Beleuchteter Reichstag
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16.11.2011 | Von:
Christian Halbrock

Basisarbeit mit der kirchlichen Jugend und Ausbesserungen am Kirchendach

Die Ost-West-Treffen der evangelischen Kirche in der DDR

Zwischen den evangelischen Kirchen in Ost- und Westdeutschland bestanden Beziehungen auf allen Ebenen. An den Ost-West-Beziehungen der Kirchen vor Ort erweist sich, wie sich Christsein und Gemeindealltag in der DDR konkret gestalteten und was von offiziellen Verlautbarungen zu erwarten war.

"Wir sind doch Brüder"


Allzu häufig konzentrieren sich die Betrachtungen, die sich mit den Beziehungen zwischen den evangelischen Kirchen in Ost und West zu Zeiten der innerdeutschen Teilung beschäftigen, auf die Entscheidungsebene.[1] Im Mittelpunkt stehen dabei die kirchenleitenden Gremien, hinzu kommen die Verlautbarungen der Bischöfe und Synoden. Beachtung finden zudem noch die großen und spektakulären Ost-West-Treffen wie der gesamtdeutsche Kirchentag unter dem Motto "Wir sind doch Brüder" 1951 in Berlin oder der Leipziger Kirchentag 1954 "Seid fröhlich in Hoffnung", der noch unter starker bundesdeutscher Beteiligung stattfand.[2] Jene Betrachtung aus der Perspektive "von oben" liegt zunächst nahe und drängt sich schon aus Gründen der Quellenüberlieferung und somit nicht zuletzt häufig aus forschungsökonomischen Erwägungen auf: Schließlich sind die Beschlüsse und Denkschriften der Evangelischen Kirche in Deutschland, der EKD, ediert und beschrieben worden.[3]



Trotz der Schwierigkeiten, die sich aus der Frage ergeben, wie sich kirchliches Handeln auf den nachgeordneten Ebenen entfaltete, lohnt durchaus ein Versuch, auch einen Blick hierauf zu werfen. Der Erkenntnisgewinn kann nicht hoch genug bewertet werden. Jene nachgeordneten Ebenen, ob nun die Kirchenkreise, Kirchengemeinden oder Jungen Gemeinden vor Ort, waren im kirchlichen wie im gesellschaftlichen Kontext die eigentlichen Ebenen des praktischen Vollzuges. Hier erwies sich, wie sich Christsein und Gemeindeleben in der DDR im Alltag konkret gestalteten und was von den Verlautbarungen kirchenleitender wie staatlicher Stellen tatsächlich zu halten bzw. was von ihnen zu erwarten war.

Zum einen gaben die kirchenoffiziellen Erklärungen und Denkschriften häufig nur den Rahmen ab, in welchem das eigene Handeln zu verorten war. Die betreffenden Verlautbarungen der Bischöfe und Synoden kamen angesichts eines politisch hoch sensiblen Handlungsrahmens, den der SED-Staat vorgab, zustande und waren somit zumeist einer Wechselwirkung unterworfen: In ihnen manifestierten sich Vorstellungen sowie Ideale wie der gesellschaftliche Gestaltungsanspruch der Kirchen, den es, wie das "Wächteramt der Kirche", zu verteidigen und nicht aufzugeben galt. Zugleich wurde mit den Erklärungen auf konkret Erfahrenes, auf den Alltag der Gemeinden und das Staat-Kirche-Verhältnis reagiert und der Versuch unternommen, bestehenden Härten oder auch der Diskriminierung von Christen im DDR-Alltag entgegenzuwirken.

Eine wichtige Rolle kam in diesem Zusammenhang stets der Frage der deutschen Teilung in ihren grundsätzlichen Dimensionen und mit ihren konkreten Belastungen, zum Beispiel für die Gemeinden im Sperrgebiet an der innerdeutschen Grenze zu.[4] Von Bedeutung war zugleich, dass die "Staatsgrenzen" nicht in jeder Hinsicht den Kirchengrenze entsprachen. Das Gebiet der Kirche Berlin-Brandenburg war durch die Grenzziehung nach 1945 geteilt worden und Exklaven ost- wie westdeutscher Kirchen lagen auf der jeweils anderen Seite des Sperrzaunes. Hierzu zählten zum Beispiel die Gemeinden rund um Schmalkalden in Thüringen, die zur Kirche Kurhessen-Waldeck gehörten, oder einige Kirchengemeinden nördlich von Haldensleben und die der DDR-Propstei Blankenburg/Harz, die sich traditionell Braunschweig verbunden fühlten. Hinzu kamen auf DDR-Seite noch im Südharz mehrere Gemeinden, die ebenso wie das Amt Neuhaus an der Elbe im Bezirk Schwerin ein Teil der Landeskirche Hannover waren.[5] Die Dominsel zu Ratzeburg, seit 1937 in Schleswig-Holstein gelegen, gehörte wiederum zur Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Mecklenburg, lag als "besonderer Verwaltungsbezirk" jedoch für die meisten Ostdeutschen unerreichbar auf der Westseite des Sperrzaunes. Lediglich Pensionären war gewöhnlich ein Besuch hierhin vergönnt; als Pensionärsdomizil für mecklenburgische DDR-Pfarrer im Ruhestand erwarb Ratzeburg sich im Zonenrandgebiet vor 1989 jedoch einen ganz besonderen Ruf.[6]

"Freiheit und Glaubwürdigkeit
kirchlichen Handelns und Sprechens"


Neben dem Bekenntnis der kirchenleitenden Gremien, an der Gemeinschaft mit den Kirchen in der Bundesrepublik festzuhalten, wurden die Gemeinden dann jene Ebene, auf der dieser Anspruch mit Leben erfüllte werden konnte. Auch nach Ansicht der Bischöfe, Oberkonsistorialräte und Konsistorialpräsidenten und Synoden erfuhr dieser Anspruch hier an der Basis seine tatsächliche Umsetzung.

Daher lohnt durchaus ein Blick, der hinaus aus den Sitzungssälen und Beschlussgremien weist und danach fragt, welche konkreten Erfahrungen von den Handelnden jeweils gemacht wurden. Dies gilt selbst für die Bischöfe: Bekannt ist beispielsweise, dass der Greifswalder Bischof Friedrich-Wilhelm Krummacher nach der Abriegelung West-Berlins ein kirchliches Protesttelegramm an Walter Ulbricht mit unterzeichnete.[7] Zu den konkreten Erfahrungen zählt in diesem Zusammenhang der weniger bekannte Umstand, dass selbst Krummacher sich der Präsenz staatlicher Gewalt nicht entziehen konnte. Mehrere Polizeioffiziere erschienen, nachdem er das Protesttelegramm unterzeichnet hatte, am Urlaubsort des Bischofs, im Pfarrhaus in Wusterhausen, und forderten ihn ultimativ auf, in ihr Auto zu steigen.[8] Ziel der Fahrt, die Krummacher nach anfänglicher Weigerung mit seinem eigenen Auto absolvierte, war Rostock, die nördlichste DDR-Bezirkshauptstadt, in der mit Greifswald auch sein Bischofsitz lag. Nach Rostock zitiert hatte ihn der Bezirksratsvorsitzende Karl Deuscher, vor seiner politischen Karriere im SED-Staat einst Streckenläufer bei der Deutschen Reichsbahn.[9] Die Vorladung geriet zur offenen Konfrontation und entwickelte sich derart heftig, dass Krummacher in der Folge in den kommenden Jahren jeglichen Kontakt zu Deuscher ablehnte.[10]

