Meine Merkliste Geteilte Merkliste

Marina Weisband: Einfach nur Mensch sein

Deutschland Archiv Neu im DA Schwerpunkte Zeitenwende? Der Ukrainekrieg und die Folgen. 42 Analysen & Essays. Was riskieren wir? Ein Sommer der Unentschlossenheit Sieben Monate Krieg Die Waffen nieder? Ungleiche Fluchten? Schwerter allein sind zu wenig „Russland wird sich nach Putin ändern“ Die be(un)ruhigende Alltäglichkeit des Totalitären Vergessene Bomben aus Deutschland Putins Mimikry Schon einmal Vernichtungskrieg Verhandeln, aber wie? Das sterbende russländische Imperium und sein deutscher Helfer Was lief schief seit dem Ende des Kalten Krieges? „Sie haben die Zukunft zerbrochen“ Vertreibung ist auch eine Waffe "Wie ich Putin traf und er mich das Fürchten lehrte" "Wir bewundern sie und sie verschwinden" Mehr Willkommensklassen! Hoffen auf einen russischen „Nürnberger Prozess“ Russische Kriegskontinuitäten Wurzeln einer unabhängigen Ukraine Der erschütterte Fortschritts-Optimismus "Leider haben wir uns alle geirrt" Die Hoffnung auf eine gesamteuropäische Friedens- und Sicherheitsarchitektur nicht aufgeben „Ihr Völker der Welt“ Das erste Opfer im Krieg ist die Wahrheit China und die „Taiwanfrage“ Transformation und Deutsche Einheit Die sozialpsychologische Seite der Zukunft Zwölf Thesen zu Wirtschaftsumbau und Treuhandanstalt Die andere Geschichte der Umbruchjahre – alternative Ideen und Projekte 30 Jahre nach Rostock-Lichtenhagen Wiedervereinigt auf dem Rücken von Migranten und Migrantinnen? Film ohne Auftrag - Perspektiven, die ausgegrenzt und unterschlagen wurden Geheimdienste, „Zürcher Modell“ und „Länderspiel“ 50 Jahre Grundlagenvertrag Drei Kanzler und die DDR Populismus in Ost und West Akzeptanz der repräsentativen Demokratie in Ostdeutschland Zusammen in Feindseligkeit? Neuauflage "(Ost)Deutschlands Weg" Ostdeutsche Frakturen Geschichtspolitik von oben? Anpassungsprozess der ostdeutschen Landwirtschaft Daniela Dahn: TAMTAM und TABU Wege, die wir gingen „Der Ort, aus dem ich komme, heißt Dunkeldeutschland” Unternehmerischer Habitus von Ostdeutschen Teuer erkauftes Alltagswissen Trotz allem im Zeitplan Revolution ohne souveränen historischen Träger Mehr Frauenrechte und Parität Lange Geschichte der „Wende“ Eine Generation nach der ersten freien Volkskammerwahl Unter ostdeutschen Dächern Die de Maizières: Arbeit für die Einheit Schulzeit während der „Wende” Deutschland – Namibia Im Gespräch: Bahr und Ensikat Gorbatschows Friedliche Revolution "Der Schlüssel lag bei uns" "Vereinigungsbedingte Inventur" "Es gab kein Drehbuch" "Mensch sein, Mensch bleiben" Antrag auf Staatsferne Alt im Westen - Neu im Osten Die Deutsche Zweiheit „Ein echtes Arbeitsparlament“ Corona zeigt gesellschaftliche Schwächen Widersprüchliche Vereinigungsbilanz Schule der Demokratie Warten auf das Abschlusszeugnis Brief an meine Enkel Putins Dienstausweis im Stasi-Archiv Preis der Einheit Glücksstunde mit Makeln Emotional aufgeladenes Parlament Geht alle Macht vom Volke aus? Deutschland einig Vaterland 2:2 gegen den Bundestag "Nicht förderungswürdig" Demokratie offen halten Standpunkte bewahren - trotz Brüchen Die ostdeutsche Erfahrung Kaum Posten für den Osten Braune Wurzeln Wer beherrscht den Osten „Nicht mehr mitspielen zu dürfen, ist hart.“ Ein Ost-West-Dialog in Briefen Stadtumbau Ost Ostdeutschland bei der Regierungsbildung 2017 Die neue Zweiklassengesellschaft DDR-Eishockey im Wiedervereinigungsprozess Die SPD (West) und die deutsche Einheit Die Runden Tische 1989/90 in der DDR Die Wandlung der VdgB zum Bauernverband 1990 Transatlantische Medienperspektiven auf die Treuhandanstalt Transformation ostdeutscher Genossenschaftsbanken Demografische Entwicklung in Deutschland seit 1990 Parteien und Parteienwettbewerb in West- und Ostdeutschland Hertha BSC und der 1. FC Union vor und nach 1990 25 Jahre nach der Wiedervereinigung Ostdeutsches Industriedesign im Transformationsprozess Wende und Vereinigung im deutschen Radsport Wende und Vereinigung im deutschen Radsport (II) Kuratorium für einen demokratisch verfassten Bund deutscher Länder Europäische Union als Voraussetzung für deutschen Gesamtstaat Welche Zukunft braucht Deutschlands Zukunftszentrum? Ein Plädoyer. Erinnern, Gedenken, Aufarbeiten Wenn Gedenkreden verklingen Zeitenwenden Geschichtsklitterungen „Hat Putin Kinder?“, fragt meine Tochter Wolf Biermann über Putin: Am ersten Tag des Dritten Weltkrieges Der Philosoph hinter Putin „Putin verwandelt alles in Scheiße“ Das Verhängnis des Imperiums in den Köpfen Ilse Spittmann-Rühle ist gestorben Was bedeutet die Liquidierung von Teilen Memorials? Rückfall Russlands in finsterste Zeiten Memorial - Diffamiert als "ausländische Agenten" Die Verteidigung des Erinnerns Russlands Attacken auf "Memorial" Der Fall Schalck-Golodkowski Ende des NSU vor zehn Jahren 7. Oktober 1989 als Schlüsseltag der Friedlichen Revolution Die Geschichte von "Kennzeichen D" Nachruf auf Reinhard Schult Leningrad: "Niemand ist vergessen" Verfolgung von Sinti und Roma Zuchthausaufarbeitung in der DDR - Cottbus Sowjetische Sonderhaftanstalten Tage der Ohnmacht "Emotionale Schockerlebnisse" Ein Neonazi aus der DDR Akten als Problem? Eine Behörde tritt ab Ostberlin und Chinas "Großer Sprung nach vorn" Matthias Domaschk - das abrupte Ende eines ungelebten Lebens Ein Wettbewerb für SchülerInnenzeitungen Totenschädel in Gotha Bürgerkomitees: Vom Aktionsbündnis zum Aufarbeitungsverein Westliche Leiharbeiter in der DDR Hohenzollern und Demokratie nach 1918 (I) Hohenzollern und Demokratie nach 1918 (II) Auf dem Weg zu einem freien Belarus? Erstes deutsch-deutsches Gipfeltreffen im Visier des BND Neue Ostpolitik und der Moskauer Vertrag Grenze der Volksrepublik Bulgarien Die Logistik der Repression Schwarzenberg-Mythos Verschwundene Parteifinanzen China, die Berlin- und die Deutschlandfrage 8. Mai – ein deutscher Feiertag? China und die DDR in den 1980ern 1989 und sein Stellenwert in der europäischen Erinnerung Stasi-Ende Die ungewisse Republik Spuren und Lehren des Kalten Kriegs Einheitsrhetorik und Teilungspolitik Schweigen brechen - Straftaten aufklären Welche Zukunft hat die DDR-Geschichte? Die Deutschen und der 8. Mai 1945 Jehovas Zeugen und die DDR-Erinnerungspolitik Generation 1989 und deutsch-deutsche Vergangenheit Reformationsjubiläen während deutscher Teilung 25 Jahre Stasi-Unterlagen-Gesetz Kirchliche Vergangenheitspolitik in der Nachkriegszeit Zwischenbilanz Aufarbeitung der DDR-Heimerziehung Der Umgang mit politischen Denkmälern der DDR Richard von Weizsäckers Rede zum Kriegsende 1985 Die Sowjetunion nach Holocaust und Krieg Nationale Mahn- und Gedenkstätten der DDR Behörde des Bundesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen Die Entmilitarisierung des Kriegstotengedenkens in der SBZ Heldenkult, Opfermythos und Aussöhnung Durchhalteparolen und Falschinformationen aus Peking Buchenwald und seine fragwürdige Nachgeschichte Grenzsicherung nach dem Mauerbau Einmal Beethoven-Haus und zurück Das Bild Walther Rathenaus in der DDR und der Bundesrepublik Alles nach Plan? 1989/90 - Friedliche Revolution und Deutsche Einheit „Die Stunde ist gekommen aufzustehen vom Schlaf“ Mythos Montagsdemonstration Ossi? Wessi? Geht's noch? Es gibt keine wirkliche Ostdebatte Die. Wir. Ossi. Wessi? Wie man zum Ossi wird - Nachwendekinder zwischen Klischee und Stillschweigen 2 plus 4: "Ihr könnt mitmachen, aber nichts ändern“ Blick zurück nach vorn Wem gehört die Revolution? Die erste und letzte freie DDR-Volkskammerwahl Mythos 1989 Joseph Beuys über die DDR Der 9. Oktober 1989 in Leipzig Egon Krenz über den 9. November Die deutsche Regierung beschleunigt zu stark Projekte für ein Freiheits- und Einheitsdenkmal in Berlin und Leipzig Deutsch-deutsche Begegnungen. Die Städtepartnerschaften am Tag der Deutschen Einheit Mit Abstand betrachtet - Erinnerungen, Fragen, Thesen. Die frohe Botschaft des Widerstands Mauerfall mit Migrationshintergrund "Wer kann das, alltäglich ein Held sein?" "Es geht um Selbstbefreiung und Selbstdemokratisierung" Kann man den Deutschen vertrauen? Ein Rückblick nach einem Vierteljahrhundert deutscher Einheit Von der (eigenen) Geschichte eingeholt? Berlin – geteilte Stadt & Mauerfall Berliner Polizei-Einheit Die Mauer. 