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Dalia Grinfeld: „Junge jüdische Menschen empowern“

Deutschland Archiv Neu im DA Schwerpunkte Zeitenwende? Der Ukrainekrieg und die Folgen. 42 Analysen & Essays. Was riskieren wir? Ein Sommer der Unentschlossenheit Sieben Monate Krieg Die Waffen nieder? Ungleiche Fluchten? Schwerter allein sind zu wenig „Russland wird sich nach Putin ändern“ Die be(un)ruhigende Alltäglichkeit des Totalitären Vergessene Bomben aus Deutschland Putins Mimikry Schon einmal Vernichtungskrieg Verhandeln, aber wie? Das sterbende russländische Imperium und sein deutscher Helfer Was lief schief seit dem Ende des Kalten Krieges? „Sie haben die Zukunft zerbrochen“ Vertreibung ist auch eine Waffe "Wie ich Putin traf und er mich das Fürchten lehrte" "Wir bewundern sie und sie verschwinden" Mehr Willkommensklassen! Hoffen auf einen russischen „Nürnberger Prozess“ Russische Kriegskontinuitäten Wurzeln einer unabhängigen Ukraine Der erschütterte Fortschritts-Optimismus "Leider haben wir uns alle geirrt" Die Hoffnung auf eine gesamteuropäische Friedens- und Sicherheitsarchitektur nicht aufgeben „Ihr Völker der Welt“ Das erste Opfer im Krieg ist die Wahrheit China und die „Taiwanfrage“ Transformation und Deutsche Einheit Die sozialpsychologische Seite der Zukunft Zwölf Thesen zu Wirtschaftsumbau und Treuhandanstalt Die andere Geschichte der Umbruchjahre – alternative Ideen und Projekte 30 Jahre nach Rostock-Lichtenhagen Wiedervereinigt auf dem Rücken von Migranten und Migrantinnen? Film ohne Auftrag - Perspektiven, die ausgegrenzt und unterschlagen wurden Geheimdienste, „Zürcher Modell“ und „Länderspiel“ 50 Jahre Grundlagenvertrag Drei Kanzler und die DDR Populismus in Ost und West Akzeptanz der repräsentativen Demokratie in Ostdeutschland Zusammen in Feindseligkeit? Neuauflage "(Ost)Deutschlands Weg" Ostdeutsche Frakturen Geschichtspolitik von oben? Anpassungsprozess der ostdeutschen Landwirtschaft Daniela Dahn: TAMTAM und TABU Wege, die wir gingen „Der Ort, aus dem ich komme, heißt Dunkeldeutschland” Unternehmerischer Habitus von Ostdeutschen Teuer erkauftes Alltagswissen Trotz allem im Zeitplan Revolution ohne souveränen historischen Träger Mehr Frauenrechte und Parität Lange Geschichte der „Wende“ Eine Generation nach der ersten freien Volkskammerwahl Unter ostdeutschen Dächern Die de Maizières: Arbeit für die Einheit Schulzeit während der „Wende” Deutschland – Namibia Im Gespräch: Bahr und Ensikat Gorbatschows Friedliche Revolution "Der Schlüssel lag bei uns" "Vereinigungsbedingte Inventur" "Es gab kein Drehbuch" "Mensch sein, Mensch bleiben" Antrag auf Staatsferne Alt im Westen - Neu im Osten Die Deutsche Zweiheit „Ein echtes Arbeitsparlament“ Corona zeigt gesellschaftliche Schwächen Widersprüchliche Vereinigungsbilanz Schule der Demokratie Warten auf das Abschlusszeugnis Brief an meine Enkel Putins Dienstausweis im Stasi-Archiv Preis der Einheit Glücksstunde mit Makeln Emotional aufgeladenes Parlament Geht alle Macht vom Volke aus? Deutschland einig Vaterland 2:2 gegen den Bundestag "Nicht förderungswürdig" Demokratie offen halten Standpunkte bewahren - trotz Brüchen Die ostdeutsche Erfahrung Kaum Posten für den Osten Braune Wurzeln Wer beherrscht den Osten „Nicht mehr mitspielen zu dürfen, ist hart.“ Ein Ost-West-Dialog in Briefen Stadtumbau Ost Ostdeutschland bei der Regierungsbildung 2017 Die neue Zweiklassengesellschaft DDR-Eishockey im Wiedervereinigungsprozess Die SPD (West) und die deutsche Einheit Die Runden Tische 1989/90 in der DDR Die Wandlung der VdgB zum Bauernverband 1990 Transatlantische Medienperspektiven auf die Treuhandanstalt Transformation ostdeutscher Genossenschaftsbanken Demografische Entwicklung in Deutschland seit 1990 Parteien und Parteienwettbewerb in West- und Ostdeutschland Hertha BSC und der 1. FC Union vor und nach 1990 25 Jahre nach der Wiedervereinigung Ostdeutsches Industriedesign im Transformationsprozess Wende und Vereinigung im deutschen Radsport Wende und Vereinigung im deutschen Radsport (II) Kuratorium für einen demokratisch verfassten Bund deutscher Länder Europäische Union als Voraussetzung für deutschen Gesamtstaat Welche Zukunft braucht Deutschlands Zukunftszentrum? Ein Plädoyer. Erinnern, Gedenken, Aufarbeiten Vier Ansichten über ein Buch, das es nicht gibt "Es war ein Tanz auf dem Vulkan" Föderalismus und Subsidiarität „Nur sagen kann man es nicht“ Wenn Gedenkreden verklingen Zeitenwenden Geschichtsklitterungen „Hat Putin Kinder?“, fragt meine Tochter Wolf Biermann über Putin: Am ersten Tag des Dritten Weltkrieges Der Philosoph hinter Putin „Putin verwandelt alles in Scheiße“ Das Verhängnis des Imperiums in den Köpfen Ilse Spittmann-Rühle ist gestorben Der Friedensnobelpreis 2022 für Memorial Rückfall Russlands in finsterste Zeiten Memorial - Diffamiert als "ausländische Agenten" Die Verteidigung des Erinnerns Russlands Attacken auf "Memorial" Der Fall Schalck-Golodkowski Ende des NSU vor zehn Jahren 7. Oktober 1989 als Schlüsseltag der Friedlichen Revolution Die Geschichte von "Kennzeichen D" Nachruf auf Reinhard Schult Leningrad: "Niemand ist vergessen" Verfolgung von Sinti und Roma Zuchthausaufarbeitung in der DDR - Cottbus Sowjetische Sonderhaftanstalten Tage der Ohnmacht "Emotionale Schockerlebnisse" Ein Neonazi aus der DDR Akten als Problem? Eine Behörde tritt ab Ostberlin und Chinas "Großer Sprung nach vorn" Matthias Domaschk - das abrupte Ende eines ungelebten Lebens Ein Wettbewerb für SchülerInnenzeitungen Totenschädel in Gotha Bürgerkomitees: Vom Aktionsbündnis zum Aufarbeitungsverein Westliche Leiharbeiter in der DDR Hohenzollern und Demokratie nach 1918 (I) Hohenzollern und Demokratie nach 1918 (II) Auf dem Weg zu einem freien Belarus? Erstes deutsch-deutsches Gipfeltreffen im Visier des BND Neue Ostpolitik und der Moskauer Vertrag Grenze der Volksrepublik Bulgarien Die Logistik der Repression Schwarzenberg-Mythos Verschwundene Parteifinanzen China, die Berlin- und die Deutschlandfrage 8. Mai – ein deutscher Feiertag? China und die DDR in den 1980ern 1989 und sein Stellenwert in der europäischen Erinnerung Stasi-Ende Die ungewisse Republik Spuren und Lehren des Kalten Kriegs Einheitsrhetorik und Teilungspolitik Schweigen brechen - Straftaten aufklären Welche Zukunft hat die DDR-Geschichte? Die Deutschen und der 8. Mai 1945 Jehovas Zeugen und die DDR-Erinnerungspolitik Generation 1989 und deutsch-deutsche Vergangenheit Reformationsjubiläen während deutscher Teilung 25 Jahre Stasi-Unterlagen-Gesetz Kirchliche Vergangenheitspolitik in der Nachkriegszeit Zwischenbilanz Aufarbeitung der DDR-Heimerziehung Der Umgang mit politischen Denkmälern der DDR Richard von Weizsäckers Rede zum Kriegsende 1985 Die Sowjetunion nach Holocaust und Krieg Nationale Mahn- und Gedenkstätten der DDR Behörde des Bundesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen Die Entmilitarisierung des Kriegstotengedenkens in der SBZ Heldenkult, Opfermythos und Aussöhnung Durchhalteparolen und Falschinformationen aus Peking Buchenwald und seine fragwürdige Nachgeschichte Grenzsicherung nach dem Mauerbau Einmal Beethoven-Haus und zurück Das Bild Walther Rathenaus in der DDR und der Bundesrepublik Alles nach Plan? Drei Gedanken über Werner Schulz 1989/90 - Friedliche Revolution und Deutsche Einheit Der Weg zum 9. November 1989 „Die Stunde ist gekommen aufzustehen vom Schlaf“ Mythos Montagsdemonstration Ossi? Wessi? Geht's noch? Es gibt keine wirkliche Ostdebatte Die. Wir. Ossi. Wessi? Wie man zum Ossi wird - Nachwendekinder zwischen Klischee und Stillschweigen 2 plus 4: "Ihr könnt mitmachen, aber nichts ändern“ Blick zurück nach vorn Wem gehört die Revolution? Die erste und letzte freie DDR-Volkskammerwahl Mythos 1989 Joseph Beuys über die DDR Der 9. Oktober 1989 in Leipzig Egon Krenz über den 9. November Die deutsche Regierung beschleunigt zu stark Projekte für ein Freiheits- und Einheitsdenkmal in Berlin und Leipzig Deutsch-deutsche Begegnungen. Die Städtepartnerschaften am Tag der Deutschen Einheit Mit Abstand betrachtet - Erinnerungen, Fragen, Thesen. Die frohe Botschaft des Widerstands Mauerfall mit Migrationshintergrund "Wer kann das, alltäglich ein Held sein?" "Es geht um Selbstbefreiung und Selbstdemokratisierung" Kann man den Deutschen vertrauen? Ein Rückblick nach einem Vierteljahrhundert deutscher Einheit Von der (eigenen) Geschichte eingeholt? Berlin – geteilte Stadt & Mauerfall Berliner Polizei-Einheit Die Mauer. 