Der Verwalter des Bischofsamtes für die in der DDR gelegenen Gebiete der Ev. Kirche in Berlin-Brandenburg, Albrecht Schönherr, bei einer Andacht mit dem amerikanischen Bürgerrechtler Rev. Ralph Abernathy in der Marienkirche zu Berlin, 28. September 1971. Rechts der Präsident des Friedensrates der DDR, Günter Drefahl, auf dessen Einladung Abernathy die DDR besuchte.Der Verwalter des Bischofsamtes für die in der DDR gelegenen Gebiete der Ev. Kirche in Berlin-Brandenburg, Albrecht Schönherr, bei einer Andacht mit dem amerikanischen Bürgerrechtler Rev. Ralph Abernathy in der Marienkirche zu Berlin, 28. September 1971. Rechts der Präsident des Friedensrates der DDR, Günter Drefahl, auf dessen Einladung Abernathy die DDR besuchte. (© Bundesarchiv, Bild 183-K0929-321, Foto: Heinz Junge)
Bereits kurz vor dem Mauerbau war Krummachers Wagen, der ihn zu einer Bischofskonferenz nach Berlin bringen sollte, auf der offenen Landstraße gestoppt worden. Dem Bischof war die Weiterfahrt untersagt und der Personalausweis abgenommen worden. Vor diesen Hintergrund liest sich die Erklärung, die Bischof Krummacher 1967 auf der EKD-Synode für den Bereich Ost in Fürstenwalde abgab, noch eindringlicher, als eine Edition es zu vermitteln vermag: Es sei "nicht mehr eine pragmatische Frage", so Krummacher vor den Ost-Synodalen, "sondern eine Frage des Glaubensgehorsams, ob wir an der Einheit und Gemeinschaft der Evangelischen Kirche in Deutschland festhalten. (...) Wenn wir uns trennen würden", so Krummacher weiter, "täten wir das ja lediglich aus säkularen Gründen ... Wir würden damit auf beiden Seiten die Freiheit und Glaubwürdigkeit kirchlichen Handelns und Sprechens gefährden."[11]

Dies mochte zugleich den Leitsatz für die vielfältigen Ost-West-Treffen auf kirchlicher Ebene abgeben. Gut 14 Monate nach der Synode in Fürstenwalde entschieden sich die ostdeutschen Kirchen dann doch anders, als es nach der Rede Krummachers zunächst noch ausgesehen hatte. Im Juni 1969 kam es zur Gründung des Bundes Evangelischer Kirchen in der DDR (BEK). Dieser Schritt wurde als Trennung von der EKD wahrgenommen und war von der SED so auch eingefordert worden, auch wenn es im Gründungspapier noch hieß, der Bund sei eine "besondere Gemeinschaft der ganzen evangelischen Christenheit in Deutschland".[12] Vorstand des Bundes wurde dessen entschiedener Befürworter Albrecht Schönherr; indem dieser sich in einem kirchenrechtlich umstrittenen Verfahren im November 1972 zum Ost-Berliner Bischof wählen ließ, wurde auch die Trennung der Berlin-Brandenburger Kirche in einen Ost- und einen Westteil vollzogen.[13]

"Intensive persönliche Kontakte"


Daneben und dessen ungeachtet bestanden die Ost-West-Treffen in den evangelischen Kirchengemeinden als Brücke zwischen Ost und West fort und erfreuen sich nach wie vor eines großen Zuspruchs. Neben den mitunter noch vorhandenen familiären und persönlichen Kontakten zwischen Ost und West hielten sie das Bewusstsein für die Situation wach, in der sich das Land befand. Ihnen kam als einem der wenigen noch verbliebenen Wege, Menschen aus dem jeweils anderen Teil Deutschlands kennen zu lernen und sich mit ihnen auszutauschen, eine wichtige Funktion zu.

Verwandt wurden innerkirchlich zumeist die Bezeichnungen "Ost-West-Treffen" oder man sprach von der jeweiligen "Partnergemeinde" (bis in die Sechzigerjahre noch von der "Patengemeinde") im anderen Teil des Landes. Entscheidend war dabei für die staatliche Seite nicht so sehr, was auf diesen Treffen besprochen und welche Diskussionen im Einzelnen geführt wurden. Die Ost-West-Treffen galten für sich genommen schon als Politikum. Deutlich wurde dies insbesondere in den Gemeinden außerhalb Berlins und an den Orten fern der innerdeutschen Grenze, die nicht von dem am 17. Oktober 1972 eingeführten Kleinen Grenzverkehr[14] profitierten und in denen jeder Besuch einer größeren West-Delegation für Furore sorgte. Dies zumal, wenn die Teilnehmer aus der Bundesrepublik mit ihren Privatautos anreisten, die sich von den Standardkarossen der sozialistischen Fahrzeugproduktion auffällig abhoben und von technisch wie nicht technisch interessierten DDR-Bewohnern begierig begutachtet wurden.

Von einem solchen von den Funktionären vor Ort als Ärgernis der visuellen Art wahrgenommenen Zusammentreffen zeugte unter anderem die Intervention des Ersten Stellvertreters für Inneres des Kreises Teterow, Olbricht, beim Ortspfarrer 1978. Olbricht erkundigte sich bei diesem, aus welchem Grund sich gleich mehrere Personen aus dem Westen in der mecklenburgischen Kleinstadt aufhielten, was die Kirchengemeinde am bevorstehenden Wochenende plane und ob sich hieraus eine besondere Situation, die die öffentliche Ordnung und das sozialistische Zusammenleben der Bürger tangiere, ergebe. Er erfuhr, dass es sich nur vordergründig um ein Ost-West-Treffen handle. Tatsächlich zählten die vor allem aus dem Großraum Hamburg, aus Lübeck und Schleswig-Hostein Angereisten zu den Goldenen Konfirmanden, die vor 50 Jahren in der Stadtkirche zu Teterow ihre Einsegnung erhalten hatten und nun anlässlich des Jubiläums eingeladen worden waren. Weder die Kirchengemeinde noch die Eingeladenen könnten, so der Ortspfarrer, der sogleich den Superintendenten in Malchin über den Vorfall informierte, für das Aufsehen, dass ihr Erscheinen auslöste, verantwortlich gemacht werden. Schließlich sei die Grenzziehung und die innerdeutsche Teilung in Ost und West erst nach ihrer Konfirmation erfolgt, und zum großen Teil hätten sich die einstigen Konfirmanden schon lange vor 1961 in den Westen begeben. Dass der Ort ihrer Konfirmation nun zu einem anderen Weltsystem zählte, sei nicht ihr Verschulden.

Zusammen mit seinen Partnern des Politisch-Operativen Zusammenwirkens (POZW), zu denen unter anderem die Abteilung Inneres der Bezirks- und Kreisräte, die Volkspolizeikreisämter und deren Pass- und Meldestellen zählten, sah sich das Ministerium für Staatssicherheit bestrebt, alle nur erdenklichen Informationen über die an sich häufig eher harmlosen Ost-West-Begegnungen zusammenzutragen.[15] Intern prägte das MfS in Anlehnung an die Bezeichnung Partnergemeinde den zugleich missverständlichen Begriff der "Partnerschaftsarbeit der Kirchen". Unter dieser Rubrik sollten fortan alle entsprechenden Aktivitäten der Kirchen registrierte und aktenkundig werden.

