Beleuchteter Reichstag

22.3.2021 | Von:
Dani Kranz

Israelinnen und Israeli*nnen in Deutschland

Israelis in Deutschland werden immer wieder in den Medien thematisiert. Aber was ist mit den Israelinnen? Welche Rolle spielen Sex (biologisches Geschlecht) und Gender (soziales Geschlecht) in der Migration und welche Dynamiken lassen sich im Zeitverlauf erkennen? Basierend auf historischen, qualitativen und quantitativen Quellen stellt dieser Essay von Dani Kranz die Lebenswelten von Israelinnen und Israeli*nnen, die in Deutschland leben, vor.

Das Foto zeigt einen israelischen und deutschen Reisepass in einem Kosmetiktäschchen. Viele Israelinnen, Israelis und Israeli*innen haben die deutsche und die israelische Staatsangehörigkeit.Viele Israelinnen, Israelis und Israeli*innen haben die deutsche und die israelische Staatsangehörigkeit. (© Sharon Adler/PIXELMEER, 2021)

Seit etwa 2011 berichten die Medien zunehmend über den Zuzug von Israelis, Israelinnen und Israeli*nnen[1] nach Deutschland – vor allem nach Berlin. Im Fokus stehen dabei immer wieder Israelinnen, die in einem vielseitigen Spektrum als Künstler*innen, DJanes und politische Aktivist*innen tätig sind. Ebenso geht es um Israeli*nnen, die über den Wissenschaftsaustausch nach Deutschland kommen, und um engagierte Frauen, die sich in ihrer Community engagieren, wie etwa im Verein der Freunde der Synagoge Fraenkelufer in Berlin. Eine weitere Gruppe, die häufig in den Medien portraitiert wird, sind Israeli*nnen, die sich im LGBTQI-(Lesben, Schwule, Bisexuelle, Transgender, queere und intersexuelle Menschen)Spektrum verorten und nicht heteronormativ leben. Dieser Essay fokussiert die Situation der Frauen und thematisiert aus diesem Blickwinkel zum einen die chronologische Entwicklung und stellt geschlechtsspezifische Framings, Genderdynamiken und Konstruktionen von Sex und Gender[2] dar, die auch eine wichtige Rolle spielen, um die Lebenswirklichkeiten von Israelinnen und Israeli*nnen hierzulande zu erfassen.

Ein erster Überblick

Die aktuelle mediale Wahrnehmung von Israelis, Israelinnen und Israeli*nnen in Deutschland muss vor dem Hintergrund der deutsch-jüdischen Geschichte und nunmehr deutsch-israelischen-jüdischen Gegenwart verstanden werden.[3] Israelinnen, Israel*innen und Israelis werden von der nichtjüdischen deutschen Mehrheitsgesellschaft mit einem besonderen Interesse betrachtet,[4] was politisch unter anderem darin begründet ist, dass in der Anwesenheit von Jüdinnen und Juden in Deutschland nach 1945 ein Zeichen für die Demokratiefähigkeit der Bundesrepublik gesehen wird[5] und die Sicherheit Israels zur deutschen Staatsraison erhoben wurde.[6] Ab den 1990er-Jahren entstand eine Dynamik, die maßgeblich durch die deutsche Wiedervereinigung beeinflusst war. Durch sie wurden Spätfolgen der Naziherrschaft, wie das Fehlen von Jüdinnen und Juden in der deutschen Gesellschaft, nunmehr anders wahrgenommen. Man kann hier durchaus von einem verzögerten, kollektiven Trauerprozess sprechen. Zudem ruft Israel in Deutschland emotionale Reaktionen, im Guten wie im Schlechten, hervor. Dazu zählen die zeitgenössischen Debatten zur Politik der Regierung unter Ministerpräsident Benjamin Netanjahu und auch Bundestagsbeschlüsse in den Bereichen des Antisemitismus und der BDS-Kampagne (Boykott, Desinvestitionen und Sanktionen gegenüber Israel). Gleichzeitig existieren in Deutschland viele Institutionen und Nichtregierungsorganisationen, die deutsch-israelische Begegnungen fördern und ermöglichen.

Warum Berlin?
Berlin spielt für alle Zugewanderten aus Israel eine besondere Rolle: In Berlin lebt die größte Anzahl von Menschen, die aus Israel stammen, sowie von Jüdinnen und Juden in der Bundesrepublik. Darüber hinaus verfügt Berlin über eine reichhaltige Museums-, Erinnerungs- und Gedenkortlandschaft, es ist ein konzeptualisierter Raum für Menschen aus Israel sowie ebenso für Deutsche. Berlin ist quasi durchtränkt von einer langen jüdisch-nichtjüdischen Verflechtungsgeschichte, von den Roaring Twenties über die Weimarer Republik, die Verfolgung und Ermordung der Jüdinnen und Juden durch die Nationalsozialisten nach 1933, den Zweiten Weltkrieg und die daraus folgende Teilung der Stadt bis hin zu ihrem Aufstieg nach dem Mauerfall zur – nunmehr finanziell weniger günstigen – Hipster- und Party-Metropole. Israelinnen, Israeli*innen und Israelis kommen aber auch nach Berlin, weil sie ihren Alltag nicht mehr unter dem Einfluss des Nahostkonflikts und des religiösen Establishments leben wollen.[7] Andere suchen ein Abenteuer, bessere Berufs- und Bildungschancen oder sie wollen oder können die hohen Lebenshaltungskosten in Israel nicht mehr tragen. Wiederum andere zieht es in die Stadt, um sich auf die Suche ihrer familiären Wurzeln aus der Zeit vor der Shoah zu machen und zu ihrer Familiengeschichte zu recherchieren.

