30 Jahre Deutsche Einheit Mehr erfahren
Beleuchteter Reichstag

1.9.2020 | Von:
Jürgen Leskien

Deutschland – Namibia, Beziehung der ungenutzten Chancen

Ein Beitrag aus der Reihe "Ungehaltene Reden" ehemaliger Volkskammerabgeordneter der DDR

Der Schriftsteller und PDS-Volkskammerabgeordnete Jürgen Leskien blieb seiner Wahlheimat "südliches Afrika" auch nach 1990 verbunden. Diesem Engagement entspricht sein Beitrag im Rahmen der Reihe "ungehaltene Reden" des Deutschland Archivs. Bereits zu DDR-Zeiten hatte er sich in Namibia, Angola und Tansania engagiert.

Anfang März 2020, kurz vor dem Corona-Lockdown, trafen sich im Gebäude des Deutschen Bundestages Abgeordnete der letzten Volkskammer der DDR, um sich ihrer nun schon 30 Jahre zurückliegenden Parlamentsarbeit zu erinnern. Das Deutschland Archiv der Bundeszentrale für politische Bildung bat aus diesem Anlass einige der Abgeordneten noch einmal an das Rednerpult des Plenarsaals zu treten - virtuell. Wir einstigen Parlamentarier sollten, in gebotener Kürze, aussprechen was, eine Generation nach der Auflösung des DDR-Parlaments, in dem ich 1990 einer der 400 Abgeordneten war, heute aus unserer Sicht zu sagen wäre.
In der Bildmitte Jürgen Leskien 1990 als PDS-Abgeordneter im Plenarsaal der DDR-Volkskammer mit Ministerpräsident Lothar de Maiziere (CDU, l.) und PDS-Chef Gregor Gysi (r.).In der Bildmitte Jürgen Leskien 1990 als PDS-Abgeordneter im Plenarsaal der DDR-Volkskammer mit Ministerpräsident Lothar de Maiziere (CDU, l.) und PDS-Chef Gregor Gysi (r.). (© K.H.Schindler)

Mein Redetext

Die Nacht vom zweiten zum dritten Oktober 1990 mit Freunden auf dem Käthe Kollwitz Platz, Berlin – Prenzlauer Berg. Angespannt die Stimmung. Zwei Staaten waren in Begriff sich in ihrer bisherigen Form aufzulösen. Gleich wird es das von den Alliierten modellierte Deutschland Ost und Deutschland West nicht mehr geben. Beide Deutschländer liefen an der langen Leine der Großen, die Konturen des Kalten Krieges markierten bis eben noch den Raum in dem sich die ungleichen deutschen Brüder und Schwestern bewegten. Das ist nun Geschichte. Weit entfernt von unserer Runde hier, in unserem Herzen Berlins, blitzte und grollte das Feuerwerk der Vereinigungsfeier. Böller, Silberfontänen über dem Reichstag. Glockengeläut. Der Widerschein des Feuerwerks lag auf dem Wasserturm inmitten des Platzes.

Fremde Menschen umhalsten sich, tränennass vor Freude. Aus Seitenstraßen ertönte überraschend klar und rein „Deutschland, Deutschland über alles, über alles in der Welt!“ Die Polizisten auf den Mannschaftswagen in unserer Nähe schnäuzten bewegt in die Taschentücher. Wir saßen, stumm, einander wärmend mit dem Rücken an der Wand, auf der unsere erwachsenen Kinder geschrieben hatten – „ Komm mit DDR, wir gehen nach Deutschland!“. Es war vorbei, auch meine Arbeit als linker Abgeordneter im letzten DDR-Parlament.

Aus der kurzen, basisdemokratischen Offenheit in das Getriebe eines bürgerlichen Parlaments

Vergangenheit nun diese extrem verdichtete Lebenszeit, mit kurzen, oft durchwachten Nächten. Diese Monate waren geprägt vom Bemühen, den Kern der „Sachfragen“ zu erfassen, der sich oft in verklausulierten Formulierungen sogenannter Vorlagen verbarg, die frisch von der Druckerei ins Parlament eingespeist wurden. Ich wollte wissen, musste erfahren, noch in dieser Nacht – morgen wird abgestimmt - wie der Text des Absatzes zwei, mit den Ergänzung drei, fünf und neun auf unser Leben durchschlagen wird…. Ich sah mich in einem Dschungel verkürzter Sprache und umgedeuteter Begriffe, die in mein Weltverständnis eingriffen, mich nahezu körperlich versehrten. Sprachliche Absurditäten, die unsere Schwestern und Brüder jenseits der Elbe längst schon verinnerlicht hatten, plötzlich entfalteten sie Macht, forderten Widerspruch heraus. Ein Betrieb, eine Einrichtung wird mir fortan als „Arbeitsgeber“ gegenübertreten. Das sollte ich begreifen - ich der „Arbeitnehmer“.

Durch Friedrich Engels hatte ich anderes erfahren - ich gebe, gegen Geld, dem Unternehmer meine Arbeitskraft und der nimmt sie, zum Zwecke der profitablen Verwertung, entgegen. An den Bürotüren der Abteilungen, die sich in den Betrieben mit der kontinuierlichen Zuführung geeigneter Arbeitskräfte beschäftigen, wechselten die Schilder. Aus „Kaderabteilung“ wurde „Personalbüro“, aus „Personalbüro“ später „Human Ressource Management“. Das war wenigstens ehrlich. Die Humanressource, der Mensch, der arbeiten wollte, rangierte auf gleicher Höhe wie die Ressourcen, die Betriebsmittel Stahl, Energie, Wasser. Die Auseinandersetzung mit den Sprachbildern der neuen Zeit, mit dem was sie verbargen, was sie enthüllten, absorbierte Kraft, die ich eigentlich andernorts brauchte. Ich musste lernen, mich in diesem ganz anderen Sprachraum zu orientieren. Meine durch Sehnsucht nach Gerechtigkeit und den Blick auf das Kollektiv geprägte Erfahrungsgeschichte, auch mit der Sprache, hatte keinen Wert mehr, war sie doch in einem System gewachsen, das abzuschaffen sich hier die „Allianz für Deutschland“, die Koalition der regierenden Parteien im Saal zusammengefunden hatte.

