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Erinnerung als Integration | Deutschland Archiv | bpb.de

Deutschland Archiv Neu im DA Schwerpunkte Zeitenwende? Der Ukrainekrieg und die Folgen. 45 Analysen & Essays. Was riskieren wir? Ein Sommer der Unentschlossenheit Zehn Monate Krieg Die Waffen nieder? Ungleiche Fluchten? Schwerter allein sind zu wenig „Russland wird sich nach Putin ändern“ Die be(un)ruhigende Alltäglichkeit des Totalitären Vergessene Bomben aus Deutschland Putins Mimikry Schon einmal Vernichtungskrieg Verhandeln, aber wie? Das sterbende russländische Imperium und sein deutscher Helfer Was lief schief seit dem Ende des Kalten Krieges? „Sie haben die Zukunft zerbrochen“ Vertreibung ist auch eine Waffe "Wie ich Putin traf und er mich das Fürchten lehrte" "Wir bewundern sie und sie verschwinden" Mehr Willkommensklassen! Hoffen auf einen russischen „Nürnberger Prozess“ Russische Kriegskontinuitäten Wurzeln einer unabhängigen Ukraine Der erschütterte Fortschritts-Optimismus "Leider haben wir uns alle geirrt" Die Hoffnung auf eine gesamteuropäische Friedens- und Sicherheitsarchitektur nicht aufgeben „Ihr Völker der Welt“ Das erste Opfer im Krieg ist die Wahrheit China und die „Taiwanfrage“ Deutschlands Chinapolitik – schwach angefangen und stark nachgelassen "Ein Dämon, der nicht weichen will" Transformation und Deutsche Einheit Die sozialpsychologische Seite der Zukunft Zwölf Thesen zu Wirtschaftsumbau und Treuhandanstalt Die andere Geschichte der Umbruchjahre – alternative Ideen und Projekte 30 Jahre nach Rostock-Lichtenhagen Wiedervereinigt auf dem Rücken von Migranten und Migrantinnen? Film ohne Auftrag - Perspektiven, die ausgegrenzt und unterschlagen wurden Geheimdienste, „Zürcher Modell“ und „Länderspiel“ 50 Jahre Grundlagenvertrag Drei Kanzler und die DDR Populismus in Ost und West Akzeptanz der repräsentativen Demokratie in Ostdeutschland Zusammen in Feindseligkeit? Neuauflage "(Ost)Deutschlands Weg" Ostdeutsche Frakturen Geschichtspolitik von oben? Anpassungsprozess der ostdeutschen Landwirtschaft Daniela Dahn: TAMTAM und TABU Wege, die wir gingen „Der Ort, aus dem ich komme, heißt Dunkeldeutschland” Unternehmerischer Habitus von Ostdeutschen Teuer erkauftes Alltagswissen Trotz allem im Zeitplan Revolution ohne souveränen historischen Träger Mehr Frauenrechte und Parität Lange Geschichte der „Wende“ Eine Generation nach der ersten freien Volkskammerwahl Unter ostdeutschen Dächern Die de Maizières: Arbeit für die Einheit Schulzeit während der „Wende” Deutschland – Namibia Im Gespräch: Bahr und Ensikat Gorbatschows Friedliche Revolution "Der Schlüssel lag bei uns" "Vereinigungsbedingte Inventur" "Es gab kein Drehbuch" "Mensch sein, Mensch bleiben" Antrag auf Staatsferne Alt im Westen - Neu im Osten Die Deutsche Zweiheit „Ein echtes Arbeitsparlament“ Corona zeigt gesellschaftliche Schwächen Widersprüchliche Vereinigungsbilanz Schule der Demokratie Warten auf das Abschlusszeugnis Brief an meine Enkel Putins Dienstausweis im Stasi-Archiv Preis der Einheit Glücksstunde mit Makeln Emotional aufgeladenes Parlament Geht alle Macht vom Volke aus? Deutschland einig Vaterland 2:2 gegen den Bundestag "Nicht förderungswürdig" Demokratie offen halten Standpunkte bewahren - trotz Brüchen Die ostdeutsche Erfahrung Kaum Posten für den Osten Braune Wurzeln Wer beherrscht den Osten „Nicht mehr mitspielen zu dürfen, ist hart.“ Ein Ost-West-Dialog in Briefen Stadtumbau Ost Ostdeutschland bei der Regierungsbildung 2017 Die neue Zweiklassengesellschaft DDR-Eishockey im Wiedervereinigungsprozess Die SPD (West) und die deutsche Einheit Die Runden Tische 1989/90 in der DDR Die Wandlung der VdgB zum Bauernverband 1990 Transatlantische Medienperspektiven auf die Treuhandanstalt Transformation ostdeutscher Genossenschaftsbanken Demografische Entwicklung in Deutschland seit 1990 Parteien und Parteienwettbewerb in West- und Ostdeutschland Hertha BSC und der 1. FC Union vor und nach 1990 25 Jahre nach der Wiedervereinigung Ostdeutsches Industriedesign im Transformationsprozess Wende und Vereinigung im deutschen Radsport Wende und Vereinigung im deutschen Radsport (II) Kuratorium für einen demokratisch verfassten Bund deutscher Länder Europäische Union als Voraussetzung für deutschen Gesamtstaat Welche Zukunft braucht Deutschlands Zukunftszentrum? Ein Plädoyer. Erinnern, Gedenken, Aufarbeiten Vier Ansichten über ein Buch, das es nicht gibt "Es war ein Tanz auf dem Vulkan" Föderalismus und Subsidiarität „Nur sagen kann man es nicht“ Wenn Gedenkreden verklingen Zeitenwenden Geschichtsklitterungen „Hat Putin Kinder?