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Rebecca Seidler: "Im Judentum steht die Tat im Vordergrund“

Deutschland Archiv Neu im DA Schwerpunkte Zeitenwende? Der Ukrainekrieg und die Folgen. 34 Analysen & Essays. „Russland wird sich nach Putin ändern“ Die be(un)ruhigende Alltäglichkeit des Totalitären Vergessene Bomben aus Deutschland Putins Mimikry Schon einmal Vernichtungskrieg Verhandeln, aber wie? Das sterbende russländische Imperium und sein deutscher Helfer Was lief schief seit dem Ende des Kalten Krieges? „Sie haben die Zukunft zerbrochen“ Vertreibung ist auch eine Waffe "Wie ich Putin traf und er mich das Fürchten lehrte" "Wir bewundern sie und sie verschwinden" Mehr Willkommensklassen! Hoffen auf einen russischen „Nürnberger Prozess“ Russische Kriegskontinuitäten Wurzeln einer unabhängigen Ukraine Der erschütterte Fortschritts-Optimismus Die Hoffnung auf eine gesamteuropäische Friedens- und Sicherheitsarchitektur nicht aufgeben Transformation und Deutsche Einheit Geheimdienste, „Zürcher Modell“ und „Länderspiel“ 50 Jahre Grundlagenvertrag Drei Kanzler und die DDR Populismus in Ost und West Akzeptanz der repräsentativen Demokratie in Ostdeutschland Zusammen in Feindseligkeit? Neuauflage "(Ost)Deutschlands Weg" Ostdeutsche Frakturen Geschichtspolitik von oben? Anpassungsprozess der ostdeutschen Landwirtschaft Daniela Dahn: TAMTAM und TABU Wege, die wir gingen „Der Ort, aus dem ich komme, heißt Dunkeldeutschland” Unternehmerischer Habitus von Ostdeutschen Teuer erkauftes Alltagswissen Trotz allem im Zeitplan Revolution ohne souveränen historischen Träger Mehr Frauenrechte und Parität Lange Geschichte der „Wende“ Eine Generation nach der ersten freien Volkskammerwahl Unter ostdeutschen Dächern Die de Maizières: Arbeit für die Einheit Schulzeit während der „Wende” Deutschland – Namibia Im Gespräch: Bahr und Ensikat Gorbatschows Friedliche Revolution "Der Schlüssel lag bei uns" "Vereinigungsbedingte Inventur" "Es gab kein Drehbuch" "Mensch sein, Mensch bleiben" Antrag auf Staatsferne Alt im Westen - Neu im Osten Die Deutsche Zweiheit „Ein echtes Arbeitsparlament“ Corona zeigt gesellschaftliche Schwächen Widersprüchliche Vereinigungsbilanz Schule der Demokratie Warten auf das Abschlusszeugnis Brief an meine Enkel Putins Dienstausweis im Stasi-Archiv Preis der Einheit Glücksstunde mit Makeln Emotional aufgeladenes Parlament Geht alle Macht vom Volke aus? Deutschland einig Vaterland 2:2 gegen den Bundestag "Nicht förderungswürdig" Demokratie offen halten Standpunkte bewahren - trotz Brüchen Die ostdeutsche Erfahrung Kaum Posten für den Osten Braune Wurzeln Wer beherrscht den Osten „Nicht mehr mitspielen zu dürfen, ist hart.“ Ein Ost-West-Dialog in Briefen Stadtumbau Ost Ostdeutschland bei der Regierungsbildung 2017 Die neue Zweiklassengesellschaft DDR-Eishockey im Wiedervereinigungsprozess Die SPD (West) und die deutsche Einheit Die Runden Tische 1989/90 in der DDR Die Wandlung der VdgB zum Bauernverband 1990 Transatlantische Medienperspektiven auf die Treuhandanstalt Transformation ostdeutscher Genossenschaftsbanken Demografische Entwicklung in Deutschland seit 1990 Parteien und Parteienwettbewerb in West- und Ostdeutschland Hertha BSC und der 1. FC Union vor und nach 1990 25 Jahre nach der Wiedervereinigung Ostdeutsches Industriedesign im Transformationsprozess Wende und Vereinigung im deutschen Radsport Wende und Vereinigung im deutschen Radsport (II) Kuratorium für einen demokratisch verfassten Bund deutscher Länder Europäische Union als Voraussetzung für deutschen Gesamtstaat Welche Zukunft braucht Deutschlands Zukunftszentrum? Ein Plädoyer. Erinnern, Gedenken, Aufarbeiten Krieg der Lügner Kalter und heißer Krieg. Wie beenden? „Ihr Völker der Welt“ „Hat Putin Kinder?“, fragt meine Tochter Wolf Biermann über Putin: Am ersten Tag des Dritten Weltkrieges Der Philosoph hinter Putin „Putin verwandelt alles in Scheiße“ Das Verhängnis des Imperiums in den Köpfen Ilse Spittmann-Rühle ist gestorben Was bedeutet die Liquidierung von Teilen Memorials? Rückfall Russlands in finsterste Zeiten Memorial - Diffamiert als "ausländische Agenten" Die Verteidigung des Erinnerns Russlands Attacken auf "Memorial" Der Fall Schalck-Golodkowski Ende des NSU vor zehn Jahren 7. Oktober 1989 als Schlüsseltag der Friedlichen Revolution Die Geschichte von "Kennzeichen D" Nachruf auf Reinhard Schult Leningrad: "Niemand ist vergessen" Verfolgung von Sinti und Roma Zuchthausaufarbeitung in der DDR - Cottbus Sowjetische Sonderhaftanstalten Tage der Ohnmacht "Emotionale Schockerlebnisse" Ein Neonazi aus der DDR Akten als Problem? Eine Behörde tritt ab Ostberlin und Chinas "Großer Sprung nach vorn" Matthias Domaschk - das abrupte Ende eines ungelebten Lebens Ein Wettbewerb für SchülerInnenzeitungen Totenschädel in Gotha Bürgerkomitees: Vom Aktionsbündnis zum Aufarbeitungsverein Westliche Leiharbeiter in der DDR Hohenzollern und Demokratie nach 1918 (I) Hohenzollern und Demokratie nach 1918 (II) Auf dem Weg zu einem freien Belarus? Erstes deutsch-deutsches Gipfeltreffen im Visier des BND Neue Ostpolitik und der Moskauer Vertrag Grenze der Volksrepublik Bulgarien Die Logistik der Repression Schwarzenberg-Mythos Verschwundene Parteifinanzen China, die Berlin- und die Deutschlandfrage 8. Mai – ein deutscher Feiertag? China und die DDR in den 1980ern 1989 und sein Stellenwert in der europäischen Erinnerung Stasi-Ende Die ungewisse Republik Spuren und Lehren des Kalten Kriegs Einheitsrhetorik und Teilungspolitik Schweigen brechen - Straftaten aufklären Welche Zukunft hat die DDR-Geschichte? Die Deutschen und der 8. Mai 1945 Jehovas Zeugen und die DDR-Erinnerungspolitik Generation 1989 und deutsch-deutsche Vergangenheit Reformationsjubiläen während deutscher Teilung 25 Jahre Stasi-Unterlagen-Gesetz Kirchliche Vergangenheitspolitik in der Nachkriegszeit Zwischenbilanz Aufarbeitung der DDR-Heimerziehung Der Umgang mit politischen Denkmälern der DDR Richard von Weizsäckers Rede zum Kriegsende 1985 Die Sowjetunion nach Holocaust und Krieg Nationale Mahn- und Gedenkstätten der DDR Behörde des Bundesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen Die Entmilitarisierung des Kriegstotengedenkens in der SBZ Heldenkult, Opfermythos und Aussöhnung Ausgebombt! Eine Zeitreise ins kriegszerstörte Berlin Durchhalteparolen und Falschinformationen aus Peking Buchenwald und seine fragwürdige Nachgeschichte Grenzsicherung nach dem Mauerbau 1989/90 - Friedliche Revolution und Deutsche Einheit Mythos Montagsdemonstration Ossi? Wessi? Geht's noch? Es gibt keine wirkliche Ostdebatte Die. Wir. Ossi. Wessi? Wie man zum Ossi wird - Nachwendekinder zwischen Klischee und Stillschweigen 2 plus 4: "Ihr könnt mitmachen, aber nichts ändern“ Blick zurück nach vorn Wem gehört die Revolution? Die erste und letzte freie DDR-Volkskammerwahl Mythos 1989 Joseph Beuys über die DDR Der 9. Oktober 1989 in Leipzig Egon Krenz über den 9. November Die deutsche Regierung beschleunigt zu stark Projekte für ein Freiheits- und Einheitsdenkmal in Berlin und Leipzig Deutsch-deutsche Begegnungen. Die Städtepartnerschaften am Tag der Deutschen Einheit Mit Abstand betrachtet - Erinnerungen, Fragen, Thesen. Die frohe Botschaft des Widerstands Mauerfall mit Migrationshintergrund "Wer kann das, alltäglich ein Held sein?" "Es geht um Selbstbefreiung und Selbstdemokratisierung" Kann man den Deutschen vertrauen? Ein Rückblick nach einem Vierteljahrhundert deutscher Einheit Von der (eigenen) Geschichte eingeholt? Berlin – geteilte Stadt & Mauerfall Berliner Polizei-Einheit Die Mauer. 