Meine Merkliste Geteilte Merkliste

Die Jüngste als Sorgenkind?

Deutschland Archiv Neu im DA Schwerpunkte Zeitenwende? Der Ukrainekrieg und die Folgen. 42 Analysen & Essays. Was riskieren wir? Ein Sommer der Unentschlossenheit Sieben Monate Krieg Die Waffen nieder? Ungleiche Fluchten? Schwerter allein sind zu wenig „Russland wird sich nach Putin ändern“ Die be(un)ruhigende Alltäglichkeit des Totalitären Vergessene Bomben aus Deutschland Putins Mimikry Schon einmal Vernichtungskrieg Verhandeln, aber wie? Das sterbende russländische Imperium und sein deutscher Helfer Was lief schief seit dem Ende des Kalten Krieges? „Sie haben die Zukunft zerbrochen“ Vertreibung ist auch eine Waffe "Wie ich Putin traf und er mich das Fürchten lehrte" "Wir bewundern sie und sie verschwinden" Mehr Willkommensklassen! Hoffen auf einen russischen „Nürnberger Prozess“ Russische Kriegskontinuitäten Wurzeln einer unabhängigen Ukraine Der erschütterte Fortschritts-Optimismus "Leider haben wir uns alle geirrt" Die Hoffnung auf eine gesamteuropäische Friedens- und Sicherheitsarchitektur nicht aufgeben „Ihr Völker der Welt“ Das erste Opfer im Krieg ist die Wahrheit China und die „Taiwanfrage“ Transformation und Deutsche Einheit Die sozialpsychologische Seite der Zukunft Zwölf Thesen zu Wirtschaftsumbau und Treuhandanstalt Die andere Geschichte der Umbruchjahre – alternative Ideen und Projekte 30 Jahre nach Rostock-Lichtenhagen Wiedervereinigt auf dem Rücken von Migranten und Migrantinnen? Film ohne Auftrag - Perspektiven, die ausgegrenzt und unterschlagen wurden Geheimdienste, „Zürcher Modell“ und „Länderspiel“ 50 Jahre Grundlagenvertrag Drei Kanzler und die DDR Populismus in Ost und West Akzeptanz der repräsentativen Demokratie in Ostdeutschland Zusammen in Feindseligkeit? Neuauflage "(Ost)Deutschlands Weg" Ostdeutsche Frakturen Geschichtspolitik von oben? Anpassungsprozess der ostdeutschen Landwirtschaft Daniela Dahn: TAMTAM und TABU Wege, die wir gingen „Der Ort, aus dem ich komme, heißt Dunkeldeutschland” Unternehmerischer Habitus von Ostdeutschen Teuer erkauftes Alltagswissen Trotz allem im Zeitplan Revolution ohne souveränen historischen Träger Mehr Frauenrechte und Parität Lange Geschichte der „Wende“ Eine Generation nach der ersten freien Volkskammerwahl Unter ostdeutschen Dächern Die de Maizières: Arbeit für die Einheit Schulzeit während der „Wende” Deutschland – Namibia Im Gespräch: Bahr und Ensikat Gorbatschows Friedliche Revolution "Der Schlüssel lag bei uns" "Vereinigungsbedingte Inventur" "Es gab kein Drehbuch" "Mensch sein, Mensch bleiben" Antrag auf Staatsferne Alt im Westen - Neu im Osten Die Deutsche Zweiheit „Ein echtes Arbeitsparlament“ Corona zeigt gesellschaftliche Schwächen Widersprüchliche Vereinigungsbilanz Schule der Demokratie Warten auf das Abschlusszeugnis Brief an meine Enkel Putins Dienstausweis im Stasi-Archiv Preis der Einheit Glücksstunde mit Makeln Emotional aufgeladenes Parlament Geht alle Macht vom Volke aus? Deutschland einig Vaterland 2:2 gegen den Bundestag "Nicht förderungswürdig" Demokratie offen halten Standpunkte bewahren - trotz Brüchen Die ostdeutsche Erfahrung Kaum Posten für den Osten Braune Wurzeln Wer beherrscht den Osten „Nicht mehr mitspielen zu dürfen, ist hart.“ Ein Ost-West-Dialog in Briefen Stadtumbau Ost Ostdeutschland bei der Regierungsbildung 2017 Die neue Zweiklassengesellschaft DDR-Eishockey im Wiedervereinigungsprozess Die SPD (West) und die deutsche Einheit Die Runden Tische 1989/90 in der DDR Die Wandlung der VdgB zum Bauernverband 1990 Transatlantische Medienperspektiven auf die Treuhandanstalt Transformation ostdeutscher Genossenschaftsbanken Demografische Entwicklung in Deutschland seit 1990 Parteien und Parteienwettbewerb in West- und Ostdeutschland Hertha BSC und der 1. FC Union vor und nach 1990 25 Jahre nach der Wiedervereinigung Ostdeutsches Industriedesign im Transformationsprozess Wende und Vereinigung im deutschen Radsport Wende und Vereinigung im deutschen Radsport (II) Kuratorium für einen demokratisch verfassten Bund deutscher Länder Europäische Union als Voraussetzung für deutschen Gesamtstaat Welche Zukunft braucht Deutschlands Zukunftszentrum? Ein Plädoyer. Erinnern, Gedenken, Aufarbeiten Wenn Gedenkreden verklingen Zeitenwenden Geschichtsklitterungen „Hat Putin Kinder?“, fragt meine Tochter Wolf Biermann über Putin: Am ersten Tag des Dritten Weltkrieges Der Philosoph hinter Putin „Putin verwandelt alles in Scheiße“ Das Verhängnis des Imperiums in den Köpfen Ilse Spittmann-Rühle ist gestorben Was bedeutet die Liquidierung von Teilen Memorials? Rückfall Russlands in finsterste Zeiten Memorial - Diffamiert als "ausländische Agenten" Die Verteidigung des Erinnerns Russlands Attacken auf "Memorial" Der Fall Schalck-Golodkowski Ende des NSU vor zehn Jahren 7. Oktober 1989 als Schlüsseltag der Friedlichen Revolution Die Geschichte von "Kennzeichen D" Nachruf auf Reinhard Schult Leningrad: "Niemand ist vergessen" Verfolgung von Sinti und Roma Zuchthausaufarbeitung in der DDR - Cottbus Sowjetische Sonderhaftanstalten Tage der Ohnmacht "Emotionale Schockerlebnisse" Ein Neonazi aus der DDR Akten als Problem? Eine Behörde tritt ab Ostberlin und Chinas "Großer Sprung nach vorn" Matthias Domaschk - das abrupte Ende eines ungelebten Lebens Ein Wettbewerb für SchülerInnenzeitungen Totenschädel in Gotha Bürgerkomitees: Vom Aktionsbündnis zum Aufarbeitungsverein Westliche Leiharbeiter in der DDR Hohenzollern und Demokratie nach 1918 (I) Hohenzollern und Demokratie nach 1918 (II) Auf dem Weg zu einem freien Belarus? Erstes deutsch-deutsches Gipfeltreffen im Visier des BND Neue Ostpolitik und der Moskauer Vertrag Grenze der Volksrepublik Bulgarien Die Logistik der Repression Schwarzenberg-Mythos Verschwundene Parteifinanzen China, die Berlin- und die Deutschlandfrage 8. Mai – ein deutscher Feiertag? China und die DDR in den 1980ern 1989 und sein Stellenwert in der europäischen Erinnerung Stasi-Ende Die ungewisse Republik Spuren und Lehren des Kalten Kriegs Einheitsrhetorik und Teilungspolitik Schweigen brechen - Straftaten aufklären Welche Zukunft hat die DDR-Geschichte? Die Deutschen und der 8. Mai 1945 Jehovas Zeugen und die DDR-Erinnerungspolitik Generation 1989 und deutsch-deutsche Vergangenheit Reformationsjubiläen während deutscher Teilung 25 Jahre Stasi-Unterlagen-Gesetz Kirchliche Vergangenheitspolitik in der Nachkriegszeit Zwischenbilanz Aufarbeitung der DDR-Heimerziehung Der Umgang mit politischen Denkmälern der DDR Richard von Weizsäckers Rede zum Kriegsende 1985 Die Sowjetunion nach Holocaust und Krieg Nationale Mahn- und Gedenkstätten der DDR Behörde des Bundesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen Die Entmilitarisierung des Kriegstotengedenkens in der SBZ Heldenkult, Opfermythos und Aussöhnung Durchhalteparolen und Falschinformationen aus Peking Buchenwald und seine fragwürdige Nachgeschichte Grenzsicherung nach dem Mauerbau Einmal Beethoven-Haus und zurück Das Bild Walther Rathenaus in der DDR und der Bundesrepublik Alles nach Plan? 1989/90 - Friedliche Revolution und Deutsche Einheit „Die Stunde ist gekommen aufzustehen vom Schlaf“ Mythos Montagsdemonstration Ossi? Wessi? Geht's noch? Es gibt keine wirkliche Ostdebatte Die. Wir. Ossi. Wessi? Wie man zum Ossi wird - Nachwendekinder zwischen Klischee und Stillschweigen 2 plus 4: "Ihr könnt mitmachen, aber nichts ändern“ Blick zurück nach vorn Wem gehört die Revolution? Die erste und letzte freie DDR-Volkskammerwahl Mythos 1989 Joseph Beuys über die DDR Der 9. Oktober 1989 in Leipzig Egon Krenz über den 9. November Die deutsche Regierung beschleunigt zu stark Projekte für ein Freiheits- und Einheitsdenkmal in Berlin und Leipzig Deutsch-deutsche Begegnungen. Die Städtepartnerschaften am Tag der Deutschen Einheit Mit Abstand betrachtet - Erinnerungen, Fragen, Thesen. Die frohe Botschaft des Widerstands Mauerfall mit Migrationshintergrund "Wer kann das, alltäglich ein Held sein?" "Es geht um Selbstbefreiung und Selbstdemokratisierung" Kann man den Deutschen vertrauen? Ein Rückblick nach einem Vierteljahrhundert deutscher Einheit Von der (eigenen) Geschichte eingeholt? Berlin – geteilte Stadt & Mauerfall Berliner Polizei-Einheit Die Mauer. 