Die "Pastoren des Kreises", so meldete zum Beispiel die MfS-Kreisdienststelle Doberan im Bezirk Rostock 1974, würden vermehrt "Einreisen von Besuchern aus der BRD" beantragen. Zumeist handele es sich dabei "um Vertreter der Ev[angelischen] Kirche aus dem Hamburger Raum." Zudem hatte man erfahren, dass auch Pfarrer aus den grenzfernen Landkreisen des Bezirks mit ihren Jugendgruppen nach der Einführung des Kleinen Grenzverkehrs "in den Kreis Wismar fahren, um sich dort mit westdeutschen Pastoren zu treffen, die auf Tagespassierscheinen einreisen."[16] Und die MfS-Kreisdienststelle Waren konnte 1987 nach Neubrandenburg vermelden, dass es im Kreis neun von "kirchlichen Personen" intensiv gepflegte Ost-West-Verbindungen gäbe. Jene Kontakte beruhten nur "zu einem äußerst geringen Teil auf verwandtschaftlicher Grundlage", sondern kämen jeweils zustande, indem "Adressen ... [von] fremden Personen" weitergeben würden und "daraus intensive persönliche Kontakte entstehen". Zuvor hatte man mehrfach die Post von hieran vermeintlich Beteiligten geöffnet und auf diesem Weg die vorliegenden "Informationen erarbeitet". Eingehend konsultiert wurde zudem die Abteilung Pass- und Meldewesen der Volkspolizei in Waren, die sich als ein zuverlässiger Partner bei der Bespitzelung der Verdächtigen erwies.[17]

Weitere Beispiel ließen sich ohne Weiteres anführen: So berichtete die Kreisdienststelle Wolgast im Oktober 1983 vom "Zusammentreffen von Jugendlichen der Gemeinde Kröslin mit BRD-Jugendlichen im Pfarrhaus des Pastors"; besonders delikat erschien dem MfS an dem Vorgang, dass auch die "nichtkirchliche" Dorfjugend, die neugierig auf dem Besuch aus dem Westen war, der Einladung ins Pfarrhaus folgte.[18] Auch der "organisierte Reiseverkehr", sprich die Touristikfahrten in die DDR, würden von den bundesdeutschen Kirchen, so meldete der Inoffizielle Mitarbeiter "Rosa" dem MfS aus einem Reisebüro in Rostock, "missbraucht", um Pastoren und deren Gemeinden "aus den Bezirken Rostock und Schwerin" zu treffen.[19] Und in einem Bericht über "aktuelle Erscheinungen der gegnerischen Kontaktpolitik und Kontakttätigkeit im Bezirk Rostock" konstatierte der Chef der Bezirksverwaltung, Generalmajor Rudolf Mittag, bezogen auf das Jahr 1987, "die kirchliche Partnerschaftsarbeit wurde mit unverminderter Intensität fortgeführt."[20]

"Der Pfarrer braucht nur zu pfeifen ..."


Worin lag nun die innerkirchliche Bedeutung dieser Ost-West-Treffen? Die Treffen ergänzten zunächst die umfangreiche Hilfe in Form von Materiallieferungen und finanziellen Zuschüssen aus der Bundesrepublik, in deren Genuss ostdeutsche Partner-Kirchengemeinden kamen. Die sogenannten "Genex"- und "Limex"-Sendungen, von bundesdeutscher Seite aus bezahlte Lieferungen an ihre Partnergemeinden, hielten die Kirchengemeinden im Osten Deutschland oft über Wasser. Sie halfen, Versorgungsengpässe zu überbrücken, und ermöglichten dringend notwendige Reparaturen an den Kirchen. Es war zugleich auch stets ein wirkungsmächtiges Signal und eine Demonstration von Andersdenkenden im SED-Staat, wenn Kirchendächer in der DDR neu eingedeckt, Türme repariert und Kirchenfenster neu verglast wurden. Und fast jeder wusste und sah es in den Dörfern und Städten, dass dies oft erst durch die Hilfe einer bundesdeutschen Partnergemeinde ermöglicht worden war. Häufig zeugten die Qualität des gelieferten Materials, das verwendete Handwerksgerät oder auch die farbenfrohen Aufdrucke auf den Verpackungen des Baumaterials von der Herkunft und dem Spender im Westen.

Auf die Solidarität aus dem angeblich gefühlskalten Westen antworteten Einzelne aus der vermeintlich solidarischen Ostgesellschaft gelegentlich mit offenem Egoismus. Als die bayrische Kirchgemeinde Planegg bei München Ziegelsteine für ihre Glaubensbrüder im mecklenburgischen Teterow spendete, wurde dies offensichtlich. Die Dachdecker des einzigen privaten Handwerkbetriebes, der die Arbeiten durchführen durfte, weigerten sich so lange, den Kirchturm einzudecken, bis der Pfarrer ihnen kostenlos West-Handwerkzeug beschafft hatte. Und auch die kircheneigene Baubrigade des Kirchenkreises benötigte Handwerkzeug: "Daß die Anfrage nach der Größe der gewünschten Werkzeuge für die Kirchengemeinde und über die genaue Art der übrigen Wünsche noch nicht erfolgt ist, bedaure ich sehr", schrieb der Planegger Pfarrer Wilhelm Hoffmann seinem Mecklenburger Amtsbruder, als die Nachlieferung sich verzögerte.[21] Zugleich wies Hoffman nochmals auf den regulären Behördenweg hin, über den die entsprechende Schenkung die Ost-Gemeinde erreichen konnte. Nach der Bewilligung durch das Außenhandelsministerium der DDR ging "eine genaue Aufstellung mit allen Einzelangaben" an die Zentralstelle des Diakonischen Werkes in Berlin-Ost, die ihrerseits das Diakonische Werk in Berlin-West verständigte, "die die Sendung auf Kosten der ... Partner zusammenstellte."

Krönung des Turms der Stadtkirche durch die Junge Gemeinde in Teterow, 1984.Krönung des Turms der Stadtkirche durch die Junge Gemeinde in Teterow, 1984. (© privat)
Über den DDR-Genex Geschenkdienst GmbH oder die Außenhandelsfirma Limex erreichten die Materialien die bedürftigen Gemeinden im Osten, wobei die DDR noch daran mit verdiente. Um den Verwerfungen der sich in Teilen entsolidarisierenden ostdeutschen Gesellschaft zu entgehen, in der sowohl SED-Staat als auch Privatbetriebe danach strebten, vom Mangel zu profitierten, mobilisierte der Pfarrer bei der nächsten Lieferung aus Planegg die christliche Jugend vor Ort. Die stieg nun selbst auf das Kirchdach und deckte es eigenhändig ein.[22] Doch auch dies schien der SED nicht recht zu sein: "Der Pfarrer braucht nur zu pfeifen und dann kommen die Leute, so beschwerte sich im September 1984 ein leitendes Mitglied der SED-Kreisleitung." So erinnerte sich der Teterower Pfarrer Martin Kuske an jene Bauphase am Süddach der Stadtkirche, als an "acht Nachmittagen und Abenden ... 20.000 Ziegel" von etwa jeweils zehn meist Jugendlichen pro Einsatz "an Ort und Stelle" auf das Kirchenschiff verbracht wurden.

Befördert wurde die Idee, zu dieser ungewöhnlichen Aktion aufzurufen, nicht zuletzt auch durch die SED-Kreisleitung. Sie hatte der Kirche für die Neueindeckung des Daches nur bedingt Baubilanzen gewährt, nach denen Betriebe regulär tätig werden durften. So blieb dem Pfarrer nur der Weg, erneut Handwerker in Feierabendarbeit mit Vergünstigungen an den Bau zu locken oder eben jenen Aufruf zu starten, zu dem es dann tatsächlich kam.