1961 bis 2021 The Wall: 1961-2021 - Part One The Wall: 1961-2021 - Part Two "Es geht nicht einfach um die Frage, ob Fußball gespielt wird" Mauerbau und Alltag in Westberlin Der Teilung auf der Spur The Games at the Gate Der Mauerfall aus vielen Perspektiven Video der Maueröffnung am 9. November 1989 Die Mauer fiel nicht am 9. November Mauersturz statt Mauerfall Heimliche Mauerfotos von Ost-Berlin aus Ost-West-Kindheiten "Niemand hat die Absicht, die Menschenwürde anzutasten" Berlinförderung und Sozialer Wohnungsbau in der „Inselstadt“ Wie stellt der Klassenfeind die preußische Geschichte aus? Flughafen Tempelhof Die Bundeshilfe für West-Berlin Christliche Gemeinschaft im geteilten Berlin Amerikanische Militärpräsenz in West-Berlin Das Stadtjubiläum von 1987 in Ost- und West-Berlin Bericht zum Workshop "Das doppelte Stadtjubiläum" Das untergegangene West-Berlin Interview: „Der Zoo der Anderen“ Un-Rechts-Staat DDR Bedrohter Alltag Unrecht, Recht und Gerechtigkeit - eine Bilanz von Gerd Poppe Der Geschlossene Jugendwerkhof Torgau – eine "Totale Institution" Stasi-Hafterfahrungen: Selbstvergewisserung und Renitenz Kritik und Replik: Suizide bei den Grenztruppen und im Wehrdienst der DDR Suizide bei den Grenztruppen der DDR. Eine Replik auf Udo Grashoff Die Todesopfer des DDR-Grenzregimes, ihre Aufarbeitung und die Erinnerungskultur Die Freiheit ist mir lieber als mein Leben „Nicht nur Heldengeschichten beschreiben“ Wer war Opfer des DDR-Grenzregimes? Todesopfer des DDR-Grenzregimes - Eine Recherche Todesopfer des DDR-Grenzregimes - Eine andere Sicht "Begriffliche Unklarheiten" Die Reichsbahn und der Strafvollzug in der DDR "Schicksale nicht Begriffe" Mauerbau und Machtelite Zwangseingewiesene Mädchen und Frauen in Venerologischen Einrichtungen Stasi-Razzia in der Umweltbibliothek Politisch inhaftierte Frauen in der DDR Ein widerständiges Leben: Heinz Brandt Über den Zaun und zurück – Flucht und Rückkehr von Dietmar Mann Die politische Justiz und die Anwälte in der Arä Honecker Geraubte Kindheit – Jugendhilfe in der DDR Haftarbeit im VEB Pentacon Dresden – eine Fallstudie Zwischen Kontrolle und Willkür – Der Strafvollzug in der DDR Suizide in Haftanstalten: Legenden und Fakten Die arbeitsrechtlichen Konsequenzen in der DDR bei Stellung eines Ausreiseantrages Max Fechner – Opfer oder Täter der Justiz der Deutschen Demokratischen Republik? Die "Auskunftspersonen" der Stasi – Der Fall Saalfeld Geschlossene Venerologische Stationen und das MfS Jugendhilfe und Heimerziehung in der DDR Fraenkels "Doppelstaat" und die Aufarbeitung des SED-Unrechts Alltag und Gesellschaft München 1972: Olympia-Streit um das „wahre Freundesland“ Afrikas Das religiöse Feld in Ostdeutschland Repräsentation Ostdeutschlands nach Wahl 2021 Die Transformation der DDR-Presse 1989/90 Das Elitendilemma im Osten "Affirmative Action" im Osten Ostdeutsche in den Eliten als Problem und Aufgabe Ostdeutsche Eliten und die Friedliche Revolution in der Diskussion Die Bundestagswahl 2021 in Ostdeutschland Deutsch-deutsche Umweltverhandlungen 1970–1990 Der Plan einer Rentnerkartei in der DDR "Es ist an der Zeit, zwei deutsche Mannschaften zu bilden" Deutsch-ausländische Ehen in der Bundesrepublik Verhandelte Grenzüberschreitungen Verpasste Chancen in der Umweltpolitik Der dritte Weg aus der DDR: Heirat ins Ausland Und nach Corona? Ein Laboratorium für Demokratie! Nichtehelichkeit in der späten DDR und in Ostdeutschland 30 Jahre später – der andere Bruch: Corona Mama, darf ich das Deutschlandlied singen Mit der Verfassung gegen Antisemitismus? Epidemien in der DDR Homosexuelle in DDR-Volksarmee und Staatssicherheit „Die DDR als Zankapfel in Forschung und Politik" Die Debatte über die Asiatische Grippe Coronavirus - Geschichte im Ausnahmezustand Werdegänge Familien behinderter Kinder in BRD und DDR Vom Mauerblümchen zum Fußball-Leuchtturm DDR-Alltag im Trickfilm Die alternative Modeszene der DDR Nachrichtendienste in Deutschland. Teil II Nachrichtendienste in Deutschland. Teil I Die Jagd gehört dem Volke Homosexuelle und die Bundesrepublik Deutschland Honeckers Jagdfieber zahlte die Bevölkerung Sicherheitspolitik beider deutscher Staaten von 1949 bis 1956 Frauen im geteilten Deutschland Ostdeutsche Identität Patriotismus der Friedensbewegung und die politische Rechte Rechte Gewalt in Ost und West Wochenkrippen und Kinderwochenheime in der DDR Urlaubsträume und Reiseziele in der DDR Reiselust und Tourismus in der Bundesrepublik Schwule und Lesben in der DDR Die westdeutschen „Stellvertreterumfragen“ Erfahrungen mit der Krippenerziehung „Päckchen von drüben“ Vor aller Augen: Pogrome und der untätige Staat Zwischen Staat und Markt Dynamo in Afrika: Doppelpass am Pulverfass Jüdinnen in Deutschland nach 1945 Julia Davidovski: „Kinder sind unsere Zukunft“ Emma Budge und Margarete Oppenheim: der Kampf um ihre Kunstsammlungen in der Bundesrepublik „Wir sind offen für alle“ Interviews Beiträge Porträts Redaktion "Ungehaltene Reden" ehemaliger Abgeordneter der DDR-Volkskammer Was sollten Wähler und Wählerinnen 2021 bedenken? Ein urdemokratischer Impuls, der bis ins Heute reicht „Als erster aus der Kurve kommen“ Die Rolle des Staats in der Wahrnehmung der Ostdeutschen Die durchlaufene Mauer Interview: Peter-Michael Diestel Interview: Günther Krause Interview: Lothar de Maizière Schülerzeitungstexte Noch Mauer(n) im Kopf? Liebe über Grenzen Ostseeflucht Fluchtursachen Die Frau vom Checkpoint Charlie Mutti, erzähl doch mal von der DDR Staatsfeind Nr.1: DAS VOLK!!! Mit dem Bus in die DDR Ost und West. Ein Vergleich Warum wird der 3. Oktober gefeiert? "Ich wünsch mir, dass die Mauer, die noch immer in vielen Köpfen steht, eingerissen wird" Zeitenwende Ist der Osten ausdiskutiert? Der Mutige wird wieder einsam Das Jahr meines Lebens Basisdemokratie Lehren aus dem Zusammenbruch "Wir wollten uns erhobenen Hauptes verabschieden" Für die gute Sache, gegen die Familie DDR-Wissenschaftler Seuchenbekämpfung Chemnitz: Crystal-Meth-Hauptstadt Europas Keine Ahnung, was als Nächstes passieren wird Allendes letzte Rede Friedliche Revolution Gethsemanekirche und Nikolaikirche Das Wirken der Treuhandanstalt Gewerkschaften im Prozess von Einheit und Transformation Zusammenarbeit von Treuhandanstalt und Brandenburg Privatisierung vom DDR-Schiffbau Die Leuna-Minol-Privatisierung Übernahme? Die Treuhandanstalt und die Gewerkschaften: Im Schlepptau der Bonner Behörden? Treuhand Osteuropa Beratungsgesellschaft "Ur-Treuhand" 1990 Internationale Finanzakteure und das Echo des Sozialismus Soziale Marktwirtschaft ohne Mittelstand? Die Beziehungen zwischen Frankreich und der DDR Suche nach den Spuren der DDR Wirtschaftsbeziehungen zwischen Frankreich und der DDR Der Freundschaftsverein „EFA“ Die Mauer in der französischen Populärkultur DDR als Zankapfel in Forschung und Politik DDR-Geschichte in französischen Ausstellungen nach 2009 Theater- und Literaturtransfer zwischen Frankreich und der DDR Die DDR in französischen Deutschbüchern Kommunalpartnerschaften zwischen Frankreich und der DDR Regimebehauptung und Widerstand Mut zum Aussteigen aus Feindbildern Für die Freiheit verlegt - die radix-blätter Der Fußballfan in der DDR Jugend in Zeiten politischen Umbruchs Umweltschutz als Opposition Sozialistisches Menschenbild und Individualität. Wege in die Opposition Politische Fremdbestimmung durch Gruppen Ist Antisemitismus vor allem ein ostdeutsches Problem? Antisemitismus in Deutschland Die Zweite Generation jüdischer Remigranten im Gespräch War die DDR antisemitisch? Antisemitismus in der DDR Teil I Antisemitismus in der DDR Teil II Als ob wir nichts zu lernen hätten von den linken Juden der DDR ... Ostdeutscher Antisemitismus: Wie braun war die DDR? Die Shoah und die DDR Umgang mit jüdischen Friedhöfen und Friedhofsschändungen, Teil I Umgang mit jüdischen Friedhöfen und Friedhofsschändungen, Teil II Israel im Schwarzen Kanal Der Nahostkonflikt in Kinder- und Jugendzeitschriften der DDR, I Der Nahostkonflikt in Kinder- und Jugendzeitschriften der DDR, II Das Israelbild der DDR und dessen Folgen Buchenwald und seine fragwürdige Nachgeschichte Macht-Räume in der DDR Wirtschaftspläne im Politbüro 1989 "Macht-Räume in der DDR" Macht, Raum und Plattenbau in Nordost-Berlin Machträume und Eigen-Sinn der DDR-Gesellschaft Die "Eigenverantwortung" der örtlichen Organe der DDR Strategien und Grenzen der DDR-Erziehungsdiktatur Staatliche Einstufungspraxis bei Punk- und New-Wave-Bands Kommunalpolitische Kontroversen in der DDR (1965-1973) Schwarzwohnen 1968 – Ost und West Der Aufstand des 17. Juni 1953 Interview mit Roland Jahn Der 17. Juni 1953 und Europa Geschichtspolitische Aspekte des 17. Juni 17. Juni Augenzeugenbericht Kultur und Medien Einmal Beethoven-Haus und zurück Heimat ist