1961 bis 2021 The Wall: 1961-2021 - Part One The Wall: 1961-2021 - Part Two "Es geht nicht einfach um die Frage, ob Fußball gespielt wird" Mauerbau und Alltag in Westberlin Der Teilung auf der Spur The Games at the Gate Der Mauerfall aus vielen Perspektiven Video der Maueröffnung am 9. November 1989 Die Mauer fiel nicht am 9. November Mauersturz statt Mauerfall Heimliche Mauerfotos von Ost-Berlin aus Ost-West-Kindheiten "Niemand hat die Absicht, die Menschenwürde anzutasten" Berlinförderung und Sozialer Wohnungsbau in der „Inselstadt“ Wie stellt der Klassenfeind die preußische Geschichte aus? Flughafen Tempelhof Die Bundeshilfe für West-Berlin Christliche Gemeinschaft im geteilten Berlin Amerikanische Militärpräsenz in West-Berlin Das Stadtjubiläum von 1987 in Ost- und West-Berlin Bericht zum Workshop "Das doppelte Stadtjubiläum" Das untergegangene West-Berlin Interview: „Der Zoo der Anderen“ Un-Rechts-Staat DDR Bedrohter Alltag Unrecht, Recht und Gerechtigkeit - eine Bilanz von Gerd Poppe Der Geschlossene Jugendwerkhof Torgau – eine "Totale Institution" Stasi-Hafterfahrungen: Selbstvergewisserung und Renitenz Kritik und Replik: Suizide bei den Grenztruppen und im Wehrdienst der DDR Suizide bei den Grenztruppen der DDR. Eine Replik auf Udo Grashoff Die Todesopfer des DDR-Grenzregimes, ihre Aufarbeitung und die Erinnerungskultur Die Freiheit ist mir lieber als mein Leben „Nicht nur Heldengeschichten beschreiben“ Wer war Opfer des DDR-Grenzregimes? Todesopfer des DDR-Grenzregimes - Eine Recherche Todesopfer des DDR-Grenzregimes - Eine andere Sicht "Begriffliche Unklarheiten" Die Reichsbahn und der Strafvollzug in der DDR "Schicksale nicht Begriffe" Mauerbau und Machtelite Zwangseingewiesene Mädchen und Frauen in Venerologischen Einrichtungen Stasi-Razzia in der Umweltbibliothek Politisch inhaftierte Frauen in der DDR Ein widerständiges Leben: Heinz Brandt Über den Zaun und zurück – Flucht und Rückkehr von Dietmar Mann Die politische Justiz und die Anwälte in der Arä Honecker Geraubte Kindheit – Jugendhilfe in der DDR Haftarbeit im VEB Pentacon Dresden – eine Fallstudie Zwischen Kontrolle und Willkür – Der Strafvollzug in der DDR Suizide in Haftanstalten: Legenden und Fakten Die arbeitsrechtlichen Konsequenzen in der DDR bei Stellung eines Ausreiseantrages Max Fechner – Opfer oder Täter der Justiz der Deutschen Demokratischen Republik? Die "Auskunftspersonen" der Stasi – Der Fall Saalfeld Geschlossene Venerologische Stationen und das MfS Jugendhilfe und Heimerziehung in der DDR Fraenkels "Doppelstaat" und die Aufarbeitung des SED-Unrechts Alltag und Gesellschaft München 1972: Olympia-Streit um das „wahre Freundesland“ Afrikas Das religiöse Feld in Ostdeutschland Repräsentation Ostdeutschlands nach Wahl 2021 Die Transformation der DDR-Presse 1989/90 Das Elitendilemma im Osten "Affirmative Action" im Osten Ostdeutsche in den Eliten als Problem und Aufgabe Ostdeutsche Eliten und die Friedliche Revolution in der Diskussion Die Bundestagswahl 2021 in Ostdeutschland Deutsch-deutsche Umweltverhandlungen 1970–1990 Der Plan einer Rentnerkartei in der DDR "Es ist an der Zeit, zwei deutsche Mannschaften zu bilden" Deutsch-ausländische Ehen in der Bundesrepublik Verhandelte Grenzüberschreitungen Verpasste Chancen in der Umweltpolitik Der dritte Weg aus der DDR: Heirat ins Ausland Und nach Corona? Ein Laboratorium für Demokratie! Nichtehelichkeit in der späten DDR und in Ostdeutschland 30 Jahre später – der andere Bruch: Corona Mama, darf ich das Deutschlandlied singen Mit der Verfassung gegen Antisemitismus? Epidemien in der DDR Homosexuelle in DDR-Volksarmee und Staatssicherheit „Die DDR als Zankapfel in Forschung und Politik" Die Debatte über die Asiatische Grippe Coronavirus - Geschichte im Ausnahmezustand Werdegänge Familien behinderter Kinder in BRD und DDR Vom Mauerblümchen zum Fußball-Leuchtturm DDR-Alltag im Trickfilm Die alternative Modeszene der DDR Nachrichtendienste in Deutschland. Teil II Nachrichtendienste in Deutschland. Teil I Die Jagd gehört dem Volke Homosexuelle und die Bundesrepublik Deutschland Honeckers Jagdfieber zahlte die Bevölkerung Sicherheitspolitik beider deutscher Staaten von 1949 bis 1956 Frauen im geteilten Deutschland Ostdeutsche Identität Patriotismus der Friedensbewegung und die politische Rechte Rechte Gewalt in Ost und West Wochenkrippen und Kinderwochenheime in der DDR Urlaubsträume und Reiseziele in der DDR Reiselust und Tourismus in der Bundesrepublik Schwule und Lesben in der DDR Die westdeutschen „Stellvertreterumfragen“ Erfahrungen mit der Krippenerziehung „Päckchen von drüben“ Vor aller Augen: Pogrome und der untätige Staat Zwischen Staat und Markt Dynamo in Afrika: Doppelpass am Pulverfass Jüdinnen in Deutschland nach 1945 Julia Davidovski: „Kinder sind unsere Zukunft“ Emma Budge und Margarete Oppenheim: der Kampf um ihre Kunstsammlungen in der Bundesrepublik „Wir sind offen für alle“ Interviews Beiträge Porträts Redaktion "Ungehaltene Reden" ehemaliger Abgeordneter der DDR-Volkskammer Was sollten Wähler und Wählerinnen 2021 bedenken? Ein urdemokratischer Impuls, der bis ins Heute reicht „Als erster aus der Kurve kommen“ Die Rolle des Staats in der Wahrnehmung der Ostdeutschen Die durchlaufene Mauer Interview: Peter-Michael Diestel Interview: Günther Krause Interview: Lothar de Maizière Schülerzeitungstexte Noch Mauer(n) im Kopf? Liebe über Grenzen Ostseeflucht Fluchtursachen Die Frau vom Checkpoint Charlie Mutti, erzähl doch mal von der DDR Staatsfeind Nr.1: DAS VOLK!!! Mit dem Bus in die DDR Ost und West. Ein Vergleich Warum wird der 3. Oktober gefeiert? "Ich wünsch mir, dass die Mauer, die noch immer in vielen Köpfen steht, eingerissen wird" Zeitenwende Ist der Osten ausdiskutiert? Der Mutige wird wieder einsam Das Jahr meines Lebens Basisdemokratie Lehren aus dem Zusammenbruch "Wir wollten uns erhobenen Hauptes verabschieden" Für die gute Sache, gegen die Familie DDR-Wissenschaftler Seuchenbekämpfung Chemnitz: Crystal-Meth-Hauptstadt Europas Keine Ahnung, was als Nächstes passieren wird Allendes letzte Rede Friedliche Revolution Gethsemanekirche und Nikolaikirche Das Wirken der Treuhandanstalt Gewerkschaften im Prozess von Einheit und Transformation Zusammenarbeit von Treuhandanstalt und Brandenburg Privatisierung vom DDR-Schiffbau Die Leuna-Minol-Privatisierung Übernahme? Die Treuhandanstalt und die Gewerkschaften: Im Schlepptau der Bonner Behörden? Treuhand Osteuropa Beratungsgesellschaft "Ur-Treuhand" 1990 Internationale Finanzakteure und das Echo des Sozialismus Soziale Marktwirtschaft ohne Mittelstand? Die Beziehungen zwischen Frankreich und der DDR Suche nach den Spuren der DDR Wirtschaftsbeziehungen zwischen Frankreich und der DDR Der Freundschaftsverein „EFA“ Die Mauer in der französischen Populärkultur DDR als Zankapfel in Forschung und Politik DDR-Geschichte in französischen Ausstellungen nach 2009 Theater- und Literaturtransfer zwischen Frankreich und der DDR Die DDR in französischen Deutschbüchern Kommunalpartnerschaften zwischen Frankreich und der DDR Regimebehauptung und Widerstand Mut zum Aussteigen aus Feindbildern Für die Freiheit verlegt - die radix-blätter Der Fußballfan in der DDR Jugend in Zeiten politischen Umbruchs Umweltschutz als Opposition Sozialistisches Menschenbild und Individualität. Wege in die Opposition Politische Fremdbestimmung durch Gruppen Ist Antisemitismus vor allem ein ostdeutsches Problem? Antisemitismus in Deutschland Die Zweite Generation jüdischer Remigranten im Gespräch War die DDR antisemitisch? Antisemitismus in der DDR Teil I Antisemitismus in der DDR Teil II Als ob wir nichts zu lernen hätten von den linken Juden der DDR ... Ostdeutscher Antisemitismus: Wie braun war die DDR? Die Shoah und die DDR Umgang mit jüdischen Friedhöfen und Friedhofsschändungen, Teil I Umgang mit jüdischen Friedhöfen und Friedhofsschändungen, Teil II Israel im Schwarzen Kanal Der Nahostkonflikt in Kinder- und Jugendzeitschriften der DDR, I Der Nahostkonflikt in Kinder- und Jugendzeitschriften der DDR, II Das Israelbild der DDR und dessen Folgen Buchenwald und seine fragwürdige Nachgeschichte Macht-Räume in der DDR Wirtschaftspläne im Politbüro 1989 "Macht-Räume in der DDR" Macht, Raum und Plattenbau in Nordost-Berlin Machträume und Eigen-Sinn der DDR-Gesellschaft Die "Eigenverantwortung" der örtlichen Organe der DDR Strategien und Grenzen der DDR-Erziehungsdiktatur Staatliche Einstufungspraxis bei Punk- und New-Wave-Bands Kommunalpolitische Kontroversen in der DDR (1965-1973) Schwarzwohnen 1968 – Ost und West Der Aufstand des 17. Juni 1953 Interview mit Roland Jahn Der 17. Juni 1953 und Europa Geschichtspolitische Aspekte des 17. Juni 17. Juni Augenzeugenbericht Kultur und Medien Einmal Beethoven-Haus und zurück Heimat ist ein