“, fragt meine Tochter Wolf Biermann über Putin: Am ersten Tag des Dritten Weltkrieges Der Philosoph hinter Putin „Putin verwandelt alles in Scheiße“ Das Verhängnis des Imperiums in den Köpfen Ilse Spittmann-Rühle ist gestorben Der Friedensnobelpreis 2022 für Memorial Rückfall Russlands in finsterste Zeiten Memorial - Diffamiert als "ausländische Agenten" Die Verteidigung des Erinnerns Russlands Attacken auf "Memorial" Der Fall Schalck-Golodkowski Ende des NSU vor zehn Jahren 7. Oktober 1989 als Schlüsseltag der Friedlichen Revolution Die Geschichte von "Kennzeichen D" Nachruf auf Reinhard Schult Leningrad: "Niemand ist vergessen" Verfolgung von Sinti und Roma Zuchthausaufarbeitung in der DDR - Cottbus Sowjetische Sonderhaftanstalten Tage der Ohnmacht "Emotionale Schockerlebnisse" Ein Neonazi aus der DDR Akten als Problem? Eine Behörde tritt ab Ostberlin und Chinas "Großer Sprung nach vorn" Matthias Domaschk - das abrupte Ende eines ungelebten Lebens Ein Wettbewerb für SchülerInnenzeitungen Totenschädel in Gotha Bürgerkomitees: Vom Aktionsbündnis zum Aufarbeitungsverein Westliche Leiharbeiter in der DDR Hohenzollern und Demokratie nach 1918 (I) Hohenzollern und Demokratie nach 1918 (II) Auf dem Weg zu einem freien Belarus? Erstes deutsch-deutsches Gipfeltreffen im Visier des BND Neue Ostpolitik und der Moskauer Vertrag Grenze der Volksrepublik Bulgarien Die Logistik der Repression Schwarzenberg-Mythos Verschwundene Parteifinanzen China, die Berlin- und die Deutschlandfrage 8. Mai – ein deutscher Feiertag? China und die DDR in den 1980ern 1989 und sein Stellenwert in der europäischen Erinnerung Stasi-Ende Die ungewisse Republik Spuren und Lehren des Kalten Kriegs Einheitsrhetorik und Teilungspolitik Schweigen brechen - Straftaten aufklären Welche Zukunft hat die DDR-Geschichte? Die Deutschen und der 8. Mai 1945 Jehovas Zeugen und die DDR-Erinnerungspolitik Generation 1989 und deutsch-deutsche Vergangenheit Reformationsjubiläen während deutscher Teilung 25 Jahre Stasi-Unterlagen-Gesetz Kirchliche Vergangenheitspolitik in der Nachkriegszeit Zwischenbilanz Aufarbeitung der DDR-Heimerziehung Der Umgang mit politischen Denkmälern der DDR Richard von Weizsäckers Rede zum Kriegsende 1985 Die Sowjetunion nach Holocaust und Krieg Nationale Mahn- und Gedenkstätten der DDR Behörde des Bundesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen Die Entmilitarisierung des Kriegstotengedenkens in der SBZ Heldenkult, Opfermythos und Aussöhnung Durchhalteparolen und Falschinformationen aus Peking Buchenwald und seine fragwürdige Nachgeschichte Grenzsicherung nach dem Mauerbau Einmal Beethoven-Haus und zurück Das Bild Walther Rathenaus in der DDR und der Bundesrepublik Alles nach Plan? Vier Gedanken über Werner Schulz „Wie ein Film in Zeitlupe“ "Ich hatte Scheißangst" 1989/90 - Friedliche Revolution und Deutsche Einheit Frauen in der Bürgerbewegung der DDR und während der Friedlichen Revolution Die Wege zum 9. November 1989 „Die Stunde ist gekommen aufzustehen vom Schlaf“ Mythos Montagsdemonstration Ossi? Wessi? Geht's noch? Es gibt keine wirkliche Ostdebatte Die. Wir. Ossi. Wessi? Wie man zum Ossi wird - Nachwendekinder zwischen Klischee und Stillschweigen 2 plus 4: "Ihr könnt mitmachen, aber nichts ändern“ Blick zurück nach vorn Wem gehört die Revolution? Die erste und letzte freie DDR-Volkskammerwahl Mythos 1989 Joseph Beuys über die DDR Der 9. Oktober 1989 in Leipzig Egon Krenz über den 9. November Die deutsche Regierung beschleunigt zu stark Projekte für ein Freiheits- und Einheitsdenkmal in Berlin und Leipzig Deutsch-deutsche Begegnungen. Die Städtepartnerschaften am Tag der Deutschen Einheit Mit Abstand betrachtet - Erinnerungen, Fragen, Thesen. Die frohe Botschaft des Widerstands Mauerfall mit Migrationshintergrund "Wer kann das, alltäglich ein Held sein?" "Es geht um Selbstbefreiung und Selbstdemokratisierung" Kann man den Deutschen vertrauen? Ein Rückblick nach einem Vierteljahrhundert deutscher Einheit Von der (eigenen) Geschichte eingeholt? Berlin – geteilte Stadt & Mauerfall Berliner Polizei-Einheit Die Mauer. 