ein Raum aus Bytes Der Aufbau des öffentlich-rechtlichen Rundfunks in Ostdeutschland Die Demokratisierung von Rundfunk und Fernsehen der DDR Die Stasi und die Hitler-Tagebücher Ein Nachruf auf Walter Kaufmann Die Tageszeitung »Neues Deutschland« vor und nach 1990 Wie ein Staat untergeht Objektgeschichte antifaschistischer Ausstellungen der DDR Reaktionen auf die Ausstrahlung der Fernsehserie „Holocaust“ „Mitteldeutschland“: ein Kampfausdruck? Gesundheitsaufklärung im Global Humanitarian Regime The British Press and the German Democratic Republic Kulturkontakte über den Eisernen Vorhang hinweg "Drei Staaten, zwei Nationen, ein Volk“ "Flugplatz, Mord und Prostitution" SED-Führung am Vorabend des "Kahlschlag"-Plenums Ende der Anfangsjahre - Deutsches Fernsehen in Ost und West "Wer nicht für uns ist, ist gegen uns. Es gibt keinen Dritten Weg" Frauenbild der Frauenpresse der DDR und der PCI Regionales Hörfunkprogramm der DDR DDR-Zeitungen und Staatssicherheit Eine Chronik von Jugendradio DT64 Die "neue Frau": Frauenbilder der SED und PCI (1944-1950) Lager nach 1945 Ukrainische Displaced Persons in Deutschland Jugendauffanglager Westertimke Das Notaufnahmelager Gießen Die Gedenkstätte und Museum Trutzhain Die Barackenstadt: Wolfsburg und seine Lager nach 1945 Die Aufnahmelager für West-Ost-Migranten Die Berliner Luftbrücke und das Problem der SBZ-Flucht 1948/49 Migration Fortbildungen als Entwicklungshilfe Einfluss von Erinnerungskulturen auf den Umgang mit Geflüchteten Friedland international? Italienische Zuwanderung nach Deutschland Jüdische Displaced Persons Das Notaufnahmelager Marienfelde Migration aus Süd- und Südosteuropa nach Westeuropa Die "Kinder der 'Operation Shamrock'" Rück- und Zuwanderung in die DDR 1949 bis 1989 West-Ost-Übersiedlungen in der evangelischen Kirche Migration aus der Türkei Griechische Migration nach Deutschland Die Herausforderung der Aussiedlerintegration Die Ausreise aus der DDR Das Spezifische deutsch-deutscher Migration Flüchtlinge und Vertriebene im Nachkriegsdeutschland Interview mit Birgit Weyhe zur Graphic Novel "Madgermanes" Die Migration russischsprachiger Juden seit 1989 Chinesische Vertragsarbeiter in Dessau Arbeitsmigranten in der DDR Gewerkschaften und Arbeitsmigration in der Bundesrepublik Deutschlandforschertagung 2016 Eröffnungsreden Panels und Poster Session Grenzgebiete Die Wende im Zonenrandgebiet Der andere Mauerfall Das "Grüne Band" Alltagsleben im Grenzgebiet Außensichten auf die deutsche Einheit Wahrnehmung des geeinten Deutschlands in Serbien Norwegische Freundschaft mit dem vereinten Deutschland Deutschland im Spiegel des Wandels der Niederlande Österreichs Reaktionen auf die Mühen zur deutschen Einheit Israelische Reaktionen auf die Wiedervereinigung Deutsche Diplomaten erleben den Herbst 1989 Das wiedervereinigte Deutschland aus Sicht der Slowaken Wahrnehmung der deutschen Einheit in Dänemark Die Perzeption der Wiedervereinigung in Lateinamerika Deutsch-polnische Beziehungen Der Blick junger Schweizer auf Deutschland Bulgarien blickt erwartungsvoll nach Deutschland Vom bescheidenen Wertarbeiter zur arroganten Chefin "Gebt zu, dass die Deutschen etwas Großes geleistet haben." 150 Jahre Sozialdemokratie Wehners Ostpolitik und die Irrtümer von Egon Bahr 150 Jahre Arbeiterturn- und Sportbewegung Die Spaltung der SPD am Ende der deutschen Teilung Willy Brandts Besuch in Ostberlin 1985 Deutschlandforschertagung 2014 Einleitungsvortrag von Christoph Kleßmann Tagungsbericht: "Herrschaft und Widerstand gegen die Mauer" Tagungsbericht: Sektion "Kultur im Schatten der Mauer" Interview mit Heiner Timmermann Interview mit Angela Siebold Interview mit Jérôme Vaillant Interview mit Irmgard Zündorf Interview mit Andreas Malycha Die Mauer in westdeutschen Köpfen Multimedia Zeitreisen mit "Kennzeichen D" Der Anfang vom Ende der DDR: Die Biermann-Ausbürgerung 1976 Wendekorpus. Eine Audio-Zeitreise. 1. Vorboten von Umbruch und Mauerfall 2. Schabowski und die Öffnung der Grenzen am 9. November 1989 3. Grenzübertritt am 10. November 4. Begrüßungsgeld 100 D-Mark 5. Den Anderen anders wahrnehmen 6. Stereotypen 7. Was bedeutet uns der Fall der Mauer? 8. Emotionen 9. Sprache Gespräche mit Zeitzeuginnen und Zeitzeugen Brecht & Galilei: Ideologiezertrümmerung Die Zweite Generation jüdischer Remigranten im Gespräch Ausgaben vor 2013 Bau- und Planungsgeschichte (11+12/2012) Architektur als Medium der Vergesellschaftung Landschaftsarchitektur im Zentrum Berlins Kunst im Stadtraum als pädagogische Politik Dresden – das Scheitern der "sozialistischen Stadt" Bautyp DDR-Warenhaus? Ulrich Müthers Schalenbauten Medizinische Hochschulbauten als Prestigeobjekt der SED Transitautobahn Hamburg–Berlin Literaturjournal Aufarbeitung (10/2012) "Es geht nicht um Abrechnung ..." "Ein Ort, der zum Dialog anregt" Eckstein einer EU-Geschichtspolitik? Schwierigkeiten mit der Wahrheit Personelle Kontinuitäten in Brandenburg seit 1989 "Geschlossene Gesellschaft" Kulturelite im Blick der Stasi Experten für gesamtdeutsche Fragen – der Königsteiner Kreis Friedrich II. – Friedrich der Große Literaturjournal Deutsch-deutscher Literaturaustausch (8+9/2012) Eine gesamtdeutsche Reihe? Die Insel-Bücherei Versuche deutsch-deutscher Literaturzeitschriften Geschiedene Gemüter, zerschnittene Beziehungen Ein Name, zwei Wege: Reclam Leipzig und Reclam Stuttgart Die Beobachtung des westdeutschen Verlagswesens durch das MfS Volker Brauns Reflexionen über die Teilung Deutschlands Die Leipziger Buchmesse, die Börsenvereine und der Mauerbau Die Publikationskontroverse um Anna Seghers' "Das siebte Kreuz" Westdeutscher linker Buchhandel und DDR Die Publikationsgeschichte von Stefan Heyms "Erzählungen" Das große Volkstanzbuch von Herbert Oetke Eine deutsch-deutsche Koproduktion: die "OB" Dokumentation: "Ein exemplarisches Leben – eine exemplarische Kunst" Literaturjournal Nach dem Mauerbau (7/2012) Der ewige Flüchtling Der Warenkreditwunsch der DDR von 1962 Die Entstehung der "Haftaktion" Leuna im Streik? Mit dem Rücken zur Mauer Der Honecker-Besuch in Bonn 1987 Ein Zufallsfund? Literaturjournal Politische Bildung (6/2012) Antikommunismus zwischen Wissenschaft und politischer Bildung Subjektorientierte historische Bildung Geschichtsvermittlung in der Migrationsgesellschaft "Hallo?! – Hier kommt die DDR" Vergangenheit verstehen, Demokratiebewusstsein stärken Keine einfachen Wahrheiten Literaturjournal Sport (5/2012) Sportnation Bundesrepublik Deutschland? Marginalisierung der Sportgeschichte? Dopingskandale in der alten Bundesrepublik Hooliganismus in der DDR "Erfolge unserer Sportler – Erfolge der DDR" Literaturjournal Nachkrieg (4/2012) Jüdischer Humor in Deutschland Die SED und die Juden 1985–1990 "Braun" und "Rot" – Akteur in zwei deutschen Welten Kriegsverbrecherverfolgung in SBZ und früher DDR Die "Hungerdemonstration" in Olbernhau Eklat beim Ersten Deutschen Schriftstellerkongress Workuta – die "zweite Universität" Dokumentation: Die Rehabilitierung der Emmy Goldacker Kaliningrader Identitäten "Osten sind immer die Anderen!" Freiheit und Sicherheit Literaturjournal Wirtschaft und Soziales (3/2012) Zeitgeschichte/ Zeitgeschehen Forum Literaturjournal Zeitgeschichte im Film (2/2012) Zeitgeschichte/ Zeitgeschehen Forum Literaturjournal Nonkonformität und Widerstand (1/2012) Zeitgeschichte/ Zeitgeschehen Dokumentation Forum Literaturjournal Deutsch-deutsches (11+12/2011) Zeitgeschichte/ Zeitgeschehen Dokumentation Forum Literaturjournal Öffentlicher Umgang mit Geschichte (10/2011) Zeitgeschichte/ Zeitgeschehen Forum Literaturjournal 21 Jahre Deutsche Einheit (9/2011) Zeitgeschichte/ Zeitgeschehen Dokumentation Forum Literaturjournal Wissenschaft (8/2011) Zeitgeschichte/ Zeitgeschehen Forum Literaturjournal 50 Jahre Mauerbau - Teil 2 (7/2011) Zeitgeschichte/ Zeitgeschehen Dokumentation Forum Literaturjournal 50 Jahre Mauerbau (6/2011) Zeitgeschichte/ Zeitgeschehen Dokumentation Forum Literaturjournal Kultur (5/2011) Zeitgeschichte/ Zeitgeschehen Dokumentation Forum Literaturjournal Innere Sicherheit (4/2011) Zeitgeschichte/ Zeitgeschehen Dokumentation Forum Literaturjournal Wirtschaftsgeschichte (3/2011) Zeitgeschichte/ Zeitgeschehen Dokumentation Forum Literaturjournal Ost-West-Beziehungen (2/2011) Zeitgeschichte/ Zeitgeschehen Dokumentation Forum Literaturjournal Medien (1/2011) Zeitgeschichte/ Zeitgeschehen Dokumentation Forum Literaturjournal Über das Deutschland Archiv Redaktion Nach den Unruhen in Kasachstan: Wendepunkt oder Weiter so?

