die aus seiner Sicht unzureichend ist.

"Nicht förderungswürdig"

Der Mediziner Walter Fiedler vertrat 1990 den Wahlkreis Magdeburg für die CDU. 30 Jahre später wirbt er engagiert für den Erhalt und die Förderung kommunaler Treffpunkte, zu denen er beispielsweise lokale Freibäder zählt, 2.000 Bäder-Existenzen seien derzeit bedroht.

Mehr lesen

Transparent vor der DDR-Volkskammer am 4. November 1990.

Das Ringen um Auflösung & Akten

Die ehemalige Bundesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen, Marianne Birthler, schildert, wie umstritten die Öffnung der Stasi-Akten auch in der Volkskammer auf dem Weg zur deutschen Vereinigung war und wie kompliziert ihre Aufarbeitung wurde.

Mehr lesen

Alte Parolen vom Bitterfelder Kulturpalast, für den Sperrmüll bereitgestellt 1990

Deutschland einig Vaterland

Der Stand der Deutschen Einheit ist besser als ihr Ruf. Die Bereitschaft, Unterschiede unverzerrt wahrzunehmen ohne auszurasten, sei "jedoch noch ausbaufähig", ist die Sicht von Richard Schröder, der 1990 für die in der DDR neu gegründete SPD ins letzte DDR-Parlament einzog.

Mehr lesen

Tausende Menschen feiern in der Nacht vom 2. auf den 3. Oktober 1990 die Wiedervereinigung am Brandenburger Tor in Berlin. Ein großes Feuerwerk ist der Höhepunkt der Festlichkeiten.

"Es gab kein Drehbuch"

„Die Aufgabe, gleichwertige Lebensverhältnisse in Deutschland zu schaffen, bleibt Handlungsauftrag“, urteilt Hans-Joachim Hacker (SPD) aus Schwerin. Er bemängelt, dass es keinen Lastenausgleich wie nach dem Zweiten Weltkrieg in der Bundesrepublik gab.

Mehr lesen

Montagsdemonstration in Leipzig am 16.9.1989. Mindestens 120.000 DDR-Bürger gingen an diesem Abend friedlich für mehr Demokratie, Bürgerrechte und Reformen auf die Straße. Der Untergang des SED-Regimes vollzog sich kurz darauf in einem rasanten Tempo: Am 9. November 1989 öffnete die DDR ihre Grenzen, ein Jahr später, am 3. Oktober 1990 waren die Deutschen 45 Jahre nach dem Ende des 2. Weltkrieges wieder in einem souveränen Staat vereint.

Jens Reich

Revolution ohne souveränen historischen Träger

Die Volkskammerwahl 1990 war das letzte Glied der Umwälzung in der DDR, die im Herbst 1989 als "Friedliche Revolution" ihren Lauf nahm. Aber war dies eigentlich eine Revolution? Und wer waren die eigentlichen Revolutionäre? Wie ist mit Abstand dieser Prozess zu bewerten - und wie die Missstimmung heute im Osten Deutschlands? Ein Essay des Molekularbiologen und Bürgerrechtlers Jens Reich, der dazu rät: "Es ist wichtiger, die Vernünftigen und Anständigen stark zu machen und sie einzubeziehen, als ratlos auf die Ausbrüche übler politischer Laune zu starren".

Mehr lesen

"Wir sind ein Volk" - fotografiert bei einer Kundgebung am 9. Dezember 1989 in Ost-Berlin.

Wolfgang Thierse

Trotz allem im Zeitplan

"Mehr als 30 Jahre danach sollten wir begreifen, dass die Deutsche Vereinigung ein längerer Prozess sein wird", resümiert der ehemalige Ostberliner SPD-Volkskammerabgeordnete und spätere Bundestagspräsident Wolfgang Thierse. Er mahnt, intensiver zu betrachten, warum Rechtspopulisten und Rechtsextreme in Ostdeutschland so erfolgreich sind. "Demokratiearbeit, emotionale Arbeit und kommunikative Verständigung" seien dringend geboten, damit die Einheit gelingt. Als hinderlich sieht er eine "Unwilligkeit vieler Ostdeutscher zu positiver Selbstwahrnehmung".

