Beleuchteter Reichstag

16.11.2011 | Von:
Armin Wagner

Geheimdienste in Ost und West

"Hauptabteilung III"


Hauptabteilung IIIHauptabteilung III (© BStU)
Bei aller Vielfalt der Forschungsansätze und der bereits publizierten Titel leistet die Abteilung Bildung und Forschung des Bundesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen mit der "Anatomie der Staatssicherheit" weiterhin Grundlagenarbeit. Großprojekte wie dieses 1993 begonnene MfS-Handbuch bedürfen eines langen Atems, und es liegt auf der Hand, dass die Arbeit daran mühselig ist: Wiewohl intensiv aus den Quellen geschöpft, wartet am Ende eben keine attraktive Monografie auf den Verfasser, auch auf eine innovative wissenschaftliche These zielt das Vorhaben nicht ab. Stattdessen ist die Rekonstruktion der MfS-Struktur in den Einzellieferungen des Handbuchs nach einem wiederkehrenden Schema aufgebaut: Auf einen zusammenfassenden Überblick zur Bedeutung und zum Aufbau der untersuchten Diensteinheit folgt eine genaue Beschreibung ihrer Organisation gegen Ende der Achtzigerjahre. Daran schließt die Entwicklungsgeschichte seit der Gründung des MfS 1950 an. Die Deskription überwiegt.

Mit der Darstellung der Hauptabteilung III, die für Funkaufklärung, Funkabwehr, Funkgegenwirkung und Funkkontrolle zuständig war, hat Andreas Schmidt nun für einen der größten MfS-Bereiche eine der bisher umfangreichsten Studien des Handbuchs vorgelegt. Beinahe zwangsläufig ist die Darstellung sehr technisch; aber es gelingt Schmidt, auch mithilfe etlicher Organigramme, Abbildungen und Tabellen, seinen Text lesbar zu gestalten. Und die Organisationsgeschichte der Funkaufklärung und Funkabwehr weist auf ein wichtiges – allerdings in der ohnehin noch schmalen deutschen Geschichtsschreibung zu Geheimdiensten in besonderem Maße vernachlässigtes – Themenfeld hin, nämlich die Relevanz und Effektivität der technischen Spionage.

Der tiefe Einbruch, der dem MfS in wichtige Funknetze in der Bundesrepublik sowohl auf taktischer (Observationsfunk) als auch auf strategischer Ebene (Regierungskommunikation) gelungen ist, wird hier in seinen Konturen nachgezeichnet. In den Achtzigerjahren wurde zum Beispiel der Autotelefonverkehr des Bundespräsidenten, der Präsidenten von BND und Verfassungsschutz sowie des Generalbundesanwaltes abgehört. Das MfS scheute sich nicht, funkelektronische Aufklärungsstützpunkte unter anderem in der Ständigen Vertretung der DDR in Bonn, in der Handelspolitischen Abteilung in Düsseldorf, in den Botschaften in Wien und Brüssel sowie in der sowjetischen Botschaft in Bonn einzurichten. Schmidt weist allerdings auch auf die Probleme der HA III hin, die neben der Technik vor allem in der Bearbeitung des riesigen Informationsaufkommens lagen. Das beachtliche operative Geschick bei der Beschaffung von Wissen über den Gegner korrespondierte nicht mit der schon weniger ausgeprägten Fähigkeit zu dessen Aufbereitung und Analyse, zu schweigen von der hier nicht untersuchten Rezeption bei den politischen Entscheidungsträgern.

Ein Kritikpunkt kann nicht unerwähnt bleiben: In BStU-Veröffentlichungen sollte nicht, wie hier durchgängig, von "Westberlin" die Rede sein. Das ist Sprachgebrauch der DDR, mit dem seinerzeit suggeriert wurde, es gäbe entgegen dem im Londoner Protokoll von 1944 vereinbarten Viermächtestatus zwei Städte Berlin: die "Hauptstadt der DDR" und den Westteil der Stadt als "selbständige politische Einheit". Es sollte daher gerade im wissenschaftlichen Sprachgebrauch, sofern nicht aus Quellen zitiert wird, stets Berlin (West) oder West-Berlin heißen.



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