Marina Weisband: Einfach nur Mensch sein

Marina Weisband Sharon Adler

/ 24 Minuten zu lesen

Sie ist Publizistin, Politikerin, Diplompsychologin, Beteiligungspädagogin, Netzaktivistin und Expertin für digitale Partizipation und Bildung. 1987 in der Ukraine geboren, 1994 kamen sie und ihre Familie als "Kontingentflüchtlinge" nach Deutschland. Über die Zeit bei der Piratenpartei Deutschland, die Ziele des Bildungsprojekts "aula" und über ihre Rede zum Internationalen Holocaust-Gedenktag am 27. Januar 2021 im Bundestag hat Sharon Adler mit ihr gesprochen

Marina Weisband, Januar 2022 (© Sharon Adler/PIXELMEER, 2022)

Second-hand-Erinnerungen

Sharon Adler: "Sehr geehrte Menschen, in der Ukraine hieß ich Onufriyenko. Meine Familie hat damals mit Absicht den jüdischen Namen Weisband nicht tragen wollen, wegen der Nachteile, die er bedeutete." Mit diesen Worten hast du deine Rede am 27. Januar 2021 im Bundestag eingeleitet. Was bedeutete es in der Ukraine, jüdisch zu sein? Welche Erinnerungen gibt es in deiner Familie dazu?

Marina Weisband: Ich weiß, dass wir unseren Namen ändern mussten ‑ das haben meine Eltern vorausschauend noch vor meiner Geburt gemacht ‑ mit dem Nachnamen Weisband hätte ich gar nicht studieren können.

Auch Arbeit gab es nur für Menschen, deren Nachnamen auf "ko" endete. In jüdischen Kreisen zirkulierten allerlei Witze aus der jüdischen Perspektive darüber, wie schwer es war, an eine Arbeit, an einen Studienplatz oder an eine Wohnung zu kommen. "Hey Kohen, das ist für dich!" war einer davon. Und es gab viel Populärkultur, die sich über Juden lustig gemacht hat und die sie verdächtigt hat. In den Jahren 1992 und 1993 kamen konkrete Gerüchte über ein anstehendes Pogrom auf. Die hat mein Großvater sehr ernst genommen, weil er sein ganzes Leben ‑ er kam 1906 zur Welt ‑ damit verbracht hat, nur dadurch zu überleben, dass er solche Dinge früh bemerkt hat. Er las alle Zeitungen und verfolgte die Nachrichten im Fernsehen. Es hieß, dass er die krumme Nase deswegen hatte, weil er bei einem antisemitischen Vorfall aus der Straßenbahn geschubst wurde. Das ist unser Witz in der Familie, aber der Vorfall ist echt.

Er hat in der Armee sehr lange Zeit mit einer Waffe unter dem Kopfkissen geschlafen und ganze Nächte auf seinem Koffer verbracht, in der Erwartung, abgeholt zu werden. Wir tragen die Geschichte von regelmäßigen Überfällen und das Trauma in uns.

Sharon Adler: Mit welchen Hoffnungen seid ihr nach Deutschland gekommen?

Marina Weisband: Mein Großvater wollte überleben, mein Vater wollte besser leben. Er war in der Sowjetunion Programmierer und ihm waren als Jude viele Tore verschlossen. Er hatte gehofft, man könnte in Deutschland einfach nur Mensch sein. Er wollte als Programmierer geschätzt werden und für die Fachexpertise, die er hatte. Das war seine Hoffnung.

Mein Großvater ist leider sehr traurig gealtert und gestorben. Er wurde 98 Jahre alt. Er, der Deutschland von den Faschisten erobert hat, war Kommandierender der Roten Armee über Magdeburg und lebte am Ende seines Lebens in einer Dortmunder Sozialwohnung. Im Land der Feinde, die er besiegt hatte, musste er lernen, wie man Müll trennt und Sozialhilfeanträge schreibt und ist darüber psychisch sehr instabil geworden.

Für meine Mutter war der Grund für die Migration nach Deutschland in erster Linie nur mein Überleben. Sie wollte eigentlich nicht mitgehen. Sie wollte bleiben. Sie hatte Freunde, Familie … man verlässt nicht so einfach sein Land. Das war kein einfacher Schritt. Das ist ja auch der andere Aspekt, aber die deutsche Mehrheitsgesellschaft malt sich das so einfach aus. Dann heißt es, "die kommen hier einfach so rüber", aber was es bedeutet, alles zurücklassen zu müssen in der Hoffnung auf ein besseres Leben, kann sie sich nicht vorstellen.

Sharon Adler: Deine Mutter wollte dir in Deutschland vor allem eine bessere medizinische Versorgung ermöglichen, denn du warst schwer krank…

Marina Weisband: …Ja, ich lag effektiv im Sterben. Ich war, was man heute austherapiert nennt. Die Ärzte haben nur gesagt, "da kann man nichts machen, sie ist halt ein Tschernobyl-Kind." Im Prinzip haben sie sämtliche Versuche, mir zu helfen, dann auch eingestellt und meiner Mutter geraten, mit mir in den Westen zu gehen, da könne man mir vielleicht noch helfen. Ich habe große Teile meiner Kindheit im Bett und im Krankenhaus verbracht. Bücher und Zeichenpapier waren meine einzige Ablenkung. Entsprechend früh musste ich lernen, selbst zu lesen.

Die ersten Jahre in Deutschland

Sharon Adler: Als du in Deutschland in die erste Klasse kamst, konntest du schon Russisch lesen, sprachst aber noch kein Wort Deutsch. Wie war diese erste Zeit für dich?

Marina Weisband: Wir sind mit nur einem Koffer in einer Notunterkunft für Familien in Dortmund gelandet. Von dort aus wurde man verteilt. Wir kamen nach Wuppertal. Es war schwierig. Aber für Kinder ist es immer leichter. Für mich war es am Anfang leichter als für meine Mutter. Für mich kam das Schwere erst ein klein wenig später.

