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Beleuchteter Reichstag

2.10.2020 | Von:
Nicolas Offenstadt


Übersetzung: Jan Fredriksson

Eine Suche nach den verschollenen Spuren der DDR

Der französische Historiker Nicolas Offenstadt ist auf dem Gebiet der ehemaligen DDR den Spuren dieses untergegangenen Staates gefolgt. Er hat verlassene Gebäude unter die Lupe genommen und ist auf Trödelmärkten stöbern gegangen. Er berichtet hier über seine Forschungen nach dem Prinzip der Urbex.

Das Foto zeigt verlassene Gebäude des ehemaligen Volkseigenen Betriebes Waggonbau in Görlitz.Verlassene Gebäude des ehemaligen Volkseigenen Betriebes Waggonbau in Görlitz. (© Nicolas Offentstadt)

Es gibt viele verschiedene Ansätze, sich dem Gedächtnis der früheren DDR geschichtswissenschaftlich zu nähern und ebenso viele nutzbare Quellen – von den Verwaltungsarchiven bis zu mündlichen Erfahrungsberichten oder alten Presseartikeln. Der Weg, den ich gewählt habe, ist recht spezifisch und wird aus dem untersuchten Terrain selbst heraus möglich: durch lange Spaziergänge und verschiedene Besuche in den ostdeutschen Regionen, vor allem zwischen 2006 und 2012.

Aus diesen zunächst aus allgemeiner Neugier absolvierten Touren wurde schließlich ein sozialwissenschaftliches Forschungsprojekt (2012-2020). Nach und nach hat mich die präsente Abwesenheit der Vergangenheit der DDR auf dem Territorium des früheren Staates gepackt. Diese Präsenz wird spürbar in der materiellen Existenz bestimmter Dinge, die heute noch da sind und entweder eine bestimmte Funktion erfüllen – wie die Plattenbauten – oder inzwischen deaktiviert wurden – wie etwa Inschriften auf Mauern, die heute keinen Zweck mehr erfüllen, oder aber die vielen halb vergessenen, für den DDR-Sozialismus typischen Standbilder in der Öffentlichkeit. Ihre Abwesenheit markiert auch den Raum, der in gewisser Weise weiterhin – oder eben doch nicht mehr – von diesen Spuren eingenommen wird, sind doch einige von ihnen, wie etwa Gedenkinschriften, Skulpturen und öffentliche Kunstwerke, vollständig verschwunden. Auch das nach wie vor Vorhandene erregt die Aufmerksamkeit, da es häufig schlecht gepflegt ist, in einer veränderten Landschaft deplatziert wirkt und die lokalen Verantwortlichen nicht im Geringsten zu interessieren scheint. Die präsente Abwesenheit stellt sich durch die zahlreichen Gebäude und Grundstücke dar, die in der DDR-Zeit ihrem Zweck dienten und manchmal durch sie errichtet wurden, aber heute verlassen, um nicht zu sagen ganz und gar oder teilweise verfallen sind.

Die Basis meiner Untersuchung sind die Spuren der DDR in dieser ganzen Zweideutigkeit sowie die mit ihnen verbundenen Fragen. Diese Spuren waren zunächst das, was noch übrig geblieben ist, ein Rest oder Relikt, das aber andererseits auch verschwunden ist, obschon es den zuvor eingenommenen Raum erkennbar leer hinterlässt und somit auch eine Erinnerung, eine Art Abdruck, der seine Abwesenheit bezeugt – wie der Umriss einer Gedenktafel auf einer Mauer und die Löcher, die einst zu ihrer Befestigung dienten. Zunächst möchte ich darlegen, wie ich diese Spuren der DDR definiert und eingeordnet habe, um im Folgenden einen eigenen Ansatz der Urban Exploration darzulegen und das Vorgehen bei dieser Untersuchung im Einzelnen zu beschreiben.[1]

Die Spuren

Meine Untersuchung beginnt mit dem Blick, wobei ich allerdings betonen muss, dass dieser nur den Ausgangspunkt bildet, in eindeutiger Abgrenzung vom gewählten Weg und meiner Methode. Dieser Ausgangspunkt bestand in den sichtbaren Spuren mit schmückender oder technischer Funktion, die draußen, im öffentlichen Raum zu finden sind, aber auch dort, wo sie normalerweise verborgen bleiben.[2] Der bereits erwähnte anfängliche Blick fällt auf eine faszinierende Stadtlandschaft, in der neuere Schichten jene der Vergangenheit überlagern. Als Historiker bin ich allerdings verpflichtet, den Terminus Spuren genau einzugrenzen, da er in der Disziplin schon sehr lange und mit den verschiedensten Bedeutungen verwendet wird. Vielfach wurde in diesem Zusammenhang von der Erkenntnis mittels Spuren gesprochen. Im Gegensatz zu den Naturwissenschaften mit ihrem direkten Zugang zum Forschungsobjekt und der Anthropologie oder Soziologie mit ihren untersuchten Populationen hat die Geschichtswissenschaft demnach keinen direkten Zugang zur Vergangenheit. Möglich wird dieser erst durch das Erschließen von Spuren. Man müsste also diese Spuren zum Sprechen bringen, um die Vergangenheit zu rekonstruieren – und mittels verschiedener Gedankengänge und Schlussfolgerungen sozusagen die Löcher stopfen, die zwischen diesen Spuren klaffen.[3]