1961 bis 2021 The Wall: 1961-2021 - Part One The Wall: 1961-2021 - Part Two "Es geht nicht einfach um die Frage, ob Fußball gespielt wird" Mauerbau und Alltag in Westberlin Der Teilung auf der Spur The Games at the Gate Der Mauerfall aus vielen Perspektiven Video der Maueröffnung am 9. November 1989 Die Mauer fiel nicht am 9. November Mauersturz statt Mauerfall Heimliche Mauerfotos von Ost-Berlin aus Ost-West-Kindheiten "Niemand hat die Absicht, die Menschenwürde anzutasten" Berlinförderung und Sozialer Wohnungsbau in der „Inselstadt“ Wie stellt der Klassenfeind die preußische Geschichte aus? Flughafen Tempelhof Die Bundeshilfe für West-Berlin Christliche Gemeinschaft im geteilten Berlin Amerikanische Militärpräsenz in West-Berlin Das Stadtjubiläum von 1987 in Ost- und West-Berlin Bericht zum Workshop "Das doppelte Stadtjubiläum" Das untergegangene West-Berlin Interview: „Der Zoo der Anderen“ Un-Rechts-Staat DDR Bedrohter Alltag Unrecht, Recht und Gerechtigkeit - eine Bilanz von Gerd Poppe Der Geschlossene Jugendwerkhof Torgau – eine "Totale Institution" Stasi-Hafterfahrungen: Selbstvergewisserung und Renitenz Kritik und Replik: Suizide bei den Grenztruppen und im Wehrdienst der DDR Suizide bei den Grenztruppen der DDR. Eine Replik auf Udo Grashoff Die Todesopfer des DDR-Grenzregimes, ihre Aufarbeitung und die Erinnerungskultur Die Freiheit ist mir lieber als mein Leben „Nicht nur Heldengeschichten beschreiben“ Wer war Opfer des DDR-Grenzregimes? Todesopfer des DDR-Grenzregimes - Eine Recherche Todesopfer des DDR-Grenzregimes - Eine andere Sicht "Begriffliche Unklarheiten" Die Reichsbahn und der Strafvollzug in der DDR "Schicksale nicht Begriffe" Mauerbau und Machtelite Zwangseingewiesene Mädchen und Frauen in Venerologischen Einrichtungen Stasi-Razzia in der Umweltbibliothek Politisch inhaftierte Frauen in der DDR Ein widerständiges Leben: Heinz Brandt Über den Zaun und zurück – Flucht und Rückkehr von Dietmar Mann Die politische Justiz und die Anwälte in der Arä Honecker Geraubte Kindheit – Jugendhilfe in der DDR Haftarbeit im VEB Pentacon Dresden – eine Fallstudie Zwischen Kontrolle und Willkür – Der Strafvollzug in der DDR Suizide in Haftanstalten: Legenden und Fakten Die arbeitsrechtlichen Konsequenzen in der DDR bei Stellung eines Ausreiseantrages Das Scheitern der Jugendhilfe in der DDR - ein Beispiel Max Fechner – Opfer oder Täter der Justiz der Deutschen Demokratischen Republik? Die "Auskunftspersonen" der Stasi – Der Fall Saalfeld Geschlossene Venerologische Stationen und das MfS Jugendhilfe und Heimerziehung in der DDR Fraenkels "Doppelstaat" und die Aufarbeitung des SED-Unrechts Alltag und Gesellschaft Das religiöse Feld in Ostdeutschland Repräsentation Ostdeutschlands nach Wahl 2021 Die Transformation der DDR-Presse 1989/90 Das Elitendilemma im Osten "Affirmative Action" im Osten Ostdeutsche in den Eliten als Problem und Aufgabe Ostdeutsche Eliten und die Friedliche Revolution in der Diskussion Die Bundestagswahl 2021 in Ostdeutschland Deutsch-deutsche Umweltverhandlungen 1970–1990 Der Plan einer Rentnerkartei in der DDR "Es ist an der Zeit, zwei deutsche Mannschaften zu bilden" Deutsch-ausländische Ehen in der Bundesrepublik Verhandelte Grenzüberschreitungen Verpasste Chancen in der Umweltpolitik Der dritte Weg aus der DDR: Heirat ins Ausland Und nach Corona? Ein Laboratorium für Demokratie! Nichtehelichkeit in der späten DDR und in Ostdeutschland 30 Jahre später – der andere Bruch: Corona Mama, darf ich das Deutschlandlied singen Mit der Verfassung gegen Antisemitismus? Epidemien in der DDR Homosexuelle in DDR-Volksarmee und Staatssicherheit „Die DDR als Zankapfel in Forschung und Politik" Die Debatte über die Asiatische Grippe Coronavirus - Geschichte im Ausnahmezustand Werdegänge Familien behinderter Kinder in BRD und DDR Vom Mauerblümchen zum Fußball-Leuchtturm DDR-Alltag im Trickfilm Die alternative Modeszene der DDR Nachrichtendienste in Deutschland. Teil II Nachrichtendienste in Deutschland. Teil I Die Jagd gehört dem Volke Homosexuelle und die Bundesrepublik Deutschland Honeckers Jagdfieber zahlte die Bevölkerung Sicherheitspolitik beider deutscher Staaten von 1949 bis 1956 Frauen im geteilten Deutschland Ostdeutsche Identität Patriotismus der Friedensbewegung und die politische Rechte Rechte Gewalt in Ost und West Wochenkrippen und Kinderwochenheime in der DDR Urlaubsträume und Reiseziele in der DDR Reiselust und Tourismus in der Bundesrepublik Schwule und Lesben in der DDR Die westdeutschen „Stellvertreterumfragen“ Erfahrungen mit der Krippenerziehung „Päckchen von drüben“ Vor aller Augen: Pogrome und der untätige Staat Zwischen Staat und Markt Jüdinnen in Deutschland nach 1945 Interviews Beiträge Porträts Redaktion "Ungehaltene Reden" ehemaliger Abgeordneter der DDR-Volkskammer Was sollten Wähler und Wählerinnen 2021 bedenken? Ein urdemokratischer Impuls, der bis ins Heute reicht „Als erster aus der Kurve kommen“ Die Rolle des Staats in der Wahrnehmung der Ostdeutschen Die durchlaufene Mauer Interview: Peter-Michael Diestel Interview: Günther Krause Interview: Lothar de Maizière Schülerzeitungstexte Liebe über Grenzen Ostseeflucht Fluchtursachen Die Frau vom Checkpoint Charlie Mutti, erzähl doch mal von der DDR Staatsfeind Nr.1: DAS VOLK!!! Mit dem Bus in die DDR Ost und West. Ein Vergleich Warum wird der 3. Oktober gefeiert? "Ich wünsch mir, dass die Mauer, die noch immer in vielen Köpfen steht, eingerissen wird" Zeitenwende Ist der Osten ausdiskutiert? Der Mutige wird wieder einsam Das Jahr meines Lebens Basisdemokratie Lehren aus dem Zusammenbruch "Wir wollten uns erhobenen Hauptes verabschieden" Für die gute Sache, gegen die Familie DDR-Wissenschaftler Seuchenbekämpfung Chemnitz: Crystal-Meth-Hauptstadt Europas Keine Ahnung, was als Nächstes passieren wird