1961 bis 2021 The Wall: 1961-2021 - Part One The Wall: 1961-2021 - Part Two "Es geht nicht einfach um die Frage, ob Fußball gespielt wird" Mauerbau und Alltag in Westberlin Der Teilung auf der Spur The Games at the Gate Der Mauerfall aus vielen Perspektiven Video der Maueröffnung am 9. November 1989 Die Mauer fiel nicht am 9. November Mauersturz statt Mauerfall Heimliche Mauerfotos von Ost-Berlin aus Ost-West-Kindheiten "Niemand hat die Absicht, die Menschenwürde anzutasten" Berlinförderung und Sozialer Wohnungsbau in der „Inselstadt“ Wie stellt der Klassenfeind die preußische Geschichte aus? 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Todesopfer des DDR-Grenzregimes - Eine Recherche Todesopfer des DDR-Grenzregimes - Eine andere Sicht "Begriffliche Unklarheiten" Die Reichsbahn und der Strafvollzug in der DDR "Schicksale nicht Begriffe" Mauerbau und Machtelite Zwangseingewiesene Mädchen und Frauen in Venerologischen Einrichtungen Stasi-Razzia in der Umweltbibliothek Politisch inhaftierte Frauen in der DDR Ein widerständiges Leben: Heinz Brandt Über den Zaun und zurück – Flucht und Rückkehr von Dietmar Mann Die politische Justiz und die Anwälte in der Arä Honecker Geraubte Kindheit – Jugendhilfe in der DDR Haftarbeit im VEB Pentacon Dresden – eine Fallstudie Zwischen Kontrolle und Willkür – Der Strafvollzug in der DDR Suizide in Haftanstalten: Legenden und Fakten Die arbeitsrechtlichen Konsequenzen in der DDR bei Stellung eines Ausreiseantrages Max Fechner – Opfer oder Täter der Justiz der Deutschen Demokratischen Republik? Die "Auskunftspersonen" der Stasi – Der Fall Saalfeld Geschlossene Venerologische Stationen und das MfS Jugendhilfe und Heimerziehung in der DDR Fraenkels "Doppelstaat" und die Aufarbeitung des SED-Unrechts Alltag und Gesellschaft Fußball mit und ohne Seele München 1972: Olympia-Streit um das „wahre Freundesland“ Afrikas Das religiöse Feld in Ostdeutschland Repräsentation Ostdeutschlands nach Wahl 2021 Die Transformation der DDR-Presse 1989/90 Das Elitendilemma im Osten "Affirmative Action" im Osten Ostdeutsche in den Eliten als Problem und Aufgabe Ostdeutsche Eliten und die Friedliche Revolution in der Diskussion Die Bundestagswahl 2021 in Ostdeutschland Deutsch-deutsche Umweltverhandlungen 1970–1990 Der Plan einer Rentnerkartei in der DDR "Es ist an der Zeit, zwei deutsche Mannschaften zu bilden" Deutsch-ausländische Ehen in der Bundesrepublik Verhandelte Grenzüberschreitungen Verpasste Chancen in der Umweltpolitik Der dritte Weg aus der DDR: Heirat ins Ausland Und nach Corona? 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Der Mutige wird wieder einsam Das Jahr meines Lebens Basisdemokratie Lehren aus dem Zusammenbruch "Wir wollten uns erhobenen Hauptes verabschieden" Für die gute Sache, gegen die Familie DDR-Wissenschaftler Seuchenbekämpfung Chemnitz: Crystal-Meth-Hauptstadt Europas Keine Ahnung, was als Nächstes passieren wird Allendes letzte Rede Friedliche Revolution Gethsemanekirche und Nikolaikirche Das Wirken der Treuhandanstalt Gewerkschaften im Prozess von Einheit und Transformation Zusammenarbeit von Treuhandanstalt und Brandenburg Privatisierung vom DDR-Schiffbau Die Leuna-Minol-Privatisierung Übernahme? Die Treuhandanstalt und die Gewerkschaften: Im Schlepptau der Bonner Behörden? Treuhand Osteuropa Beratungsgesellschaft "Ur-Treuhand" 1990 Internationale Finanzakteure und das Echo des Sozialismus Soziale Marktwirtschaft ohne Mittelstand? Die Beziehungen zwischen Frankreich und der DDR Suche nach den Spuren der DDR Wirtschaftsbeziehungen zwischen Frankreich und der DDR Der Freundschaftsverein „EFA“ Die Mauer in der französischen Populärkultur DDR als Zankapfel in Forschung und Politik DDR-Geschichte in französischen Ausstellungen nach 2009 Theater- und Literaturtransfer zwischen Frankreich und der DDR Die DDR in französischen Deutschbüchern Kommunalpartnerschaften zwischen Frankreich und der DDR Regimebehauptung und Widerstand Mut zum Aussteigen aus Feindbildern Für die Freiheit verlegt - die radix-blätter Der Fußballfan in der DDR Jugend in Zeiten politischen Umbruchs Umweltschutz als Opposition Sozialistisches Menschenbild und Individualität. Wege in die Opposition Politische Fremdbestimmung durch Gruppen Ist Antisemitismus vor allem ein ostdeutsches Problem? Antisemitismus in Deutschland Die Zweite Generation jüdischer Remigranten im Gespräch War die DDR antisemitisch? Antisemitismus in der DDR Teil I Antisemitismus in der DDR Teil II Als ob wir nichts zu lernen hätten von den linken Juden der DDR ... Ostdeutscher Antisemitismus: Wie braun war die DDR? Die Shoah und die DDR Umgang mit jüdischen Friedhöfen und Friedhofsschändungen, Teil I Umgang mit jüdischen Friedhöfen und Friedhofsschändungen, Teil II Israel im Schwarzen Kanal Der Nahostkonflikt in Kinder- und Jugendzeitschriften der DDR, I Der Nahostkonflikt in Kinder- und Jugendzeitschriften der DDR, II Das Israelbild der DDR und dessen Folgen Buchenwald und seine fragwürdige Nachgeschichte Macht-Räume in der DDR Wirtschaftspläne im Politbüro 1989 "Macht-Räume in der DDR" Macht, Raum und Plattenbau in Nordost-Berlin Machträume und Eigen-Sinn der DDR-Gesellschaft Die "Eigenverantwortung" der örtlichen Organe der DDR Strategien und Grenzen der DDR-Erziehungsdiktatur Staatliche Einstufungspraxis bei Punk- und New-Wave-Bands Kommunalpolitische Kontroversen in der DDR (1965-1973) Schwarzwohnen 1968 – Ost und West Der Aufstand des 17. Juni 1953 Interview mit Roland Jahn Der 17. Juni 1953 und Europa Geschichtspolitische Aspekte des 17. Juni 17. Juni Augenzeugenbericht Kultur und Medien Einmal Beethoven-Haus und zurück Heimat ist ein Raum aus Bytes Der Aufbau des öffentlich-rechtlichen Rundfunks in Ostdeutschland Die Demokratisierung von Rundfunk und Fernsehen der DDR Die Stasi und die Hitler-Tagebücher Ein Nachruf auf Walter Kaufmann Die Tageszeitung »Neues Deutschland« vor und nach 1990 Wie ein Staat untergeht Objektgeschichte antifaschistischer Ausstellungen der DDR Reaktionen auf die Ausstrahlung der Fernsehserie „Holocaust“ „Mitteldeutschland“: ein Kampfausdruck? Gesundheitsaufklärung im Global Humanitarian Regime The British Press and the German Democratic Republic Kulturkontakte über den Eisernen Vorhang hinweg "Drei Staaten, zwei Nationen, ein Volk“ "Flugplatz, Mord und Prostitution" SED-Führung am Vorabend des "Kahlschlag"-Plenums Ende der Anfangsjahre - Deutsches Fernsehen in Ost und West "Wer nicht für uns ist, ist gegen uns. Es gibt keinen Dritten Weg" Frauenbild der Frauenpresse der DDR und der PCI Regionales Hörfunkprogramm der DDR DDR-Zeitungen und Staatssicherheit Eine Chronik von Jugendradio DT64 Die "neue Frau": Frauenbilder der SED und PCI (1944-1950) Lager nach 1945 Ukrainische Displaced Persons in Deutschland Jugendauffanglager Westertimke Das Notaufnahmelager Gießen Die Gedenkstätte und Museum Trutzhain Die Barackenstadt: Wolfsburg und seine Lager nach 1945 Die Aufnahmelager für West-Ost-Migranten Die Berliner Luftbrücke und das Problem der SBZ-Flucht 1948/49 Migration Fortbildungen als Entwicklungshilfe Einfluss von Erinnerungskulturen auf den Umgang mit Geflüchteten Friedland international? Italienische Zuwanderung nach Deutschland Jüdische Displaced Persons Das Notaufnahmelager Marienfelde Migration aus Süd- und Südosteuropa nach Westeuropa Die "Kinder der 'Operation Shamrock'" Rück- und Zuwanderung in die DDR 1949 bis 1989 West-Ost-Übersiedlungen in der evangelischen Kirche Migration aus der Türkei Griechische Migration nach Deutschland Die Herausforderung der Aussiedlerintegration Die Ausreise aus der DDR Das Spezifische deutsch-deutscher Migration Flüchtlinge und Vertriebene im Nachkriegsdeutschland Interview mit Birgit Weyhe zur Graphic Novel "Madgermanes" Die Migration russischsprachiger Juden seit 1989 Chinesische Vertragsarbeiter in Dessau Arbeitsmigranten in der DDR Gewerkschaften und Arbeitsmigration in der Bundesrepublik Deutschlandforschertagung 2016 Eröffnungsreden Panels und Poster Session Grenzgebiete Die Wende im Zonenrandgebiet Der andere Mauerfall Das "Grüne Band" Alltagsleben im Grenzgebiet Aktion, Reaktion und Gegenreaktion im „Schlüsseljahr“ 1952 Außensichten auf die deutsche Einheit Wahrnehmung des geeinten Deutschlands in Serbien Norwegische Freundschaft mit dem vereinten Deutschland Deutschland im Spiegel des Wandels der Niederlande Österreichs Reaktionen auf die Mühen zur deutschen Einheit Israelische Reaktionen auf die Wiedervereinigung Deutsche Diplomaten erleben den Herbst 1989 Das wiedervereinigte Deutschland aus Sicht der Slowaken Wahrnehmung der deutschen Einheit in Dänemark Die Perzeption der Wiedervereinigung in Lateinamerika Deutsch-polnische Beziehungen Der Blick junger Schweizer auf Deutschland Bulgarien blickt erwartungsvoll nach Deutschland Vom bescheidenen Wertarbeiter zur arroganten Chefin "Gebt zu, dass die Deutschen etwas Großes geleistet haben." 150 Jahre Sozialdemokratie Wehners Ostpolitik und die Irrtümer von Egon Bahr 150 Jahre Arbeiterturn- und Sportbewegung Die Spaltung der SPD am Ende der deutschen Teilung Willy Brandts Besuch in Ostberlin 1985 Deutschlandforschertagung 2014 Einleitungsvortrag von Christoph Kleßmann Tagungsbericht: "Herrschaft und Widerstand gegen die Mauer" Tagungsbericht: Sektion "Kultur im Schatten der Mauer" Interview mit Heiner Timmermann Interview mit Angela Siebold Interview mit Jérôme Vaillant Interview mit Irmgard Zündorf Interview mit Andreas Malycha Die Mauer in westdeutschen Köpfen Multimedia Zeitreisen mit "Kennzeichen D" Der Anfang vom Ende der DDR: Die Biermann-Ausbürgerung 1976 Wendekorpus. Eine Audio-Zeitreise. 1. Vorboten von Umbruch und Mauerfall 2. Schabowski und die Öffnung der Grenzen am 9. November 1989 3. Grenzübertritt am 10. November 4. Begrüßungsgeld 100 D-Mark 5. Den Anderen anders wahrnehmen 6. Stereotypen 7. Was bedeutet uns der Fall der Mauer? 8. Emotionen 9. Sprache Gespräche mit Zeitzeuginnen und Zeitzeugen Brecht & Galilei: Ideologiezertrümmerung Die Zweite Generation jüdischer Remigranten im Gespräch Ausgaben vor 2013 Bau- und Planungsgeschichte (11+12/2012) Architektur als Medium der Vergesellschaftung Landschaftsarchitektur im Zentrum Berlins Kunst im Stadtraum als pädagogische Politik Dresden – das Scheitern der "sozialistischen Stadt" Bautyp DDR-Warenhaus? Ulrich Müthers Schalenbauten Medizinische Hochschulbauten als Prestigeobjekt der SED Transitautobahn Hamburg–Berlin Literaturjournal Aufarbeitung (10/2012) "Es geht nicht um Abrechnung ..." "Ein Ort, der zum Dialog anregt" Eckstein einer EU-Geschichtspolitik? Schwierigkeiten mit der Wahrheit Personelle Kontinuitäten in Brandenburg seit 1989 "Geschlossene Gesellschaft" Kulturelite im Blick der Stasi Experten für gesamtdeutsche Fragen – der Königsteiner Kreis Friedrich II. – Friedrich der Große Literaturjournal Deutsch-deutscher Literaturaustausch (8+9/2012) Eine gesamtdeutsche Reihe? Die Insel-Bücherei Versuche deutsch-deutscher Literaturzeitschriften Geschiedene Gemüter, zerschnittene Beziehungen Ein Name, zwei Wege: Reclam Leipzig und Reclam Stuttgart Die Beobachtung des westdeutschen Verlagswesens durch das MfS Volker Brauns Reflexionen über die Teilung Deutschlands Die Leipziger Buchmesse, die Börsenvereine und der Mauerbau Die Publikationskontroverse um Anna Seghers' "Das siebte Kreuz" Westdeutscher linker Buchhandel und DDR Die Publikationsgeschichte von Stefan Heyms "Erzählungen" Das große Volkstanzbuch von Herbert Oetke Eine deutsch-deutsche Koproduktion: die "OB" Dokumentation: "Ein exemplarisches Leben – eine exemplarische Kunst" Literaturjournal Nach dem Mauerbau (7/2012) Der ewige Flüchtling Der Warenkreditwunsch der DDR von 1962 Die Entstehung der "Haftaktion" Leuna im Streik? Mit dem Rücken zur Mauer Der Honecker-Besuch in Bonn 1987 Ein Zufallsfund? Literaturjournal Politische Bildung (6/2012) Antikommunismus zwischen Wissenschaft und politischer Bildung Subjektorientierte historische Bildung Geschichtsvermittlung in der Migrationsgesellschaft "Hallo?! – Hier kommt die DDR" Vergangenheit verstehen, Demokratiebewusstsein stärken Keine einfachen Wahrheiten Literaturjournal Sport (5/2012) Sportnation Bundesrepublik Deutschland? Marginalisierung der Sportgeschichte? Dopingskandale in der alten Bundesrepublik Hooliganismus in der DDR "Erfolge unserer Sportler – Erfolge der DDR" Literaturjournal Nachkrieg (4/2012) Jüdischer Humor in Deutschland Die SED und die Juden 1985–1990 "Braun" und "Rot" – Akteur in zwei deutschen Welten Kriegsverbrecherverfolgung in SBZ und früher DDR Die "Hungerdemonstration" in Olbernhau Eklat beim Ersten Deutschen Schriftstellerkongress Workuta – die "zweite Universität" Dokumentation: Die Rehabilitierung der Emmy Goldacker Kaliningrader Identitäten "Osten sind immer die Anderen!" Freiheit und Sicherheit Literaturjournal Wirtschaft und Soziales (3/2012) Zeitgeschichte/ Zeitgeschehen Forum Literaturjournal Zeitgeschichte im Film (2/2012) Zeitgeschichte/ Zeitgeschehen Forum Literaturjournal Nonkonformität und Widerstand (1/2012) Zeitgeschichte/ Zeitgeschehen Dokumentation Forum Literaturjournal Deutsch-deutsches (11+12/2011) Zeitgeschichte/ Zeitgeschehen Dokumentation Forum Literaturjournal Öffentlicher Umgang mit Geschichte (10/2011) Zeitgeschichte/ Zeitgeschehen Forum Literaturjournal 21 Jahre Deutsche Einheit (9/2011) Zeitgeschichte/ Zeitgeschehen Dokumentation Forum Literaturjournal Wissenschaft (8/2011) Zeitgeschichte/ Zeitgeschehen Forum Literaturjournal 50 Jahre Mauerbau - Teil 2 (7/2011) Zeitgeschichte/ Zeitgeschehen Dokumentation Forum Literaturjournal 50 Jahre Mauerbau (6/2011) Zeitgeschichte/ Zeitgeschehen Dokumentation Forum Literaturjournal Kultur (5/2011) Zeitgeschichte/ Zeitgeschehen Dokumentation Forum Literaturjournal Innere Sicherheit (4/2011) Zeitgeschichte/ Zeitgeschehen Dokumentation Forum Literaturjournal Wirtschaftsgeschichte (3/2011) Zeitgeschichte/ Zeitgeschehen Dokumentation Forum Literaturjournal Ost-West-Beziehungen (2/2011) Zeitgeschichte/ Zeitgeschehen Dokumentation Forum Literaturjournal Medien (1/2011) Zeitgeschichte/ Zeitgeschehen Dokumentation Forum Literaturjournal Über das Deutschland Archiv Redaktion Nach den Unruhen in Kasachstan: Wendepunkt oder Weiter so?