1961 bis 2021 The Wall: 1961-2021 - Part One The Wall: 1961-2021 - Part Two "Es geht nicht einfach um die Frage, ob Fußball gespielt wird" Mauerbau und Alltag in Westberlin Der Teilung auf der Spur The Games at the Gate Der Mauerfall aus vielen Perspektiven Video der Maueröffnung am 9. November 1989 Die Mauer fiel nicht am 9. November Mauersturz statt Mauerfall Heimliche Mauerfotos von Ost-Berlin aus Ost-West-Kindheiten "Niemand hat die Absicht, die Menschenwürde anzutasten" Berlinförderung und Sozialer Wohnungsbau in der „Inselstadt“ Wie stellt der Klassenfeind die preußische Geschichte aus? Flughafen Tempelhof Die Bundeshilfe für West-Berlin Christliche Gemeinschaft im geteilten Berlin Amerikanische Militärpräsenz in West-Berlin Das Stadtjubiläum von 1987 in Ost- und West-Berlin Bericht zum Workshop "Das doppelte Stadtjubiläum" Das untergegangene West-Berlin Interview: „Der Zoo der Anderen“ Un-Rechts-Staat DDR Bedrohter Alltag Unrecht, Recht und Gerechtigkeit - eine Bilanz von Gerd Poppe Der Geschlossene Jugendwerkhof Torgau – eine "Totale Institution" Stasi-Hafterfahrungen: Selbstvergewisserung und Renitenz Kritik und Replik: Suizide bei den Grenztruppen und im Wehrdienst der DDR Suizide bei den Grenztruppen der DDR. Eine Replik auf Udo Grashoff Die Todesopfer des DDR-Grenzregimes, ihre Aufarbeitung und die Erinnerungskultur Die Freiheit ist mir lieber als mein Leben „Nicht nur Heldengeschichten beschreiben“ Wer war Opfer des DDR-Grenzregimes? Todesopfer des DDR-Grenzregimes - Eine Recherche Todesopfer des DDR-Grenzregimes - Eine andere Sicht "Begriffliche Unklarheiten" Die Reichsbahn und der Strafvollzug in der DDR "Schicksale nicht Begriffe" Mauerbau und Machtelite Zwangseingewiesene Mädchen und Frauen in Venerologischen Einrichtungen Stasi-Razzia in der Umweltbibliothek Politisch inhaftierte Frauen in der DDR Ein widerständiges Leben: Heinz Brandt Über den Zaun und zurück – Flucht und Rückkehr von Dietmar Mann Die politische Justiz und die Anwälte in der Arä Honecker Geraubte Kindheit – Jugendhilfe in der DDR Haftarbeit im VEB Pentacon Dresden – eine Fallstudie Zwischen Kontrolle und Willkür – Der Strafvollzug in der DDR Suizide in Haftanstalten: Legenden und Fakten Die arbeitsrechtlichen Konsequenzen in der DDR bei Stellung eines Ausreiseantrages Max Fechner – Opfer oder Täter der Justiz der Deutschen Demokratischen Republik? Die "Auskunftspersonen" der Stasi – Der Fall Saalfeld Geschlossene Venerologische Stationen und das MfS Jugendhilfe und Heimerziehung in der DDR Fraenkels "Doppelstaat" und die Aufarbeitung des SED-Unrechts "OV Puppe". Ein Stasi-Raubzug im Spielzeugland Alltag und Gesellschaft Ost-West Nachrichtenvergleiche Fußball mit und ohne Seele München 1972: Olympia-Streit um das „wahre Freundesland“ Afrikas Das religiöse Feld in Ostdeutschland Repräsentation Ostdeutschlands nach Wahl 2021 Die Transformation der DDR-Presse 1989/90 Das Elitendilemma im Osten "Affirmative Action" im Osten Ostdeutsche in den Eliten als Problem und Aufgabe Ostdeutsche Eliten und die Friedliche Revolution in der Diskussion Die Bundestagswahl 2021 in Ostdeutschland Deutsch-deutsche Umweltverhandlungen 1970–1990 Der Plan einer Rentnerkartei in der DDR "Es ist an der Zeit, zwei deutsche Mannschaften zu bilden" Deutsch-ausländische Ehen in der Bundesrepublik Verhandelte Grenzüberschreitungen Verpasste Chancen in der Umweltpolitik Der dritte Weg aus der DDR: Heirat ins Ausland Und nach Corona? Ein Laboratorium für Demokratie! Nichtehelichkeit in der späten DDR und in Ostdeutschland 30 Jahre später – der andere Bruch: Corona Mama, darf ich das Deutschlandlied singen Mit der Verfassung gegen Antisemitismus? Epidemien in der DDR Homosexuelle in DDR-Volksarmee und Staatssicherheit „Die DDR als Zankapfel in Forschung und Politik" Die Debatte über die Asiatische Grippe Coronavirus - Geschichte im Ausnahmezustand Werdegänge Familien behinderter Kinder in BRD und DDR Vom Mauerblümchen zum Fußball-Leuchtturm DDR-Alltag im Trickfilm Die alternative Modeszene der DDR Nachrichtendienste in Deutschland. Teil II Nachrichtendienste in Deutschland. Teil I Die Jagd gehört dem Volke Homosexuelle und die Bundesrepublik Deutschland Honeckers Jagdfieber zahlte die Bevölkerung Sicherheitspolitik beider deutscher Staaten von 1949 bis 1956 Frauen im geteilten Deutschland Ostdeutsche