Allendes letzte Rede Friedliche Revolution Gethsemanekirche und Nikolaikirche Das Wirken der Treuhandanstalt Gewerkschaften im Prozess von Einheit und Transformation Zusammenarbeit von Treuhandanstalt und Brandenburg Privatisierung vom DDR-Schiffbau Die Leuna-Minol-Privatisierung Übernahme? Die Treuhandanstalt und die Gewerkschaften: Im Schlepptau der Bonner Behörden? Treuhand Osteuropa Beratungsgesellschaft "Ur-Treuhand" 1990 Internationale Finanzakteure und das Echo des Sozialismus Soziale Marktwirtschaft ohne Mittelstand? Die Beziehungen zwischen Frankreich und der DDR Suche nach den Spuren der DDR Wirtschaftsbeziehungen zwischen Frankreich und der DDR Der Freundschaftsverein „EFA“ Die Mauer in der französischen Populärkultur DDR als Zankapfel in Forschung und Politik DDR-Geschichte in französischen Ausstellungen nach 2009 Theater- und Literaturtransfer zwischen Frankreich und der DDR Die DDR in französischen Deutschbüchern Kommunalpartnerschaften zwischen Frankreich und der DDR Regimebehauptung und Widerstand Mut zum Aussteigen aus Feindbildern Für die Freiheit verlegt - die radix-blätter Der Fußballfan in der DDR Jugend in Zeiten politischen Umbruchs Umweltschutz als Opposition Sozialistisches Menschenbild und Individualität. Wege in die Opposition Politische Fremdbestimmung durch Gruppen Ist Antisemitismus vor allem ein ostdeutsches Problem? Antisemitismus in Deutschland Die Zweite Generation jüdischer Remigranten im Gespräch War die DDR antisemitisch? Antisemitismus in der DDR Teil I Antisemitismus in der DDR Teil II Als ob wir nichts zu lernen hätten von den linken Juden der DDR ... Ostdeutscher Antisemitismus: Wie braun war die DDR? Die Shoah und die DDR Umgang mit jüdischen Friedhöfen und Friedhofsschändungen, Teil I Umgang mit jüdischen Friedhöfen und Friedhofsschändungen, Teil II Israel im Schwarzen Kanal Der Nahostkonflikt in Kinder- und Jugendzeitschriften der DDR, I Der Nahostkonflikt in Kinder- und Jugendzeitschriften der DDR, II Das Israelbild der DDR und dessen Folgen Buchenwald und seine fragwürdige Nachgeschichte Macht-Räume in der DDR Wirtschaftspläne im Politbüro 1989 "Macht-Räume in der DDR" Macht, Raum und Plattenbau in Nordost-Berlin Machträume und Eigen-Sinn der DDR-Gesellschaft Die "Eigenverantwortung" der örtlichen Organe der DDR Strategien und Grenzen der DDR-Erziehungsdiktatur Staatliche Einstufungspraxis bei Punk- und New-Wave-Bands Kommunalpolitische Kontroversen in der DDR (1965-1973) Schwarzwohnen 1968 – Ost und West Der Aufstand des 17. Juni 1953 Interview mit Roland Jahn Der 17. Juni 1953 und Europa Geschichtspolitische Aspekte des 17. Juni 17. Juni Augenzeugenbericht Kultur und Medien Die Stasi und die Hitler-Tagebücher Ein Nachruf auf Walter Kaufmann Die Tageszeitung »Neues Deutschland« vor und nach 1990 Wie ein Staat untergeht Objektgeschichte antifaschistischer Ausstellungen der DDR Reaktionen auf die Ausstrahlung der Fernsehserie „Holocaust“ „Mitteldeutschland“: ein Kampfausdruck? Gesundheitsaufklärung im Global Humanitarian Regime The British Press and the German Democratic Republic Kulturkontakte über den Eisernen Vorhang hinweg "Drei Staaten, zwei Nationen, ein Volk“ "Flugplatz, Mord und Prostitution" SED-Führung am Vorabend des "Kahlschlag"-Plenums Ende der Anfangsjahre - Deutsches Fernsehen in Ost und West "Wer nicht für uns ist, ist gegen uns. Es gibt keinen Dritten Weg" Frauenbild der Frauenpresse der DDR und der PCI Regionales Hörfunkprogramm der DDR DDR-Zeitungen und Staatssicherheit Eine Chronik von Jugendradio DT64 Die "neue Frau": Frauenbilder der SED und PCI (1944-1950) Die Demokratisierung von Rundfunk und Fernsehen der DDR Der Aufbau des öffentlich-rechtlichen Rundfunks in Ostdeutschland Heimat ist ein Raum aus Bytes Lager nach 1945 Ukrainische Displaced Persons in Deutschland Jugendauffanglager Westertimke Das Notaufnahmelager Gießen Die Gedenkstätte und Museum Trutzhain Die Barackenstadt: Wolfsburg und seine Lager nach 1945 Die Aufnahmelager für West-Ost-Migranten Die Berliner Luftbrücke und das Problem der SBZ-Flucht 1948/49 Migration Fortbildungen als Entwicklungshilfe Einfluss von Erinnerungskulturen auf den Umgang mit Geflüchteten Friedland international? Italienische Zuwanderung nach Deutschland Jüdische Displaced Persons Das Notaufnahmelager Marienfelde Migration aus Süd- und Südosteuropa nach Westeuropa Die "Kinder der 'Operation Shamrock'" Rück- und Zuwanderung in die DDR 1949 bis 1989 West-Ost-Übersiedlungen in der evangelischen Kirche Migration aus der Türkei Griechische Migration nach Deutschland Die Herausforderung der Aussiedlerintegration Die Ausreise aus der DDR Das Spezifische deutsch-deutscher Migration Flüchtlinge und Vertriebene im Nachkriegsdeutschland Interview mit Birgit Weyhe zur Graphic Novel "Madgermanes" Die Migration russischsprachiger Juden seit 1989 Chinesische Vertragsarbeiter in Dessau Arbeitsmigranten in der DDR Gewerkschaften und Arbeitsmigration in der Bundesrepublik Deutschlandforschertagung 2016 Eröffnungsreden Panels und Poster Session Grenzgebiete Die Wende im Zonenrandgebiet Der andere Mauerfall Das "Grüne Band" Alltagsleben im Grenzgebiet Außensichten auf die deutsche Einheit Wahrnehmung des geeinten Deutschlands in Serbien Norwegische Freundschaft mit dem vereinten Deutschland Deutschland im Spiegel des Wandels der Niederlande Österreichs Reaktionen auf die Mühen zur deutschen Einheit Israelische Reaktionen auf die Wiedervereinigung Deutsche Diplomaten erleben den Herbst 1989 Das wiedervereinigte Deutschland aus Sicht der Slowaken Wahrnehmung der deutschen Einheit in Dänemark Die Perzeption der Wiedervereinigung in Lateinamerika Deutsch-polnische Beziehungen Der Blick junger Schweizer auf Deutschland Bulgarien blickt erwartungsvoll nach Deutschland Vom bescheidenen Wertarbeiter zur arroganten Chefin "Gebt zu, dass die Deutschen etwas Großes geleistet haben." 150 Jahre Sozialdemokratie Wehners Ostpolitik und die Irrtümer von Egon Bahr 150 Jahre Arbeiterturn- und Sportbewegung Die Spaltung der SPD am Ende der deutschen Teilung Willy Brandts Besuch in Ostberlin 1985 Deutschlandforschertagung 2014 Einleitungsvortrag von Christoph Kleßmann Tagungsbericht: "Herrschaft und Widerstand gegen die Mauer" Tagungsbericht: Sektion "Kultur im Schatten der Mauer" Interview mit Heiner Timmermann Interview mit Angela Siebold Interview mit Jérôme Vaillant Interview mit Irmgard Zündorf Interview mit Andreas Malycha Die Mauer in westdeutschen Köpfen Multimedia Zeitreisen mit "Kennzeichen D" Der Anfang vom Ende der DDR: Die Biermann-Ausbürgerung 1976 Wendekorpus. 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Rebecca Seidler: "Im Judentum steht die Tat im Vordergrund“

