Beleuchteter Reichstag

9.9.2021 | Von:
Alexander Heinert

Ein dunkles Kapitel: Sowjetische Sonderhaftanstalten in Ostdeutschland

Die 40 Jahre nach Gründung der DDR 1949 sind bislang besser erforscht als die vorherigen vier Jahre Vergangenheit der Sowjetischen Okkupationszone im Osten Deutschlands. Dort entstanden 1945 mehrere sowjetische Sonderhaftanstalten – die sogenannten Speziellen Lager, Gefängnisse und Inneren Gefängnisse – für politisch verfolgte Menschen. Ein Überblick von Alexander Heinert.

Die Geschichte sowjetischer Haftstätten in Deutschland ist mit der Entwicklung älterer Systeme der Gefangenschaft, dem Ablauf des Zweiten Weltkrieges und dem anschließenden Besatzungsstatus der vier Siegermächte – UdSSR, USA, Großbritannien und Frankreich – verbunden. Die antideutsche Kriegsallianz eroberte das Territorium des Dritten Reiches und befreite die Überlebenden der nationalsozialistischen Gefängnisse, Kriegsgefangenenlager und Konzentrationslager (wie etwa am Ort der nachstehend abgebildeten Gedenkstätte Buchenwald).
Blick durch Stacheldraht auf das Krematorium und das Desinfektionsgebäude des einstigen nationalsozialistischen Konzentrationslagers Buchenwald auf dem Ettersberg bei Weimar. In Buchenwald kamen von 1937 bis 1945 von rund einer Viertelmillion Häftlingen etwa 56.000 ums Leben. Am 11. April 1945 befreite sich das Lager beim Eintreffen der ersten Panzer der 3. US-Armee selbst. Die Überlebenden verfaßten eine Deklaration an die Nachwelt, die als "Schwur von Buchenwald" um die Welt ging. Von 1945 bis 1950 war Buchenwald sowjetisches Internierungslager, seit 1958 ist es Mahnmal und Gedenkstätte.Blick durch Stacheldraht auf das Krematorium und das Desinfektionsgebäude des einstigen nationalsozialistischen Konzentrationslagers Buchenwald auf dem Ettersberg bei Weimar, aufgenommen 1995. In Buchenwald kamen von 1937 bis 1945 von rund einer Viertelmillion Häftlingen etwa 56.000 ums Leben. Am 11. April 1945 befreite sich das Lager beim Eintreffen der ersten Panzer der 3. US-Armee selbst. Die Überlebenden verfaßten eine Deklaration an die Nachwelt, die als "Schwur von Buchenwald" um die Welt ging. Von 1945 bis 1950 war Buchenwald sowjetisches Internierungslager, seit 1958 ist es Mahnmal und Gedenkstätte. (© Text und Bild: picture-alliance / ZB / Ralf Hirschberger)

Die Alliierten funktionierten solche oder andere Einrichtungen in eigene Internierungsstätten um, führten ihre Haftinstitutionen allerdings mit unterschiedlicher Zielrichtung und Strenge. Dazu später mehr.

In der Sowjetischen Okkupationszone (SOZG)[1] schuf Iosif Stalins Regime ab dem Frühjahr 1945 ein System von Sonderhaftanstalten. Im Hochbetrieb bestand es aus zehn "Speziellen Lagern", drei Gefängnissen und 21 "Inneren Gefängnissen". Zum September 1945 existierten neun Spezielle Lager: Mühlberg an der Elbe, Buchenwald bei Weimar, Berlin-Weißensee (Hohenschönhausen), Bautzen, Ketschendorf bei Fürstenwalde, Frankfurt an der Oder, Sachsenhausen bei Oranienburg, Torgau und Fünfeichen bei Neubrandenburg. Bald zog das Spezielle Lager aus Frankfurt/Oder nach Jamlitz bei Lieberose um. Zuletzt wurde das zehnte Spezielle Lager in Torgau installiert. Daneben gab es drei Gefängnisse in Berlin-Lichtenberg, Frankfurt/Oder und Strelitz.[2] Zusätzlich wirkten 18 Innere Gefängnisse in den Bezirksstädten

  • Greifswald, Rostock, Schwerin und Waren für die Provinz Mecklenburg,
  • Brandenburg, Cottbus, Eberswalde und Potsdam für die Provinz Brandenburg,
  • Weimar für die Provinz Thüringen,
  • Dessau, Halle, Magdeburg und Torgau für die Provinz Sachsen(-Anhalt),
  • Bautzen, Chemnitz, Dresden, Leipzig und Zwickau für das Bundesland Sachsen.[3]
Die Inneren Gefängnisse dienten dazu, Festgenommene zu sammeln, in Untersuchungs- oder Vorbeugehaft zu nehmen, eventuell der politischen Strafjustiz zuzuführen, auf Spezielle Lager zu verteilen oder in Haftstätten in der UdSSR zu deportieren. Außerdem wurde ein zonenweites Netz ungezählter Kerker und Arrestzellen errichtet, um die größeren Gefängnisse und Lager zu unterstützen.[4]

Stalins Administration ließ nach Verlegungen, Deportationen, Freilassungen oder Todesfällen der Inhaftierten die Sonderhaftanstalten hinsichtlich ihrer Quantität, ihrer Dislozierung (also ihrer räumlichen Lage und Verteilung) und ihrer Leitung verändern oder auflösen. Die letzten Speziellen Lager – Sachsenhausen, Buchenwald und Bautzen – existierten in der Deutschen Demokratischen Republik bis zum Frühjahr 1950.[5] Einige Innere Gefängnisse funktionierten noch mehrere Jahre. Liquidierte Haftstätten trat die Sowjetunion an die DDR ab.[6]
In der Potsdamer Lindenstraße betrieb der sowjetische Geheimdienst ab 1945 sein zentrales Untersuchungsgefängnis für das Land Brandenburg, nach 1952 wurde es zur Stasi-Haftanstalt. Heute befindet sich hier die Gedenkstätte Lindenstraße 54/55, sie erinnert an die politische Verfolgung in beiden deutschen Diktaturen.In der Potsdamer Lindenstraße betrieb der sowjetische Geheimdienst ab 1945 sein zentrales Untersuchungsgefängnis für das Land Brandenburg, nach 1952 wurde es zur Stasi-Haftanstalt. Heute befindet sich hier die Gedenkstätte Lindenstraße 54/55, sie erinnert an die politische Verfolgung in beiden deutschen Diktaturen. (© Text und Bild: picture-alliance / ZB / Bernd Settnik)

Mindestens ein Gefängnis der UdSSR überdauerte in der DDR, bis beide Staaten am Ende des Kalten Krieges von der politischen Landkarte verschwanden.[7]

„Feindliche Elemente“ in sowjetischem Gewahrsam

Gegen Ende des Zweiten Weltkrieges hatten die Regierungen der UdSSR, USA und Großbritanniens auf der Konferenz von Jalta im Februar 1945 als Ziele ihrer „Entnazifizierung“ im gemeinsam kontrollierten Deutschland benannt:

„...die Vernichtung des deutschen Militarismus und Nazismus (…), alle Kriegsverbrecher einem schnellen und gerechten Urteil zuzuführen (…), die nazistische Partei, die nazistischen Gesetze, Organisationen und Einrichtungen vom Antlitz der Erde zu wischen, aus den gesellschaftlichen Institutionen und dem kulturellen oder ökonomischen Leben des deutschen Volkes jeglichen nazistischen oder militaristischen Einfluss auszuschalten“.[8]

In diesem Kontext begannen die Besatzungsmächte in Deutschland, Personen zu internieren, die der Menschen- und Kriegsrechtsbrüche verdächtig waren, als Repräsentanten oder Unterstützer des Nationalsozialismus Verantwortung trugen oder den Alliierten gefährlich erschienen. Befehle aus der UdSSR bestimmten seit April 1945, Funktionäre nationalsozialistischer Organisationen, Personal deutscher Polizei-, Straf- und Terrorapparate (Gestapo, SD usw.), Spione, Saboteure und illegale Publizisten als „feindliche Elemente“ in „Internierungslagern“ festzusetzen. Eindeutige „Terroristen“ (wie Partisanen oder bewaffnete Widerständler) und „Diversanten“ (etwa militante Saboteure oder Umstürzler) waren zu erschießen. Das Personal von Militär und paramilitärischen Einheiten wie Volkssturm, SS, SA, von Militärstaatsanwaltschaften und Gerichten sowie von Konzentrationslagern und Gefängnissen gehörte (wie schon früher) in die Kriegsgefangenenlager in der UdSSR.[9]

Sowjetische Statistiken summierten 157.837 Inhaftierte in den Speziellen Lagern auf deutschem Boden zwischen Mai 1945 und März 1950. Darunter waren nachweisbar 122.671 Deutsche, 34.706 Angehörige des sowjetischen Vielvölkerreiches und 460 andere Ausländer verzeichnet.[10] Wissenschaftliche Hochrechnungen gehen sogar von zirka 154.000 Deutschen unter insgesamt bis zu 189.000 Gefangenen aus.[11] Jene hatten internationale Wurzeln und diverse soziale Merkmale: Die Inhaftierten waren Zivilisten (Arbeiter, Angestellte, Beamte und Selbstständige) sowie Militärangehörige, männliche und weibliche Personen, alte und junge Erwachsene sowie Minderjährige. Gemäß sowjetischen Befehlen erhielten Eingesperrte entweder den Haftstatus als "Spezielles Kontingent" (ohne Justizverfahren internierte feindliche Zivilisten), als verurteilte Sträflinge, als Kriegsgefangene oder als "Mobilisierte".[12]

Die "Mobilisierten" waren deutsche Zivilisten – Männer, Frauen und Jugendliche, die weder als feindlich noch gefährlich, aber als potenziell kriegstauglich und arbeitsfähig galten und zwischen Dezember 1944 und April 1945 in den Ländern Ost-Mitteleuropas völkerrechtswidrig für Arbeitsbataillone der UdSSR interniert wurden.[13] Somit saßen in den Haftanstalten der Sowjetischen Okkupationszone nicht zuletzt viele unbelastete, böswillig denunzierte oder schlicht willkürlich festgenommene Menschen ein.[14] Überdies brachten weibliche Gefangene wohl etwa 70 Kinder zur Welt. Manche der Kinder durften bei ihren Müttern bleiben, andere kamen in ostdeutsche Heime.[15]

Nach der Potsdamer Konferenz der alliierten Regierungen im August 1945 ließ Stalins Regime die unzulässig in den Speziellen Lagern internierten Mobilisierten überraschend, ohne Ankündigung frei, damit keine Verbindungen zum Speziellen Kontingent blieben.[16]
Bei der Potsdamer Konferenz vom 17. Juni bis 2. August 1945 im Schloss Cecilienhof: der britische Premier Winston Churchill, US-Präsident Harry S.Truman und der sowjetische Staats- und Parteichef Josef Stalin. Damals fassten die Alliierten Beschlüsse über die Behandlung des besiegten und besetzten Deutschlands..Bei der Potsdamer Konferenz vom 17. Juni bis 2. August 1945 im Schloss Cecilienhof: der britische Premier Winston Churchill (l.), US-Präsident Harry S.Truman (m.) und der sowjetische Staats- und Parteichef Josef Stalin (r.). Damals fassten die Alliierten Beschlüsse über die Behandlung des besiegten und besetzten Deutschlands. (© Text und Foto: picture-alliance / akg-images)

Ansonsten gab es in der Sowjetischen Okkupationszone drei Jahre lang kaum Entlassungen. Erst als der Kalte Krieg im Alliierten Kontrollrat für Deutschland eskalierte, die Sowjetische Militäradministration zum März 1948 die Entnazifizierung offiziell beendete[17] und sich aus dem Kontrollrat zurückzog,[18] ließ Stalin deutsche Gefangene in der Sowjetischen Okkupationszone ohne rechtsstaatliche Standards überprüfen. Der Beschluss zu Haftentlassungen erging im Kontext der Blockade West-Berlins Ende Juni 1948. Von damals 43.853 Personen des "Speziellen Kontingents" kamen 27.749 Internierte, darunter 2.542 Frauen, zum August frei. Sie galten als niedere Chargen der NSDAP, Hitlerjugend, Justiz, Polizei, Gestapo, SA, SS und des Volkssturms. 16.104 Internierte, davon 1.142 Frauen, verweilten neben den Verurteilten in Haft.[19]

Bei der Abwicklung der drei letzten Speziellen Lager am Jahresbeginn 1950 gab die Haftadministration von 30.114 überlebenden Gefangenen 14.937 Deutsche (darunter 9.664 Unverurteilte und 5.273 Verurteilte) frei. 698 angeblich „besonders aktive“ antisowjetische Verbrecher (darunter 500 Unverurteilte und 198 Verurteilte) blieben im Gewahrsam der UdSSR. 10.736 verurteilte Deutsche kamen zur weiteren Strafverbüßung in von der DDR betriebene Hafteinrichtungen. 3.466 bisher ohne Gerichtsverfahren internierte Zivilisten hatte die politische „Justiz“ der DDR nach sowjetischen Vorgaben abzuurteilen und dann wegzusperren.[20] Das geschah im Rahmen der Waldheimer Prozesse.[21]

Zwischen Mai 1945 und März 1950 deportierten sowjetische Terrorapparate mindestens 10.440 Internierte (darunter 5.403 UdSSR-Bürger und 5.037 Deutsche) des Speziellen Kontingents zur Haftverbüßung und Zwangsarbeit in die UdSSR. Das gleiche Strafverhängnis traf 6.680 deutsche Kriegsgefangene und 29.804 Verurteilte (darunter 28.051 UdSSR-Bürger, 1.661 Deutsche und 92 andere). Zusätzlich kamen 6.917 Festgesetzte (darunter 6072 Deutsche, 811 UdSSR-Bürger und 34 andere) aus den Speziellen Lagern und Gefängnissen in die sowjetischen „Operativsektoren“ und vor sowjetische Militärtribunale.[22] Diese fast 7.000 Inhaftierten erlitten Freiheitsentzug, etliche davon auch Strafhaft, Verschleppung, Zwangsarbeit oder den Tod.