Wer kommt nach Deutschland und weshalb?
Seltener wird über Israelinnen und Israel*innen berichtet, die sich nicht in einem für die breite Öffentlichkeit interessanten Feld bewegen – was mitunter zu medialen Verzerrungen führt. Die Mehrheit aller Israelinnen und Israel*innen ist qualifiziert bis hochqualifiziert (Bachelor und höherer Abschluss), allerdings erhalten Unternehmerinnen weniger mediale Aufmerksamkeit als Regisseurinnen, Dramaturginnen, Künstlerinnen, Schauspielerinnen, Schriftstellerinnen oder Wissenschaftlerinnen und zwar unabhängig davon, ob sie sich als Israelinnen oder Israel*innen verstehen

Ein Körnchen Wahrheit steckt jedoch auch in der Überbetonung der künstlerisch und akademischen Berufsbilder. Die Mehrheit aller Immigrantinnen und -*innen hat kultur- und sozialwissenschaftliche Abschlüsse, die in Israel nur bedingt zu größeren Karrieren führen. Dieses hat mehrere Gründe. Zum einen ist der israelische Arbeitsmarkt recht klein, da Israel ein kleines Land mit einer Bevölkerung von etwa neun Millionen Menschen ist. Zudem haben die militärischen Auseinandersetzungen Auswirkungen, die auch den Arbeitsmarkt der Zivilgesellschaft betreffen: So werden die Wege in Berufe im IT- und Hightech-Sektor, die technisches Wissen voraussetzen, oft schon während des Dienstes in der israelischen Armee vorgeprägt, in dem Frauen wiederum seltener exponierte Positionen haben. Zudem sind Kultur- und Sozialwissenschaftlerinnen sowie -*innen in gut bezahlten Positionen im Vergleich zu ihren männlichen Kollegen seltener vertreten.

In Israel besteht ein Gender Pay Gap von 22,7 Prozent.[8] Der Soziologe Uzi Rebhun und die Soziologin Lilach Lev Ari hatten in der quantitativ ausgelegten Studie „American Israelis“ (2010) für Israelinnen in den USA gefunden, dass Frauen dort erfolgreicher sind als in Israel. Dieses soll jedoch nicht heißen, dass die USA – oder Deutschland (hier liegt die Lohnlücke derzeit bei etwa 19 Prozent) – keine geschlechtsspezifische Ungleichheit kennen, es bedeutet allerdings, dass Israelinnen sich in den USA beruflich besser verwirklichen können als in Israel selbst.

Ob dies auch in Deutschland so ist, muss sich noch zeigen, da die Migrationsbewegung erst Mitte der Nullerjahre stärker gewachsen ist. In Relation zur Grundgesamtheit aller Israelinnen, Israeli*nnen und Israelis – kommt eine signifikante Anzahl von ihnen über Förderprogramme nach Deutschland, die sich an Künstlerinnen, -*innen und Künstler, Wissenschaftlerinnen, -*innen und Wissenschaftler[9] ebenso richten wie an Studierende. Die Schattenseite besteht darin, dass Stipendien und Fellowships zeitlich begrenzt sind. Die Strukturen des deutschen Arbeitsmarktes und insbesondere die von projektbezogener Arbeit und Zeitverträgen gekennzeichneten Sektoren Kultur und Wissenschaft treffen diese Israelinnen, -*nnen und Israelis mit einer größeren Härte als Nichtmigrantinnen, -*innen und -migranten. Für sie ist es schwieriger, einen neuen Arbeitsvertrag zu bekommen, weil unter anderem ihre Einbindung in deutschsprachige Netzwerke oft geringer ist und sprachlich-kulturelle Barrieren bestehen. Sie sind Bildungsausländerinnen, -*innen und -ausländer, und neben ihren schlechteren beruflichen Perspektiven können zudem ihre Bleibeperspektiven gefährdet sein.[10] Allerdings sind Frauen insgesamt von geschlechtsspezifischen Unterprivilegien betroffen, was Israelinnen im Vergleich zu Israelis zusätzlich benachteiligt. Die Ungleichheit zwischen Männern und Frauen, die Frauen übervorteilt, wird durch Migration in den meisten Fällen noch verstärkt. Diese Kombination von Ungleichheiten stellt eine typische Intersektionalität dar, in der ein Nachteil (Frau) mit weiteren Nachteilen (Migrantin, Nichtmuttersprachlerin, Nichtstaatsangehörige etc.) verbunden ist.[11]

Die Mehrheit aller Israelinnen, -*nnen und Israelis kommt heutzutage als Singles nach Deutschland, was wiederum bedeutet, dass sie keine familiären Andockpunkte über eine Partnerin oder einen Partner haben und kein Zugang zu deren Netzwerk besteht. Dieses lässt sich anhand von Facebook-Gruppen gut darstellen: Hier suchen Israelinnen, Israeli*nnen und Israelis bei ihren Landsleuten Hilfe. Dabei geht es häufig um bürokratische Belange oder Hürden des Alltags, für deren Bewältigung ihnen das Lokalwissen in Deutschland fehlt.

Bessere wirtschaftliche Chancen und die berufliche Weiterentwicklung sind die beiden Hauptauswanderungsmotive von Israelinnen, Israel*innen und Israelis. Dieses heißt allerdings nicht, dass sie für sich extrem hohe Gehälter erhoffen. Sie möchten in ihrem beruflichen Tätigkeitsfeld lediglich genug verdienen, um gut zu leben und einen Lebensentwurf realisieren können, den sie sich wünschen. Dieser Wunsch manifestiert sich mitunter darin, dass sie sich der israelischen Gesellschaft entziehen möchten, die an Frauen bestimmte Anforderungen stellt. In diesem Sinne sind die Israelinnen der Gegenwart unter anderen Prämissen ausgewandert als Frauengenerationen vor ihnen. Dieses lässt sich historisch kurz umreißen.