Die Volkskammer beendet ihre Krisentätigkeit

Unsere Gesellschaftsidee - freies Volk auf freiem Grund - war gescheitert, war den veränderten Bedingungen dieser Welt nicht mehr gewachsen. Und die, mit dem Blick in die Zukunft, als notwendig erkannten Veränderungen, konnten wir im letzten Parlament nicht mehr durchsetzen, es ging nur noch um die möglichst schnelle, konfliktarme Übernahme des bundesdeutschen Modells. Selbst sachbezogene, durchaus zweckdienliche Beiträge der Opposition zum Beispiel zur Gesundheitspolitik - Polikliniken-, oder zur Bildung - Vorschulische Erziehung - deren finanzielle Absicherung, wurden im Plenum als Auswüchse des gescheiterten Systems gebrandmarkt und lautstark zurückgewiesen. Und wir als linke Parlamentarier, die diesen Systemteilen noch das Wort redeten, gleich mit. Und ich erlebte in diesen Tagen nicht selten, wie Kollegen der regierenden Parteien, der „Allianz für Deutschland“, wider besseren Wissens sich das eigene Nachdenken mit dem Blick auf bundesdeutsche Erwartungen versagten, sich in einer Art vorbeugenden, spekulierenden Gehorsams übten.

Wir, von der „Nachfolgepartei der SED“, saßen mit 66 Abgeordneten im Parlament. Gesetzestexte, Dokumente die dem Plenum zur Abstimmung vorgelegt wurden, diskutierten wir in der Regel zuvor in den Ausschüssen. In diesen 26 Ausschüssen waren alle Fraktionen vertreten. Dabei war der „Ausschuss für Deutsche Einheit“ wohl der wichtigste. Neben der Arbeit im „Kulturausschuss“ vertrat ich unsere Fraktion auch im „Ausschuss für wirtschaftliche Zusammenarbeit“.

Arbeitsbeziehungen zu Entwicklungsländern werden gekappt.

Minister in diesem einzigen, noch in der DDR-Endzeit gegründeten Ministerium, war Hans Wilhelm Ebeling, Pfarrer der Thomaskirche in Leipzig, Vorsitzender der rechtskonservativen Kleinpartei „Deutsche Soziale Union“. Die DSU, war mit 25 Abgeordneten, über die „Allianz für Deutschland“, nun auch Regierungspartei. Die Arbeit im „Ausschuss für Wirtschaftliche Zusammenarbeit“ konnte, aus meiner Sicht, vor einem viel weiteren Horizont geschehen, als die im „Kulturausschuss". Wir sahen uns als „parlamentarischer Partner“ des „Ministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit“ – das den Begriff „Entwicklungszusammenarbeit“ nicht im Titel trug. Was wir zu ändern gedachten, selbstbewusst, voller Hoffnung. Unsere Bestandsaufnahme konnte sich durchaus sehen lassen - die Vereinten Nationen hatten das Engagement der DDR im Bereich der Entwicklungshilfe mehrfach hervorgehoben. „Ihre (die der DDR- Le.) Gesamtaufwendung für Hilfeleistungen betrugen 1989 nach eigenen Berechnungen 1.909,10 Millionen Mark [der DDR]. Das entsprach 0,54 Prozent des Bruttosozialprodukts…“[1]

Angesichts der eigenen begrenzten materiellen Ressourcen, bei gleichzeitigem Bedarf der Partnerländer an ausgebildeten Fachleuten, hatte die berufliche Aus- und Fortbildung von Frauen und Männer der Entwicklungsländer besondere Bedeutung. „ …(so) nahm die berufliche Aus-und Fortbildung in etwa 100 Betrieben und Einrichtungen der ehemaligen DDR einen breiten Raum ein. 1989 betraf sie 4.927 Bürger aus Entwicklungsländern; darunter 1.073 aus den am wenigsten entwickelten Ländern“.[2]

Ein Schwerpunkt war die Hoch-und Fachschulausbildung. „…(dafür wurden) 1989 unter Regie….entsprechender Fachministerien 101,90 Millionen Mark verausgabt. …die Mehrzahl (der Stipendiaten – Le.) kam aus Schwerpunktländern mit Vietnam an der Spitze (aus) Äthiopien, der Mongolei, Laos, Mosambik“. [3]

Auch die jüngsten Ereignisse im Süden Afrikas ließen berechtigte Hoffnung aufkommen. Im Süden Angolas zog sich die Südafrikanische Wehrmacht nach der verlustreichen Schlacht in Cuito Cuanavale, am 23. März 1988 aus Angola zurück. Angola / Kuba / Südafrika unterzeichneten am 22. Dezember 1988 ein „Dreierabkommen“ - militärische Entflechtung in Angola / Namibia als Voraussetzung für das Durchsetzen der UNO-Resolution 435 zur Unabhängigkeit Namibias.

Und noch während unseres Wahlkampfes, am 11. Februar 1990, war der Häftling 1335/88, war Nelson Mandela, aus dem Victor Vester Gefängnis in Paarl / Südafrika aus der Haft entlassen worden. Frederik Willem de Klerk, Präsident Südafrika hatte vier Tage zuvor das Verbot des ANC aufgehoben. Das Regime der Apartheid in Südafrika war am Ende und wir die Bürger der DDR hatten, nicht nur im Rahmen der UNO, unseren bescheidenen Beitrag dazu geleistet. Als am 21. März 1990 Namibia unter der Führung der von uns unterstützten SWAPO seine Unabhängigkeit verkündete, war unsere Freude groß. Auch war es ein Trost, wenn auch ein schwacher, denn drei Tage zuvor hatte die Wahlkommission verkündet: Die in der „Allianz für Deutschland“ zusammengeschlossenen Parteien stellten 192 von den 400 Abgeordneten. Für die Auflösung unseres Landes und den baldigen Anschluss an die Bundesrepublik mussten wir Abgeordnete nur noch den formalen Akt vollziehen. Und so war mein Blick nach Süden, vor allem nach Namibia, mit Zuneigung und mit Hoffnung verbunden - es war doch nicht alles umsonst gewesen.