Raum aus Bytes Der Aufbau des öffentlich-rechtlichen Rundfunks in Ostdeutschland Die Demokratisierung von Rundfunk und Fernsehen der DDR Die Stasi und die Hitler-Tagebücher Ein Nachruf auf Walter Kaufmann Die Tageszeitung »Neues Deutschland« vor und nach 1990 Wie ein Staat untergeht Objektgeschichte antifaschistischer Ausstellungen der DDR Reaktionen auf die Ausstrahlung der Fernsehserie „Holocaust“ „Mitteldeutschland“: ein Kampfausdruck? Gesundheitsaufklärung im Global Humanitarian Regime The British Press and the German Democratic Republic Kulturkontakte über den Eisernen Vorhang hinweg "Drei Staaten, zwei Nationen, ein Volk“ "Flugplatz, Mord und Prostitution" SED-Führung am Vorabend des "Kahlschlag"-Plenums Ende der Anfangsjahre - Deutsches Fernsehen in Ost und West "Wer nicht für uns ist, ist gegen uns. Es gibt keinen Dritten Weg" Frauenbild der Frauenpresse der DDR und der PCI Regionales Hörfunkprogramm der DDR DDR-Zeitungen und Staatssicherheit Eine Chronik von Jugendradio DT64 Die "neue Frau": Frauenbilder der SED und PCI (1944-1950) Lager nach 1945 Ukrainische Displaced Persons in Deutschland Jugendauffanglager Westertimke Das Notaufnahmelager Gießen Die Gedenkstätte und Museum Trutzhain Die Barackenstadt: Wolfsburg und seine Lager nach 1945 Die Aufnahmelager für West-Ost-Migranten Die Berliner Luftbrücke und das Problem der SBZ-Flucht 1948/49 Migration Fortbildungen als Entwicklungshilfe Einfluss von Erinnerungskulturen auf den Umgang mit Geflüchteten Friedland international? Italienische Zuwanderung nach Deutschland Jüdische Displaced Persons Das Notaufnahmelager Marienfelde Migration aus Süd- und Südosteuropa nach Westeuropa Die "Kinder der 'Operation Shamrock'" Rück- und Zuwanderung in die DDR 1949 bis 1989 West-Ost-Übersiedlungen in der evangelischen Kirche Migration aus der Türkei Griechische Migration nach Deutschland Die Herausforderung der Aussiedlerintegration Die Ausreise aus der DDR Das Spezifische deutsch-deutscher Migration Flüchtlinge und Vertriebene im Nachkriegsdeutschland Interview mit Birgit Weyhe zur Graphic Novel "Madgermanes" Die Migration russischsprachiger Juden seit 1989 Chinesische Vertragsarbeiter in Dessau Arbeitsmigranten in der DDR Gewerkschaften und Arbeitsmigration in der Bundesrepublik Deutschlandforschertagung 2016 Eröffnungsreden Panels und Poster Session Grenzgebiete Die Wende im Zonenrandgebiet Der andere Mauerfall Das "Grüne Band" Alltagsleben im Grenzgebiet Außensichten auf die deutsche Einheit Wahrnehmung des geeinten Deutschlands in Serbien Norwegische Freundschaft mit dem vereinten Deutschland Deutschland im Spiegel des Wandels der Niederlande Österreichs Reaktionen auf die Mühen zur deutschen Einheit Israelische Reaktionen auf die Wiedervereinigung Deutsche Diplomaten erleben den Herbst 1989 Das wiedervereinigte Deutschland aus Sicht der Slowaken Wahrnehmung der deutschen Einheit in Dänemark Die Perzeption der Wiedervereinigung in Lateinamerika Deutsch-polnische Beziehungen Der Blick junger Schweizer auf Deutschland Bulgarien blickt erwartungsvoll nach Deutschland Vom bescheidenen Wertarbeiter zur arroganten Chefin "Gebt zu, dass die Deutschen etwas Großes geleistet haben." 150 Jahre Sozialdemokratie Wehners Ostpolitik und die Irrtümer von Egon Bahr 150 Jahre Arbeiterturn- und Sportbewegung Die Spaltung der SPD am Ende der deutschen Teilung Willy Brandts Besuch in Ostberlin 1985 Deutschlandforschertagung 2014 Einleitungsvortrag von Christoph Kleßmann Tagungsbericht: "Herrschaft und Widerstand gegen die Mauer" Tagungsbericht: Sektion "Kultur im Schatten der Mauer" Interview mit Heiner Timmermann Interview mit Angela Siebold Interview mit Jérôme Vaillant Interview mit Irmgard Zündorf Interview mit Andreas Malycha Die Mauer in westdeutschen Köpfen Multimedia Zeitreisen mit "Kennzeichen D" Der Anfang vom Ende der DDR: Die Biermann-Ausbürgerung 1976 Wendekorpus. Eine Audio-Zeitreise. 1. Vorboten von Umbruch und Mauerfall 2. Schabowski und die Öffnung der Grenzen am 9. November 1989 3. Grenzübertritt am 10. November 4. Begrüßungsgeld 100 D-Mark 5. Den Anderen anders wahrnehmen 6. Stereotypen 7. Was bedeutet uns der Fall der Mauer? 8. Emotionen 9. Sprache Gespräche mit Zeitzeuginnen und Zeitzeugen Brecht & Galilei: Ideologiezertrümmerung Die Zweite Generation jüdischer Remigranten im Gespräch Ausgaben vor 2013 Bau- und Planungsgeschichte (11+12/2012) Architektur als Medium der Vergesellschaftung Landschaftsarchitektur im Zentrum Berlins Kunst im Stadtraum als pädagogische Politik Dresden – das Scheitern der "sozialistischen Stadt" Bautyp DDR-Warenhaus? Ulrich Müthers Schalenbauten Medizinische Hochschulbauten als Prestigeobjekt der SED Transitautobahn Hamburg–Berlin Literaturjournal Aufarbeitung (10/2012) "Es geht nicht um Abrechnung ..." "Ein Ort, der zum Dialog anregt" Eckstein einer EU-Geschichtspolitik? Schwierigkeiten mit der Wahrheit Personelle Kontinuitäten in Brandenburg seit 1989 "Geschlossene Gesellschaft" Kulturelite im Blick der Stasi Experten für gesamtdeutsche Fragen – der Königsteiner Kreis Friedrich II. – Friedrich der Große Literaturjournal Deutsch-deutscher Literaturaustausch (8+9/2012) Eine gesamtdeutsche Reihe? Die Insel-Bücherei Versuche deutsch-deutscher Literaturzeitschriften Geschiedene Gemüter, zerschnittene Beziehungen Ein Name, zwei Wege: Reclam Leipzig und Reclam Stuttgart Die Beobachtung des westdeutschen Verlagswesens durch das MfS Volker Brauns Reflexionen über die Teilung Deutschlands Die Leipziger Buchmesse, die Börsenvereine und der Mauerbau Die Publikationskontroverse um Anna Seghers' "Das siebte Kreuz" Westdeutscher linker Buchhandel und DDR Die Publikationsgeschichte von Stefan Heyms "Erzählungen" Das große Volkstanzbuch von Herbert Oetke Eine deutsch-deutsche Koproduktion: die "OB" Dokumentation: "Ein exemplarisches Leben – eine exemplarische Kunst" Literaturjournal Nach dem Mauerbau (7/2012) Der ewige Flüchtling Der Warenkreditwunsch der DDR von 1962 Die Entstehung der "Haftaktion" Leuna im Streik? Mit dem Rücken zur Mauer Der Honecker-Besuch in Bonn 1987 Ein Zufallsfund? Literaturjournal Politische Bildung (6/2012) Antikommunismus zwischen Wissenschaft und politischer Bildung Subjektorientierte historische Bildung Geschichtsvermittlung in der Migrationsgesellschaft "Hallo?! – Hier kommt die DDR" Vergangenheit verstehen, Demokratiebewusstsein stärken Keine einfachen Wahrheiten Literaturjournal Sport (5/2012) Sportnation Bundesrepublik Deutschland? Marginalisierung der Sportgeschichte? Dopingskandale in der alten Bundesrepublik Hooliganismus in der DDR "Erfolge unserer Sportler – Erfolge der DDR" Literaturjournal Nachkrieg (4/2012) Jüdischer Humor in Deutschland Die SED und die Juden 1985–1990 "Braun" und "Rot" – Akteur in zwei deutschen Welten Kriegsverbrecherverfolgung in SBZ und früher DDR Die "Hungerdemonstration" in Olbernhau Eklat beim Ersten Deutschen Schriftstellerkongress Workuta – die "zweite Universität" Dokumentation: Die Rehabilitierung der Emmy Goldacker Kaliningrader Identitäten "Osten sind immer die Anderen!" Freiheit und Sicherheit Literaturjournal Wirtschaft und Soziales (3/2012) Zeitgeschichte/ Zeitgeschehen Forum Literaturjournal Zeitgeschichte im Film (2/2012) Zeitgeschichte/ Zeitgeschehen Forum Literaturjournal Nonkonformität und Widerstand (1/2012) Zeitgeschichte/ Zeitgeschehen Dokumentation Forum Literaturjournal Deutsch-deutsches (11+12/2011) Zeitgeschichte/ Zeitgeschehen Dokumentation Forum Literaturjournal Öffentlicher Umgang mit Geschichte (10/2011) Zeitgeschichte/ Zeitgeschehen Forum Literaturjournal 21 Jahre Deutsche Einheit (9/2011) Zeitgeschichte/ Zeitgeschehen Dokumentation Forum Literaturjournal Wissenschaft (8/2011) Zeitgeschichte/ Zeitgeschehen Forum Literaturjournal 50 Jahre Mauerbau - Teil 2 (7/2011) Zeitgeschichte/ Zeitgeschehen Dokumentation Forum Literaturjournal 50 Jahre Mauerbau (6/2011) Zeitgeschichte/ Zeitgeschehen Dokumentation Forum Literaturjournal Kultur (5/2011) Zeitgeschichte/ Zeitgeschehen Dokumentation Forum Literaturjournal Innere Sicherheit (4/2011) Zeitgeschichte/ Zeitgeschehen Dokumentation Forum Literaturjournal Wirtschaftsgeschichte (3/2011) Zeitgeschichte/ Zeitgeschehen Dokumentation Forum Literaturjournal Ost-West-Beziehungen (2/2011) Zeitgeschichte/ Zeitgeschehen Dokumentation Forum Literaturjournal Medien (1/2011) Zeitgeschichte/ Zeitgeschehen Dokumentation Forum Literaturjournal Über das Deutschland Archiv Redaktion Nach den Unruhen in Kasachstan: Wendepunkt oder Weiter so?