Migration von Frauen – eine historische Betrachtung

Migration wird von Frauen anders erlebt als von Männern. Dies wurde allerdings erst spät ein zentraler Topos in der Migrationsforschung.[12] Am Beispiel jüdischer Frauen aus Deutschland, die mit ihren Familien vor den Nationalsozialisten ins britische Mandatsgebiet Palästina geflüchtet waren, wird deutlich, dass Frauen während dieser Zeit in der Regel für Kinder, Küche und den Haushalt zuständig waren.[13] Sie erfüllten die traditionellen Vorstellungen von weiblichem Sex (biologisches Geschlecht) und weiblichem Gender (soziales Geschlecht). Frauen waren meist mitmigrierte Ehefrauen und Töchter, die zudem keine eigenen Pässe hatten und deren Staatsangehörigkeit an die ihrer Ehemänner oder Väter gekoppelt war. Dieser Status begann sich erst in den 1950er-Jahren zu ändern.

Die Migration von Israelis und Israelinnen nach Deutschland existiert bereits seit der Gründung Israels: Ronald Webster, Historiker an der kanadischen York University,[14] legte 1995 in einem wissenschaftlichen Beitrag dar, dass Israelis und Israelinnen eine der signifikantesten jüdischen Zuwandergruppen waren, die nach 1945 in die Bundesrepublik und nach Westberlin kamen. Dass sie herausragten, muss im Verhältnis zu der sehr kleinen Anzahl von Jüdinnen und Juden in Deutschland nach der Shoah gesehen werden. Die erste Statistik der Zentralwohlfahrtstelle der Juden in Deutschland (ZWST) von 1955 zählte nur 15.920 Jüdinnen und Juden als Mitglieder der Gemeinden in der Bundesrepublik und in Westberlin. In Websters Artikel spielen weder Sex noch Gender eine Rolle. Sein zentrales Anliegen sind Migrationsmotive. Dass Frauen in Websters Artikel nicht oder nur als mitmigrierende Ehefrauen vorkommen, liegt auch daran, dass über sie weniger Daten existier(t)en. Zumal auch im Zielland Bundesrepublik Frauen Männern in Bezug auf die Staatsangehörigkeit nicht gleichgestellt waren. So konnten sie zum Beispiel ihre Staatsangehörigkeit bis 1953 verlieren, wenn sie eine Ehe mit einem Nichtdeutschen eingingen. Ebenso wurden keine Daten von Ehefrauen osteuropäischer Displaced Persons erhoben, die zunächst nach Israel mitmigrierten und später von dort nach Deutschland kamen.

Die Ehemänner waren laut Webster und meiner eigenen, seit 2002 vorgenommen Feldforschung meist die treibenden Kräfte, in die Bundesrepublik oder nach Westberlin einzuwandern. Der Hauptgrund, der dafür benannt wurde, war, dass sie in Israel (nach 1948) ökonomisch nicht über die Runden kamen und sich auch erhoffen konnten, vor Ort in Westdeutschland schneller Entschädigungszahlungen zu erhalten (nach 1952). In selteneren Fällen folgte eine unverheiratete Frau einem Mann aus Liebe nach Deutschland, um dort mit ihm eine Familie zu gründen. In einigen Fällen hinterließen sie Tagebücher oder wurden interviewt:[15] Über ihre Selbstverortungen ist jedoch wenig bekannt – sahen sie sich als Israelinnen, Jüdinnen, Deutsche oder als Israeli*nnen?[16] Monty Ott stellte im Jahr 2020 in der Zeit dar, dass queere Jüdinnen und Juden in der Geschichtsschreibung unsichtbar sind. Ebenso wie nichtjüdische Lesben und Homosexuelle mieden sie öffentliche Outings, um Stigmata zu entgehen, Daten über sie sind rar. In diesem Zusammenhang ist es wichtig, sich gewahr zu machen, dass der Paragraph 175 des deutschen Strafgesetzbuches, der männliche Homosexualität unter Strafe stellte, erst 1994 getilgt wurde.[17]

Über diese frühe Einwanderinnenkohorte aus der Generation der Überlebenden lässt sich also festhalten, dass die Ein- oder Rückwanderbewegung von Geschlechterungleichheit geprägt war und dass spezifische Gründe hervorstachen. Frauen waren seltener unabhängige Einwanderinnen oder Rückkehrerinnen.

Eine weitere, sehr kleine Gruppe waren die aus Israel mitmigrierten Kinder. Ältere Kinder drückten häufig ihren Unwillen aus, nach Deutschland einzuwandern. In einem weithin beachteten Fall kehrte eine junge Israelin 1958 nach Israel zurück, nachdem sie ohne Wissen ihrer Eltern des Familienpasses, 1.000 D-Mark und eines Flugtickets habhaft geworden war.[18] Ihr Vater wollte als deutscher Jude nach Deutschland zurückkehren und hatte die Familie nachgeholt. Der generative Unterschied war immens. Eine Geschlechtsspezifik lässt sich beim Unwillen, in Deutschland zu leben, unter den mitmigrierten Kindern und unter in Deutschland geborenen Jüdinnen und Juden der Zweiten Generation wiederum nicht feststellen. In Fortführung lässt sich allerdings eine Geschlechtsspezifik im Bereich der Traumatisierungen nachweisen. Zudem lässt sich belegen, dass Männer und Frauen anders tradierten und traditionelles Wissen geschlechtsverschieden übernommen wurde. Lediglich beim Unwillen, in Deutschland zu bleiben, ließ sich keine Geschlechtsspezifik feststellen.[19]

Generative Unterschiede

Den diplomatischen Beziehungen zwischen Israel und der Bundesrepublik Deutschland im Jahr 1965 waren Begegnungen im Bereich von Sport und Wissenschaft vorgelagert. Israelinnen, die auf diesem Weg nach (West-)Deutschland kamen, waren schon in Israel geboren und aufgewachsen. Auch wenn einige von ihnen Kinder von Geflüchteten aus Deutschland waren und sie Kenntnisse der deutschen Sprache hatten, so war ihre Selbstverortung anders als die ihrer Eltern: Sie waren Israelinnen. Wie viele der Israelinnen und Israelis, die in Deutschland studierten, blieben, lässt sich leider nicht ermitteln.