Engagement seit 1978

Für die Arbeit im „Ausschuss für wirtschaftliche Zusammenarbeit“ sah ich mich gut gerüstet. Über die Jahre, seit 1978, hatte ich immer wieder längere Zeit in Angola gearbeitet, mit jungen Kaffeebauern Lastwagen aus Ludwigsfelde repariert.
Jürgen Leskien 1983 im UNHCR-Camp Kwanza Sul / Angola auf der Baustelle eines Kindergartens, für dessen Bau er als Projektleiter verantwortlich war.Jürgen Leskien 1983 im UNHCR-Camp Kwanza Sul / Angola auf der Baustelle eines Kindergartens, für dessen Bau er als Projektleiter verantwortlich war. (© G.Ott)

Im UNHCR-Camp für namibische Flüchtlinge, in Kwanza-Sul/Angola, eine Insel des Friedens inmitten des angolanischen Bürgerkrieges, lebten 40.000 Flüchtlinge, vor allem Frauen und Kinder. Hier unterrichteten Lehrer aus Dresden, aus Berlin, aus Erfurt. Hier bauten wir 1983 einen Kindergarten mit 600 Plätzen, gemeinsam und mitfinanziert durch finnische Antiapartheid-Aktivisten. Dort arbeitete ich als Projektleiter. Und im Jahr des Umbruchs, 1989, kehrte ich zurück aus Tansania, dort hatte ich in Dakawa, im Flüchtlingscamp des ANC, den Aufbau einer KFZ- Werkstatt verantwortet. Und über all die Jahre - das Eintauchen in die Lebenswelten des südlichen Afrikas wurde prägend für meine schriftstellerische und publizistische Arbeit.

Wir nannten es sozialistische Hilfe oder Wirtschaftshilfe. Hilfe zur Selbsthilfe dem Schwächeren; in angemessener Demut denen gegenüber, die in der Kolonialzeit bitteres Unrecht erlitten hatten. Das Afrikanische Jahr! Die Nelkenrevolution in Portugal - Afrika wurde nach und nach frei! Die Kolonialpolitik der kapitalistischen Länder war Geschichte, auf die sozialistischen Länder fiel der Blick, sie boten sich durchaus als sozial-ökonomische Alternative an. Schon 1960 hatte die Regierung der DDR formuliert - “Afrika den Afrikanern“ - als Grundsatz der Außenpolitik. Wir, aus dem gerechteren Teil Deutschlands, wollten in einer Weise helfen, wie es den Interessen unserer Partner entsprach. Gemeinsamkeit sollte sich nicht in wirtschaftlichen Beziehungen erschöpfen, die vom Eigennutz bestimmt sind.

“Solidarität ist die Zärtlichkeit der Völker“ - Che Guevara - das war für viele von uns nicht nur sentimental – ein wenig schon - sondern verinnerlichte Idee, gelebtes Leben. In der Praxis dann, durchaus ernüchternd, war es eine Mischung aus Solidarität und kommerziellen Beziehungen. In den Achtzigern bestimmte in unserem Lande ökonomisches Denken zunehmend die Richtung. Die Zärtlichkeit verkam unter dem Druck für die DDR Dollar zu erwirtschaften.

Schon mit der Bildung des „Ausschusses für wirtschaftliche Zusammenarbeit“, Ausschussvorsitzende Frau Anne-Karin Glase (CDU) war klar, es wird keine wirtschaftliche Zusammenarbeit á la DDR mit Ländern der sogenannten Dritten Welt mehr geben, auch wenn die Akteure von ihrer Idee nicht abließen, sie mussten sich neu organisieren. Den annähernd einhundert Mitgliedern der FDJ - „Brigaden der Freundschaft“ in Angola, vorwiegend Kraftfahrzeugschlosser, war der Träger, die DDR-Jugendorganisation FDJ, abhandengekommen. Ebenso den „Brigaden“ in Nicaragua, Mosambik. Über die Zusammenarbeit des VEB Gaskombinat „Schwarze Pumpe“ mit dem Carbomoc-Steinkohlewerk in Mosambik, wie auch über die Kooperation des VEB Schwermaschinenkombinat Ernst Thälmann - SKET mit dem Ethiopian Cement Corporation“, entschied die Treuhand, nicht unser Ausschuss, nicht das Eberling-Ministerium. Im Sommer 1989 lebten 6.802 Stipendiaten aus Asien, Afrika und Lateinamerika in der DDR – mit wenigen Ausnahmen auf Basis zwischenstattlicher Vereinbarungen, finanziert aus dem Solidaritätsfonds der DDR.[4]

Wie es mit den Studierenden weitergehen sollte, auch darüber zu entscheiden sei nicht unserer Aufgabe, so Minister Ebeling, mit dem Verweis auf seinen Ministerkollegen, dem für „Bildung und Wissenschaft“, Hans Joachim Meyer. Als wir erstmals im Ausschuss zusammentrafen, arbeiteten noch 86.650 Frauen und Männer vor allem aus Mosambik, Angola, Vietnam und Kuba in der DDR[5]. Auf Basis von Regierungsabkommen waren sie als zeitweilige Arbeitskräfte ins Land gekommen. Auch zu ihrer Situation wurde durch unseren Ausschuss keine Zuarbeit erwartet, darüber hatten nicht wir zu entscheiden.

Kriegskinder im politischen Kalkül

Mit dem Ausgang des Sommers `89 war plötzlich das Schicksal der in unserem Lande lebenden namibischen Kinder in aller Munde, Kinder die mit ihren Erzieherinnen in Bellin bei Güstrow und in Staßfurt ein sicheres Zuhause gefunden hatten. Im Kinderheim Bellin lebten 130 Mädchen und Jungen, Kinder im Vorschulalter, in Staßfurt wurden 300 Kinder aus Namibia unterrichtet. Viele von ihnen waren schon länger als ein Jahrzehnt in der DDR. Die ersten kamen 1978, traumatisiert, schwer verletzt.