Bereits in den Wochen zuvor hatte sich Pfarrer Martin Kuske schon einmal auf die uneigennützige Hilfsbereitschaft anderer verlassen und war vom Erfolg seines Aufrufes mehr als überrascht worden. Im Juni 1984 erreichte ihn weitgehend unvorbereitet ein Anruf vom Güterbahnhof, dass "in zwei Stunden ... 7.000 Ziegel" in mehreren Waggons angeliefert würden, die umgehend, innerhalb von zwei Stunden, zu entladen seien. Ansonsten würden für jede volle Stunde Standgebühren erhoben, für die die Kirchengemeinde aufzukommen habe: "Um 20 Uhr waren nicht nur genügend Leute da, um per Hand die Waggons zu entladen, ein Traktor mit Hänger ebenfalls. Nach 90 Minuten war alles erledigt." Die Aktion musste in den folgenden Wochen noch zweimal wiederholt werden, erinnerte sich Kuske, der 1990 schrieb, dass insbesondere die spektakuläre wie "öffentlichkeitswirksame" Dacheindeckung rückblickend als "ein Höhepunkt im Gemeindeleben" vor 1989 gelten könne. Auch Menschen, die sich vordem kaum am Gemeindeleben beteiligten oder der Kirche eher fern standen, erkannten hierin eine Möglichkeit, ihre Distanz zum SED-Staat anschaulich zu demonstrieren.

Aber auch weniger erfreuliche Beispiele ließen sich anführen: Als in Lobetal bei Bernau die Kirche ein Epileptikerheim mit westdeutscher Hilfe ausbaute, brachen des Nachts ostdeutsche Häuslebauer ein und entwendeten die aus dem Westen gelieferten Sanitärarmaturen und das Elektromaterial: Solle sich doch die Kirche um neues Material für ihre Kranken kümmern, schließlich hatte sie doch die Westkontakte.[23]

"Exzellente Kontakte"


Die Ost-West-Treffen verwiesen ergänzend zu den materiellen Lieferungen zunächst darauf, was der eigentliche Ausgangspunkt, der Sinn und das Anliegen der kirchlichen Ost-West-Partnerschaften waren – die Verbindungen zwischen den Menschen über die innerdeutsche Grenze hinweg aufrechtzuerhalten und das Bewusstsein für die Lebenssituation der bedrängten Gemeinden in der DDR zu schärfen. Für die West-Gemeinden waren die Unterstützung und der Besuch im Osten nicht nur eine Art Landpartie in einer dem bundesdeutschen Bürger immer fremder werdenden Welt. Sie waren vor allem ein Bekenntnis und ein Akt der gelebten Solidarisierung. Für die Ost-Gemeinden bedeutete dies vor allem eine Bestärkung im DDR-Alltag, in dem Christen sich nicht selten diskriminiert fühlten. Verbunden war dies mit der Botschaft, dass es außerhalb ihrer von der SED diktierten Wirklichkeit noch eine andere Art von Normalität gab, in der Kirche und der christliche Glauben akzeptiert und geachtet wurden.

Zudem stellten die Ost-West-Treffen mit dem dazugehörigen Besuch der Gäste aus dem Westen im Osten innerkirchlich eine Art ausgleichende Gerechtigkeit her, soweit wie dies möglich war. Das Privileg, in den Westen reisen zu dürfen, zählte in der DDR zu den vom SED-Staat bewirtschafteten und gezielt eingesetzten Ressourcen, die immer auch einem politischen Zweck zu dienen hatten. Die SED setzte dieses Mittel, das Reiseprivileg, gezielt ein, um ihr loyal erscheinende Theologen und Kirchenvertreter zu begünstigen, oder verband hiermit zumindest die Hoffnung auf ein entsprechendes Wohlverhalten. Den somit Privilegierten erwuchs dadurch – zusätzlich zu den Reiseeindrücken und Erfahrungen – ein unschätzbarer ideeller Vorteil, der sich auch auf ihre Chancenwahrnahme im innerkirchlichen Bereich auszuwirken vermochte. Gesprächskontakte, die durch Besuche erneuert werden konnten, innerkirchliche Einsichten, die sich nicht aus der Ferne gewinnen ließen und die Teilhabe an den neuesten theologischen Diskursen im Westen erbrachten einen Vorteil, der schwer aufzuwiegen war.

Pfarrer Horst Kasner, Mitwirkender im DDR-unkritischen bis SED-freundlichen Weißenseer Arbeitskreis und wohl auch aufgrund seiner dortigen Kontakte zu Albrecht Schönherr Leiter des Pastoralkollegs in Templin, mag als ein solches Beispiel angeführt werden. Horst Kasner, so schrieb Werner Krätschell in seinem jüngst erschienenen Nachruf, bereicherte Dank seiner "exzellenten Kontakte 'in den Westen' jedes Konventstreffen mit Informationen."[24] Die Ost-West-Treffen ihrerseits verbreiterten innerkirchlich die Zugangsbasis zu jener Ressource und sicherten, dass nicht nur eine bestimmte kleine Gruppe von Kirchenvertretern über einen Zugang zu den Westkirchen verfügte.

Hervorzuheben sind die Breite und die hohe Zahl der kirchlichen Ost-West-Kontakte, die es nahe legen, fast von einer Bewegung zu sprechen: von einer Bewegung des inneren Aufbegehrens und des Drangs, aus der Belanglosigkeit des DDR-Alltags für einige Stunden auszubrechen. Denn nicht zuletzt dies versprachen die Ost-West-Begegnungen, ein Stück Exklusivität im DDR-Alltag, die Möglichkeit, an Themen und Meinungen teilhaben zu können, die sonst nicht und nicht so unmittelbar zu vernehmen waren. Auch entstanden hieraus immer wieder Brieffreundschaften bis hin zu einer Reihe deutsch-deutscher Ehen.

Ost-West-Kontakte gab es auf allen kirchlichen Ebenen: zwischen einzelnen Gemeinden, aber ebenso zwischen den Studentengemeinden, die hierbei besonders aktiv waren, ebenso zwischen den kirchlichen Posaunenwerken, Kirchenchören und anderen. Der Kirchenchor der evangelischen Gemeinde Ludwigsfelde in Brandenburg unterhielt zum Beispiel eine enge Verbindungen zu einem Kirchenchor in Baden-Württemberg, was immer auch den Vorteil hatte, dass man an gutes Notenmaterial herankam. Man führte bei den Besuchen der Südwestdeutschen gemeinsame Konzerte in der sozialistischen Industriestadt durch, zu denen allerdings nicht öffentlich mit Plakaten eingeladen werden durfte.[25]

Nach dem Passierscheinabkommen Ende 1963 trafen sich in der Ost-Berliner Golgatha-Gemeinde mindestens einmal jährlich bis zu hundert Frauen aus Ost und West zu den "Berliner Gesprächen". Einzelne reisten bis aus Greifswald hierzu an, unter den West-Frauen stammten einige aus Tübingen oder auch aus Dortmund. Neben geschmuggelter Literatur, die hier die Besitzerinnen wechselte, gab es auf den Tagungen eine Bibelarbeit, dann einen Bericht zur Lage der Kirche in der DDR und Vorträge. Vorgetragen haben hier unter anderem Hilde Domin, Heinrich Albertz, Kurt Scharf oder auch Christa Wolf.[26]

Allein im Bezirk Rostock, so vermeldete es die MfS-Bezirksverwaltung 1988, existierten in den dortigen 216 Kirchengemeinden 200 "Partnerschaftsbeziehungen in das NSW, hauptsächlich zu Kirchgemeinden der Nordelbischen Evangelisch-Lutherischen Kirche und der Bremischen Evangelischen Kirche der BRD."[27] Hinzu kamen Kontakte zur Niederländisch Reformierten Kirche und vor allem – hier im Norden – zu den Lutheranern in Dänemark und Schweden.