Rebecca Seidler

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Die promovierte Sozialpädagogin Rebecca Seidler ist nicht nur 1. Vorsitzende der Liberalen Jüdischen Gemeinde Hannover, sie ist auch selbstständige Unternehmensberaterin und Lehrbeauftragte an der Hochschule Hannover. Daneben engagiert sie sich als Bildungsreferentin im Kampf gegen Antisemitismus und setzt sich für den interreligiösen Dialog ein.

Rebecca Seidler im Interview mit Sharon Adler (© Sharon Adler/PIXELMEER, 2021)

Sharon Adler: Die Liberale Jüdische Gemeinde Hannover wurde 1995 aus der Einheitsgemeinde heraus von Ingrid Wettberg, Alisa Bach und Katarina Seidler, deiner Mutter, gegründet. Was hat die drei Frauen dazu bewogen? Wie waren die Anfänge, wie die Akzeptanz? Und woher kamen sie, was verband sie?

Rebecca Seidler: Die drei Frauen waren alle zuvor Mitglieder in der orthodox geprägten Einheitsgemeinde. Diese Einheitsgemeinde hatte jedoch einen Landesrabbiner, der sich mit dem Reformjudentum verbunden fühlte. Rabbiner Dr. Henry Brandt war es damals, der sich dafür einsetzte, dass auch Mädchen lernen und folglich zur Tora aufgerufen werden durften, um ihre Bat Mitzwah zu feiern. Diese progressiven Impulse beeindruckten die drei Frauen, aber auch weitere Gemeindemitglieder, sodass der Wunsch entstand, das Reformjudentum wieder aufleben zu lassen. Vor über 200 Jahren entstand die progressive Strömung in Seesen, unweit von Hannover, doch durch die Shoah wurde auch diese Entwicklung völlig zerstört. Mitte der 1990er-Jahre wuchsen die Gemeinden durch den Zuzug der jüdischen Migrant*innen aus der ehemaligen Sowjetunion, und hierdurch kam in den Einheitsgemeinden einiges in Bewegung. Aus dieser Situation heraus gründeten die drei Frauen mit weiteren Engagierten die neue jüdische Gemeinde, die folglich in Liberale Jüdische Gemeinde Hannover umbenannt wurde. Anfänglich mussten sie viel um Akzeptanz kämpfen, doch heute ist das Reformjudentum fest in Deutschland verankert – was ohne diese drei Frauen sicher nicht so erfolgt wäre.

Sharon Adler: Heute ist die Liberale Jüdische Gemeinde Hannover nicht nur Mitglied der World Union for Progressive Judaism, sondern auch die größte Reformgemeinde in Deutschland. Was bedeutet das in der Praxis für deine Arbeit als Vorsitzende?

Rebecca Seidler: Die Liberale Jüdische Gemeinde Hannover ist in den letzten 26 Jahren stets gewachsen – zu Beginn mussten wir unsere Feiertage in einem Jugendhaus feiern, da wir über keine eigenen Räume verfügten. Nun haben wir ein großes Gemeindezentrum mit jüdischem Kindergarten, einem Jugendzentrum, einer wunderschönen Synagoge, einem großen Veranstaltungsraum für Kulturveranstaltungen sowie einer Sozial- und Migrationsberatungsstelle, die unter anderem in Zusammenarbeit mit der Claims Conference unsere Holocaustüberlebenden betreut. Wir sind ein lebendiges und aktives Gemeindezentrum für alle Generationen und ein Ort, an dem jüdisches Leben stattfindet – mit all seinen Facetten! Als Vorsitzende im Ehrenamt ist es daher wichtig, ein starkes Team an der Seite zu haben, und das habe ich – sowohl mein Vorstand als auch unsere Mitarbeiter*innen und unsere zahlreichen Ehrenamtlichen tragen gemeinsam dazu bei, dass unsere Gemeinde lebt, wächst und ein jüdisches Zuhause für unsere Gemeindemitglieder ist!