Die Jüngste als Sorgenkind? Plädoyer für eine jüngste Zeitgeschichte als Varianz- und Kontextgeschichte von Übergängen

Marcus Böick Angela Siebold

/ 18 Minuten zu lesen

Die deutsche Zeitgeschichtsforschung sollte sich ihren Blick auf die jüngste Vergangenheit nicht durch Zäsuren, Ereignisse oder Narrative verstellen lassen. Als multiperspektivische Varianz- und Kontextgeschichte langer Übergänge in Ost und West könnte sie einen Weg finden, zeitgenössische Phänomene zu historisieren.

Suche nach Orientierungspunkten


"Grünes Band" statt "Eiserner Vorhang" – Welche Impulse können von einer Historisierung der jüngsten Vergangenheit als Geschichte langer Übergänge ausgehen? (© Klaus Leidorf)

Die deutsche Zeitgeschichtsforschung sucht nach Orientierungspunkten für die Zeit "nach den Katastrophen" des 20. Jahrhunderts. In dieser disziplinären Erkundungsphase gerät wieder zunehmend die gegenwartsnahe Vergangenheit in den Blick. Folgt man Hans Günter Hockerts, so arbeitet die akademische Zeithistorikerschaft in Deutschland an drei größeren, oft relativ lose verbundenen "Zeitgeschichten": an einer "älteren", die die Zeit vor 1945 behandelt und sich mit der Geschichte von Weimarer Republik und Nationalsozialismus befasst, sowie an zwei "jüngeren" Zeitgeschichten, die jeweils die Geschichten der beiden deutschen Staaten und Gesellschaften im Zeitalter des Kalten Krieges nachzeichnen. Schließlich wird bereits seit einiger Zeit über Konturen einer "vierten" oder "jüngsten" Zeitgeschichte nachgedacht, die mit dem Ende des Kalten Krieges in Europa 1989/90 einsetzt. Während sich VertreterInnen der "jüngeren" Zeitgeschichten im Falle der bundesrepublikanischen Geschichte allmählich auf ein durch den Ablauf von staatlichen Archivsperrfristen gesichertes Terrain vorwagen können bzw. dies für die DDR-Geschichte schon seit zwei Jahrzehnten möglich ist, wachsen die Bedenken, je näher man der Gegenwart historiografisch zu Leibe rückt: Kann, soll oder darf man überhaupt eine Geschichte der jüngsten Vergangenheit schreiben?

Vorbehalte gegen ein solches Unterfangen beziehen sich – erstens – auf die spezifische Quellenlage; zweitens wird ein Mangel an Distanz vermutet, der das Urteilsvermögen des Historikers eintrübe und so eine Analyse "sine ira et studio" erschwere; drittens wird die Unabgeschlossenheit vieler Entwicklungsprozesse unterstrichen, die eine historiografische Deutung und Beurteilung verhindere. Diese Vorbehalte münden in der Auffassung, derlei gegenwartsnahe Forschungen seien "gar nicht mehr als Zeitgeschichte im Engeren zu fassen". Im Folgenden wird hier angesetzt und diskutiert, welches Potenzial eine selbstkritische und multiperspektivisch ausgerichtete Zeitgeschichtsforschung zur gegenwartsnahen Vergangenheit, das heißt: der letzten 30 Jahre, haben könnte. Nach einer Diskussion der genannten Kritikpunkte im ersten Abschnitt werden verschiedene Blickwinkel der deutschen ZeithistorikerInnen auf die jüngste Vergangenheit skizziert, bevor in einem dritten Teil der Frage nachgegangen wird, welche Konturen eine jüngste Zeitgeschichtsforschung in zeitlicher, räumlicher, methodischer wie thematischer Hinsicht haben könnte. Vor dem Hintergrund einer immer häufiger diagnostizierten "Ermüdung" der zeithistorischen Debatten sind die folgenden Überlegungen als bewusst offen gestalteter Beitrag zur weiteren Diskussion im Rahmen einer lebendigen "Streitgeschichte" zu verstehen.

1. Vorbehalte gegenüber einer gegenwartsnahen Zeitgeschichtsforschung


1.1 Außerhalb des Geheimarchivs: Empirische Herausforderungen

Neue Horizonte und offene Möglichkeitsräume für HistorikerInnen – East Side Gallery, Kasra Alavi "Flucht" (Mitte). (© Joachim F. Thurn / Bundesregierung, B 145 Bild-F088804-0025)

Die spezifische und häufig diskutierte empirische Grundlage der jüngsten Zeitgeschichte bringt fünf Herausforderungen mit sich: Ins Auge sticht – erstens – der eklatante Mangel an staatlich-archivalischen Quellen, welcher der Archivgesetzgebung geschuldet ist. Demgegenüber droht – zweitens – eine regelrechte Überflutung durch bereits veröffentlichte Dokumente, vor allem in Gestalt von medialen Erzeugnissen in audiovisueller und digitaler Form, Material nicht-staatlicher Provenienz oder Zeitzeugenaussagen. Drittens sind beträchtliche Unterschiede bei der Überlieferung und Erschließung solcher Quellengattungen, etwa in Fernseh- oder Rundfunkarchiven, eine beständige Herausforderung. Viertens stellt die angedeutete Quellenvielfalt interpretative Anforderungen, denen die Zeitgeschichte nur bedingt mit ihrem klassisch-philologischen Instrumentarium der Quellenkritik beikommen kann. Fünftens fordert die empirisch fassbare "Verwissenschaftlichung des Sozialen" ZeithistorikerInnen auf neuartige Weise: Wie zu zeigen sein wird, gilt es hier, die zahlreichen zeitgenössischen Befunde der gegenwartsorientierten Nachbardisziplinen in ihrer "wirklichkeitskonstituierende[n] Wirkung" zu reflektieren.