Dalia Grinfeld: „Junge jüdische Menschen empowern“ Politische, feministische, jüdische Aktivistin

Dalia Grinfeld Sharon Adler

/ 19 Minuten zu lesen

Die erste gewählte Präsidentin und Gründungsmitglied der Jüdischen Studierendenunion Deutschland (JSUD), Gründungsmitglied des jüdisch-queeren- Vereins Keshet Deutschland sowie Co-Initiatorin des Jewish Women Empowerment Summit engagiert sich auch hauptberuflich als Stellvertretende Direktorin für Europäische Angelegenheiten bei der Anti-Defamation League (ADL) für Gerechtigkeit und Gleichberechtigung und gegen Antisemitismus und Online-Hate.

Dalia Grinfeld ist die Mitgründerin und erste gewählte Präsidentin der Jüdischen Studierendenunion Deutschland (JSUD), Mitgründerin des queer-jüdischen Vereins Keshet Deutschland und stellvertretende Direktorin für europäische Angelegenheiten bei der Anti-Defamation League (ADL). (© Sharon Adler/PIXELMEER, 2022)

Wurzeln und Verflechtungen

Sharon Adler: Du sprichst fließend Deutsch, Englisch, Hebräisch, Russisch und Spanisch, hast in Heidelberg, Buenos Aires und Herzliya studiert und in Berlin, New York, Zürich und Brüssel gearbeitet. Welche Wurzeln und Verflechtungen finden sich in deiner Familienbiographie?

Dalia Grinfeld: In meiner Familie finden sich verschiedenste Kulturen, Traditionen und auch Werte, die sich über Generationen gehalten haben, aber auch Progressivität. Während ich in Stuttgart geboren wurde und in Berlin aufgewachsen bin, stammen meine Elternteile aus der ehemaligen Sowjetunion, aus Riga, dem heutigen Lettland, sowie aus Cordoba und später Buenos Aires, Argentinien. Also aus unterschiedlichen Teilen der Welt. Kennengelernt haben sie sich in Israel, von wo aus sie nach Deutschland gegangen sind. Das ist eine sehr spannende Kombination, eine Vermischung von Verschiedenem. Ich selbst fühle mich dadurch sehr multikulturell und auch sehr multikulturell bereichert. Wenn man von überall herkommt, passt man einerseits nirgends ganz rein, und gleichzeitig ist das Tolle, dass man Verschiedenes kennt, was man mitnehmen und weitergeben kann. Ich bin dankbar, dass ich diese Reise bisher mitgemacht habe und bin gespannt, wo die Reise für mich hingeht.

Sharon Adler: Inwiefern steht dein multikultureller Familienhintergrund für eine „typische jüdische Biographie“ (in der es nichts Ungewöhnliches ist, dass sich viele Familienzweige miteinander verkreuzen)?

Dalia Grinfeld: In unserer Generation – wir sind jetzt die dritte Generation nach der Shoah – gibt es besonders in Europa nur wenige jüdische Familien, wo die Großeltern an demselben Ort geboren und gestorben sind. Nicht aus eigener Entscheidung, sondern durch Flucht und Vertreibung. Auch meine Familiengeschichte ist davon seit vielen Generationen geprägt. Meine Familie in Argentinien ist vor den Pogromen im russischen Zarenreich dorthin geflüchtet. Und wegen der schwierigen Fluchtgeschichten aufgrund der Shoah, wo Kinder von den Eltern und Großeltern getrennt wurden, gehört es auch heute noch zu unserer jüdischen Biografie dazu, Flucht und Vertreibung als eine Option mitzudenken. Und dass man sich nie ganz zuhause fühlt und daher auch nach Israel oder in die USA schaut, und überlegt, wo man reinpasst.

Sharon Adler: Wann und von wo ist deine Familie nach Deutschland gekommen – und wohin ist sie gegangen?

Dalia Grinfeld als eine der Protagonist*innen in der Kampagne „Diskriminierung hat viele Gesichter“ der Landesstelle für Gleichbehandlung – gegen Diskriminierung der Senatsverwaltung für Justiz, Verbraucherschutz und Antidiskriminierung. Der Claim: „Zu jüdisch für diese Stadt?“ (© Sharon Adler/PIXELMEER, 2018)

Dalia Grinfeld: Meine Familie ist in den 1970er-Jahren aus Riga, dem heutigen Lettland, nach Israel ausgewandert. Kurz vor dem Yom-Kippur-Krieg 1973 ist sie über Wien nach Berlin eingereist. Sie war Teil der ersten Emigrationswelle aus der Sowjetunion – über Israel nach Deutschland. Meine Mutter war damals sieben oder acht Jahre alt. Wie alle anderen waren sie erst in einem Auffanglager. Das war ein rundes weißes Haus, das haben sie alle auch untereinander so genannt: круглый дом, also „rundes Haus“. Das war die gängige Einwanderungserfahrung für die Menschen aus der ehemaligen Sowjetunion. In Berlin haben sie ein bisschen Wurzeln geschlagen. Sie haben sich eine eigene Wohnung gesucht, angefangen zu arbeiten und die Sprache gelernt. Mein Onkel wurde geboren. Aber als meine Mutter zur Oberschule gehen sollte, entschieden meine Großeltern wegen der besseren Bildungschancen und beruflichen Qualifikationen der Kinder, in die USA zu gehen, wo sie viele Jahre gelebt haben. Dort hat meine Mutter ihren High-School-Abschluss gemacht. Nach ihrem Uni-Abschluss in Zahnmedizin hat sie nochmal Aliyah gemacht, nach Herzliya. Dort hat sie meinen Vater kennengelernt. Er ist zur selben Zeit als Zahnarzt aus Argentinien nach Israel ausgewandert. Sie haben zwei Jahre zusammengelebt und sind dann gemeinsam nach Deutschland gegangen. Nach Stuttgart.