In den sowjetisch okkupierten Regionen wurden die meisten „feindlichen Elemente“ von operativen Einheiten und Truppen der Volkskommissariate (ab 1946 Ministerien) der inneren Belange, der Staatssicherheit und der Verteidigung der UdSSR sowie teils mit deutschen Hilfskräften ermittelt und verhaftet.[23] In der Regel wiesen stalinistische Vernehmer den Gefangenen keine konkrete und individuelle Schuld nach, sondern erpressten oft durch Gewaltanwendung oder Folter jedwede Geständnisse.[24] Letztere dienten den Militärstaatsanwälten der UdSSR als kompromittierendes Material für Anklagen ohne rechtsstaatliche Grundlage.

Hinsichtlich deutscher Zivilisten fällten sowjetische Militärtribunale in Ostdeutschland und administrative, extralegale Sonderberatungen (in Gestalt von Kollegien oder Kommissionen der Scheinjustiz) in der UdSSR von 1944 bis 1950 mindestens 18.956 drakonische Strafurteile. Diese fußten vorwiegend auf sowjetischen Strafgesetzen und Beschlüssen, selten auf dem Völkerrecht oder alliierten Direktiven und Gesetzen. Wegen tatsächlicher oder angeblicher Kriegsverbrechen (12,5 Prozent), „konterrevolutionärer Staatsverbrechen“ (72 Prozent) und anderer mutmaßlicher Straftaten deutscher Zivilisten ergingen wenigstens 35.000 Repressionsverdikte, die in der Dekade bis 1955 Angst und Schrecken unter den Betroffenen verbreiteten. Dieser kommunistische Terror endete also weder mit der Gründung der DDR im Herbst 1949, noch mit der Auflösung der Speziellen Lager Anfang 1950 oder Stalins Tod im Frühjahr 1953.[25]

Lebensfeindliches Regime des Freiheitsentzugs

Im Unterschied zu nachweisbar brutalen Untersuchungen in sowjetischen Arrestkerkern und Inneren Gefängnissen galten Gewaltanwendungen gegen Inhaftierte in den Speziellen Lagern als verbotene Übergriffe. Allerdings wurde bei Fluchtversuchen gnadenlos geschossen.[26]

Die Sonderhaftstätten waren durch innere Wachposten, äußere Patrouillen mit Waffen und Hunden, mehrere, teils elektrisch geladene Stacheldrahtzäune, hohe Mauern und Türme mit Suchscheinwerfern und Maschinengewehren hermetisch gesichert. Die Weggesperrten waren nach Geschlecht (Männer, Frauen) und Haftstatus (Spezielles Kontingent, Kriegsgefangene, verurteilte Sträflinge) voneinander geschieden. Der präventive Gewahrsam der Internierten und Kriegsgefangenen in den Speziellen Lagern wirkte etwas humaner als in den Inneren Gefängnissen und Kerkern, da die Inhaftierten nicht in Zellen oder kleinen Räumen, sondern in Holzbarracken, Steinhäusern und getrennten Sektoren des Lagergeländes untergebracht waren. Dagegen litten verurteilte Delinquenten fast wie im Gefängnis in separaten Kammern, Gebäuden und Lagerzonen unter verschärftem Strafregime. Die Haftordnungen für die Gefängnisse und Speziellen Lager in Ostdeutschland formulierten als gemeinsame Ziele die strikte Isolation, Fluchtverhinderung und Bestrafung der Festgehaltenen. Unterlassene politische Umerziehung und erzwungene Untätigkeit der Inhaftierten war die Folge. Ihre abgeschirmte und eingeschränkte Arbeitsausnutzung diente zur notdürftigen Versorgung der Haftstätten. Die Gefangenen mussten morgens und abends lange Zählappelle ertragen. Dazwischen bestand ihr Tag meist aus Nichtstun oder Durchsuchungen und vielen Schikanen. Jahrelang galten totale Besuchs- und Postverbote. Kassiber (Zettel, Briefchen), die selten herausgeschmuggelt werden konnten, und der Besitz von Schreibmaterial oder Büchern waren illegal und strafbar. Die Eingesperrten sollten von der Außenwelt nahezu völlig abgeschottet und desorientiert werden.[27] Manche von ihnen sind am Ende spurlos verschwunden.

Die emotionale und intellektuelle Not der Inhaftierten vermochten auch die von der UdSSR lizensierten und in den Speziellen Lagern seit Herbst 1947 gebilligten Zeitungen kaum zu lindern. Erst ab Frühjahr 1949 durften verurteilte Sträflinge ihren Angehörigen kurze, von sowjetischen Zensoren genehmigte Nachrichten schreiben und Zusendungen empfangen. Das blieb den ohne Justizverfahren internierten Zivilisten stets verwehrt. Über das Schicksal des Speziellen Kontingents oder der Toten erhielten nicht einmal die Familien der Opfer ehrliche Informationen offizieller Stellen. Jene gaben auf Suchanfragen von auswärtigen Interessenten keine korrekten Auskünfte. Den Freigelassenen war es unter Strafe verboten, von den lebensfeindlichen „Schweigelagern“ zu berichten.[28]

In den mehrfach überbelegten Haftstätten mangelte es an materieller Ausstattung. Die Verhafteten bekamen keine Bekleidung, sodass ihre persönliche Garderobe zunehmend verschliss und zerlumpte. Wer die Sachen von Verstorbenen nicht zu übernehmen vermochte oder im Sommer festgenommen wurde, fror und litt in kälteren Jahreszeiten. Schlecht oder nicht beheizte Hafträume hatten eventuell Holzpritschen oder Bettgestelle. Doch Decken, Stroh, einige Matratzen und Bettwäsche gab die Haftadministration erst Ende 1947 aus. Gefangene, die selbst gemachte Alltagsdinge wie Essgeschirr und Besteck besaßen, erschienen relativ begütert. Indes quälte sehr karge und einseitige Ernährung die Festgehaltenen. Sie erhielten aus schlichten Küchen etwas nasses Brot, dünne Wassersuppen oder Getränke, etwas Grütze, Kraut, fast nie Fleisch oder Fisch. Die unzureichende Art, Menge und Qualität der Verpflegung konnte sich gleichwohl noch verschlimmern: Als die Versorgungsstellen der Haftanstalten im November 1946 temporär die Brotnormen halbierten und sonstige Lebensmittelrationen verringerten, löste dies massenhaft Hungern und Sterben aus.[29]

Auch die sanitäre Versorgung der Festgehaltenen war völlig ungenügend: Für die Notdurft gab es teils Kübel, teils Latrinenanlagen, bisweilen Toiletten. In den Haftunterkünften dominierten unhygienische Verhältnisse. Obwohl in manchen Hafträumen Waschbecken standen, waren Körperpflege und Wäschereinigung kaum möglich. Daher litten die Inhaftierten unter Läusen, Flöhen, Wanzen oder anderem Ungeziefer, die Krankheiten und Seuchen auslösten. In Haftbauten, primitiven Lazaretten oder Krankenstationen übernahm ausgebildetes oder angelerntes Arzt- und Pflegepersonal, das kaum über Medikamente oder Hilfsgeräte verfügte, die medizinische Betreuung siechender Gefangener.[30]

Todesopfer des sowjetischen Sonderhaftsystems

In den harten Wintern 1945/46 und 1946/47 nahmen die Todesfälle extreme Ausmaße an. Die Betreiber der Speziellen Lager registrierten zwischen Mai 1945 und März 1950 unter 157.837 Weggesperrten 786 Erschossene (davon 756 Deutsche) und 43.035 andere Verstorbene (davon 42.889 Deutsche).[31] Ihre häufigsten Todesursachen waren Nahrungsmangel, Klimahärten, Unterversorgung mit Wäsche und Materialien, extreme Unhygiene, psychische und physische Entkräftung, infektiöse Epidemien und andere Krankheiten sowie unzureichende medizinische Versorgung. Die sowjetischen Verantwortlichen leisteten keine effektive Hilfe, nahmen das massenhafte Sterben gleichgültig wahr (oder bewusst in Kauf) und ließen die mehr als 43.800 Leichname namenlos in Massengräbern verscharren. Grablagen einzelner Menschen sind bis auf wenige Ausnahmen nicht überliefert. Vom Sterbedatum einer Person kann man nicht auf ihre anonyme Beerdigungsstelle schließen. Die Gräberfelder zeitlich einzuordnen, ist unmöglich. Dazu existieren keine offiziellen Aufzeichnungen. Eine Tötungsabsicht ist bezüglich der meisten Opfer nicht belegt.[32]

Allerdings ließ Stalins Regime die Todesstrafe als Höchstes Strafmaß der UdSSR bis Ende Mai 1947 vollstrecken, dann durch 25 Jahre oder lebenslange Haft bei Zwangsarbeit ersetzen und ab Januar 1950 erneut exekutieren. Folglich hatten die sowjetischen Terrororgane von 1944 bis 1947 wenigstens 3.116 deutsche Zivilisten zum Tode verurteilt und davon 2.073 an noch unbekannten Orten außerhalb der Speziellen Lager erschossen. Mindestens 694 Todeskandidaten blieben nach Gnadengesuchen verschont.[33]

Von 1.112 Todesverdikten für deutsche Zivilisten zwischen 1950 und 1955 (das Gros bis 1953) wurden nachweislich 960 ausschließlich in Moskau vollzogen und wohl 149 ausgesetzt. Diese fast 1.000 Erschossenen waren zu 99,6 Prozent wegen vermeintlich „konterrevolutionärer Staatsverbrechen“ verurteilt; sie sind in Massengräbern auf dem Moskauer Friedhof Donskoje beerdigt.[34] Die Addition deutscher Todesopfer, die sich dokumentieren lassen, ergibt insgesamt 45.922 umgekommene oder getötete Gefangene zwischen 1944 und 1955. Die Zahl der Toten der in Ostdeutschland inhaftierten Ausländer oder Staatenlosen wäre noch zu ermitteln.