Die Spuren der DDR, um die es hier geht, befreien uns von der Notwendigkeit, den Zugang zur Vergangenheit über Fragmente zu finden. Angesichts der hervorragenden Datenlage und der Bedeutung
Das Foto zeigt alte DDR-Geldscheine als Souvenir in der Wohnung eines ehemaligen DDR-Bürgers und SED-Kaders, Juli 2020Alte DDR-Geldscheine als Souvenir in der Wohnung eines ehemaligen DDR-Bürgers und SED-Kaders, Juli 2020 (© Nicolas Offenstadt)
lebender Zeitzeugen hat das Konzept der Fragmente hier nahezu nur sekundäre Bedeutung. Im Zusammenhang mit Ostdeutschland möchte ich daher die Spur im Sinne einer Hinterlassenschaft verstehen, welche die Akteure der Vergangenheit – und der Gegenwart – aufgrund ihrer Bedeutungslosigkeit, ihres geringen materiellen und gesellschaftlichen Werts achtlos zurückgelassen haben. So wird die Hinterlassenschaft allerdings auch zu einem Anstoß, über das nachzudenken, was aufgegeben wurde. Dieser Vorgang des Aufgebens wird nirgendwo so deutlich wie in den zahllosen verlassenen Bauten auf dem Gebiet der früheren DDR. In diesen alten Fabriken,
Das Foto zeigt ein Tischset aus DDR-Zeit in dem Görlitzer Restaurant "Gastmahl des Meeres". Das heutige Restaurant gehörte zu dieser DDR-Kette und trägt weiterhin diesen Namen, Juli 2020.Tischset aus DDR-Zeit in dem Görlitzer Restaurant "Gastmahl des Meeres". Das heutige Restaurant gehörte zu dieser DDR-Kette und trägt weiterhin diesen Namen, Juli 2020. (© Nicolas Offenstadt)
Werkstätten oder Kulturzentren können wir all die Objekte finden, die Einfluss auf die Geschichte des Landes hatten: Industrieerzeugnisse, alltägliche Konsumgüter, Poster, Schilder und Zeichen, aber auch kleine persönliche Besitztümer, die jemand liegengelassen oder vergessen hat. Ich werde im folgenden Teil noch darauf zurückkommen.

Die Spuren sind auch als Ausdruck der Beständigkeit jener Dinge zu verstehen, die auch dann fortbestehen, wenn die gesamte Umgebung auf den Kopf gestellt wird. Viele Spuren dieser Art sind in der Zeit seit 1990 verschwunden, andere hingegen sind noch da und uns zugänglich. Die beständige Spur bildet im Verbund mit den Menschen, die sie nutzen oder frequentieren, eine Art Kollektiv – das gilt insbesondere für jene Ostdeutschen, die diese Spuren erhalten, schätzen oder erwähnen. Die Beständigkeit der Spuren äußert sich auch dadurch, dass diese an privaten oder öffentlichen Orten – etwa in Restaurants, Bars, Geschäften – neu und anders in Szene gesetzt werden: Die DDR-Souvenirs tragen dann auf einmal ein Geschäftsmodell, dienen zur Dekoration oder bilden eine mehr oder weniger umfangreiche Erinnerungsecke, die ein bestimmtes Maß an allgemeiner Aufmerksamkeit erregt. Die Betreiberinnen und Betreiber solcher Orte nennen unterschiedliche Motive: Manche verteidigen unterschiedlich stark das Regime, andere interessieren sich für die Epoche und ihr Design, wie es etwa in dem kleinen Museum in Wernigerode der Fall ist. Es kann auch um die einfache Darstellung einer Biografie gehen oder darum, sich abweichend vom Mainstream zu äußern. Solche Spuren zeigen ihre Beständigkeit auch in privaten DDR-Museen, also außerhalb der professionellen nationalen oder regionalen Museumsarbeit. In solchen Ausstellungen äußert sich vor allem der Akkumulationswille der Betreiber und ihr Interesse am Vorführen der Objekte. Es handelt sich um eine Art Erinnerungsproduktion, bei der es darum geht, die Spuren zu konservieren, und nicht etwa um die Konstruktion eines ausgefeilten museografischen Diskurses. Es gibt auf dem gesamten früheren DDR-Territorium etliche Museen dieser Art – mindestens 30 von ihnen widmen sich der DDR im Allgemeinen.
Das Foto zeigt eine eine Hausbar im DDR-Museum in Gotha, Dezember 2013.Blick in eine Hausbar im DDR-Museum in Gotha, Dezember 2013. (© Nicolas Offenstadt)


Auch frühere Funktionsträger der SED und nach wie vor überzeugte Kommunisten setzen sich für die Wiederbelebung politischer Spuren der Existenz ihrer kleinen untergegangenen Republik ein. Sie organisieren Zeremonien und holen dafür die Büsten und Flaggen von früher wieder hervor, um sich dann an die NVA oder die DDR als Ganzes zu erinnern.[4] Es ist wichtig, festzuhalten, dass die Spur keineswegs etwas Natürliches ist, sondern vielmehr ein Symptom, das es uns ermöglicht, Fragen zu stellen, gesellschaftliche Strukturen oder aktuelle Kräfteverhältnisse zu erforschen. Insofern verweist das Symptom hier auch auf eine „unsichtbare, latente Präsenz“ (Joseph Morsel) und nicht etwa auf eine Abwesenheit. Es verweist auf nach wie vor wirkmächtige „Reste“, auf eine Ungleichzeitigkeit, die jederzeit aktiviert werden kann (Ernst Bloch), wie es gelegentlich zu beobachten ist, wenn etwa die AfD die DDR instrumentalisiert.[5] Eine Spur wird niemals unbeabsichtigt hinterlassen. Ihr Fehlen und noch mehr ihr Fortbestehen sind stets das Ergebnis eines gesellschaftlichen Prozesses.