Ich kam nur ein paar Monate nach unserer Ankunft in die Schule, in die erste Klasse, und hatte natürlich Angst vor meinem ersten Schultag. Als ich meine Mutter fragte, was ich machen soll, wenn die Lehrerin etwas zu mir sagt, was ich nicht verstehe, meinte sie nur: Mach einfach das, was alle anderen auch tun. Ich habe ihre Verzweiflung in diesem Moment auch erst sehr viel später verstanden – jetzt, wo ich ein eigenes Kind habe und mir vorstelle, ich müsste sie ganz alleine, in einem fremden Land, wo sie kein Wort versteht, zur Schule schicken.

Für mich wurde es schwierig, als ich angefangen habe, diese verschiedenen Erwartungswelten zu erleben. Das kam erst mit der Sprache. Und ich habe gemerkt, dass ich in der Schule für Dinge bestraft werde, die zuhause gut und richtig sind, und zuhause werde ich für Dinge bestraft, die in der Schule gut und richtig sind. Ich war mit zwei verschiedenen Werte- oder Normensystemen konfrontiert, die füreinander kein Verständnis hatten. Ich habe mir zwei Rollen, zwei Verhaltensmuster zugelegt, zwei Persönlichkeiten, die ich buchstäblich auf dem Schulweg gewechselt habe. Eine Schulpersönlichkeit und eine Zuhause-Persönlichkeit. Ich habe sehr früh gelernt, zu unterscheiden und sehr genau zu spüren, was man von mir erwartet und mich diesen Erwartungen anzupassen.

Sharon Adler: Hat dir das auch später in deinem Berufsleben geholfen, eine Art Brückenbauerin zu sein?

Marina Weisband: So wie ich für meine Mutter schon immer Elternsprechtage übersetzt habe, habe ich mir dieses Übersetzen zwischen Sprachen und Wertesystemen zu Eigen gemacht. Und das ist tatsächlich etwas, das ich mir ein wenig zum Beruf gemacht habe. In ganz verschiedenen Zirkeln unterwegs sein und sie einander erklären.

Sharon Adler: Warst du das einzige jüdische Kind auf der Schule, war es ein Thema, dass du jüdisch bist?

Marina Weisband: In meiner Grundschule gab es noch ein anderes jüdisches Mädchen, das ein Jahr jünger war als ich. Sie kam aus einer tadschikischen Familie, mit der wir sehr eng befreundet waren. Wir Kinder haben nicht verstanden, was es bedeutet, jüdisch zu sein. Wir waren die einzigen Ausländerinnen an der Schule, und das war das viel Relevantere. Mein Judentum wurde erst später thematisiert, als wir mit der Schule die Gedenkstätte Bergen-Belsen besucht haben. Und da bin ich auch zusammengebrochen. Zum Glück war der Rabbiner, der uns dort durchgeführt hat, auch Arzt.

Erst da wurde meiner Klasse bewusst, dass es hier nicht nur um theoretische Menschen geht, die einen rein historischen Charakter haben, sondern dass es Juden gibt, die leben. Ich glaube, das war vorher nicht so klar. Aber mein Lehrer hatte genug Pietät, das nicht zum Gegenstand des Unterrichts zu machen.

Sharon Adler: Hattet ihr damals Kontakt zur Jüdischen Gemeinde?

Marina Weisband: Ja, hatten wir, wobei wir die Gemeinde eher als ein russisches Kulturzentrum gesehen haben. Die G'ttesdienste haben wir nicht besucht, aber kulturelle Veranstaltungen wie Theater und Feste. Die Gemeinde war immer der Ort, an dem meine Eltern ihre Freunde trafen, wo sie ihre Muttersprache sprechen und einfach sie selbst sein konnten. Ich hatte zu diesem Ort so wenig Bezug wie zu anderen Orten auch. Ich habe die Gemeinde früher als russische Gemeinde verstanden.

Sharon Adler: Wie und wann hast du deine eigene Jüdischkeit entdeckt und welche Reaktionen gab es darauf?

Marina Weisband: Erste Reaktionen auf mein Judentum erfuhr ich erst, als ich es offen gelebt habe. Und offen gelebt habe ich es erst, als ich von zuhause weg bin. Ich war 17, habe angefangen zu studieren, bin nach Münster gegangen und hier auch zur Gemeinde gegangen. Und zwar nicht als Mitschleppsel, sondern weil ich meine eigene Jüdischkeit erkundet habe.

In dem Alter habe ich angefangen, an G'tt zu glauben und mich selbst aktiv als Jüdin zu identifizieren. Ich habe angefangen, G'ttesdienste zu besuchen und zu lernen. Ab da habe ich natürlich auch Reaktionen von meinen Kommilitonen bekommen, wie: "Du bist die erste Jüdin, der ich begegne!" Das hatte etwas Exotisierendes und war immer mit einer Spur von Beklemmung verbunden. Von Mitleid. Richtigen Antisemitismus aber erfuhr ich erst, als ich in der Öffentlichkeit stand und politische Geschäftsführerin der Piratenpartei war.

Die Piratenpartei hat (k)ein Antisemitismus-Problem

Sharon Adler: 2011 hast du in einem Interview gegenüber der Jüdischen Allgemeinen Wochenzeitung gesagt: "Die Piratenpartei hat kein Antisemitismus-Problem, das wäre mir schnell aufgefallen." 2012 hast du an deine Parteikolleg:innen appelliert, sich schärfer gegen antisemitische und rassistische Mitglieder zu stellen. Wie war das – mit dem Antisemitismus in der Piratenpartei und mit dem Antisemitismus, den du als öffentliche Person erfahren hast? Hast du dabei Solidarität oder Empathie oder Ablehnung und Gleichgültigkeit erlebt?

Die Politische Geschäftsführerin der Piraten-Bundespartei, Marina Weisband, beim Wahlkampfauftakt der Piraten-Partei vor den Landtagswahlen in Schleswig-Holstein 2012. (© picture-alliance, dpa | Carsten Rehder)

Marina Weisband: Ich selbst habe in der Piratenpartei oder aus der Piratenpartei heraus keinen Antisemitismus erfahren. Der Antisemitismus, den es in der Piratenpartei gab, richtete sich gegen Juden im Allgemeinen. Schließlich ist ja auch niemand herumgelaufen und hat "Tod allen deutschen Juden" gefordert. Hier muss man zwei Dinge unterscheiden: Als Jüdin bekommt man in Deutschland extrem viel verbalen Zuspruch, wenn man sich gegen Antisemitismus ausspricht. Den habe ich in der Piratenpartei auch bekommen. Ich erfuhr viel Solidarität, Empathie und Verständnis, und niemand von den Parteimitgliedern hat darüber gemeckert, dass ich mich gegen Antisemitismus einsetze.

Der Unterschied ist immer, glaube ich, wie sehr man bereit ist, verbal zuzustimmen, dass Antisemitismus schlecht ist, und wie sehr man bereit ist, in der konkreten Situation tatsächlich etwas zu tun und zu kritisieren.

Auf Israel bezogener Antisemitismus

Marina Weisband: Die Antisemiten, die in der Piratenpartei waren, die aber zum Glück in parteiinternen Debatten kritisiert wurden, und das waren natürlich Einzelne, hatten hauptsächlich auf Israel bezogene Antisemitismen. Bei offenkundigem Antisemitismus gab es klare Kritik. Wo es aber ein großes Rumhangeln oder Wegsehen gab, war beim Thema Meinungsfreiheit. Ganz viele Mitglieder der Piratenpartei vertraten die Meinungsfreiheit um der Meinungsfreiheit willen.

Sharon Adler: Wie bist du persönlich damit umgegangen, dass bei den Piraten ehemalige NPD-Mitglieder aktiv waren? War der Antisemitismus bei den Piraten der logische Grund dafür, dass du nicht mehr kandidiert hast? In der (nichtjüdischen) Presse wurde das nicht thematisiert, da hieß es, du wolltest deine Diplomarbeit über Wertvorstellungen ukrainischer Kinder fertigstellen.

Marina Weisband: Ich habe immer dagegen gewettert, aber es war sehr schwer, diese entsprechenden Mitglieder mit einem Parteiausschlussverfahren aus der Partei zu werfen. Das hängt mit dem Parteiengesetz zusammen. Zuerst ist es wegen formaler Fehler nicht geglückt, aber wir haben es schließlich geschafft. Ich glaube, die SPD kann mit Thilo Sarrazin ein Lied davon singen.

Aber es ist schon so, dass ich die Piratenpartei dafür sehr stark kritisiert habe und schließlich auch ausgetreten bin, weil sie im Kern dieser Frage apolitisch war. Der Grund, warum ich nicht mehr kandidiert habe, war aber auch, dass ich nach einem Jahr ehrenamtlicher Arbeit nicht mehr konnte. Ich lebte die ganze Zeit von BAföG und war gesundheitlich, finanziell und lebensplanerisch am Ende.

Sharon Adler: Wie kam es überhaupt dazu, dass du dich politisch engagiert hast?

Marina Weisband, Januar 2022 (© Sharon Adler/PIXELMEER, 2022)

Marina Weisband: Ich war absolut apolitisch, bis ich 19 Jahre alt war. Ich wohnte als Kind in einer Straße, wo es nur Russen und Türken gab, und aus dem Fernsehen kannte ich nur diese Männer in Krawatten und Anzügen, die Politik gemacht haben. Das war eine Welt, die so fremd, so entfernt von meiner Welt war, dass ich mir nicht mal die Frage gestellt habe, ob Politik etwas ist, was mich möglicherweise betreffen könnte. Bis mich meine Regisseurin – ich war zu der Zeit am Theater – eines Sonntags aufgefordert hat, zur Wahl zu gehen. "Das ist wichtig, das ist Bürgerpflicht." Da hatte ich schon die deutsche Staatsangehörigkeit.