Ein Blick in die aktuelle Statistik zu Israelinnen und -*nnen in Deutschland

Zwar gibt es einige Statistiken beim Bundesamt für Statistik, die allerdings nicht sehr detailliert sind. So lebten am 31.12.2019 insgesamt 9.000 Männer und 6.000 Frauen mit israelischer Staatsangehörigkeit in Deutschland und 15.000 Menschen mit engerem und weiterem Migrationsbezug zu Israel, Alterskohorten sind nicht ersichtlich.[20] Hier muss wiederum einbezogen werden, dass es „unsichtbare“ Israelinnen und Israelis gab und gibt. Historisch waren diese mitunter Staatenlose, da sie, auch wenn sie über Israel nach Deutschland gekommen waren, keine israelischen Staatsbürgerinnen und -bürger waren. In der Gegenwart sind es meist Israelinnen und Israelis, die mehrere Staatsangehörigkeiten besitzen und unter einer anderen als der israelischen gemeldet sind.

Zudem ergibt die Statistik nicht, ob die Israelinnen, die in der Gesamtzahl enthalten sind, von Jahr zu Jahr dieselben Personen sind – also wie volatil sich diese Gruppe verhält. Ethnographisch lässt sich feststellen, dass Israelinnen zum Studieren nach Deutschland kamen und ungeplant blieben. Sie lernten während des Studiums einen Mann oder eine Frau kennen, verliebten sich und beschlossen, mit ihm oder ihr in Deutschland zu bleiben.[21] Zurückblickend stellten sie fest, dass sie ihre dauerhafte Auswanderung nach Deutschland nicht geplant hatten. Dieses Phänomen ist in der Migrationsforschung durchaus bekannt. Migrationsverläufe sind oft weniger geplant und auch wenig planbar. Diese Israelinnen sind alleine, eigenständig, ohne Abhängigkeit von einem Partner oder einer Partnerin nach Deutschland migriert. Somit stellen diese Migrantinnen eine neue Kategorie von Einwanderinnen dar, da sie individuell und nicht familiengebunden migrieren – und eben auch nicht in eine ‚alte Heimat’ zurückkehren. Bildung und Studium waren und sind in der Zweiten und Dritten Generation nach der Shoah Gründe, nach Deutschland zu kommen. Liebe war (und bleibt) ein Hauptgrund, um zu bleiben.

Was für Deutschland als Zielland sprach und spricht

Deutschland wurde aus verschiedenen Gründen als Wohnsitz gewählt. In manchen Fällen wollte der aus Deutschland stammende Part die überlebenden Eltern nicht verlassen,[22] in anderen Fällen bot Deutschland beiden Seiten bessere Optionen. In seltenen Fällen migrierten Israelinnen und Israelis nach Deutschland, weil sie in Israel Jüdinnen oder Juden aus Deutschland kennengelernt hatten, die nach Deutschland zurückkehrten und sich dadurch für sie in Deutschland neue oder bessere Möglichkeiten eröffneten. So migrierten Israelinnen und Israelis auch ohne deutschen Familienbezug oder ohne Shoah-Bezug nach Deutschland – dieses sind seltene Fälle, allerdings sind sie angesichts der geringen Anzahl von Jüdinnen und Juden in Deutschland keineswegs irrelevant. In wieder anderen Fällen migrierten Israelinnen mit ihren israelischen Ehemännern und Israelis mit ihren Ehefrauen, die in Deutschland einen Arbeitsplatz gefunden hatten. Diese Israelinnen oder Israelis waren Ehefrauen und -männer, deren Verbleib in Deutschland erst einmal an ihren Ehemann oder ihre -frau gebunden war. Manche dieser Israelinnen und Israelis fanden in Deutschland einen eigenen Gestaltungsrahmen und verblieben im Land, auch nachdem ihre Ehe geschieden worden war, in anderen Fällen waren die Frauen die treibende Kraft zur Rückkehr nach Israel.

Die dritte Generation im Fokus

Mit der dritten Generation von Israelinnen und -*nnen, die ab Anfang der Nullerjahre nach Deutschland einwanderten, zeigt sich eine größere Bandbreite. Sie wanderten allein, als verheiratete, unverheiratete, als heterosexuelle, LGBTQI-verortete, als Mütter, Karrierist*innen, Künstler*innen, Student*innen oder temporär nach Deutschland ein. Im Gegensatz zur Generation ihrer Mütter waren sie seltener mitmigrierende Ehefrauen und häufiger mit deutschen Nichtjüdinnen und Nichtjuden verheiratet oder verpartnert, ebenso waren sie häufiger Singles und lebten also nicht heteronormative Lebensentwürfe: Sie übten offen und öffentlich Kritik an den Genderverhältnissen in Israel und leb(t)en den * (Genderstern) offen.

Diese Diversität sollte wiederum nicht darüber hinwegtäuschen, wie klein die Gruppe von Israelinnen und Israeli*nnen in Deutschland nach wie vor ist. Von den bundesweit 6.000 Israelinnen lebten am 31.12.2019 2.204 Frauen mit israelischer Staatsangehörigkeit und 779 mit deutsch-israelischer Doppelstaatsangehörigkeit in Berlin. Berlin, das so zentral in der Berichterstattung ist, war für 3.278 Israelis und 977 mit deutscher und israelischer Staatsbürgerschaft der bundesweit 9.000 Israelis melderechtliche Heimat.[23] Heute ist der Genderstern wichtig, um die Lebenswelten, aber auch die Fremdwahrnehmung abzubilden. Nur von Israelinnen zu sprechen, greift in der Gegenwart zu kurz, und zudem werden ökonomische und professionelle Gründe zwar als wichtige Emigrationsgründe genannt, diese werden allerdings von Israelinnen und Israel*innen mit geschlechtsspezifischen Ungleichheiten und normativen Vorstellungen weiblicher Lebensläufe in Verbindung gebracht.