Im Klassenkampf vereint. Erich Honecker (r), der Generalsekretär des Zentralkomitees der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED) und Staatsratsvorsitzender der DDR, traf am 18. Februar 1979 in Angola den Präsidenten der Südwestafrikanischen Volksorganisation (SWAPO) von Namibia, Sam Nujoma (l). Honecker hielt sich seinerzeit zu einem Freundschaftsbesuch in Angola auf. Dabei ging es in der Regel um Wirtschaftshilfen, Bildungsprojekte und hinter den Kulissen aber auch um die Lieferung militärischer Ausrüstung.Im Klassenkampf vereint. Erich Honecker (r), der Generalsekretär des Zentralkomitees der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED) und Staatsratsvorsitzender der DDR, traf am 18. Februar 1979 in Angola den Präsidenten der Südwestafrikanischen Volksorganisation (SWAPO) von Namibia, Sam Nujoma (l). Honecker hielt sich seinerzeit zu einem Freundschaftsbesuch in Angola auf. Dabei ging es in der Regel um Wirtschaftshilfen, Bildungsprojekte und hinter den Kulissen aber auch um die Lieferung militärischer Ausrüstung. (© picture-alliance/dpa, ADN Zentralbild)
Am 4. Mai jenes Jahres hatte die Südafrikanische Wehrmacht mit Napalm und Luftlandeeinheiten das namibische Flüchtlingslager Cassinga, 250 Kilometer nördlich der angolanisch - namibischen Grenze angegriffen. 600 Menschen starben noch inmitten der brennenden Hütten, mehr als eintausend wurden verletzt. Die DDR, vertreten durch das Solidaritätskomitee, bot der SWAPO Hilfe an. Anfang Juli 1978 kamen 20 Verletzte des südafrikanischen Überfalls in das „Klinikum Berlin-Buch“. Das Krankenhaus behandelte bis 1990 ca. 400 namibische Patienten. Schon vor dem Überfall hatte die SWAPO-Führung die DDR um die Aufnahme von namibischen Kindern gebeten, dem wurde entsprochen, in Bellin wurde für sie ein Heim eingerichtet. Im Dezember 1979 zogen die ersten Kinder ein, die meisten kamen aus dem Flüchtlingslager Kwanza / Sul, Angola.

Das pädagogische Konzept entsprach dem der Vorschule. Die deutschen Erzieherinnen vermittelten den Kindern die deutsche Sprache, bereiteten sie auf den Besuch der Schule vor. Die namibischen Erzieherinnen waren die Bindung an die Heimat im Süden Afrikas. Wer hier als Kind lebte und lernte, sollte zur jungen namibischen Elite gehören, dem Kampf um die Unabhängigkeit des Landes von Anfang an verbunden sein. Die Kinder sangen Lieder, die vom Willen zur Freiheit erzählten, sie wurden angehalten die Helden des Befreiungskampfes zu ehren.

Im Spiel wurde das Interesse am Militärischen, am bewaffneten Kampf geweckt. So wünschte es die Führung der Befreiungsbewegung. Alle namibischen Frauen, am Anfang waren es in Bellin fünfzehn, die als Erzieherin arbeiteten, absolvierten in dieser Zeit eine Ausbildung als Vorschullehrerin. Die Lehrkräfte kamen von der „Pädagogische(n) Fachschule Schwerin“ nach Bellin um dort zu unterrichten. Mit der Einschulung besuchten die Kinder dann die „Polytechnischen Oberschule Dr. Salvador Allende“ im vier Kilometer entfernten Dorf Zehna.

Mit 111 Kindern war Bellin 1984 bis auf das letzte Bett belegt, aber der Bedarf an Heimplätzen nahm weiter zu. Und so zog 1985 ein Teil der namibischen Erzieherinnen mit 58 der Kinder nach Staßfurt um. 1982 war in Staßfurt die „Schule der Freundschaft“ eröffnet worden. In den ersten Jahren absolvierten Kinder und Jugendliche aus Mosambik hier eine Schul- und Berufsausbildung. 1985 kamen dann die Kinder aus Namibia dazu. In Bellin und auch in Staßfurt waren es Kinder von Eltern, die in ihrem Land als Guerilla gegen das Südafrikanische Militär kämpften, einige der Kinder waren Kriegswaisen.

Auch Kinder von SWAPO-Politikern lebten hier, es waren nicht wenige. Wer hierher kam, das lag in der Hand der SWAPO. In Vorbereitung der Wahlen zur Verfassungsgebenden Versammlung in Namibia, Termin November 1989, kehrte der größte Teil der namibischen Exilanten unter dem Schirm des RRR-Komitees[6] nach Namibia zurück. Allein zwischen Juni und September waren es 42.000. Da die Umstände der Wahl und der Wahlausgang nicht vorauszusagen waren, sollten, wenn möglich, die Kinder, die im sicheren Exil waren, bis zum Wahlausgang auch dort bleiben oder wenigstens aus den Flüchtlingscamps in gesicherte Verhältnisse außerhalb des Landes gebracht werden. Und so kamen noch im Sommer 1989 mehr als zweihundert namibische Kinder aus afrikanischen Camps in die DDR.

Die Delegitimierung der DDR hatte in diesen Monaten mit Hilfe der Medien gehörig an Fahrt gewonnen und so gewann auch die Entwicklungshilfe des kleineren der beiden deutschen Staaten das Interesse der Öffentlichkeit. Landauf landab war von den eingesperrten Kindern in Bellin, in Staßfurt die Rede. Die SED versorge Kinder aus Südwestafrika medizinisch, um sich ihrer dann ganz zu bemächtigt, um sie zu jungen, kommunistischen Militärs zu erziehen. So hieß es. Und: Die SWAPO-Guerilla habe Dissidentenfamilien ihre Kleinkinder während des Buschkrieges entrissen, mit Hilfe der SED verschleppt. Sie lebten gefangen, entmündigt, versteckt in SED-Parteieinrichtungen. Das ist der SED zuzutrauen, den schwarzen Buschkriegern mit ihren russischen Waffen erst recht, massive Menschenrechtsverletzungen sind doch dort die Regel.

Empörung und Zorn im weißen Windhoek, in Kapstadt, in Berlin, Hamburg, Frankfurt am Main. Wieder ein Beweis, wie verrottet das DDR-Regime war und wie sich die Sache dort unten im ehemaligen Deutsch – Südwest Afrika anließ. Mit der Grenzöffnung wurden die Behauptungen immer bizarrer. Journalisten, Kamerateams belagerten das Heim in Bellin, die „Schule der Freundschaft“. Schwarze Schüler wurden in Staßfurt angepöbelt. In Windhoek beriefen namibische Dissidentenfamilien ein „Elternkomitee“, vertraten medienwirksam die These von den „gekidnappten“ Kindern. Der Vorsitzende der namibischen Sektion der „International Society for Human Rights“ (ISHR), J.M.Gaomab, besuchte im März 1990 mit seinem westdeutschen Kollegen und einem Vertreter der „befreiten SWAPO-Gefangenen“ Bellin und Staßfurt. Am 3. Mai 1990 kam dann eine Vertretung des CCN, des Namibischen Kirchenrates, in die DDR. Auch sie recherchierten, führten Gespräche. Vor ihrer Rückreise nach Windhoek stellten sie in einer Pressemitteilung fest: Die namibischen Kinder werden ohne Ausnahme gut betreut, sie sind gesund. Natürlich sind sie und auch ihre Erzieherinnen, durch die plötzlichen Veränderungen im Gastland beunruhigt. Es gibt keine Beweise dafür, dass die Kinder in die DDR verschleppt worden waren.