"Staatsgefährdende Hetze und Propaganda"


Die Ost-West-Treffen gab es bereits – in intensiver Form – vor dem 13. August 1961. Der Mauerbau erschwerte zwar ihre Durchführung, konnte aber nicht verhindern, dass die Begegnungen weiter stattfanden. Dementsprechend zählten die Ost-West-Treffen zu einer der verbliebenen Brücken zwischen Ost- und Westdeutschland, die zu zerschlagen SED und MfS sich nach dem Mauerbau vorgenommen hatten.

Die FDJ glaubte, dass ihr mit dem Mauerbau die Aufgabe zufalle, der SED und dem MfS hierbei assistieren zu müssen. In einem Strategiepapier, das auf den 19. September 1961 datiert, bekundete die Führung der Jugendorganisation, dass es jetzt darum gehen müsse, "gegen die Einflüsse Westdeutschlands und Westberlins auf die kirchliche Jugendarbeit" vorzugehen und zur "Entlarvung reaktionärer Leiter" der Jungen Gemeinden beizutragen. Als besonderes Ziel wurde dabei die "Liquidierung" der Patenschaften, also der kirchlichen Ost-West-Treffen, hervorgehoben.[28]

Im Oktober 1961 sollte in Berlin deshalb Sabine Rackow, Chemiestudentin an der Humboldt-Universität und seit 1958 Vertrauensstudentin der Evangelischen Studentengemeinde (ESG), verhaftet werden. Festgenommen wurde am 29. September 1961 ebenso Pfarrer Hans-Hermann Kleiner aus Groß Beese im Kreis Wittenberge, der anschließend zu zwei Jahren und drei Monaten Zuchthaus verurteilt werden sollte; man warf ihm unter anderem vor, im Sommer 1961 "mit einer Gruppe von 15 Mitgliedern der 'Jungen Gemeinde' aus Wittenberge an einem Treffen mit gleichartigen Gruppen aus Westdeutschland in Westberlin" teilgenommen zu haben.[29]

Auch in Potsdam blieben die SED, der Staatssicherheitsdienst und die FDJ nicht untätig. Am 27. bzw. 28. September 1961 verhaftete man "von der Straße weg"[30] in Potsdam den damals 23-jährigen Ulrich Krüger sowie den Kaufmann Eberhard Grauer und Christian Wendland, bis zum Sommer 1961 Student an der Technischen Universität in West-Berlin und einer der Aktivsten der Potsdamer Studentengemeinde. Spätestens seit Mitte 1959 liefen bereits die Ermittlungen des MfS.[31] Als Spitzel GM "Klein" informierte minutiös der spätere Schauspieler Heinrich Buttchereit das Ministerium für Staatssicherheit über die Ost-West-Treffen, politische Diskussionen von "staatsgefährdendem Charakter", "Päckchen mit Genußmitteln, teuren Textilien und Büchern (mit hetzerischem Inhalt)" aus dem Westen und ähnlichem.[32] Auf der Grundlage dieser Denunziation war dem MfS bekannt, dass die Potsdamer ESG Treffen mit "Studenten aus Mainz" und Aachen in "Westberlin ... durchführte". Gemeinsam besuchten die Studierenden "Veranstaltungen im demokratischen Sektor und in Westberlin". Christian Wendland, so berichtete der Informant weiter, solle dabei von einem "Mainzer Theologiestudenten als derjenige" unter den Oststudenten "bezeichnet" worden sein, "der noch nicht der Schläfrigkeit verfallen sei." Er zähle insgesamt "zu den negativsten Kräften der ESG".[33]

Am 1. Dezember 1961 wurde der Prozess vor dem 1. Strafsenat des Bezirksgerichtes Potsdam eröffnet; drei Tage später folgte die Urteilsverkündung: Eberhard Grauer wurde zu vier Jahren Zuchthaus verurteilt. Wie in anderen Prozessen auch stellte das Gericht Bezüge zum Mauerbau vom 13. August 1961 her: "Unter völliger Verdrehung der Tatsachen", so hieß es, habe Grauer "die Maßnahmen der DDR (am 13. August) als unmenschlich bezeichnet." Ebenfalls vom Gericht der "staatsgefährdender Propaganda und Hetze" bezichtigt, wurden Ulrich Krüger zu zwei Jahren und neun Monaten und Christian Wendland zu zwei Jahren Zuchthaus verurteilt.[34]

Die meisten der Ost-West-Treffen verliefen in kirchlichen Bahnen. Doch gab es immer wieder auch Ost-West-Gruppen, die sich weitgehend verselbständigten, eigenständig Begegnungen abseits der kirchlichen Aufsicht organisierten und sich verstärkt politischen Inhalten zuwandten. Zudem ließen die Treffen sich ohnehin nicht losgelöst von politischen Fragen durchführen.

Als ein solches Beispiel seien hier die Ost-West-Treffen einer Jungen Gemeinde im Umkreis von Rostock angeführt, die vom Staatssicherheitsdienst im Operativvorgang "Tonsur" und nachfolgend auch in einer Diplomarbeit an der Juristischen Hochschule des MfS in Potsdam analysiert wurden.[35] Auf Initiative des zuständigen Pfarrdiakons führte die betreffende Junge Gemeinde ab 1981 mehrere Ost-West-Treffen mit Partnerjugendgruppen aus der Bundesrepublik in Wismar, Ost-Berlin und in der Tschechoslowakei durch, auf denen man über deutsch-deutsche Fragen, so unter anderem über die deutsche Teilung und über die Berliner Mauer diskutierte.[36] In den Gesprächsrunden, so berichtetet ein in die Gruppe eingeschleuster Spitzel, ging es auch um den "antifaschistischen Schutzwall in Berlin", den die Anwesenden, so hatte er es genau vernommen, fortwährend als "'Mauer' bezeichnet" hätten.[37] Er berichtete, dass mit "Unverständnis und Ablehnung ... [auf] die 'Mauer'" reagiert wurde. Selbst der Diakon bekannte sich dabei zur politischen Intention der von ihm initiierten Treffen. Ziel der Treffen sei nach dessen Ansicht, der Entfremdung zwischen Ost und West entgegenzuwirken und eine Brücke zwischen Jugendlichen aus beiden Teilen Deutschlands zu bauen. Die an den Begegnungen von ostdeutscher Seite Beteiligten waren sich durchaus im Klaren darüber, dass die Treffen von staatlicher Seite argwöhnisch betrachtet und sie zum Teil auch observiert wurden. Spätestens nach einigen – in ihren Augen gezielten – Ausweiskontrollen am Rande eines solchen Treffens in Wismar wandten sie, so wollte es das MfS erkannt haben, "konspiratives Verhalten zur Absicherung der Treffen" an. Später führten die Jugendlichen auch einzelne Begegnungen eigenständig durch und diskutierten hier mit ihren bundesdeutschen Partnern über die fortschreitende Militarisierung in der DDR, über die Unterschiede im Schulsystem beider deutscher Staaten und über die ihnen in der DDR vorenthaltenen demokratischen Grundrechte.