Lifestyle-Migration und Gender in Israel

Israelinnen (und Israeli*nnen) der dritten Generation sind selbstbestimmter in ihrer Migrationsentscheidung als vorherige Generationen. So lässt sich an Israelinnen und Israel*innen als Migrantinnen aufzeigen, welche Veränderungen Frauenrechte und Feminismus für Frauen erreicht haben und welche Herausforderung des Genderbinärs (die Festlegung auf das weibliche oder das männliche Geschlecht) und heteronormativer Ordnungen durch LGBTIQ-Bewegungen entstanden sind.

Im gegenwärtigen Israel gebären Frauen im Durchschnitt 3,1 Kinder; in Deutschland sind es nur 1,6.[24] Mutter zu sein, ist in Israel nach wie vor der Normalfall, die Fortpflanzungsmedizin ist weit fortgeschritten und über die gesetzlichen Krankenversicherungen verfügbar. Ebenso gilt es als Norm, verheiratet zu sein. Singlesein wird als transienter Zustand erfasst.[25] Frauen, die sich dem Muttersein widersetzen oder die es gar bereuen, Kinder bekommen zu haben, fallen aus dieser normativen Ordnung heraus.[26] Auch wenn sich in Israel Kritik an dieser Vorstellung, die Teil des zionistischen Ethos ist, regt,[27] ist dieser Lebenslauf für Frauen gesamtgesellschaftlich gesehen weiterhin die Norm.

Dieser Norm widersetzen sich Israeli*nnen, die sich als queer verorten, was mitunter Emigration nach sich ziehen kann. Allerdings sollte festgehalten werden, dass Israelinnen und Israeli*nnen, die in den Nullerjahren einwanderten und der dritten Generation angehören, mehrheitlich Lifestyle-Migrantinnen sind, unabhängig davon, nach welcher Sex- oder Genderverortung sie leben. Sie migrieren, da sie sich in Deutschland mehr Gendertoleranz, eine weniger angespannte politische Lage und eine bessere Zukunft erhoffen, die ihrem Lifestyle entgegenkommt. Sie suchen aktiv nach Möglichkeiten, sich professionell weiterzuentwickeln, sich weiterzubilden und einen Lebensstandard zu erreichen, den sie in Israel nicht oder kaum erreichen können. Auch wenn die Lebenshaltungskosten in Israel für Frauen und Männer gleichermaßen gravierend sind, tritt der Migrationsgrund Lebenshaltungskosten bei Frauen stärker zu Tage, da sie auch intersektional unterprivilegiert sind. Denn Frauen in Israel erhalten im Durchschnitt 22,7 Prozent weniger Einkommen als Männer und Care-Work lastet stärker auf ihnen als auf Männern – eine Tatsache, die sich seit dem Artikel von Larissa Remennick (2001) „All my life is one big nursing home”,[28] nicht maßgeblich geändert hat.[29]

Lesbians, Queers, Heteros – Geschlechtsspezifika israelischer Migrant*innen

Dass Menschen, die freiwillig migrieren, sich generell von der nichtmigrierten Bevölkerung unterscheiden,[30] lässt sich auch für Israelinnen und Israel*innen in Deutschland feststellen. Sie sind höher gebildet als der Bevölkerungsdurchschnitt, politisch links bis moderat eingestellt und säkular. Sie verorten sich in der Mehrheit als Aschkenaziot[31] und primär als Israelinnen und -*nnen und nicht als Jüdinnen und -*nnen.[32] Zudem leben sie häufiger in Beziehungen mit nichtjüdischen Partnern oder Partnerinnen. Diese Art der interethnischen und interreligiösen Beziehung wird in Israel von der Mehrheitsgesellschaft abgelehnt.[33] Die Unterschiede und Reibungspunkte zwischen Migrantinnen und -*innen sowie Nichtmigrantinnen und -*innen sind besonders ausgeprägt, wenn Menschen aus ideologisch stark aufgeladenen Ländern stammen. Die Einstellung gegenüber Jüdinnen und Juden, die aus Israel emigrieren, hat sich mittlerweile im Land selbst geändert, sie löst allerdings immer noch Reaktionen aus. Ebenso führt die israelische Gesellschaftskonfiguration bei Israeli*nnen zu Reaktionen. Ruth Preser,[34] Hila Amit[35] und Hadas Cohen[36] erforschten dieses mit besonderem Fokus auf Sex und Gender. Spannend ist hierbei, dass diese Wissenschaftlerinnen selbst Israeli*nnen sind. Sie geben somit eine doppelte Innenperspektive: Als Wissenschaftlerinnen durch ihre Fragestellungen und als Israeli*nnen, die sich selbst in ihrer Forschung reflektieren.

Iraelinnen in Deutschland: Von Israelinnen zu Israeli*nnen

In ihrer auf Berlin zentrierten Studie stellte Ruth Preser Israelinnen, die sich als lesbisch verorteten, in den Mittelpunkt. Die Kritik ihrer Studienteilnehmerinnen an den gesellschaftlichen Zuständen in Israel war ausgeprägt, die binär konstruierte, normative Geschlechterordnung kritisier(t)en sie. In Berlin fühlten sich diese Israeli*nnen freier, ihre Sexualität auszuleben, sich auszuprobieren und sie begegneten ‚anderen’, also nicht-israelischen Männern. Dieses mündete mitunter darin, dass einige der Studienteilnehmerinnen, die sich ursprünglich als lesbisch definierten, sich von deutschen Männern angezogen fühlten, die sie als weich empfanden und als mitunter feministisch; anders als israelische Männer, denen sie zuvor begegnet waren. Dieses eröffnet die Frage der Fluidität menschlicher Sexualität und Begierde und deren Situativität.

