Beleuchteter Reichstag
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11.7.2011 | Von:
Kai Reinhart

"Unerkannt durch Freundesland"

DDR-Alpinismus und Transitreisen jenseits staatlicher Strukturen

DDR-Bergsteigern blieben nicht nur die Alpen, sondern auch die Hochgebirge der befreundeten Sowjetunion verschlossen. Mit viel Einsatz, Mut und Schlitzohrigkeit schafften es dennoch einige Bergsteiger, alle Hemmnisse und Grenzen zu überwinden und ihren Traum von Gipfeln und Freiheit zu verwirklichen.

"Fernweh, Bergsehnsucht"


Die höchste Erhebung der DDR war mit 1.214 Metern der Fichtelberg im Erzgebirge, sodass Ostdeutschland nicht unbedingt ein Eldorado für Bergsteiger darstellte. In Sachsen verfügte das Bergsteigen trotzdem über eine lange Tradition. Angeregt von den Felstürmen des Elbsandsteingebirges begann sich hier schon in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts eine eigene Kultur des Kletterns und Bergsteigens zu entwickeln, und in den 1930er-Jahren gab es in Dresden ca. 300 touristische Vereinigungen mit etwa 30.000 Mitgliedern. Bekannte sächsische Bergsteiger, wie Oscar Schuster oder Fritz Wiessner, beeinflussten das Bergsteigen in vielen Gebirgen der Welt.

Nach dem Zweiten Weltkrieg verschlechterten sich die Bedingungen für touristische Unternehmungen aus ideologischen, politischen, finanziellen und materiellen Gründen dramatisch. Der Präsident des Deutschen Verbandes für Wandern, Bergsteigen und Orientierungslauf (DWBO), Rolf Schille, stellte 1977 klar: "Es wird [...] in unserem Lande stets nur einem relativ kleinen Kreis befähigter und ausgewählter Bergsteiger möglich sein, [...] ihr Fernweh, ihre Bergsehnsucht zu stillen."[1] Dazu gehörte insbesondere die Nationalmannschaft Alpinistik.

Die Nationalmannschaft Alpinistik


Mit Beginn des Kalten Krieges hatte die Sowjetunion begonnen, die staatliche Sportförderung auf international prestigeträchtige Disziplinen zu konzentrieren. Auch im Bergsteigen wiesen die Zeichen in Richtung Leistungssport. Es wurden prestigeträchtige Gipfelexpeditionen unternommen, und 1949 gehörte die Sowjetunion zu den ersten Staaten, in denen nationale Meisterschaften im Sportklettern ausgerichtet wurden. Auch die DDR schloss sich – im Rahmen ihrer Möglichkeiten – diesem Trend an. 1958 entschloss sich der Deutsche Wanderer- und Bergsteigerverband (DWBV, ab 1970 DWBO), zehn bis zwölf Bergsteiger bei der SG Dynamo Dresden zu konzentrieren, um diesen optimale Trainingsbedingungen zu ermöglichen.[2] Außerdem sollte ein hauptamtlicher Trainer angestellt werden, dessen Aufgabe insbesondere die Vorbereitung der Bergsteiger auf alpine Expeditionen war. Die Erfolge dieser Maßnahmen ließen nicht lange auf sich warten: Bereits im Sommer 1958 konnte die Auswahlmannschaft beide Gipfel des Elbrus besteigen – mit über 5.642 Metern der höchste Berg des Kaukasus.[3]

Trotzdem waren viele Leistungsträger nicht mit der Entwicklung zufrieden. Über zehn Spitzenkletterer, wie Fritz Eske und Herbert Richter, wandten sich daher in einem offenen Beschwerdebrief am 13. Februar 1960 an Walter Ulbricht, in dem sie unter anderem die schlechte Fachzeitschrift und die rückständige Ausrüstung beklagten: "Mit ausschlaggebend dafür ist die ungenügende Zusammensetzung der leitenden Organe im Deutschen Wander- und Bergsteigerverband."[4] Im folgenden Jahr wurde beim SC Einheit Dresden eine eigene "Leistungssektion" Bergsteigen gegründet. Der Trainer, Alfred Barth, setzte sich zum Ziel, eine Nationalmannschaft Alpinistik aufzubauen, "welche die DDR mit international bedeutenden Erfolgen repräsentieren soll."[5] Es wurde geplant, bis 1972 Expeditionen in sämtlichen Hochgebirgen der Welt durchzuführen – ein Ziel, das auch andere sozialistische Staaten verfolgten. Den talentiertesten Bergsteigern wurde eine sogenannte K-Stelle (Klub-Stelle) verschafft, durch die sie bei vollem Lohnausgleich weitgehend von ihrer beruflichen Tätigkeit freigestellt waren und sich ganz dem Klettern widmen konnten. Von den Kaderathleten wurden allerdings nicht nur sportliche Höchstleistungen, sondern auch ein vorbildliches sozialistisches Auftreten in der Öffentlichkeit verlangt. Einen Anlass dazu bot beispielsweise die Einführung der Wehrpflicht 1962, zu der sich die Auswahl-Bergsteiger unter der Überschrift "Für unsere Heimat immer bereit" in der Verbandszeitschrift "Der Tourist" bekennen mussten.[6] Es blieb jedoch stets schwierig, die "zumeist ausgeprägten Individualisten"[7] auf Linie zu halten.

Ein paar Erfolge konnte der DDR-Alpinismus verbuchen: Einige prestigeträchtige Gipfel, zum Beispiel 1967 im Pamir der Pik Lenin (7.134 m) und 1972 der Pik Kommunismus (7.495 m) – der höchste Berg der Sowjetunion –, wurden bestiegen, doch Expeditionen waren teuer und kosteten häufig Devisen, was bei der chronisch angespannten Finanzlage der DDR ein großes Hindernis war. Außerdem waren keine internationalen Medaillen zu gewinnen, sodass der Stellenwert der Nationalmannschaft Alpinistik gering blieb. Beschleunigt wurde ihr Bedeutungsverlust, als am 21. Juli 1967 vier Kader-Bergsteiger an der schweizerischen Eiger-Nordwand in den Tod stürzten. Die Medien hatten im Vorfeld über die Expedition berichtet, denn eine Fahrt in die Alpen war etwas Besonderes, und sahen sich nun in Erklärungsnot. In Dresden gab es ein Staatsbegräbnis, und die Toten wurden zu Helden erklärt.[8] Nachdem die offiziellen Trauerfeiern vorüber waren, wurde es jedoch still um die Nationalmannschaft.

Weitere Unglücke und der Beschluss von SED-Politbüro und Deutschem Turn- und Sportbund (DTSB) vom 19.März 1969, den Leistungssport nur noch in ausgewählten, medaillenintensiven Sportarten zu fördern,[9] besiegelten endgültig ihr Schicksal. Eine Kern-Mannschaft blieb zwar erhalten, doch deren Unterstützung wurde radikal zusammengestrichen. Die ehrgeizigen Ziele des DWBV ließen sich auf dieser Basis nicht verwirklichen, und im internationalen Bergsport spielte die DDR keine nennenswerte Rolle mehr. In der Sowjetunion verlief die Entwicklung ähnlich, und das Bergsteigen wurde zu einem Sport der Intellektuellen und Akademiker.[10] Dies entsprach durchaus einer Tradition des Bergsteigens, das sich schon früh gegen eine Versportlichung und eine Vereinnahmung durch den Staat gewehrt hatte.