Nach Deutschland zurück zu gehen, war vor allem eine berufliche Entscheidung, ein Grund war aber auch, dass sie schon etwas Deutsch sprachen. Sie hatten schon einen Bezug zum Land, und es war nichts ganz Fremdes. Gleichzeitig hatte man noch die Erinnerung daran, nicht ganz hinein und nicht ganz dazu zu passen. Auch war in den 1970er-Jahren die NS-Geschichte überhaupt noch nicht aufgearbeitet. Die Fragen danach, ob man mit Kindern ehemaliger Nazis zur Schule gegangen ist, mit wem man seine Kindheit und Jugend verbracht hat und in welchen Elternhäusern ihre Freunde aufgewachsen sind, waren im Nachhinein ganz schwierig. Man kann sich ja zusammenrechnen, was der 65-jährige Lehrer oder die Lehrerin während der NS-Zeit gemacht hat und welche Ideologien die Person unterstützt hat. Das ist heute eine ganz andere Situation, denn jetzt findet viel mehr Aufarbeitung zu dem Thema statt, vom Staat, von der Gesellschaft und von zivilgesellschaftlichen Institutionen.

(Jüdische) Bildung und Schule

Sharon Adler: Welchen Stellenwert hatten deine Bildung und die Vermittlung jüdischer Traditionen für deine Eltern?

Dalia Grinfeld: Einer der Gründe, warum sie im Jahr 1996 nach Berlin gezogen sind, war, dass es in Stuttgart kaum jüdische Bildungseinrichtungen gab. Vor allem meine Mutter wollte, dass ich die Möglichkeit habe, jüdische Bildung zu genießen. Nicht im orthodox-religiösen Sinne, sondern auf einer Bildungs- und Zugehörigkeitsebene, die weder bei ihren Eltern noch bei ihnen selbst möglich war, aufgrund von Antisemitismus und Vertreibung. Und wegen des fehlenden jüdischen Lebens in Deutschland in den 1970er-Jahren. Ich sollte diese Möglichkeit bekommen, aber ich wurde nie dazu gedrängt. Nach dem jüdischen Kindergarten und der jüdischen Grundschule habe ich mich selbst dafür entschieden, auf das Jüdische Gymnasium Moses Mendelssohn zu gehen. Weil für mich die jüdischen Elemente wie Hebräisch-Unterricht und die jüdischen Feiertage sehr wichtig waren. Das war automatisch Teil meiner Alltagserfahrung, ohne dass ich mich dafür in der Schule oder im Verein entschuldigen musste. Ein Teil meines jüdischen Selbstbewusstseins heute kommt aus dieser Erfahrung.

Sharon Adler: Inwieweit siehst du die Institution (jüdische) Schule als Ort der Bildung und Vermittlung jüdischer Identität und eines jüdischen Selbstbewusstseins?

Dalia Grinfeld: Auf der jüdischen Oberschule wurde ehrenamtliches Engagement sehr gefördert und geschätzt. Es gab viele Möglichkeiten, sich in der Schulgemeinschaft einzubringen, Schulprojekte selbst zu organisieren. Ich habe damals den sozialen Tag initiiert und unsere Schule war dann für viele Jahre – oder sogar bis heute – eine „Schule mit Courage“. Es war eine schöne Atmosphäre, die auf jüdischen Werten, aber auch auf demokratischen Werten basierte. Wir haben zu meiner Zeit das zwanzigjährige Jubiläum gefeiert. Es wurde dort viel aufgebaut und Standards geschaffen. Dazu kam natürlich die jüdische Identität. Sie war immer ein Teil davon. Unsere Schule war eine Bubble, und jüdisches Leben war für jüdische und nichtjüdische Menschen, egal ob Lehrer*innen oder Schüler*innen, wirklich existent. Es gehörte für alle dazu, sich an Rosch ha Shana „Shana Tova“, „Schönes Neues Jahr“, zu wünschen. Das fehlt mir heute im Alltag sehr. Shana Tova wird mir deswegen nicht gewünscht, weil es im Gedankengut von Menschen, die nicht eminent mit jüdischem Leben im Kontakt sind, kaum existiert. Das verstehe ich. Wir sind zahlenmäßig in der Minderheit. Heute bin ich sehr dankbar, dass ich diesen schönen goldenen jüdischen Käfig, wie wir ihn nennen, hatte.

Sharon Adler: War das Lernen unter Polizeischutz für dich „normal“?

Dalia Grinfeld: Für uns gehörten Polizeischutz und Überwachungskameras dazu. Wir haben das nicht als Barriere gesehen. Der Punkt, an dem ich mich gefragt habe, ob das Normalität ist, war, als mich ein nicht-jüdischer Kumpel aus einem anderen Bundesland besucht hat und mich fragte: „Oh krass, ist eure Schule neben einem Gefängnis?“ Da wurde mir zum ersten Mal ganz deutlich bewusst, dass das nicht die Realität für alle ist, aber eben meine und unsere Lebensrealität. Der Fakt, dass wir schon von klein auf gelernt haben, den Unterschied zwischen Feueralarm und Terroralarm zu erkennen, ist gesamtgesellschaftlich gesehen absolut nicht normal. Für uns war das aber Alltag. Wir hatten immer mal wieder antisemitische Vorfälle im Umfeld der Schule und waren daher dankbar, dass wir die Möglichkeit hatten, zur Polizei zu gehen und uns in einen sicheren Raum zurückzuziehen. Gleichzeitig hatten wir – wie jede andere Schulgemeinschaft – Streit, Stress und Cliquen-Wirtschaft. Also eine ganz normale Schule mit ein paar Besonderheiten. Ich glaube, das war auch eine sehr wichtige Erfahrung für die nicht-jüdischen Schüler:innen. Die haben bis heute eine viel engere Verbindung zum Jüdischen.

Sharon Adler: Welche der im Jüdischen Gymnasium Moses Mendelssohn vermittelten Werte (etwa zu jüdischer Ethik) hast du in dein Engagement heute mitgenommen?

Dalia Grinfeld: Das ist eine Kombination aus Verschiedenem. Die Werte, die ich heute lebe, sind auch durch die Schule, das Jugendzentrum, die Familie, mein Ehrenamt, und viel Vereinsarbeit geprägt. Fragen zu stellen, ist im Judentum ein grundsätzlicher Gedanke. Ich denke dabei zum Beispiel an die vier Fragen zu Pessach. Dass Interesse mich selbst und die Gemeinschaft weiterbringt und ein förderndes Element ist, habe ich in mein gesamtes Leben, auch in mein Arbeitsleben mitgenommen. Ich glaube, dass unsere jüdischen und demokratischen Werte in Beziehung zueinander stehen. Und dass das auch ein Teil von jüdischem Werteverständnis ist. Unsere jüdische Bildung, unsere jüdischen Werte, unsere Geschichte leiten uns dazu an, zu einem Wesen zu werden, das einen Beitrag in der Gesellschaft leistet. Die jüdischen Institutionen, in denen ich aktiv war und bin, basieren auf dem Leitgedanken von Tikkun Olam: Gegenseitiges Einsetzen füreinander, Unterstützen, Empowerment. Das ist die Basis, um die Welt ein Stück besser zu machen.

Sharon Adler: Was bedeutet Jüdischkeit für dich?

Dalia Grinfeld: Auf der individuellen Ebene bedeutet Jüdischkeit für mich, sich mit den vielen Facetten des Judentums zu beschäftigen und die für sich selbst bedeutsamen Aspekte in das Leben zu integrieren. Auf der kollektiven Ebene bedeutet Jüdischkeit für mich, eine gemeinsame und geteilte Geschichte, Gegenwart und Zukunft zu haben, die auf Texten, Geschichten, Traditionen, Sprachen, Kulturen und besonders Werten gründen.

Jüdisches in Schulbüchern

Sharon Adler: Im Kontext der Tagung „1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland: Wege der

Dalia Grinfeld als Diskutantin und Speakerin bei der Fachtagung 1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland: „Wege der Begegnung mit jüdischer Vielfalt im Lernort Schule“ der Kultusministerkonferenz/KMK und der Bundeszentrale für politische Bildung/bpb (© Mara Adler, 2021)

Begegnung mit jüdischer Vielfalt im Lernort Schule“ hast du die Darstellung jüdischen Lebens im Unterricht und in Schulbüchern kritisiert. Wie wünschst du dir in der Zukunft die Darstellung eines realistischen Bildes des Judentums und von Jüdinnen und Juden?