Identität Patriotismus der Friedensbewegung und die politische Rechte Rechte Gewalt in Ost und West Wochenkrippen und Kinderwochenheime in der DDR Urlaubsträume und Reiseziele in der DDR Reiselust und Tourismus in der Bundesrepublik Schwule und Lesben in der DDR Die westdeutschen „Stellvertreterumfragen“ Erfahrungen mit der Krippenerziehung „Päckchen von drüben“ Vor aller Augen: Pogrome und der untätige Staat Zwischen Staat und Markt Dynamo in Afrika: Doppelpass am Pulverfass Auf deutsch-deutscher UN-Patrouille in Namibia 1989 Jüdinnen in Deutschland nach 1945 Interviews Beiträge Porträts Redaktion "Ungehaltene Reden". Denkanstöße ehemaliger Abgeordneter der letzten Volkskammer der DDR Was sollten Wähler und Wählerinnen heute bedenken? Ein urdemokratischer Impuls, der bis ins Heute reicht „Als erster aus der Kurve kommen“ Die Rolle des Staats in der Wahrnehmung der Ostdeutschen Die durchlaufene Mauer Interview: Peter-Michael Diestel Interview: Günther Krause Interview: Lothar de Maizière Schülerzeitungstexte Noch Mauer(n) im Kopf? Liebe über Grenzen Ostseeflucht Fluchtursachen Die Frau vom Checkpoint Charlie Mutti, erzähl doch mal von der DDR Staatsfeind Nr.1: DAS VOLK!!! Mit dem Bus in die DDR Ost und West. Ein Vergleich Warum wird der 3. Oktober gefeiert? "Ich wünsch mir, dass die Mauer, die noch immer in vielen Köpfen steht, eingerissen wird" Zeitenwende Ist der Osten ausdiskutiert? Der Mutige wird wieder einsam Das Jahr meines Lebens Basisdemokratie Lehren aus dem Zusammenbruch "Wir wollten uns erhobenen Hauptes verabschieden" Für die gute Sache, gegen die Familie DDR-Wissenschaftler Seuchenbekämpfung Chemnitz: Crystal-Meth-Hauptstadt Europas Keine Ahnung, was als Nächstes passieren wird Allendes letzte Rede Friedliche Revolution Gethsemanekirche und Nikolaikirche Das Wirken der Treuhandanstalt Gewerkschaften im Prozess von Einheit und Transformation Zusammenarbeit von Treuhandanstalt und Brandenburg Privatisierung vom DDR-Schiffbau Die Leuna-Minol-Privatisierung Übernahme? Die Treuhandanstalt und die Gewerkschaften: Im Schlepptau der Bonner Behörden? Treuhand Osteuropa Beratungsgesellschaft "Ur-Treuhand" 1990 Internationale Finanzakteure und das Echo des Sozialismus Soziale Marktwirtschaft ohne Mittelstand? Die Beziehungen zwischen Frankreich und der DDR Suche nach den Spuren der DDR Wirtschaftsbeziehungen zwischen Frankreich und der DDR Der Freundschaftsverein „EFA“ Die Mauer in der französischen Populärkultur DDR als Zankapfel in Forschung und Politik DDR-Geschichte in französischen Ausstellungen nach 2009 Theater- und Literaturtransfer zwischen Frankreich und der DDR Die DDR in französischen Deutschbüchern Kommunalpartnerschaften zwischen Frankreich und der DDR Regimebehauptung und Widerstand Mut zum Aussteigen aus Feindbildern Für die Freiheit verlegt - die radix-blätter Der Fußballfan in der DDR Jugend in Zeiten politischen Umbruchs Umweltschutz als Opposition Sozialistisches Menschenbild und Individualität. Wege in die Opposition Politische Fremdbestimmung durch Gruppen Ist Antisemitismus vor allem ein ostdeutsches Problem? Antisemitismus in Deutschland Die Zweite Generation jüdischer Remigranten im Gespräch War die DDR antisemitisch? Antisemitismus in der DDR Teil I Antisemitismus in der DDR Teil II Als ob wir nichts zu lernen hätten von den linken Juden der DDR ... Ostdeutscher Antisemitismus: Wie braun war die DDR? Die Shoah und die DDR Umgang mit jüdischen Friedhöfen und Friedhofsschändungen, Teil I Umgang mit jüdischen Friedhöfen und Friedhofsschändungen, Teil II Israel im Schwarzen Kanal Der Nahostkonflikt in Kinder- und Jugendzeitschriften der DDR, I Der Nahostkonflikt in Kinder- und Jugendzeitschriften der DDR, II Das Israelbild der DDR und dessen Folgen Buchenwald und seine fragwürdige Nachgeschichte Macht-Räume in der DDR Wirtschaftspläne im Politbüro 1989 "Macht-Räume in der DDR" Macht, Raum und Plattenbau in Nordost-Berlin Machträume und Eigen-Sinn der DDR-Gesellschaft Die "Eigenverantwortung" der örtlichen Organe der DDR Strategien und Grenzen der DDR-Erziehungsdiktatur Staatliche Einstufungspraxis bei Punk- und New-Wave-Bands Kommunalpolitische Kontroversen in der DDR (1965-1973) Schwarzwohnen 1968 – Ost und West Der Aufstand des 17. Juni 1953 Interview mit Roland Jahn Der 17. Juni 1953 und Europa Geschichtspolitische Aspekte des 