Hila Amit stellt in ihrer Arbeit „A Queer Way Out: Unheroic Resistance to Zionism“ die Verbindung zwischen queerer und politischer Identität von Israelinnen in Berlin, Paris, London und New York dar. Ihre Forschungsteilnehmerinnen verorten sich als queer, was für sie bedeutet, dass sie dem Heteronormativ widersprechen. Dies heißt nicht, dass sie homosexuell sind oder keine Kinder haben: Sie lehnen die binäre Geschlechterordnung ab, aber setzen diese ins Verhältnis zu israelischer Ideologie und Politik. Viele dieser Israeli*nnen waren in Nichtregierungsorganisationen (NRO) und politisch im linken Spektrum aktiv. Sie empfanden ihre Situation in Israel als ausweglos, und als queere Israeli*nnen sahen sie für sich keinen Platz in der dortigen Gesellschaft - obwohl es in Israel eine Gesetzgebung gibt, die sich langsam nichtheterosexuellen Lebensentwürfen öffnet. Anstatt gegen diese Gesellschaft anzukämpfen, räumten sie ‚unheroisch‘ das Feld, widersetzten sich dem zionistischen Ethos durch Emigration und verfolgen ihren Aktivismus aus dem Ausland weiter. Auch in Berlin engagieren sich einige Israelinnen, Israel*innen und Israelis in dem LGTBIQ-Verein Keshet (hebräisch für Regenbogen), der im Jahr 2018 in Berlin gegründet wurde.

Im Gegensatz zu Ruth Preser und Hila Amit, die die Fluidität von Sexualität und das Geschlechterbinär dekonstruierten, gilt die Aufmerksamkeit von Hadas Cohen Israelinnen in Berlin. Ihre Studienteilnehmerinnen empfanden ihre Migration nach Berlin als Befreiung aus dem israelischen Heteronormativ sowie dem gesellschaftlich vorgezeichneten Weg als Ehefrau und Mutter. Sie verorteten sich in der Mehrheit als heterosexuell und leben sich außerhalb Israels in polyamourösen, unverbindlichen und multiplen Beziehungen aus, ohne dass gesellschaftliche Sanktionen erfolgen – zumindest ohne, dass sie davon betroffen sind.

Eine Frage, der diese Forschungsarbeiten nicht nachgehen, ist die nach der ‚Sondersituation’ in Berlin: Berlin repräsentiert ebenso wenig Deutschland wie Tel Aviv Israel. Auch die bewusste Positionierung als Migrantin beziehungsweise Migrant*in[37] im Sinne eines Individuums, das außerhalb des Mainstreams des Immigrationslandes steht, wurde nicht kritisch hinterfragt. So bleibt offen, ob diese Israeli*nnen und Israelinnen von spannenden Gästen zu Fremden werden oder ob sie in Berlin verbleiben. Von Cohens Interviewpartnerinnen und -*innen kehrten einige nach Israel zurück; ob das ein generelles Muster ist, vermag bisher aber niemand zu sagen.[38] Allerdings ist diesen Frauen gemein, dass sie in der Migrationssituation versucht haben, sich persönlich wie beruflich fortzuentwickeln. Cohens Studienteilnehmerinnen und -*innen stellten fest, mit wie wenig Geld sie in Berlin leben konnten, und dass sich dadurch Freiräume ergaben, die sie in Israel nicht hatten. Ihre Interviewpartnerinnen, ebenso wie die von Preser und Amit, waren meistens im künstlerischen, kreativen und sozialen Bereich tätig, also in Berufsfeldern, die in Israel selten das Überleben sichern.

Im Gegensatz zu diesen qualitativ basierten Studien führten Uzi Rebhun, Heinz Sünker und ich ein bundesweites Forschungsprojekt durch, das die Migration israelischer Jüdinnen und Juden nach Deutschland seit 1990 auf quantitativer und qualitativer Basis analysiert.[39]Die Spezifika, die Preser, Amit und Cohen herausstellten, konnten wir für Berlin replizieren, bundesweit ergibt sich für Israelinnen – und Israeli*nnen – jedoch ein anderes Bild. Nicht identitätspolitische Gründe wurden als das häufigste Migrationsmotiv genannt, sondern ökonomische und bildungstechnische, wobei diese mit den eigenen Lebensentwürfen in Verbindung gebracht wurden. Erst dann folgten Gründe wie die als übergriffig empfundene Rolle der Religion oder die Liebe zur deutschen Kultur. Ebenso spielten familiäre Gründe eine Rolle: Migration aus Liebe zu einer deutschen Partnerin, Partner*in oder einem Partner sowie die Migration mit einer israelischen Partnerin, Partner*in oder einem Partner waren häufig. Einen Unterschied zwischen Israelinnen und Israelis konnten wir in unserer Studie nicht feststellen, auch nicht für Israeli*nnen: Das Gefühl von Freiheit und Abenteuer, das die Migration nach Deutschland darstellte, hatte keine Geschlechtsspezifik, auch wenn es geschlechtsspezifische Thematiken gab.