In diesem Zusammenhang kann jedes Stück Trödelware die verschiedensten Bedeutungen erhalten. In dem gesamten erwähnten Zeitraum habe ich mir sehr unterschiedliche Trödelläden angeschaut, vom typischen Souvenirgeschäft für Touristen bis zum kleinsten Flohmarkthändler auf dem Dorf. Es ist immer wieder beeindruckend, die gewaltigen Lager mit DDR-Produkten an solchen Orten zu sehen, und das gilt durchaus nicht nur für spezialisierte Händlerinnen und Händler. Gewissermaßen kann man an solchen Orten die ganze alte DDR wiederfinden. Manche Menschen möchten nur ihre persönlichen Gegenstände loswerden, während die professionelleren Akteure hier und da einen ganzen Schwung scheinbar nutzloser Ware aufgekauft haben. Über die geschäftliche Seite der Preisverhandlung des Verkaufs hinaus bietet sich bei diesen Begegnungen die Gelegenheit eines allgemeineren Austauschs, bei dem die Beteiligten einander mitteilen, was sie über das Objekt wissen – der Verkäufer oder die Verkäuferin fängt also an, über die DDR-Vergangenheit der Ware zu erzählen, ja sogar eine Art Kontinuität herzustellen.[6] Immer wieder habe ich in solchen Situationen auch Notizen gemacht oder eine formellere Gesprächssituation hergestellt.

Es ist wichtig, die Spuren in zeitliche Abläufe einzuordnen und ihnen ihre Kontinuität zurückzugeben, indem man die Biografien der Objekte sowie den von ihnen zurückgelegten Weg durch den Raum analysiert.[7] Eine historische Spur existiert durch das Zusammenwirken zwischen den Objekten und den Menschen, doch auch durch die Personen, die als Kommentatoren oder Historiker dem Objekt einen bestimmten Status verleihen, um es dann zu kanalisieren. Wir machen – möglicherweise, nachdem andere es bereits getan haben – verschiedene Dinge aus der Vergangenheit anhand der genannten Kriterien und durch verschiedene methodologische Prozesse zu Spuren, während Andere in diesen Objekten nichts als Abfall, Schrott, Banalitäten oder schlicht etwas Bedeutungsloses sehen.

Urban Exploration

Wenn man durch die ostdeutschen Städte spaziert, fällt der Blick schon bald auf die Hinterlassenschaften, Brachflächen und leerstehenden Gebäude. Je nachdem, wo man sich gerade befindet, ist ein Ort dann mehr oder weniger durchsetzt von den Spuren einer anderen Zeit,[8] die in vielen Fällen noch gar nicht so lange her ist. Die politischen, wirtschaftlichen und demographischen Gründe für das Vorhandensein dieser Hinterlassenschaften sind allgemein bekannt. Der Historiker stellt nun die Frage nach der Historizität jedes Ortes, wobei die Fragestellungen mit jedem Betreten des Ortes raffinierter werden. Die Publikationen zur ostdeutschen Erinnerungskultur haben diesem Thema durchweg nur sehr geringe Aufmerksamkeit gewidmet – was daran liegen dürfte, dass es nicht besonders gut zu einer Geschichtsschreibung „von oben“ passt.

Und so kam es, dass ich ab 2012 immer intensiver und systematischer die Urban Exploration des Gebiets der früheren DDR betrieb. Diese Praxis – häufig bezeichnet durch die Abkürzung Urbex – besteht darin, dass man verbotene, verlassene oder marginalisierte Orte illegal oder zumindest ohne Erlaubnis besucht
Das Foto zeigt rote Winkelemente im Keller eines ehemaligen Gebäudes der VEB Bau- und Montagekombinat Erfurt, Zella-Mehlis (Thüringen), Juli 2020.Rote Winkelemente im Keller eines ehemaligen Gebäudes der VEB Bau- und Montagekombinat Erfurt, Zella-Mehlis (Thüringen), Juli 2020. (© Nicolas Offenstadt)
und dort herumläuft.[9] Dazu gehört auch, dass man in Gebäude eindringt und sich reichlich Zeit nimmt, diese zu explorieren. Selbstverständlich ist es nichts Neues, dass Menschen Ruinen oder verlassene Orte besuchen. Doch erst seit dem Ende der 1990er Jahre ist mit der Entwicklung des Internets und der Websites zum Teilen von Fotos eine Art Trend daraus geworden sowie eine entsprechende Gemeinschaft von Akteuren entstanden. Ihre Motive sind vielfältig und reichen vom rein künstlerisch-fotografischen Interesse bis zur Suche nach Freiheit und einem Hauch von Abenteuer in Abgrenzung vom sonst üblichen urbanen Kontrolldruck.[10] Angesichts der überall vorhandenen und vielfältigen Hinterlassenschaften auf dem Gebiet der Ex-DDR hat dieses Territorium in der Szene einen besonderen Status, wie auf YouTube, in Blogs oder auf speziellen Websites zu beobachten ist. Es gibt sogar Facebook-Seiten, die sich nur mit bestimmten Regionen befassen („Verlassene Orte Chemnitz“, „Verlassene Orte Mecklenburg-Vorpommern“ usw.).

