Beleuchteter Reichstag

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31.8.2011 | Von:
Andreas Fraude

20 Jahre Deutsche Einheit

Rückschau, Bestandsaufnahmen, Perspektiven

"Deutschland 2.0"

Deutschland 2.0Deutschland 2.0 (© Deutscher Taschenbuch Verlag)
Der ehemals bei "Spiegel Online" leitend tätige Journalist Claus Christian Malzahn hat eine kurzweilige, sehr lesenswerte Reportage über "Deutschland 2.0" vorgelegt (wobei der Titel unzutreffenderweise eine Beschäftigung mit dem Internet nahelegt). Seine "vorläufige Bilanz der Einheit" geht allerdings über eine Schilderung der Gegebenheiten im vereinten Deutschland hinaus; der Autor skizziert plastisch und im besten Sinne objektiv die Bedingungen und Entwicklungen, die zu den historischen Veränderungen der Jahre 1989/90 in Deutschland und Europa führten. Dabei kommt dem Buch sicher zugute, dass Malzahn bereits in den 1980er-Jahren über die und aus der DDR berichtete; seine präzisen Beschreibungen und Analysen sind reflektiert und spürbar "nah am Objekt". Die fließend ineinander übergehenden Kapitel "Freiheit", "Mythen, Fehler, Irrtümer", "Glück, Geld, Erfolg" sowie "Einsichten, Aussichten" zeichnen ein insgesamt positives Bild des (wieder)vereinigten Deutschland ohne die Defizite und – teils unvermeidbaren – Fehler während des Vereinigungsprozesses zu verschweigen.

Zu Recht qualifiziert Malzahn die Ereignisse des Herbstes 1989 als "Sternstunden der deutschen Geschichte", wobei "die wichtigste Erfahrung der friedlichen Revolution" sei, dass "der Einzelne zu Großem beisteuern kann". Daneben stellt der Autor die (er)nüchtern(d)e, aber durchaus realistische Erkenntnis: "Wenn die Ostdeutschen im Herbst 1989 auf die Herrschenden in Bonn und Ost-Berlin gehört hätten, wäre die Mauer vielleicht nie gefallen. Selten wurden Regierungspolitik und Expertenvorlagen so blamiert" (40). Etwas überakzentuiert beschreibt Malzahn die Verfasstheit der SED/DDR kurz vor ihrem Um- und Zusammenbruch. So mag man noch der Beobachtung (ex post) folgen, dass sich damals in Partei und Staat "vorsichtig zwei Strömungen", bestehend aus Hardlinern und jungen Reformern, herausgebildet hätten. Eine regelrechte "Fraktionsbildung", die dem "machtvollen Repressionsapparat" geschadet hätte und zudem dazu führte, dass die Sicherheitsorgane widersprüchlich agierten (32), war jedoch weder zum Ende der Honecker-Ära noch in der anschließenden Übergangsphase zu erkennen.

Schließlich erinnert Malzahn daran, dass die osteuropäischen Nachbarländer die Umwandlung von einer realsozialistischen Plan- in eine Marktwirtschaft selbst organisieren mussten, während in Deutschland "dem Osten der Westen zu Hilfe" kam (82). Gleichwohl hält es der Autor für psychologisch nachvollziehbar, dass in den neuen Ländern nicht jene "Dankbarkeit" herrsche, die man vom Westen aus häufig erwartet(e). Als Fazit der historischen Vorgänge gibt Malzahn zu Protokoll: "Um unsere Zukunft zu meistern, braucht es bei allen Beteiligten jene Courage, die letztlich auch zum Fall der Mauer führte" (128).



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