Sharon Adler: Viele Menschen kennen den Unterschied zwischen den Aufgaben der Vorsitzenden von Jüdischen Gemeinden und denen einer Rabbinerin/eines Rabbiners nicht. Kannst du bitte einmal erläutern, worin die Unterschiede bestehen und was die Gemeindearbeit ausmacht?

Rebecca Seidler: Die Aufgaben zwischen der Vorsitzenden und der Rabbinerin sind grundverschieden, aber es ist wichtig, eng zusammenzuarbeiten. Unsere Rabbinerin, Jasmin Andriani, und unser Senior Rabbiner, Gábor Lengyel, begleiten unsere Gemeinde, sie sind jederzeit ansprechbar für unsere Gemeindemitglieder. Sie sind unsere Lehrer*innen und Ratgeber*innen. Der Vorstand ist ein gewähltes Gremium, welches für die Führung der Gemeinde zuständig ist – das heißt, zu unseren Aufgaben gehören die Personalführung, Finanzplanung, Organisation der religiösen und kulturellen Veranstaltungen und Öffentlichkeitsarbeit. Letztlich funktioniert aber eine so lebendige und aktive Gemeinde nur durch Teamwork und gegenseitige Unterstützung – und das steht bei uns im Vordergrund! Niemand ist wichtiger als der andere – sondern wir ziehen an einem Strang!

Sharon Adler: Auf der Webseite der LJG heißt es: „Die Liberale Jüdische Gemeinde Hannover steht für ein weltoffenes und dynamisches Judentum, das in der Überlieferung verwurzelt ist. Wir lehren und praktizieren ein modernes Judentum, das an die Tradition des aufgeklärten liberalen Judentums in Deutschland anknüpft.“ Welche Anknüpfungspunkte sind das? Was bedeutet die Einbeziehung dieser Tradition für deine/eure Arbeit heute?

Rebecca Seidler: Das rabbinische Judentum war immer pluralistisch und die Diskussion, der Disput, gehört zu seinem Wesenszug. Der jüdische Reformer Martin Buber sagte bereits: „Alle Menschen haben einen Zugang zu G’tt, aber jeder einen anderen.“ Die Tora ist für alle Jüdinnen und Juden ein heiliges Buch. Es enthält die religiöse Inspiration unserer kulturellen und geschichtlichen Anfänge, die auf uns abstrahlt und die wir aufnehmen, in Studium und religiöser Praxis. Doch das progressive Judentum glaubt nicht an die Göttlichkeit jedes einzelnen Buchstabens der Tora. Wir betonen die ethischen und moralischen Gebote der Tora als verbindlich – doch die rituellen Gebote der Tora wurden nach Auffassung des Reformjudentums durch Menschen in einer bestimmten historischen Epoche aufgestellt und sind daher nicht göttlichen Ursprungs. Jüdische Rituale sind daher von Generation zu Generation zu hinterfragen und gegebenenfalls anzupassen. Durch das Streben nach einer verantwortungsvollen und zeitgemäßen Auslegung des Judentums verbindet sich die Tradition mit der Moderne.

Bei der Suche nach einem sinnvollen Umgang mit religiösen Ritualen und nach zeitgemäßen Antworten auf Lebensfragen ziehen wir das Studium der rabbinischen Quellen wie den Talmud zu Rate. Der Reformrabbiner Salomon Freehof sieht in der Halacha – dem jüdischen Religionsgesetz – etwa einen sinnvollen Ratgeber, eine Anleitung und Orientierungshilfe für jüdisches Leben, von der man sich aber nicht beherrschen lassen soll. Wir erkennen an, dass mehrere Interpretationen der Traditionsschriften möglich sind, und verzichten auf die Behauptung eines alleinigen Wahrheitsanspruchs.

Ein markantes Merkmal des progressiven Judentums ist auch die Gleichberechtigung zwischen allen Geschlechtern. Bereits bei der Entstehung des Reformjudentums vor über 200 Jahren versuchten liberale Rabbiner, die nachteilige rechtliche Stellung der Frau im Judentum, insbesondere im Eherecht, zu verbessern. Im Zuge dieser Entwicklung wurde 1936 Regina Jonas in Deutschland als erste Rabbinerin weltweit ordiniert – ihr Lebensweg endete 1944 in Auschwitz. Seit den 1970er- Jahren ist in den USA und in Israel die Ordination von Frauen als Rabbinerinnen und Kantorinnen selbstverständlich. Seit 1999 können auch wieder in Deutschland, am Abraham Geiger Kolleg in Potsdam, liberale Rabbinerinnen und Rabbiner sowie Kantorinnen und Kantoren ausgebildet werden. Auch unser neuer Kantor hat unter anderem dort gelernt.

Als Kernelement des Reformjudentums gilt auch die aktive Beteiligung am interkulturellen und interreligiösen Dialog. Wir engagieren uns für soziale Gerechtigkeit und Freiheit aller Menschen, unabhängig von ihrer Religion, ethnischen Zugehörigkeit oder sexuellen Orientierung. Wir setzen uns für die Wahrung der Bürgerrechte ein sowie für die Trennung von Staat und Religion. Hierbei möchte ich betonen: Für uns steht das jeweilige Landesgesetz, also hier das Bürgerliche Gesetzbuch, über dem Religionsgesetz. So ist es auch nicht verwunderlich, dass sich unsere Gemeindemitglieder ehrenamtlich in diversen Gremien der Stadt Hannover einbringen. Auch bei der Organisation von Demonstrationen zu gesamtgesellschaftlichen Fragen wie Klimaschutz und gegen Rassismus sind Gemeindemitglieder aktiv dabei. In politischen Parteien und zivilgesellschaftlichen Organisationen, darunter die Amadeu Antonio Stiftung und im Haus der Religionen, wirken wir engagiert zur Stärkung der Demokratie und der pluralen Gesellschaft mit.

Sharon Adler: Der Leitgedanke der Liberalen Jüdische Gemeinde Hannover lautet: „Mehr Tora, mehr Leben – Mehr Gerechtigkeit, mehr Frieden“. Wie und wodurch tragt ihr diese Philosophie an die Gemeindemitglieder heran?

Rebecca Seidler: Dieser Leitgedanke zieht sich durch unser gesamtes Handeln innerhalb und außerhalb der Gemeinde. Für uns steht die Tora sinnbildlich für das Lernen – miteinander und voneinander lernen stärkt das Zusammenleben. Zudem sind ein gerechtes Handeln und ein gleichberechtigter, wertschätzender Umgang die Grundlage für ein friedvolles Miteinander. Daher sollen wir stets danach streben, uns für diese Werte einzusetzen, sie in die Tat umzusetzen und sie nicht als bloße Worthülsen vor uns hertragen. Im Judentum steht die Tat im Vordergrund – wir sind aufgefordert zu handeln, um für das Wohl der jüdischen Gemeinde, aber auch für das der gesamten Gesellschaft zu sorgen.