Am 28. Mai 1990 kam dann der Bildungsminister Namibias, Nahas Angula in die DDR, um mit dem DDR-Bildungsminister, Dr. Meyer, über die Repatriierung zu sprechen. Die Vorschulkinder könnten bis zum Ende des Jahres nach Namibia zurückkehren, schlug Angula vor, die ältesten Schüler in Staßfurt sollten wenigstens noch die 10. Klasse abschließen. Unsere Fraktion unterstützte Nahas Angulas Bemühungen auch deshalb, weil die größeren Kinder sich einen geordneten Schulabschluss als Vorrausetzung für einen guten Start in der Heimat wünschten.

In Bellin hatten sich vier der deutschen Erzieherinnen bereiterklärt, die Betreuung ihrer Vorschulkinder auch in Namibia, wenigstens in den Wochen des Eingewöhnens, zu übernehmen. Dem Bildungsministerium galt das als politisches Ansinnen, das abgelehnt wurde. Auch sahen sich die DDR-Behörden außerstande, für die Kinder und deren Erzieherinnen die Flugkosten nach Windhoek zu übernehmen, das „Solidaritätskomitee der DDR“, als bisheriger „Kostenträger“, war in Auflösung begriffen, um sich unter dem Label „Solidaritätsdienst International“ neu zu formieren, alles war im Fluss. Im persönlichen Gespräch kam Nahas Angula am Ende seines Aufenthaltes in Berlin zu dem Schluss: In der DDR haben unsere Freunde keine Kraft und keine Macht mehr. Die namibische Regierung stimmte einer „schnellst möglichen Rückführung“ zu, orderte und bezahlte die Flüge, traf in Windhoek mit dem RRR-Komitee die entsprechenden Vorbereitungen.

Rückkehr der "DDR-Kinder"

In drei Gruppen, mit dem ersten Flug am 26. August 1990 beginnend, kehrten 425 Kinder und 27 namibische Erzieherinnen in ihre Heimat zurück. Am 31. August, 8.15 Uhr Ortszeit, trafen die letzten der Kinder auf dem Internationalen Flughafen Windhoek ein. An Bord zur „Begleitung und Übergabe der Kinder, die Vorsitzende des `Ausschusses für wirtschaftliche Zusammenarbeit` der DDR-Volkskammer, Frau Anne-Karin Glase und das Mitglied des Ausschusses Herr Jürgen Leskien“. Im „Reception Centre“, eingerichtet in der „Peoples Primary School“ in Windhoek / Katutura, wurden die „DDR-Kinder“ wie man sie fortan nannte und heute noch nennt, von ihren Eltern oder Verwandten erwartet. 291 der Kinder mussten sich nun auf den Schuleintritt vorbereiten. Das neue Schuljahr begann im Januar, Unterricht in der Amtssprache, in Englisch.

Das in der DDR erworbene Englisch wurde in einem dreimonatigen Intensivkurs vervollkommnet, finanziert durch „Christian Aid“ (Großbritannien) und dem „Solidaritätsdienst International“ (DDR). Im Januar 1991 besuchten die „DDR-Kinder“ dann die Schulen in Windhoek und in Swakopmund. Vierzig der „DDR-Kinder“ traten in die DHPS ein, eine von der Bundesrepublik seit Jahren schon finanzierten „Deutsche(n) Höhere Privatschule“, die bisher weißen Farmerskindern vorbehalten war. Die DHPS führt die Schüler bis zum Abitur nach „Cambrige Standard“. Erstaunlich war die Bereitschaft der weißen Bevölkerung, auch der Farmer, sich der „Schwarzen Ossis“, wie die Älteren unter den DDR-Kindern, nicht ohne Sarkasmus, sich selbst bezeichneten, anzunehmen. Für die Zeit bis zum Schulbeginn und den damit verbundenen Einzug in die Schulinternate, kamen viele der Kinder bei deutschsprachigen Gastfamilien unter. Durch Spenden wurde darüber hinaus 95 Kindern die Unterbringung während der Übergangszeit, die bis Januar auch Ferienzeit war, ermöglicht.

Mit den Frauen und Männer des RRR-Komitees und der Vertreterin des Roten Kreuzes aus Genf verständigten wir uns, dem Arbeitsauftrag des Parlaments entsprechend, über die weiteren Möglichkeiten die Kinder in der schwierigen Phase des Übergangs zu unterstützen. Ohne Illusionen über die realen Möglichkeiten – unser Land war im Begriff sich von Grund auf zu verändern. Aber wir waren nicht ohne Hoffnung. In Swakopmund empfing uns Bürgermeister Henrichsen. Einen Tag später hatte sich die Familie entschlossen, zwei der Kinder aufzunehmen. Wir begleiteten Fatima, Anna, Veronika, Simon und Johanna in den Norden zu ihren Verwandten und machten Bischof Dumeni in Oshakati / Ovamboland unsere Aufwartung. Er versicherte uns, dass sich die Kirche auch im entlegensten Winkel um „unsere gemeinsamen Kinder“ kümmern werde.

Wir trafen uns mit dem Vertreter des „Deutschen Entwicklungsdienstes - DED“ und wurden von der „Interessengemeinschaft deutschsprachiger Namibier“ eingeladen. Drei Tage vor unserer Ankunft, so erfuhren wir hier, waren namibische Facharbeiter nach ihrer Ausbildung in der DDR zurückgekehrt – zehn Brunnenbauer aus Magdeburg, neun Instandhaltungsmechaniker aus Guben, fünfzehn Anlagemonteure aus Bitterfeld, vierzehn Betriebsschlosser aus Wittenberg. Vor Jahreswechsel war die erste größere Gruppe bei uns ausgebildeter namibischer Frauen und Männer in ihre Heimat zurückgekommen. Lok-Schlosser (aus Stendal), Agraringenieure (aus Leipzig – Markkleeberg), Verkehrsingenieure (aus Dresden), Elektriker (aus Bohnsdorf), Verkäuferinnen (aus Magdeburg).