Ich hatte einen roten Teppich erwartet und Security, aber es war ein prosaisches Schulgebäude, wo Urnen mit einfachen Zetteln standen. Ich fand alles so unzeremoniell, und gleichzeitig fand ich es so krass, dass ich in dieses Land kam und einfach das Parlament mitbestimmen durfte. Und dass niemand meine Gesinnung geprüft hat, dass niemand mich gefragt hat, was meine Ansichten sind. Ich fühlte mich so geflasht von dieser Verantwortung, die mir übertragen wurde, dass ich gedacht habe, dem muss ich gerecht werden. Ich bin am selben Tag in die Piratenpartei eingetreten, denn ich hatte mir mal mit meinem Freund die Werbespots zur Europawahl 2009 angeschaut und fand die Piraten am sympathischsten. Das war der Anfang. Und dann hat es mich in die Politik hineingezogen. Ich habe das nie bewusst gewählt.

Sharon Adler: Während Du bei den Piraten aktiv warst, hast du Psychologie studiert. War das damals mit ein Grund dafür, dich politisch zu engagieren und zu positionieren?

Marina Weisband: Ursprünglich wollte ich Lehrerin werden, habe aber dann gemerkt, dass ich das in diesem Schulsystem nicht sein kann. Ich würde dort eingehen, wenn ich keine Möglichkeit habe, das zu machen, was ich als sinnvollen Unterricht betrachten würde. Deshalb habe ich beschlossen, Psychologie zu studieren und danach zu gucken, welche innovativen Lehrkonzepte ich entwickeln kann, damit Schulen insgesamt besser werden.

Während des Studiums stellte ich fest, dass es schon bessere Lehrkonzepte gibt, und dass die Psycholog*innen schon seit vielen Jahren wissen, wie es besser ginge. Das war alles bekannt, aber es wird nicht umgesetzt. Also habe ich danach geguckt, wo das politisch schon umgesetzt wird und kam dann über die Politik in die Bildung. Da musste ich feststellen, dass sich politisch auch nicht viel verändern lässt, weil Ministerien einfach nur auf Selbsterhalt aus sind, und Veränderung in diesem System nicht belohnt wird. Also habe ich damit angefangen, das Projekt "aula" zu machen.

Sharon Adler: Inwieweit flossen dabei und während deines Psychologiestudiums deine individuellen Migrationserfahrungen und deine Forschungen auch in dein politisches Engagement ein?

Marina Weisband: Sehr, weil ich eine Perspektive einnehme, die nur halb innerdeutsch ist. Sie ist immer halb von außen. Sie relativiert vieles, was sehr wichtig ist oder unausweichlich oder alternativlos erscheint. Ich kann, glaube ich, dadurch diese größere Perspektive einnehmen, weil ich nicht nur aus einem anderen Land komme und auch weiterhin Verbindungen in dieses Land pflege, sondern auch dadurch, dass ich hier in diesem Land eine Piratenpartei mitbegründet habe. Und mit "Liquid Democracy" versucht habe, Basisdemokratie einzuführen, und versucht habe, politische Bildung zu betreiben. Ich weiß, wie verschieden die Voraussetzungen für diese Unternehmungen in den verschiedenen Ländern waren. Das andere ist, dass ich die Perspektive von Menschen verstehe, die marginalisiert sind. Ich glaube, das ist ein sehr wichtiger Faktor, weil ich einfach sehe, wie Politiker*innen die halbe Nacht im Bundestag darüber diskutieren, ob man jetzt den Hartz-IV-Satz um fünf Euro erhöhen soll. Ich komme aus einem Hintergrund, aus dem heraus ich verstehe, was das bedeutet, und wie sich das in Lebensrealitäten übersetzt. Und was eigentlich die notwendigen Maßnahmen wären. Ich glaube, dass für finanziell schlechter gestellte Menschen Vieles nicht getan wird, weil im Bundestag niemand sitzt, der diese Lebensrealität kennt.

Insofern hilft es mir enorm, weil in vielfältiger Weise auch die Erfahrung komplett den Normrahmen gewechselt hat. Das ist das eigentlich Traumatische daran. Diese Erfahrung, den Normrahmen zu wechseln und gleichsam die Erfahrung, dass Normen sich ändern können. Dass nicht alles in Stein gemeißelt ist, kann auch was Positives sein.

Jubiläumsfeiern "1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland" versus Antisemitismus und Altersarmut von jüdischen Einwander:innen aus der ehemaligen UdSSR

Sharon Adler: In Deutschland gab es mit Jeanette Wolff (SPD) nach der Shoah die erste jüdische Politikerin. Hast du es in deinen politischen Aktivitäten, als Mitglied und als Vorsitzende der Piratenpartei und heute in deiner Funktion als Politikberaterin in den Themenbereichen Digitalisierung und Bildung bei Bündnis 90/Die Grünen auch als eine Aufgabe angesehen, auf Belange der jüdischen Gemeinschaft aufmerksam zu machen, und Themen wie Antisemitismusbekämpfung, Hate Speech speziell an Schulen oder Cyber-Sicherheit voranzubringen?

Marina Weisband: Ich vertrete die radikale Ansicht, dass Politik, die gut für Juden ist, gut für alle ist. Natürlich setze ich mich gegen Antisemitismus ein. Das habe ich nicht als Thema gewählt, sondern das bringt meine Lebensgeschichte einfach mit sich. Aber ich setze mich nicht nur gegen Antisemitismus ein, um Juden zu schützen, ich setze mich gegen Antisemitismus ein, um die Demokratie zu schützen. Um meine Mitmenschen zu schützen. Antisemitismus ist ein tiefes Gift. Antisemitismus ist anders als Rassismus. Antisemitismus ist immer die Erzählung, dass jemand von außen die Geschicke der Welt kontrolliert.

Das ist nicht nur extrem gefährlich und wird gerade von Tag zu Tag immer gefährlicher, sondern es ist auch deshalb gefährlich für eine Demokratie, weil es die radikale Aufgabe von Selbstverantwortung ist. Deshalb benutzen Diktatoren Antisemitismus als Werkzeug. Weil sie damit die Menschen entmündigen können, indem sie behaupten, dass da jemand ist, der andere kontrolliert. Das ist das antisemitische Narrativ. Egal, ob ich mich gegen Antisemitismus einsetze oder gegen Cyber-Bullying oder für ein freies Netz oder für Sicherheit, es ist immer ein Engagement für Jüdinnen und Juden. Das ist meine Lebensrealität. Ich verstehe die Notwendigkeit dessen, ich sehe sie, und bin unmittelbar selbst betroffen. Es ist immer auch der Einsatz für eine bessere Gesellschaft. Diese Belange widersprechen sich nicht. Deswegen sagt man ja auch nicht umsonst, wenn Juden beginnen, ein Land zu verlassen, dann sollte man sich dringend umgucken. Dann läuft irgendwas sehr, sehr schief.

Sharon Adler: Bis heute werden jüdische Einwander:innen aus der ehemaligen Sowjetunion im Rentenrecht benachteiligt und steuern in die Altersarmut. Welche Möglichkeiten siehst du, das Thema verstärkt auf die politische Agenda zu setzen?

Marina Weisband: Ich werde ganz ehrlich sein: Ich bin keine Expertin in den einzelnen Regelungen. Ich könnte gerade nicht konkret sagen, dass ich einen Aktionsplan hätte, um das Thema auf die Agenda zu setzen. Ich sehe zwar, dass in den letzten Jahren sehr viel passiert ist, beispielsweise allein in der Berufsanerkennung, aber das reicht nicht. Das betrifft auch meine eigene Mutter. Ihr Diplom wurde nicht anerkannt. Sie sieht jetzt der Altersarmut entgegen. So wie die meisten. Es ist wichtig, dass wir uns als Gesellschaft fragen, warum wir soziale Gerechtigkeit wollen. Und auch ein reges jüdisches Leben kann nicht ohne jüdische Teilhabe stattfinden. Und jüdische Teilhabe kann nicht ohne ein Auskommen stattfinden. Teilhabe wird von nichts so sehr beschnitten wie durch Armut. Es geht nicht an, als Staat Juden einerseits einzuladen, um sich mit Juden, die hier leben, zu schmücken, und sie andererseits an die Ränder der Gesellschaft zu schieben.

aula: Engagement für Jugendliche mittels Online-Plattform und didaktischer Begleitung

Sharon Adler: Seit 2014 leitest du hauptberuflich das Schüler:innenbeteiligungsprojekt "aula", das auf deine Initiative hin gegründet wurde. Was war und ist dein Anliegen, was willst du, was kann aula bewirken?