Übergeordnete und verantwortliche Haftinstanzen

In der Sowjetischen Okkupationszone in Deutschland bestand ein eigenes, territorial und institutionell abgegrenztes System von Sonderhaftanstalten. Die Inneren Gefängnisse waren erst den operativen Einheiten der Volkskommissariate (ab 1946 Ministerien) der inneren Belange, der Staatssicherheit sowie der Verteidigung der UdSSR untergeben. Seit August 1946 wurden die Inneren Gefängnisse auf deutschem Gebiet – getreu sowjetischer Strukturen – beim Ministerium der Staatssicherheit konzentriert.[35]

Die Speziellen Lager und Gefängnisse auf dem Territorium Deutschlands leitete eine gleichnamige Abteilung, die ihren Dienstsitz ab Mai 1945 in Fürstenwalde und seit dem Spätsommer in Berlin hatte.[36] Indes oblag die Gefangenenernährung bis Juni 1946 der Gruppe der Sowjetischen Okkupationstruppen in Deutschland und danach der Sowjetischen Militäradministration.[37] Womöglich deshalb, aus Verwirrung oder zur Maskierung, wurde jene Abteilung der Speziellen Lager und Gefängnisse manchmal als Apparat der Okkupationstruppen oder der Militäradministration bezeichnet.[38] Derlei Fehlinformationen gingen auch in die Historiographie ein.[39]

De facto war die Abteilung der Speziellen Lager und Gefängnisse von 1945 bis 1948 unmittelbar dem Volkskommissariat beziehungsweise Ministerium der inneren Belange der UdSSR unterstellt. Letzteres befehligte und kontrollierte auch die älteren Haftsysteme der Hauptverwaltung der Lager sowie der (Haupt)Verwaltung der Kriegsgefangenen und Internierten. Die Abteilung der Speziellen Lager und Gefängnisse sowie ihre letzten drei Speziellen Lager auf deutschem Boden wurden (nach Deportationen, Freilassungen und Todesfällen) ab August 1948 der Hauptverwaltung der Lager der UdSSR untergeordnet und am Jahresbeginn 1950 aufgelöst.[40] Alle Haftstätten waren den dafür zuständigen Volkskommissariaten beziehungsweise Ministerien rechenschaftspflichtig und durch jene indirekt letztlich Stalin subordiniert. Der Diktator und seine Subpotentaten waren auch für das massenhafte Hungern, Leiden und Sterben der Gefangenen verantwortlich.[41]

Historische Deutungsversuche und Aufarbeitungen

Hinsichtlich der Phänomene und Funktionen der stalinistischen Sonderhaftanstalten in Deutschland entbrannten erste Dispute, als sich in der Nachkriegszeit der Eiserne Vorhang zwischen die westlichen und östlichen Teile Berlins, Deutschlands und Europas senkte. In den folgenden Dekaden des Kalten Krieges war das Thema der sowjetischen Sonderhaftanstalten ein Tabu in der DDR, geriet aber auch aus den Schlagzeilen in der Bundesrepublik. Erst nachdem die Mauer 1989 gefallen war, hob sich die bis dahin verordnete Schweigeglocke über der Geschichte der Speziellen Lager. So konnten ehemalige Gefangene ihre Erfahrungen bezeugen und sogar zur Entdeckung von einst stalinistisch angelegten und von der DDR verheimlichten Massengräbern beitragen.

Damals eskalierten erneut politische, gesellschaftliche, mediale und wissenschaftliche Kontroversen, die auch um folgende Fragen kreisten: Waren die sowjetischen Speziellen Lager in Ostdeutschland ein neuer Lagertyp? Entsprachen diese kommunistischen „Schweigelager“ anderen Haftlagern in der UdSSR? Glichen Stalins Spezielle Lager in Deutschland den Internierungslagern der westlichen Alliierten? Ähnelten sowjetische Haftlager den nationalsozialistischen Konzentrationslagern? Mit derlei Fragen verbanden sich weitere Auseinandersetzungen – etwa über den Opferstatus der Verfolgten, Toten und Überlebenden des Nationalsozialismus und des Stalinismus.[42]

Da sich die sowjetischen Speziellen Lager und die Massengräber teils auf dem Gelände früherer nationalsozialistischer Konzentrationslager (Buchenwald, Jamlitz, Sachsenhausen), Kriegsgefangenenlager (Mühlberg, Fünfeichen) und Gefängnisse (Bautzen, Torgau) befanden, hat das vereinte, demokratische Deutschland eine brisante Aufgabe zu bewältigen: Gedenkstätten, Dokumentationszentren, Museen, Denkmäler und Friedhöfe an den authentischen Orten der Haftanstalten und der Massengräber sollen die Diktaturen des Nationalsozialismus und des Stalinismus aufarbeiten, dürfen dabei aber weder die Verbrechen des Dritten Reiches relativieren, noch die der UdSSR bagatellisieren.[43]

Die Schwierigkeit historischer Vergleiche

Manchmal erfassen historische Vergleiche zwischen den Kriegsgefangenen-, Konzentrations- und Vernichtungslagern des Dritten Reiches und den Kriegsgefangenen-, Zwangsarbeits- und Speziellen Lagern der UdSSR zwar ähnliche Phänomene des Haftalltags. Allerdings differierten nationalsozialistische und stalinistische Festnahmeziele, Verwahrdauer, Lagerordnungen, Behandlung und Überlebenschance der Gefangenen zum Teil enorm. Im Kontrast zur erzwungenen Untätigkeit in den sowjetischen Speziellen Lagern standen die nationalsozialistischen Konzentrationslager in der Regel im Zusammenhang mit der geplanten und organisierten „Vernichtung durch Arbeit“. In der tödlichen Konsequenz unterschieden sich die Lager des Dritten Reiches von denen der UdSSR. Stalin ließ gewiss Hunderttausende Menschen erschießen, Millionen Gefangene foltern, bei Zwangsarbeit ausbeuten und durch unterlassene Hilfe sterben; aber er ließ nicht wie Hitler aus gesellschaftspolitischen, rassistischen oder religiösen Gründen „industriell-mechanisch“ Völkermorde in Vernichtungslagern und anderswo verüben.[44] Zum Beispiel wurde die nationalsozialistische Genickschussanlage, die noch in der Gedenkstätte Sachsenhausen bezeugt ist, im stalinistischen Speziellen Lager Sachsenhausen nicht weitergenutzt.

Im Nachkriegsdeutschland standen die sowjetischen Sonderhaftanstalten zwar offiziell im Kontext der Entnazifizierung und der Internierungspolitik der Anti-Hitler-Koalition. Stalins Spezielle Lager unterschieden sich jedoch teils gewaltig von den Internierungslagern der westlichen Alliierten, etwa bezüglich der Verhaftungen, Insassenstrukturen, Verwahrfristen, Haftregimes, Verurteilungen, Behandlungen und Todesraten der Inhaftierten. Die westlichen Besatzungsmächte in Deutschland hatten vergleichsweise hohe Systemträger des Nationalsozialismus inhaftiert, relativ früh das Gros der Internierten auf strafrelevante Belastung überprüft und verurteilt oder entlassen. Die Lebensbedingungen der Internierten in den westlichen Besatzungszonen erschienen erträglicher, die Versorgung und Hygiene besser, die Isolation bald lockerer (durch Post, Besuche, etc.) und der Beschäftigungsmangel weniger zermürbend. Dadurch war die Mortalität der Gefangenen in den Internierungslagern westlicher Besatzungszonen weit unter jener in den Speziellen Lagern der Sowjetischen Okkupationszone.[45]

Mancher Forscher vermutet das „Vorbild für die Lagerbedingungen in der SBZ“ bei den Speziellen Lagern (Überprüfungs-Filtrationslagern) auf dem Gebiet der UdSSR, in denen Stalins Regime jene Staatsangehörigen festhielt, die zuvor Gefangene im Feindesland waren oder angeblich mit Feinden kollaboriert hatten.[46] So nehmen Wissenschaftler an, dass die Haftlager der (Haupt)Verwaltung der Kriegsgefangenen und Internierten der UdSSR maßgebliche Modelle für die Speziellen Lager in Ostdeutschland waren.[47]

Andere erkennen ungefähre Vorläufer und Muster für jene Haftstätten eher bei der Hauptverwaltung der Lager, die für die Speziellen Lager in Ostdeutschland ab 1948 zuständig war.[48] „Ob es allerdings [nicht bloß dort] `Schweigelager´ gab, in denen nur Gefangene saßen, denen kein Kontakt zu den Angehörigen erlaubt war, ist nicht gesichert“, konstatierte zum Beispiel der Historiker Bernd Bonwetsch. Er konnte auch nicht erklären, warum „die Insassen der Speziallager nicht arbeiten mußten“, als sie der Hauptverwaltung der Lager subordiniert waren.[49] Denn diese Haftadministration leitete neben den relativ wenigen Speziellen Lagern nicht nur unzählige Korrektions-Arbeitslager, sondern zeitweilig auch andere Stätten des Freiheitsentzugs und der Zwangsarbeit: Spezielle Siedlungen, Arbeitssiedlungen, Korrektions-Arbeitskolonien, Wegschließstätten und anderes mehr.[50]

Die bisher publizierten Versuche, den Charakter und die Funktionen der Speziellen Lager in Ostdeutschland über Parallelen und Differenzen zu anderen Lagerarten zu erfassen, stellten dabei keine Affinität zu historischen Vorbildern fest. Die Geschichtsschreibung, die diverse Haftsysteme der politischen Disziplinierung, Repression und Bestrafung vergleicht, konnte die Ursprünge und direkten Traditionslinien sowjetischer Sonderhaftanstalten nicht befriedigend enträtseln. Deshalb sind neue Studien und Debatten über die Ursachen, Entstehung, Organisation, Aufgaben und Traditionen außerordentlicher Haftstätten der UdSSR nötig.
Gedenkstätte Buchenwald: Innenansicht der historischen Dauerausstellung  zum sowjetischen Speziallager Nr. 2Gedenkstätte Buchenwald: Innenansicht der historischen Dauerausstellung zum sowjetischen Speziallager Nr. 2 (© Claus Bach. Gedenkstätte Buchenwald)



Die Wurzeln der Sonderhaftanstalten in der Sowjetunion

Könnten historische Analogien von Kriegen, kommunistischen Machteroberungen, Revolutionen und außerordentlichen Hafteinrichtungen neue Perspektiven eröffnen? Wird ihre Geschichte in der Sowjetischen Okkupationszone in Deutschland plausibler, wenn man die Weltanschauungen und die gewalttätige Herrschaftsausübung der Bolschewiken seit ihrer Revolution im Oktober 1917 mit analysiert? Gab es Konstanten und Diskontinuitäten sowjetischer Feindbilder, Rechtsauffassungen, besonderer oder spezieller Lager(abteilungen) und Gefängnisse neben anderen Haftanstalten in Russland seit dem Bürgerkrieg und dem Kriegskommunismus unter der Führung Vladimir Lenins?

Jedenfalls wechselten schon im Ersten Weltkrieg viele Haftstätten und Zwangsarbeitsstellen in Russland seit dem Roten Oktober 1917 in die Verantwortung der Bolschewiken und mehrerer Volkskommissariate. Die Russländische Sozialistische Föderative Räterepublik (Räterussland) entließ zwar partiell die Angehörigen feindlicher Staaten nach dem Frieden von Brest-Litovsk 1918,[51] doch der Klassenkampf und „Rote Terror“ des Kriegskommunismus im Bürgerkrieg und gegen die multinationale Militärintervention disziplinierte, unterdrückte und strafte unzählige Menschen: Kriegsgefangene, Zivilinternierte, Geiseln, Flüchtlinge, Arrestanten und verurteilte Delinquenten.[52]

Die Bolschewiken um Lenin ächteten alle zaristischen und bürgerlichen Gesetze, Gerichte sowie etwaige Rechtsstaatlichkeit. Es galten nur noch die parteipolitische, „revolutionäre“ Moral und Gesetzlichkeit sowie das „revolutionäre Gewissen".[53] Die Pseudojurisdiktion bis hin zum Todesurteil umfasste neue zivile oder militärische Gerichte und Revolutionstribunale. Diverse extralegale, außergerichtliche Instanzen vollzogen mit Schuss-, Hieb- und Stichwaffen das „Höchste Strafmaß“.[54]

Räterussland hatte unter verschiedenen Institutionen mehrere, immer wieder umstrukturierte Haftsysteme mit vielen diversen Stätten des Freiheitsentzuges. Demgemäß waren auch die relativ wenigen Sonderhaftanstalten nicht homogen benannt, eingerichtet und betrieben. Sie hatten – im Vergleich zu den übrigen Einrichtungen der Gefangenschaft – eigene Funktionen, Haftordnungen und Weggesperrte. Darüber bestimmten höhere Parteiorgane der Bolschewiken, Regierungsinstanzen wie die Volkskommissariate oder andere Verfassungsgremien wie die Deputiertenräte. Insofern durfte nicht jeder Subapparat über die Entstehung, Organisationen, Aufgaben und Verwendung der Sonderhaftanstalten entscheiden.

Das Volkskommissariat der Justiz hatte eine sehr harsche Haftordnung in seinen Speziellen Gefängnissen (Isolatoren) betreffs „unverbesserlicher“ oder rückfälliger Sträflinge. Noch brutaler war das Haftregime in den Inneren Gefängnissen und Kerkern, in denen außerordentliche Organe tatsächliche oder fiktive Feinde und als „Schädlinge“ bezeichnete Menschen isolierten, verhörten, folterten und ermordeten.[55] Alternativ dazu pferchte Lenins Regime Kombattanten und Zivilisten in die „Konzentrationslager“ des Volkskommissariats in Kriegsbelangen. Damals war „Konzentrationslager“ ein Oberbegriff für verschiedene Lagerformen. Sie entwickelten sich ab 1919 mit neuen Zwangsarbeitslagern zu einem Haftsystem beim Innenkommissariat. Zugleich gab es Besondere Lager, um Personen aus politischen Gründen bis zum Ende des Bürgerkriegs zu isolieren.[56]

Die Besonderen Lager und Speziellen Gefängnisse (Isolatoren) waren also nicht primär dazu bestimmt, Inhaftierte zu töten, zu martern oder bei Zwangsarbeit auszupressen. Sie hatten vielmehr die Funktion, die Gefangenen militärisch, politisch, sozial, ökonomisch oder kulturell "unschädlich" zu machen – also total "auszuschalten" –, zumindest, bis sich die Herrschaft der Bolschewiken durchgesetzt haben würde. Jene betrieben auf der Hauptinsel im Weißen Meer ab 1920 auch ein "Lager zur speziellen Verwendung".[57] Fast alle Historiographien – auch explizite Studien zu diesem Speziellen Lager Soloveckij – ignorieren dessen Gründung im Jahr 1920, erkennen es meist als "Lager zur besonderen Verwendung" ab 1923 und schreiben ihm eine Pionierrolle zur Ausbeutung von Zwangsarbeitern zu. So sei auf „den Solowezker Inseln […] das erste sowjetische Lager entstanden“ und „das erste sowjetische Zwangsarbeitslager errichtet“ worden.[58] Die Phänomene, der Charakter und der Zweck des Lagers Soloveckij zur speziellen Verwendung entsprachen jedoch nicht jenen der älteren Besonderen Lager.

Nach dem Bürgerkrieg formte Räterussland seine Besonderen und Speziellen Lager in andere Haftstätten um. Als die Bolschewiken ihre UdSSR am Ende des Jahres 1922 gründeten, reorganisierten sie alle Systeme des Freiheitsentzuges.[59] Letztere standen erst im Konnex mit der „Neuen Ökonomischen Politik“ und dem angeblichen „Sozialismus in einem Land“, dann im Zusammenhang mit der Zwangskollektivierung der Landwirtschaft und mit der forcierten Industrialisierung ab 1928 sowie im Zeichen des „Großen Terrors“ 1937/38. So hatten sie andere Aufgaben und Erscheinungsformen als die Sonderhaftanstalten im Kontext des Bürgerkrieges oder des Zweiten Weltkriegs.

Traditionslinien und Varianten sowjetischer Sonderhaftanstalten

Transferierte also Stalins Administration im Zweiten Weltkrieg außerordentliche Haftanstalten in den Jahren 1939 bis 1941 und ab 1944 in die für die UdSSR sowie ihre Satellitenstaaten okkupierten oder annektierten Territorien? Bildeten besondere oder spezielle Lager(abteilungen) und Innere Gefängnisse nicht nur in Ostdeutschland, sondern in ganz Ost(mittel)europa ein wichtiges Fundament, um Macht zu ergreifen, zu stabilisieren und die Revolution zu sichern? Dienten die Sonderhaftanstalten der Stalinisten dazu, wahrgenommene Feinde zu inhaftieren und die kommunistische Gewaltherrschaft und ihre Terrorordnung auszudehnen?

Nach dem Hitler-Stalin-Pakt und dem Angriff auf Polen 1939 betrieb die Verwaltung der Kriegsgefangenen und Internierten beim Innenkommissariat der UdSSR in Weißrussland und der Ukraine neben herkömmlichen Haftstätten auch Besondere Lager. Letztere schalteten bis 1940/41 gleichsam potenziell „reaktionäre“ Systemträger aus Politik, Verwaltung, (Para-)Militär und Polizei Polens sowie Lettlands, Litauens, Estlands und Bessarabiens (Moldawiens) aus. Somit dienten jene Besonderen Lager (und ab 1941 neue Spezielle Lager) des Innenkommissariats der UdSSR einer Kette von Zielen: Kombattanten und Zivilisten zu isolieren und zu unterdrücken, dadurch die Annexionen Ostpolens, des Baltikums sowie Bessarabiens mit zu sichern und dort die künftige Rätemacht und die neuen Staatsgrenzen der UdSSR mit zu schützen.

Die Annexionen und übrigen Völkerrechtsbrüche bildeten einen scharfen Kontrast zu dem von Stalin einst ausgerufenen „Sozialismus in einem Land“. Faktisch trug der Stalinismus den Vorgeschmack auf die kommunistische Weltrevolution und den Nachgeschmack des „Großen Terrors“ wie Exportprodukte aus der UdSSR in die einverleibten Länder hinaus. Da die Führung der Bolschewiken ihre polnischen Kriegs- und Zivilgefangenen als politisch undisziplinierbare Feinde betrachtete, erschossen die Terrororgane der UdSSR im Jahr 1940 rund 22.000 Häftlinge außerhalb der Besonderen Lager, teils in speziellen Gefängnissen. Die Leichen wurden anonym in mehreren Massengräbern an damals geheimen Orten verscharrt. Der Verdacht liegt nahe, dass den politischen, administrativen, (para)militärischen und anderen Funktionären des Baltikums sowie Bessarabiens, die als Internierte im Jahr 1941 in bisher für die Polen genutzte Besondere Lager, Innere Gefängnisse und in neue Spezielle Lager gerieten, ebenfalls ein tödliches Schicksal drohte.[60] Wohl ohne davon zu wissen, überrollte das Dritte Reich mit seinem Vernichtungskrieg ab Juni 1941 den Westen der UdSSR – mitsamt den dortigen Haftstätten und annektierten Gebieten. Bei passender Gelegenheit deckten die todbringenden Deutschen propagandistisch die sowjetisch verheimlichten Massengräber bei Katyn auf.[61]

Stalin stellte die nazistische Aggression als antisowjetische Konterrevolution mit historischen Parallelen zur früheren ausländischen Militärintervention im Bürgerkrieg Russlands dar.[62] Aus den Erfahrungen im Kriegskommunismus sowie im Zweiten Weltkrieg exerzierte die UdSSR ab 1943 quasi bewährte sowie neue Maßnahmen und Methoden. Hinter den Fronten der offensiven Roten Armee unterdrückten Stalins Straforgane in den zurück- oder neu eroberten und annektierten Territorien die Funktionäre und Gefolgsleute sowjetfeindlicher Parteien, Administration, (Para)Militärs und der Ökonomie, aber auch reale oder vermeintliche Kriegsverbrecher, Landesverräter oder Personen, die ein Sicherheitsrisiko zu sein schienen.[63]

Für sie errichteten die (Haupt)Verwaltung der Kriegsgefangenen und Internierten sowie die Hauptverwaltung der Lager des Innenkommissariats der UdSSR ihre Besonderen und Speziellen Lager[64] sowie zusätzlich "Katorgalager"[65] und "Regimelager"(-Abteilungen)[66] oder Kolonie(abteilunge)n mit härtester Isolation und Zwangsarbeit.[67] Die hermetisch abgeschirmten Sonderhaftanstalten beuteten die Zwangsarbeiter quantitativ und qualitativ viel stärker aus als im Bürgerkrieg oder in landläufigen Kriegsgefangenenlagern, Korrektions-Arbeitslagern, Korrektions-Arbeitskolonien, Speziellen Siedlungen, Arbeitssiedlungen, Wegschließstätten oder anderen Einrichtungen.

Überdies halfen die außerordentlichen Haftstätten, die Rätemacht der Kommunisten zu mehren und zu erhalten sowie ihre Revolution gleichsam zu exportieren. Als die Rote Armee über Bulgarien, Jugoslawien, Rumänien, Transsilvanien, Ungarn, Polen und die Tschechoslowakei näher an das Dritte Reich rückte, „säuberten“ sowjetische Straforgane befehlsgemäß ihr Fronthinterland. Dabei nahmen sie zwischen Januar und April 1945 mindestens 215.540 Zivilisten und Kriegsgefangene fest. Darunter waren 138.200 Reichs- und Volksdeutsche, 38.660 Polen, 27.880 Staatsbürger der UdSSR und rund 10.800 Angehörige anderer Länder. In jenen drei Monaten deportierten Stalins Terrorapparate 148.540 potenzielle „Feindelemente“, die Kombattanten feindlicher Staaten und andere tatsächliche oder vermeintliche antisowjetische Gefährder, in verschiedene Haftstätten in der UdSSR. 5.000 Menschen waren während der „Säuberung“ oder Verschleppung in Ost- und Mitteleuropa verstorben und 62.000 Personen noch in den sowjetischen Frontlagern sowie Frontgefängnissen inhaftiert.[68] Für die Festgenommenen entstanden neue Spezielle und Besondere Lager der (Haupt-)Verwaltung der Kriegsgefangenen und Internierten sowie der Hauptverwaltung der Lager des Innenkommissariats der UdSSR, um zu isolieren, zu strafen und bei Zwangsarbeit auszupressen.[69]

Export und Re-Import sowjetischer Sonderhaftanstalten

Noch im Zweiten Weltkrieg transferierte die UdSSR mehrere Repressionsinstanzen, ihre Lager, Gefängnisse und sonstigen Kerker um und auf das Territorium Deutschlands. Zwei Tage nach der deutschen Kapitulation im Mai 1945 gab das Innenkommissariat der UdSSR seinen Frontbevollmächtigten vor, wie sie 14 Lager, 3 Lager-Gefängnisse und 11 reine Gefängnisse zu verteilen und zu organisieren hätten. Diese lagen im Hinterland der
  • Ersten Weißrussischen Front – in Danzig, Fürstenwalde, Kraków, Landsberg/ Warthe, Łódź, Poznań, Rembertów, Schneidemühl, Schwiebus und Werneuchen;
  • Zweiten Weißrussischen Front – in Gollnow, Graudenz und Stargard;
  • Dritten Weißrussischen Front – in Bartenstein, Domtau, Insterburg, Königsberg, Panart, Preußisch Eylau und Tapiau;
  • Ersten Ukrainischen Front – in Oppeln, Rawicz und Tost;
  • und der Vierten Ukrainischen Front – in Bielsko, Myśłowice, Ratibor, Ružomberok und Wadowice.[70]
In der Sowjetischen Okkupationszone in Deutschland waren im Juni 1945 zunächst acht Spezielle Lager errichtet worden.[71] Nachdem das Innenkommissariat der UdSSR im Juli 1945 seine Apparate der Frontbevollmächtigten für Bulgarien, Österreich, Polen, Rumänien, Tschechoslowakei und Ungarn auflöste,[72] entstand auf dem Territorium Deutschlands ein geographisch und institutionell eigenes System der Speziellen Lager, Inneren Gefängnisse und sonstigen Kerker (siehe oben). Sie waren auch ein aus dem Vernichtungskrieg der Nationalsozialisten abgeleitetes, reaktives Produkt. Denn die Haftanstalten aller Besatzungszonen in Deutschland hingen mehr oder weniger mit der Entnazifizierung und der Internierungspolitik der Anti-Hitler-Koalition zusammen. Ihre Regierungen verkündeten auf der Potsdamer Konferenz im August 1945:

„Nazi-Führer, einflussreiche Nazi-Anhänger und hohe Amtsträger der Nazi-Organisationen bzw. Einrichtungen sowie alle anderen für die Besatzung oder ihre Ziele gefährlichen Personen werden festgenommen und interniert.“[73]

Die Alliierten hofften, deutsche Kriegsverbrecher „einem baldigen und gerechten Gericht zu übergeben“, und behielten sich vor, auch potentiell gefährliche Deutsche, die keines tatsächlichen Verbrechens schuldig waren, zu internieren und zu kontrollieren.[74] Die Vereinten Nationen erlaubten mit den Artikeln 53 und 107 ihres Statuts im Juni 1945 die von den Siegermächten in ihren Besatzungszonen ergriffenen oder genehmigten Zwangsmaßnahmen gegen die Wiederaufnahme der Angriffspolitik eines „Feindstaates“ der Signatarstaaten der Satzung der Vereinten Nationen.[75] Somit befand sich das geteilte Deutschland ohne Friedensvertrag in einem latenten Kriegsverhältnis mit den Siegermächten.

Vor diesem internationalen Hintergrund unterstützten die Speziellen Lager, Inneren Gefängnisse und Kerker in Ostdeutschland auch das sowjetische Konzept der „antifaschistisch-demokratischen Umwälzung“. So umschrieben Stalinisten das Ziel ihrer Revolution mit der Entnazifizierung, dem Aufbau eines sozialistischen Räteregimes, der sozioökonomischen (aber nicht politischen) Demokratisierung in Verbindung mit der Demilitarisierung sowie den Entkartellierungen, Demontagen und sonstigen Reparationen.[76] Folglich transformierte die Ausschaltung früherer Systemträger des Dritten Reiches und wahrer oder potenzieller Rivalen explizit auch die politischen, militärischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Machtstrukturen des besiegten Feindstaates Deutschland im Kalten Krieg. Der stalinistische Wortinhalt von „Denazifizieren“ konnte, je nach Situation, heißen, Individuen sowie Gruppen aus ihren Funktionen oder Stellungen zu entlassen oder zu verhaften, zum Tode zu verurteilen oder einfach physisch zu liquidieren.[77]

Schon seit dem Bürgerkrieg und dem Kriegskommunismus in Räterussland setzten die außerordentlichen Organe in ihren Inneren Gefängnissen und sonstigen Kerkern die Postulate vom „Roten Terror“ extralegal und radikal um. Der Horror ging bis zu scheinbaren oder wirklichen Exekutionen und grausamsten Massakern.[78] Analog hatte Stalin den „Großen Terror“ und ausdrücklich die „physische Einwirkung auf die Arretierten“ als Generallinie befohlen, um Geständnisse von den Gepeinigten zu erpressen.[79] Auch in den Inneren Gefängnissen und Kerkern in Ostdeutschland vollzogen die Terrorapparate der UdSSR ihre ritualisierten Gewaltorgien. In der Erinnerung von Überlebenden blieben traumatische Erfahrungen haften: etliche, vorwiegend nächtliche und stundenlange Verhöre, Durchsuchungen, massive Drohungen, physische Gewalt, Folterungen.[80]

Die zusätzlich abschreckende Pseudojurisdiktion bis hin zur Todesstrafe betrieben Militärtribunale in Ostdeutschland und administrative, außergerichtliche Sonderberatungen in der UdSSR (siehe oben), die ebenfalls im Leninismus wurzelten und im Stalinismus Tradition hatten. Insgesamt verstärkte das von 1945 bis 1948 territorial und institutionell separate System der Speziellen Lager, Inneren Gefängnisse und Kerker in Ostdeutschland die Arbeitsteilung in der „sozialen Prophylaxe“[81] und erweiterte nicht zuletzt die kommunistische Gewaltherrschaft sowie die Terrorordnung.

Die sowjetischen Sonderhaftanstalten in Ostdeutschland waren also Teil eines komplexen Maßnahmenbündels, deren einzelne Phasen man nicht von der parallelen Geschichte in der UdSSR trennen darf. Als die Hauptverwaltung der Lager eine Gruppe der Besonderen Lager und Gefängnisse in der UdSSR ab 1948 aufbaute, integrierte sie die bereits vorhandenen Besonderen oder Speziellen Lager, Regime- und "Katorgalager". Die Sonderhaftanstalten gehörten zu riesigen Lagerkomplexen der Zwangsarbeit.[82] Derlei war in der Sowjetischen Okkupationszone in Deutschland aus vielen Gründen kaum realistisch: Einerseits wurden dort keine abgeschiedenen Gebiete mit Gefangenen kolonisiert und durch deren Zwangsarbeit ausgebeutet oder urbar gemacht. Andererseits war das Innenministerium der UdSSR keine Administration des Territoriums und der Ökonomie Ostdeutschlands.

Unter anderem ließ Stalin erbeutete Wirtschaftseinrichtungen demontieren und neben vielen Inhaftierten in die UdSSR verfrachten.[83] Auch darum – und nach Massenentlassungen sowie hohen Todesraten in den Haftanstalten – lösten die Bolschewiken die Speziellen Lager und Gefängnisse in Ostdeutschland teilweise auf oder ordneten sie 1948 ebenfalls unter die Hauptverwaltung der Lager. Durch deren einheitliche Zuständigkeit für die letzten drei Speziellen Lager in Ostdeutschland und die Sonderhaftanstalten in der UdSSR konnte Stalins Administration ihre Politik des Freiheitsentzuges stärker aufeinander abstimmen. So flossen Erfahrungen in die außerordentlichen Hafteinrichtungen in Ostdeutschland und, wie ein „Re-Import“, in die Hauptverwaltung der Lager ein.[84]

Stalins Regime ließ die Sowjetische Okkupationszone in Deutschland im Herbst 1949 zur Deutschen Demokratischen Republik transformieren. Dort liquidierte es Anfang 1950 zwar die drei letzten Speziellen Lager und gab etwa 15.000 der rund 30.000 Festgehaltenen frei. Aber zugleich trat die Sowjetunion ihre Lagereinrichtungen sowie etwa 14.000 Inhaftierte an die junge DDR ab (siehe oben). Straforgane deportierten weiterhin Gefangene in die UdSSR. Zudem verhängten das Militärtribunal der Gruppe der Sowjetischen Okkupationstruppen in Deutschland sowie administrative, außergerichtliche Sonderberatungen in der UdSSR die ab Januar 1950 reaktivierte Todesstrafe. Die Kriegsjurisdiktion ließ ihr „Höchstes Strafmaß“ jedoch nur noch bis 1953 in Moskau vollstrecken.[85] Damals drosselte die UdSSR einerseits den latenten Kriegszustand in Ostdeutschland; auch deshalb verringerte und übergab das sowjetische Ministerium der Staatssicherheit seine Gefängnisse im Osten des besiegten Feindstaates an deutsche Repressionsapparate. [86] Andererseits galten die Feindstaatenregeln der Vereinten Nationen weiter. Die UdSSR gab ihr letztes Gefängnis in der DDR erst auf, als der Kalte Krieg verging und das Nebeneinander der zwei deutschen Staaten Geschichte war.[87]

Zitierweise: Alexander Heinert, "Ein dunkles Kapitel: Sowjetische Sonderhaftanstalten in Ostdeutschland", in: Deutschland Archiv, 09.09.2021, Link: www.bpb.de/339546.

Ergänzend zum Thema:


- Jörg Echternkamp, Die Ahndung von NS- und Kriegsverbrechen in der DDR, bpb 8.9.2015

- Errichtung des Konzentrationslagers Buchenwald, bpb-Hintergrund, 13.7.2017

- Steffen Alisch, Am Beispiel Cottbus - Zuchthausaufarbeitung in der DDR, Deutschland Archiv 7.9.2021

Fußnoten

1.
SOZG: Sovetskaja okkupacionnaja zona v Germanii. Zu den künftigen alliierten Besatzungszonen vgl. Londoner Protokoll, 12.9.1944, geändert von der Europäischen Beratenden Kommission (EAC) im Abkommen über das Kontrollsystem, 14.11.1944, in: Gesamtdeutsches Institut (Hg.), Deutschland 1945. Vereinbarungen der Siegermächte, Bonn 1989, S. 4-6.
2.
UdSSR-Innenkommissariat-Speziallagerabteilungsleiter, Oberst Michail E. Sviridov, Bescheinigung, 1.9.1945, in: Gosudarstvennyj archiv Rossijskoj Federacii (GARF), f. R-9409, op. 1, d. 134, l. 5. Zum Thema ausführlich: Sergej Mironenko, Lutz Niethammer und Alexander von Plato (Hg.), Sowjetische Speziallager in Deutschland 1945-1950. 2 Bände, Berlin 1998.
3.
UdSSR-Innenkommissariat-Gefängnisabteilung-Leiterstellvertreter, Oberst Aleksandr P. Klejmenov, Liste, 1.9.1945; darin waren gestrichen: das Zentralgefängnis Berlin und drei Innere Gefängnisse – eines für Berlin-Lichtenberg und zwei für Sachsen(-Anhalt), in: GARF, f. R-9409, op. 1, d. 143, l. 33.
4.
Gabriele Hammermann, Verhaftungen und Haftanstalten der sowjetischen Geheimdienstorgane am Beispiel Thüringens, in: Mironenko u. a., Speziallager (Anm. 2), Bd. 1, S. 158-171. Daniel Bohse, Schrittweiser Übergang. Politische U-Haft in Sachsen-Anhalt zwischen 1945 und 1952, in: Zeitschrift des Forschungsverbundes SED-Staat Nr. 33, 2013, S. 23-35, hier S. 23, 26-28. Peter Erler, Vom MGB zum MfS/SfS. Die Übernahme sowjetischer Haftorte und die Entwicklung des Gefängniswesens der DDR-Staatssicherheit in der ersten Hälfte der 1950er Jahre in Ostberlin. Eine chronologische Übersicht, in: ebd., S. 36-56, hier S. 36-38, 40. Ders., „Tjurma Nr. 6“. Das Amtsgerichtsgefängnis Berlin-Lichtenberg unter sowjetischer Verwaltung (1945 bis 1953), in: ebd., Nr. 44, 2019, S. 92-121.
5.
Mironenko u. a., Speziallager (Anm. 2).
6.
Bohse, Übergang (Anm. 4), S. 29 f. Erler, MGB (Anm. 4), S. 36-56. Ders., Tjurma (Anm. 4), S. 119-121.
7.
Elke Fein u. a., Von Potsdam nach Workuta. Das NKGB/MGB/KGB-Gefängnis Potsdam-Neuer Garten im Spiegel der Erinnerung deutscher und russischer Häftlinge, Potsdam 1999. Ines Reich und Maria Schultz (Hg.), Sowjetisches Untersuchungsgefängnis Leistikowstraße Potsdam, Berlin 2012. Ob die UdSSR dieses Gefängnis als letztes abwickelte, ist unklar.
8.
Dokumentacija Krymskoj konferencii rukovoditelej trech sojuznych deržav – SSSR, SŠA i Velikobritanija. Čast’ II: Okkupacija Germanii i kontrol’ nad nej, in: Pravda, 13.02.1945 (Übersetzung: Heinert).
9.
UdSSR-Innenkommissar Lavrentij P. Berija, Befehl Nr. 00315, 18.4.1945, in: GARF, f. R-9401, op. 1a, d. 178, l. 30-32. Übersetzung in: Mironenko u. a., Speziallager (Anm. 2), Bd. 2, S. 178 f. Ausführlich: Ralf Possekel, Einleitung. Sowjetische Lagerpolitik in Deutschland, in: ebd., 15-110, hier 15-72.
10.
UdSSR-Innenkommissariat-Speziallagerabteilungsleiter, Oberst Vladimir P. Sokolov, Rapport Nr. 00736 und Bericht, 18.4.1950, in: GARF, f. R-9409, op. 1, d. 43, l. 2-6. Vgl. Alexander von Plato, Zur Geschichte des sowjetischen Speziallagersystems in Deutschland. Einführung, in: Mironenko u. a., Speziallager (Anm. 2), Bd. 1, S. 44 (mit Verweis auf einen Bericht, 6.4.1950, in: GARF, f. R-9409, op. 1, d. 259, l. 235 f.).
11.
Plato, ebd., S. 53 f. Natalja Jeske, Kritische Bemerkungen zu den Speziallagerstatistiken, in: ebd., S. 457-480, hier S. 458, 471.
12.
Plato, ebd., S. 57-61. Vera Neumann, Häftlingsstruktur im Speziallager Buchenwald. Quellenbestand und Wertung, in: ebd., S. 481-496. Jan Lipinsky, Häftlingsstruktur im Speziallager Bautzen aus sowjetischer Sicht, in: ebd., S. 497-509. Heinz Kersebom und Lutz Niethammer, „Kompromat“ 1949 – eine statistische Annäherung an Internierte, SMT-Verurteilte, antisowjetische Kämpfer und die Sowjetischen Militärtribunale, in: ebd., S. 510-532. Possekel, Einleitung (Anm. 9), S. 15-110.
13.
Pavel Polian, „Westarbeiter“. Internierung, Deportation und Ausbeutung deutscher Zivilisten aus Europa in der UdSSR, in: Karl Eimermacher und Astrid Volpert (Hg.), Verführungen der Gewalt. Russen und Deutsche im Ersten und Zweiten Weltkrieg, Paderborn 2005, S. 1261-1297. Ders., Die Internierung der Deutschen in Südosteuropa, in: ebd., S. 1343-1360.
14.
UdSSR-Innenkommissariat-Operativsektorchef Mecklenburg-Vorpommern, Generalmajor Vladimir V. Gubin, Bericht, 22.8.1945, Übersetzung in: Jan Foitzik und Nikita W. Petrow, Die sowjetischen Geheimdienste in der SBZ/DDR von 1945 bis 1953. Berlin 2009, S. 223-225. Nina Leonhard, Die Häftlinge des Gefängnisses Potsdam-Neuer Garten, in: Fein u. a., Potsdam (Anm. 7), S. 47-57. Hammermann, Verhaftungen (Anm. 4), S. 162-167.
15.
Alex Latotzky, Kindheit hinter Stacheldraht, Mütter mit Kindern in sowjetischen Speziallagern. Leipzig 2001. Gerhard Finn, Die Speziallager der sowjetischen Besatzungsmacht 1945-1950, in: Deutscher Bundestag (Hg.), Recht, Justiz und Polizei im SED-Staat (Materialien der Enquete-Kommission „Aufarbeitung von Geschichte und Folgen der SED-Diktatur in Deutschland“. Band IV. 12. Wahlperiode des Deutsche Bundestages), Baden-Baden 1995, S. 335-397, hier S. 390, 394. Erler, Tjurma (Anm. 4), S. 107, 117.
16.
UdSSR-Innenkommissariat-Speziallagerabteilungsleiter, Oberst Michail E. Sviridov, Schreiben Nr. 00133, evtl. 7.8.1945, in: GARF, f. R-9409, op. 1, d. 322, l. 23.
17.
Sowjetische Militäradministration, Befehl Nr. 35, 26.2.1948, in: Tägliche Rundschau, Nr. 49, 27.2.1948.
18.
Alexander Heinert, Auslieferungsobjekt Völkerrechtsbrecher: interzonale Politik der Sowjetmacht im besetzten Deutschland 1945-1948, in: Karl Eimermacher und Astrid Volpert (Hg.), Tauwetter, Eiszeit und gelenkte Dialoge. Russen und Deutsche nach 1945, Paderborn 2006, S. 47-96, hier S. 87, 92.
19.
UdSSR-Ministerrat, Postulat Nr. 2386-991ss, 30.6.1948, in: Rossijskij gosudarstvennyj archiv novejšej istorii (RGANI), f. 89, per. 75, d. 18. Übersetzung in: Mironenko u. a., Speziallager (Anm. 2), Bd. 2, S. 334. Ergänzend: Nikita V. Petrov, Die Apparate des NKVD/MVD und NKGB/MGB in Deutschland 1945-1953, in: ebd., Bd. 1, S. 143-157, hier S. 150 f. Plato, Geschichte (Anm. 10), S. 40 f. Possekel, Einleitung (Anm. 9), S. 82-89.
20.
Sokolov, Rapport (Anm. 10). Andere Vorgaben des Politbüros des Zentralkomitees der Bolschewiken im Postulat Nr. P72/100, 30.12.1949, in: RGANI, f. 89, per. 75, d. 23. Übersetzung in: Mironenko u. a., Speziallager (Anm. 2), Bd. 2, S. 365 f.
21.
Wolfgang Eisert, Die Waldheimer Prozesse. Der stalinistische Terror 1950. Ein dunkles Kapitel der DDR-Justiz. Esslingen-München 1993. Wilfriede Otto, Die Waldheimer Prozesse, in: Mironenko u. a., Speziallager (Anm. 2), Bd. 1, S. 533-553.
22.
Sokolov, Rapport (Anm. 10).
23.
Hammermann, Verhaftungen (Anm. 4), S. 160-167. Bohse, Übergang (Anm. 4), S. 23 f., 30-35.
24.
Jens Niederhut, Untersuchungsgefängnis Potsdam-Neuer Garten. Verhöre und Verurteilungen, in: Fein u. a., Potsdam (Anm. 7), S. 58-75, hier S. 64-71. Klaus-Dieter Müller, „Jeder kriminelle Mörder ist mir lieber“. Haftbedingungen für politische Häftlinge in der Sowjetischen Besatzungszone und der Deutschen Demokratischen Republik und ihre Veränderungen 1945-1989, in: Ders. und Annegret Stephan (Hg.), Die Vergangenheit läßt uns nicht los. Haftbedingungen politischer Gefangener in der SBZ/DDR und deren gesundheitliche Folgen. Mit einer Einführung von Dr. h. c. Karl Wilhelm Fricke, Berlin 1998, S. 15-137, hier S. 36-45. Renate und Jan Lipinsky, Die Straße, die in den Tod führte. Zur Geschichte des Speziallagers Nr. 5 Ketschendorf/Fürstenwalde, Leverkusen 1998, S. 48-57. Finn, Speziallager (Anm. 15), S. 342 f., 345, 381-383.
25.
Andreas Hilger, Mike Schmeitzner und Ute Schmidt (Hg.), Sowjetische Militärtribunale. Bd. 2. Die Verurteilung deutscher Zivilisten 1945-1955, Köln u. a. 2003. Andreas Hilger, Der Gulag in Deutschland, in: Wolfgang Benz (Hg.), Ein Kampf um Deutungshoheit. Politik, Opferinteressen und historische Forschung. Die Auseinandersetzungen um die Gedenk- und Begegnungsstätte Leistikowstrasse Potsdam, Berlin 2013, S. 84-105.
26.
Nur wenige der autorisierten „operativen“ Untersucher wurden wegen Folterungen, Tötung oder Mord an Gefangenen bestraft, so Petrov, Apparate (Anm. 19), S. 149. Derlei „Verletzungen der revolutionären Gesetzlichkeit“ wurden aber unter Angehörigen der UdSSR-Innentruppen u. a. Militärs geahndet. Vgl. UdSSR-Innenkommissariat-Innentruppen-Hauptverwaltung, Direktive Nr.19/10-00528, 28.9.1945, Übersetzung in: Foitzik und Petrow, Geheimdienste (Anm. 14), S. 228 f. Vgl. ebd., S. 200, 263 f., 275-279.
27.
UdSSR-Innenkommissar-Stellvertreter Ivan A. Serov und Gefängnisabteilung-Leiterstellvertreter, Oberst Aleksandr P. Klejmenov, „Vorläufige Instruktion über die Inneren Gefängnisse der Operativsektoren und Operativgruppen des NKVD auf dem okkupierten Territorium Deutschlands“, 12.8.1945, in: GARF, f. R-9409, op. 1, d. 129, l. 68-71a. UdSSR-Innenkommissar-Stellvertreter Ivan A. Serov, Speziallagerabteilungsleiter, Oberst Michail E. Sviridov, Gefängnisabteilung-Leiterstellvertreter, Oberst Aleksandr P. Klejmenov, „Vorläufige Satzung über die Spezlager des NKVD auf dem okkupierten Territorium Deutschlands“, 27.7.1945, in: ebd., l. 84-88. UdSSR-Innenkommissar-Stellvertreter Ivan A. Serov und Speziallagerabteilungsleiter, Oberst Michail E. Sviridov, „Vorläufige Satzung über die Spezlager auf dem Territorium Deutschlands“, 30.10.1946, in: ebd., d. 140, l. 17-24; auch in: ebd., f. R-9414, op. 1, d. 360, l. 38-44. Vgl. Instruktionen für Innere Gefängnisse der Operativsektoren der UdSSR-Staatssicherheit in Sachsen, 3./4.6. und 14.9.1947, und in Mecklenburg-Vorpommern, 12.6.1947, Übersetzungen in: Foitzik und Petrow, Geheimdienste (Anm. 14), S. 315-318, 318-320, 324 f.
28.
Leiter des Speziellen Lagers Buchenwald, Major Konstantin P. Andreev, Bericht Nr. 0453/š, 10.10.1947, an UdSSR-Innenkommissariat-Speziallagerabteilungsleiter, Oberst Nikolaj T. Cikljaev, zu dessen Weisung Nr. 002487/5, 22.9.1947, dem Speziellen Kontingent ab 26.9.1947 regelmäßig die Zeitungen „Neues Deutschland“, „Berliner Zeitung“, „Tägliche Rundschau", „Start“ und „Für Dich“ zu liefern, in: GARF, f. R-9409, op. 1, d. 471, l. 277. UdSSR-Innenkommissariat-Speziallagerabteilungsleiter, Oberst Nikolaj T. Cikljaev, Weisung Nr. 00482, 2.4.1949, an den Leiter des Speziellen Lagers Sachsenhausen, Oberstleutnant Aleksej M. Kostjuchin zur Schreiberlaubnis für Verurteilte ab 1.4.1949, in: ebd., d. 314, l. 36. Ergänzend: Bodo Ritscher, Speziallager Nr. 2 Buchenwald. Zur Geschichte des Lagers Buchenwald 1945-1950. Weimar-Buchenwald 1993, S. 65-68, 72 f., 84-88. Finn, Speziallager (Anm. 15), S. 351, 374, 385-390.
29.
Natalja Jeske, Versorgung, Krankheit, Tod in den Speziallagern, in: Mironenko u. a., Speziallager (Anm. 2), Bd. 1, S. 189-223. Anke Höhne, Haftalltag im Gefängnis Potsdam-Neuer Garten, in: Fein u. a., Potsdam (Anm. 7), S. 76-92. Müller, Mörder (Anm. 24), S. 32, 34-36. Ritscher, Speziallager (Anm. 28), S. 50-53, 56-59. Finn, Speziallager (Anm. 15), S. 374-379.
30.
Kathrin Krypczyk und Bodo Ritscher (Bearb.), Jede Krankheit konnte tödlich sein. Medizinische Versorgung, Krankheiten und Sterblichkeit im sowjetischen Speziallager Buchenwald 1945-1950. Göttingen 2005. Jeske, Versorgung (Anm. 29), S. 189-223.
31.
Sokolov, Rapport (Anm. 10). Die amtlichen Todeszahlen könnten zu niedrig sein. Das genaue Ausmaß der Sterblichkeit ist nicht ermittelbar. Publizisten, die mindestens 65.000 bis 130.000 Tote oder eine stalinistische „Vernichtungsabsicht“ vermuten, seien unrealistisch, so Plato, Geschichte (Anm. 10), S. 44, 54-56.
32.
Volkhard Knigge und Bodo Ritscher (Hg.), Totenbuch - Speziallager Buchenwald 1945-1950, Weimar-Buchenwald 2003 (2015). Jörg Morré (Bearb.), Totenbuch. Speziallager Bautzen 1945-1956, Dresden 2004. Ines Reich (Bearb.), Totenbuch sowjetisches Speziallager Nr. 7/Nr. 1 in Weesow und Sachsenhausen 1945-1950, Berlin 2010. Peter Erler (Bearb.), Totenbuch. Sowjetisches Speziallager Nr. 3 und Haftarbeitslager Berlin-Hohenschönhausen 1945-1949, Berlin 2014. Andreas Weigelt (Bearb.), Totenbuch Sowjetisches Speziallager Nr. 5 Ketschendorf 1945-1947, Berlin 2014.
33.
Andreas Weigelt u. a. (Hg.), Todesurteile sowjetischer Militärtribunale gegen Deutsche (1944-1947). Eine historisch-biographische Studie, Göttingen u. a. 2015. Hilger, Gulag (Anm. 25).
34.
Arsenij B. Roginskij u. a. (Hg.), „Erschossen in Moskau …“ Die deutschen Opfer des Stalinismus auf dem Moskauer Friedhof Donskoje 1950-1953, Berlin 2008. Hilger, Gulag (Anm. 25).
35.
Aleksandr I. Kokurin und Nikita V. Petrov, Lubjanka. VČK-OGPU-NKVD-NKGB-MGB-MVD-KGB 1917-1960. Spravočnik. Moskva 1997, S. 35-37. Nikita V. Petrov und K. V. Skorkin (Sost.): Kto rukovodil NKVD 1934-1941. Spravočnik. Moskva 1999, S. 22-25. Petrov, Apparate (Anm. 19), S. 147. Foitzik und Petrow, Geheimdienste (Anm. 14), S. 22.
36.
Bodo Ritscher, Zur Herausbildung und Organisation des Systems von Speziallagern des NKVD der UdSSR in der sowjetischen Besatzungszone Deutschlands im Jahre 1945. Dokumentation. In: Deutschland Archiv 26 (1993) 6, S. 723-735, hier S. 724 f.
37.
UdSSR-Innenkommissariat-Speziallagerabteilungsleiter, Oberst Michail E. Sviridov, Bericht, Mai 1946, über die Okkupationstruppen-Verfügung Nr.1983/III, 26.4.1946, in: GARF, f. R-9409, op. 1, d. 278, l. 47. Ders., Bericht, 3.6.1946, in: ebd., l. 41.
38.
Zur Maskierung der Operativgruppen des UdSSR-Innenkommissariats „als Organe der Militäradministration“ ab Juni 1945 vgl. Petrov, Apparate (Anm. 19), S. 146. Plato, Geschichte (Anm. 10), S. 33. Foitzik und Petrow, Geheimdienste (Anm. 14), S. 19 f.
39.
Holm Kirsten, Das sowjetische Speziallager Nr. 4 Landsberg/Warthe, Göttingen 2005, S. 11.
40.
Mironenko u. a., Speziallager (Anm. 2).
41.
Heinert, Auslieferungsobjekt (Anm. 18), S. 57 f., 64-67, 71-73.
42.
Petra Haustein u. a. (Hg.), Instrumentalisierung, Verdrängung, Aufarbeitung. Die sowjetischen Speziallager in der gesellschaftlichen Wahrnehmung 1945 bis heute, Göttingen 2006.
43.
Anne Kaminsky (Hg.), Orte des Erinnerns. Gedenkzeichen, Gedenkstätten und Museen zur Diktatur in SBZ und DDR, Berlin 2007 (2016³).
44.
Ulrich Herbert, Das „Jahrhundert der Lager“. Ursachen, Erscheinungsformen, Auswirkungen, in: Peter Reif-Spirek und Bodo Ritscher (Hg.), Speziallager in der SBZ. Gedenkstätten mit „doppelter Vergangenheit“, Berlin 1999, S. 11-27. Jörg Osterloh, Deutsche und sowjetische Kriegsgefangenenlager im Zweiten Weltkrieg, in: ebd., S. 81-99.
45.
Renate Knigge-Tesche, Peter Reif-Spirek und Bodo Ritscher (Hg.), Internierungspraxis in Ost- und Westdeutschland nach 1945, Erfurt 1993. Lutz Niethammer, Alliierte Internierungslager in Deutschland nach 1945. Ein Vergleich und offene Fragen, in: Mironenko u. a., Speziallager (Anm. 2), Bd. 1, S. 97-116.
46.
Müller, Mörder (Anm. 24), S. 33.
47.
Niethammer, Internierungslager (Anm. 45), S. 112-116.
48.
Karl Wilhelm Fricke, Stalins Archipel GULag in Deutschland, in: Deutschland Archiv 25 (1992), S. 873 ff. Jörg Morré, Gulag auf deutschem Boden? Sowjetische Speziallager in der SBZ/DDR, in: Julia Landau und Irina Scherbakowa (Hg.), Gulag – Texte und Dokumente 1929-1956, Göttingen 2014, S. 156-169.
49.
Bernd Bonwetsch, Der GULAG – das Vorbild für die Speziallager in der SBZ, in: Reif-Spirek und Ritscher, Speziallager (Anm. 44), S. 62-80, hier S. 79 f.
50.
Nikita G. Ochotin und Arsenij B. Roginskij (Red.), Sistema ispravitel’no-trudovych lagerej v SSSR 1923-1960. Spravočnik, Moskva 1998. Anne Applebaum, Gulag. A History, New York u. a. 2003. Jurij N. Afanas’ev u. a. (Red.), Istorija stalinskogo GULAGa. Konec 1920-ch – pervaja polovina 1950-ch godov. Sobranie dokumentov v semi tomach, Moskva 2004-2005.
51.
Reinhard Nachtigall, Kriegsgefangenschaft an der Ostfront 1914 bis 1918. Literaturbericht zu einem neuen Forschungsfeld, Frankfurt am Main 2004. Georg Wurzer, Die Kriegsgefangenen der Mittelmächte in Rußland im Ersten Weltkrieg, Göttingen 2005. Hannes Leidinger und Verena Moritz, Gefangenschaft, Revolution, Heimkehr. Die Bedeutung der Kriegsgefangenenproblematik für die Geschichte des Kommunismus in Mittel- und Osteuropa 1917-1920, Wien 2003.
52.
Eženedel’nik Črezvyčajnych Komissij po bor’be s kontrrevoljuciej i spekuljaciej, No. 1-6, 1918. Yuri Felshtinsky (Ed.), The Red Terror during the Civil War. Documents of the Special Commission of Inquiry appointed by Gen. A. I. Denikin to investigate the Bolshevik Crimes, London 1992.
53.
Alexander Heinert, Weltanschauliche Wurzeln der bolschewistischen Revolutionsgewalt, in: Ost-West Perspektiven. Bd. 2, Bochum 2003, S. 121-133. Ders., Bolschewistische Machtergreifung und Prädisposition für Terrorismus, in: Anne Hartmann und Frank Hoffmann (Hg.), Kultur – Macht – Gesellschaft, Münster u. a. 2003, S. 133-157.
54.
P. P. Fedorenko, Revoljucionnye tribunaly Smolenskoj gubernii kak organy političeskich repressij (1918-1922 gody), in: E. V. Kodin (Red.), Istorija stalinizma. Repressirovannaja rossijskaja provincija. Materialy meždunarodnoj naučnoj konferencii, Smolensk, 9-11 oktjabrja 2009 g., Moskva 2011, S. 134-142. Felshtinsky, Red Terror (Anm. 52).
55.
Jacques Povolozky et al. (Éd.), Tché-Ka. Matériaux et documents sur la terreur bolcheviste recueillis par le bureau central du Parti socialiste révolutionnaire russe. Traduit du russe par E. Pierremont, Paris 1922. Eženedel’nik Črezvyčajnych Komissij (Anm. 52). Felshtinsky, Red Terror (Anm. 52).
56.
Widersprüchlich bezüglich diverser, kaum erforschter Haftlager sind oft zitierte Autoren wie Ralf Stettner, „Archipel GULag“. Stalins Zwangslager – Terrorinstrument und Wirtschaftsgigant. Entstehung, Organisation und Funktion des sowjetischen Lagersystems 1928-1956, Paderborn u. a. 1996. Majkel Džekobson und Michail B. Smirnov, Sistema mest zaključenija v RSFSR i SSSR 1917-1930, in: Ochotin und Roginskij, Sistema (Anm. 50), S. 10-24. Nicolas Werth, Ein kurzer historischer Abriss über den Gulag, in: Volkhard Knigge und Irina Scherbakowa (Hg.), GULAG. Spuren und Zeugnisse 1929-1956, Göttingen 2012, S. 110-123.
57.
„[D]as erste sowjetische `Lager zur speziellen Verwendung´“ wurde 1920 gegründet, so Nikolaj A. Beljaev u. a. (Red.), Ispravitel’no-trudovoe pravo, Moskva 1971, S. 132 f. Jurij A. Brodskij (Sost.), Solovki. Dvadcat’ let Osobogo Naznačenija, Moskva 2002, S. 13, 38 f.
58.
Diese Missdeutung verbreiten Landau und Scherbakowa, Gulag (Anm. 48), S. 4 u. 214.
59.
Dazu herrscht Wirrnis, etwa in Džekobson und Smirnov, Sistema (Anm. 56), S. 22 Anm. 67.
60.
Natal’ja Lebedeva, Katyn. Prestuplenie protiv čelovečestva, Moskva 1996. Aleksej E. Gur’janov (Red.), Repressii protiv poljakov i pol’skich graždan, Moskva 1997.
61.
Anna Kaminsky (Hg.), Erinnerungsorte für die Opfer von Katyn, Berlin 2013.
62.
Iosif V. Stalin, Rundfunkrede an die Bevölkerung der UdSSR, in: Pravda, 3.7.1941. Josef W. Stalin, Über den Großen Vaterländischen Krieg der Sowjetunion, Moskau 1952, S. 10.
63.
Andreas Hilger, Nikita Petrov und Günther Wagenlehner, Der „Ukaz 43“. Entstehung und Problematik des Dekrets des Präsidiums des Obersten Sowjets, 19. April 1943, in: Andreas Hilger, Ute Schmidt und Günther Wagenlehner (Hg.), Sowjetische Militärtribunale. Bd. 1. Die Verurteilung deutscher Kriegsgefangener 1941-1953, Köln u. a. 2001, S. 177-210.
64.
Es gab zum Beispiel ein Spezielles Lager für „volksdeutsche“ UdSSR-Staatsbürger, so Ochotin und Roginskij, Sistema (Anm. 50), S. 509 f. Wladimir P. Naumov und L. E. Reschin, Repressionen gegen sowjetische Kriegsgefangene und zivile Repatrianten in der UdSSR 1941-1956, in: Klaus-Dieter Müller, Konstantin Nikischkin und Günther Wagenlehner (Hg.), Die Tragödie der Gefangenschaft in Deutschland und der Sowjetunion 1941-1956, Köln u. a. 1998, S. 335-364.
65.
Katorgalager war abgeleitet von katorga, einer ursprünglich zaristischen Galeerenstrafe bzw. Haftstrafe mit Verbannung und bei schwerster Zwangsarbeit sowie manchmal in Ketten. Vgl. Katorga, in: Novyj ėnciklopedičeskij slovar’. Tom 21, Petrograd 1911, S. 291-294. Alexander Solschenizyn, Der Archipel Gulag 1918-1956. 3 Bände, hier Schlussband: Die Katorga kommt wieder, Bern u. a. 1976.
66.
Regimelager waren Hochsicherungsanstalten mit strengster Haftordnung.
67.
S. V. Krivenko, Glavnoe upravlenie lagerej OGPU – NKVD – MVD, in: Ochotin und Roginskij, Sistema (Anm. 50), S. 103-106, hier S. 104. Michail B. Smirnov, S. G. Sigačev und D. V. Škapov: Sistema mest zaključenija v SSSR 1929-1960, in: ebd., S. 25-74, hier S. 71 Anm. 167, 171. Andreas Hilger, Die sowjetischen Straflager für verurteilte deutsche Kriegsgefangene. Wege in eine terra incognita der Kriegsgefangenengeschichte, in: Hilger u. a., Militärtribunale, Bd. 1 (Anm. 63), S. 93-142.
68.
UdSSR-Innenkommissar Lavrentij P. Berija, Schreiben an Iosif V. Stalin, 17.4.1945, in: RGANI, f. 89, per. 75, d. 5, l. 1-3. Übersetzung in: Mironenko u. a., Speziallager (Anm. 2), Bd. 2, S. 175-177. Bei Abzug der 62.000 Fronthäftlinge und 5.000 Toten von insgesamt 138.200 Reichs- oder Volksdeutschen mussten mindestens 71.200 Deutsche unter den 148.540 Deportierten gewesen sein. Zu diesen und anderen Repressionen vgl. Kozlov, Vladimir A.: Die Operationen des NKVD in Deutschland während des Vormarsches der Roten Armee (Januar bis April 1945), in: Mironenko u. a., Speziallager (Anm. 2), Bd. 1, S. 132-142. Plato, Geschichte (Anm. 10), S. 21-26, 50-53. Possekel, Einleitung (Anm. 9), S. 42-49.
69.
Theodor Schieder u. a. (Bearb.), Dokumentation der Vertreibung der Deutschen aus Ost-Mitteleuropa. 5 Bände, 3 Beihefte, Register/Ortsregister. Bonn 1953-1963 (München 2004). Ivan I. Čuchin (Sost.), Internirovannaja junost‘. Istorija 517-go lagerja internirovannych nemok NKVD SSSR, Moskva u. a. 1995. Barbara Supp, Die Zeit der Gespenster. Über die vergessenen Toten des sowjetischen Straflagers Tost in Schlesien, in: Der Spiegel, Nr. 50, 1996, S. 48 ff. Kirsten, Speziallager (Anm. 39). Viele Haftstätten sind nur durch Ortsnamen überliefert.
70.
UdSSR-Innenkommissar-Stellvertreter Vasilij V. Černyšov, Anlage 1 zum Befehl Nr. 00461, 10.5.1945, in: GARF, f. R-9401, op. 1a, d. 178, l. 21 (mit einigen Fehlern bei Ortsnamen). Vgl. Übersetzungen in: Mironenko u. a., Speziallager (Anm. 2), Bd. 2, S. 191 f. Plato, Geschichte (Anm. 10), S. 28 (mit falscher Archivsignatur). Foitzik und Petrow, Geheimdienste (Anm. 14), S. 205 f.
71.
UdSSR-Verteidigungskommissariat-Smerš-Chefstellvertreter, Generalmajor Aleksej M. Sidnev, Schreiben an UdSSR-Innenkommissariat, Generalleutnant Aleksandr A. Vurgaft, Juni 1945: GARF, f. R-9409, op. 1, d. 1, l. 12. In Thüringen fehlten Spezielle und Kriegsgefangenenlager. Das Lager Buchenwald war am 1.9.1945 noch leer.
72.
UdSSR-Innenkommissar Lavrentij P. Berija, Befehl Nr. 00780, 4.7.1945, in: ebd., f. R-9401, op. 1a, d. 178, l. 10-12. Berija schlug am 22.6.1945 zunächst nur die Reorganisation der Apparate vor: ebd., op. 2, d. 97, l. 8-10. Übersetzungen in: Mironenko u. a., Speziallager (Anm. 2), Bd. 2, S. 201-203 und 196-198.
73.
Potsdamer Beschlüsse, Teil III A (5) Deutschland 1945, S. 13, Zitat in: Plato, Geschichte (Anm. 10), S. 30.
74.
Dokumentacija Berlinskoj Konferencii pravitelej SSSR, SŠA i Velikobritanii. Čast’ III: O voennych prestupnikov, in: Pravda, 3.8.1945 (Übersetzung: Heinert).
75.
UNO-Charta, 26.6.1945 (Fassung 20.12.1971), in: Peter J. Opitz und Volker Rittberger (Hg.), Forum der Welt. 40 Jahre Vereinte Nationen, München 1986, S. 318-334.
76.
Michail I. Semirjaga, Kak my upravljali Germaniej. Politika i žizn‘, Moskva 1995. Konstantin I. Koval’, Poslednij svidetel’. „Germanskaja karta“ v cholodnoj vojne, Moskva 1997.
77.
Alexander Heinert, Bolschewistische Spezialhaft: ein Importprodukt für die SBZ 1945-1950, in: Ost-West Perspektiven (Anm. 53), S. 221-224, hier S. 221 f. Fn. 1. Ders., Auslieferungsobjekt (Anm. 18), S. 51 mit Fn. 11.
78.
Eženedel’nik Črezvyčajnych Komissij (Anm. 52). Povolozky et al., Tché-Ka (Anm. 55). Felshtinsky, Red Terror (Anm. 52).
79.
Zu foltern erlaubten das Zentralkomitee der Bolschewiken 1937 und ihr Generalsekretär Iosif V. Stalin, Chiffre-Telegramm an alle Sekretäre der Bolschewiken und alle Innenkommissare der UdSSR-Territorien, 20.1.1939, in: Musej i obščestvennyj centr „Mir, progress, prava čeloveka“ imeni Andrea Sacharova.
80.
Müller, Mörder (Anm. 24), S. 36-45. Niederhut, Untersuchungsgefängnis (Anm. 24), S. 64-71. Lipinsky, Straße (Anm. 24), S. 48-57.
81.
Die Metapher soziale Prophylaxe symbolisiert, dass gewisse Personen(gruppen) quasi in Quarantäne von der übrigen Gesellschaft isoliert festgehalten waren, um jeglichen (politisch, militärisch, sozioökonomisch, kulturell o. a.) schädlichen Einfluss zu verhindern. Vgl. Achim Kilian, Stalins Prophylaxe. Maßnahmen der sowjetischen Sicherheitsorgane im besetzten Deutschland, in: Deutschland Archiv 30 (1997) 4, S. 531-564.
82.
In der UdSSR entstanden 12 Besondere Lager. Vgl. Ochotin und Roginskij, Sistema (Anm. 50), S. 166-168, 204 f., 210 f., 217-219, 282 f., 315 f., 324 f., 343-345, 352-354, 367 f., 403 f. Nikolaj A. Morozov, Osobye lagerja MVD SSSR v Komi ASSR (1948-1954 gody), Syktyvkar 1998.
83.
Viele Häftlinge wurden in den Lagerkomplex der Autonomen Sozialistischen Räterepublik Komi deportiert. Vgl. Sigurd Binski (Bearb.), Zwischen Waldheim und Workuta. Erlebnisse politischer Häftlinge 1945-1965. Mit einer Einleitung von Karl Wilhelm Fricke, Bonn 1967 (Berlin 1994).
84.
Zwischen den Haftverwaltungen zirkulierte allerlei Personal. Vgl. Nikita V. Petrov, Die sowjetischen Geheimdienstmitarbeiter in Deutschland. Der leitende Personalbestand der Staatssicherheitsorgane der UdSSR in der Sowjetischen Besatzungszone Deutschlands und der DDR von 1945-1954. Biografisches Nachschlagewerk. Aus dem Russischen übersetzt von Vera Ammer, Berlin 2010.
85.
Roginskij u. a., Erschossen in Moskau (Anm. 34). Andreas Hilger, Faustpfand im Kalten Krieg? Die Massenverurteilungen deutscher Kriegsgefangener 1949/50 und die Repatriierung Verurteilter 1950 bis 1956, in: Hilger u. a., Militärtribunale, Bd. 1 (Anm. 63), S. 211-272.
86.
Bohse, Übergang (Anm. 4), S. 29 f. Erler, MGB (Anm. 4), S. 36-56. Ders., Tjurma (Anm. 4), S. 112-122.
87.
Fein u. a., Potsdam (Anm. 7). Reich und Schultz, Untersuchungsgefängnis (Anm. 7).