Am 7. September 1990 kehrten wir mit unserem Bericht nach Berlin zurück. Kaum beachtet, es gab keine Fragen. Wie hieß es später in einem Bericht des Auswärtigen Amtes, Referat 611. „Nach der Unabhängigkeit Namibias hat die DDR-Regierung im August 1990 die sofortige Rückführung aller Kinder nach Namibia angeordnet, unabhängig vom Stand der schulischen Ausbildung.“

Angepasste Übergabe - Teil des Wahlkampfes

In den verbleibenden drei Wochen bis zur Auflösung des Parlaments hatten wir im Plenum noch mehr als fünfzig Gesetze und Verordnungen zu beschließen. Zwischendurch, am 19.September 1990, sperrte die Baupolizei den Palast der Republik, in dem sich auch der Plenarsaal der Volkskammer befand.1975 war aus Brandschutzgründen, ähnlich wie im ICC in Berlin-Westend, Spritzasbest verbaut worden, dessen Partikel wurden jetzt in der Atemluft nachgewiesen. Bis zur letzten Arbeitssitzung am 29.September versammelten und stritten wir nun im Staatsratsgebäude, am Platz gleich nebenan. Und, was Stimmung und Umgang im Hohen Haus wesentlich bestimmte: Die erste gesamtdeutsche Bundestagswahl stand bevor, Wahltag der 2.Dezember 1990. Spitzenkandidat der CDU, Bundeskanzler Kohl, Kanzlerkandidat der SPD, Oskar Lafontaine. Gehetzt und mit dem schlechten Gewissen viel zu wenig für uns, für uns DDR-Bürger erstritten zu haben, durchlebte ich die letzten Tage als Parlamentarier.

Am zweiten Oktober, 17.10 Uhr, trafen wir uns dann zur letzten, zur 38. Sitzung, sahen uns feierlich in die Augen, hörten betreten das Eigenlob der „Allianz für Deutschland“ und gingen auseinander. Wir hatten in 37 Sitzungen 164 Gesetze und 93 Beschlüsse verabschiedet, einen Ozean an Kraft und Lebensenergie verbraucht, Berge von Papier gesichtet, verworfen, gegengezeichnet. Eine junge Ärztin aus unserer Fraktion, streitbare Gefährtin in all den Sitzungen, bis zur Erschöpfung verteidigte sie Idee der Polikliniken, trat für den Erhalt, für die Verbesserung dieser lebenswichtigen Strukturen ein, schenkte mir zum Abschied ein Buch in das sie, frei nach Hesse eintrug - Wohlan denn, Herz, nimm Abschied und gesunde!

Deutsch-namibische Zusammenarbeit im Zeichen der Versöhnung.

Unsere Dritte-Welt-Arbeit, wie wir sie nach dem Oktober 1990 nannten, ging für uns weiter. In NGO’s, in Vereinen. 1990 startete das „Bremer Afrika Archiv“ und das“ Centre of Africa Studies“ der Universität Bremen in Ruacana / Namibia ein Konversionsprojekt. Auf dem Areal der ehemaligen Luftwaffenbasis Ruacana, von der die Mirage-Jagdbomber der Südafrikanischen Luftwaffe zu Angriffen auf Ziele in Angola gestartet waren, sollte nun eine Ausbildungseinrichtung entstehen, das „Ruacana Education with Production centre“. Ich war vor Ort für die Organisation des Vorhabens verantwortlich. Unser Verein OIKOS (Berlin) kaufte 1994 für 180.000 Mark eingeworbenen Geldes in Sassnitz/Rügen – die Treuhand war dabei das Unternehmen „VEB Fischkombinat“ „abzuwickeln“ - den 26 Meter-Fischkutter „Hammerhai“. Gedacht für die Fischereikooperative in Cacuaco, nahe Luanda/Angola, die durch den Bürgerkrieg ihre Boote verloren hatte.

Zu fünft haben wir im Februar/März `95 das Schiff nach Luanda überführt. Die Fischer lösten über die Jahre, mit einem Teil des Fangs, den Kutter aus, bis er, nun „bezahlt“, juristisch ihr Eigentum wurde. Das deponierte Kutter-Geld wurde durch OIKOS bei der Erweiterung der Kinderstation des Krankenhauses in Ngiva/Angola eingesetzt. Weitere Projekte, bis in die jüngste Zeit, wären zu nennen, in Mosambik, vor allem in Namibia. In den meisten der Unternehmungen führte die „Hilfe zur Selbsthilfe“ tatsächlich zur Verbesserung des Lebens der Familien unserer Freunde, das Leben unserer Partner, auch langfristig. In manchem sind wir auch gemeinsam gescheitert, haben sich unsere kollektiven Träume nicht erfüllt. Betrachten wir das heutige Verhältnis Republik Namibia - Bundesrepublik Deutschland, dann müssen wir feststellen, dass der Grundkonflikt zwischen beiden Ländern trotz enger Zusammenarbeit in ganz unterschiedlichen Projekten, trotz der vielen gemeinsamen Erfahrungen seit 1978, nicht gelöst wurde.
Den Ländern im Südwesten Afrikas auch nach dem Mauerfall verbunden geblieben: Der Autor dieses Textes, Jürgen Leskien, 2019 mit Denis Goldberg vom ANC in Kapstadt / Hout Bay.Den Ländern im Südwesten Afrikas auch nach dem Mauerfall verbunden geblieben: Der Autor dieses Textes, Jürgen Leskien, 2019 mit Denis Goldberg vom ANC in Kapstadt / Hout Bay. (© Privat)

Das Massaker der Deutschen Schutztruppe an den Herero, an den Nama 1904 in Deutsch-Südwest-Afrika, das Auslöschen von Menschen schwarzer Haut in den darauf folgenden Jahren, prägt bis heute die Beziehungen beider Länder. Die Vertreter der Herero- und Nama Gemeinschaften verklagen die Bundesrepublik Deutschland in New York, deutsche Rechtanwälte halten dagegen. Die Klagen werden abgewiesen. Jahr für Jahr. Seit 2004 bemühen sich unterschiedliche namibische Komitees, das offizielle Eingeständnis des Völkermordes durch die deutsche Regierung einzufordern. Je nach Haltung der Komitees, schließt das die Zahlung von Reparationen durch Deutschland an die betroffenen Völker und die Rückgabe der heute von deutschsprachigen weißen Namibiern betriebenen Farmen an die Herero und Nama ein.