Marina Weisband: Ich habe erstmal ganz viel darüber gelernt, wie Kinder lernen, und war drauf und dran, die bessere Schule zu entwickeln. Während meiner Zeit in der Politik haben die Leute mich für alles verantwortlich gemacht. Dass Deutschland noch nicht aus der Atomkraft ausgetreten war, dass wir den Krieg in Afghanistan hatten, und dass man so wenig Rente kriegt. Das alles, weil ich zu "denen da oben" gehörte. Und diese Trennung zwischen "ihr da oben und wir hier unten" hat mich immer fertig gemacht, weil das die Antithese von Demokratie ist. Also habe ich mich gefragt, wie wir es schaffen, demokratischer zu werden. Als die am besten informierte Generation, die über das Internet ihre eigene Stimme hat. Bei der Frage danach, wie wir es schaffen, das als Werkzeug zu nutzen und uns als Gemeinschaft zu begreifen, bin ich darauf gekommen, dass es notwendig ist, Selbstwirksamkeit zu lernen. Zu lernen, dass sich etwas in der Welt verändert, wenn ich etwas tue. Dass ich mich dafür mit anderen organisieren muss und Arbeit investieren muss, um Veränderungen zu schaffen. Wo und wann lernt man das am besten? Wenn man jung ist. Und es muss ein Ort sein, wo alle sind. Also nicht nur für die, die aus den besseren Familien kommen. Und das ist die Schule. Ich habe geguckt, wie man an der Schule Selbstwirksamkeit lernen kann und habe ein Konzept zu verbindlicher Beteiligung von Jugendlichen entworfen.

Das war das Projekt aula. Auf meine Anfrage hat mich die Bundeszentrale für politische Bildung mit politik-digital e.V. bekannt gemacht, bei denen ich bis heute arbeite. Ich mache das inzwischen schon sieben Jahre. aula ist ein innovatives Beteiligungskonzept, das Jugendlichen aktive Mitbestimmung im Alltag ermöglicht. Mithilfe einer Online-Plattform und didaktischer Begleitung fördert aula demokratische Praktiken und Kompetenzen.

Sharon Adler: Steht die Vermittlung von Bildung und Kompetenzen für dich auch in einer jüdischen Tradition?

Marina Weisband: Ja, sehr tief. Ich glaube, dass jüdische Kinder mit einer Dialektik aufwachsen, einer Kultur des Hinterfragens. Das ist ein extrem wichtiger Faktor, dass dieses kritische Denken schon früh gebildet wird. Ich glaube, das ist etwas, das gerne kulturell übertragen werden kann. Das frühe Aufwachsen mit Diskutieren, mit Kritischsein und den Fragen, ob etwas wirklich so sein muss. Was allerdings in den strengeren jüdischen Familien mit diesen patriarchalen Strukturen wiederum für die Demokratie oft nicht genug ausgeprägt ist, weshalb ich mich auch innerhalb des Judentums für einen Feminismus einsetze. Und auch hier in der Erziehungstradition, dass Kinder mehr mitbestimmen dürfen. Das ist aber überhaupt kein jüdisches Thema, sondern das ist ein Thema, das generell, überall – bei Juden und bei Nichtjuden – zu kurz kommt, dass Kinder nicht mitbestimmen und wenig entscheiden dürfen. Ich glaube, Verantwortung lernt nur, wer Verantwortung trägt.

Sharon Adler: Die Studie #UseTheNews des Leibniz-Instituts für Medienforschung und der Deutschen Presseagentur belegt, dass jeder/jede zweite Jugendliche und junge Erwachsene es nicht für wichtig erachtet, sich gezielt über aktuelle Ereignisse zu informieren. Wie kann es deiner Meinung nach gelingen, junge Menschen für antisemitische, rassistische und frauenverachtende Inhalte in digitalen Medien wie Instagram oder YouTube zu sensibilisieren und Hass und Hetze in den sozialen Medien zu bekämpfen?

Marina Weisband: Warum informieren sich Jugendliche nicht über aktuelle Ereignisse? Weil sie keinerlei Einfluss auf aktuelle Ereignisse haben. Das ist im Prinzip für sie verschwendete Zeit. Egal, was sie durch den Konsum von Medien lernen, sie können doch nichts ausrichten. Insofern kann es sogar ein sinnvoller Selbstschutz sein. Da will ich ein bisschen für Jugendliche um Verständnis werben. Wenn wir wollen, dass sie sich für aktuelle Debatten und Ereignisse interessieren, dann müssen wir ihnen in diesen Debatten und Ereignissen auch eine Stimme geben.

Das bedeutet, das Wahlalter zu senken, das bedeutet verbindliche Beteiligung am eigenen Umfeld, an der eigenen Schule, in der eigenen Kommune. Dann kann ich auch erwarten, dass sie sich informieren. Warum sollte ich mich informieren, nur um wieder und wieder meine eigene Hilflosigkeit zu erleben? Das ist das erste. Das zweite ist verwandt. Wie bekomme ich Jugendliche dazu, dass sie sich für eine bessere und gerechtere Gesellschaft einsetzen? Persönlich haben nichtjüdische Jugendliche erstmal nichts davon, wenn es weniger Antisemitismus gibt. Sie haben aber etwas davon, wenn ihre Gesellschaft eine bessere und gerechtere ist. Aber dafür müssen sie sich erstmal als aktiven Teil der Gesellschaft begreifen.

Und dafür müssen wir sie stärker teilhaben lassen. Das gilt im Übrigen genauso für Erwachsene. Die Hauptproblemgruppe von Fake News und Beleidigungen und Verschwörungstheorien ist die Generation 50plus. Die fühlt auch einen drohenden Bedeutungsverlust, und deshalb verschanzt sie sich in Facebook und schreibt dort Leute an, weil das den Dopaminspiegel hebt. Hier wäre tatsächlich eine verbindliche Beteiligung – ja, auch der schrecklichen Leute, die bei Facebook rumschreien – sinnvoll. Weil ich nur dann von Leuten erwarten kann, dass sie sich für eine bessere Gesellschaft einsetzen, wenn ich ihnen das Gefühl gebe, das ist ihre Gesellschaft.

"FragEinenJuden"

Sharon Adler: Seit dem 5.11.2020 betreibst du in deiner wenigen Freizeit gemeinsam mit Eliyah Havemann bei YouTube die Videoreihe "FragEinenJuden" ("ein humoristisches Video mit sehr ernstem Inhalt"). Du hast deine Follower über Twitter im Vorfeld gefragt, ob sie ein "paar Fragen zum Judentum" an dich haben. Zugeschickt wurden dir 450 Fragen! Warst du überrascht von der Resonanz? Welche Art Fragen sind euch begegnet?

Marina Weisband: Was mich überrascht hat, war die Fülle der Fragen. Und wie krass gut das angekommen ist. Wie unglaublich viel Reichweite es bekommen hat und wie positiv die Resonanz war. Ich habe versucht, das zu analysieren. Ich glaube, es liegt daran, dass, wenn Juden aus einer Fachexpertise über das Judentum schreiben, sie vieles als selbstverständlich voraussetzen oder aus ihrer Perspektive uninteressant finden. Und andersrum Leute einfach nicht auf die Idee kommen, loszugehen, und Juden etwas zu fragen. Das heißt, es gibt ein Disconnect zwischen den Informationen, die vorhanden sind, und den Informationen, die gewünscht werden.

"Frag einen Juden" beruht auf dem Konzept, auf alle Fragen zu antworten. Und auch wenn alle Fragen aus einer ähnlichen Perspektive gestellt werden, fallen die Antworten manchmal überraschend aus. Es kommen bis heute auch immer noch Fragen rein. Ich habe noch einen sechsten Teil mit Fragen von einer Schulklasse abgedreht. Teilweise sind Fragen dabei, die sich ein Akademiker vielleicht nicht zu stellen trauen würde, weil sie problematisch sind. Ich fand die Reihe sehr wichtig, weil mich überrascht hat, wie wenig Verständnis es dafür gibt, dass Juden nicht einfach als eine Religionsgemeinschaft wie Christen gesehen werden. Oder dass viele Leute die Existenz atheistischer Juden prinzipiell nicht verstehen oder nicht in Betracht ziehen.

Sharon Adler: Im Oktober 2021 erscheint die Reihe in erweiterter Form als Buch unter dem Titel "Frag uns doch. Eine Jüdin und ein Jude erzählen aus ihrem Leben" im Fischer Verlag. Worin besteht die Erweiterung und welche (neuen) Erkenntnisse hast du aus der Arbeit an diesem Buch gewonnen?

Marina Weisband: Ich habe sehr viel über das Judentum gelernt. Was wenig überraschend ist, weil das Thema extrem komplex und tief ist. Auch von Eliyah, der ganz andere Ansichten vertritt, aber auch eine andere Tradition, und einfach mit Israel, wo er mit seiner Familie lebt, ein anderes Lebensumfeld hat. Für das Buch habe ich vieles recherchiert. Weil es teilweise tiefergehende Fragen gab, die ich nicht so ad hoc beantworten konnte. Im Video konnten wir die noch ziemlich spontan aus unserer eigenen Kenntnis und Expertise beantworten.

Sharon Adler: Mit welchen Fragen hast Du Dich vertieft beschäftigt?

Marina Weisband: Erstens mit vielen religiösen Fragen, wie die Bedeutung einzelner Riten oder Gebote. Oder auch die Einstellung des Judentums zur Transsexualität. Im Buch haben wir durchaus den Anspruch, Judentum ein bisschen breiter abzubilden. Also nicht nur auf unsere Lebensrealität beschränkt, sondern auch zu diversen Meinungen oder Einstellungen. Im Buch werden wir uns nochmal stärker den schwierigen Themen widmen, die nicht in so kurzer Zeit zu beantworten sind, wie wir sie im Video hatten. Und wir werden auch immer auf aktuelle innerjüdische Debatten einsteigen.