Mehr lesen

Vor 31 Jahren, am 7. Oktober 1989, war in Ost-Berlin noch unvorstellbar, wie schnell die DDR in den Folgewochen implodieren sollte. Mit einer Militärparade hatte die SED-Führungsriege den 40. Jahrestag des Landes gefeiert, zu Gast war der damalige sowjetischen Staats- und Parteichef Michail Gorbatschow, der den DDR-Staatsratsvorsitzenden und SED-Generalsekretär Erich Honecker vergeblich zu demokratischen Reformen drängte

Die Rolle des Staats in der Wahrnehmung der Ostdeutschen

Wie prägend war das Aufwachsen in der totalitär regierten DDR? Wie leicht ist seitdem die Demokratie gefallen? Zum Abschluss der Reihe "ungehaltene Reden" reflektiert der Theologe Rainer Eppelmann, der 1990 den "Demokratischen Aufbruch" in der DDR-Volkskammer vertrat, über den oft fehlenden demokratischen Geist, fair zu streiten und unermüdlich um Kompromisse zu ringen.

Mehr lesen

Wahlparty der SPD Sachsen-Anhalt am 18. März 1990. Die Autorin dieses Beitrags und damals frisch gewählte Volkskammerabgeordnete Susanne Kschenka (m., damals Seils) neben Reinhard Höppner (l.), dem späteren Ministerpräsidenten Sachsen-Anhalts.

Blick zurück nach vorn

Die ehemalige SPD-Abgeordnete Susanne Kschenka aus Magdeburg war maßgeblich an der Erarbeitung der Volkskammer-Geschäftsordnung beteiligt, die nach einem kirchlichem Vorbild entstand. Heute vermisst sie eine kinder- und bildungsfreundliche Gesellschaft und wünscht sich, "dass Politik und Parteipolitik noch stärker transparent, erlebbar und bürgernah passieren".

Mehr lesen

Damals noch ohne Parteivorsitz: Der Ost-Berliner Rechtsanwalt Gregor Gysi am 4. November 1989 auf einer Demonstration gegen den diktatorisch herrschenden SED-Machtapparat und für Meinungsfreiheit und Demokratie, zu der Ost-Berliner Kunst- und Kulturschaffende eingeladen hatten.

Ein urdemokratischer Impuls, der bis ins Heute reicht

"Heute möchte ich den damaligen Demonstrierenden danken, dass sie den Mut hatten, dafür einzustehen, die Verhältnisse in der DDR gründlich in Richtung Freiheit, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit zu verändern". Eine "ungehaltene Rede" von Gregory Gysi, er war von Ende 1989 bis 1993 letzter Vorsitzender der SED-PDS und ihrer Nachfolgepartei.

Mehr lesen

Analyse

Demonstranten beklebten im November 1989 die Wände des Hauses der Volkskammer in Berlin mit auf Tapeten geschriebenen Losungen wie "Demokratie jetzt und hier"

Bettina Tüffers

Die 10. Volkskammer der DDR – Eine Schule der (repräsentativen) Demokratie?

Bildete die letzte Volkskammer der DDR eine neue parlamentarische Kultur aus, zur Nachahmung empfohlen? Waren die Volkskammermitglieder, „eine aus dem Volk herausgegriffene Masse", die eher den Bevölkerungsquerschnitt darstellten als heutige Parlamente? Und wuchs aus ihnen trotz aller Skepsis gegenüber Repräsentanz "ein Elitenpool der neu entstehenden politischen Führungsgruppen im Osten Deutschlands"? Fragen, denen Dr. Bettina Tüffers nachgeht, die Historikerin leitet den Forschungsschwerpunkt "Parlamente in der DDR" bei der Kommission für Geschichte des Parlamentarismus und der politischen Parteien in Berlin.

Mehr lesen

Ergänzendes über die DDR-Volkskammer 1990

Im Februar 1990 wetteifern unterschiedliche Parteien mit Plakaten in Dresden Pillnitz um die Gunst der Wähler zu den ersten und letzten freien Volkskammerwahlen am 18. März 1990.