30. Jahrestag der Zuwanderung jüdischer „Kontingentflüchtlinge“

Sharon Adler: Was waren (und sind) die größten Herausforderungen in der Gemeindearbeit hinsichtlich der Integration der aus der ehemaligen Sowjetunion zugewanderten Menschen?

Rebecca Seidler: Zu Beginn des Zuzugs der jüdischen Migrant*innen aus der ehemaligen Sowjetunion war vor allem eine doppelte Integrationsleistung erforderlich – einerseits in die jüdische Gemeinde selbst, denn viele der Zugewanderten hatten bis dahin ihr Judentum nur versteckt oder gar nicht gelebt, und zum anderen in die deutsche Mehrheitsgesellschaft. Ersteres wurde durch die aktive Einbeziehung in das jüdische Gemeindeleben erreicht. Und um die Integration in die deutsche Gesellschaft zu fördern, war der Schlüssel das Erlernen der deutschen Sprache. Es wurden Deutschkurse angeboten und Workshops zu praktischen Alltagsthemen wie dem Abschließen von Mietverträgen, der Suche nach einer Arbeitsstelle und vielem anderen mehr Die jüdischen Gemeinden haben eine großartige Leistung erbracht und maßgeblich dazu beigetragen, dass zugewanderte Jüdinnen und Juden hier gut ankommen und sich einleben konnten.

Heute bestehen weniger Herausforderungen, denn die nachfolgenden Generationen sind voll integriert, sie sprechen fließend die Sprache, sind beruflich und privat etabliert und haben hier ihr Zuhause gefunden. Zudem übernehmen sie jetzt auch zunehmend Führungsverantwortung in den Gemeinden – in meinem Vorstand sind zum Beispiel mehrheitlich zugewanderte Jüdinnen und Juden vertreten, und das ist gut und wichtig.

Sharon Adler: Zu der Liberalen Jüdischen Gemeinde in Hannover gehören heute Menschen aus 15 Nationen. Wie können sie vor Diskriminierungen – als Menschen mit Migrationsgeschichte und als Jüdinnen und Juden – geschützt werden, wie können sie gleichzeitig ein positiv gelebtes Judentum und ein jüdisches Selbstbewusstsein entwickeln?

Rebecca Seidler: Unsere Gemeindearbeit basiert auf zwei Säulen im Umgang mit Antisemitismus und Diskriminierung. Die erste Säule ist Empowermentarbeit. Empowerment (Selbstermächtigung) bedeutet hier, Jüdinnen und Juden, die Diskriminierungen und Verunsicherungen erlebt haben, durch gezielte Bildungs- und Beratungsangebote darin zu stärken, eigene Handlungsstrategien zu entwickeln. Sie werden zudem in ihrer jüdischen Identität gefestigt, um für sich selbst einen positiven Zugang zu ihrem Judentum zu entwickeln, Mut und Selbstbewusstsein auszustrahlen und auch die Bereitschaft zu erlangen, sich aktiv und selbstbewusst in die Dialogarbeit mit der Mehrheitsgesellschaft einzubringen. Die Gemeinde bietet zudem einen geschützten und sicheren Ort, um über Erlebtes zu sprechen und an dem sie auf Empathie und Solidarität vertrauen zu können. Wir lassen niemanden allein mit seinen Erfahrungen, sondern begleiten, beraten und unterstützen aktiv. Die zweite Säule ist eine aktive Dialogarbeit als Beitrag zur Prävention von Antisemitismus.Wir schulen Bündnispartner*innen, um heute gemeinsam Begegnungsräume zur Sensibilisierung für jüdisches Leben und Antisemitismus zu schaffen. So werden Bildungsseminare, Workshops, Diskussionsrunden und Synagogenbesuche für diverse Zielgruppen angeboten, unter anderem für pädagogische Fachkräfte (Kita, Schule, offene Kinder- und Jugendarbeit), muslimische und christliche Vertreter*innen, Schulklassen und Jugendgruppen, Gewerkschaften, Sozialverbände und zivilgesellschaftliche Organisationen sowie auch für staatliche Behörden wie die Polizei und das Landeskriminalamt.

Zu dieser Dialogarbeit gehört auch der Aufbau und die Ausweitung des Netzwerks, nicht nur in Niedersachsen, sondern auch darüber hinaus. So gibt es zum Beispiel eine enge Zusammenarbeit mit dem Kompetenzzentrum der Zentralwohlfahrtsstelle in Deutschland, der Union Progressiver Juden in Deutschland und dem Zentralrat der Juden in Deutschland.

Diese beiden Säulen helfen im Umgang mit Antisemitismus und Diskriminierung – präventiv und intervenierend, und beides ist unerlässlich.

Wichtigkeit eines Generationenwechsels in den Gemeinden.

Sharon Adler: Nach der Phase der Zuwanderung und Integration sind die Gemeinden heute mit wiederkehrenden Herausforderungen mit Blick auf die Altersstrukturen der Gemeindemitglieder und daraus resultierend mit dem Rückgang der Mitgliederzahlen konfrontiert. Wie kann es gelingen, mehr junge jüdische Menschen in die Gemeinden und in die Gemeindearbeit einzubinden?

Rebecca Seidler: Unsere Gemeinde legt den Fokus insbesondere auf eine starke Kinder- und Jugendarbeit und auf Angebote für die Zielgruppe der Young Professionals. Wir haben zum einen generationsübergreifende Veranstaltungen und Angebote, aber auch zielgruppenspezifische. Dies ist wichtig, um auch die jüngere Generation für das Gemeindeleben zu gewinnen, sie müssen sich wohlfühlen, sich zugehörig und vertreten fühlen – dies gelingt durch eine aktive Partizipation und persönliche Ansprache. Darum erachte ich es auch für unerlässlich, die jüngere Generation mit in die Führungsverantwortung zu nehmen. Viele Gemeindevorstände bestehen meist aus über 60-Jährigen – dies sollte sich ändern, damit auch die jüngeren Generationen eine aktive Mitgestaltung und auch Verantwortung übernehmen können.

Die Stellung der Frauen

Sharon Adler: Wie beurteilst du den Anteil, die Stellung und die Rolle der Frauen im Landesverband beziehungsweise in den Vorständen der Jüdischen Gemeinden in Deutschland? Unterrepräsentiert oder gleichberechtigt?

Rebecca Seidler: Der Landesverband der Israelitischen Kultusgemeinden von Niedersachsen, zu dem wir und fünf weitere liberale Gemeinden in Niedersachsen gehören, wird durch starke Frauen geführt – auch unser Gemeindevorstand besteht überwiegend aus Frauen. Dies spiegelt auch den bundesweiten Trend in den liberalen jüdischen Gemeinden wider – hier sind Frauen gleichberechtigt und von daher auch selbstverständlich in der Führungsverantwortung. Doch in orthodox geprägten Gemeinden dominieren Männer nach wie vor die Vorstandsetagen, während meist die Frauen die aktive Gemeindearbeit übernehmen. Hier würde ich mir mehr Gleichberechtigung auch in der Führungsebene wünschen.