Eine noch weitergehende Tendenz zur Verselbständigung wies eine Jugendgruppe auf, die sich Ende der Siebzigerjahre zunächst rund um Neustrelitz fand und mit Jugendlichen aus Hamburg in Kontakt stand. Auch hier rückten verstärkt politische Diskussionen in den Mittelpunkt der Treffen, so unter anderem während eines zehntägigen gemeinsamen Aufenthalts im August 1979 auf einem Zeltplatz bei Krakau in Polen.[38] Zunehmend bemühten sich die Hamburger darum, ihre ostdeutschen Partner mit in der DDR nicht erhältlichen "Tonträgern" und Literatur zu versorgen. Zwei der wiederholt aus Hamburg in die DDR Einreisenden stammten zudem selbst aus Familien, die einst aus der DDR in den Westen geflohen waren. Hinzu kam, dass sich in der Gruppe bald die ersten Ost-West-Paare fanden. Beide Gründe und die anscheinend geringen Aussichten, über einen Ausreiseantrag in die Bundesrepublik zu gelangen, gaben schließlich den Ausschlag, dass einer der Hamburger plante, seine ostdeutsche Freundin auf dem Weg der Fluchthilfe über Ungarn in die Bundesrepublik zu holen. Eine gute Freundin, der sie sich anvertraut hatte, verriet sie kurz vor ihrer Flucht an den Staatssicherheitsdienst. Sie wurde am 10. Juli 1980 auf dem Flughafen Schönefeld festgenommen, in die Untersuchungshaft des MfS überstellt und am 26. September 1980 vom Kreisgericht Neustrelitz zu einem Jahr und vier Monaten Gefängnis verurteilt.[39]

Fazit und Ausblick


Trotz der offenkundigen Missbilligung der Ost-West-Treffen durch die SED – das Ministerium für Staatssicherheit führte hierzu eigens eine Deliktrubrik – die der "Partnerschaftsarbeit" – ein, hinzu kamen die offenkundigen Beobachtungsmaßnahmen und demonstrative Postkontrollen durch das MfS – erfreuten sich die Ost-West-Treffen ungebrochen eines hohen Zuspruchs unter kirchlichen Jugendlichen. Zunehmend nahmen aber auch nicht kirchlich gebundene Jugendliche an den Treffen teil.

Der Zuspruch und die Beharrlichkeit, mit der die Ost-West-Treffen stattfanden, mochten dabei zugleich als zaghaftes Zeichen gelten, das in gewisser Weise den Herbst von 1989 symbolisch vorwegnahm. Es zeigte nicht nur die Grenzen der Bindung an das SED-System auf, sondern machte zugleich klar, dass auch die Ostdeutschen ein Risiko einzugehen bereit waren, wenn sie sich hiervon einen Ausbruch aus dem DDR-Alltag versprachen und sich ihnen eine entsprechend Perspektive bot.