Dalia Grinfeld: Judentum im Schulbuch fängt bei 1933 an und hört bei 1945 auf, dann gibt es noch eine Seite im Mittelalter. Das war's. Ein wesentlicher Baustein, der in unserer Bildung in Deutschland zum Thema jüdisches Leben fehlt, ist, dass nur im Negativ-Kontext Holocaust, Antisemitismus und Nahost-Konflikt über Jüdinnen und Juden gesprochen wird. Und dass darüber hinaus gar nichts existiert. Daher setze ich mich auch dafür ein, dass wir in unseren Bildungseinrichtungen – sowohl formell als auch informell – mit realem jüdischem Leben und mit den komplexen Lebensrealitäten von Jüdinnen und Juden auseinandersetzen. Dazu gehören auch die positive jüdische Identität und unsere Geschichten und Traditionen, die wir mit uns tragen, auf die wir stolz sind. Also die Sichtbarmachung davon, dass jüdisches Leben für uns bedeutet, dass wir eine freudige, fröhliche jüdische Identität haben. Dass viel gesungen, getanzt und gelacht wird. Dieses Bild und dieses Verständnis sind überhaupt nicht da in Deutschland.

Und im Kontext Antisemitismus fehlt das Verständnis von dessen Komplexität und die Thematisierung, dass Antisemitismus, historisch und gesellschaftlich gesehen, eine Kontinuität hat und weit gestreut ist. Dass es nicht nur Hakenkreuz und Springerstiefel sind. Und dass es dieselben Mythen sind, die heute nur in neuer Form wieder aufkommen, oft in Bezug auf Israel. Mit Blick auf diese Kontinuitäten möchte ich ein Verständnis in der Gesamtgesellschaft schaffen. Vor allem auch schon in jungem Alter, um Empathie zu stärken.

Sharon Adler: Wie kann (die gemeinsame) jüdisch-deutsche Geschichte, Religion und Kultur vor und nach dem Holocaust mehr im Unterricht beziehungsweise In außerschulischen Lernorten integriert und das Bildungssystem verbessert werden?

Dalia Grinfeld: Ein konkretes Projekt ist das Bildungsprogramm der Anti-Defamation League (ADL) BINAH – Building Insights to Navigate Antisemitism and Hate. BINAH vermittelt in interaktiven Modulen Inhalte über das moderne, vielfältige Leben von Jüdinnen und Juden, die Migration, den Holocaust sowie historischen und modernen Antisemitismus. Der 90-minütige Online-Kurs mit Vorbereitungs- und Nachbereitungsmaterial ist kostenfrei für Schulen und Lehrkräfte und wird hoffentlich zeitnah auch in Deutschland auf Deutsch angeboten.

Dalia Grinfeld im Café „Fine Bagels“ mit integriertem Buchladen „Shakespeare and Sons“ in Berlin-Friedrichshain, wo sie regelmäßig Bücher einkauft und traditionelle jüdisch-amerikanische Bagels genießt. (© Sharon Adler/PIXELMEER, 2022)

Geeignet ist es für die 15- bis 18-Jährigen, also für die zehnte bis zwölfte Klasse. Ziel ist es, die Kontinuität von Antisemitismus und dessen verschiedene Erscheinungsformen zu verstehen. Aber auch, über persönliche Geschichten die Lebensrealitäten von Jüdinnen und Juden zu verstehen, sowohl das Positive, also jüdische Werte, Traditionen, Geschichten, Kulturen, Menschen – verschiedene Gesichter und gleichaltrige Gesichter – und auch, dass Antisemitismus leider Teil der jüdischen Lebensrealität ist. BINAH bildet dazu aus, ein Verbündeter, ein sogenannter Ally für Jüdinnen und Juden zu sein.

Sharon Adler: Du bist Mitgründerin und warst die erste Präsidentin der Jüdischen Studierendenunion Deutschland (JSUD) – kannst du bitte aus der Zeit der Gründung und der Arbeit der JSUD berichten?

Dalia Grinfeld: Die JSUD wurde aus dem Bedarf heraus gegründet, dass es keine Dachorganisation für junge jüdische Erwachsene gab. Keine Repräsentation einer politischen, jüdischen, jungen Stimme. Und nach außen gab es keine Ansprechpersonen für politische Organisationen auf jüdischer Ebene. Die Vision war und ist, junge jüdische Menschen zu empowern, Projekte mitzugestalten, aktiver Teil von den jüdischen Gemeinschaften zu sein, aber auch Teil des gesellschaftspolitischen Deutschlands und Europas. Und auf internationaler Ebene mit jüdischen Organisationen und Institutionen europa- und weltweit zu arbeiten. Die Empowerment-Struktur war mir ganz wichtig. Also eine Struktur, in der es Möglichkeiten für jede und jeden gibt, sich zu engagieren, mit eigenen Ideen zu kommen, die wir dann mit Ressourcen – sei es finanziell, sei es ideell – unterstützen können, sodass wir gemeinsam an verschiedensten Projekten gleichzeitig arbeiten können. Damit sich junge Menschen zwischen 18 und 35 zugehörig fühlen und sagen können: „Ich kann mich hier engagieren, ich kann hier mitmachen und mitgestalten.“ Neben der Mitgestaltungsebene war mir auch die Repräsentanz-Funktion auf einer politischen Ebene wichtig. Wir haben sehr viel Arbeit reingesteckt, in verschiedenste Gremien wie den Deutschen Bundesjugendring hineinzukommen und verschiedenste Gremien zu vertreten, damit diese junge jüdische Stimme auch gehört wird. Weil wir bis dato das Gefühl hatten, dass unsere junge jüdische Stimme einfach nicht sichtbar und nicht hörbar war. Sei es in Jüdischen Gemeinden, in jugendpolitischen Organisationen oder aber auch auf Gesetzgebungsebene, wenn es vor allem um Antisemitismus auf dem Campus geht. Das war der Drive, und man sieht ja jetzt, fünf Jahre später, dass die JSUD gewachsen ist und schon viel erreicht hat.

Ich wollte mit unserem Vorstand und unserem Team neue Akzente setzen. Ein großes Thema war Women-Empowerment, das andere war LGBTIQ-Inklusion, und das dritte war die Minderheiten-Koalitionsbildung. Die erste Aktion, direkt nach der Wahl, war eine Aktion zum Frauentag, eine Nominierungskampagne von älteren, jüdischen Frauenpersönlichkeiten durch die junge Generation. Danach ging es direkt weiter mit einer Solidaritätskampagne für Sinti und Roma. Wir haben auf der Studierendenebene sehr viel mit unterschiedlichen marginalisierten Gruppen in Partnerschaft gearbeitet.

Und 2016 haben wir als erste repräsentative jüdische Organisation ganz offiziell und sehr laut gesagt, dass wir nicht mit der AfD reden und arbeiten werden. Das mündete in eine große Demonstration, als „Juden in der AfD“ gegründet wurde. Wir haben uns gegen die Instrumentalisierung ausgesprochen, und gleichzeitig hat auch der Zentralrat einen Brief geschrieben, den viele jüdische Organisationen unterschrieben haben. Ich glaube, dass dies in die Geschichte der JSUD als eines der größeren Dinge eingeht, die wir gestemmt haben.

Sharon Adler: Du bist heute stellvertretende Direktorin für europäische Angelegenheiten bei der European Affairs der Anti-Defamation League (ADL). Was macht die Organisation im Einzelnen und was sind deine Tätigkeitsfelder bei der ADL?

Dalia Grinfeld: Als ich die Präsidentschaft bei der JSUD geleitet habe und die ersten zwei Jahre die Organisation aufgebaut habe, habe ich gleichzeitig im Europa-Bereich zum Thema Bildung gearbeitet. Ich habe aber in diesem Ehrenamt gemerkt, dass das quasi ein Vollzeitjob plus Überstunden ohne Ende war, dass er mir aber sehr viel Freude bereitet und ich ein großes Interesse habe, daraus mehr als ein Ehrenamt zu machen. Und dass das Jüdisch-Aktivistische auch auf einer beruflichen Ebene Spaß machen könnte: weil ich so begeistert von dieser Arbeit war, weil ich jeden Tag so viel gelernt habe und viel geben konnte. Das hat mich sehr erfüllt. Ich hatte dann das Glück, dass mich einige jüdische Organisationen angesprochen und gefragt haben, ob ich Lust hätte, für sie zu arbeiten.