Bildung und Vermittlung von Werten

Sharon Adler: 2012 hast Du das Buch „Frühkindliche jüdische Erziehung: eine progressive Perspektive – ein Beitrag zur interreligiösen und interkulturellen Pädagogik“ veröffentlicht. Welche Aspekte wolltest Du vermitteln?

Rebecca Seidler: Als ich mit meiner Doktorarbeit begonnen hatte, war ich mit einer Projektgruppe dabei, einen jüdisch-progressiven Kindergarten im Rahmen der Liberalen Jüdischen Gemeinde zu gründen. Aus diesem Grund beschäftigte ich mich fundiert mit jüdischer Bildung und Erziehung und musste feststellen, dass es hierzu in Deutschland keinerlei Literatur gab. Daher habe ich mich in meinem Forschungsprojekt der frühkindlichen jüdischen Erziehung gewidmet und im Rahmen dessen einen Vergleich zu US-amerikanischen, jüdisch-progressiven Bildungskonzepten vorgenommen. Ein wesentliches Element der jüdisch-progressiven Bildungsarbeit ist die interkulturelle und interreligiöse Pädagogik. Dieser Ansatz verdeutlicht die Notwendigkeit, dass ein gelungenes interreligiöses und interkulturelles Lernen nur dann gelingen kann, wenn man sich seiner eigenen religiösen und kulturellen Identität bewusst ist. Das heißt, eine starke Verwurzelung in der eigenen Religion und Kultur ermöglicht es erst, aufrichtig, offen und neugierig auf andere zuzugehen, ohne Sorge vor einer eigenen Identitätsaufgabe. Im pädagogischen Kontext bedeutet dies konkret: Jeder Mensch bringt seine eigenen religiösen und kulturellen Prägungen mit und kann diese selbstbewusst vertreten und gleichzeitig anderen auf dialogischer Ebene begegnen. Es gibt keinen Wahrheitsanspruch und keine Missionierungstendenzen. Es werden Unterschiede und Gemeinsamkeiten wertfrei wahrgenommen, respektiert und geschätzt als Diversität des Daseins.

Sharon Adler: Du hast 2007 die jüdische Kindertagesstätte Tamar aufgebaut die erste jüdische Kindertagesstätte in Hannover seit der Shoah und die erste Kita in ganz Deutschland, die sich ausdrücklich auf die Grundsätze des Reformjudentums stützt. Welche Grundsätze/Prinzipien liegen dir/euch besonders am Herzen, und wie vermittelt ihr jüdische Kultur und Religion in der Kita?

Rebecca Seidler: Die jüdische Kita Tamar ist ein Ort lebendigen jüdischen Lebens für jüdische und nichtjüdische Kinder gleichermaßen. Jüdische Kinder erfahren hier täglich ihr Judentum und werden in ihrer jüdischen Identität gestärkt. Für nichtjüdische Kinder ist es eine Chance, das liberale Judentum authentisch mitzuerleben.

Als Grundlage steht hier der Ansatz der Gleichberechtigung aller Geschlechter, das heißt, es gibt zum Beispiel keine religiösen Riten, die geschlechtsspezifisch ausgerichtet sind. Zudem steht das Erlernen der jüdischen Ethik wie Gerechtigkeit und Wohltätigkeit im Vordergrund der pädagogischen Praxis. Im Rahmen eines wöchentlichen Debattierklubs erlernen die Kinder von klein auf, ihren Standpunkt zu vertreten, auszuhandeln und auch Gegenpositionen auszuhalten – eine wichtige soziale und kommunikative Kompetenz. Die Diskussionsfreude ist zugleich ein Wesenszug des Judentums, welches somit kindgerecht geschult wird.

Grundsätzlich ist es für uns wichtig, dass jüdische Kultur und Religion in den Lebensalltag der Kinder selbstverständlich einfließen – in unserer Puppenecke haben wir auch Spielutensilien zu jüdischen Feiertagen, sodass die Kinder beispielsweise mit den Puppen einen Shabbatabend nachspielen können. In unserer großen Bücherecke haben wir bewusst auch jüdische Kinderbücher, zum Beispiel „Ein Pferd zu Chanukka“ – sodass sich die Kinder spielerisch mit jüdischen Themen auseinandersetzen können. Vor jeder Mahlzeit wird auf Hebräisch ein Segensspruch als Dank gesungen, und freitags gibt es eine Einstimmung in den kommenden Shabbat mit Backen der Challa, einer kleinen Shabbatzeremonie und einer kreativen Auseinandersetzung mit dem jeweiligen Thoraabschnitt.

Sharon Adler: Du setzt dich seit vielen Jahren für den interreligiösen und gesellschaftlichen Dialog ein. Dazu engagierst du dich in verschiedenen Projekten zu antisemitismuskritischer Bildungsarbeit für mehr Toleranz. Warum ist die Vermittlung von interreligiösen Kompetenzen deiner Meinung nach so wichtig?

Rebecca Seidler: Durch meine Tätigkeiten wird mir immer wieder bewusst, wie wenig Menschen von der Kultur und Religion des anderen wissen. Manch einer betont auch, dass diese Hintergründe „egal“ seien, da es auf den Menschen selbst ankomme. Diese Perspektive hinkt jedoch nach meinem Verständnis. Denn Kultur und Religion prägen den Menschen maßgeblich, das ist nicht getrennt voneinander zu betrachten, sondern ergibt oftmals eine Einheit im Menschen selbst.

Nehmen wir mich als Beispiel: Ich bin durch mein Judentum geprägt, meine Familiengeschichte ist ohne Berücksichtigung der jüdischen Geschichte nicht zu verstehen, mein Denken und Handeln Stützt sich auf die Werte, die ich durch meine jüdische Familie und somit durch jüdische Erziehung und Bildung erfahren habe. Es ist nicht möglich, mich getrennt von meiner jüdischen Kultur und Religion kennenzulernen, sondern ich bin, wie ich bin – auch eben durch mein Judentum. Ich persönlich bin immer sehr neugierig auf religiöse und kulturelle Prägungen von Menschen, damit ich sie als Mensch ganzheitlich erfassen kann. Die Vermittlung interreligiöser Kompetenz kann somit dazu beitragen, mein Gegenüber als Menschen wahrzunehmen, wertzuschätzen – mit all den Gemeinsamkeiten und Unterschieden zu meiner eigenen Person.

Engagement gegen Antisemitismus

Sharon Adler: Du bist Gründungsmitglied vom Bundesverband RIAS e.V. und seit dem Jahr 2003 Bildungsreferentin im Kampf gegen Antisemitismus. Worin siehst du die größten Herausforderungen, und welchen Auftrag in der Arbeit der Schulen und der Bildungsinstitutionen? Was kann nachhaltig wirken, und wo siehst du die größten Defizite und den dringendsten Handlungsbedarf?