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Fußnoten

1.
Text des gleichnamigen Vortrages, gehalten am 29.9.2011 auf der Tagung "Nach dem Mauerbau. Geteilte Entwicklungen – bleibende Verbindungen", veranstaltet vom Institut für Zeitgeschichte München–Berlin und dem Beauftragten für die Stasi-Unterlagen.
2.
Rudolf Mau, Der Protestantismus im Osten Deutschlands 1945–1990, Leipzig 2005, S. 224.
3.
Z.B. Anke Silomon, Anspruch und Wirklichkeit der besonderen Gemeinschaft. Der Ost-West-Dialog der deutschen evangelischen Kirchen 1969–1991, Göttingen 2006; Claudia Lepp,Tabu der Einheit? Die Ost-West-Gemeinschaft der evangelischen Christen und die deutsche Teilung (1945–1969), Göttingen 2005; Karoline Rittberger-Klas, Kirchenpartnerschaften im geteilten Deutschland. Am Beispiel der Landeskirchen Württemberg und Thüringen, Göttingen 2006.
4.
Dietlind Steinhöfel, Fünfzig Mark fürs Winken. Die Kirche war Zufluchtsort für die Bewohner des Sperrgebiets, in: Glaube und Heimat, 14.8.2011, S. 6.
5.
Taschenbuch der Evangelischen Kirchen in Deutschland, Bd. 3, Ausg. 1958, Stuttgart 1958, S. 453–458. Das Folgende ebd.
6.
Zuschrift v. Pfarrer i.R. Erich Michaelsen, Ratzeburg 2.9.1997.
7.
Gerhard Besier, Der SED-Staat und die Kirche. Der Weg in die Anpassung, München 1993, S. 423.
8.
"Gesandt als Boten der Hoffnung". Eine Erinnerung an den Greifswalder Bischof Friedrich-Wilhelm Krummacher, in: Mecklenburgische und Pommersche Kirchenzeitung, 7.8.2011, S. 5.
9.
Andreas Herbst, Karl Deuscher, in: Helmut Müller-Enbergs u.a. (Hg.), Wer war wer in der DDR? Ein Lexikon ostdeutscher Biographien, Berlin 2010, S. 231.
10.
Gesandt als Boten der Hoffnung". Eine Erinnerung an den Greifswalder Bischof Friedrich-Wilhelm Krummacher, in: Mecklenburgische und Pommersche Kirchenzeitung, 7.8.2011, S. 5.
11.
"Gesandt als Boten der Hoffnung". Eine Erinnerung an den Greifswalder Bischof Friedrich-Wilhelm Krummacher, in: Mecklenburgische und Pommersche Kirchenzeitung, 7.8.2011, S. 5.
12.
Gerhard Besier, Der SED-Staat und die Kirche. Der Weg in die Anpassung, München 1993, S. 703.
13.
Rudolf Mau, Der Protestantismus im Osten Deutschlands 1945–1990, Leipzig 2005, S. 105; Reinhard Steinlein, Die gottlosen Jahre, Berlin 1993, S. 92f.
14.
Hierzu zählten folgende Kreise: Wismar (Stadt und Landkreis), Grevesmühlen, Gadebusch, Schwerin (Stadt und Landkreis), Hagenow, Ludwigslust, Parchim, Perleberg, Seehausen, Salzwedel, Osterburg, Kalbe, Klötze, Stendal, Gardelegen, Tangerhütte, Haldensleben, Wolmirstedt, Wanzleben, Oschersleben, Staßfurt, Halberstadt, Aschersleben, Wernigerode, Quedlinburg, Nordhausen, Sangerhausen, Worbis, Heiligenstadt, Sondershausen, Mühlhausen, Langensalza, Eisenach, Gotha, Bad Salzungen, Schmalkalden, Meiningen, Suhl, Hildburghausen, Ilmenau, Neuhaus, Sonneberg, Rudolstadt, Saalfeld, Pößneck, Lobenstein, Schleiz, Zeulenroda, Greiz, Plauen (Stadt und Landkreis), Oelsnitz, Reichenbach, Auerbach, Klingenthal.
15.
Daniela Münkel, Zusammenwirken, politisch-operatives (POZW), in: Roger Engelmann u.a. (Hg.), Das MfS-Lexikon. Begriffe, Personen und Strukturen der Staatssicherheit in der DDR, Berlin 2011, S. 355.
16.
MfS, BV Rostock, KD Bad Doberan, betr.: Meinungsäußerungen von BRD-Bürgern aus dem Reiseverkehr, Doberan 11.1.1974, BStU, MfS, BV Rostock, AKG, Nr. 44, Bd. II, Bl. 167–170, hier 170.
17.
MfS, BV Neubrandenburg, KD Waren, Analyse kirchlicher Partnerschaftsarbeit in NSW, Waren 24.4.1987, BStU, MfS, BV Neubrandenburg, KD Waren, Nr. 154, Bd. I, Bl. 78–80, hier 79.
18.
MfS, BV Rostock, KD Wolgast, Bericht betr.: Zusammentreffen von Jugendlichen der Gemeinde Kröslin mit BRD-Jugendlichen im Pfarrhaus [...] Kröslin, Wolgast 6.10.1983, BStU, MfS, BV Rostock, AIM 3811/91, Bd. I, Bl. 17–20, hier 17.
19.
MfS, BV Rostock, Abt. VI, Quelle: IM "Rosa", Leiterinformation Nr. 95/81, Rostock 30.9.1981, BStU, MfS, BV Rostock, AIM 166/82, Bd. I, Bl. 116f.
20.
MfS, BV Rostock, AKG, Information Nr. 70/87, Rostock 14.9.1987, BStU, MfS, BV Rostock, AKG, Nr. 195, T. I, Bl. 208–213, hier 210.
21.
Brief Pfarrer Wilhelm Hoffmann, Planegg 26.9.1981, Schreiben im Besitz d. Vf. Das Folgende ebd.
22.
Martin Kuske, Teterow. Stadtkirche St. Peter und Paul zu Teterow, Passau 1993, S. 20. Die folgenden Zitate ebd.
23.
Gespräch d. Vf. m. dem Leiter des Hauses Eben Ezer, Lobetal 15.2.1983.
24.
Werner Krätschell, Unvergessliche Meditationen, in: Mecklenburgische und Pommerische Kirchenzeitung, 11.9.2011, S. 6.
25.
"Sterne am Himmel. Die Dorfkirche im Zentrum der Arbeiterstadt Ludwigsfelde ist eine der wenigen Kirchen, die in der DDR neu gebaut worden sind", in: Die Kirche, 7.8.2011, S. 7.
26.
Cornelia Gerlach, Es ist genug. Zum ersten Mal trafen sie sich 1960. Nun finden die "Berliner Gespräche" von Frauen aus Ost und West ein Ende, in: Die Kirche, 4.10.2009, S. 3.
27.
MfS, BV Rostock, Information Nr. 130/88 über die Partnerschaftsarbeit von Gemeinden der evangelischen Kirchen [...], Rostock 5.12.1988, BStU, MfS, BV Rostock, Abt. XX, Nr. 501, T. 1, Bl. 3–7, hier 3. – NSW: Nicht sozialistisches Wirtschaftsgebiet.
28.
Markus Schütte, "Entlarven, Zersetzen, Liquidieren". Der Kampf gegen die Junge Gemeinde in der DDR im Herbst/Winter 1961 und der Fall Eberhard Grauer, Semesterarb. Kirchengeschichtl. Hauptseminar d. Theol. Fakultät, SoSe 1997, HUB, Potsdam 1998, S. 11f.
29.
Markus Schütte, "Entlarven, Zersetzen, Liquidieren". Der Kampf gegen die Junge Gemeinde in der DDR im Herbst/Winter 1961 und der Fall Eberhard Grauer, Semesterarb. Kirchengeschichtl. Hauptseminar d. Theol. Fakultät, SoSe 1997, HUB, Potsdam 1998, S. 11f.
30.
Podiumsdiskussion in der Nikolaikirche Potsdam, 17.10.2006.
31.
MdI, Staatssekretariat f. Staatssicherheit, BV Potsdam, Beschluß, Potsdam 27.4.1960, BStU, MfS, BV Potsdam, AOP 1581/62, Bl. 8f.
32.
Heinrich Buttchereit, Darlegungen über die Arbeitsweise der Potsdamer Evang. Studentengemeinde, Potsdam 26.9.1961, BStU, MfS, BV Potsdam, AOP 1581/62, Bl. 208–211.
33.
MfS, BV Potsdam, Abt. V/4, Sachstandsbericht zum Operativvorgang "Pate", Potsdam 12.4.1960, BStU, MfS, BV Potsdam, AOP 1581/62, Bl. 34.
34.
Aktensache I Bs. 367/61, I 366/61, BStU, MfS, BV Potsdam, AU 346/62, STA 3021, Bd. 1, Bl. 124.
35.
MfS, BV Rostock, KD Bad Doberan, Zwischenbericht zum OV "Tonsur", Reg.-Nr. I/730/81, Bad Doberan 11.11.1981, BStU, MfS, BV Rostock, A 54/87, Bl. 124–139; Missbrauch des Reiseverkehrs ins sozialistische Ausland sowie Nachahmung, Verherrlichung und Übernahme von westlichen Moral- und Lebensauffassungen zugenommen hat. Dipl.-arb. MfS-JHS, 1982 BStU, MfS, JHS, MF VVS 001-289/82, Bl. 6.
36.
MfS, BV Rostock, KD Bad Doberan, Information Nr. 19/81, Bad Doberan 22.6.1981, BStU, MfS, BV Rostock, A 54/87, Bl. 75–79.
37.
MfS, BV Rostock, KD Bad Doberan, Information Nr. 10/81, Bad Doberan 7.4.1981, BStU, MfS, BV Rostock, A 54/87, Bl. 42–47, hier 45. Die folgenden Zitate ebd.
38.
MfS, BV Neubrandenburg, Abt. XX, Sachstandsbericht zum operativen Material "Kontakt", Neubrandenburg, 7.2.1983, BStU, MfS, BV Neubrandenburg, AIM 508/87, Bd. I, Bl. 17–20, hier 18.
39.
MfS, BV Neubrandenburg, Abschlussbericht zur OPK 6/80, Neubrandenburg 29.10.1980, BStU, MfS, BV Neubrandenburg, AOPK 1442/90, Bd. III, Bl. 149–151.

Die Mauer. 1961 bis 2021

Bildmontagen und eine VR-Animation

Anlässlich des 60. Jahrestags des Mauerbaus erinnert das Deutschland Archiv der Bundeszentrale für politische Bildung/bpb mit 46 Bildmontagen und einer Virtual-Reality-Animation an das Bauwerk, das die Stadt über 28 Jahre lang teilte.

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Themenseite

60 Jahre Mauerbau

Die Berliner Mauer trennte mehr als 28 Jahre lang Ost und West. Sie ist zum Symbol der konfliktreich verkanteten Nachkriegsordnung der Alliierten geworden. Zwischen 1961 und 1989 wurden mindestens 140 Menschen an der Berliner Mauer getötet oder kamen in unmittelbarem Zusammenhang mit dem DDR-Grenzregime ums Leben. Darüber hinaus verstarben mindestens 251 Reisende aus Ost und West vor, während oder nach Kontrollen an Berliner Grenzübergängen. In diesen Angaben nicht erfasst ist die unbekannte Anzahl von Menschen, die aus Kummer und Verzweiflung über die Auswirkungen des Mauerbaus auf ihre individuellen Lebensverhältnisse starben.


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NEU: "(Ost)Deutschlands Weg 1989-2021". 80 Studien zur Lage des Landes

Ein Mosaik der (ost)deutschen Transformationsgeschichte von 1989/90 bis in die Gegenwart. Mit Texten von Ilko-Sascha Kowalczuk, Krisztina Slachta, Jens Reich, Marianne Birthler, Hans Modrow, Steffen Mau, Antonie Rietzschel, Andreas Zick, Esther Dischereit, Bernd Wagner, Naika Foroutan, Raj Kollmorgen und 70 weiteren AutorInnen. Der Doppelband mit 1.350 Seiten und zahlreichen Fotos kostet 7 Euro im Angebot der bpb.