Der ideologisch-politische Konflikt


Aus Sicht des sozialistischen Bergautors Kurt B. Richter hatte sich schon im 19. Jahrhundert im Bergsteigen ein "hohler Idealismus und Mystizismus" eingeschlichen: "Seit jener Zeit hat sich ein Bild des Bergsteigers erhalten, das romantisch verbrämt einen Abenteurer zeigt, dem die Berge alles sind und der die reale Welt hinter dem Gebirge ignoriert."[11] Gezielt habe die bürgerliche Klasse die Auffassung verbreitet, in den Bergen gebe es keinen Klassenkampf und Politik habe dort nichts zu suchen. Diese Haltung wurde im DDR-Sport vehement bekämpft. "Dem 'Nur-Sportlertum' wurde die Losung 'Jeder Sportler ein Aktivist' entgegengesetzt."[12] Worauf diese Aktivität der Sportler zielen sollte, zeigte sich im Motto des Sportabzeichens der DDR, das – entsprechend dem sowjetischen Vorbild – "Bereit zur Arbeit und zur Verteidigung der Heimat" lautete. Das Sportabzeichen galt als "Grundnormativ" der Leistungsfähigkeit sozialistischer Persönlichkeiten. Um diesen zu erfüllen und einen Beitrag zur Gestaltung des Sozialismus zu leisten, forderte Walter Ulbricht seit 1968 von "Jedermann an jedem Ort, jede Woche mehrmals Sport."[13] Dabei ging es nicht nur um die physischen, sondern auch um die psychischen Merkmale der "sozialistischen Persönlichkeit". Durch eine enge Verbindung von Sport und kommunistischer Erziehung könne das Denken und Handeln der Sportler auf die Ziele der SED gelenkt und Organisiertheit, Bewusstheit und Disziplin herausgebildet werden, die "dem Kampf um die Verwirklichung dieser Ziele auch gegen Widerstände und Feinde des Sozialismus Stabilität verleihen", so der Leipziger Sportpsychologe Paul Kunath.[14]

Jahreserste im Gipfelbuch Kampfturm, 24.5.1947.Jahreserste im Gipfelbuch Kampfturm, 24.5.1947. (© Sächsischer Bergsteigerbund)
Ganz in diesem Sinne verfolge auch der DDR-Tourist das "Ziel, seine Heimat kennen und lieben zu lernen [...] und sich für die Lösung gesellschaftlicher Aufgaben im Interesse des Fortschrittes gesund, kräftig und verteidigungsbereit zu halten", schrieb der Präsident der Sektion Touristik der DDR, Heinz Schlosser, im Jahre 1955.[15] In Wirklichkeit sahen die Motive der meisten Bergsteiger ganz anders aus. Durch ihre Erfahrungen mit dem "Dritten Reich" und den neuen kommunistischen Machthabern hatte sich nach dem Zweiten Weltkrieg ihr Misstrauen gegenüber Staat und Politik noch verstärkt: "Nein, den Fehler, an derlei gewalttätige Verbesserungsideologie zu glauben, wollten wir so schnell nicht mehr begehen", so Dietrich Hasse.[16] Im Gegensatz zum argwöhnisch betrachteten Staat erschienen Natur und Freundschaft groß und echt. Karlheinz Gonda, einer der führenden Kletterer dieser Jahre, dichtete über "Bergfreunde":

Jahreserste im Gipfelbuch Fensterturm, 22.1.1977.Jahreserste im Gipfelbuch Fensterturm, 22.1.1977. (© Sächsischer Bergsteigerbund)
"Wenn zwei zusammen streben / in der Berge freier Natur, / folgen durchs ganze Leben / verbunden der Freiheit Spur. // Bergfreunde sind sie dann, / zwei verbunden wie einer, / und stürmen gegen die Welten an. / Auseinander bringt sie keiner."[17]

Statt sich durch Bergsport "Bereit zur Arbeit und zur Verteidigung der Heimat" zu machen, konnte die Begeisterung für das Bergsteigen dazu führen, dass das Arbeitsleben zweitrangig wurde: "Wir waren eigentlich vorwiegend welche, die dann in kirchlichen Einrichtungen gearbeitet haben, weil dort wurde man halt auch in Ruhe gelassen. [...] man hatte seine Ruhe, und den Rest hat man in der Sächsischen Schweiz gelebt", so ein Zeitzeuge.[18]

Viele formale Anpassungen an den DDR-Sport, etwa im Bereich der Organisationsstrukturen, bedeuteten lediglich ein DDR-typisches "So tun als ob".[19] Letztlich ließen sich die Bergsteiger nicht umerziehen, wie unter anderem zahlreiche kritische Eintragungen in die Gipfelbücher der Sächsischen Schweiz deutlich machten:

"Mag sich die Menschheit auch in Tyrannenklauen winden / wir werden von den Bergen der Freiheit Recht verkünden!"[20]

"Es gibt vielerlei Grenzen für den Menschen / Gedachte / und / Bewachte!" [drei unleserliche Unterschriften].[21]
"Oh' Alpenland, wie bist Du schön, / wir können dich leider nur als Rentner sehen. / [...] / Die Welt ist schön, so groß und weit, / nur wer sie kennt, der hat viel Freud. / Diese Freude ist hier rar. / Wir sitzen fest in GDR".[22]

Insbesondere in den 1980er-Jahren nutzten viele junge Bergsteiger das Klettern in der Sächsischen Schweiz, um sich innerlich aus dem Arbeiter-und-Bauern-Staat zu verabschieden, wie sich ein Zeitzeuge erinnerte: "Du hast halt wirklich mit einer Rotte von Leuten abends am Feuer gehockt, irgendwo unter so einem riesigen Felsüberhang und warst halt fernab von allem. Also einfach dieses anders sein und nicht in dieser Norm drin, das war für viele ein ganz ernsthafter Gedanke."[23]

Die Reisebestimmungen für DDR-Bürger


In den 1940er- und 50er-Jahren konnten sich viele Bergsteiger ihren Traum von den Bergen noch durch illegale "Alpenschwarzfahrten" erfüllen,[24] doch mit dem Bau der Berliner Mauer rückten die Alpen in unerreichbare Ferne. Um nicht unnötige Sehnsüchte zu wecken, wurden sie in den Medien zu einem Tabu, wie sich der Sportjournalist Horst Mempel erinnerte: "Von den Alpen wurde nicht geredet. Die gab es eigentlich nicht."[25] So wandten die Alpinisten ihren Blick notgedrungen Richtung Osten. In der Sowjetunion lagen gewaltige Gebirge, deren Gipfel teilweise über 7.000 Meter hoch sind. Doch nicht nur gegenüber dem "Nichtsozialistischen Ausland" (NSA), auch innerhalb des Ostblocks waren die Reisemöglichkeiten stark eingeschränkt. Theoretisch bestand zwar die Möglichkeit, sich einer organisierten Reise anzuschließen, die das Reisebüro der DDR und der FDJ-Reiseveranstalter Jugendtourist anboten, doch das Angebot war so gering, dass nur sehr wenige, ausgewählte Bergsteiger in deren Genuss kamen. Wer einen Platz ergattern konnte – wozu häufig gute Beziehungen nötig waren –, musste sich an einen genau bestimmten Verhaltenskodex halten: "Es wurde von mir erwartet, durch Erfüllung der hohen sportlichen Zielsetzung und durch parteiliches Auftreten im Sinne der Politik der Partei- und Staatsführung [...] zur Festigung des Ansehens unserer sozialistischen Sportbewegung beizutragen", erinnerte sich Wolfgang Mann.[26]

Bergsteigen auf Einladung

Wer nicht auf eine solche Gelegenheit warten wollte, musste die Organisation seiner Reise selbst in die Hand nehmen und eine Vielzahl bürokratischer Hürden überwinden. Für eine Privatreise in die Sowjetunion benötigten die DDR-Bürger seit 1964 kein Visum mehr, sondern nur noch eine "Reiseanlage für den visafreien Reiseverkehr", die zusammen mit dem "Antrag auf Ausreise aus der Deutschen Demokratischen Republik" und dem Personalausweis – einen Reisepass bekamen DDR-Bürger nur auf besonderen Antrag ausgehändigt – gültig war. Diese Reiseanlage wurde nicht von der UdSSR, sondern von den Volkspolizeikreisämtern der DDR ausgestellt. Voraussetzung dafür war eine von staatlicher Seite bestätigte "formgebundene Einladung" in kyrillischer Schrift.[27] Ohne persönliche Beziehungen ins Ausland war eine solche Einladung kaum zu bekommen. Trotz der propagierten deutsch-sowjetischen Freundschaft herrschte noch in den 1980er-Jahren in der UdSSR eine ständige Furcht vor subversiven Einflüssen.[28] Außerdem mussten die örtlichen Polizeiämter einwilligen, die aber prinzipiell nichts gegen eine Reise in die "Große Ruhmreiche" einwenden konnten, wenn sie den Antragsteller als loyalen DDR-Bürger einstuften.

Zu den Bergsteigern, die insbesondere in den 1960er- und 70er-Jahren regelmäßig Bergfahrten in die Sowjetunion realisierten, gehörte eine Gruppe von Magdeburger Alpinisten um Georg Renner und Christoph Mäder. Renner hatte während seiner Kriegsgefangenschaft im Kaukasus fließend Russisch gelernt und viele Bekannte in der internationalen Bergsteigerszene, wie den jüdisch-deutsch-russischen Arzt Henry Lewenstein, der zahlreiche Expeditionen organisierte und ihn regelmäßig nach Russland einlud. In zweiter Ehe hatte er außerdem eine russische Geologin geheiratet, die beruflich ständig in dem riesigen Land umherreiste und ihn sowie weitere Bergfreunde teilweise mitnehmen konnte.

Mäder nutzte insbesondere seine herausgehobene Stellung als Leiter eines Zweigbetriebs der Halberstädter Fleisch- und Wurstwarenwerke, was ihm in der sozialistischen Mangelwirtschaft einige Möglichkeiten eröffnete. Kleine "Geschenke unter Freunden", Fleischkonserven beispielsweise, konnten bei der Organisation äußerst hilfreich sein. "Wenn man hier alles nach Vorschrift gemacht hätte, wäre man nicht rausgekommen", so Mäder. Trotz aller Beziehungen und Tricks blieb der Erfolg der Vorbereitung stets ungewiss: "Es war immer ein Kampf. Kaum war man zu Hause, schon musste man überlegen, wie klappt die nächste Fahrt."[29]

Hatten die Alpinisten alle bürokratischen Hürden genommen und waren in die UdSSR eingereist, konnten sie dort jedoch nicht beliebig umherreisen. Für den Aufenthalt legte die Abteilung für Visa und Registration des Innenministeriums (OVIR) eine "marschrut" fest, die den Reiseweg vorschrieb. Tadschikistan und Kirgisien waren wegen ihrer Hochgebirge die Hauptziele der Bergsteiger, doch für deren Interesse an diesen militärisch sensiblen Grenzregionen hatte das OVIR kaum Verständnis. Mit der Wahrheit nahmen es die Magdeburger Alpinisten daher nicht so genau: "Wir haben immer gelogen. Wir haben gesagt, also, wir sehen uns da die Sehenswürdigkeiten an, dort und dort, aber in Wirklichkeit sind wir natürlich in die Berge gegangen, und da ist uns keiner hin gefolgt."[30]

Reisen mit dem "Transitvisum"

Bereits in der Reiseregelung von 1964 war auch die Möglichkeit vorgesehen, die UdSSR zu durchqueren, um in ein Drittland zu gelangen. Das dafür benötigte "Transitvisum" konnten die deutschen Polizeistellen auch ohne Einladung ausstellen. Da die Medien nicht über die neue Regelung berichteten, blieb sie den meisten Menschen aber zunächst völlig unbekannt. Die Möglichkeit einer Transitreise wurde breiteren Kreisen vermutlich erst im Zuge der Niederschlagung des Prager Frühlings bewusst, als Balkan-Urlauber, die nicht mehr auf der üblichen Route durch die ČSSR heimkehren konnten, über sowjetisches Territorium zurückgeführt wurden.[31] Im Laufe der Zeit sprach sich dieses Schlupfloch des sozialistischen Grenzverkehrs in der Bergsteiger- und Tramperszene herum. Wer erst einmal die Grenze passiert hatte, wich von der Transitroute ab und blieb statt der erlaubten ein bis zwei Tage illegal mehrere Wochen oder gar Monate im Land. Bei manchen Polizeistellen, etwa in der Bergsteiger-Hochburg Dresden, war der Missbrauch der "Transitvisa" bekannt. Bei anderen Behörden, etwa in Leipzig, wurden die Papiere meist problemlos ausgestellt, weshalb einige Bergsteiger, wie Reinhard Tauchnitz berichtete,[32] dort eigens eine Nebenwohnung beantragten.

Die Erzählungen und Diavorträge der ersten Abenteurer zogen weitere junge Leute an, sodass in den 1970er- und 80er-Jahren unter dem augenzwinkernden Begriff "Unerkannt durch Freundesland" (UdF) eine regelrechte Bewegung entstand. Den UdFlern oder Transitlern ging es nicht mehr um das Bergsteigen allein, wie ein Zeitzeuge herausstellte: "Da gab es eben diese alten Bergsteiger, Bergwanderer, Bergkenner der alten Garde [...], die auch versucht hatten, über russische Freunde Bergsteigereinladungen zu bekommen. Das waren zum Teil sehr seriöse Leute, zum Beispiel Wissenschaftler mit Doktortitel. Und dann gab es eben diese risikobereite, jugendliche Strömung, die [...] Abenteuer, Risiko und Bergsteigen verknüpfte."[33] Diese "Hippies", wie sie der westdeutsche Globetrotter Uli Ulziffer bezeichnete,[34] waren großenteils Studenten, teilweise Hausbesetzer, manchmal Künstler und oft in der kirchlichen und/oder ökologischen Bewegung aktiv. Ihre Suche nach Abenteuern führte zu den erstaunlichsten Unternehmungen.[35] Es entstand ein regelrechter Wettstreit, wer die meisten Kilometer und die exotischsten Ziele schaffte.

Bei ihrer Einreise in die Sowjetunion wurde der Personalausweis mit dem "Transitvisum" stets misstrauisch überprüft. Nach erfolgreich überstandener Kontrolle wurde auf einem Einreisevisum, das bei der Ausreise wieder abgegeben werden musste, vermerkt, wie lange der Besucher im Land bleiben durfte. Bei der Ausreise, die in der Regel nach Rumänien führte, waren daher Schwierigkeiten vorprogrammiert. Über die Konsequenzen des unerlaubt verlängerten Aufenthalts herrschte in der Szene zunächst Ungewissheit, doch die Erfahrungen zeigten, dass die Strafen von russischer Seite nicht über eine Verwarnung, ein Bußgeld zwischen 10 und 100 Rubel (30–300 Mark) oder ein Einreiseverbot für die nächsten Jahre hinausgingen.[36] Letzteres hätte die Transitler empfindlich treffen können, doch es wurde schnell klar, dass die russische Verwaltung nicht willens oder in der Lage war, diese Verbote zu überwachen. In der Heimat waren freilich härtere Konsequenzen, wie berufliche Degradierung, Zwangsexmatrikulation oder Verlust des Personalausweises, möglich, wurden aber in Kauf genommen.[37] Letztlich hatte das Transitreisen nur selten gravierende Folgen. Da die UdFler, wenn auch verspätet, in die DDR zurückkehrten, stellten sie für das Ministerium für Staatssicherheit (MfS) kein zentrales Problem dar – zum Missmut der sowjetischen Stellen.[38]

Unerkannt durch Freundesland

Waren die Transitler innerhalb der Sowjetunion von ihrer vorgegebenen Route abgewichen, mussten sie sich "unerkannt durch Freundesland" bewegen. Dafür war ein möglichst unauffälliges Vorgehen nötig, was sich für Europäer insbesondere in den asiatischen Regionen des riesigen Reiches und ausgestattet mit einer Bergsteigermontur freilich schwierig gestaltete. Schon wenn sie abseits der üblichen Touristenattraktionen Fotos machten, konnten die Transitler das Misstrauen von Einheimischen oder der Polizei wecken. "Einmal habe ich mir am Bahnhof Zähne geputzt, am Brunnen. Kam gleich die Polizei und hat mich mitgenommen", erinnert sich Reinhard Tauchnitz.[39] In einem solchen Falle konnte man auf die Bequemlichkeit der Beamten hoffen. Die Verhaftung von schwer einzuordnenden Fremden ohne korrekte Papiere konnte für sie zu einem lästigen Problem werden. So wunderten sich zwei UdFler, dass ihr "Transitvisum" nach Rumänien in Kasachstan akzeptiert wurde: "Auf den Gedanken, dass die Milizionäre und der Hauptmann vielleicht auch froh waren, uns mit dem erstbesten Zug aus ihrem Zuständigkeitsbereich abzuschieben, kamen wir erst später."[40] War ein Polizist zufällig früher als Soldat in der DDR stationiert gewesen, konnte es auch passieren, dass er sich freute, bei ein paar Gläsern Wodka mit den unerwarteten Besuchern auf "die beste Zeit seines Lebens" anzustoßen und in Erinnerungen schwelgen zu können.[41] Hier zeigten sich ein Humor, eine Flexibilität und Großherzigkeit, die DDR-Beamte häufig vermissen ließen.[42]

Wichtig für einen glimpflichen Ablauf von Kontrollen waren halbwegs glaubwürdige Ausreden. Da konnte aus einer Seilschaft schnell eine "sozialistische Studentenbrigade" werden, die Aufbauhilfe in Taschkent leistete, was mit den (alpinen) "Bauschutzhelmen" bewiesen wurde. Oder das Zelt war von Bären geplündert worden, wobei leider auch die Papiere verloren gegangen waren.[43] Mit zunehmender Erfahrung wurden die UdFler immer gewiefter und nutzten die Schwächen der sowjetischen Bürokratie. In den Weiten Mittelasiens wurden den Kontrolleuren belanglose, aber Autorität heischende Papiere vorgelegt, wie der DDR-Sozialversicherungsausweis, in den Blutspenden, Arztbesuche oder Krankenhausaufenthalte eingestempelt wurden: "Das Ding hatte vorne das DDR-Wappen drauf und sah eher aus wie ein Pass. Und das haben wir in der Regel vorgewiesen – teilweise hatten wir auch eigene Stempel reingemacht – und sagten: 'Hier, das sind alles die Genehmigungen.' Die konnten sowieso das nicht lesen, und das machte immer viel Eindruck."[44] Mit zahlreichen Stempeln versehen, konnten gefälschte Schreiben den Transitlern in der Sowjetunion nahezu einen offiziellen Status verschaffen und somit Tür und Tor öffnen.

Es gab noch frechere Tricks, die sich geradezu als sozialistische Schildbürgerstreiche bezeichnen lassen. So delegierten sich manche UdFler im Namen ihrer Betriebssportgemeinschaft (BSG) selbst dazu, bestimmte Gipfel zu erklimmen und Freundschaftswimpel zu hissen. Die sowjetischen Beamten konnten die Transitler nicht einordnen. Schon dass sich jemand in den Weiten des Landes illegal aufhalten könnte, war für sie kaum vorstellbar. Das individuelle Reisen war für viele im Sozialismus aufgewachsene Polizisten ebenfalls undenkbar: "Dass es Reisende gibt, die nicht mit einer Reisegruppe unterwegs sind, das haben die nicht begriffen, und wir haben dann einfach gesagt, o.k., wir gehen morgen wieder zu unserer Reisegruppe ins Hotel, und für die war damit die Sache erledigt."[45]

Die Illegalität der UdFler hatte auch Konsequenzen für den Komfort des Reisens. Übernachtungen in Hotels oder auf offiziellen Zeltplätzen waren ohne gültige Papiere kaum möglich, ebenso der Kauf von Flug- oder Zugtickets bei der sowjetischen Agentur Intourist, wo Ausländer bevorzugt behandelt wurden. Außerdem wären die Intourist-Tickets für die "Hippies" meist zu teuer gewesen. Die UdFler mussten daher zu den für die einheimische Bevölkerung üblichen Bedingungen reisen, was stunden- und tagelange Wartezeiten sowie Verteilungskämpfe am Schalter mit einschloss. Verhandlungsgeschick und Improvisationskunst waren unbedingte Voraussetzungen einer solchen Fahrt.

In der Nähe der Berge ging es für die Alpinisten häufig nur noch zu Fuß weiter, was wochenlange Anmärsche durch wilde Natur ohne Weg und Steg bedeuten konnte. Um nicht entdeckt zu werden, sahen sich die UdFler teilweise selbst in den Bergen gezwungen, die üblichen Routen zu verlassen und enorme Risiken auf sich zu nehmen. Tauchnitz, Kiesling und König beispielsweise umgingen bei ihrer Besteigung des Elbrus die Schutzhütte Prijut 11 (ca. 4.200 m), da sie gehört hatten, illegal Reisenden würden hier nachts die Stiefel weggenommen. Längere Akklimatisierungsphasen in großer Höhe waren unter diesen Bedingungen oft nicht realisierbar. Durch die Strapazen einer solchen Expedition waren die Bergsteiger bei ihrer Rückkehr teilweise so ausgezehrt, dass die mehrwöchige Krankmeldung, die das lange Fehlen bei den Arbeitgebern entschuldigen sollte, kein Misstrauen erweckte.

Durch ihre Art des Reisens kamen die UdFler enger mit der einheimischen Bevölkerung in Kontakt, als es die hohlen Rituale der Gesellschaft für Deutsch-Sowjetische Freundschaft ermöglichten.[46] Besonders in den einfachen Zugklassen und beim Trampen ließen sich schnell Kontakte zu Einheimischen herstellen und deren Vertrauen gewinnen. "Bei all den sportlichen Unternehmungen [...] – die eigentliche Offenbarung waren die menschlichen Begegnungen."[47] Auf dem Lande herrschten die traditionellen Gesetze der Gastfreundschaft, und häufig wurden die Transitler zu ausgelassenen Festen eingeladen. Die Nähe zu den Einheimischen wurde nicht nur notgedrungen in Kauf genommen, sondern war durchaus ein Ziel der Reisen. Die Transitler hatten den Wunsch, "neben der offiziellen Meinung sich eine eigene Meinung bilden zu können, andere Kulturen kennen zu lernen."[48] Doch nicht nur Einheimische, auch Gleichgesinnte aus Westdeutschland und darüber hinaus der gesamten westlichen Welt konnten die DDR-Transitler unterwegs treffen – was das MfS mit besonderer Sorge betrachtete.[49] So lernte beispielsweise der westdeutsche Globetrotter Uli Ulziffer die Transitszene kennen, wurde zu UdF-Treffen in die DDR eingeladen und konnte den Bergsteigern bei der Beschaffung von Devisen und Ausrüstung helfen.

Finanzielle und materielle Hürden


Neben der eingeschränkten Reisefreiheit stellten auch die finanziellen und materiellen Voraussetzungen einer ausgedehnten Bergfahrt enorme Hürden dar. Dies verdeutlichen bereits die saftigen Preise für offizielle Angebote. Zwischen 1969 und 1975 kostete eine 17-tägige Spezialreise in den Kaukasus bei Jugendtourist zwischen 932 und 1.140 Mark. Ab 1976 standen den Bergsteigern auch kommerzielle sowjetische Alpinistenlager offen, die insbesondere westliche Touristen anlocken sollten. Die Kosten dafür lagen je nach Jahr, Aufenthaltsdauer und Gebirge zwischen knapp 2.000 und fast 6.000 Mark. Um das Geld zu verdienen, das für größere private Expeditionen benötigt wurde, war Eigeninitiative unabdingbar.

Georg Renner: "'Pik Kommunismus 7495 m'. Pamir"Georg Renner: "'Pik Kommunismus 7495 m'. Pamir" (© Georg Renner)
Eine besondere Möglichkeit stellte dabei der sogenannte "Technosport" dar, den die "Thüringischen Landeszeitung" (1985) vorstellte: "Eine außergewöhnliche, originelle und zugleich für die Volkswirtschaft nützliche Art des Trainings führen die Bergsteiger seit drei Jahren durch. Sie bezwingen Industrieschornsteine und Hochhäuser, helfen diese ausbessern und ersparen so aufwendige und zugleich zeitraubende Gerüstbauten." Für die Bergsteiger ging es allerdings weniger um die Volkswirtschaft oder den Trainingseffekt als um den finanziellen Aspekt: "Da gab es ein Stadtbauamt, und die haben gesagt, hier steht ein Schornstein, wir können so und so viel bezahlen, und wenn ihr den abreißt, dann ist gut", so Christoph Mäder, der an mindestens zehn Baustellen mitarbeitete. Für die Verwaltungen sei der sanfte Abriss weitaus günstiger gewesen als der Einsatz von Sprengstoff und schwerem Gerät, und die Bergsteiger hätten sehr gut dabei verdient. Der Alpinismus eröffnete noch weitere exklusive Einnahmequellen.

Georg Renner hatte auf seinen Reisen ca. 15 Kilogramm Fotogepäck dabei und schoss im Laufe der Jahre einige tausend Bilder von der russischen Bergwelt. Dank Mäders herausgehobener beruflicher Stellung bekamen die Magdeburger Alpinisten die Genehmigung und das Papier, um von einigen Motiven jeweils 15.000 Plakate zu drucken.

Mit diesen Plakaten waren sie in der DDR konkurrenzlos, und die farbigen, großformatigen Plakate fanden bei Sportgeschäften und Bergsportsektionen reißenden Absatz.

Georg Renner: "'Pik Korshenewskaja 7105 m'. Pamir".Georg Renner: "'Pik Korshenewskaja 7105 m'. Pamir". (© Georg Renner)
Manche Teile der umfangreichen Ausrüstung, die für Touren in vergletscherte Hochgebirge unerlässlich ist, waren auf offiziellem Wege, aber auch für Geld nicht zu bekommen, weshalb die Ausrüstung oftmals unzulänglich blieb und an Stelle von Wanderschuhen schon einmal Arbeitsstiefel oder manchmal gar "Jesuslatschen" getragen werden mussten. Einiges wurde über die Betriebssport-gemeinschaften verteilt oder konnte über die verantwortlichen Betriebe beschafft werden. Andere Materialien mussten auf dem Schwarzmarkt erworben werden, der von findigen Bergsteigern mit handwerklichem Geschick bedient wurde. Erhard Klingner beispielsweise handelte mit selbstgefertigten Klettergurten. Ein einfacher Gurt von Klingner kostete rund 25 Mark, womit er schon ein kleines Zubrot habe verdienen können. Er konstruierte unterschiedliche Modelle, die er in einem illegal lichtgepausten Katalog anbot. Per Mund-zu-Mund-Propaganda sprach sich das Garagenunternehmen schnell herum, und die Bestellungen ließen nicht lange auf sich warten. Zeitweise mussten extra Näherinnen beschäftigt werden, und die Gurte gingen schön verpackt und mit kurzer Bedienungsanleitung in die ganze DDR.[50]

Trotz dieser Schattenwirtschaft blieben eigene Ideen und handwerkliche Fähigkeiten sowie Zugang zu Materialien und Werkzeugen für DDR-Bergsteiger unverzichtbar. Von der Unterwäsche bis zum Rucksack wurde nahezu alles selbst hergestellt. Mit modernem High-Tech war die selbstgefertigte Ausrüstung freilich nicht zu vergleichen, und die vollen Rucksäcke konnten weit über 40 Kilogramm wiegen. Ausrüstung aus dem Westen war dementsprechend im gesamten Ostblock sehr begehrt. Reinhold Messner schrieb, bei einem Besuch in der Sowjetunion hätten die Bergsteiger sich um seine Plastikstiefel und Goretex-Anzüge gerissen.[51] Welche Mühen es insgesamt kostete, um schließlich zu einer kompletten Ausrüstung zu gelangen, verdeutlicht ein Bericht von Wolfgang Mann: "Einen Daunen-Mumienschlafsack erstand ich in Dresden, wie auch ein Paar nicht steigeisenfeste Bergschuhe aus der ČSSR [...]. Einen Pickel mit Holzstiel lieh ich mir von meiner Sektion bei der BSG Lok und ein paar Steigeisen aus den 20er Jahren von einem Bergfreund. Zelte für die Biwaks bekamen wir im Lager. Strümpfe und Handschuhe wurden gestrickt. Eine große Tüte getrockneter Aprikosen erstand ich durch Beziehungen zu einem Konsum-Verkaufsstellenleiter."[52]

Ein weiteres Problem bestand darin, an detailliertes und maßstabgetreues Kartenmaterial zu gelangen. In sozialistischen Ländern gab es aus Sicherheitsgründen kaum Landkarten zu kaufen, erst recht nicht von den politisch und militärisch sensiblen Grenzregionen, in denen viele der interessantesten Gebirge lagen. Die russische Bergsteiger-Zeitschrift "Turist" und Bergbücher enthielten manchmal Karten, die ausgeschnitten oder abgezeichnet wurden. Auch im "An- und Verkauf" und in Büchereien konnten einige antiquarische Schätze gehoben werden, auf die sich die Bergsteiger trotz der zeitlichen Distanz verlassen mussten. Karsten König zum Beispiel bestieg den Pik Lenin mit Hilfe von Karten, die der Deutsch-Österreichische Alpenverein nach seiner Erstbesteigung im Jahre 1928 veröffentlicht hatte. Solche Karten wurden durch eigene Anschauung und den Erfahrungsaustausch in der Szene präzisiert und aktualisiert. Pauspapier gehörter daher zur Ausstattung vieler Bergsteiger.

Ausschnitt einer selbstgezeichneten Karte von Georg Renner: Elbrus-Gebiet im Kaukasus.Ausschnitt einer selbstgezeichneten Karte von Georg Renner: Elbrus-Gebiet im Kaukasus. (© Georg Renner)
Georg Renner war in der Szene für seine selbstgezeichneten Karten berühmt, die auch als "Renner-Karten" bezeichnet wurden. Er hatte als Projektingenieur beim Amt für Wasserwirtschaft Zugang zu Zeichentischen und Maßstäben. Nächtelang habe er in seinem Betrieb gesessen, unterschiedliche Teilabschnitte zusammengesetzt, und auf diesem Wege insgesamt einige hundert Karten gezeichnet, deren Herstellung teilweise mehrere Wochen in Anspruch genommen habe. "Russen sind uns hinterhergelaufen, um von mir Kartenmaterial zu bekommen für das Land dort", so Renner nicht ohne Stolz. Das begehrte Gut wurde nur unter der Hand weitergegeben, verbreitete sich aber in der ganzen Szene und wurde lange Jahre genutzt. Gerald Krug berichtete, dass er sogar im Jahre 2003 noch nach Renners Karten in der Turkestan-Kette (Kirgistan) gewandert sei. Auch heute noch böten einige seiner Karten die genaueste Darstellung von kleinen Wegen und Pässen.

Ausschnitt einer selbstgezeichneten Karte von Georg Renner: Pamir und Hissar-Alai.Ausschnitt einer selbstgezeichneten Karte von Georg Renner: Pamir und Hissar-Alai. (© Georg Renner)
Trotz der selbstgezeichneten Karten blieben die geografischen Informationen der Bergsteiger lückenhaft, sodass ihre Expeditionen häufig zu einem mehrjährigen und kräftezehrenden Vortasten und Ausprobieren wurden, wie Renner am Beispiel seiner Pamir-Fahrten Anfang der 1970er-Jahre beschrieb. Per Flugzeug, Eisenbahn, Omnibus und Lkw hätten sie sich damals dem Gebirge genähert. Schließlich sei es nur noch zu Fuß weitergegangen, wobei es im Pamir, anders als beispielsweise im Himalaja, keine ausgetretenen Trekkingpfade gab. "Das erste Mal also haben wir festgestellt, aha, da und da sind die und die und die Gipfel, so. Das zweite Mal haben wir gedacht, jetzt versuchen wir die Anstiegsroute auf den Pik Korshenewskaja, so, da haben wir lange gesucht. Das dritte Mal sind wir auf den Gipfel gekommen. Aber jedes Mal sind wir am Muksu entlang, und der Muksu ist der wildeste Fluss im Pamir. Wahnsinn!"[53] Die großen Schwierigkeiten machten für Mäder im Rückblick aber die Faszination der Bergfahrten aus, die bei heutigen Expeditionen häufig verschwunden sei: "Überall führen sie Leute hoch und wieder runter, Anstellen und dann hoch. Das reizt mich nicht mehr. Mich reizt die freie Natur, dass man selbständig was macht, nicht alles vorgeschrieben kriegt."[54]

Das Verhältnis der Bergsteiger und Transitler zur DDR


Das ironische Lied "Sonderflug" der Szene-Band "Tommi Bums", das eine Traumreise in den Himalaja schildert, liest sich fast wie eine Zusammenfassung der geschilderten Probleme des Bergsteigens in der DDR:

"In 15 Minuten geht der Sonderflug / 15 Mann steh'n erwartungsvoll am Bug / und am Rande der Landebahn irgendwo / steht der Präsident des DWBO / und ein ganz hoher Sportgenosse / winkt lässig mit der Flosse / er sagt in Gedanken sind wir dabei / alles Gute Freunde und good bye [...]

damit auch sicher kein Unfall geschieht / sind die Seile nur von Edelried / von Salewa sind die leichten Eisen / viel beliebt in Kletterkreisen / von Stubai sind die super Haken / die noch nie in einem Felsen staken / das Material ist gut und es ist neu / alles Gute Freunde und good bye [...]

und dann wird endlich unsere Flagge gehisst / auf dem Gipfel der über 8000 Meter ist / und an dieser exponierten Stätte / hinterlegen wir eine Gipfelkassette / und darin die Nachricht für den, der sie dann find / dass wir für den Sozialismus sind / und zu Ehren der Republik war'n wir dabei / alles Gute Freunde und Sport frei"[55]

Ideologisch-politische Probleme, Probleme mit der Reisefreiheit und der Ausrüstung stellten für die Alpinisten enorme Hindernisse dar. Nach acht Strophen endet das Lied dementsprechend in einem bitteren Ton: "es war alles nur eine Utopie / erreichen werden wir's im Leben nie, / es wäre viel zu schön, um wahr zu sein / alles Gute Freunde, schlaft wieder ein!!"

Doch wie schon das Lied selbst beweist, blieben die meisten Bergsteiger bei wachem Verstand. Viele Alpinisten der "alten Garde" hatten sich im Laufe der Zeit allerdings eine pragmatische Haltung gegenüber dem sozialistischen Staat angeeignet. So auch Christoph Mäder. Die ideologischen Passagen in dem "Lehrbuch Bergsteigen"[56], an dem er mitgearbeitet hatte, habe er als unvermeidliches Übel in Kauf genommen. Gegen den Eintritt in die SED habe er sich ein oder zwei Jahre lang gewehrt, aber dann sei dieser Schritt in seiner leitenden Position bei den Halberstädter Fleisch- und Wurstwarenwerken unausweichlich geworden. Georg Renner stellte im Interview dennoch klar: "Wir haben die DDR gehasst", da sie ihnen den Weg zu Traumzielen, wie den Alpen oder dem Himalaja, versperrt habe. Auch Anerkennung von offizieller Seite blieb ihren teilweise spektakulären Expeditionen verwehrt – aber sie mussten immerhin nicht verheimlicht werden. Renner hielt öffentliche Diavorträge über seine Reisen, wurde häufiger in der Presse erwähnt und konnte mehrere Berg- und Reisebücher publizieren.

Die Transitler der 1970er- und 80er-Jahre waren beruflich und familiär noch ungebundener und scheuten sich nicht, den Staat zu provozieren. Für Reinhard Tauchnitz bestand gerade darin ein Reiz: "Hintergrund war damals, die offiziellen Staatsorgane mal ein bisschen zu ärgern." Der Westdeutsche Uli Ulziffer habe nach eigenen Worten "natürlich den Eindruck gehabt, ja, das ist Untergrund, das ist konspirativ". Tauchnitz stellte allerdings relativierend fest, ein richtiger "illegaler Verein" seien sie nicht gewesen. Dies änderte sich spätestens dann, wenn UdFler ihre Erfahrungen im Grenzverkehr nutzen, um Bibeln in die Sowjetunion zu schmuggeln oder via UdSSR in den Westen zu flüchten. Tauchnitz hatte sich Ende der 1980er-Jahre bereits innerlich aus der DDR verabschiedet. Gemeinsam mit Karsten König fasste er den Entschluss zu einer spektakulären Flucht: "Wenn wir das schon machen, dann mit einem Paukenschlag. Wir zeigen denen hier richtig, was sie für Leute verlieren. Wir besteigen einen Achttausender, das steht noch in allen Zeitungen, und die ärgern sich quasi danach."[57] Der Coup gelang – wenn auch erst nach dem Fall der Mauer, im Jahre 1990 – und erfuhr in den Medien große Aufmerksamkeit.[58]

Ruth Leiserowitz beschrieb das Transitreisen als "Grenzüberschreitung in doppelter Hinsicht. Das war nicht nur Neuland im territorialen Sinne – man verließ auf diesen Fahrten in jeglicher Hinsicht vorgedachte und vorgeschriebene Wege."[59] Die Bergsteiger kamen auf ihren Reisen mit fremden Kulturen in Berührung, was ihre eigene Lebensweise relativierte. Die Möglichkeit einer anderen Wahrheit und eines anderen Lebens wurde in solchen Begegnungen erkennbar. "In der Provinz Guangxi hörte ich auf, DDR-Bürger zu sein. Die Nabelschnur, die bis nach Südchina reichte, wurde im Li-Fluss durchschnitten."[60] Angesichts der pro-sowjetischen Propaganda in der DDR war die Begegnung mit der Sowjetunion abseits der üblichen Touristenpfade, wo sich neben viele schönen Erlebnissen auch Armut und Elend, ethnische und nationale Konflikte, (politische) Verbrechen und Korruption zeigten, eine Erfahrung, die nicht ohne Folgen für das Weltbild blieb. "Die DDRler, die guckten natürlich auch ein bisschen herab auf die SU, weil die natürlich sahen, was ja sonst keiner wusste in der DDR: dass das ziemlich primitiv war [...], was sie aber zu Hause gar nicht so erzählen konnten, weil da waren es ja die Helden, die Befreier, die Raketen auf den Mond schossen", so der Eindruck von Uli Ulziffer. Offen konnten solche Eindrücke in der DDR tatsächlich nicht ausgesprochen werden. So ermittelte das MfS beispielsweise gegen das privat organisierte "Rußdorfer Fotospektakel", auf dem UdFler Dias von ihren Reisen zeigten.[61] Dennoch blieben die einzelnen Bergsteiger mit ihren Erfahrungen nicht allein. Auf ihren gemeinsamen Reisen und besonders durch die verschiedenen Treffpunkte der Szene, wie dem "Misthaus" von Gustav Ginzel im böhmischen Isergebirge,[62] entwickelte sich vielmehr ein eigener Diskurs, in dem der schleichende Verfall der sowjetischen-sozialistischen Herrschaft schon früh zum Allgemeingut wurde.

In bergsteigerischer Tradition und inspiriert durch ihre Reiseerfahrungen entwickelten und pflegten die Bergsteiger und Transitler in ihrer Szene eine eigene romantische bzw. bergsteigerische Lebensform.[63] Dies musste in einer zweckrationalen, totalitären Diktatur, die ihre Bürger nicht zuletzt durch den Sport zu "sozialistischen Persönlichkeiten" erziehen wollte, tiefgreifende Konsequenzen haben. Die Bergsteiger wollten sich keine sozialistische Identität aufzwingen lassen und setzten ihr ein anderes Leben und Sein entgegen: "Auf einem hohen Gipfel zu stehen, dem Himmel so nah, alles selber entscheiden, in eine Gefahr hineinzugehen oder umzukehren, keine Gängelung zu haben, ist eine Welt, mit der konnte ich mich identifizieren."[64]

Die bergsteigerische Lebensform konnte völlig apolitisch sein und hatte in der DDR trotzdem eine politische Seite. Für Jörn Beilke praktizierten die Kletterer eine Art der Verweigerung, die letztlich doch auf politische Veränderungen zielte: "Das war vielleicht kein aktiver Widerstand, [...] mit Flugblättern oder sonst was, aber es war einfach ein gelebter Widerstand."[65] Die UdFler "haben die Freiheit nicht gefordert", so Michael Beleites, "sondern praktiziert".[66] Die Wirkung einer solchen scheinbar unpolitischen Haltung sei nicht zu unterschätzen, so der Philosoph Wilhelm Schmid: "In der Haltung hat die Freiheit des Individuums ihren Rückhalt. Sie ist nicht nur individuell relevant, sondern ebenso sehr politisch, da die Haltung der Individuen früher oder später politisch in Rechnung gestellt werden muss – [Michel] Foucault nannte als Beispiel dafür Polen, jedoch auch das Ende der DDR kann dafür als ein Beispiel gelten."[67]

Eine politisch konkret spürbare Auswirkung des Bergsteigens liegt in der Ausreise oder Flucht aus der DDR. Vor dem Bau der Mauer verließen zahlreiche Bergsteiger, wie Herbert Wünsche, Harry Rost oder Dietrich Hasse, die DDR. Nachdem sich die Lage in den 1960er- und 70er-Jahren etwas stabilisiert hatte, gab es in den 1980ern wieder eine regelrechte Flucht- und Ausreisewelle. "Gerade in der Kletterszene waren verdammt viele, die dann auch ausreisen wollten, und wo sich dann so die Cliquen bildeten. Das ist dann auch wie so ein Infekt gewesen [...] und man denkt das erste Mal überhaupt drüber nach, und das geht, und so hat sich das dann auch ausgebreitet. Also das war schon so eine Zelle, die das populär gemacht hat."[68]

Von der Sehnsucht nach Freiheit und Ferne erfüllt, wurde den Bergsteigern das eingemauerte Land zu eng. Erfahren im Umgang mit Grenzen und Bürokratie, fiel es ihnen leichter als anderen DDR-Bürgern, die Mauern des Sozialismus zu überwinden. Alpinisten und Transitler lassen sich damit als eine Avantgarde der massenhaften Ausreise über Ungarn und andere osteuropäische Länder begreifen, die 1989 das Ende der DDR einleitete.