Doch nicht nur Vielfalt, Verfügbarkeit und Interpretation der Quellen, sondern auch die Fragen, die an sie gestellt werden, haben sich mit der Entwicklung neuer Forschungsansätze, methodischer Zugänge und digitalisierter Arbeitstechniken gewandelt. So haben "klassische" archivalische Quellen aus dem politischen Arkanum in jenem Maße an Bedeutung eingebüßt, wie auch die politische Geschichte der "Großen Kabinette" nicht mehr den Kristallisationskern historischer Forschungen bildet. So man den Vorschlag annimmt, Zeitgeschichte als "Problemgeschichte der Gegenwart" zu begreifen, dürfte eine Archivrecherche "in den Handakten des Staatssekretärs" nicht mehr ausreichen, um heute noch "historische Orientierung" zu bieten, wie Ulrich Herbert betont. Dahinter verbergen sich auch perspektivische Verschiebungen des zeithistoriografischen Blicks auf die vielgestaltige Empirie, die Anselm Doering-Manteuffel als fließende Verwandlung des "historischen Horizont[s]" beschrieben hat: "Wo er jeweils zu suchen ist und mit welchen Konturen er sich dem Auge des Betrachters darbietet, hängt davon ab, was gefragt wird und welcher methodische Zugriff auf den Gegenstand gewählt wird." Gleichermaßen ist auch der Erkenntniswert der verfügbaren Quellenarten variabel, je nachdem, welche methodischen und perspektivischen Aspekte zum Tragen kommen.

1.2 Sogwirkungen der Gegenwart:
Biografische Nähe und Geschichtspolitik


Bereits Hans Rothfels musste sich in den 1950er-Jahren an grundlegenden disziplinären Herausforderungen abarbeiten, um eine wissenschaftliche Auseinandersetzung mit der erst wenige Jahre zuvor beendeten NS-Diktatur gegen allerlei Vorbehalte zu rechtfertigen; das Problem der zeitlich-biografischen Nähe zum historischen Untersuchungsfeld ist also mitnichten neu, stellt sich aber seit dem Ende des Kalten Krieges mit verstärkter Intensivität. Zwar hat diese Nähe durchaus Vorteile, bringt sie doch eine Fülle von Detailkenntnissen mit sich; andererseits erschwert gerade das implizite (Vor-)Wissen wissenschaftliche Verfremdungs- und Abstraktionsbemühungen, die für das Aufspüren neuer Perspektiven bedeutsam sind. Dieses Spannungsverhältnis bleibt daher auch für die jüngste Zeitgeschichtsforschung aktuell. Denn im Kontext vergangenheitsnaher Debattenlandschaften und im Rhythmus medial verstärkter Gedenkstafetten, Podiumsdiskussionen und Publikationswellen werden oftmals die Primärerfahrung der Zeitzeugen, geschichtspolitische Erwägungen und wissenschaftliche Analyse bis zur Unkenntlichkeit miteinander vermengt; "Erlebnishorizont des Zeitzeugen" und "Erklärungshorizont des Zeithistorikers" verschmelzen miteinander. Der häufig diskutierte Rollengegensatz von Historikern, (Geschichts-)Politikern und Zeitzeugen büßt mit abnehmender zeitlicher Distanz an Bedeutung ein: Je näher die Geschichte rückt, desto zahlreicher werden HistorikerInnen gleichsam zu Zeitzeugen; je nach Situation können sie zwischen ihren verschiedenen Rollen mit entsprechender Autorität changieren und sich als Wissenschaftler, Zeitzeuge oder "Mitakteur" äußern.

Hierbei wäre die immense Sogwirkung staatlicher Geschichtspolitiken auf die Zeitgeschichtswissenschaft kritisch zu reflektieren, wenn letztere sich ihrerseits nicht zum bereitwilligen wie funktionalen Mythenspender (zurück) entwickeln will. Lutz Niethammer hält deshalb fest, dass sich die "Wertbildung in einer Gesellschaft" mit ihrer ausdifferenzierten Medienlandschaft und deren pluralen Deutungsangeboten nicht mehr "durch den traditionellen Transfer von Normalität und Teleologie unter Beihilfe historischer Geschichtenerzähler" vollziehen könne; viel eher gelte es, eine offene "Auseinandersetzung zwischen vielen Geschichten" zu suchen. Gerade HistorikerInnen der jüngeren Generationen könnten mit dazu beitragen, die Geschichten der jüngsten Vergangenheit jenseits "altbekannte(r) Fragen", eingeschliffener Dichotomien und liebgewonnener Erklärungsmuster neu zu erkunden.

1.3 Narrativimporte:
Deutungen unabgeschlossener Vergangenheiten


Zeithistorische Orientierungssuche für die Zeit "nach den Katastrophen" des 20. Jahrhunderts, East Side Gallery. (© Joachim F. Thurn / Bundesregierung, B 145 Bild-F088803-0010)

Aus der Unabgeschlossenheit jüngster Vergangenheiten heraus resultiert ein weiteres drängendes Problem: Mangels ausreichender zeithistorischer Forschungen und bedingt durch die breite sozialwissenschaftliche Quellen- und Literaturlage droht die Gefahr einer unreflektierten Übernahme von Narrativen und Deutungsmustern aus den gegenwartsorientierten Nachbardisziplinen: So werden bestehende Themenhierarchien, Perspektiven, Semantiken und Deutungen aus den zeitgenössischen Sozial-, Wirtschafts- und Kulturwissenschaften als tragende Säulen in die historischen Erzählungen eingearbeitet. Eingedenk dieser Tendenz zur voreiligen Adaption zeitgenössischer Narrative erscheint die Frage berechtigt, welchen Eigenwert zeithistoriografische Annäherungen anzubieten haben. Die jüngste Zeitgeschichtsforschung muss also in der Lage sein, sich sowohl von politisch und medial propagierten Meistererzählungen als auch von etablierten gegenwartswissenschaftlichen Narrativkomplexen zu emanzipieren, und diese letztlich selbst zum Gegenstand kontextualisierender Analysen machen.

2. Zeithistoriografische Sichtweisen auf die jüngste Vergangenheit


In Anbetracht erinnerungskultureller Konjunkturen und nationalstaatlicher Fixierungen spielt das Jahr 1989/90 eine zentrale Rolle in der jüngsten Zeitgeschichtsforschung Deutschlands und wird als übergreifender Ordnungs- und Fluchtpunkt anerkannt. So prägen drei Sichtweisen den Umgang der deutschen Historikerschaft mit der gegenwartsnahen Vergangenheit: Erstens setzt 1989/90 einen zäsuralen Endpunkt, der den HistorikerInnen von "Bonner Republik" bzw. DDR als eine Art heuristische Brandmauer dient. Jenseits hiervon wüten die Feuer der Revolution und die zeithistoriografische Aufmerksamkeit konzentriert sich – zweitens – auf die Monate von der Friedlichen Revolution bis zur Wiedervereinigung, die als eigengesetzliche revolutionäre Zwischenphase erscheint. Schließlich wird die jüngste Vergangenheit mittlerweile verstärkt auch von ihrem Ausgangspunkt 1989/90 her betrachtet, der nun zur Geburtsstunde der "Berliner Republik" avanciert und eine "normalisierte" nationalhistorische Sichtachse freilegt.

2.1 Der Umbruch 1989/90 als zeithistoriografischer Schlussstein

In Anbetracht der beträchtlichen empirischen, biografischen wie geschichtspolitischen Hürden erscheint es zunächst plausibel, die Geschichtsschreibung vor dem Beginn einer "vom Heute nur zeitlich, aber nicht epochal abgetrennte[n] (...) 'Gegenwartsgeschichte'" 1989/90 enden zu lassen. Obwohl ein perspektivischer Schlussstein durchaus Vorzüge mit sich bringt, ist die in diesem Kontext vollführte Periodisierung und Zäsursetzung nicht unproblematisch – isoliert und separiert sie doch die "jüngste" Vergangenheit von der übrigen Zeitgeschichte – und trägt dazu bei, "die Zeitgeschichte zu partikularisieren, die Epochen des 20. Jahrhunderts als Blöcke zu denken und gegeneinander abzuschotten." Übergreifende wie langfristige Verflechtungen, Zusammenhänge und Übergänge, welche methodisch wie inhaltlich lohnenswerte Fragen an die letzten Jahrzehnte bereitstellen, geraten dabei tendenziell aus dem Blick.

2.2 Die Schatten der Friedlichen Revolution

Darüber hinaus wurde in den vergangenen Jahren eine Fülle von Monografien und Sammelbänden zur Erforschung des Umbruchs 1989/90 publiziert. Schwerpunkte bilden dabei Ursachen, Verlauf und unmittelbare Konsequenzen der gesellschaftlichen Proteste und ihrer politisch-institutionellen Fortführung durch die Ministerialbürokratie, ferner die internationalen diplomatischen Aushandlungen sowie insgesamt die Bedeutung verschiedener Akteure des Umbruchs auf regionaler wie nationaler Ebene. Es überwiegt eine ereignis-, institutionen- und personenorientierte Politikgeschichte, die in ihren Befunden durch sozialhistorische Betrachtungen ergänzt wird und auf den wiedervereinten deutschen Nationalstaat zentriert bleibt. Die von Jürgen Osterhammel kritisierte "internalistische Orthodoxie" in der europäischen Geschichtsschreibung scheint sich auch bei der historiografischen Erkundung der Umbruchphase 1989/90 durchgesetzt zu haben, was eingedenk ihrer nationenübergreifenden Dimensionen verwundert. Aller unbestreitbaren Verdienste dieser jüngsten Zeitgeschichtsforschung zur Friedlichen Revolution zum Trotz spielen methodisch-theoretische Reflexionen eher eine untergeordnete Rolle; offenbar dominiert die Auffassung, dass die behandelten Phänomene, Personen und Zeitläufe bereits aus sich selbst heraus genügend historische Evidenz und Relevanz entfalteten und eine tiefere Theoretisierung daher nicht vonnöten sei.