Ich bin bei der ADL gelandet, weil deren Visionen damit zusammenpassen, wie ich die Welt sehe. Und zwar, dass man gegen alle Formen von Hass einstehen soll. Die Mission von ADL ist: „To stop the defamation of the Jewish people, and to secure justice and fair treatment to all ... “. Kurz gesagt, sich gegen Antisemitismus, aber eben auch für Gerechtigkeit und Gleichbehandlung für alle einzusetzen. Das war für mich mit ausschlaggebend. Und dazu ganz klar Modernität. Mit einem Center for Technology and Society, das vor fünf, sechs Jahren im Silicon Valley gegründet wurde. Das ist ganz nah dran, wenn es um Online-Hate geht und um die Gesetzgebung in den USA. Gleichzeitig ist die ADL mit 25 Regionalbüros die Ansprechorganisation in den USA, wenn es um antisemitische Vorfälle geht. Ich bin quasi der Export-Arm und bringe die verschiedenen Programme der ADL nach Europa, um jüdische Gemeinschaften bei den Themen Antisemitismus und Online-Hate & Co. zu unterstützen.

Antisemitische Verschwörungsmythen

Sharon Adler: Purim 2019 hast du dich unter dem Motto „Stop the FAKE NEWS“ verkleidet, und am 22. November 2021 hast du an der Diskussionsrunde „Blinde Flecken? Berichterstattung über Antisemitismus und antisemitische Aspekte in der Berichterstattung“ des Interkulturellen Mediendialogs Rhein-Main teilgenommen: Wie lautet deine Botschaft an die Medien?

Purim 2019 hat sich Dalia Grinfeld unter dem Motto „Stop the FAKE NEWS“ verkleidet, „um auf die zunehmend verfälschende und lückenhafte Berichterstattung in den Medien aufmerksam zu machen“. (© Dalia Grinfeld, privat)

Dalia Grinfeld: Bei der Verbreitung von antisemitischen Verschwörungsmythen oder Klischeebildern im virtuellen Raum arbeiten wir gegen eine Struktur, denn die Sozialen Medien wie Facebook und Telegram bauen auf einem bestimmten Geschäftsmodell auf. Das heißt, je mehr Traffic es gibt, je mehr Menschen kommentieren oder teilen, desto mehr Geld machen sie mit Werbung. Das ist ein riesengroßes strukturelles Problem, weil wir mit unseren guten moralischen Ansichten und Werten gegen dieses Business-Modell ankämpfen müssen. Es gibt kein intrinsisches Interesse von diesen Social-Media Plattformen, das zu ändern. Das zweite ist, dass wir dort eine Bubble-Struktur haben. Das heißt, wenn ich bestimmten Menschen und Themen folge, dann wird mir immer nur aus diesem Bereich etwas angezeigt. Sowohl thematisch als auch personell. Das heißt, auch da kämpfen wir wieder gegen eine Struktur an. Meine Message lautet, dass wir uns überlegen müssen, wie wir diese Strukturen brechen und diese strukturellen Schwachpunkte aushebeln können. Ich glaube, viele der öffentlich-rechtlichen Medien haben nicht so großen Zuspruch von den jüngeren Generationen, weil sie eben nicht modern genug sind. Wir brauchen einfach einen größeren Fokus darauf, was und wie junge Menschen konsumieren.

Auffällig ist meiner Meinung nach, dass es bei unseren Medienmachenden kein holistisches Verständnis für Antisemitismus gibt. Das zeigt sich unter anderem darin, dass sie Israel-bezogenen Antisemitismus nicht erkennen. Anscheinend gibt es keine Recherche und Verifikation. Es wird teilweise ausgeblendet, sodass wir mit Bildern und Geschichten konfrontiert sind, die eine falsche historische Abfolge haben. Ich war 2014, während der militärischen Auseinandersetzungen im Hamas-Israel-Konflikt, total schockiert, wie die Medien darüber berichtet haben, und war im Mai 2021 auch wieder schockiert. Wobei es meiner Meinung nach ein bisschen besser geworden ist.

Sharon Adler: Welche Bilder von Jüdinnen und Juden existieren heute?

Dalia Grinfeld: Es gibt vor allem kein diverses Bild von Jüdinnen und Juden in Deutschland. Die meisten jüdischen Menschen haben schon einmal gehört, dass sie „gar nicht jüdisch aussehen“ würden oder sie seien die erste Jüdin oder der erste Jude, die oder den man jemals gesehen hätte. Es gibt eine ganz klare Vorstellung von Jüdinnen und Juden. Dazu tragen auch die Medien bei, indem sie immer nur eine bestimmte Art von jüdischem Leben zeigen. Wenn nicht Holocaust & Co., dann ist es das Schabbat-Essen oder irgendeine religiöse Zeremonie, die wahrscheinlich 70 Prozent der Jüdinnen und Juden in Deutschland in der Art und Weise, wie es dargestellt wird, nicht zelebrieren. Es gibt nur ein Narrativ, und das ist: „Antisemitismus ist furchtbar, und Jüdinnen und Juden sind Opfer und leiden. Das können wir in unseren Zeitungsartikeln und in unseren Medien bringen.“ Es ist eine wirklich verschobene Realitätswahrnehmung von jüdischem Leben.

Engagement, Frauen Empowerment, LGBTIQ*-Rechte und innovative Demokratie

Sharon Adler: In allen Bereichen deines Lebens engagierst du dich für jüdische Belange, für die jüdische Gemeinschaft, darunter in NGOs wie dem jüdisch-queeren Verein Keshet Deutschland, den du mitbegründet hast. Was wolltest und konntest du für die queere jüdische Community erreichen?

Dalia Grinfeld: Mit Keshet Deutschland haben wir schon in den ersten drei Jahren eine Community mit queeren jüdischen Menschen aufgebaut, wie es sie in der Form noch nie gab. Wir sind mittlerweile mit Regionalgruppen in Berlin, Frankfurt, München und NRW deutschlandweit vertreten, in denen sehr viele Menschen tagtäglich aktiv sind. Diese Community ist Gold wert. Und dieses Gefühl, wenn die Menschen über Keshet sagen, das sei der erste Ort, wo sie queer und jüdisch gleichzeitig sein können.

Die Enttabuisierung des Themas LGBTIQ innerhalb der jüdischen Gemeinschaft ist noch eine große Aufgabe. Wir haben damit angefangen, Programme und Seminare mit der ZWST, der jüdischen Wohlfahrtsorganisation, und anderen Organisationen auszuarbeiten. Das ist ein großer Fortschritt für unsere jüdische Gemeinde, aber trotzdem ein noch viel zu kleiner Schritt für unser jüdisches Gemeindeleben.

Das Dritte ist, dass wir auf der LGBTIQ-Ebene auch endlich eine jüdische Stimme haben. Eine jüdische Stimme, wenn es um LGBTIQ-Rechte geht, aber auch als Ansprechorganisation, wenn es um Antisemitismus in der queeren Community und grundsätzlich um das Thema jüdisches Leben geht.

Zu den größten Dingen, die wir geschafft haben, gehört das große Netz von Aktivist*innen. Das ist das größte Geschenk, was man als Gründungsmitglied und Gründungsvorstand bekommen kann: dass sich weiterhin Menschen engagieren und versuchen, diese Vision voranzutreiben. Und wir haben natürlich gutes Fundraising betrieben. Ich habe stabile Ressourcen für Keshet geschaffen.

Das Politische ist feministisch

Sharon Adler: Du bist auch Co-Initiatorin des Jewish Women Empowerment Summit (JWES). Welche Ziele verfolgt es, und was bedeutet das Format für dich persönlich?

Dalia Grinfeld: Das Jewish Women Empowerment Summit ist ein einzigartiger Ort, an dem junge jüdische Frauen zusammenkommen können und sowohl ihre feministischen Träume entdecken oder intensivieren können, als auch sich mit den Überschneidungs-themen von jüdisch und Frau auseinandersetzen können, und an dem wir untereinander in einem sicheren Raum diskutieren und uns austauschen können, etwas gemeinschaftlich aufbauen und bilden können. Es ist eine Atmosphäre, die kaum mit etwas anderem vergleichbar ist. Für mich selbst ist es ein Raum, in dem ich sehr gerne auch mit anderen jüdischen Frauen reflektiere und mich sehr entspannt auf diese Atmosphäre und diese Gemeinschaft einlasse. Es ist auch immer spannend, welche Themen aufkommen. Es ist ein reflektiver und gewinnbringender Raum für jüdische Frauen.