17. Juni 17. Juni Augenzeugenbericht Kultur und Medien Einmal Beethoven-Haus und zurück Gedächtnis im Wandel? Der Aufbau des öffentlich-rechtlichen Rundfunks in Ostdeutschland Die Demokratisierung von Rundfunk und Fernsehen der DDR Die Stasi und die Hitler-Tagebücher Ein Nachruf auf Walter Kaufmann Die Tageszeitung »Neues Deutschland« vor und nach 1990 Wie ein Staat untergeht Objektgeschichte antifaschistischer Ausstellungen der DDR Reaktionen auf die Ausstrahlung der Fernsehserie „Holocaust“ „Mitteldeutschland“: ein Kampfausdruck? Gesundheitsaufklärung im Global Humanitarian Regime The British Press and the German Democratic Republic Kulturkontakte über den Eisernen Vorhang hinweg "Drei Staaten, zwei Nationen, ein Volk“ "Flugplatz, Mord und Prostitution" SED-Führung am Vorabend des "Kahlschlag"-Plenums Ende der Anfangsjahre - Deutsches Fernsehen in Ost und West "Wer nicht für uns ist, ist gegen uns. Es gibt keinen Dritten Weg" Frauenbild der Frauenpresse der DDR und der PCI Regionales Hörfunkprogramm der DDR DDR-Zeitungen und Staatssicherheit Eine Chronik von Jugendradio DT64 Die "neue Frau": Frauenbilder der SED und PCI (1944-1950) Lager nach 1945 Ukrainische Displaced Persons in Deutschland Jugendauffanglager Westertimke Das Notaufnahmelager Gießen Die Gedenkstätte und Museum Trutzhain Die Barackenstadt: Wolfsburg und seine Lager nach 1945 Die Aufnahmelager für West-Ost-Migranten Die Berliner Luftbrücke und das Problem der SBZ-Flucht 1948/49 Migration Fortbildungen als Entwicklungshilfe Einfluss von Erinnerungskulturen auf den Umgang mit Geflüchteten Friedland international? Italienische Zuwanderung nach Deutschland Jüdische Displaced Persons Das Notaufnahmelager Marienfelde Migration aus Süd- und Südosteuropa nach Westeuropa Die "Kinder der 'Operation Shamrock'" Rück- und Zuwanderung in die DDR 1949 bis 1989 West-Ost-Übersiedlungen in der evangelischen Kirche Migration aus der Türkei Griechische Migration nach Deutschland Die Herausforderung der Aussiedlerintegration Die Ausreise aus der DDR Das Spezifische deutsch-deutscher Migration Flüchtlinge und Vertriebene im Nachkriegsdeutschland Interview mit Birgit Weyhe zur Graphic Novel "Madgermanes" Die Migration russischsprachiger Juden seit 1989 Chinesische Vertragsarbeiter in Dessau Arbeitsmigranten in der DDR Gewerkschaften und Arbeitsmigration in der Bundesrepublik Deutschlandforschertagung 2016 Eröffnungsreden Panels und Poster Session Grenzgebiete Die Wende im Zonenrandgebiet Der andere Mauerfall Das "Grüne Band" Alltagsleben im Grenzgebiet Aktion, Reaktion und Gegenreaktion im „Schlüsseljahr“ 1952 Außensichten auf die deutsche Einheit Wahrnehmung des geeinten Deutschlands in Serbien Norwegische Freundschaft mit dem vereinten Deutschland Deutschland im Spiegel des Wandels der Niederlande Österreichs Reaktionen auf die Mühen zur deutschen Einheit Israelische Reaktionen auf die Wiedervereinigung Deutsche Diplomaten erleben den Herbst 1989 Das wiedervereinigte Deutschland aus Sicht der Slowaken Wahrnehmung der deutschen Einheit in Dänemark Die Perzeption der Wiedervereinigung in Lateinamerika Deutsch-polnische Beziehungen Der Blick junger Schweizer auf Deutschland Bulgarien blickt erwartungsvoll nach Deutschland Vom bescheidenen Wertarbeiter zur arroganten Chefin "Gebt zu, dass die Deutschen etwas Großes geleistet haben." 150 Jahre Sozialdemokratie Wehners Ostpolitik und die Irrtümer von Egon Bahr 150 Jahre Arbeiterturn- und Sportbewegung Die Spaltung der SPD am Ende der deutschen Teilung Willy Brandts Besuch in Ostberlin 1985 Deutschlandforschertagung 2014 Einleitungsvortrag von Christoph Kleßmann Tagungsbericht: "Herrschaft und Widerstand gegen die Mauer" Tagungsbericht: Sektion "Kultur im Schatten der Mauer" Interview mit Heiner Timmermann Interview mit Angela Siebold Interview mit Jérôme Vaillant Interview mit Irmgard Zündorf Interview mit Andreas Malycha Die Mauer in westdeutschen Köpfen Multimedia Wie wurde ich ein politischer Mensch? Zeitreisen mit "Kennzeichen D" Der Anfang vom Ende der DDR: Die Biermann-Ausbürgerung 1976 Wendekorpus. Eine Audio-Zeitreise. 1. Vorboten von Umbruch und Mauerfall 2. Schabowski und die Öffnung der Grenzen am 9. November 1989 3. Grenzübertritt am 10. November 4. Begrüßungsgeld 100 D-Mark 5. Den Anderen anders wahrnehmen 6. Stereotypen 7. Was bedeutet uns der Fall der Mauer? 