Ob diese Befunde sich in drei oder fünf Jahren replizieren lassen, bleibt abzuwarten, allerdings liegt die Vermutung nahe, dass mit dem Ankommen in Deutschland der Bewusstseinsraum für lokale Geschlechtsspezifika wächst, und ebenso, dass Berlin und andere deutsche Großstädte liberalere Identitätsspielräume bieten als konservativere, ländliche Regionen. Des Weiteren wird sich zeigen, wie sich Israelinnen und Israeli*nnen in Deutschland als Elternteile zurechtfinden. Während am Anfang unserer Forschung Elternschaft eher wenig diskutiert wurde, nahm diese Thematik inzwischen zu. Diese Beobachtung teilt auch Lianne Merkur,[40] die Israelinnen und Israeli*nnen in Berlin und Toronto untersuchte und die, wie wir und Hila Amit feststellte, dass politischer Unmut über die Situation in Israel sich auch in dem Wunsch äußerte, die eigenen Kinder eben nicht in Israel aufziehen zu wollen: Auch hier ließ sich wiederum keine Geschlechtsspezifik feststellen; Kritik an den israelischen Geschlechterbeziehungen übten Israelinnen und Israeli*nnen generell aus ihrer jeweiligen Perspektive.

Fazit

Israelinnen und Israelis, und die, die sich bewusst als Israeli*nnen positionieren, sind kontinuierlich und als diverse Gruppe nach Deutschland eingewandert. Neben der besonderen Aufmerksamkeit, die ihnen als Jüdinnen und Juden zukommt, erlauben sie Einsichten in die Dynamiken von Geschlechterbeziehungen und Selbstverortungen. Die seit Anfang der Nullerjahre eingewanderte Gruppe ist politischer und diversifizierter und fordert das Geschlechterbinär heraus. Diese Gruppe legt Geschlechtsspezifika offen, da sie den Dissens mit dem Heteronormativ lebt. Allerdings legen die bisherigen Forschungsunterfangen offen, dass der Wunsch nach ökonomischem Fortkommen, Bildung und Lifestyle mitunter mit Geschlechterfragen verknüpft wird. Ebenso bleibt festzuhalten, dass ökonomische und bildungstechnische Gründe die Auswanderung dominieren, diese allerdings direkt mit einem gewünschten Lifestyle korrelieren und dass, in der Konsequenz, Frauen dieses offener aussprechen als Männer, da sie von Geschlechterungleichheiten stärker betroffen sind.

Zitierweise: Dani Kranz, "Israelinnen und Israeli*nnen in Deutschland", in: Deutschland Archiv, 22.3.2021, Link: www.bpb.de/329053.

Alle Beiträge stellen keine Meinungsäußerung der Bundeszentrale für politische Bildung dar. Für die inhaltlichen Aussagen tragen die jeweiligen Autorinnen und Autoren die Verantwortung.