Das Ergebnis der ersten freien Wahl in der DDR

Am 18. März 1990 konnten die Bürgerinnen und Bürger der DDR erstmals in freier Wahl ihr Parlament bestimmen. Das Ergebnis der Volkskammerwahl war wegweisend für den Verlauf der deutschen Wiedervereinigung.

Mehr lesen

Die letzte DDR-Regierung oder wie man sich selbst abschafft

Die letzte DDR-Regierung oder wie man sich selbst abschafft

Ein Film über die kurze Amtszeit der letzten, einzigen demokratisch gewählten DDR-Regierung unter Ministerpräsident Lothar de Maizière. Parlament und Kabinett verfügten nur über wenig Erfahrung und handelten unter großem Druck.

Jetzt ansehen

Bei den ersten freien Volkskammerwahlen der DDR wartet ein Hund vor einem Leipziger Wahllokal, vor dem sich eine lange Schlange gebildet hat, geduldig auf seinen Besitzer.

Wahlkampf und TV-Spots der Wahl vom 18. März 1990

Wie sich die DDR nur wenige Monate nach dem Mauerfall auf die Wahl vorbereitete. Parteien wurden neu gegründet, andere wandelten sich. Und zum ersten Mal zeigte das DDR-Fernsehen Wahlwerbespots. Was vermittelten sie?

Mehr lesen

Illustration, die Kathrin und Ereignisse rund um den Mauerfall 1989 zeigt.
Messenger-Projekt

Der Mauerfall und ich

Es ist Leipzig im Spätsommer des Jahres 1989. Die Studentin Kathrin und ihre Freundinnen und Freunde erleben eine Zeit des Umbruchs in der DDR. Im November fällt die Mauer und damit die Grenze, die Deutschland und die Deutschen viele Jahrzehnte trennte. Über ihre Erlebnisse hat Kathrin von August bis November 2019 im bpb-Messengerprojekt "Der Mauerfall und ich" berichtet.

Mehr lesen

Ausgebombt! Eine Zeitreise ins kriegszerstörte Berlin

31 Bildmontagen des Berliner Fotografen Alexander Kupsch, aus historischen Fotos vom zerstörten Berlin und Aufnahmen aus dem Jahr 2015, rücken die zerstörerische Kraft des Krieges erneut ins Bewusstsein, indem sie die Ruinen aus dem Mai 1945 ins Berlin von heute übertragen.

Mehr lesen

NEU: Videoreportagen

Vom Einläuten der Friedlichen Revolution

Rund um den 7. Oktober 1989 herrschte Ausnahmezustand in mehreren Städten der DDR. Polizei und Stasi gingen gewaltsam gegen Demonstranten vor, die friedlich für Reformen eintraten. Ein filmischer Überblick.

Jetzt ansehen

Themenseite

30 Jahre Mauerfall

Die Berliner Mauer war über 28 Jahre das Symbol der deutschen Teilung und des Kalten Krieges. Am 9. November 1989 reagierte die DDR-Regierung mit Reiseerleichterungen auf den Ausreisestrom und monatelange Massenproteste – die Mauer war geöffnet. Wir präsentieren ausgewählte Angebote zur Geschichte der Mauer und des Mauerfalls.

Mehr lesen

Deutschlandarchiv bei Twitter

Ausstellung + Film

Die Mauer. Sie steht wieder!

Was wäre, wenn die Mauer Berlin erneut halbieren würde? 30 Jahre nach dem Mauerfall erinnert das Deutschland Archiv der bpb mit 30 Bildmontagen und einem Film von Alexander Kupsch an das Bauwerk, das die Stadt über 28 Jahre lang teilte.

Mehr lesen

Chronik der Mauer

Es erwartet Sie eine Fülle von multimedial aufbereiteten Informationen über Mauerbau und Mauerfall - und über die Opfer der Grenze.

Mehr lesen auf chronik-der-mauer.de

Dossier

Stasi

Alles wissen, alles kontrollieren, Menschen manipulieren. Aus der Arbeitsweise der DDR-Geheimpolizei "Stasi" ist auch viel zu lernen über die Mechanismen von Diktaturen der Gegenwart. In der DDR überwanden couragierte Bürgerinnen und Bürger allerdings 1989 ihre Angst vor der "Staatssicherheit". Vor 30 Jahren wurde sie gänzlich entmachtet.