Antisemitismus ‑ ein uraltes und weltweites Phänomen

Sharon Adler: In deinem Tweet "eine kurze Nachricht an meine Freunde von #allesschlichtmachen zum Thema Meinungsfreiheit" als Reaktion auf #allesdichtmachen kritisierst du unter anderem, dass die Videos Antisemit:innen in die Hände spielen: "(…) Ihr habt euch entschieden, Eure Kritik auf eine Weise zu äußern, die Antisemiten wie Attila Hildmann abfeiern und teilen.". Welche psychologischen Dimensionen im Kontext von Antisemitismus und dem vermeintlichen Verlust von Meinungsfreiheit sind deiner Meinung nach hier virulent bzw. treten hier deiner Meinung nach zutage?

Marina Weisband: Ich glaube, wir erleben hier Akteure – ich sage bewusst nicht "Gesellschaft", weil der Großteil der Gesellschaft ja vernünftig ist und sich solidarisch verhält –, die gekränkt sind. Gekränkt, weil ihre Freiheiten eingeschränkt werden und man das so nicht kennt. Gerade in der BRD war das Leben eigentlich in Ordnung. Und wenn man gekränkt ist, dann geht man an die tiefsten Wunden, die man hat. Die große Kränkung der Deutschen ist es, das Tätervolk zu sein. Eine Kränkung deswegen, weil sie meinen, dass sie nichts dafür können, weil sie danach geboren wurden und man ihre Geschichte dennoch mit diesen Verbrechen assoziiert. So ein bisschen im Geiste von: Man wird den Juden Auschwitz nie vergeben. Das ist die ultimative Opferrolle in Deutschland. Das hat psychologische Dimensionen.

Ich weiß nicht, ob man dem beikommen kann. Das muss auf einer politischen Ebene sanktioniert werden, aber eine Massentherapie ist eben keine politische Maßnahme.

Sharon Adler: Meinst du, das eine politische Maßnahme etwas bewirken könnte? Seit Beginn der Covid-19-Pandemie kursieren altbekannte antijüdische Verschwörungsmythen und Bagatellisierungen der Shoah haben Hochkonjunktur. Die Leugnung des Holocaust kann strafrechtlich verfolgt werden, doch welche Möglichkeiten gibt es, damit Menschen auf den sogenannten "Hygienedemos" der "Querdenker" bzw. "QAnon" nicht straffrei ausgehen, wenn sie einen Gelben Stern tragen?

Marina Weisband: Ich könnte es ertragen, wenn es "nur" der Gelbe Stern wäre. Es ist der Antisemitismus, den ich nicht ertragen kann. Und ich glaube, den bekommt man nicht per Gesetz weg. Ich glaube, was tatsächlich helfen kann, sind erstens, Bildungsmaßnahmen. Wir müssen bilden, auch Journalist*innen, und ihnen erklären, dass das Antisemitismus ist und warum. Warum es nicht einfach nur geschmacklos ist, sondern real. Ich glaube, die meisten würden zustimmen, dass der Gelbe Stern gar nicht geht und geschmacklos ist. Den Schritt, diese Verbindung kriegen die meisten Deutschen noch hin. Aber was sie nicht hinkriegen, ist zu verstehen, warum das Antisemitismus ist, und warum das gefährlich ist. Und das bedeutet Bildungsarbeit.

Und das Zweite ist einfach die journalistische Arbeit. Wir müssen erkennen, dass wir in einer Realität leben, in der man mit Provokation tatsächlich die gewünschten Ziele erreicht. Nämlich, dass man auf Bildern gezeigt wird, und dass man in Talkshows eingeladen wird. Die Gelben Sterne sieht man auch deswegen, weil die Bilder und die Plakate, die sie da hochhalten, verbreitet werden. Die, die Antisemitismus machen, werden mit Aufmerksamkeit belohnt. Man kann Menschen aber nur begrenzt ankreiden, dass sie ein Verhalten zeigen, für das sie belohnt werden. Das ist die normale menschliche Art. Wir sollten damit aufhören, diese Menschen mit Aufmerksamkeit zu belohnen. Das meint vor allem die Medienschaffenden, die hier meiner Meinung nach eine journalistische Verantwortung nicht wahrnehmen.

"Einfach nur Menschen sein." Die Rede am 27. Januar 2021 anlässlich des Internationalen Holocaust-Gedenktags im Bundestag als Vertreterin der dritten Generation nach der Shoah

Sharon Adler: In deiner Rede äußerst du die Hoffnung, dass es möglich sein kann, "in einer neuen Gesellschaft eine jüdische Kultur zu leben, die mit einer schlichten Selbstverständlichkeit behandelt wird. Und dann können wir tatsächlich einfach nur Menschen sein." Welche Selbstverständlichkeit würdest du dir wünschen?

Marina Weisband hält ihre Rede bei der Gedenkstunde des Deutschen Bundestags aus Anlass des Gedenkens an die Opfer des Holocaust. (© Deutscher Bundestag | Marco Urban)

Marina Weisband: Dass ich Jüdin bin, sollte eine Selbstverständlichkeit werden und nur mit einem freundlichen Schulterzucken zur Kenntnis genommen werden. Ich glaube, das setzt noch diverse Heilungsprozesse voraus, die sicherlich auch Arbeit der Mehrheitsgesellschaft erfordern. Aktuell machen Jüdinnen und Juden diese Arbeit. Ständig, jeden Tag. Aber es erfordert auch Arbeit von der Mehrheitsgesellschaft, doch die hat diese Arbeit nicht unbedingt nötig. Ich wünsche mir ein Normalsein, ohne unsichtbar zu sein. Es gibt in dieser Gesellschaft sehr viel unsichtbare Arbeit, die nicht gewürdigt wird.

Sichtbarkeit und Gedenken

Sharon Adler: In deiner Rede hast du auch gesagt: "Wir müssen einen Weg finden, das Gedenken der Shoah weiter zu tragen, ohne uns selbst zu einem lebendigen Mahnmal zu reduzieren." Vor dem Hintergrund, dass mehr und mehr Augenzeug:innen sterben: Wie könnte deiner Meinung nach in Zukunft eine würdige Erinnerungskultur gestaltet sein?

Marina Weisband: Ich habe versucht, in meiner Rede zu erklären, dass es keinen Schlussstrich geben kann, solange wir keinen ziehen können. Ganz real. Nicht, weil wir nicht vergeben können. Vergeben ist hier überhaupt keine relevante Kategorie, aber ich lebe mit einem Trauma, das ich vererbt bekommen habe. Ganz real. Das betrifft mein gesamtes Leben. Solange Menschen leben, können wir keinen Schlussstrich ziehen. Und dieses Erinnern ist wichtig, weil es Zukünftiges verhindern sollte. Vielleicht ist es auch instrumentell. Nicht einfach nur aus Respekt gegenüber den Toten. Sondern weil es auch instrumentell für die Lebenden ist. Und zwar nicht nur für die Juden.

Hier geht es zur Interner Link: Vita von Marina Weisband.

Zitierweise: "Marina Weisband: "Einfach nur Mensch sein"", Interview mit Marina Weisband, in: Deutschland Archiv, 29.7.2021, Link: www.bpb.de/337320

Weitere Inhalte

Marina Weisband wurde 1987 in der Ukraine geboren. Sie kam 1994 mit ihrer Familie als Kontingentflüchtling nach Deutschland. Von 2011 bis 2012 war die Diplom-Psychologin politische Geschäftsführerin der Piratenpartei Deutschland. Seit 2018 ist sie Mitglied von Bündnis 90/Die Grünen und engagiert sich dort in den Themenbereichen Digitalisierung und Bildung. In ihrem Buch "Wir nennen es Politik. Ideen für eine zeitgemäße Demokratie" (2013) schildert sie für Politikneueinsteiger:innen die Möglichkeiten neuer demokratischer Online-Beteiligungsformen. Im Herbst 2021 erscheint ihr neues Buch "Frag uns doch. Eine Jüdin und ein Jude erzählen aus ihrem Leben". Interner Link: Hier erfahren Sie mehr über Marina Weisband.

geboren 1962 in West-Berlin, ist Journalistin, Moderatorin und Fotografin. Im Jahr 2000 gründete sie das Online-Magazin und Informationsportal für Frauen AVIVA-Berlin, das sie noch heute herausgibt. Das Magazin hat es sich zur Aufgabe gemacht, Frauen in der Gesellschaft sichtbarer zu machen und über jüdisches Leben zu berichten. Sharon Adler hat verschiedenste Projekte zu jüdischem Leben in Deutschland für unterschiedliche Auftraggeber/-innen umgesetzt und auch selbst Projekte initiiert wie "Schalom Aleikum“, das sie zur besseren Verständigung von Jüdinnen und Muslima entwickelte. Nach dem Anschlag auf die Synagoge in Halle im Jahr 2019 initiierte sie das Interview- und Fotoprojekt "Jetzt erst recht. Stop Antisemitismus". Hier berichten Jüdinnen und Juden in Interviews über ihre Erfahrungen mit Antisemitismus in Deutschland. Seit 2013 engagiert sie sich ehrenamtlich als Vorstandsvorsitzende der Stiftung ZURÜCKGEBEN. Stiftung zur Förderung jüdischer Frauen in Kunst und Wissenschaft. Für das Deutschland Archiv der bpb betreut sie die Reihe "Jüdinnen in Deutschland nach 1945"