8. Emotionen 9. Sprache Gespräche mit Zeitzeuginnen und Zeitzeugen Brecht & Galilei: Ideologiezertrümmerung Die Zweite Generation jüdischer Remigranten im Gespräch Ausgaben vor 2013 Bau- und Planungsgeschichte (11+12/2012) Architektur als Medium der Vergesellschaftung Landschaftsarchitektur im Zentrum Berlins Kunst im Stadtraum als pädagogische Politik Dresden – das Scheitern der "sozialistischen Stadt" Bautyp DDR-Warenhaus? Ulrich Müthers Schalenbauten Medizinische Hochschulbauten als Prestigeobjekt der SED Transitautobahn Hamburg–Berlin Literaturjournal Aufarbeitung (10/2012) "Es geht nicht um Abrechnung ..." "Ein Ort, der zum Dialog anregt" Eckstein einer EU-Geschichtspolitik? Schwierigkeiten mit der Wahrheit Personelle Kontinuitäten in Brandenburg seit 1989 "Geschlossene Gesellschaft" Kulturelite im Blick der Stasi Experten für gesamtdeutsche Fragen – der Königsteiner Kreis Friedrich II. – Friedrich der Große Literaturjournal Deutsch-deutscher Literaturaustausch (8+9/2012) Eine gesamtdeutsche Reihe? Die Insel-Bücherei Versuche deutsch-deutscher Literaturzeitschriften Geschiedene Gemüter, zerschnittene Beziehungen Ein Name, zwei Wege: Reclam Leipzig und Reclam Stuttgart Die Beobachtung des westdeutschen Verlagswesens durch das MfS Volker Brauns Reflexionen über die Teilung Deutschlands Die Leipziger Buchmesse, die Börsenvereine und der Mauerbau Die Publikationskontroverse um Anna Seghers' "Das siebte Kreuz" Westdeutscher linker Buchhandel und DDR Die Publikationsgeschichte von Stefan Heyms "Erzählungen" Das große Volkstanzbuch von Herbert Oetke Eine deutsch-deutsche Koproduktion: die "OB" Dokumentation: "Ein exemplarisches Leben – eine exemplarische Kunst" Literaturjournal Nach dem Mauerbau (7/2012) Der ewige Flüchtling Der Warenkreditwunsch der DDR von 1962 Die Entstehung der "Haftaktion" Leuna im Streik? Mit dem Rücken zur Mauer Der Honecker-Besuch in Bonn 1987 Ein Zufallsfund? Literaturjournal Politische Bildung (6/2012) Antikommunismus zwischen Wissenschaft und politischer Bildung Subjektorientierte historische Bildung Geschichtsvermittlung in der Migrationsgesellschaft "Hallo?! – Hier kommt die DDR" Vergangenheit verstehen, Demokratiebewusstsein stärken Keine einfachen Wahrheiten Literaturjournal Sport (5/2012) Sportnation Bundesrepublik Deutschland? Marginalisierung der Sportgeschichte? Dopingskandale in der alten Bundesrepublik Hooliganismus in der DDR "Erfolge unserer Sportler – Erfolge der DDR" Literaturjournal Nachkrieg (4/2012) Jüdischer Humor in Deutschland Die SED und die Juden 1985–1990 "Braun" und "Rot" – Akteur in zwei deutschen Welten Kriegsverbrecherverfolgung in SBZ und früher DDR Die "Hungerdemonstration" in Olbernhau Eklat beim Ersten Deutschen Schriftstellerkongress Workuta – die "zweite Universität" Dokumentation: Die Rehabilitierung der Emmy Goldacker Kaliningrader Identitäten "Osten sind immer die Anderen!" Freiheit und Sicherheit Literaturjournal Wirtschaft und Soziales (3/2012) Zeitgeschichte/ Zeitgeschehen Forum Literaturjournal Zeitgeschichte im Film (2/2012) Zeitgeschichte/ Zeitgeschehen Forum Literaturjournal Nonkonformität und Widerstand (1/2012) Zeitgeschichte/ Zeitgeschehen Dokumentation Forum Literaturjournal Deutsch-deutsches (11+12/2011) Zeitgeschichte/ Zeitgeschehen Dokumentation Forum Literaturjournal Öffentlicher Umgang mit Geschichte (10/2011) Zeitgeschichte/ Zeitgeschehen Forum Literaturjournal 21 Jahre Deutsche Einheit (9/2011) Zeitgeschichte/ Zeitgeschehen Dokumentation Forum Literaturjournal Wissenschaft (8/2011) Zeitgeschichte/ Zeitgeschehen Forum Literaturjournal 50 Jahre Mauerbau - Teil 2 (7/2011) Zeitgeschichte/ Zeitgeschehen Dokumentation Forum Literaturjournal 50 Jahre Mauerbau (6/2011) Zeitgeschichte/ Zeitgeschehen Dokumentation Forum Literaturjournal Kultur (5/2011) Zeitgeschichte/ Zeitgeschehen Dokumentation Forum Literaturjournal Innere Sicherheit (4/2011) Zeitgeschichte/ Zeitgeschehen Dokumentation Forum Literaturjournal Wirtschaftsgeschichte (3/2011) Zeitgeschichte/ Zeitgeschehen Dokumentation Forum Literaturjournal Ost-West-Beziehungen (2/2011) Zeitgeschichte/ Zeitgeschehen Dokumentation Forum Literaturjournal Medien (1/2011) Zeitgeschichte/ Zeitgeschehen Dokumentation Forum Literaturjournal Über das Deutschland Archiv Redaktion Nach den Unruhen in Kasachstan: Wendepunkt oder Weiter so?