Welche Vor-, Nach- und Nebengeschichten verbergen sich im Schatten der friedlichen Revolution 1989/90? – Lichtfest Leipzig 2010. (© Westend)

Schließlich hat der angesprochene Nexus zwischen politisch-medialer Aufmerksamkeit sowie gegenwartsnaher Historiografie beträchtliche Konsequenzen. Salopp formuliert: Je heller das Licht auf das ereignisreiche Geschehen der Friedlichen Revolution fallen soll, desto stärker verharren diejenigen Aspekte im Schatten der Aufmerksamkeit, die sich nicht direkt auf den Zusammenbruch der DDR und die Wiedervereinigung beziehen. Zeitlich konzentriert sich diese Umbruchs- bzw. Revolutionsforschung auf einen dicht gedrängten Ereigniskorridor vom Frühjahr/Sommer 1989 bis zum Oktober 1990; räumlich bleiben die untergehende DDR sowie die Kapitalen der Großmächte im Fokus. Letztlich ist Christoph Kleßmann zuzustimmen, wenn er festhält, dass sich "das Bild erheblich" wandle, wenn man den verbreiteten "Jubel über friedliche Revolution und Vereinigung" perspektivisch überwinde.

2.3 Importierte Wissenschaftlichkeit?
Die Anfänge der "Berliner Republik"


In aktuellen Überblicksdarstellungen zur Geschichte der "Berliner Republik" findet die jüngste Vergangenheit durchaus ihren Platz. Idealtypisch prägen drei große Erzählstränge die zeithistorischen Publikationen: Erstens wird die Geschichte nach 1990 eher als nationale Normalisierungs- oder Erfolgsgeschichte bei weitgehenden altbundesrepublikanischen Kontinuitäten nach der "Einheit" bzw. "Wiedervereinigung" gedeutet, wobei die ost-westlichen Verwerfungen im Transformationsprozess als reflexhafte, kurzfristige Symptome auf dem Weg zur "Vollendung" der "Inneren Einheit" im Zuge eines geglückten "Aufbau Ost" erscheinen.

Demgegenüber knüpft ein anderer Teil der Historikerschaft – zweitens – an zeitgenössische, politisch linksstehende sowie postnational grundierte Gegenerzählungen an und beschreibt die jüngste Vergangenheit nach dem "Beitritt" eher als Verlust- oder Konfliktgeschichte; krisenhafte Entwicklungen in den neuen Bundesländern erscheinen als unmittelbare Folge einer einseitigen, fast kolonial ausgestalteten politischen, ökonomischen wie kulturellen Anpassung des "Ostens" und seiner Bevölkerung, der als "Nachbau West" durch bundesrepublikanische Transfereliten gesteuert wird.

Kommt die Zeitgeschichtsforschung nicht ohne das Paradigma der "nachholenden Modernisierung" aus? – Baustelle in der Altstadt von Rudolstadt 1993. (© Julia Fassbender / Bundesregierung, B 145 Bild-00106428)

Das Gros der Historikerschaft beschreitet schließlich einen dritten Weg jenseits dieser beiden zeitgenössisch-politisierten Deutungsmuster. Der bestehende Mangel an eigenen disziplinären Impulsen soll durch die Übernahme sozial- und wirtschaftswissenschaftlicher Deutungen und Semantiken aus der zeitgenössischen Transformationsforschung kompensiert werden, sozusagen als importierte Wissenschaftlichkeit. Im Zentrum stehen dabei einschlägige Motive wie die "nachholende Modernisierung" oder die "Vereinigungskrise", die Jürgen Kocka schon zeitgenössisch zur Diskussion stellte. Diesen gegenwartswissenschaftlichen Diagnosen gemein ist ein abstrakt-objektivistischer Blick auf die Transformationsgesellschaft: "Ostdeutschland" wird als modernisierungstheoretisches "Laboratorium" begriffen und aus der Perspektive des Sozialforschers auf Fortschritte und Defizite hin begutachtet. Die Krisenphänomene werden abstrakt wie holistisch als sich weitgehend alternativlos vollziehende Adaptionsprozesse entworfen, die "von oben und von außen" über die nun orientierungslosen post-sozialistischen Gesellschaften hereingebrochen seien.

Trotz aller Differenzen teilen alle zeithistoriografischen Erzählmuster zur noch jungen Geschichte der "Berliner Republik" einige implizite Grundannahmen: Erstens dient ihnen der jeweilige Entwicklungsstand der nationalstaatlichen Reintegration Deutschlands als zentraler motivischer Fluchtpunkt; zweitens werden viele politische, ökonomische oder gesellschaftliche Entwicklungen, die in den 1990er-Jahren eine neue Intensität erreichten, als immanente Resultate einer "chaotischen" Krisenzeit interpretiert, obwohl ihre Ursachen und Vorgeschichten in der Zeit vor 1989 zu verorten sind (etwa die Asyldebatte oder Krisen des Sozialstaates); drittens eint alle Erzählstränge die unhinterfragte Grundannahme von weitgehender Kontinuität (West) bei einem radikalen (Um-)Bruch (Ost); viertens wählen sie eine distanzierte Vogelperspektive, um die Prozesse aus national-affirmativer, neokolonial-kritischer oder szientistisch-abstrakter Blickrichtung zu beschreiben, wobei die konkreten gesellschaftlichen Erfahrungen und Praktiken kaum eine Rolle spielen.

3. Erneuerungsvorschläge:
Historisierung langer Übergänge


3.1 Über die Grenzen des Bekannten hinaus

Durch räumlich wie zeitlich limitierte Perspektivsetzung ist Vieles aus dem Blick der ZeithistorikerInnen geraten: So bleiben gerade die west- und außereuropäischen Staaten und Gesellschaften noch zu häufig zeithistoriografische terrae incognitae, deren weitgehende Ausblendung mit impliziten Kontinuitätsvermutungen gerechtfertigt wird. Hier wäre die durchaus provokante Gegenfrage zu stellen, ob die "alte" Bundesrepublik bzw. das Westeuropa der 1980er-Jahre aus gegenwärtiger Perspektive in vielerlei Hinsicht nicht genauso fern und verwandelt erscheint wie die untergegangene sozialistische Staatenwelt. Eine "unbeabsichtigte Co-Transformation des 'alten' Europa" erscheint über die Maßen evident, wie Philipp Ther formulierte, der in seinem Plädoyer für eine transnationale Transformationsgeschichte eine perspektivische Überwindung der "ehemaligen Blockgrenzen" einfordert. Eine umfassende Reintegration dieser getrennten Perspektiven ist dringend notwendig, wird jedoch nicht zuletzt durch akademische "Blockbildungen" weiterhin erschwert – etwa in Form von separaten Lehreinheiten für eine zeitlich nicht definierte "osteuropäische Geschichte" und für die übrige, "normale" Zeitgeschichte.

Jenseits dieser disziplinären Selbstbeschränkungen könnte sich ZeithistorikerInnen ein neuartiges Panorama raumübergreifender Dynamiken und Zusammenhänge eröffnen, das transnational und nicht nur komparatistisch durchmessen werden könnte. Weiterhin gehören gerade auch zäsurale Selbstverständlichkeiten auf den Prüfstand. Hier könnte eine differenzierende Problematisierung des Zäsurcharakters von 1989/90 weiterhelfen, die jüngst auch Martin Sabrow einforderte, gerade weil ihre ordnende wie heuristische Funktion allzu evident erscheint. Die Zeitgeschichtsforschung könnte so ihre perspektivischen Blickachsen künftig flexibilisieren und je nach Thematik und Gegenstand auch längere Zeitabschnitte erkunden, deren Anfangs- und Endpunkte deutlich weniger starr zu fixieren wären. "1989/90" erschiene so nicht mehr als quasi-essentiale, "harte" Zäsur, sondern eher als Schwelle oder Scharnier im Kontext einer offenen Phase von Übergängen.

3.2 Jenseits der Extreme: methodische Synergien

Ausgerechnet in der jüngsten Zeitgeschichte finden zentrale Theoriedebatten der vergangenen Jahrzehnte kaum Resonanz. Dies mag damit zusammenhängen, dass es einleuchtend erscheint, sich bei der Erschließung naher Vergangenheiten zunächst den "klassischen" und scheinbar grundlegenden Fragen zu widmen, also jenen einer "harten" Politik- und Sozialgeschichte. Einem derart engen historiografischen Programm droht jedoch fachinterne Isolation und monothematische Hermetik. Schließlich haben sich in der deutschen Geschichtswissenschaft in den letzten Jahrzehnten Forschungsansätze etabliert, die weniger den Anspruch erheben, vorherige Anstrengungen schlicht zu ersetzen, sondern ihnen weitere Perspektiven hinzuzufügen. Insbesondere die seit Mitte der 1990er-Jahre im deutschsprachigen Raum zum Durchbruch gelangte neue Kulturgeschichte könnte hier auf vielen Feldern befruchtend wirken. Nicht allein das Was, sondern auch das Wie der Übergänge in den vergangenen 30 Jahren erschiene dann für ZeithistorikerInnen interessant; die konsequente Einbeziehung kulturhistorischer Ansätze könnte methodisch reflektierte Abstraktions- und Verfremdungseffekte forcieren und dergestalt auch dem Problem der mangelnden persönlichen Distanz entgegenwirken.