Deutschland Archiv

Illustration, die Kathrin und Ereignisse rund um den Mauerfall 1989 zeigt.
Messenger-Projekt

Der Mauerfall und ich

Es ist Leipzig im Spätsommer des Jahres 1989. Die Studentin Kathrin und ihre Freundinnen und Freunde erleben eine Zeit des Umbruchs in der DDR. Im November fällt die Mauer und damit die Grenze, die Deutschland und die Deutschen viele Jahrzehnte trennte. Über ihre Erlebnisse hat Kathrin von August bis November 2019 im bpb-Messengerprojekt "Der Mauerfall und ich" berichtet.

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Die Mauer. 1961 bis 2021

Bildmontagen und eine VR-Animation

Anlässlich des 60. Jahrestags des Mauerbaus erinnert das Deutschland Archiv der Bundeszentrale für politische Bildung/bpb mit 46 Bildmontagen und einer Virtual-Reality-Animation an das Bauwerk, das die Stadt über 28 Jahre lang teilte.

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60 Jahre Mauerbau

Die Berliner Mauer trennte mehr als 28 Jahre lang Ost und West. Sie ist zum Symbol der konfliktreich verkanteten Nachkriegsordnung der Alliierten geworden. Zwischen 1961 und 1989 wurden mindestens 140 Menschen an der Berliner Mauer getötet oder kamen in unmittelbarem Zusammenhang mit dem DDR-Grenzregime ums Leben. Darüber hinaus verstarben mindestens 251 Reisende aus Ost und West vor, während oder nach Kontrollen an Berliner Grenzübergängen. In diesen Angaben nicht erfasst ist die unbekannte Anzahl von Menschen, die aus Kummer und Verzweiflung über die Auswirkungen des Mauerbaus auf ihre individuellen Lebensverhältnisse starben.


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NEU: "(Ost)Deutschlands Weg 1989-2021". 80 Studien zur Lage des Landes

Ein Mosaik der (ost)deutschen Transformationsgeschichte von 1989/90 bis in die Gegenwart. Mit Texten von Ilko-Sascha Kowalczuk, Krisztina Slachta, Jens Reich, Marianne Birthler, Hans Modrow, Steffen Mau, Antonie Rietzschel, Andreas Zick, Esther Dischereit, Bernd Wagner, Naika Foroutan, Raj Kollmorgen und 70 weiteren AutorInnen. Der Doppelband mit 1.350 Seiten und zahlreichen Fotos kostet 7 Euro im Angebot der bpb.

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Videoreportagen

Vom Einläuten der Friedlichen Revolution

Rund um den 7. Oktober 1989 herrschte Ausnahmezustand in mehreren Städten der DDR. Polizei und Stasi gingen gewaltsam gegen Demonstranten vor, die friedlich für Reformen eintraten. Ein filmischer Überblick.

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Chronik der Mauer

Es erwartet Sie eine Fülle von multimedial aufbereiteten Informationen über Mauerbau und Mauerfall - und über die Opfer der Grenze.

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30 Jahre Mauerfall

Die Berliner Mauer war über 28 Jahre das Symbol der deutschen Teilung und des Kalten Krieges. Am 9. November 1989 reagierte die DDR-Regierung mit Reiseerleichterungen auf den Ausreisestrom und monatelange Massenproteste – die Mauer war geöffnet. Wir präsentieren ausgewählte Angebote zur Geschichte der Mauer und des Mauerfalls.

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Ausgebombt! Eine Zeitreise ins kriegszerstörte Berlin

31 Bildmontagen des Berliner Fotografen und Designers, Alexander Kupsch, aus historischen Fotos vom zerstörten Berlin und Aufnahmen aus dem Jahr 2015, zeigen, dass bei Kriegsende im Mai 1945 in der Stadt kaum ein Stein mehr auf dem anderen stand. Die Bildmontagen rücken die zerstörerische Kraft des Krieges erneut ins Bewusstsein, indem sie die Ruinen und Schuttberge aus dem Mai 1945 ins Berlin von heute übertragen.

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Dossier

Stasi

Alles wissen, alles kontrollieren, Menschen manipulieren. Aus der Arbeitsweise der DDR-Geheimpolizei "Stasi" ist auch viel zu lernen über die Mechanismen von Diktaturen der Gegenwart. In der DDR überwanden couragierte Bürgerinnen und Bürger allerdings 1989 ihre Angst vor der "Staatssicherheit". Vor 30 Jahren wurde sie gänzlich entmachtet.

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Online-Angebot der bpb und der Robert-Havemann-Gesellschaft

jugendopposition.de

Wie haben junge Menschen in der DDR mit Mut und Musik gegen Stasi und SED-Diktatur gekämpft? Zeitzeugen berichten. Mit zahlreichen Texten, Videos, Audios, Fotos und Dokumenten.

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Online-Archiv

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Fast 7.000 private Filme und Fotos aus der Umbruchzeit 1989/90 sowie über 100 begleitende Erinnerungstexte. Dazu ost- und westdeutsche Medienberichte. Die persönlichen Erfahrungen der Fotografen und Filmemacher bieten zusammen mit der öffentlichen Berichterstattung vielfältige Blicke auf die historischen Ereignisse und deren Auswirkungen auf den Alltag in Ost und West.

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Wird die DDR-Diktatur verharmlost? Und warum begann die intensive Auseinandersetzung mit der NS-Vergangenheit erst so spät? Die Deutung von Geschichte ist oft umstritten - und nicht selten ein Politikum.

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13. August 1961: In den frühen Morgenstunden beginnt der Bau der Mauer, die Deutsche Teilung wird zementiert. Am Abend des 9. November 1989 kommt es zum Mauerfall. Bald 30 Jahre danach ist Deutschland in vielem noch immer ein Land mit zwei Gesellschaften.

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Zu dem Thema "Children of Transition, Children of War, the Generation of Transformation from a European Perspective" diskutierten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler auf der Deutschlandforschertagung 2016 vom 3. bis 5. November 2016 in der Universität Wien. Die Tagungsdokumentation gibt Einblick in die Themen und Ergebnisse.

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Gedenkstätten, Museen, Dokumentationszentren, Mahnmale, Online-Angebote - zahlreiche Einrichtungen und Initiativen erinnern an die Opfer des Nationalsozialismus, bieten Bildungsangebote zur Geschichte des Nationalsozialismus und engagieren sich für Überlebende und Jugendbegegnungen. Wo Sie welche Erinnerungsorte mit welchem pädagogischen Angebot finden, erfahren Sie in der Datenbank.

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Der Tag in der Geschichte

  • 19. Oktober 1949
    Die Industriespitzenfachverbände gründen in Köln den Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) als Dachorganisation. Er vertritt die Interessen der deutschen Industrie im In- und Ausland. Die am 28. 1. 1949 gegründete Bundesvereinigung der Deutschen... Weiter
  • 19. - 23. Okt. 1954
    Nach dem Scheitern der EVG (30./31. 8. 1954) wird auf den vier Pariser Konferenzen beschlossen, die BRD in die Westeuropäische Union (WEU) und NATO aufzunehmen und das Besatzungsregime gemäß dem revidierten Deutschlandvertrag zu beenden. (19. - 23. 10.... Weiter
  • 19. - 23. Okt. 1954
    Auf vier Pariser Konferenzen werden - wie in London beschlossen - die Beziehungen zwischen den Staaten der »westlichen Gemeinschaft« vertraglich neu geregelt. Hauptergebnisse der Pariser Verträge: 1. Die Viermächtekonferenz (drei Westmächte und die BRD) fasst... Weiter
  • 19. - 20. Okt. 1972
    Die Staats-und Regierungschefs der neun künftigen EG-Staaten vereinbaren auf ihrem Gipfel in Paris, die wirtschaftliche Integration zu vertiefen und eine europäische Union zu bilden. Weiter
  • 19. Oktober 1982
    Das Bundesverfassungsgericht erklärt das Staatshaftungsgesetz für verfassungswidrig, da die Gesetzgebungskompetenz im Wesentlichen den Ländern obliege. Der Bundesrat hatte am 13. 3. 1981 dem gegen die Stimmen der CDU/CSU verabschiedeten Gesetz vom 26. 6. 1981... Weiter

Messenger-Projekt

Der Mauerfall und ich

Es ist Leipzig im Spätsommer des Jahres 1989. Die Studentin Kathrin und ihre Freundinnen und Freunde erleben eine Zeit des Umbruchs in der DDR. Im November fällt die Mauer und damit die Grenze, die Deutschland und die Deutschen viele Jahrzehnte trennte. Über ihre Erlebnisse hat Kathrin von August bis November 2019 im bpb-Messengerprojekt "Der Mauerfall und ich" berichtet.

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