Rebecca Seidler: Eine der größten Herausforderungen ist die Debatte darum, was denn nun antisemitisch ist und was nicht. Leider werden nach wie vor Betroffene zu wenig gehört oder es wird ihnen eine Übersensibilität attestiert. Dieser Umstand ist für Betroffene doppelt belastend: Sie erleben nicht nur Antisemitismus, sondern werden dann häufig damit allein gelassen. Das muss sich dringend ändern. Es gibt langsam Schritte, um die Perspektive der Betroffenen aufzuzeigen, zum Beispiel durch das Werk „Antisemitismus im Kontext Schule“ von Julia Bernstein – hier gilt es anzuknüpfen. Noch allzu oft wird Jüdinnen und Juden von außen erklärt, was denn Antisemitismus wirklich sei und was eben nicht. Angefangen mit „das wird man ja wohl noch mal sagen dürfen…“ bis zu vermeintlicher Kritik am Staat Israel, wo antisemitische Aussagen verpackt werden. Zudem wird Antisemitismus zunehmend offener und auch gewaltbereiter, wodurch sich Grenzen des Sagbaren verschieben und die Lebenssituation für Jüdinnen und Juden belastender und auch bedrohlicher wird. Nun stehen wir vor der Herausforderung, was dagegen getan werden kann. Grundsätzlich sollten in Deutschland die zivilgesellschaftlichen Organisationsstrukturen im Kampf gegen Antisemitismus und zur Förderung der Demokratie langfristig gesichert werden.

Allzu oft hängt diese wichtige politische Bildungsarbeit an Projektstellen, deren Finanzierung befristet ist und die dann meist ausläuft. Das verhindert, dass sich feste Strukturen und Netzwerke aufbauen, was jedoch für ein konsequentes und nachhaltiges Agieren unerlässlich ist. Um Debatten zu beenden, was Antisemitismus ist, sollte zudem die Definition der International Holocaust Remembrance Alliance (IHRA) als Arbeits- und Handlungsgrundlage angewandt werden, damit sich endlich mit Antisemitismus auseinandergesetzt wird und nicht die Debatte um die Antisemitismusdefinition die Diskussion überlagert. Neben diesen beiden dringenden Handlungsbedarfen steht noch ein weiteres Thema im Vordergrund: der Schutz jüdischer Einrichtungen.

Auch zwei Jahre nach Halle sind zum Beispiel in Niedersachsen noch nicht die zugesicherten Gelder geflossen, sodass die jüdischen Gemeinden bis heute die baulich und technisch erforderlichen Schutzmaßnahmen nicht erhöhen konnten. Dieser Umstand bringt die Vertreter*innen der jüdischen Gemeinden in eine Bittstellerposition, und dies ist unerträglich. Wenn jüdisches Leben hier eine Zukunft haben soll, dann muss endlich gehandelt werden – die Zeit für bloße Worthülsen muss aufhören!

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Fussnoten

Fußnoten

  1. Die Liberale Jüdische Gemeinde Hannover, http://ljgh.de/, zuletzt aufgerufen am 4.10.2021.

  2. Die Liberale Jüdische Gemeinde Hannover ist mit 700 Mitgliedern die größte existierende liberale Gemeinde im deutschsprachigen Raum, http://ljgh.de/, zuletzt aufgerufen am 14.7.2021.

  3. Im Zuge des Zusammenbruchs der Sowjetunion waren die Juden und Jüdinnen einem immer aggressiveren Antisemitismus ausgesetzt. Viele von ihnen entschlossen sich zur Auswanderung. In Deutschland wurde die Zuwanderung der Juden aus den Ländern der ehemaligen Sowjetunion bis zum 31. Dezember 2004 durch das Kontingentflüchtlingsgesetz geregelt. Am 1. Januar 2005 wurde es vom neuen Zuwanderungsgesetz abgelöst. Seit 1990 sind etwa 220.000 Menschen im Zuge der jüdischen Zuwanderung nach Deutschland gekommen. Mehr als die Hälfte von ihnen fand den Weg in die Jüdischen Gemeinden Deutschlands. Deren Mitgliedszahlen stiegen dadurch zum Teil um fast 90 Prozent. www.zentralratderjuden.de/angebote/integration/infos-zur-zuwanderung/, zuletzt aufgerufen am 4.10.2021.

  4. Laut Mitgliederstatistik 2020 der Jüdischen Gemeinden und Landesverbände Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland (ZWST) sind von den 4029 Gemeindemitgliedern in Hannover 1.706 jenseits der Rentengrenze. www.zwst.org/medialibrary/service-information/ZWST-Mitgliederstatistik-2020-Langversion-RZ.pdf und www.zwst.org/de/service/mitgliederstatistik/, zuletzt aufgerufen am 15.7.2021.

  5. Aus der Inhaltsangabe: Die gegenwärtige Herausforderung im Elementarbereich ist die Anerkennung und Wertschätzung religiöser und kultureller Pluralität unter Wahrung der eigenen religiösen Zugehörigkeit. Durch Untersuchungen im US-amerikanischen Raum sowie der pädagogischen Praxis in der in Deutschland bisher einzigen jüdisch-progressiven Kita Tamar in Hannover, ist eine Theorie zu jüdischer frühkindlicher Erziehung und Bildung in ihren wesentlichen Aspekten entwickelt worden. Jüdisch-progressive Elementarerziehung bietet demnach einen innovativen Ansatz, um die eigene religiöse Identitätsentwicklung sowie die interreligiösen und interkulturellen Kompetenzen im frühen Alter zu fördern.

  6. www.kitatamar.de, zuletzt aufgerufen am 4.10.2021.

  7. Die International Holocaust Remembrance Alliance (IHRA) wurde 2000 als internationale Organisation gegründet, um die Erinnerung an den Holocaust wachzuhalten und Holocaust-Erziehung weltweit zu fördern. Die Definition der IHRA lautet: „Antisemitismus ist eine bestimmte Wahrnehmung von Juden, die sich als Hass gegenüber Juden ausdrücken kann. Der Antisemitismus richtet sich in Wort oder Tat gegen jüdische oder nichtjüdische Einzelpersonen und/oder deren Eigentum sowie gegen jüdische Gemeindeinstitutionen oder religiöse Einrichtungen. Darüber hinaus kann auch der Staat Israel, der dabei als jüdisches Kollektiv verstanden wird, Ziel solcher Angriffe sein.“, siehe www.holocaustremembrance.com/, zuletzt aufgerufen am 3.12.2021.

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Dr.; M.A., Dipl. Sozialpädagogin, seit 2012 selbstständige Unternehmensberaterin, Mediatorin und Coach sowie Lehrbeauftragte an der Hochschule Hannover. Sie ist Mitbegründerin des Vereins „Jung und Jüdisch“, Gründungsmitglied des Bundesverband RIAS e.V., und seit 25 Jahren aktives Gemeindemitglied der Liberalen Jüdischen Gemeinde Hannover . Sie war dort viele Jahre zuständig für die Kinder- und Jugendarbeit und hat 2007 die jüdische Kindertagesstätte Tamar aufgebaut. Seit Juli 2020 ist Rebecca Seidler die 1. Vorsitzende der Liberalen Jüdischen Gemeinde Hannover. Am 14.12.2021 wurde sie als Delegierte der Bundesversammlung für die Wahl des Bundespräsidenten am 13. Februar 2022 gewählt. Mehr zu Rebecca Seidler >>