Mehr lesen

Online-Angebot der bpb und der Robert-Havemann-Gesellschaft

jugendopposition.de

Wie haben junge Menschen in der DDR mit Mut und Musik gegen Stasi und SED-Diktatur gekämpft? Zeitzeugen berichten. Mit zahlreichen Texten, Videos, Audios, Fotos und Dokumenten.

Mehr lesen auf jugendopposition.de

Online-Archiv

www.wir-waren-so-frei.de

Fast 7.000 private Filme und Fotos aus der Umbruchzeit 1989/90 sowie über 100 begleitende Erinnerungstexte. Dazu ost- und westdeutsche Medienberichte. Die persönlichen Erfahrungen der Fotografen und Filmemacher bieten zusammen mit der öffentlichen Berichterstattung vielfältige Blicke auf die historischen Ereignisse und deren Auswirkungen auf den Alltag in Ost und West.

Mehr lesen auf wir-waren-so-frei.de

Wird die DDR-Diktatur verharmlost? Und warum begann die intensive Auseinandersetzung mit der NS-Vergangenheit erst so spät? Die Deutung von Geschichte ist oft umstritten - und nicht selten ein Politikum.

Mehr lesen

13. August 1961: In den frühen Morgenstunden beginnt der Bau der Mauer, die Deutsche Teilung wird zementiert. Am Abend des 9. November 1989 kommt es zum Mauerfall. Bald 30 Jahre danach ist Deutschland in vielem noch immer ein Land mit zwei Gesellschaften.

Mehr lesen

Zu dem Thema "Children of Transition, Children of War, the Generation of Transformation from a European Perspective" diskutierten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler auf der Deutschlandforschertagung 2016 vom 3. bis 5. November 2016 in der Universität Wien. Die Tagungsdokumentation gibt Einblick in die Themen und Ergebnisse.

Mehr lesen

Messenger-Projekt

Der Mauerfall und ich

Es ist Leipzig im Spätsommer des Jahres 1989. Die Studentin Kathrin und ihre Freundinnen und Freunde erleben eine Zeit des Umbruchs in der DDR. Im November fällt die Mauer und damit die Grenze, die Deutschland und die Deutschen viele Jahrzehnte trennte. Über ihre Erlebnisse hat Kathrin von August bis November 2019 im bpb-Messengerprojekt "Der Mauerfall und ich" berichtet.

Mehr lesen

Gedenkstätten, Museen, Dokumentationszentren, Mahnmale, Online-Angebote - zahlreiche Einrichtungen und Initiativen erinnern an die Opfer des Nationalsozialismus, bieten Bildungsangebote zur Geschichte des Nationalsozialismus und engagieren sich für Überlebende und Jugendbegegnungen. Wo Sie welche Erinnerungsorte mit welchem pädagogischen Angebot finden, erfahren Sie in der Datenbank.

Mehr lesen auf bpb.de

Der Tag in der Geschichte

  • 24. Oktober 1969
    DM-Aufwertung um 8,5 Prozent durch die sozialliberale Bundesregierung (Dollarparität: 3,66 statt 4 DM). Brandt und Schiller hatten die Aufwertung gefordert, Kiesinger und Strauß während der Großen Koalition jedoch abgelehnt. Vorübergehend waren die... Weiter
  • 24. - 27. Okt. 1988
    Bundeskanzler Kohl und der sowjetische Staats-und Parteichef Gorbatschow erklären in Moskau ihre Bereitschaft, die »Zeit des Eises« durch ein freundlicheres Klima in den zwischenstaatlichen Beziehungen abzulösen. Hauptziele sind ein verbesserter Dialog und... Weiter
  • 24. Oktober 1989
    In offener Abstimmung wählt die Volkskammer Egon Krenz (SED) zum Vorsitzenden des Staatsrats und anschließend zum Vorsitzenden des Nationalen Verteidigungsrats - erstmals in der Geschichte der DDR mit einigen Gegenstimmen und Enthaltungen. Wie zuvor Honecker... Weiter