Übertriebene Heilserwartungen an die Adresse der Kulturgeschichte erscheinen allerdings überzogen; viel produktiver erschiene es, die Themen der Politik-, Wirtschafts- und Sozialgeschichte in ein konstruktives Spannungsverhältnis zur kulturhistorischen Vielfalt an Themen, Analyseobjekten und Fragestellungen zu setzen. So könnten Mentalitäts-, Geschlechter-, Diskurs-, Medien-, Konsum-, Wissens-, Global- oder Umweltgeschichte sowie transnationale, postkoloniale und verflechtungsgeschichtliche Ansätze produktive Fragen auch für eine Geschichte der jüngsten Vergangenheit bereithalten. Eine Öffnung könnte nicht zuletzt dazu beitragen, die noch häufig zu beobachtenden gegenseitigen Abschließungs- und Abgrenzungstendenzen zwischen Politik- und SozialhistorikerInnen auf der einen sowie KulturhistorikerInnen auf der anderen Seite pragmatisch zu überwinden.

Produktive Inspirationen hierfür könnte nicht zuletzt auch die stärkere Rezeption zeithistorischer Arbeiten außerhalb Deutschlands bereithalten: Hierbei sei exemplarisch auf die mangelnde Scheu bei der Erschließung der gegenwartsnahen Vergangenheiten in der angelsächsischen Geschichtsforschung oder auf die Wahrnehmung des Umbruchs 1989/90 als langfristigen Transformationsprozess aus mittel- und osteuropäischer Perspektive verwiesen. Eine Internationalisierung der zeithistorischen Disziplinen könnte so bereichernd neben die bereits bestehende, allerdings oft national begrenzte, methodisch teils unreflektierte Interdisziplinarität treten.

3.3 Konturen einer Varianz- und Kontextgeschichte von Übergängen

Brückenschläge, Missverständnisse, Abgrenzungen? – Begegnungen zwischen Ost- und Westeuropa vor und nach dem Ende des Kalten Krieges. (© Dialog. Deutsch-polnisches Magazin)

Nimmt man die von Lutz Niethammer umschriebene Herausforderung an, die "Geschichte der Miterlebenden in den letzten drei Jahrzehnten historisch zu dimensionieren und erforschenswerte Fragestellungen für diese Geschichte auszuarbeiten", so bedarf es neuerlicher konzeptioneller Anstrengungen. Mögliche Konturen einer erneuerten wie erweiterten Zeitgeschichtsforschung seien hier explizit zur Debatte gestellt. Die programmatischen Überlegungen ließen sich pointiert als eine Varianz- und Kontextgeschichte von Übergängen beschreiben: Varianzgeschichte, weil sie methodisch konventionelle Themenbereiche der Politik-, Sozial- und Wirtschaftsgeschichte mit neueren kulturhistorischen Perspektiven pragmatisch zusammenführen und so etablierte Deutungsformationen durch einen programmatischen Methoden- und Themenpluralismus aufbrechen will. Kontextgeschichte, weil sie perspektivisch längerfristig ausgreifende räumliche wie strukturelle Zusammenhänge und Beziehungsgeflechte abseits altbekannter Dichotomien und Periodisierungen erkunden will. Entsprechend offen muss ihr thematischer Zuschnitt bleiben, wobei die Erforschung von vielfältigen und langfristigen Übergängen, ihren (Un-)Gleichzeitigkeiten, Verflechtungen und Asymmetrien, Ambivalenzen und Kontingenzen ihre konzeptionelle Achse bildet: Sie erkundet diese Übergänge in der "hohen Politik" gleichermaßen wie in Wirtschaft, Kultur und Wissenschaft, den Medien, im Konsum sowie im konkreten Alltag; natürlich auch: im "Osten" und im "Westen" Europas. Die jüngste Vergangenheit wird so für ZeithistorikerInnen zu einem multiperspektivisch zu durchleuchtenden Möglichkeitsraum, reichhaltig angefüllt mit Vor-, Nach-, Neben- und Alternativgeschichten, die geschrieben werden wollen.

3.4 Neue Themenfelder für die jüngste Zeitgeschichte

Wie könnte das Themenprofil einer solchen Übergangsgeschichte aussehen? Hierzu einige kursorische Überlegungen: Erstens könnte auf einer diskursgeschichtlich zu analysierenden Makroebene dem langfristigen Wandel von Raumprojektionen und Orientierungswelten in Europa nachgegangen werden, der sowohl regionale, nationale wie europäische Bezüge identifiziert als auch Grenzüberschreitungen berücksichtigt. Hier wäre dezidiert nach dem Wechselspiel zwischen der politischen Integration Europas sowie den parallelen Veränderungen in den Regionen West-, Mittel- und Osteuropas, nach gegenläufigen Entwicklungen wie Globalisierung und Renationalisierung, aber auch nach neuen Grenzziehungen zu einem "Außereuropa" sowie den angelagerten identitären Selbst- und Fremdzuschreibungen zu fragen.

Zweitens sollte der Wirtschafts- und Sozialgeschichte eine zentrale Rolle zukommen: Neben dem Wandel der Unternehmenslandschaften sowie der jeweiligen Arbeitswelten könnten hier insbesondere die umfassenden Umbauten und Neujustierungen im Verhältnis von Wirtschaft, Politik und Gesellschaft berücksichtigt werden. Eine Wissens-, Praxis- und Erfahrungsgeschichte des Wirtschaftsumbaus erforderte eine ausgreifende Perspektive, die die Privatisierungsdebatten im Westeuropa der 1980er-Jahre zwingend integrieren müsste.

Weiterhin ließen sich – drittens – auf einer alltagshistorisch zu fassenden Mikroebene individuelle Erfahrungswelten und subjektive Aneignungen im Kontext soziokultureller wie sozioökonomischer Übergänge untersuchen – von geschlechtsspezifischen, generationellen, familiären oder religiösen Lebenswelten über Migrations-, Kommunikations- und Konsumhandeln bis hin zu Fragen nach Such- und Orientierungsprozessen, über die HistorikerInnen jenseits grober Sozialstatistik und griffiger soziologischer Formeln bislang wenig zu berichten wissen.

Viertens bildet die angesprochene konsequente Historisierung der zeitgenössischen Transformationsforschung auf einer Metaebene eine Herausforderung. Eine zentrale Rolle dürfte so begriffshistorischen Sondierungen zukommen, die sich mit dem semantischen Bedeutungswandel sowie der Neuetablierung von Leitbegriffen und Dichotomien befassen – etwa "Globalisierung", "Zivilgesellschaft", "Neoliberalismus", "Dritter Weg", "Flexibilisierung" oder "Vernetzung" –, aber auch mit geläufigen Begriffspaaren wie "Europa" und "Europäische Gemeinschaft/Union" oder neuen Dichotomisierungen – etwa des "Westens" und der "islamischen Welt". Zudem wäre es lohnenswert, mittlerweile sprichwörtliche und ihrem Kontext entrückte Epochenformeln wie das "Ende der Geschichte", den "Kampf der Kulturen" oder das "postideologische Zeitalter" als zeitgenössische Projektionsfolien zu kontextualisieren.

4. Ausblick


Die jüngste Zeitgeschichtsforschung steht einigen anspruchsvollen Herausforderungen gegenüber. Zwar hat die "Aufarbeitung der Aufarbeitung" inzwischen begonnen. Doch obwohl diese selbstreflexive Debatte durchaus zu begrüßen ist, greift sie zu kurz und droht, im Retrospektiven zu verharren und damit eine weitere Schleife des geschichtspolitischen Aufrechnens zu vollführen. HistorikerInnen sollten die sich aus der unmittelbaren Vergangenheit ergebenden, gegenwärtig drängenden Fragen weder resignierend an andere Disziplinen delegieren noch schlicht darauf warten, dass eine Historisierung in ferner Zukunft möglich wird, wenn die Vergangenheit emotional erkaltet und tagespolitisch steril geworden ist. Stattdessen könnten sie ihre eigenen Kompetenzen in puncto "Quellenkritik, Standpunktreflexion und Forschung als Prozess" bei der Erkundung der gegenwartsnahen Vergangenheiten selbstbewusst zur Geltung bringen.

Die hier als Varianz- und Kontextgeschichte von Übergängen skizzierten Diskussionsanregungen könnten der jüngsten Zeitgeschichte Anschlussmöglichkeiten an die intensiv geführte Debatte um eine Geschichte "nach dem Boom" bieten. Zwar mag offen bleiben, ob das Ende des europäischen Kommunismus eine bloße "Begleiterscheinung" tiefgreifender, genuin "politökonomisch" zu fassender struktureller Wandlungsprozesse im Westen war. Einigkeit dürfte allerdings hinsichtlich der katalysierenden Wirkungen herrschen: Durch den Untergang des Realsozialismus eröffneten sich in den europäischen Gesellschaften völlig neue Möglichkeits- und Handlungsräume. Ideen, Konzeptionen und Semantiken, deren "Anbahnungsphase" Lutz Raphael und Anselm Doering-Manteuffel in den 1970er- und 1980er-Jahren verorten, gelangten nun, in den frühen 1990er-Jahren, vielerorts zum gesellschaftlichen Durchbruch. Philipp Ther schlug hierfür die griffige Formel eines "neoliberalen Geistes der Transformationsepoche" vor, für die "Sozialstaatsabbau, Liberalisierung und Privatisierung der Wirtschaft und ein apolitischer Reformdiskurs" prägend gewesen seien. Übernationale Makro-Prozesse verschränkten sich dabei mit regionalen gesellschaftlichen Entwicklungen, produzierten allerdings gleichsam beträchtliche Gegenkräfte und Widerstände.