Erinnerung als Integration Zum ostdeutschen Autobiographie-Boom seit 1990

Frank Hoffmann

/ 21 Minuten zu lesen

Nur wenige Texte autobiographischer DDR-Literatur fanden Aufmerksamkeit bei Publikum und Medien zugleich. Ausgehend von Joachim Gaucks Erinnerungen untersucht der Beitrag gattungstypologische Merkwürdigkeiten dieser "Bücherflut" und plädiert für eine positive Bewertung: Erinnerungsarbeit als Versuch, sich in der neuen Gesellschaft zu integrieren.

I.


Joachim Gauck vor dem Berliner Reichstagsgebäude. Foto aus Gaucks Erinnerungen "Winter im Sommer – Frühling im Herbst". (© Siedler Verlag)

Eine Autobiographie als Bewerbungsschrift für das höchste Staatsamt, konzentriert in einem Bild – auch als begeisterter Leser darf man zu diesem Urteil kommen, wenn man einen Blick auf das letzte Foto in Joachim Gaucks Erinnerungen wirft. Am 23. Mai 2009, so heißt es im Text, steht der Autobiograph im Berliner Regierungsviertel vor einer munter im Wind geblähten Bundesflagge und lässt sich von seiner ob der staatstragenden Symbolik recht unwirschen Begleiterin fotografieren. Dem Bild ist, bei aller sympathischen Gelassenheit, mit der Gauck dem Betrachter entgegenschaut, eine gewisse Künstlichkeit eigen; denn nur die schwarzrotgoldene Fahne ist mächtig aufgebauscht, während im Hintergrund zwei andere Fahnen müde im Windstillen hängen. Nach einem Lebensweg von 70 Jahren mit Erschütterungen und Erhebungen markiert das Bild ein zufriedenes Angekommensein im Jetzt, aber es lässt noch Spielraum für die Zukunft.

Dass Joachim Gauck nur ein gutes Jahr später von einer heftigen Woge bürgerschaftlicher Begeisterung vor die Tore des Berliner Schlosses Bellevue getragen wurde, markiert den Verdruss an einer politischen Klasse, die nicht einmal der Rücktritt des Bundespräsidenten zu erschüttern vermochte. Aber der Rostocker Pfarrer, Bürgerrechtler und erste Namensgeber einer sonst unaussprechlichen nationalen Geschichtsinstitution (Bundesbeauftragter für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik) wurde nicht zufällig zur Projektionsfläche der Hoffnungen auf politisch-rhetorische Ursprünglichkeit und freiheitlichen Bürgersinn. Vorausgegangen war Gaucks Nominierung als Präsidentschaftskandidat der rot-grünen Opposition eine Bewerbungstour ganz besonderer Art. Sie hatte den späteren Kandidaten fast durch die ganze Republik geführt, freilich mit einer nur hintergründig politischen Wirkungsabsicht. Vordergründig ging es um die Vorstellung eben dieses zu den Jubiläen von 2009 auf den Markt gekommenen Erinnerungsbuchs mit dem schönen, aber nicht auf den kommenden Bestseller hindeutenden, weil komplizierten Titel: "Winter im Sommer – Frühling im Herbst".

Buchcover (© Siedler Verlag)

Die Lesereise wurde zu einem weit über das Buch hinaus weisenden geschichtspolitischen Ereignis der Nation, waren doch Gaucks Lesungen, die kurzfristig zu einer Art Präsidentschaftswahlkampf mutierten, Impulse für die innere Einheit. Ebenso wenig wie er sich als "linker, liberaler Konservativer" (S. 326) politisch festlegen mochte und so eine parteipolitische Karriere ausschloss, ist Gauck nämlich auf der Ost-West-Linie festzumachen. Jeglicher Ostalgie abhold, mit ostdeutschen Wunschträumen und westdeutscher Verdrossenheit gleichermaßen ins Gericht gehend, akzentuiert er markant die West-Optionen seiner ostdeutschen Biographie, etwa in den Passagen über seine Erfahrungen vor dem Mauerbau mit einer jugendlichen Stippvisite in Paris. Vor allem aber zeigt dies das emotionale Kernstück des Buchs: die familiäre Verlustgeschichte, in der drei von vier Kindern des Ehepaars Gauck vor 1989 in die Bundesrepublik gingen. Die Frage von "Gehen oder Bleiben" ist schon zuvor, seit der Verschleppung von Gaucks Vater durch sowjetische Dienststellen und seiner Rückkehr aus dem Gulag 1955, virulent. Aber der Vater fühlt sich "innerlich frei", sodass ihm die "politische Unfreiheit in der DDR nicht das Wichtigste war" (56). Gauck übernimmt diese Dialektik von Freiheit in der Unfreiheit, wenn auch nicht explizit. Er relativiert sie sogar, wenn er sich selbstkritisch fragt, ob er bei allem Stolz, vom System nicht mehr "zu kränken oder zu demütigen" zu sein, sich vielleicht doch nur "längst mit dem kleinen Glück" in der Nische abgefunden habe (76). Die Spannung wächst mit dem sukzessiven Exodus der beiden Söhne und einer Tochter. Neuerlich verharrt er in der Verweigerung von Trauer um die weggehenden Kinder: "Ich [...] wollte die Trauer der Bleibenden nicht teilen [...], weltschlau und gefühlsgelähmt" (95). Gauck hat in den Lesungen wiederholt berichtet, wie traumatisch gerade diese Erinnerung an seine Verhärtung war; das Buch sei an diesem Trauma fast gescheitert, wenn die Zusammenarbeit mit Helga Hirsch nicht darüber hinweg geholfen hätte. Das gelungene Buch ist auch ein Beleg, dass man im Gespräch über die eigene Vergangenheit die sich sträubende Erinnerung bewältigen kann.