Seit 2015 hat Deutschland, unter dem Sonderbeauftragten der Bundeskanzlerin Herrn Ruprecht Polenz, seine Bemühungen um eine Schlichtung des Konflikts verstärkt. Der Beauftragte verhandelt mit der Regierung des Landes und nicht mit einzelnen Vertretern der betroffenen Ethnien. Diese Form der Verhandlung ist im Sinne der namibischen Regierung, in der Herero und auch Nama vertreten sind. Die Bevorzugung einer Bevölkerungsgruppe widerspricht grundsätzlich ihrem politischen Konzept - „Ein Volk – eine Nation“.

Vertreter der Herero und auch die der Nama diskutieren nun aber erstmals offen die Besetzung deutscher Farmen. Die Fronten sind verhärtet, die wenigen, selten öffentlichen Debatten sind starken von Emotionen bestimmt. Warum lassen wir, als deutsche Zivilgesellschaft diese verstörende, unwürdige Situation zwischen uns und den Namibiern zu? Wir, die wir hier und in Namibia oft das mündige Volk genannt werden, wir verfügen doch über einen Fundus gemeinsamer Erfahrungen, wir wissen doch so viel voneinander, wir waren in der Zeit der Apartheid uns einst so nah, wie Politiker es nie einander sein können.

Deutsche Soldaten vor den beginnenden Massakern an den Hereros im damaligen "Deutsch-Südwestafrika", das Bild stammt aus dem November 1903. Es zeigt die Einsegnung der 2. Marine-Feldkompanie vor ihrem Einsatz. 1884 war Deutsch-Südwestafrika (Gebiet des heutigen Namibia) zu einem deutschen Schutzgebiet erklärt worden. In den Folgejahren ließen sich erste weiße Siedler in dem Gebiet nieder. Die Niederwerfung des Aufstandes der Herero, eines Bantustamms im mittleren und nördlichen Namibia, gegen die deutsche Kolonialmacht in den Jahren 1903 bis 1907 forderte schwere Opfer unter der schwarzen Bevölkerung in der Dimension eines Völkermords. Von den ursprünglich 60.000 bis 80.000 Herero überlebten nur etwa 16.000, genaue Opferzahlen sind jedoch umstritten. Auch die Hälfte der rund 20.000 Menschen zählenden Bevölkerungsgruppe der Nama, die im Oktober 1904 ebenfalls gegen die deutschen Kolonialherren aufbegehrten, fielen der deutschen Vernichtungspolitik zum Opfer.Deutsche Soldaten vor den beginnenden Massakern an den Hereros im damaligen "Deutsch-Südwestafrika", das Bild stammt aus dem November 1903. Es zeigt die Einsegnung der 2. Marine-Feldkompanie vor ihrem Einsatz. 1884 war Deutsch-Südwestafrika (Gebiet des heutigen Namibia) zu einem deutschen Schutzgebiet erklärt worden. In den Folgejahren ließen sich erste weiße Siedler in dem Gebiet nieder. Die Niederwerfung des Aufstandes der Herero, eines Bantustamms im mittleren und nördlichen Namibia, gegen die deutsche Kolonialmacht in den Jahren 1903 bis 1907 forderte schwere Opfer unter der schwarzen Bevölkerung in der Dimension eines Völkermords. Von den ursprünglich 60.000 bis 80.000 Herero überlebten nur etwa 16.000, genaue Opferzahlen sind jedoch umstritten. Auch die Hälfte der rund 20.000 Menschen zählenden Bevölkerungsgruppe der Nama, die im Oktober 1904 ebenfalls gegen die deutschen Kolonialherren aufbegehrten, fielen der deutschen Vernichtungspolitik zum Opfer. (© picture-alliance/dpa, Friedrich Rohrmann)
An vielen Orten der Welt. Im Flüchtlingscamp Kwanza Sul haben wir einander von unserem Leben erzählt, auch von den deutschen Großvätern in den Uniformen der Schutztruppe war die Rede, den Gefangenenlagern in Swakopmund, auf der Haifischinsel in Lüderitz. Von den deutschen Farmern sprachen wir, selbstverständlich auch. Das furchtbare Massaker am Waterberg wurde nicht ausgespart. Achtungsvoll, mit Empathie hörten wir einander zu. Während das Nachbarland, selbst im Bürgerkrieg, uns Gastrecht gewährte, wir den Beton für die Fundamente des Kindergartens in Angolas rote Erde gossen, uns in die Splittergräben duckten, wenn die UNITA das Camp attackierte. Wir, die Bauleute der „Workers Brigade“, die Monteure der Schulgebäude aus Schweden, die DDR-Lehrer, die in diesen Schweden-Häusern unterrichteten. Wir schützten einander, ermutigten die Verzagten, hörten den Verzweifelten zu. Das kann dem kollektiven Gedächtnis nicht verloren gegangen sein. Es ist nur verschüttet. Ohne Zweifel ist die Geschichte unserer Völker unauflösbar miteinander verwoben, es gilt sich ihrer öffentlich und aufrichtig zu erinnern.

In Namibia ist die Zivilgesellschaft in Bewegung geraten, Jüngere ergreifen zum Konflikt Deutschland – Namibia das Wort, wollen die Lösung der Probleme nicht mehr allein Politikern überlassen. So hat sich im Juli 2019 ein „Gesprächskreis deutschsprachiger Namibier“ gegründet, der im November 2019 erstmals mit Vertretern des ONCD (Ovaherero /Ovabanderu und Nama Rat für den Dialog über den 1904 – 1908 Genozid) zusammentraf, ein weiteres Treffen fand am 9. Februar 2020 statt. In den Zeitungen Namibias ist zu lesen und im Rundfunk ist zu hören, der nun in Gang gekommene Dialog beginne verhärtete Fronten aufzubrechen. Vom ausgerufenen Humboldt-Jahr und von der Eröffnung des Humboldt Forums könnte in unserem Lande ein Impuls zur vertiefenden, ehrlichen Auseinandersetzung mit unserer Kolonialgeschichte ausgehen. Wir, die Zivilgesellschaft, sollten ihn erzwingen; sofort und konsequent, ohne Tabus ein breites Meinungsspektrum zulassend. Mit den Mitteln der Kunst, der Literatur, des Theaters zum Beispiel. Diskutieren, was politisch - scheinbar - nicht diskutierbar ist. Das auszusprechen, das zu benennen, was Historikern, Politikern, aus ganz unterschiedlichen Gründen, verwehrt zu sein scheint.

Mit meinem Stück PDF-Icon ORLOG* möchte ich mich in diese Debatte einbringen[7]. Im Gegensatz zu den Konfliktparteien, die sich in der beschriebenen politischen Realität begegnen, ist das Theater nicht ideologisch verortet. Das Einnehmen eines unverstellten Blicks ist denkbar. Zu fragen ist - welche Zukunft wollen wir? Im öffentlichen Disput, mit dem Blick nach vorn ist auszuloten, welche Möglichkeiten hat die Gesellschaft, heute noch gegenwärtige Konflikte der Vergangenheit zu lösen und dabei einen Weg in die gemeinsame Zukunft zu finden.

Zitierweise: Jürgen Leskien, „Deutschland – Namibia, Beziehung der ungenutzten Chancen“, in: Deutschland Archiv, 25.08.2020, Link: www.bpb.de/314391. Weitere "Ungehaltene Reden" ehemaliger Parlamentarier und Parlamentarierinnen aus der ehemaligen DDR-Volkskammer werden nach und nach folgen. Eine öffentliche Diskussion darüber ist im Lauf des Jahres 2021 geplant. Es sind Meinungsbeiträge der jeweiligen Autorinnen und Autoren, sie stellen keine Meinungsäußerung der Bundeszentrale für politische Bildung dar.

In dieser Reihe bereits erschienen:

- Sabine Bergmann-Pohl, "Ein emotional aufgeladenes Parlament"

- Rüdiger Fikentscher, "Die 10. Volkskammer als Schule der Demokratie"

- Hinrich Kuessner „Corona führt uns die Schwächen unserer Gesellschaft vor Augen“

- Klaus Steinitz, "Eine äußerst widersprüchliche Vereinigungsbilanz"

- Richard Schröder -"Deutschland einig Vaterland"

- Maria Michalk, "Von PDS-Mogelpackungen und Europa?"

- Markus Meckel, "Eine Glücksstunde mit Makeln"

- Hans-Peter Häfner, "Brief an meine Enkel"

- Konrad Felber, "Putins Ausweis"

- Walter Fiedler, "Nicht förderungswürdig"

- Hans Modrow, "Die Deutsche Zweiheit"

- Joachim Steinmann, "Antrag auf Staatsferne"

- Christa Luft, "Das Alte des Westens wurde das Neue im Osten"

- Dietmar Keller, "Geht alle Macht vom Volke aus?"

- Rainer Jork, "Leistungskurs ohne Abschlusszeugnis"

- Jörg Brochnow, "Vereinigungsbedingte Inventur"

- Gunter Weißgerber, "Halten wir diese Demokratie offen"

- Hans-Joachim Hacker, "Es gab kein Drehbuch"

- Marianne Birthler - "Das Ringen um Aufarbeitung und Stasiakten"

- Stephan Hilsberg - "Der Schlüssel lag bei uns"

- Ortwin Ringleb - "Mensch sein, Mensch bleiben"

- Martin Gutzeit, "Gorbatschows Rolle und die der SDP"

- Reiner Schneider - "Bundestag - Volkskammer 2:2"

- Jürgen Leskien - "Wir und der Süden Afrikas"

- Volker Schemmel - "Es waren eigenständige Lösungen"

- Stefan Körber - "Ausstiege, Aufstiege, Abstiege, Umstiege"

- Jens Reich - Revolution ohne souveränes historisches Subjekt

- Carmen Niebergall - "Mühsame Gleichstellungspolitik - Eine persönliche Bilanz"

- Susanne Kschenka - "Blick zurück nach vorn"

- Wolfgang Thierse - "30 Jahre später - Trotz alldem im Zeitplan"

- u.a.m.

Mehr zum Thema:

- Die Wahlkampfspots der Volkskammerwahl

- Die Ergebnisse der letzten Volkskammerwahl

- Film-Dokumentation "Die letzte Regierung der DDR"

- Analyse von Bettina Tüffers: Die Volkskammer als Schule der repräsentativen Demokratie, Deutschland Archiv 25.9.2020

Fußnoten

1.
B. Fröhlich, „Zusammenarbeit der DDR mit Afrika“ in „Die DDR und Afrika“ Lit Verlag Münster / Hamburg 1993, Seite148
2.
B. Fröhlich, Seite 152
3.
B. Fröhlich, S. 154
4.
B. Fröhlich, Seite 154
5.
B. Fröhlich ,Seite 152
6.
RRR-Komitee - RRR= Repatriation, Resettlement, Reconstruction. Um die Repatrierung aus den unterschiedlichsten Ländern zu koordinieren wurde vom Council of Churches Namibia, dem Namibischen Kirchenrat, am 5.10.89 in Windhoek das RRR- Komitee formiert
7.
Denkbar: Schauspieler aus Potsdam, aus Berlin könnten auf Einladung von Abgeordneten des Deutschen Bundestages im Schlüterhof des Humboldt Forums mit einer szenischen Lesung des Stückes "ORLOG*, dem späten Spiel um Gerechtigkeit", einen der öffentlichen Diskussionsabende hier in der Stadt eröffnen. Alle sind eingeladen, jeder kann kommen. Zeitgleich findet im National Theater Namibias, in Windhoek, eine ebensolche Lesung statt. Die anschließenden, gleichzeitigen Diskussionen zu ORLOG*, zur politischen Realität, in Windhoek und in Berlin, werden an beiden Orten in offenen Gesprächsrunden (in der Art Talk-Show) geführt. Auf großen LED-Bildschirmen in Berlin (Schlüterhof), in Windhoek (Nationaltheater) kann mit Hilfe des Fernsehens die Debatte von den Zuschauern verfolgt werden. Wer an diesem Abend verhindert ist, oder das Stück lieber lesen mag, dem steht das Manuskript in Deutsch und auch in Englisch zur Verfügung, hier nachlesbar als PDF-Icon PDF-Dokument: ORLOG*. Die Rechte des Stückes liegen beim Autor.

Deutschland Archiv

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