Sharon Adler: Du bist eine der Diskutantinnen im Jüdischen Quartett, einem Talk-Format der Amadeu Antonio Stiftung im Rahmen der Bildungs- und Aktionswochen gegen Antisemitismus. Was reizt dich daran, zu gesellschaftlich-aktuellen Themen aus feministisch-jüdischer Sicht zu debattieren?

Dalia Grinfeld: Das Quartett eröffnet eine neue Möglichkeit für Theorie, für Hintergrund und Verständnis. Eine multi-funktionale Perspektive, die wahnsinnig spannend ist, wenn man sich politische Debatten anschaut wie etwa die zum Paragraphen 219a. Die schöne Sache daran ist, dass man eine Multiperspektive einnehmen kann und verschiedenste Hintergründe – von der eigenen Identität, aber auch von der gesellschaftlichen Struktur – einbringen kann. Es ist gewinnbringend für alle, ein politisches oder gesellschaftliches Problem auch aus einem anderen Kontext heraus zu sehen. Ich hatte dadurch schöne und interessante Diskussionen, konnte im Kontext von Feminismus den jüdischen Aspekt mit einbringen und auch Leute durch die feministisch-jüdische Brille blicken lassen. Ich habe oft positives Feedback bekommen, weil das Jüdische Quartett auch auf einer subtilen und angenehmen Art und Weise jüdisches Leben nahebringt.

Sharon Adler: Gibt es weibliche jüdische Vorbilder, an denen du dich orientierst?

Dalia Grinfeld: Ganz besonders bewundere ich Gertrud Feiertag. Sie war eine Vorreiterin zu einer Zeit, in der viele jüdische Frauen – und Frauen insgesamt – nicht selbstständig waren. Als sie 1931 das jüdische Landschulheim in Caputh bei Berlin gegründet und ab dann geleitet hat, war das schon damals eine Innovation und Reform. Sie hat als ausgebildete Sozialpädagogin, die ihr akademisches und menschliches Wissen eingebracht hat, Enormes geleistet. Mit ihrer in der damaligen Zeit ungewöhnlich fortschrittlichen Pädagogik und trotz der schwierigen Bedingungen, der ständig drohenden Vertreibung, hat sie es geschafft, Kindern und Lehrer:innen einen Lebensraum zu gestalten. Trotz andauernder Angriffe hat sie das Landschulheim lange offengehalten, bis 1938. Man kann das ehemalige Jüdische Landschulheim heute noch besuchen. Heute befindet sich dort das Jugendhilfezentrum Gertrud Feiertag. Es ist ein super interessanter Ort, direkt am Schwielowsee. Über Gertrud Feiertag gibt es einen Film, „Vertreibung aus dem Paradies“, und Bücher über ihr Leben, unter anderem „Ein verlorenes Paradies“. Ich fand ihre Lebensgeschichte, ihren Einsatz für Kinder und Jugendliche, die ein Zuhause brauchten, schon immer total faszinierend und inspirierend.

Interner Link: Zur Vita von Dalia Grinfeld >>

Zitierweise: „Dalia Grinfeld: „Junge jüdische Menschen empowern““, Interview mit Dalia Grinfeld, in: Deutschland Archiv, (Datum), 4.3.2022, Link: www.bpb.de/505853

Fussnoten

Fußnoten

  1. Jüdisches Gymnasium Moses Mendelssohn – Staatlich anerkannte Privatschule der Jüdischen Gemeinde zu Berlin, https://jgmm.de/, zuletzt aufgerufen am 22.12.2021.

  2. „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“, https://www.schule-ohne-rassismus.org/, zuletzt aufgerufen am 16.1.2022.

  3. 1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland: Wege der Begegnung mit jüdischer Vielfalt im Lernort Schule. Themenseite der bpb/KMK-Fachtagung 2021, https://www.bpb.de/lernen/projekte/fachdiskurs-schule/335767/1700-jahre-juedisches-leben-in-deutschland-wege-der-begegnung-mit-juedischer-vielfalt-im-lernort-schule, zuletzt aufgerufen am 22.12.2021.

  4. BINAH – Building Insights to Navigate Antisemitism and Hate: In den USA haben bereits über 7.300 Schüler:innen den Kurs absolviert. 76 % sind der Meinung, dass dieser Kurs ihnen geholfen hat, historische antisemitische Handlungen mit aktuellem Antisemitismus Handlungen in Verbindung zu bringen. Siehe: www.adl.org/education/antisemitism, zuletzt aufgerufen am 9.1.2022.

  5. Jüdische Studierendenunion Deutschland (JSUD), am 8.12.2016 gegründet, www.jsud.de/, zuletzt aufgerufen am 23.12.2021.

  6. Antisemitism Uncovered: A Guide to Old Myths in a New Era is a comprehensive resource with historical context, fact-based descriptions of prevalent antisemitic myths, contemporary examples and calls-to-action for addressing this hate. Siehe: www.adl.org/antisemitism-uncovered-a-guide-to-old-myths-in-a-new-era, zuletzt aufgerufen am 21.12.2021.

  7. Antisemitic Incidents at Anti-Israel Events and Actions Around the World, siehe: www.adl.org/resources/fact-sheets/antisemitic-incidents-at-anti-israel-events-and-actions-around-the-world, zuletzt aufgerufen am 9.1.2022.

  8. Young European Jews face Antisemitism and Hate Related to the Conflict in Israel, www.adl.org/blog/young-european-jews-face-antisemitism-and-hate-related-to-the-conflict-in-israel, zuletzt aufgerufen am 9.1.2022.

  9. JEWISH WOMEN EMPOWERMENT SUMMIT ist eine gemeinsame Veranstaltung der Bildungsabteilung des Zentralrats der Juden in Deutschland in Kooperation mit der Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland (ZWST) und der JSUD – Jüdische Studierendenunion Deutschland. Die in Europa einzigartige Plattform für Bildung, Vernetzung, Befähigung und gesellschaftlichen Diskurs für junge jüdische Frauen fand vom 2.-5. 9.2021 zum dritten Mal in Frankfurt/M. statt.

  10. Die am 4.7.1890 in Berlin geborene Sozialpädagogin Gertrud Feiertag gründete 1931 das jüdische Kinder- und Landschulheim Caputh bei Potsdam. 1943 wurde sie in Auschwitz ermordet.

Lizenz

Dieser Text ist unter der Creative Commons Lizenz "CC BY-NC-ND 3.0 DE - Namensnennung - Nicht-kommerziell - Keine Bearbeitung 3.0 Deutschland" veröffentlicht. Autoren/-innen: Dalia Grinfeld, Sharon Adler für bpb.de

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geboren 1994 in Stuttgart, hat Politikwissenschaft und Jüdische Studien studiert und war die erste gewählte Präsidentin und Gründungsmitglied der Jüdischen Studierendenunion Deutschland (JSUD) und Co-Vorsitzende und Gründungsmitglied des queer-jüdischen Vereins Keshet Deutschland. Sie ist heute stellvertretende Direktorin für Europäische Angelegenheiten bei der Anti-Defamation League (ADL). Interner Link: Mehr zu Dalia Grinfeld >>

geboren 1962 in West-Berlin, ist Journalistin, Moderatorin und Fotografin. Im Jahr 2000 gründete sie das Online-Magazin und Informationsportal für Frauen AVIVA-Berlin, das sie noch heute herausgibt. Das Magazin hat es sich zur Aufgabe gemacht, Frauen in der Gesellschaft sichtbarer zu machen und über jüdisches Leben zu berichten. Sharon Adler hat verschiedenste Projekte zu jüdischem Leben in Deutschland für unterschiedliche Auftraggeber/-innen umgesetzt und auch selbst Projekte initiiert wie "Schalom Aleikum“, das sie zur besseren Verständigung von Jüdinnen und Muslima entwickelte. Nach dem Anschlag auf die Synagoge in Halle im Jahr 2019 initiierte sie das Interview- und Fotoprojekt "Jetzt erst recht. Stop Antisemitismus". Hier berichten Jüdinnen und Juden in Interviews über ihre Erfahrungen mit Antisemitismus in Deutschland. Seit 2013 engagiert sie sich ehrenamtlich als Vorstandsvorsitzende der Stiftung ZURÜCKGEBEN. Stiftung zur Förderung jüdischer Frauen in Kunst und Wissenschaft. Für das Deutschland Archiv der bpb betreut sie die Reihe "Jüdinnen in Deutschland nach 1945"