Das geografisch-historische Interesse brachte mich nach kurzer Zeit an verschiedenste Orte, die in ihrer Vielfalt unterschiedlichste Fragen aufwerfen: Fabriken, Bürogebäude, Werkstätten, Veranstaltungsorte, Kultureinrichtungen, sowjetische und NVA-Kasernen, Wohngebäude und vieles mehr. Ich hatte von Anfang an das Anliegen, der Urban Exploration über Ästhetik, Freizeitwert und Gedächtnis hinaus noch etwas anderes abzugewinnen. Es ist eine Praxis, die aus meiner Sicht nur in einem historischen, geografischen und gesellschaftlichen Kontext Sinn ergibt. Daher ist es ein Fehler, die dokumentarische und Archivarbeit als Gegensatz zur Praxis der Urbex darzustellen. Die Geschichte der Orte lässt sich nur beleuchten, indem wir Quellenarbeit betreiben. Es gibt auch Urbexer, die das versuchen – tatsächlich ist von Praktikern wie den Gründerinnen und Gründern der
Der Besitzer des Gothaer DDR-Museums (Thüringen) zeigt uns eine Dose Vollkorn-Brot, Dezember 2013.Der Besitzer des Gothaer DDR-Museums (Thüringen) zeigt eine Dose Vollkorn-Brot, Dezember 2013. (© Nicolas Offenstadt)
kleinen DDR-Museen als Begründung für ihr Tun unter anderem zu hören, es gehe ums Bewahren und Kennen, wobei je nach Zusammenhang die Begriffe „Erinnerung“, „kulturelles Erbe“ oder „Wissen“ fallen. Wir haben es hier mit einer Ausprägung der „Geschichte von unten“ (heritage from below) zu tun – das ist an den Aneignungspraktiken und der Geschichtsarbeit der nichtprofessionellen Akteure erkennbar, die ihrem lokalen Handeln häufig die Form eines Aufbegehrens gegen „die da oben“ geben.[11] In diesem Umfeld wird die Urbex, insbesondere mithilfe der vielen geteilten Fotos, zu einer Arbeit für die Erhaltung der Vergangenheit und verschwindender Orte.

Inzwischen habe ich auf dem gesamten Gebiet der früheren DDR rund 300 dieser Orte von innen gesehen und Tausende von außen. Zu den ostdeutschen Besonderheiten zählt die Entwertung und Aufgabe all dieser Orte, und zwar auf dem gesamten Territorium, da diese mit einer sozialistischen Vergangenheit assoziiert werden, die verschwinden sollte. In anderen Ländern beschränkt sich diese Art des Verlassenseins häufig auf eine bestimmte Region oder ein Industriegebiet, und der Aspekt eines politischen Auflösungsprozesses fehlt. Außerdem findet man an diesen Orten häufig unzählige Spuren, die, wie erwähnt, leicht zu hinterlassen waren. Im Falle der DDR handelt es sich vor allem um architektonische Spuren (funktionale Spuren), die häufig älter als die DDR sind, doch auch um all jene Bauten der „Ostmoderne“ und die Kunstwerke an und in diesen Gebäuden (Gemälde, Mosaiken usw.).

Sie in den Blick zu nehmen, ermöglicht zwar nicht ihren Erhalt, aber immerhin die Sicherung von Spuren und das Hinterfragen ihres Schicksals. In diesen Gebäuden sind außerdem Tausende Objekte aus der DDR-Zeit zu finden, die industriellen, persönlichen oder gemischten Zwecken dienten. So konnte ich in ehemals Volkseigenen Betrieben (VEBen) in Plauen und Görlitz, in einer früheren Schule in Frankfurt an der Oder und an anderen Orten Terminkalender finden, aus denen der Tagesablauf und die Aktivitäten des Eigentümers hervorgehen. Zweifellos kümmert man sich auch andernorts schon um den Erhalt vergleichbarer Fundstücke – man findet sie in Archiven, in Alltagsmuseen wie jenem von Eisenhüttenstadt und – ohne lange zu suchen – auf eBay oder Liebhaber-Flohmärkten.

Warum sollten sich die Sozialwissenschaften also dafür interessieren? Es geht hier vor allem um den Ansatz: Wenn die Urbex sich den Objekten widmet, kann sie den „Lebenslauf“, ihre „Objektbiographie“ einem Ort zuordnen, in eine Reihe stellen, mit einer Verwendung verknüpfen, in einen historischen Zusammenhang einbetten. Andererseits kann die Urbex uns auch zu einer Darstellung der materiellen Kultur verhelfen, die sich auf einzigartige Objektkombinationen und die Besonderheiten jedes einzelnen Ortes stützt, welche nicht unbedingt in anderen Quellen dokumentiert sind.

Wer mit solchen Orten nicht vertraut ist, wird wahrscheinlich staunen, dass sogar ganze Archive eines Unternehmens oder einer Institution, mitunter in Kartons verpackt, in völlig ungeschützten, nach allen Seiten offenen Gebäuden herumliegen. Natürlich sind solche Funde nicht immer besonders bedeutend. Man könnte argumentieren, die Dokumente anderer Kultureinrichtungen oder Unternehmen seien ja bereits in Gemeinde- oder Landesarchiven verfügbar. Ungeachtet dessen handelt es sich jedoch um bisher unentdeckte Rohdokumente – Krankenakten, Personalakten oder Aufzeichnungen der Betriebsparteiorganisation, die von den Schicksalen vieler Menschen erzählen.

Es war Teil meines Ansatzes, dass ich niemals vorab versucht habe, die Eigentümer eines Ortes, frühere Angestellte oder Arbeiter zu treffen, denn dann wäre es keine wirkliche Urbex mehr gewesen, sondern ein geführter Besuch, und zwar im doppelten Sinne: geführt durch eine Person und durch die Konfrontation mit einer bestimmten Erzählung. Allerdings habe ich versucht, möglichst viele spontane Gespräche und Interviews mit Menschen zu führen, die ich vor Ort angetroffen habe: Eigentümer, Wachpersonal oder Hausmeister, die mich überraschten, Obdachlose oder Jugendbanden, Menschen, die sich aus ihrem Fenster lehnten, Nachbarn. So kam ich an den größten Teil der von mir verwendeten Darstellungen, da auf diese Weise die Orte und Objekte in der Situation kommentiert wurden.