Fußnoten

1.
Ich schreibe von Israelinnen, wenn von Frauen die Rede ist, die heteronormativ leben. Das betrifft in der Regel auch die historischen Schilderungen zur Zuwanderung von Israelinnen nach Deutschland. Das Gendersternchen verwende ich, wenn es zum einen um Menschen aus dem LGBTQI-Spektrum geht und zum anderen um Frauen, die zwar heterosexuell sind, aber nicht heteronormativ leben.
2.
Sex steht für das biologische Geschlecht und Gender für das soziale Geschlecht.
3.
Dani Kranz, Das Körnchen Wahrheit im Mythos: Israelis in Deutschland – Diskurse, Empirie und Forschungsdesiderate, in: Medaon – Magazin für jüdisches Leben in Forschung und Bildung, 14/27, (2020), S. 1–15, www.medaon.de/pdf/medaon_27_kranz.pdf, zuletzt aufgerufen am 04.1.2021.
4.
Hannah C. Tzuberi, The Sun Does Not Shine, It Radiates: On National(ist) Mergings in German Philosemitic Imagery of Tel Aviv, in: Gideon Reuveni und Diana Franklin, (Hg.) The Future of the German Jewish Past, West Lafayette 2020, S. 179–192.
5.
Pol O’Dochartaigh, Germans and Jews since the Holocaust, London 2015.
6.
Angela Merkel bezeichnete die Sicherheit Israels in einer Rede 2008 als deutsche Staatsraison, siehe www.bpb.de/199894, zuletzt aufgerufen am 04.1.2021.
7.
Dani Kranz/Uzi Rebhun/Heinz Sünker, The Most Comprehensive Survey among Israelis in Germany Confirms the Image: Secular, Educated, and Left, Spitz, 4.12.2015, http://spitzmag.de/webonly/7238 [Hebrew], zuletzt aufgerufen am 20.02.2021.
8.
OECD (2021), Gender wage gap (indicator); https://www.oecd-ilibrary.org/employment/gender-wage-gap/indicator/english_7cee77aa-en, zuletzt aufgerufen am 04.1.2021.
9.
Die absolute Mehrheit dieser Programme ist nicht geschlechtsspezifisch ausgelegt.
10.
Siehe Kranz, Das Körnchen Wahrheit (Anm. 3).
11.
Vgl. z. B. bpb-Dossier Frauen in Deutschland, www.bpb.de/gesellschaft/gender/frauen-in-deutschland, zuletzt aufgerufen am 20.2.2021.
12.
Sarah J. Mahler/Patricia R. Pessar, Gender Matters: Ethnographers Bring Gender from the Periphery toward the Core of Migration Studies, in: The International Migration Review 40/1 (2006), S. 27-63.
13.
Guy Miron, From Bourgeois Germany to Palestine: Memoirs of German Jewish Women in Israel, in Nashim: A Journal of Jewish Women's Studies & Gender Issues 17 (2009), S. 116-140.
14.
Ronald Webster, Jüdische Rückkehrer in der BRD nach 1945: Ihre Motive, ihre Erfahrungen, in: Aschkenas 5, Zeitschrift für Kultur und Geschichte der Juden (1995), S.47–77, https://www.degruyter.com/document/doi/10.1515/asch.1995.5.1.47/html, zuletzt aufgerufen am 20.2.2021.
15.
Verein EL-DE-Haus, Unter Vorbehalt: Rückkehr aus der Emigration nach 1945, Köln 1997.
16.
Monty Ott, Queeres Judentum? Verschwunden, in: Die Zeit, 5.2.20, www.zeit.de/kultur/2020-01/juedisches-leben-homosexualitaet-judentum-queer?utmreferrer=https%3A%2F%2F, zuletzt aufgerufen am 6.1.2021.
17.
Ebenda.
18.
Jannis Panagiotidis, A Policy for the Future: German-Jewish Remigrants, their Children, and the Politics of Israeli Nation-Building, in: Leo Baeck Institute Year Book 60 (2015), S. 191-206.
19.
Lena Inowklocki, Traditionalität als reflexiver Prozeß: Großmütter, Mütter und Töchter in jüdischen Displaced-Persons-Familien. Eine biographieanalytische und wissenssoziologische Untersuchung. Habilitationsschrift, Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg, April 2001.
20.
Persönliche E-Mail vom 24.10.2020.
21.
Obwohl es sie sicherlich auch in dieser Generation gegeben hat, habe ich keine Daten zu LGBTIQ* Israel*innen und/oder Jüdinnen und Juden, diese fehlen meist in der Geschichtsschreibung. Vgl. hierzu Ott, Queeres Judentum? (Anm. 16). Ich gehe davon aus, dass das Stigma und der erst 1994 abgeschaffte § 175 des Strafgesetzbuches, der männliche homosexuelle Handlungen kriminalisierte sowie das Heteronormativ, das auch auf queere und lesbische Praxen ausstrahlte, maßgeblich für dieses Desiderat sind.
22.
Die starken, intergenerationellen Bindungen zwischen überlebenden Eltern und Kindern haben u.a. analysiert: Martin Löw-Beer, From Nowhere to Israel and Back: The Changing Self-Definition of German-Jewish Youth since 1960, in: Y. M. Bodemann (Hg.) Germans, Jews and Memory: Reconstructions of Jewish Life in Germany, Ann Arbor 1996 und Kurt Grünberg, Liebe nach Auschwitz: Die Zweite Generation. Frankfurt/M. 2000.
23.
Persönliche E-Mail vom 24.11.2020.
24.
Siehe OECD (2021), Fertility rates (indicator), https://www.oecd-ilibrary.org/social-issues-migration-health/fertility-rates/indicator/english_8272fb01-en, zuletzt aufgerufen am 04.1.2021.
25.
Kinneret Lahad, A Table for One: A critical reading of singlehood, gender and time, Manchester 2017.
26.
Orna Donath, Regretting Motherhood: A Sociopolitical Analysis, in: Signs: Journal of Women in Culture and Society, 40/2 (2015), S. 343–367.
27.
Hila Amit, A Queer Way Out: The Politics of Queer Emigration from Israel. Albany 2018.
28.
Larissa I. Remennick, “All my life is one big nursing home”: Russian immigrant women in Israel speak about double caregiver stress. Women’s Studies International Forum, 24/6 (2001), S. 685–700.
29.
An dieser Stelle sollte nicht übersehen werden, dass dieses ein globales Phänomen ist. Auch wenn Frauen in Deutschland weniger Kinder gebären als Frauen in Israel, liegt ihr Durchschnittsverdienst 15,3% unter dem von Männern, und obwohl mehr Frauen als Männer ihr Studium erfolgreich beenden, sind Frauen in Führungspositionen weiterhin unterrepräsentiert. Ebenso erledigen Frauen in Deutschland mehr Care-Arbeit und reproduktive Arbeit als Männer. Dieses wurde auch im Rahmen der COVID-19 Pandemie von der Arbeitssoziologin Jutta Allmendinger deutlich kritisiert. Siehe dazu Jutta Allmendinger, Es geht nur gemeinsam! Wie wir endlich Geschlechtergerechtigkeit erreichen, Berlin 2021.
30.
Peter Uhlenberg, Noneconomic Determinants for Nonmigration: Sociological Considerations for Migration Theory, in: Rural Sociology 38/3 (1973), S. 296–311.
31.
Als Aschkenaziot werden Jüdinnen und Juden bezeichnet, die europäische Vorfahrer*innen haben.
32.
Dieses stellt einen Kontrast zur Wahrnehmung in Deutschland dar, die Israeli*nnen als Jüdinnen und Juden rekonstruiert. Siehe Tzuberi, The Sun Doesn’t Shine (Anm. 4).
33.
Elise K. Burton, An assimilating majority? Israeli marriage law and identity in the Jewish State, in: Journal of Jewish Identities, 8/1 (2015), S. 73–94; Kranz, Dani, The Global North Goes to the Global North Minus? Intersections of the Integration of Highly Skilled, Non- Jewish Female Partner and Spousal Migrants from the Global North in Israel, in: International Migration, 57/3 (2019), S. 192–207.
34.
Ruth Preser, Lost and found in Berlin: identity, ontology and the emergence of Queer Zion, Gender, Place & Culture, 24/3 (2017), S. 413-425.
35.
Amit, A Queer Way Out (Anm. 27).
36.
Hadas Cohen, Sex and the City Jewish Israeli Female Immigrants in Berlin, n. d., www.academia.edu/44517047, zuletzt aufgerufen am 04.1.2020.
37.
Der * wird genutzt um die Gesamtheit der Selbstverortungen der Israel*innen einzufangen, die sich oft nicht im Geschlechterbinär verorten.
38.
Kranz, Das Körnchen Wahrheit (Anm. 3).
39.
Uzi Rebhun, Dani Kranz/Heinz Sünker, A Double Burden? Israeli Jewish Migration to Germany since 1990. Albany (im Erscheinen).
40.
Lianne Merkur, Pillars of Salt: Israelis in Berlin and Toronto, Leiden 2019.
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