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Videoreportagen

Vom Einläuten der Friedlichen Revolution

Rund um den 7. Oktober 1989 herrschte Ausnahmezustand in mehreren Städten der DDR. Polizei und Stasi gingen gewaltsam gegen Demonstranten vor, die friedlich für Reformen eintraten. Ein filmischer Überblick.

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Chronik der Mauer

Es erwartet Sie eine Fülle von multimedial aufbereiteten Informationen über Mauerbau und Mauerfall - und über die Opfer der Grenze.

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Themenseite

30 Jahre Mauerfall

Die Berliner Mauer war über 28 Jahre das Symbol der deutschen Teilung und des Kalten Krieges. Am 9. November 1989 reagierte die DDR-Regierung mit Reiseerleichterungen auf den Ausreisestrom und monatelange Massenproteste – die Mauer war geöffnet. Wir präsentieren ausgewählte Angebote zur Geschichte der Mauer und des Mauerfalls.

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Deutschlandarchiv bei Twitter

Ausgebombt! Eine Zeitreise ins kriegszerstörte Berlin

31 Bildmontagen des Berliner Fotografen und Designers, Alexander Kupsch, aus historischen Fotos vom zerstörten Berlin und Aufnahmen aus dem Jahr 2015, zeigen, dass bei Kriegsende im Mai 1945 in der Stadt kaum ein Stein mehr auf dem anderen stand. Die Bildmontagen rücken die zerstörerische Kraft des Krieges erneut ins Bewusstsein, indem sie die Ruinen und Schuttberge aus dem Mai 1945 ins Berlin von heute übertragen.

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Dossier

Stasi

Alles wissen, alles kontrollieren, Menschen manipulieren. Aus der Arbeitsweise der DDR-Geheimpolizei "Stasi" ist auch viel zu lernen über die Mechanismen von Diktaturen der Gegenwart. In der DDR überwanden couragierte Bürgerinnen und Bürger allerdings 1989 ihre Angst vor der "Staatssicherheit". Vor 30 Jahren wurde sie gänzlich entmachtet.

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Online-Angebot der bpb und der Robert-Havemann-Gesellschaft

jugendopposition.de

Wie haben junge Menschen in der DDR mit Mut und Musik gegen Stasi und SED-Diktatur gekämpft? Zeitzeugen berichten. Mit zahlreichen Texten, Videos, Audios, Fotos und Dokumenten.

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Online-Archiv

www.wir-waren-so-frei.de

Fast 7.000 private Filme und Fotos aus der Umbruchzeit 1989/90 sowie über 100 begleitende Erinnerungstexte. Dazu ost- und westdeutsche Medienberichte. Die persönlichen Erfahrungen der Fotografen und Filmemacher bieten zusammen mit der öffentlichen Berichterstattung vielfältige Blicke auf die historischen Ereignisse und deren Auswirkungen auf den Alltag in Ost und West.

Mehr lesen auf wir-waren-so-frei.de

Wird die DDR-Diktatur verharmlost? Und warum begann die intensive Auseinandersetzung mit der NS-Vergangenheit erst so spät? Die Deutung von Geschichte ist oft umstritten - und nicht selten ein Politikum.

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13. August 1961: In den frühen Morgenstunden beginnt der Bau der Mauer, die Deutsche Teilung wird zementiert. Am Abend des 9. November 1989 kommt es zum Mauerfall. Bald 30 Jahre danach ist Deutschland in vielem noch immer ein Land mit zwei Gesellschaften.

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Zu dem Thema "Children of Transition, Children of War, the Generation of Transformation from a European Perspective" diskutierten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler auf der Deutschlandforschertagung 2016 vom 3. bis 5. November 2016 in der Universität Wien. Die Tagungsdokumentation gibt Einblick in die Themen und Ergebnisse.

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Gedenkstätten, Museen, Dokumentationszentren, Mahnmale, Online-Angebote - zahlreiche Einrichtungen und Initiativen erinnern an die Opfer des Nationalsozialismus, bieten Bildungsangebote zur Geschichte des Nationalsozialismus und engagieren sich für Überlebende und Jugendbegegnungen. Wo Sie welche Erinnerungsorte mit welchem pädagogischen Angebot finden, erfahren Sie in der Datenbank.

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Der Tag in der Geschichte

  • 1. Dezember 1964
    Zwangsumtausch: Alle Besucher der DDR und Ost-Berlins aus dem »nichtsozialistischen Ausland«, ausgenommen Rentner und Kinder, müssen ab sofort pro Tag und Person mindestens 3 DM-West im Verhältnis 1 : 1 in DM-Ost einwechseln. Daraufhin geht die Zahl der... Weiter
  • 1. Dezember 1966
    Der Bundestag wählt Kurt Georg Kiesinger (CDU) zum Bundeskanzler (340 gegen 109 Stimmen, 1 ungültige Stimme, 23 Enthaltungen). Das Kabinett der Großen Koalition besteht aus zehn CDU/CSU- und neun SPD-Ministern, darunter Willy Brandt als Vizekanzler und... Weiter
  • 1. - 2. Dez. 1969
    Die EG-Staats- und Regierungschefs beschließen auf dem Gipfel in Den Haag, die Gemeinschaft beschleunigt auszubauen und so die Stagnation der Integrationsbestrebungen am »Ende der Übergangsperiode« zu überwinden. Sie wollen stufenweise die Wirtschafts-und... Weiter
  • 1. Dezember 1979
    Die Mindestrenten, die Renten für Mütter mit fünf und mehr Kindern sowie die Unterstützungssätze der Sozialfürsorge steigen. Weiter
  • Dezember 1989
    Beginnende 2. Wende: Auf Massendemonstrationen werden zunehmend Meinungsverschiedenheiten zwischen Gegnern und Anhängern der deutschen Einheit ausgetragen. Damit vollzieht sich allmählich ein Gesinnungswandel: Haben sich die Protestkundgebungen bislang fast... Weiter
  • 1. Dezember 1989
    Auf Antrag aller zehn Fraktionen beschließt die Volkskammer, den in der Verfassung verankerten Führungsanspruch der SED zu streichen. Art. 1 Abs. 1 lautet jetzt: »Die DDR ist ein sozialistischer Staat der Arbeiter und Bauern. Sie ist die politische... Weiter
  • 1. Dezember 1990
    Gegen Erich Honecker, ehemals Staats- und Parteichef der DDR, wird Haftbefehl erlassen; denn nach neu entdeckten Akten soll er persönlich für den Schießbefehl an der Berliner Mauer und an der innerdeutschen Grenze verantwortlich sein. Der 78-jährige befindet... Weiter
  • 1. Dezember 1994
    Das Verbrechensbekämpfungsgesetz vom 28. 10. 1994 tritt in Kraft. Danach kann der Bundesnachrichtendienst (BND) bei der überwachung des internationalen Fernmeldeverkehrs Erkenntnisse über die organisierte Kriminalität (u. a. bei Waffen- und Drogenschmuggel,... Weiter

Messenger-Projekt

Der Mauerfall und ich

Es ist Leipzig im Spätsommer des Jahres 1989. Die Studentin Kathrin und ihre Freundinnen und Freunde erleben eine Zeit des Umbruchs in der DDR. Im November fällt die Mauer und damit die Grenze, die Deutschland und die Deutschen viele Jahrzehnte trennte. Über ihre Erlebnisse hat Kathrin von August bis November 2019 im bpb-Messengerprojekt "Der Mauerfall und ich" berichtet.

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