Gerade in diesem langfristig zu fassenden Querschnittsfeld könnte die jüngste Zeitgeschichte wertvolle empirische Beiträge zu aktuellen Debatten liefern, wenn sie sich nur konsequent auf ihre disziplinären Vorzüge besinnt: ZeithistorikerInnen wären hier als "Experten für Heterogenität, Kontingenz, Partikularität und Ambivalenz" auch und gerade bei der konsequenten Kontextualisierung vielfältiger Aspekte der jüngsten Vergangenheit und ihrer Einordnung in größere zeitliche wie thematische Spannungsbögen gefragt.

Fussnoten

Fußnoten

  1. Ulrich Herbert, Jenseits der Katastrophen. Zum Stand der deutschen Zeitgeschichtsforschung, in: Ann-Kathrin Schröder (Hg.), Geistesgegenwart und Geisteszukunft. Aufgaben und Möglichkeiten der Geisteswissenschaften, Essen 2007, S. 26–45.

  2. Anselm Doering-Manteuffel/Lutz Raphael. Nach dem Boom. Perspektiven auf die Zeitgeschichte seit 1970, 2. Aufl., Göttingen 2010.

  3. Hans Günter Hockerts, Zugänge zur Zeitgeschichte: Primärerfahrung, Erinnerungskultur, Geschichtswissenschaft, in: APuZ, 28/2001, S. 15–30.

  4. Hans-Peter Schwarz, Die neueste Zeitgeschichte, in: VfZ 51 (2003) 1, S. 5–28.

  5. Martin Sabrow, 1990 – eine Epochenzäsur? Einführungsvortrag zur Veranstaltungsreihe "1990 – als Epochenzäsur", Potsdam 29.4.2010, S. 8.

  6. Thomas Schubert, Von der Epoché des Zeithistorikers. Bemerkungen zur "Aufarbeitung der Aufarbeitung", in: DA 43 (2010) 5, S. 889–896, hier 891.

  7. Martin Sabrow u.a. (Hg.), Zeitgeschichte als Streitgeschichte. Große Kontroversen seit 1945, München 2003.

  8. Lutz Raphael, Die Verwissenschaftlichung des Sozialen als methodische und konzeptionelle Herausforderung für eine Sozialgeschichte des 20. Jahrhunderts, in: Geschichte und Gesellschaft 22 (1996) 2, S. 165–193.

  9. Rüdiger Graf/Kim Christian Priemel, Was Historiker können, können nur Historiker? Legitimität und Originalität zeithistorischer Forschung zwischen Politik-, Sozial- und Wirtschaftswissenschaften, unveröff. Ms.

  10. Anselm Doering-Manteuffel/Lutz Raphael. Nach dem Boom. Perspektiven auf die Zeitgeschichte seit 1970, 2. Aufl., Göttingen 2010, S. 25.

  11. Ulrich Herbert, Jenseits der Katastrophen. Zum Stand der deutschen Zeitgeschichtsforschung, in: Ann-Kathrin Schröder (Hg.), Geistesgegenwart und Geisteszukunft. Aufgaben und Möglichkeiten der Geisteswissenschaften, Essen 2007, S. 26–45, hier 41.

  12. Anselm Doering-Manteuffel, Zeitgeschichte nach der Wende 1989/90 aus der Sicht eines Historikers, in: Joachim Mehlhausen (Hg.), ... und über Barmen hinaus. Studien zur kirchlichen Zeitgeschichte, Göttingen 1995, S. 613–625, hier 620f.

  13. Hans Günter Hockerts, Zugänge zur Zeitgeschichte: Primärerfahrung, Erinnerungskultur, Geschichtswissenschaft, in: APuZ, 28/2001, S. 15–30, hier 16 u. 20.

  14. Lutz Niethammer, Methodische Überlegungen zur deutschen Nachkriegsgeschichte. Doppelgeschichte, Nationalgeschichte oder asymmetrisch verflochtene Parallelgeschichte?, in: Christoph Kleßmann u.a. (Hg.). Deutsche Vergangenheiten – eine gemeinsame Herausforderung. Der schwierige Umgang mit der doppelten Nachkriegsgeschichte, Berlin 1999, S. 307–327, hier 321.

  15. Hans-Peter Schwarz, Die neueste Zeitgeschichte, in: VfZ 51 (2003) 1, S. 5–28, hier 7.

  16. Rüdiger Graf/Kim Christian Priemel, Was Historiker können, können nur Historiker? Legitimität und Originalität zeithistorischer Forschung zwischen Politik-, Sozial- und Wirtschaftswissenschaften, unveröff. Ms.

  17. Martin Sabrow, Zeitgeschichte schreiben in der Gegenwart, Vortrag, Potsdam 20./21.3.2009, S. 10.

  18. Anselm Doering-Manteuffel, Zeitgeschichte nach der Wende 1989/90 aus der Sicht eines Historikers, in: Joachim Mehlhausen (Hg.), ... und über Barmen hinaus. Studien zur kirchlichen Zeitgeschichte, Göttingen 1995, S. 613–625, hier 621.

  19. Jürgen Osterhammel, Europamodelle und imperiale Kontexte, in: Journal of Modern European History 2 (2004) 2, S. 157–181, hier 161.

  20. Christoph Kleßmann, "Deutschland einig Vaterland"? Politische und gesellschaftliche Verwerfungen im Prozess der deutschen Vereinigung, in: Zeithistorische Forschungen 6 (2009) 1, S. 8.

  21. Vgl. z.B.: Andreas Rödder, Deutschland einig Vaterland. Die Geschichte der Wiedervereinigung, München 2009; Manfred Görtemaker, Die Berliner Republik. Wiedervereinigung und Neuorientierung, Bonn 2009; Axel Schildt/Detlef Siegfried, Deutsche Kulturgeschichte. Die Bundesrepublik – 1945 bis zur Gegenwart, München 2009, S. 471–555, sowie programmatisch Hans-Peter Schwarz, Die neueste Zeitgeschichte, in: VfZ 51 (2003) 1, S. 5–28.

  22. Jürgen Kocka, Die Vereinigungskrise. Zur Geschichte der Gegenwart, Göttingen 1995.

  23. Stephan Weingarz, Laboratorium Deutschland? Der ostdeutsche Transformationsprozeß als Herausforderung für die deutschen Sozialwissenschaften, Münster 2003.

  24. Konrad Jarausch, Die unverhoffte Einheit, Frankfurt a.M. 1995, S. 16 u. 315, der hier bereits für eine "Darstellung entgegengesetzter Visionen und fehlgeschlagener Alternativen" in der Transformationszeit plädiert.

  25. Philipp Ther, Das "neue Europa" seit 1989. Überlegungen zu einer Geschichte der Transformationszeit, in: Zeithistorische Forschungen 6 (2009) 1, S. 7.

  26. Martin Sabrow, 1990 – eine Epochenzäsur? Einführungsvortrag zur Veranstaltungsreihe "1990 – als Epochenzäsur", Potsdam 29.4.2010.

  27. Thomas Mergel/Thomas Welskopp (Hg.), Geschichte zwischen Kultur und Gesellschaft. Beiträge zur Theoriedebatte, München 1997.

  28. Alexander Nützenadel/Wolfgang Schieder (Hg.), Zeitgeschichte als Problem. Nationale Traditionen und Perspektiven der Forschung in Europa, Göttingen 2004.

  29. Lutz Niethammer, Methodische Überlegungen zur deutschen Nachkriegsgeschichte. Doppelgeschichte, Nationalgeschichte oder asymmetrisch verflochtene Parallelgeschichte?, in: Christoph Kleßmann u.a. (Hg.). Deutsche Vergangenheiten – eine gemeinsame Herausforderung. Der schwierige Umgang mit der doppelten Nachkriegsgeschichte, Berlin 1999, S. 307–327, hier 324.

  30. Thomas Schubert, Von der Epoché des Zeithistorikers. Bemerkungen zur "Aufarbeitung der Aufarbeitung", in: DA 43 (2010) 5, S. 889–896.

  31. Hans Günter Hockerts, Zugänge zur Zeitgeschichte: Primärerfahrung, Erinnerungskultur, Geschichtswissenschaft, in: APuZ, 28/2001, S. 15–30, hier 26.

  32. Anselm Doering-Manteuffel/Lutz Raphael. Nach dem Boom. Perspektiven auf die Zeitgeschichte seit 1970, 2. Aufl., Göttingen 2010 v.a. S. 11ff.

  33. Philipp Ther, Das "neue Europa" seit 1989. Überlegungen zu einer Geschichte der Transformationszeit, in: Zeithistorische Forschungen 6 (2009) 1, S. 2.

  34. Rüdiger Graf/Kim Christian Priemel, Was Historiker können, können nur Historiker? Legitimität und Originalität zeithistorischer Forschung zwischen Politik-, Sozial- und Wirtschaftswissenschaften, unveröff. Ms., S. 35.

M.A., Historisches Institut der Ruhr-Universität Bochum.

M.A., Historisches Seminar der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg.