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Jalda R.: Die Freude, jüdisch zu sein

Deutschland Archiv Neu im DA Schwerpunkte Zeitenwende? Der Ukrainekrieg und die Folgen. 42 Analysen & Essays. Was riskieren wir? Ein Sommer der Unentschlossenheit Sieben Monate Krieg Die Waffen nieder? Ungleiche Fluchten? Schwerter allein sind zu wenig „Russland wird sich nach Putin ändern“ Die be(un)ruhigende Alltäglichkeit des Totalitären Vergessene Bomben aus Deutschland Putins Mimikry Schon einmal Vernichtungskrieg Verhandeln, aber wie? Das sterbende russländische Imperium und sein deutscher Helfer Was lief schief seit dem Ende des Kalten Krieges? „Sie haben die Zukunft zerbrochen“ Vertreibung ist auch eine Waffe "Wie ich Putin traf und er mich das Fürchten lehrte" "Wir bewundern sie und sie verschwinden" Mehr Willkommensklassen! Hoffen auf einen russischen „Nürnberger Prozess“ Russische Kriegskontinuitäten Wurzeln einer unabhängigen Ukraine Der erschütterte Fortschritts-Optimismus "Leider haben wir uns alle geirrt" Die Hoffnung auf eine gesamteuropäische Friedens- und Sicherheitsarchitektur nicht aufgeben „Ihr Völker der Welt“ Das erste Opfer im Krieg ist die Wahrheit China und die „Taiwanfrage“ Transformation und Deutsche Einheit Die sozialpsychologische Seite der Zukunft Zwölf Thesen zu Wirtschaftsumbau und Treuhandanstalt Die andere Geschichte der Umbruchjahre – alternative Ideen und Projekte 30 Jahre nach Rostock-Lichtenhagen Wiedervereinigt auf dem Rücken von Migranten und Migrantinnen? Film ohne Auftrag - Perspektiven, die ausgegrenzt und unterschlagen wurden Geheimdienste, „Zürcher Modell“ und „Länderspiel“ 50 Jahre Grundlagenvertrag Drei Kanzler und die DDR Populismus in Ost und West Akzeptanz der repräsentativen Demokratie in Ostdeutschland Zusammen in Feindseligkeit? Neuauflage "(Ost)Deutschlands Weg" Ostdeutsche Frakturen Geschichtspolitik von oben? Anpassungsprozess der ostdeutschen Landwirtschaft Daniela Dahn: TAMTAM und TABU Wege, die wir gingen „Der Ort, aus dem ich komme, heißt Dunkeldeutschland” Unternehmerischer Habitus von Ostdeutschen Teuer erkauftes Alltagswissen Trotz allem im Zeitplan Revolution ohne souveränen historischen Träger Mehr Frauenrechte und Parität Lange Geschichte der „Wende“ Eine Generation nach der ersten freien Volkskammerwahl Unter ostdeutschen Dächern Die de Maizières: Arbeit für die Einheit Schulzeit während der „Wende” Deutschland – Namibia Im Gespräch: Bahr und Ensikat Gorbatschows Friedliche Revolution "Der Schlüssel lag bei uns" "Vereinigungsbedingte Inventur" "Es gab kein Drehbuch" "Mensch sein, Mensch bleiben" Antrag auf Staatsferne Alt im Westen - Neu im Osten Die Deutsche Zweiheit „Ein echtes Arbeitsparlament“ Corona zeigt gesellschaftliche Schwächen Widersprüchliche Vereinigungsbilanz Schule der Demokratie Warten auf das Abschlusszeugnis Brief an meine Enkel Putins Dienstausweis im Stasi-Archiv Preis der Einheit Glücksstunde mit Makeln Emotional aufgeladenes Parlament Geht alle Macht vom Volke aus? Deutschland einig Vaterland 2:2 gegen den Bundestag "Nicht förderungswürdig" Demokratie offen halten Standpunkte bewahren - trotz Brüchen Die ostdeutsche Erfahrung Kaum Posten für den Osten Braune Wurzeln Wer beherrscht den Osten „Nicht mehr mitspielen zu dürfen, ist hart.“ Ein Ost-West-Dialog in Briefen Stadtumbau Ost Ostdeutschland bei der Regierungsbildung 2017 Die neue Zweiklassengesellschaft DDR-Eishockey im Wiedervereinigungsprozess Die SPD (West) und die deutsche Einheit Die Runden Tische 1989/90 in der DDR Die Wandlung der VdgB zum Bauernverband 1990 Transatlantische Medienperspektiven auf die Treuhandanstalt Transformation ostdeutscher Genossenschaftsbanken Demografische Entwicklung in Deutschland seit 1990 Parteien und Parteienwettbewerb in West- und Ostdeutschland Hertha BSC und der 1. FC Union vor und nach 1990 25 Jahre nach der Wiedervereinigung Ostdeutsches Industriedesign im Transformationsprozess Wende und Vereinigung im deutschen Radsport Wende und Vereinigung im deutschen Radsport (II) Kuratorium für einen demokratisch verfassten Bund deutscher Länder Europäische Union als Voraussetzung für deutschen Gesamtstaat Welche Zukunft braucht Deutschlands Zukunftszentrum? Ein Plädoyer. Erinnern, Gedenken, Aufarbeiten Vier Ansichten über ein Buch, das es nicht gibt "Es war ein Tanz auf dem Vulkan" Föderalismus und Subsidiarität „Nur sagen kann man es nicht“ Wenn Gedenkreden verklingen Zeitenwenden Geschichtsklitterungen „Hat Putin Kinder?“, fragt meine Tochter Wolf Biermann über Putin: Am ersten Tag des Dritten Weltkrieges Der Philosoph hinter Putin „Putin verwandelt alles in Scheiße“ Das Verhängnis des Imperiums in den Köpfen Ilse Spittmann-Rühle ist gestorben Der Friedensnobelpreis 2022 für Memorial Rückfall Russlands in finsterste Zeiten Memorial - Diffamiert als "ausländische Agenten" Die Verteidigung des Erinnerns Russlands Attacken auf "Memorial" Der Fall Schalck-Golodkowski Ende des NSU vor zehn Jahren 7. Oktober 1989 als Schlüsseltag der Friedlichen Revolution Die Geschichte von "Kennzeichen D" Nachruf auf Reinhard Schult Leningrad: "Niemand ist vergessen" Verfolgung von Sinti und Roma Zuchthausaufarbeitung in der DDR - Cottbus Sowjetische Sonderhaftanstalten Tage der Ohnmacht "Emotionale Schockerlebnisse" Ein Neonazi aus der DDR Akten als Problem? Eine Behörde tritt ab Ostberlin und Chinas "Großer Sprung nach vorn" Matthias Domaschk - das abrupte Ende eines ungelebten Lebens Ein Wettbewerb für SchülerInnenzeitungen Totenschädel in Gotha Bürgerkomitees: Vom Aktionsbündnis zum Aufarbeitungsverein Westliche Leiharbeiter in der DDR Hohenzollern und Demokratie nach 1918 (I) Hohenzollern und Demokratie nach 1918 (II) Auf dem Weg zu einem freien Belarus? Erstes deutsch-deutsches Gipfeltreffen im Visier des BND Neue Ostpolitik und der Moskauer Vertrag Grenze der Volksrepublik Bulgarien Die Logistik der Repression Schwarzenberg-Mythos Verschwundene Parteifinanzen China, die Berlin- und die Deutschlandfrage 8. Mai – ein deutscher Feiertag? China und die DDR in den 1980ern 1989 und sein Stellenwert in der europäischen Erinnerung Stasi-Ende Die ungewisse Republik Spuren und Lehren des Kalten Kriegs Einheitsrhetorik und Teilungspolitik Schweigen brechen - Straftaten aufklären Welche Zukunft hat die DDR-Geschichte? Die Deutschen und der 8. Mai 1945 Jehovas Zeugen und die DDR-Erinnerungspolitik Generation 1989 und deutsch-deutsche Vergangenheit Reformationsjubiläen während deutscher Teilung 25 Jahre Stasi-Unterlagen-Gesetz Kirchliche Vergangenheitspolitik in der Nachkriegszeit Zwischenbilanz Aufarbeitung der DDR-Heimerziehung Der Umgang mit politischen Denkmälern der DDR Richard von Weizsäckers Rede zum Kriegsende 1985 Die Sowjetunion nach Holocaust und Krieg Nationale Mahn- und Gedenkstätten der DDR Behörde des Bundesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen Die Entmilitarisierung des Kriegstotengedenkens in der SBZ Heldenkult, Opfermythos und Aussöhnung Durchhalteparolen und Falschinformationen aus Peking Buchenwald und seine fragwürdige Nachgeschichte Grenzsicherung nach dem Mauerbau Einmal Beethoven-Haus und zurück Das Bild Walther Rathenaus in der DDR und der Bundesrepublik Alles nach Plan? Drei Gedanken über Werner Schulz „Wie ein Film in Zeitlupe“ 1989/90 - Friedliche Revolution und Deutsche Einheit Der Weg zum 9. November 1989 „Die Stunde ist gekommen aufzustehen vom Schlaf“ Mythos Montagsdemonstration Ossi? Wessi? Geht's noch? Es gibt keine wirkliche Ostdebatte Die. Wir. Ossi. Wessi? Wie man zum Ossi wird - Nachwendekinder zwischen Klischee und Stillschweigen 2 plus 4: "Ihr könnt mitmachen, aber nichts ändern“ Blick zurück nach vorn Wem gehört die Revolution? Die erste und letzte freie DDR-Volkskammerwahl Mythos 1989 Joseph Beuys über die DDR Der 9. Oktober 1989 in Leipzig Egon Krenz über den 9. November Die deutsche Regierung beschleunigt zu stark Projekte für ein Freiheits- und Einheitsdenkmal in Berlin und Leipzig Deutsch-deutsche Begegnungen. Die Städtepartnerschaften am Tag der Deutschen Einheit Mit Abstand betrachtet - Erinnerungen, Fragen, Thesen. Die frohe Botschaft des Widerstands Mauerfall mit Migrationshintergrund "Wer kann das, alltäglich ein Held sein?" "Es geht um Selbstbefreiung und Selbstdemokratisierung" Kann man den Deutschen vertrauen? Ein Rückblick nach einem Vierteljahrhundert deutscher Einheit Von der (eigenen) Geschichte eingeholt? Berlin – geteilte Stadt & Mauerfall Berliner Polizei-Einheit Die Mauer. 1961 bis 2021 The Wall: 1961-2021 - Part One The Wall: 1961-2021 - Part Two "Es geht nicht einfach um die Frage, ob Fußball gespielt wird" Mauerbau und Alltag in Westberlin Der Teilung auf der Spur The Games at the Gate Der Mauerfall aus vielen Perspektiven Video der Maueröffnung am 9. November 1989 Die Mauer fiel nicht am 9. November Mauersturz statt Mauerfall Heimliche Mauerfotos von Ost-Berlin aus Ost-West-Kindheiten "Niemand hat die Absicht, die Menschenwürde anzutasten" Berlinförderung und Sozialer Wohnungsbau in der „Inselstadt“ Wie stellt der Klassenfeind die preußische Geschichte aus? 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Todesopfer des DDR-Grenzregimes - Eine Recherche Todesopfer des DDR-Grenzregimes - Eine andere Sicht "Begriffliche Unklarheiten" Die Reichsbahn und der Strafvollzug in der DDR "Schicksale nicht Begriffe" Mauerbau und Machtelite Zwangseingewiesene Mädchen und Frauen in Venerologischen Einrichtungen Stasi-Razzia in der Umweltbibliothek Politisch inhaftierte Frauen in der DDR Ein widerständiges Leben: Heinz Brandt Über den Zaun und zurück – Flucht und Rückkehr von Dietmar Mann Die politische Justiz und die Anwälte in der Arä Honecker Geraubte Kindheit – Jugendhilfe in der DDR Haftarbeit im VEB Pentacon Dresden – eine Fallstudie Zwischen Kontrolle und Willkür – Der Strafvollzug in der DDR Suizide in Haftanstalten: Legenden und Fakten Die arbeitsrechtlichen Konsequenzen in der DDR bei Stellung eines Ausreiseantrages Max Fechner – Opfer oder Täter der Justiz der Deutschen Demokratischen Republik? Die "Auskunftspersonen" der Stasi – Der Fall Saalfeld Geschlossene Venerologische Stationen und das MfS Jugendhilfe und Heimerziehung in der DDR Fraenkels "Doppelstaat" und die Aufarbeitung des SED-Unrechts Alltag und Gesellschaft Fußball mit und ohne Seele München 1972: Olympia-Streit um das „wahre Freundesland“ Afrikas Das religiöse Feld in Ostdeutschland Repräsentation Ostdeutschlands nach Wahl 2021 Die Transformation der DDR-Presse 1989/90 Das Elitendilemma im Osten "Affirmative Action" im Osten Ostdeutsche in den Eliten als Problem und Aufgabe Ostdeutsche Eliten und die Friedliche Revolution in der Diskussion Die Bundestagswahl 2021 in Ostdeutschland Deutsch-deutsche Umweltverhandlungen 1970–1990 Der Plan einer Rentnerkartei in der DDR "Es ist an der Zeit, zwei deutsche Mannschaften zu bilden" Deutsch-ausländische Ehen in der Bundesrepublik Verhandelte Grenzüberschreitungen Verpasste Chancen in der Umweltpolitik Der dritte Weg aus der DDR: Heirat ins Ausland Und nach Corona? Ein Laboratorium für Demokratie! Nichtehelichkeit in der späten DDR und in Ostdeutschland 30 Jahre später – der andere Bruch: Corona Mama, darf ich das Deutschlandlied singen Mit der Verfassung gegen Antisemitismus? Epidemien in der DDR Homosexuelle in DDR-Volksarmee und Staatssicherheit „Die DDR als Zankapfel in Forschung und Politik" Die Debatte über die Asiatische Grippe Coronavirus - Geschichte im Ausnahmezustand Werdegänge Familien behinderter Kinder in BRD und DDR Vom Mauerblümchen zum Fußball-Leuchtturm DDR-Alltag im Trickfilm Die alternative Modeszene der DDR Nachrichtendienste in Deutschland. Teil II Nachrichtendienste in Deutschland. 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Die Beziehungen zwischen Frankreich und der DDR Suche nach den Spuren der DDR Wirtschaftsbeziehungen zwischen Frankreich und der DDR Der Freundschaftsverein „EFA“ Die Mauer in der französischen Populärkultur DDR als Zankapfel in Forschung und Politik DDR-Geschichte in französischen Ausstellungen nach 2009 Theater- und Literaturtransfer zwischen Frankreich und der DDR Die DDR in französischen Deutschbüchern Kommunalpartnerschaften zwischen Frankreich und der DDR Regimebehauptung und Widerstand Mut zum Aussteigen aus Feindbildern Für die Freiheit verlegt - die radix-blätter Der Fußballfan in der DDR Jugend in Zeiten politischen Umbruchs Umweltschutz als Opposition Sozialistisches Menschenbild und Individualität. Wege in die Opposition Politische Fremdbestimmung durch Gruppen Ist Antisemitismus vor allem ein ostdeutsches Problem? Antisemitismus in Deutschland Die Zweite Generation jüdischer Remigranten im Gespräch War die DDR antisemitisch? Antisemitismus in der DDR Teil I Antisemitismus in der DDR Teil II Als ob wir nichts zu lernen hätten von den linken Juden der DDR ... Ostdeutscher Antisemitismus: Wie braun war die DDR? Die Shoah und die DDR Umgang mit jüdischen Friedhöfen und Friedhofsschändungen, Teil I Umgang mit jüdischen Friedhöfen und Friedhofsschändungen, Teil II Israel im Schwarzen Kanal Der Nahostkonflikt in Kinder- und Jugendzeitschriften der DDR, I Der Nahostkonflikt in Kinder- und Jugendzeitschriften der DDR, II Das Israelbild der DDR und dessen Folgen Buchenwald und seine fragwürdige Nachgeschichte Macht-Räume in der DDR Wirtschaftspläne im Politbüro 1989 "Macht-Räume in der DDR" Macht, Raum und Plattenbau in Nordost-Berlin Machträume und Eigen-Sinn der DDR-Gesellschaft Die "Eigenverantwortung" der örtlichen Organe der DDR Strategien und Grenzen der DDR-Erziehungsdiktatur Staatliche Einstufungspraxis bei Punk- und New-Wave-Bands Kommunalpolitische Kontroversen in der DDR (1965-1973) Schwarzwohnen 1968 – Ost und West Der Aufstand des 17. Juni 1953 Interview mit Roland Jahn Der 17. Juni 1953 und Europa Geschichtspolitische Aspekte des 17. Juni 17. Juni Augenzeugenbericht Kultur und Medien Einmal Beethoven-Haus und zurück Heimat ist ein Raum aus Bytes Der Aufbau des öffentlich-rechtlichen Rundfunks in Ostdeutschland Die Demokratisierung von Rundfunk und Fernsehen der DDR Die Stasi und die Hitler-Tagebücher Ein Nachruf auf Walter Kaufmann Die Tageszeitung »Neues Deutschland« vor und nach 1990 Wie ein Staat untergeht Objektgeschichte antifaschistischer Ausstellungen der DDR Reaktionen auf die Ausstrahlung der Fernsehserie „Holocaust“ „Mitteldeutschland“: ein Kampfausdruck? Gesundheitsaufklärung im Global Humanitarian Regime The British Press and the German Democratic Republic Kulturkontakte über den Eisernen Vorhang hinweg "Drei Staaten, zwei Nationen, ein Volk“ "Flugplatz, Mord und Prostitution" SED-Führung am Vorabend des "Kahlschlag"-Plenums Ende der Anfangsjahre - Deutsches Fernsehen in Ost und West "Wer nicht für uns ist, ist gegen uns. Es gibt keinen Dritten Weg" Frauenbild der Frauenpresse der DDR und der PCI Regionales Hörfunkprogramm der DDR DDR-Zeitungen und Staatssicherheit Eine Chronik von Jugendradio DT64 Die "neue Frau": Frauenbilder der SED und PCI (1944-1950) Lager nach 1945 Ukrainische Displaced Persons in Deutschland Jugendauffanglager Westertimke Das Notaufnahmelager Gießen Die Gedenkstätte und Museum Trutzhain Die Barackenstadt: Wolfsburg und seine Lager nach 1945 Die Aufnahmelager für West-Ost-Migranten Die Berliner Luftbrücke und das Problem der SBZ-Flucht 1948/49 Migration Fortbildungen als Entwicklungshilfe Einfluss von Erinnerungskulturen auf den Umgang mit Geflüchteten Friedland international? 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Jalda R.: Die Freude, jüdisch zu sein Alles beginnt mit einem Traum ...

Barbe Maria Linke

/ 15 Minuten zu lesen

Ja, auf jeden Fall! Das Erste, was mir einfällt, es war im Mai 1989, ein Jahr zuvor war ich in die Gethsemanestraße auf dem Prenzlauer Berg gezogen, an jedem Fenster hing so eine blöde Fahne. Plötzlich hatte ich eine Vision. Ich sah die roten Nazi-Fahnen dort hängen. Ich dachte: Wer weiß, wie sich das hier noch einmal ändern wird? Ein halbes Jahr später änderte sich alles.

Die Synagoge in der Berliner Oranienburger Straße (© picture-alliance)

Anna und ich haben gerade einen Lebensort entdeckt, auch zum Altwerden, den wir uns vor fünfzehn Jahren schon erträumt hatten. Einen Ort, an dem man wohnen und arbeiten kann, in dem es Ausstellungen, Konzerte und Workshops gibt. Mit einem Garten. Ein Ort, der zur Kreativität einlädt, weil wir uns in unserem Leben ständig neu erfinden müssen. Ein anderer Traum ist die Freude, jüdisch zu sein. Dieser Traum realisiert sich gerade völlig anders, als ich es mir gedacht habe.

Bei meinem Kantorentraining in den USA fand ich bei Jewish Renewal etwas, das ich nicht für möglich gehalten habe, dass es das geben würde. Jewish Renewal ist eine Richtung im heutigen Judentum, die Modernität mit traditionellen Elementen aus Kabbala, Chassidismus und Meditation, aber auch moderne Philosophie, Wissenschaft und Musik miteinander verbindet. Hier fand ich die Freude, jüdisch zu sein.

Jüdisch sein war immer verbunden mit Shoah. Mit Untergang. Selbst die fröh¬lichen Feste in der Synagoge in der Rykestraße waren im¬mer von ungelebter Trauer bestimmt. Bei Jewish Renewal habe ich nach einer sehr tiefen Krise trauern gelernt und die Freude, jüdisch zu sein, gefunden. Da habe ich etwas davon begriffen, was uns verloren gegangen ist: dieses breite jüdische Wissen. Ein Traum ist es, den Menschen das Wissen wieder zu bringen. Deshalb wollte ich hier ein Layleadertraining für Laien starten. Heute realisiere ich diesen Traum, dieses Training in London. Nächstes Jahr machen wir einen dreiwöchigen Kurs in Jerusalem. Das macht unheimlichen Spaß.

Andere Geschichten fallen mir ein ... Die Situation in den Siebzigerjahren in der DDR war so: Denkende Menschen solidarisierten sich mit Biermann und mit denen, die gegen seine Ausbürgerung protestierten. Meine Mama war wütend. Wenn irgendjemand bei uns an der Tür geklingelt hätte und gesagt hätte: Unterschreibe! Sie hätte diesen Brief gegen die Ausbürgerung Biermanns sofort unterschrieben.

Hatte ich Vorbilder? Als junge Frau fand ich Therese Giehse toll. Ich habe Helene Weigel verehrt. Das waren Schauspielerinnen, die ihre Träume lebten. Vorbilder ändern sich in den jeweiligen Phasen. Man sagt ja, die Schüler finden ihren Lehrer. Etwas, das ich selbst auch erlebe. Ein anderer, den ich hoch verehrt habe, ist Eugen Gollomb. Er war langjähriger Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde in Leipzig. Ein sehr mutiger Mann, der den Mund aufmachte, der den Mut hatte, eine Frau zu unterrichten.

Heute, in der neuen Welt, sind es meine amerikanischen Lehrer. Menschen, die mit großer Konsequenz ihre Ideen durchsetzen. Der Vater des Ganzen ist Rabbi Zalman Schachter-Shalomi, der schon Ende der Sechzigerjahre die Welt neu gedacht hat, politisch, ökologisch, philosophisch. Er ist in einem kleinen ukrainischen Städtchen geboren, in Wien aufgewachsen und dann nach Paris gegangen. Er wurde mit seinen Eltern interniert. Sie sind im letzten Moment, 1941 oder 1942, noch rausgekommen in die USA. Im Juli ist er gestorben. Er hat seine Träume gelebt, gegen die Bedenken des Establishments. Ich tauge auch nicht fürs Establishment. Das macht es manchmal schwierig, in ganz alltäglichen Situationen. Es hat aber den Riesenvorteil der Freiheit. Ich bin frei, das zu tun, was ich tun möchte. Nie hätte ich gedacht, dass ich jemals unterrichten würde. Jetzt macht mir das einen solchen Spaß. Es ist dieselbe Situation – die Schüler finden mich. Ich werde nicht über irgendwelche Universitäten angepriesen. Die Schüler müssen mich finden. Wie ich Hazzan Jack Kessler und Rabbi Marcia Prager fand, die inzwischen meine Freunde sind.

Geboren bin ich in Amsterdam am 13. Februar 1951 und aufgewachsen in diesem schrecklichen Eichwalde, in dem meine Mama schwer depressiv war. Es war nicht komisch, ein alleiniges jüdisches Kind in einer DDR-Schule zu sein. Ich war immer Außenseiter, bin mit diesen Strukturen nicht klargekommen. Unser großes Haus, wenn es voller Leute war, war schön. Es war so eine jüdisch-intellektuelle Welt. Es wurde gut gekocht, da war dieser große Tisch ... Oder wenn die Familie aus Amsterdam kam. Meine Mutter ist Holländerin. Sie kam 1952 mit meinem Vater in die DDR.

Mutter und ihre Schwester stammen aus Amsterdam. In ihrer Kindheit schliefen sie zusammen in einem Bett, weil die Wohnung so klein war. Beide waren im Widerstand gegen Hitler. Beide waren sie im Konzentrationslager in Westerbork und in Auschwitz. In Bergen-Belsen sind sie befreit worden. Mein Vater glänzte durch Abwesenheit, wie alle Väter. Wenn seine Schreibmaschine klapperte, fühlte ich mich beschützt. Als die Mauer im August 1961 gebaut wird, sind wir in Rumänien in den Ferien. Mein Vater sagt: Gott sei Dank! Und meine Mutter: Um Gottes willen! Es hat bei uns zu Hause sehr viel Streit gegeben um Politik. Vater bildete Musikstudenten aus, die in den Westen gingen, wenn sie mit dem Studium fertig waren. Mutter hat mit ihrer intuitiven Weisheit sofort begriffen, was das heißt, dass die Grenze zu ist.

Meine Eltern waren berühmte Leute in der DDR. Darum konnte ich mir in der Schule viel leisten, was an¬dere nicht konnten. Zum Beispiel, mit meiner Meinung nicht hinterm Berg zu halten. Ab der achten Klasse ging ich in die berühmte 2. Erweiterte Oberschule. Die ganze jüdische Intelligenzija war an dieser Schule. Hier traf ich zum ersten Mal Leute, mit denen ich was anfangen konnte. Die Schule war in Berlin Mitte, an der Niederwallstraße. In diesen Jahren hielt ein Engel seine Hand über mir. Ich habe auch Glück gehabt, dass ich nicht in die Mühle geraten bin. Ich war nie ein normaler DDR-Bürger. Durch die Position meiner Eltern hatte ich den Rücken frei. Aber ich hätte mich auch nicht kaufen lassen. Die Stasi hat natürlich versucht, mich zu kaufen, einen holländischen Pass und ein Auto haben die mir angeboten. Ich sagte: Nein!

Die Stasi war in der Familie und im Freundeskreis ständig Thema. Ich bekam zeitig mit, dass die Art und Weise, wie mit Menschen umgegangen wird, unmöglich ist. Diese Spitzelei! Eure Geschichte, eure Ausbürgerung, ist bei uns zu Hause lang und breit diskutiert worden. Was fällt denen ein, wie kann man Menschen vor die Tür setzen? Oder die Biermann-Ausbürgerung. Was maßen die sich an? Das waren heftige Diskussionen. Jeder hat das Land natürlich anders empfunden. Ich habe Glück gehabt, aber ich habe auch dafür gesorgt, nicht erpressbar zu sein. Mit einem Pass konnte man mich nicht erpressen. Klar hätte ich gern einen holländischen Pass gehabt, aber doch nicht für diesen Preis! (...)

Die Sängerin Lin Jaldati war ein Prestigeobjekt der DDR. Lin hat Schallplatten produziert, war im Radio. Sie war eine bekannte Künstlerin. Mit dieser Karte hat sie sehr gut gespielt. Also theoretisch konnten die ihr nichts anhaben. Praktisch sehr wohl. Mit dem Sechstagekrieg 1967 wurde sie aus allen Radio- und Fernsehsendungen der DDR rausgeschnitten. 1975 kippte plötzlich die Kulturpolitik der DDR und Lin bekam eine Einladung für ein Konzert in der Kleinen Komödie im Deutschen Theater. Das Konzert war innerhalb von wenigen Stunden ausverkauft. Von Stund an war Lin Jaldati wieder im offiziellen Leben drin, auch bei den Berliner Festtagen, dem großen Kulturfestival in Ost-Berlin.

Wir waren nicht Mitglieder der Jüdischen Gemeinde. Aus Prinzip. Als moderne und linke Frau wollte meine Mama mit diesen ... Das liberale Judentum gab es in ihrer Jugend in Holland nicht, das liberale Judentum gab es auch in der DDR nicht. Was Lin machte, das machte sie richtig. Wenn sie eine Entscheidung traf, traf sie eine Entscheidung. Sie hat aber viel für die Jüdischen Gemeinden getan, Konzerte gegeben, sich mit den Leuten getroffen. ( …)

Ich kann mich erinnern, als ich in den Siebzigerjahren zu Rosch ha-Schana in die Gemeinde ging, mein Auto um die Ecke parkte, mir ein Kopftuch aufsetzte, ein Kleid anzog ... So komm ich dahin und treffe lauter Bekannte. Ah, Jalda, wie geht’s dir? Ich war überrascht. Die Leute waren überhaupt nicht fromm, nicht zugebunden. Ich bin dann bald Gemeindemitglied geworden.

1968 wäre ich beinahe von der Schule geflogen. Es ging um den Einmarsch der Warschauer Pakt-Truppen in Prag. Da habe ich mich mit dem Staatsbürgerkundelehrer gekracht. (...) Es waren auch die Anfänge der Sing-Club-Bewegung, zu der ich gehörte. (…) Nach dem Abi fing ich auf der Schauspielschule in Berlin an. Dort fühlte ich mich zum ersten Mal richtig frei. ( …) Das Theater war der Ort, an dem man atmen und sich austoben konnte. (...) Nach dem Abschluss holte mich ein Kommilitone nach Karl-Marx-Stadt, in so ein atmungsaktives Biotop. Das war eine richtig gute Schauspieltruppe. (...)

Aber die Stadt war unerträglich. Und dann wurde Jakob geboren, mein ältester Sohn. Zwei Jahre später Tobias. Mein Mann war damals in Dresden. Wir versuchten, die Familie zusammenzukriegen. Aufgrund der großpolitischen Wetterlage ging es schief, dass ich in Dresden anfangen konnte. Wir wollten uns nicht anpassen. 1978 sind wir zurück nach Berlin, seitdem lebe ich in Berlin. Und hier hat Mama mich geschnappt und auf die Bühne gezerrt, neben sich, was ich eigentlich nicht wollte. Ich habe synchronisiert. Auch Fernsehen gemacht, diesen ganzen Schnulli. (…)

Aber ich konnte auch Anne Franks Tagebuchtexte sprechen. Mama drängte mich auch zu ersten Aufführungen im Kul¬urbund. (…) Mama hatte mir einen Fußtritt gegeben. (…) Ich suchte mir meine Lehrer, einer war Eugen Gollomb in Leipzig. Die anderen Lehrer waren nicht gewillt, eine Frau jüdisches Wissen zu lehren. Ich flog nach Bukarest, zu Israel Berkovici, dem damaligen Chefdramaturgen des Jiddischen Theaters.

In den Sommerferien, als wir nicht mehr nach Holland fahren konnten, sind wir nach Bulgarien oder Rumänien gefahren; zelten, das war immer sehr abenteuerlich. Da waren wir oft im Jiddischen Theater. Es entstanden Bilder von einer heilen jiddischen Welt. Im Jiddischen Theater in Bukarest war ein Garten, in dem Theater gespielt wurde. Und es gab eine Bühne. Es wurde Musik gemacht, gespielt und gelacht. Das Publikum konnte Jiddisch sprechen. Selten habe ich meine Mama so glücklich erlebt. (...) Es folgten erste eigene Konzerte mit Hans-Werner Apel und Stefan Maas. Wir waren auch bei euch in der Kirche. (…) Für viele Juden ist es völlig unverständlich, warum ich kein Problem habe, in Kirchen zu singen. Das waren ja für uns in der DDR die Freiräume. (...)

1983 erhielten wir eine Einladung nach Israel. Das war das erste Mal, dass ich in Israel war. Wenn ich nicht zwei Kinder in Berlin gehabt hätte, wäre ich nicht zurückgekommen. In Berlin bin ich in eine tiefe Depression gerutscht. Es war ja auch noch kalt. Dort war es warm. Es war eine absolute Katastrophe. Dazu kam dieser ganze Stasi-Scheiß. Leute, die uns auf den Pelz rückten. Überall Misstrauen. Ich war unglaublich misstrauisch geworden allen Fremden ge¬genüber. Und immer wieder dasselbe, solange wir im Ausland waren, ging es Mama gut. Die Enge der DDR setzte ihr zu. Es wurde immer enger und enger. Ich erinnere mich an diese knallenden Türen, wenn wir durch die Grenzübergänge gingen. Eine Gefängnistür, die hinter dir zuschlägt.

Ja, was war es, was hat mich in Israel so gefesselt? Das Israel von 1983 ist völlig verschieden von dem Israel, das wir heute kennen. Es war ein Miteinander der Leute, das ich so aus meinem Alltag nicht kannte. Es war ein Nach-Hause-kommen; auf einmal von Leuten umgeben zu sein, die wie ich tickten.

Schon als Teenager, als ich mich mit Philosophie und den Dingen des Lebens zu beschäftigen begann, war mir nicht klar, warum ich viele Leute nicht verstand und sie mich auch nicht verstanden, bis ich begriff, dass mein jüdisches Denken immer von zwei Seiten ausgeht. Von einem Sowohl-als-auch. Es gibt nicht Entweder-oder. In meinem Umfeld waren lauter Sowohl-als-auch-Denker. (...)

1989 fiel die Mauer. Da war diese ganze Euphorie, die bei mir ganz schnell in Panik umkippte. Die Panik – gleich kommt ein Lastwagen, auf den ich geworfen werde, um deportiert zu werden, und ich kann meine Kinder nicht beschützen. Erstens war der 9. Oktober der Umschwung und nicht der 9. November. Siebzigtausend Menschen ziehen am 9. Okto¬ber durch die Innenstadt in Leipzig. Die Polizei muss sich zurückziehen. Sie hat keine Chance gegen die friedlich Demonstrierenden. Der 9. November war eigentlich nur noch eine Konsequenz dessen, was geschehen war. Hinzu kam unsere Enttäuschung, die Leute liefen alle der D-Mark hinterher anstatt zu gucken, können wir hier etwas Neues aufbauen? Was, im Nachhinein betrachtet, ökonomisch überhaupt nicht möglich gewesen wäre.

In diesem ganzen Chaos war ich plötzlich wieder schwanger. Joseph ist sozusagen ein Wendekind. Joseph ist 1990 geboren. Diese Beziehung ging in diesem Durcheinander auch auseinander. Aber es war auch die Blütezeit der Jüdischen Kulturtage. Ein tolles Festival! Die Tage der Jüdischen Kultur wurden 1984 geboren und das erste Mal 1987 ausgeführt. Die Idee war 1984 in unserer Familie entstanden. ( ...) Die ersten Tage der Jiddischen Kultur fanden um den 27. Januar 1987 statt. Alle drei Veranstaltungen waren innerhalb von einer Stunde ausverkauft. (...) Unser Projekt wurde ein Projekt der UNESCO Weltkulturdekade. Die UNESCO hat zwar kein Geld, aber mit dem UNESCO-Schild auf der Brust kannst du viel erreichen. So konnten wir das Festival über den Mauerfall retten. (...) Aber du fragtest nach der Liebe. Als die Beziehung mit Josephs Vater auseinanderbrach … (...)

Dann traf ich Anna. Diese Begegnung ist wirklich, wie wir sagen, baschert. Es wird gesagt, dass schon im Himmel entschieden wird, welche Neschamot, welche Seelen, füreinander bestimmt sind. Der Ewige, gelobt sei Er, braucht manchmal viel Energie, um Menschen um die ganze Welt zu schicken, damit sie ihren Baschert, ihre Partnerseele, finden. Ich bin sehr dankbar, dass ich meinen Baschert gefunden habe. Ich bin für jede gemeinsame Stunde mit Anna dankbar. Ich bin für jede einzelne Stunde mit meinen Kindern und meinem Enkelkind dankbar.

Liebe ist wie Licht. Je mehr man Licht teilt, desto heller wird es. In einer Welt, in der Gwurah, die Strenge, die Macht, so stark geworden ist, wie in unserer Welt momentan, braucht es viel Liebe, um wieder einen Ausgleich zu schaffen. Wir dürfen uns von dieser Gewalttätigkeit und Aggressivität nicht anstecken lassen. Das ist manchmal schwer, vor allem dann, wenn wieder Wut, Panik und Angst aufsteigen. Aber es ist möglich. Manchmal genügt ein Lächeln, ein freundliches Wort. Anna und ich sitzen oft da und denken, hätten wir uns doch früher getroffen! Wir haben uns zusammen aus der Depression gezogen. (...)

Anna ist Malerin. In Amsterdam sah sie ein Buch Aimée und Jaguar. Sie wandte sich an den Verlag, um sich die Rechte für die Vermarktung zu sichern. Sie begann Bilder zu Felice Schragenheim zu malen, fand jüdische Überlebende, jüdische Freundinnen, die ihr Felice beschrieben. Daraus sind Portraits entstanden. Die Bilder wurden im Martin-Gropius-Bau ausgestellt. Erinnerung ist ein Thema, das durch Annas Leben geht. (...)

Zurück zum Jahr 1989. Am 3. und 4. Oktober war ich in der Gethsemanekirche dabei. Habe am 9. Oktober, das war Jom Kippur, in der Kirche gesungen. Irgendwann schallte der Ruf durch die Kirche: Sie sind weg! Das bedeutete, die Staatsmacht ist abgezogen. Es bestand ja die akute Gefahr, dass auf die Demonstrierenden geschossen wird. (...)

Am 4. November stand ich auf dem Alexanderplatz bei der Großdemonstration. Plötzlich war ich umringt von einer Gruppe von Leuten, die „Deutschland den Deutschen!“ schrien. Da war mir klar, das war die Stasi. Da musste ich weg. Aber als nach dem 9. November 1989 besoffene Horden mit Bierdosen an meiner Haustür vorbeizogen und „Deutschland den Deutschen!“ schrien, saß ich in der äußersten Ecke der Wohnung und hatte Angst rauszugehen. Der Fall der Mauer war für uns Juden eine Herausforderung. Die Deutschen hatten ihr Reich wieder. Der Abzug der Alliierten fühlte sich nicht gut an. Sie waren über viele Jahre unsere Beschützer gewesen. Ich kenne viele Juden, die damals das Land verlassen haben. Aus Angst vor dem neuen deutschen Reich. Sie sind wieder zurückgekehrt, weil sie feststellten: Wir träumen deutsch, wir denken deutsch. Als sie zurückkamen, packten sie ihre Koffer aus.

Das war so um 1994/95. Da fingen wir an, unsere eigenen modernen, jüdischen Gruppen zu gründen. Ich habe in den USA zum ersten Mal eine Frau mit einer Tora im Arm gesehen. Und ich dachte, jetzt bricht die Erde auf und verschlingt uns alle! Es war eine sehr kreative Zeit in den neu gegründeten Gruppen in der Synagoge in der Oranienburger Straße. Das ist alles vorbei. Kreativität ist nicht mehr gefragt. Das war eine sehr gute Zeit. Es war auch ein Neubeginn für uns in der jüdischen Welt. (...)

Als 1989 die beiden Deutschländer sich um das schickste Gedenken zum 9. November, dem Jahrestag der Reichspogromnacht, stritten, fing ich an, mich mit jüdisch-deutschen Themen zu beschäftigen. Ich habe eine Produktion gemacht zu Juden in Deutschland – 1250 bis 1750. Einem erstaunten Publikum erklärte ich: Juden sind keine Fremden. Sie fielen 1933 nicht vom Mars. Spätestens seit Karl dem Großen sind das eure Nachbarn. Mitte der Neunzigerjahre fing man an, die mittelalterlichen Synagogen in Deutschland zu entdecken. In vielen dieser Synagogen habe ich gespielt. Lange habe ich gebraucht, um herauszufinden, warum wir in jüdischer Tradition die Musik nie aufgeschrieben haben. Die Trennung von Säkular und Sakral gab es nie. Alle kannten die Melodien.

Dann wollte ich wissen, wie die Basis der jüdischen Liturgie funktioniert. Die Basis einer Religion findet sich in ihrer Liturgie, in den Gebeten und anderen Texten der Gottesdienste. Ich wollte das studieren, aber diejenigen, die es kannten, hätten es nie an eine Frau weitervermittelt. So bin ich in die USA aufgebrochen. Dort habe ich ein Studium absolviert. Ich kam als Europäerin in die USA, mit all meinem Wissen, und fand mich dort unterrichtend wieder. Denen fehlten natürlich die europäischen Traditionen.

Ja, und dann komme ich mit all meinem Wissen zurück und will es teilen. Doch hier höre ich: Das geht nicht, Sie sind doch eine Frau! So wurde ich auf meine alten Tage Feministin. Anna und ich sind aus unserer Synagoge rausgeschmissen worden mit den Worten, dass wir politisch nicht vertretbar seien. Heute bin ich dankbar dafür, weil die Situation in den jüdischen Gemeinden in Deutschland dermaßen verfahren und verknöchert ist. Heraus aus den Zwängen, und selbst Entscheidungen treffen. Was das Judentum ist, ist den meisten Leuten nicht klar; die denken immer, jüdisch sein heißt, jeden Schabbes in die Synagoge gehen. Das ist Quatsch! Jüdisch sein reicht tief in den Alltag hinein. Das geht in der Küche los. In meiner Kindheit gab es jeden Samstag eine gigantische Tafel, an der Freunde, Nachbarn, Kinder gesessen haben, bis tief in die Nacht. (...)

Jüdisch sein bedeutet aber vor allem eine andere Art zu denken. Dazu kommt die Familiengeschichte, die natürlich tief in der DNA steckt. (...) Fast täglich klopfen Leute an meine Tür, kommen mit den unmöglichsten Geschichten. Sie sagen: Meine Tante ist gestorben. Ich bin jüdisch, da gibt es so ein Kästchen, was mach ich damit? Oft sind es Menschen, die in unseren Gemeinden von der Schwelle gefegt werden, weil sie keine Papiere haben. Ordentliche Papiere besitzen diejenigen, die konvertiert sind. In jüdischer Tradition ist jemand, der zum Judentum übertritt, Teil der Familie. Aber wenn dort welche sitzen, die ihr Wissen nur aus Büchern haben und das, was von den Vätern, von den Müttern vermittelt wurde, nicht kennen? Ich bin sehr dankbar, dass ich im Berliner Raum eine Anlaufstelle bin für alles, was nicht ins System passt. So können wir Neues kreieren. (...)

Heute klopfen Leute an meine Tür, sagen: Du hast doch S‘micha! Also eine Ordination. Ich möchte mit dir sprechen, es gibt ein Problem! Da sitzen sie dann an meinem Tisch und ich beginne, sie zu unterrichten. Oder eine Gruppe kommt und bittet: Wir wollen ins Kino gehen und über den Film diskutieren! Andere wollen über ein bestimmtes Buch sprechen. Na gut!, sage ich, gucken wir mal, was die Tora zum Thema sagt. Es sind Fragen, die ihnen unter den Nägeln brennen. Es geht zum Beispiel um Organspenden, eben alles, was Menschen interessiert. (...)

Wir gründeten einen jüdischen Verein, Ohel HaChidusch. Das ist unsere Gemeinde. Wir sind freiheitsliebende Leute, treffen unsere eigenen Entscheidungen. Jetzt entscheiden wir so. Es kann aber auch sein, dass wir in drei Jahren anders entscheiden. (...) Unsere Green Shul, wie wir die Gemeinde nennen, die Grüne Synagoge, wird von vielen sehr genau beobachtet. Mitglieder sind vor allem amerikanische Familien, weil die nicht damit klarkommen, was in den Gemeinden passiert. So entstand ein freies jüdisches Leben. Unsere Gemeinde ist ein Ohel, ein Zelt. Wir haben verschiedene Orte. Unsere Tora ist in der Vaterunser-Gemeinde in Wilmersdorf. Im Sommer sind wir sehr viel im Gutshof Gatow. Bei uns wird nicht nach den Papieren gefragt. Wer kommt, der kommt. Und es kommen Leute mit den komischsten Geschichten. (...)

Ja, woher bekomme ich die nötige Kraft? Ich denke, das ist ein tief spirituelles Vertrauen. Nenne es Gott, nenne es Quelle des Lebens, nenne es, wie immer du den Ursprung des Lebens nennen möchtest. (...) Wichtig ist mir, dass die Kinder ihre Träume leben, dass wir unsere Träume leben. (…) Und die Kinder, die in der freien Welt groß geworden sind, denen sage ich immer wieder: Verteidigt diese Demokratie, die nicht perfekt ist. Es gibt so viel Ungerechtigkeit, aber verteidigt sie mit Händen und Füßen! (...)

Achte darauf, dass unsere Kinder in den Schulen nicht verbogen werden. Wenn du die Dinge richtig machst, bist du ein gutes Mädchen, wenn du die Dinge falsch machst, bist du ein schlechtes Mädchen. Nein! Über Fehler lernt man am meisten. Vor allem gehört die Freude zum Leben, gutes Essen sowieso.

Hier gibt es weitere Auszüge aus dem Interner Link: Kapitel Karin W.: Ich bin für mein Handeln selbst verantwortlich >>

Mehr Informationen zum Buch von Interner Link: Barbe Maria Linke >>

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wurde in Köslin/ Pommern geboren. Aufgewachsen ist sie in der DDR. Arbeit in verschiedenen Berufen. Theologie-Studium an der Humboldt-Universität in Ostberlin. Die erste Pfarrstelle, in der ihr Mann Dietmar Linke und sie arbeiteten, war Meinsdorf-Wiepersdorf. Wiepersdorf ist bekannt durch die Dichterin Bettina von Arnim, die Frau, die an Goethe und an den König schrieb. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Gutshaus der Arnims, ein Aufenthaltsort für Kulturschaffende der DDR. Hier lernt sie Maxie und Fred Wander kennen. Diese Freundschaft hat Barbe M. LInke geprägt. Politisch tätig war sie in den Gruppen Frauen für Frieden. Und Friedenswerkstatt Ostberlin. Im Dezember 1983 wurde die Familie aus der DDR ausgebürgert. Barbe Maria Linke lebt in Berlin, schreibt Gedichte, Essays, Erzählungen, Romane.