So explorierte ich kürzlich in Seiffen im Erzgebirge die Ruine einer Spielwarenfabrik (Teil des Kombinats Holzspielwaren VERO), wobei mir die Tochter des ehemaligen Eigentümers begegnete, die direkt gegenüber in ihrem Garten arbeitete. Es kam zu einem kurzen Gespräch, in dessen Verlauf sie mich aufforderte, mich direkt vor der Fabrik mit ihr hinzusetzen. Es war eine sehr aufschlussreiche Unterhaltung. In Görlitz erwischte mich der junge Eigentümer eines Anbaus des Leontinenhofs, der in der DDR-Zeit ein Kinderheim beherbergt hatte. Nachdem er sein anfängliches Misstrauen überwunden hatte, führte er mich selbst durch jenes Haus voller Spuren seiner früheren Eigentümer, die alle aus der DDR stammten. Wir sprachen über das untergegangene Land und die Entwicklung dieses Ortes. Meine Recherchen ergänzte ich dann durch Interviews. In meinem Buch Le pays disparu nehme ich eine Akte, die jemand in einer Fabrik hinterlassen hatte, oder
Das Foto zeigt die Spur eines HO-Ladens für Indstriewaren, Zella-Mehlis (Thüringen), Juli 2020Spur eines HO-Ladens für Indstriewaren, Zella-Mehlis (Thüringen), Juli 2020 (© Nicolas Offenstadt)
eine Inschrift an einem Schaufenster als Ausgangspunkt, und ich konnte die handelnden Personen dieser Geschichte treffen, sodass ich in der Lage war, die Erzählung des Ortes und der Zeitzeugen gleichermaßen zu berücksichtigen.

An dieser Stelle wird auch deutlich, dass die Urbex die Geografie, Geschichtsschreibung, Anthropologie und Soziologie der Objekte immer wieder mit neuen Herausforderungen konfrontieren wird.

Über Spuren sprechen – eine Annäherung

Mein Ausgangspunkt war also, die heutige Stadtlandschaft daraufhin zu untersuchen, wie sie vor 1990 aussah und wie das Regime sie in der Stadtplanung, in Reiseführern und mithilfe von Denkmälern darstellte. Ich habe Dutzende ostdeutsche Städte durchwandert, um mir das Zusammenspiel dieser Spuren an offenen und verschlossenen Orten anzusehen. Bei diesen Wanderungen ergab sich oft die Gelegenheit, mit Bewohnerinnen und Bewohnern zu sprechen, die sich dann darüber wunderten, dass jemand mit DDR-Dokumenten in der Hand spazieren ging, mich aber auch über schwer auffindbare Orte informierten. Sehr aufschlussreich war es für mich auch, als Beobachter an verschiedenen DDR-Gedenkzeremonien
Das Foto zeigt eine Festveranstaltung für den 66. Jahrestag der DDR in Bochum (Nordrhein-Westfalen), 17 Oktober 2015.Eine Festveranstaltung für den 66. Jahrestag der DDR in Bochum (Nordrhein-Westfalen), 17 Oktober 2015. (© Nicolas Offenstadt)
teilzunehmen.[12] Insgesamt folgt der Ansatz den Prinzipien einer symmetrischen Anthropologie, der daran gelegen ist, der Geschichte der „Verlierer“ ebenso viel Beachtung zu schenken wie jener der „Sieger“. Sie verwendet bei jenen, die Erfolg hatten, keine anderen Ansätze als bei den „Gescheiterten“. Darüber hinaus wird eine Symmetrie hergestellt zwischen der Geschichte der Menschen und der Dinge – hier insbesondere der Objekte aus der DDR-Zeit.[13]

Letztendlich habe ich ein „liegendes“ Land durchquert: Die DDR ist häufig auf Flohmarkttischen ausgebreitet, auf dem Boden eines alten Hangars oder einer verlassenen Fabrik, im Museum. Meine Recherchen haben es mir ermöglicht, die Dialektik der Auslöschung, des Widerstands und der Neuerfindung der DDR-Spuren zu beschreiben.

Der Ikonoklasmus und die Auslöschung der Spuren haben seit 1990 nicht nur die Geschichte der DDR mit sich gerissen, sondern auch jene Vergangenheit, die dieser Staat zu seiner Meistererzählung gemacht hatte. Das wird besonders deutlich in der Erinnerung an die Kämpfe zwischen 1918 und 1920 sowie an die vielen Widerstandskämpfer und Antifaschisten, die ermordet wurden, lange bevor an eine DDR – und ihre Untaten – überhaupt zu denken war. Ihre Denkmäler werden abgebaut oder verschwinden im Vergessen; Straßen und Orte, die ihren Namen tragen, werden umbenannt.

So wurde im thüringischen Zella-Mehlis aus der Straße der Antifaschisten die Meininger Straße, und die Gedenktafeln, die einst am Hotel „Stadt Wien“
Das Foto zeigt das Hotel "Stadt Wien" in Zella-Mehlis, an dem in der DDR-Zeit zwei Gedenktafeln angebracht waren, die an die Revolution von 1918 und einen Besuch Ernst Thälmanns erinnerten. Beide sind entfernt worden, Juli 2020.In der DDR-Zeit waren zwei Gedenktafeln am Hotel "Stadt Wien" in Zella-Mehlis angebracht, die an die Revolution von 1918 und einen Besuch Ernst Thälmanns erinnerten. Beide sind entfernt worden, Juli 2020. (© Nicolas Offenstadt)
an die „roten“ Ereignisse von 1918 und 1927 erinnerten, sind ganz und gar verschwunden. Die DDR zu vergessen, bedeutet nicht immer, sie auszulöschen. Man kann sie auch einhegen, indem ihre Ausstellungen oder Statuen an einen anderen Ort verlegt werden, wobei man sie zwar in derselben Gegend lässt, aber beispielsweise, wie das Ehrenmal für die antifaschistischen Widerstandskämpfer (Erich Wurzer), von einem zentralen Standort in einen Park verpflanzt. In den dominanten Diskursen über die Vergangenheit muss die DDR räumlich oder museografisch an den Rand gedrängt werden.

„Auslöschen“ kann tatsächlich „auslöschen“ bedeuten, aber auch „einhegen“, „verlegen“ oder „verlassen“. Wie viele Gedenktafeln oder Bauzeugnisse der industriellen Geschichte geraten einfach in Vergessenheit, weil sie nicht mehr gesehen werden und sich langsam auflösen? Es geht hier nicht darum, zu behaupten, all diese Vorgänge des Verschwindens seien systematisch organisiert worden. Renovierungen und andere Arbeiten haben ebenfalls oft zur Folge, dass etwas verschwindet, doch ist ebendieser Effekt symptomatisch. Selbstverständlich waren die Ostdeutschen selbst bei diesen Ersetzungen und bei diesem Vergessen handelnde Personen: Sie haben gewählt, Kommunalpolitik gemacht oder einfache Arbeiten verrichtet, sodass hier nicht nur von einem Einfall der „Wessis“ die Rede sein kann. Doch in seiner Gesamtheit war dieser Vorgang nur möglich, weil er zu einer groß angelegten, gut vorbereiteten und aus dem Westen importierten Delegitimationsoffensive gehörte, die sich gegen alles richtete, was den Diskurs und die Praktiken des Kommunismus ausmachte.

Angesichts dieser Auslöschung kommt es zu Widerstand und Wendungen aus verschiedenen Gründen. Volksvertreter retten Denkmäler, Aktivisten stellen sie wieder her, Fotografen, Sammler, Design- und Architekturliebhaber archivieren die Spuren,[14] Autoren beschreiben sie und setzen sie in Szene.[15] Auch im aktuellen ostdeutschen Kino nehmen die Brachflächen eine bedeutende Rolle ein.

Um die Vergangenheit zu zähmen und über die Gegenwart zu sprechen, lassen manche die DDR wiederaufleben – in der Wirklichkeit ihrer Ausstellungen, Sammlungen oder Romane. Die Objekte werden zu Vermittlern einer Lebensgeschichte, die sich mit ihnen erzählen lässt, und bilden ein Kollektiv mit den Menschen, die sie bei sich aufnehmen und schätzen. So tragen sie dazu bei, dass die Gegenwart stabilisiert wird. Die Vergangenheitsarbeit ist vor allem ein Symptom aktueller Situationen, Herrschaftsverhältnisse und Sorgen.

In den Neunzigerjahren, mit einem Höhepunkt um 2003 und danach, rollte die viel beschriebene „Ostalgie-Welle“ durchs Land. Doch diese einfache Metapher sagt letztlich wenig über die Erinnerungen an die DDR aus. Das Handeln der Beteiligten offenbart vor allem eine Reihe tief verankerter, langfristiger und modular einsetzbarer Praktiken, die je nach Ort und Umständen unterschiedlich angewendet werden. Meine Untersuchung ergibt, dass die Menschen sich die DDR auf den unterschiedlichsten Wegen neu aneignen; alles unter „Ostalgie" zu subsumieren, verdeckt ihr unterschiedliches Vorgehen.: Es handelt sich im wahrsten Sinne des Wortes um Bastellösungen. So gibt es Regimekritiker, die den Objekten ihrer Vergangenheit einen Wert zuerkennen, oder „Vereinigungsgewinner“, die sich darüber aufregen, wie im Westen über die DDR gesprochen wird. Wieder andere frühere DDR-Bürger versuchen, zwischen den beiden Epochen, die sie erlebt haben, ein Gleichgewicht herzustellen. Die Objekte übernehmen bei diesen Übergängen häufig eine vermittelnde Rolle, und aus den Zutaten der Vergangenheit entsteht durch geschicktes Kombinieren eine lebenswerte Gegenwart.
Das Foto zeigt die Innenansicht des verlassenen Verwaltungsgebäudes des ehemaligen VEB Robotron-Elektronik (Mercedes), Zella-Mehlis, Juli 2020.Innenansicht des verlassenen Verwaltungsgebäudes des ehemaligen VEB Robotron-Elektronik (Mercedes), Zella-Mehlis, Juli 2020. (© Nicolas Offenstadt)


Seit vielen Jahren versucht eine ganze Bewegung mit Leitfiguren, die weit davon entfernt und häufig auch viel zu jung sind, zu den Handlangern des früheren Regimes zu gehören, in einem Wettlauf gegen die Zeit die Architektur und Kunst der DDR-Epoche aufzuwerten und zu erhalten.[16] Dass diese Zeit immer weiter zurückliegt, spielt bei der Bewegung gewiss eine Rolle, ebenso die Neubewertung politischer Fragen im Osten angesichts des Aufstiegs der AfD und der Wortmeldungen debattierfreudiger Intellektueller und ostdeutscher „Identitäts-Aktivisten“ unterschiedlicher Erfahrungen und Generationen, wie etwa Petra Köpping und Valerie Schönian.

Im Verlauf der Untersuchung bleibt nichts unumstößlich: So gut wie immer war zu beobachten, wie die Archäologie des Gedächtnisses sich neu ordnet. Spuren verschwinden, wechseln den Ort oder erfinden sich neu. Doch die Mechanismen, die ich beobachten konnte, bestehen fort. Erst am Ende einer langen Entwicklung können hinterlassene Spuren unsichtbar werden oder eine andere Gestalt annehmen. Jene Spuren, die sich behaupten, sind das Produkt der politischen und gesellschaftlichen Kräfteverhältnisse, der Spannungen zwischen dem Lokalen und dem Globalen. Darüber hinaus stehen sie für die Lebensgeschichten der Ostdeutschen und entwickeln sich mit diesen in den verschiedensten Kombinationen und Arrangements immer weiter.[17]

Zitierweise: Nicolas Offenstadt, "Eine Suche nach den verschollenen Spuren der DDR", in: Deutschland Archiv, 02.10.2020, Link: www.bpb.de/316561

Fußnoten

1.
Für vollständige Ergebnisse in französischer Sprache siehe Nicolas Offenstadt, Le Pays Disparu. Sur les traces de la RDA, Paris 2018; Urbex RDA. L’Allemagne de l’Est racontée par ses lieux abandonnés, Paris 2019. Weitere Einzelheiten in deutscher Sprache in: Auf den Spuren der DDR. Für eine „symmetrische“ Geschichtsschreibung, in: Dorothee Röseberg/Monika Walter (Hg.), Die DDR als kulturhistorisches Phänomen zwischen Tradition und Moderne, Abhandlungen der Leibniz-Sozietät, Bd. 63, Berlin 2020, S. 251-282.
2.
Auch wenn die Erkundung der „Spuren“ im Privaten, in der Familie und in Wohnungen sehr lehrreich sein kann, beschränkt sich diese hier auf einige Beobachtungen, wie sie auch in der sehr interessanten Arbeit von Anna Katherina Laschke zu finden sind: Familiendinge. Zwischen Entbehrlichkeit und Bedeutsamkeit, in: Andreas Ludwig (Hg.), Zeitgeschichte der Dinge. Spurensuchen in der materiellen Kultur der DDR, Köln 2019, S. 303-323.
3.
Eine zusammenfassende Darstellung, die erlaubt, die vorherigen Diskussionen nicht zu erwähnen – auch mit ausführlicher Berücksichtigung der deutschsprachigen Literatur –, findet sich in: Joseph Morsel, Traces? Quelles traces? Réflexions pour une histoire non passéiste, in: Revue historique, 680, 2016, S. 813-868.
4.
Siehe N. Offenstadt, Pays Disparu (Anm. 1), Kapitel V.
5.
Ernst Bloch, Erbschaft dieser Zeit, Frankfurt 1985, Werkausgabe, Band 4, S. 104 ff. So nutzte der Kandidat während des Görlitzer Wahlkampfs 2019 einen Trabant als Werbeträger; 2020 forderte die AfD in Magdeburg vergeblich, eine Kita und eine Straße nach dem DDR-Kosmonauten Sigmund Jähn als „erstem deutschen Astronauten“ zu benennen.
6.
Vgl. zum Austausch beim Trödler im Allgemeinen: Octave Debary/Philippe Gabel, Seconde main et deuxième vie. Objets, souvenirs et photographies, in: Mélanges de La Casa de Velàsquez, 40-1, 2010, S. 123-142.
7.
Der Autor hat auf diese Weise den Weg von zehn Objekten von verlassenen Orten oder aus eBay-Angeboten und Trödelläden nachgezeichnet und mögliche Interpretationen dieser Objekte exploriert; siehe N. Ofenstadt, Pays Disparu (Anm. 1), Kapitel I. In ähnlicher Weise widmet sich ein kollektiv erstelltes Buch sämtlichen Aspekten der „materiellen Kultur“ der DDR und der Geschichtsschreibung anhand von Objekten bis hin zur dauerhaften Aufbewahrung und Aufnahme in Sammlungen. Herausgeber ist Andreas Ludwig, der in diesem Zusammenhang verschiedene neue Ansätze gefördert hat, seit er ab Anfang der 1990er Jahre im Dokumentationszentrum Eisenhüttenstadt tätig war; Andreas Ludwig (Hg.), Zeitgeschichte der Dinge. Spurensuchen in der materiellen Kultur der DDR, Köln 2019.
8.
Daniel Florentin, The ‘Perforated City’: Leipzig’s Model of Urban Shrinkage Management, Berkeley Planning Journal, 23-1, 2010, S. 83-101.
9.
Eine gute Einführung liefert Aude Le Gallou in: De l’exploration urbaine au tourisme de ruine: enjeux touristiques et patrimoniaux des espaces urbains abandonnés, in: Espaces 340, Januar 2018, S. 26-31; eine Gesamtanalyse findet sich in N. Offenstadt, L’exploration urbaine (Urbex), une pratique à histoires, in: Jean-Pierre Garcia und Amélie Quiquerez (Hg.): Archéologie contemporaine: une archéologie aux limites, Dijon 2020 (im Erscheinen).
10.
Bradley L. Garrett, Explore Everything. Place-Hacking the City, London 2013.
11.
Zuletzt: Hamzah Muzaini/Claudio Minca (Hg.): After Heritage. Critical Perspectives on Heritage from Below, Cheltenham 2018.
12.
Vgl. N. Offenstadt, Le Pays disparu (Anm. 1), Kap. V.
13.
Der Ursprung dieses symmetrischen Ansatzes findet sich bei Bruno Latour, Nous n’avons jamais été modernes. Essai d’anthropologie symétrique, Paris 1997, S. 210 S., zusammengefasst auf S. 39-140. Zu den Verbindungen zwischen Menschen und Objekten sowie Natur-Kultur-Montagen siehe Philippe Descola, Par delà nature et culture, Paris 2005.
14.
Eine der jüngeren Publikationen dieser Art: Andreas Metz, Ost Places. Vom Verschwinden und Wiederfinden der DDR, Berlin 2019; Ben Kaden, Karten zur Ostmoderne, Leipzig 2020.
15.
Siehe N. Offenstadt, Pays Disparu (Anm. 1), Kap. VI
16.
Ein recht genaues Bild vermitteln die Facebook-Posts der Gruppe FG Ostmodern, https://www.facebook.com/groups/189189044560431/
17.
Ich bedanke mich bei dem Institut d'histoire moderne et contemporaine (IHMC/Université de Paris 1/ENS Ulm) und seiner Direktion für die stetige Unterstützung meiner gesamten Urbex-Forschungsarbeit.
Creative Commons License

Dieser Text ist unter der Creative Commons Lizenz "CC BY-NC-ND 3.0 DE - Namensnennung - Nicht-kommerziell - Keine Bearbeitung 3.0 Deutschland" veröffentlicht. Autor/-in: Nicolas Offenstadt für Deutschlandarchiv/bpb.de

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Vom Einläuten der Friedlichen Revolution

Rund um den 7. Oktober 1989 herrschte Ausnahmezustand in mehreren Städten der DDR. Polizei und Stasi gingen gewaltsam gegen Demonstranten vor, die friedlich für Reformen eintraten. Ein filmischer Überblick.

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Themenseite

30 Jahre Mauerfall

Die Berliner Mauer war über 28 Jahre das Symbol der deutschen Teilung und des Kalten Krieges. Am 9. November 1989 reagierte die DDR-Regierung mit Reiseerleichterungen auf den Ausreisestrom und monatelange Massenproteste – die Mauer war geöffnet. Wir präsentieren ausgewählte Angebote zur Geschichte der Mauer und des Mauerfalls.

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Deutschlandarchiv bei Twitter

Ausstellung + Film

Die Mauer. Sie steht wieder!

Was wäre, wenn die Mauer Berlin erneut halbieren würde? 30 Jahre nach dem Mauerfall erinnert das Deutschland Archiv der bpb mit 30 Bildmontagen und einem Film von Alexander Kupsch an das Bauwerk, das die Stadt über 28 Jahre lang teilte.

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Chronik der Mauer

Es erwartet Sie eine Fülle von multimedial aufbereiteten Informationen über Mauerbau und Mauerfall - und über die Opfer der Grenze.

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Dossier

Stasi

Alles wissen, alles kontrollieren, Menschen manipulieren. Aus der Arbeitsweise der DDR-Geheimpolizei "Stasi" ist auch viel zu lernen über die Mechanismen von Diktaturen der Gegenwart. In der DDR überwanden couragierte Bürgerinnen und Bürger allerdings 1989 ihre Angst vor der "Staatssicherheit". Vor 30 Jahren wurde sie gänzlich entmachtet.

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Online-Angebot der bpb und der Robert-Havemann-Gesellschaft

jugendopposition.de

Wie haben junge Menschen in der DDR mit Mut und Musik gegen Stasi und SED-Diktatur gekämpft? Zeitzeugen berichten. Mit zahlreichen Texten, Videos, Audios, Fotos und Dokumenten.

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Online-Archiv

www.wir-waren-so-frei.de

Fast 7.000 private Filme und Fotos aus der Umbruchzeit 1989/90 sowie über 100 begleitende Erinnerungstexte. Dazu ost- und westdeutsche Medienberichte. Die persönlichen Erfahrungen der Fotografen und Filmemacher bieten zusammen mit der öffentlichen Berichterstattung vielfältige Blicke auf die historischen Ereignisse und deren Auswirkungen auf den Alltag in Ost und West.

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Wird die DDR-Diktatur verharmlost? Und warum begann die intensive Auseinandersetzung mit der NS-Vergangenheit erst so spät? Die Deutung von Geschichte ist oft umstritten - und nicht selten ein Politikum.

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13. August 1961: In den frühen Morgenstunden beginnt der Bau der Mauer, die Deutsche Teilung wird zementiert. Am Abend des 9. November 1989 kommt es zum Mauerfall. Bald 30 Jahre danach ist Deutschland in vielem noch immer ein Land mit zwei Gesellschaften.

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Zu dem Thema "Children of Transition, Children of War, the Generation of Transformation from a European Perspective" diskutierten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler auf der Deutschlandforschertagung 2016 vom 3. bis 5. November 2016 in der Universität Wien. Die Tagungsdokumentation gibt Einblick in die Themen und Ergebnisse.

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Messenger-Projekt

Der Mauerfall und ich

Es ist Leipzig im Spätsommer des Jahres 1989. Die Studentin Kathrin und ihre Freundinnen und Freunde erleben eine Zeit des Umbruchs in der DDR. Im November fällt die Mauer und damit die Grenze, die Deutschland und die Deutschen viele Jahrzehnte trennte. Über ihre Erlebnisse hat Kathrin von August bis November 2019 im bpb-Messengerprojekt "Der Mauerfall und ich" berichtet.

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Gedenkstätten, Museen, Dokumentationszentren, Mahnmale, Online-Angebote - zahlreiche Einrichtungen und Initiativen erinnern an die Opfer des Nationalsozialismus, bieten Bildungsangebote zur Geschichte des Nationalsozialismus und engagieren sich für Überlebende und Jugendbegegnungen. Wo Sie welche Erinnerungsorte mit welchem pädagogischen Angebot finden, erfahren Sie in der Datenbank.

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Der Tag in der Geschichte

  • 24. November 1961
    Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit (BMZ) wird errichtet. Nach einem Erlass des Kanzlers vom 29. 1. 1962 obliegt ihm die Koordinierung der Entwicklungspolitik; die sachlichen Kompetenzen bleiben wie bisher beim Auswärtigen Amt und beim... Weiter
  • 24. November 1983
    Die neonazistische »Aktionsfront Nationaler Sozialisten/Nationale Aktivisten« (ANS/ NA) wird vom Innenministerium verboten und aufgelöst. Sie war am 15. 1. 1983 durch Vereinigung der ANS-Gruppe Hamburg, gegründet am 12. 12. 1977 von Michael Kühnen, und den... Weiter
  • 24. November 1989
    In Ost-Berlin konstituiert sich die Grüne Partei. Sie will »ökologisch, feministisch, gewaltfrei« sein und betrachtet sich als Ableger der weltweiten, vor allem europäischen Bewegung der Grünen. Am 26. 11. 1989 wird in Ost-Berlin die Grüne Liga als neue... Weiter