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Fußnoten

1.
Volker Krause u.a., Pamir – zwei Handbreit unterm Himmel, Berlin (O.) 1977, S. 5.
2.
Skisport und Touristik 2 (1958) 11, S. 13.
3.
DWBO, Zeittafel zur Geschichte des DWBO der DDR, seines historischen Erbes und seiner Sportarten. 1988, S. 34.
4.
Dok.: Kai Reinhart, "Wir wollten einfach unser Ding machen." DDR-Sportler zwischen Fremdbestimmung und Selbstverwirklichung, Frankfurt a. M./New York 2010, S. 406.
5.
Der Tourist 1 (1961) 6, S. 14.
6.
Der Tourist 1 (1962) 4, S. 13.
7.
Der Tourist 1 (1962) 4, S. 13.
8.
Der Tourist 6 (1967) 9, S. 10f.
9.
Hans Joachim Teichler (Hg.), Die Sportbeschlüsse des Politbüros. Eine Studie zum Verhältnis von SED und Sport mit einem Gesamtverzeichnis und einer Dokumentation ausgewählter Beschlüsse, Köln 2002, S. 567.
10.
Eva Maurer, Der sowjetische Alpinist auf Abwegen: Normvorstellungen, Kritik und Disziplinierung in der alpinistischen Gemeinschaft, 1931–1955, in: Arié Malz u.a. (Hg.), Sport zwischen Ost und West. Beiträge zur Sportgeschichte im 19. und 20. Jahrhundert, Osnabrück 2007, S. 302.
11.
Karin Richter, Der Sächsische Bergsteiger, Berlin (O.) 1962, S. 10.
12.
Wolfgang Eichel u.a. (Hg.), Geschichte der Körperkultur in Deutschland 1945–1961, Berlin (O.) 1967, S. 40.
13.
Dok.: Hajo Bernett (Hg.), Körperkultur und Sport in der DDR. Dokumentation eines geschlossenen Systems, Schorndorf 1994, S. 36.
14.
Paul Kunath, Sport und die Entwicklung sozialistischer Persönlichkeiten, in: Günther Wonneberger u.a. (Hg.), Körperkultur und Sport in der DDR. Gesellschaftswissenschaftliches Lehrmaterial, Berlin (O.) 1982, S. 424–489.
15.
Theorie und Praxis der Körperkultur 4 (1955), S. 481–488.
16.
Dietrich Hasse, Erinnerungen an die Nachkriegszeit im Elbsandsteingebirge, in: Frank Richter, Klettern im Elbsandsteingebirge, München 1993, S. 36–41.
17.
Aus der Sächsischen Bergsteigergeschichte, 9 (2003) 9, S. 19–21.
18.
Falk Schelzel, geb. 1963, aufgewachsen in Sachsen, Spitzenkletterer 1980–1983, 1984 nach Bayern ausgereist, selbst. Dachdeckermeister (Gespräch m. d. Vf., 22.11.2004).
19.
Stefan Wolle, Die heile Welt der Diktatur. Alltag und Herrschaft in der DDR 1971–1989, Berlin 1999, S. 336.
20.
GB Lößnitzturm, 1966, Gipfelbucharchiv d. Sächs. Bergsteigerbundes (SBB).
21.
GB Weberschluchtstein, 1.1.1983, Gipfelbucharchiv d. SBB.
22.
GB Heringshorn, 1987, Gipfelbucharchiv d. SBB.
23.
Uwe "Schöni" Schönfisch, geb. 1967, aufgewachsen in Berlin, Spitzenkletterer, Erschließung des Bouldergebiets Quackenwald bei Ludwigsfelde/Berlin, 1989 Flucht über Ungarn, Dachklempner, Kaufmann, Leiter eines Bergsportgeschäfts (Gespräch m. d. Vf., 30.7.2004).
24.
Roland Wankerl, Münchner Sachsen, in: Dietrich Hasse/Heinz Lothar Stutte (Hg.), Felsenheimat Elbsandsteingebirge. Sächsisch-Böhmische Schweiz, Wolfratshausen/Obb. 1979, S. 238–254.
25.
Horst Mempel, geb. 1938, aufgewachsen in Sachsen-Anhalt, 1965 DDR-Meister im Zehnkampf, zeitweise als IM des MfS tätig, Sport- und Reisereporter im DDR-Fernsehen und beim MDR (Gespräch m. d. Vf., 4.10.2004).
26.
Mitteilungen der DAV-Sektion Chemnitz, 23 (2002), S. 36–38.
27.
Christian Halbrock, Unterwegs im Land des "Bruderorgans". Transitabweichler und Reisegruppenflüchtige im Spiegel der MfS-Akten, in: Cornelia Klauß/Frank Böttcher (Hg.), Unerkannt durch Freundesland. Illegal Reisen durch das Sowjetreich, Berlin 2010, S. 360–389.
28.
Theobald Austermühle, Unerkannt durch Freundesland. Abenteuertourismus jenseits staatlicher Sanktionen, in: Jochen Hinsching (Hg.), Alltagssport in der DDR, Aachen 1998, S. 272–281; Rainer Bauch/Edgar Nönnig, Abenteuer Pamir. Von der DDR in die Bergwelt Tadshikistans, in: Alpenvereinsjahrbuch Berg, Hg. DAV, ÖAV, AVS, München u.a. 1998, S. 251–258.
29.
Christoph Mäder, geb. 1938, aufgewachsen im Erzgebirge, Leiter der Bezirkstrainingsgemeinschaft (BTG) Alpinistik/Bergsteigen bei der BSG Lok Südost Magdeburg, zahlreiche Expeditionen in SU und Mongolei, Organisation von sechs Fernsehfilmen über das Bergsteigen, SED-Genosse, Dipl.-Ing. für Lebensmitteltechnologie, Betriebsleiter für Fleischkonservenfabriken in der DDR und der Mongolei (Gespräch m. d. Vf., 6.4.2005).
30.
Georg Renner, 1926–2010, aufgewachsen im böhmischen Riesengebirge, Soldat an der Ostfront, 5-jährige Kriegsgefangenschaft im Kaukasus, zahlreiche Expeditionen u.a. in der Sowjetunion, Autor mehrerer Bergbücher, Zeichner der "Renner-Karten", mehrere Ausstellungen zeigten seine Fotografien der sowjetischen Bergwelt, Dipl.-Ing. für Wasserbau (Gespräch m. d. Vf., 7.4.2005).
31.
Christian Halbrock, Unterwegs im Land des "Bruderorgans". Transitabweichler und Reisegruppenflüchtige im Spiegel der MfS-Akten, in: Cornelia Klauß/Frank Böttcher (Hg.), Unerkannt durch Freundesland. Illegal Reisen durch das Sowjetreich, Berlin 2010, S. 360–389.
32.
Reinhard Tauchnitz, geb. 1961, aufgewachsen in Sachsen, zahlreiche Expeditionen in Osteuropa und SU, mit Karsten König einziger DDRler auf Achttausender (Shisha Pangma), Fluchtversuch 1989, Ingenieur für Verkehrsnachrichtentechnik (Gespräch m. d. Vf., 8.4.2005).
33.
Karsten König, geb. 1960, aufgewachsen in Ost-Berlin, zahlreiche Reisen in Osteuropa und SU, Organisation von UdF-Treffen, Fluchtversuch 1989, mit Reinhard Tauchnitz einziger DDRler auf Achttausender (Shisha Pangma), Hausbesetzer, promovierter Physiker, habilitierter Zellbiologe, Gründer und Geschäftsführer der JenLab GmbH in Jena, Professor an der Universität Saarbrücken, Abteilungsleiter am Fraunhofer Institut für Biomedizinische Technik (IBMT) in St. Ingbert (Gespräch m. d. Vf., 9.12.2004).
34.
Uli Ulziffer, geb. 1942, aufgewachsen in Schleswig-Holstein, Globetrotter, zahlreiche Reisen insb. im Ostblock, Berufsschullehrer (Gespräch m. d. Vf., 17.4.2005).
35.
Cornelia Klauß, Unerkannt durch Freundesland – Verbotene Reisen in das Sowjetreich, RBB, 11.12.2006 (Erstausstrahlung); Jörg Kuhbandner/Jan Oelker (Hg.), Transit. Illegal durch die Weiten der Sowjetunion, Radebeul 2010; Cornelia Klauß/Frank Böttcher (Hg.), Unerkannt durch Freundesland. Illegal Reisen durch das Sowjetreich, Berlin 2010.
36.
Christian Halbrock, Unterwegs im Land des "Bruderorgans". Transitabweichler und Reisegruppenflüchtige im Spiegel der MfS-Akten, in: Cornelia Klauß/Frank Böttcher (Hg.). Unerkannt durch Freundesland. Illegal Reisen durch das Sowjetreich, Berlin 2010, S. 360–389.
37.
Theobald Austermühle, Unerkannt durch Freundesland: Abenteuertourismus jenseits staatlicher Sanktionen, in: Jochen Hinsching (Hg.), Alltagssport in der DDR, Aachen 1998, S. 272–281; Robert Conrad, Wegen eines gelochten Fahrscheins unter Spionageverdacht, in: Cornelia Klauß/Frank Böttcher (Hg.), Unerkannt durch Freundesland. Illegal Reisen durch das Sowjetreich, Berlin 2010, S. 211–220.
38.
Christian Halbrock, Unterwegs im Land des "Bruderorgans". Transitabweichler und Reisegruppenflüchtige im Spiegel der MfS-Akten, in: Cornelia Klauß/Frank Böttcher (Hg.), Unerkannt durch Freundesland. Illegal Reisen durch das Sowjetreich, Berlin 2010, S. 364 u. 387.
39.
Reinhard Tauchnitz, Gespräch m. d. Vf., 8.4.2005.
40.
Utz Tayert/Jörg Strümpel, Asien begann in Makat, in: Cornelia Klauß/Frank Böttcher (Hg.), Unerkannt durch Freundesland. Illegal Reisen durch das Sowjetreich, Berlin 2010, S. 235.
41.
Karsten König, Gespräch m. d. Vf., 9.12.2004.
42.
Hartmut Beil, Mein Siebentausender war die Krim, in: Cornelia Klauß/Frank Böttcher (Hg.), Unerkannt durch Freundesland. Illegal Reisen durch das Sowjetreich, Berlin 2010, S. 185–199.
43.
Theobald Austermühle, Unerkannt durch Freundesland: Abenteuertourismus jenseits staatlicher Sanktionen, in: Jochen Hinsching (Hg.), Alltagssport in der DDR, Aachen 1998, S. 274.
44.
Karsten König, Gespräch m. d. Vf., 9.12.2004.
45.
Gerald Krug, geb. 1971, aufgewachsen in Brandenburg, zahlreiche Kletter-Touren in östliche Hochgebirge, Dipl.-Geograf, Autor und Verleger von Kletter- und Reiseliteratur (Gespräch m. d. Vf., 15.7.2004).
46.
Theobald Austermühle, Unerkannt durch Freundesland: Abenteuertourismus jenseits staatlicher Sanktionen, in: Jochen Hinsching (Hg.), Alltagssport in der DDR, Aachen 1998, S. 272–281.
47.
Iduna Böhning, Vom Wohnkomplex 5 E in Hoywoy ans Schwarze Meer (1970–1976), in: Cornelia Klauß/Frank Böttcher (Hg.). Unerkannt durch Freundesland. Illegal Reisen durch das Sowjetreich, Berlin 2010, S. 93–102.
48.
Karsten König, Gespräch m. d. Vf., 9.12.2004.
49.
Christian Halbrock, Unterwegs im Land des "Bruderorgans". Transitabweichler und Reisegruppenflüchtige im Spiegel der MfS-Akten, in: Cornelia Klauß/Frank Böttcher (Hg.). Unerkannt durch Freundesland. Illegal Reisen durch das Sowjetreich, Berlin 2010, S. 360–389.
50.
Erhard Klingner, geb. 1943, aufgewachsen in Sachsen, privater Hersteller und Verkäufer Kletterausrüstung für den Schwarzmarkt, zahlreiche Expeditionen, selbstständiger Dipl.-Ingenieur (Gespräch m. d. Vf., 4.8.2004).
51.
Reinhold Messner, Wettlauf zum Gipfel. Strategie und Taktik meiner Höchstleistungen, München, Berlin 1986, S. 73f.
52.
Mitteilungen der DAV-Sektion Chemnitz, 23 (2002), S. 36–38.
53.
Georg Renner, Gespräch m. d. Vf., 7.4.2005.
54.
Christoph Mäder, Gespräch m. d. Vf., 6.4.2006.
55.
http://www.tommibums.de/index.php?
option=com_content&view=article&
id=33:sonderflug&catid=34:songs&Itemid=55 [2.3.2010].
56.
Wolfgang Kind u.a., Bergsteigen. Ein Lehrbuch für Übungsleiter und Aktive, Berlin (O.) 1975.
57.
Reinhard Tauchnitz, Gespräch m. d. Vf., 8.4.2005.
58.
Heinz Voigt, Das "Nie wieder" war vergessen, als der Achttausender lockte, in: Thüringische Landeszeitung, 14.7.1990; Mit selbstgebastelter Ausrüstung – zurück per Anhalter. 2 stürmen Achttausender im Himalaya, in: Bild (Leipzig), 29.6.1990, S. 5; Karsten König, Shisha Pangma. Gipfel über der Grasebene, in: Wandern und Bergsteigen, 2/1991, S. 24f.
59.
Ruth Leiserowitz, Unerkannt durch Freundesland. Subversiv reisen mit Transitvisa, in: Michael Rauhut/Thomas Kochan (Hg.), Bye bye Lübben City. Bluesfreaks, Tramps und Hippies in der DDR, Berlin 2004, S. 134.
60.
Micheal Möller, Bis ans Ende der Welt. Über die Mauer und zurück, in: Jörg Kuhbandner/Jan Oelker (Hg.), Transit. Illegal durch die Weiten der Sowjetunion, Radebeul 2010, S. 558.
61.
Christian Halbrock, Unterwegs im Land des "Bruderorgans". Transitabweichler und Reisegruppenflüchtige im Spiegel der MfS-Akten, in: Cornelia Klauß/Frank Böttcher (Hg.), Unerkannt durch Freundesland. Illegal Reisen durch das Sowjetreich, Berlin 2010, S. 360–389.
62.
Impuls 68, 23 (1989) 3, S. 27–29.
63.
Dietrich Hasse, Bergsteigen als Spiel und die "Freiheit in den Bergen", in: Ders./Heinz Lothar Stutte (Hg.), Felsenheimat Elbsandsteingebirge. Sächsisch-Böhmische Schweiz, Wolfratshausen/Obb. 1979, S. 349; Bernd Arnold, Zwischen Schneckenhaus und Dom, Köngen 1999, S. 14.
64.
Herbert Wünsche, geb. 1929, aufgewachsen in Sachsen, Spitzenbergsteiger der Nachkriegszeit, 1953 Übersiedelung nach Bayern, zahlreiche Expeditionen, Modellbaumeister, leitender Angestellter bei BMW (Gespräch m. d. Vf., 13.4.2005).
65.
Jörn Beilke, geb. 1968, aufgewachsen in Sachsen, ab Mitte der 1980er Jahre Leistungsspitze, promovierter Maschinenbauer, selbst. Ingenieur (Gespräch m. d. Vf., 25.10.2004).
66.
Michael Beleites, Litauische Wolken. Reisen ins sowjetische Baltikum 1985–1989, in: Cornelia Klauß/Frank Böttcher (Hg.). Unerkannt durch Freundesland. Illegal Reisen durch das Sowjetreich, Berlin 2010, S. 36.
67.
Wilhelm Schmid, Auf der Suche nach einer neuen Lebenskunst. Die Frage nach dem Grund und die Neubegründung der Ethik bei Foucault, Frankfurt a. M. 2000, S. 231.
68.
Frank Schelzel, Gespräch m. d. Vf., 22.11.2004.

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  • 16. Oktober 1998
    Zur Abwehr einer humanitären Katastrophe im Kosovo stimmt der Bundestag in seiner alten Zusammensetzung grundsätzlich Luftoperationen der NATO gegen Jugoslawien mit überwältigender Mehrheit zu. Hintergrund: In der bis März 1989 politisch, wirtschaftlich und... Weiter
  • 15./16. Okt. 1999
    Der EU-Sondergipfel in Tampere/Finnland beschließt, einen einheitlichen europäischen Raum der Freiheit, der Sicherheit und des Rechts zu schaffen. Ein Rahmenplan sieht vor, die Rechtssysteme mittelfristig anzugleichen, eine gemeinsame Asyl- und... Weiter

Messenger-Projekt

Der Mauerfall und ich

Es ist Leipzig im Spätsommer des Jahres 1989. Die Studentin Kathrin und ihre Freundinnen und Freunde erleben eine Zeit des Umbruchs in der DDR. Im November fällt die Mauer und damit die Grenze, die Deutschland und die Deutschen viele Jahrzehnte trennte. Über ihre Erlebnisse hat Kathrin von August bis November 2019 im bpb-Messengerprojekt "Der Mauerfall und ich" berichtet.

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