Damit ist der Nexus dieser Lebensgeschichte entfaltet: Der Preis der inneren Freiheit in der äußeren Unfreiheit ist hoch, aber er zahlt sich aus. Dass die mehrfach ausgeschlagene West-Option überdies dem altwestdeutschen Leser jede Illusion nimmt, dem Ostdeutschen irgendetwas voraus zu haben, bestätigt nur Gaucks bekanntes Aperçu, man habe im Osten vom Paradies geträumt und sei in Nordrhein-Westfalen aufgewacht. Endlich einmal eine ostdeutsche Autobiographie, in der die Gleichwertigkeit der Lebenswelten von Ost und West jenseits der politischen Systeme nicht verkrampft postuliert, sondern mit der gebotenen Selbstverständlichkeit gelebt wird.

Diese Anstrengung der historischen Selbst-Besinnung begründet und beglaubigt die das Werk durchziehende Linie von den Erfahrungen der Freiheit und Freiheitssehnsucht in der winterkalten Diktatur der Fünfzigerjahre, im nonchalant erinnerten Alltag der DDR, im frühlingshaften Aufbruch von 1989/90 und im vereinten Deutschland, mit der sich Gauck in diesem Buch als "reisender Demokratielehrer" (327) exponiert. Die programmatische Explikation des autobiographischen Projekts bietet das vorletzte Kapitel "Freiheit, die ich meine". Hier wird das eigene Er-Leben mit den Erfahrungen der Epoche so integriert, dass die mannigfachen Unzulänglichkeiten der Demokratie und ihrer so wenig glanzvollen Werktagsfreiheit hell erstrahlen im Licht einer heilen, unabweisbar schönen, glänzenden Freiheit, wie die Freiheit nur ihm und Seinesgleichen mit einer "osteuropäischen Verlustgeschichte" eben leuchten kann (341). Wieder stehen sich die Menschen in Ost und West mit der sie quälenden anthropologischen Urangst vor der Freiheit, die Gauck mit Erich Fromm diagnostiziert, viel näher als sie denken. Mit einem idyllischen Schlussbild transformiert Gauck diese Botschaft von der Theorie zurück in die beglaubigende Erinnerung: Ein Knabe, man mag an den zehnjährigen Joachim denken, skandiert auf dem Heimweg die neueste Schandbotschaft, die ihm in der Schule der ganz jungen DDR eingetrichtert worden war, in jenen Jahren des Kalten Kriegs, und er drischt mit den verächtlichen Worten "Das Bon-ner Grund-ge-setz. Das Bon-ner Grund-ge-setz" sowie einem kräftigen Holzknüppel auf das Maigras ein, um alle Bonner Kapitalisten mächtig einzuschüchtern. Und ist es nicht wahr, so ist es schön erfunden. Der Demokratielehrer bleibt natürlich die erinnernde Nutzanwendung nicht schuldig: "Schneller als erwartet" würde der Knabe, der weder das Grundgesetz kannte noch wusste, dass er es 50 Jahre später als Urkunde der Freiheit erkennt, "auf Abstand gebracht worden" sein, noch "ehe er den Abstand gesucht hatte" (344).

Der Literaturwissenschaftler Dennis Tate hat angesichts des nationalen Respekts vor seiner großen Autobiographie dem Romancier Günter de Bruyn, mit einem Körnchen britischer Ironie den Ehrentitel einer "gesamtdeutsche[n] Konsensfigur" der Literatur nach 1990 verliehen. Mindestens mit gleichem Recht, aber durchaus ohne Ironie verdient Joachim Gauck mit seinen Erinnerungen den Ehrentitel der großen Integrationsgestalt der deutschen politischen Kultur. Denn Gauck synthetisiert, damit Goethes geradezu kanonische Gattungsdefinition der Autobiographie erfüllend, Ich und Welt, ja er erhebt das Ich zum Lehrer seiner Zeit. Wenn Goethe dem (Auto-)Biographen die Aufgabe zugewiesen hatte, "den Menschen in seinen Zeitverhältnissen darzustellen", wo ihm das Ganze seiner Epoche "widerstrebt" und wo es ihn "begünstigt" hätte und wie "er sich eine Welt- und Menschenansicht daraus gebildet" habe, so ist ein Programm entfaltet, dem sich im 21. Jahrhundert scheinbar nur noch in ironischer und möglichst dekonstruierender Absicht genähert werden kann. Und doch muss man sich erkühnen zu überlegen, ob Gauck mit traumwandlerischer Sicherheit es nicht genau unternimmt, ein solches Wagnis anzugehen und einzulösen. Die Frage, wie die subjektive Kohärenz zwischen dem politischen Freiheitspostulat des Buchs, den Freiheitserfahrungen seines Protagonisten und der außerliterarischen Referenz des Demokratielehrers Gauck zu bewerten ist, ist für eine poststrukturalistisch geschulte Autobiographieforschung gewiss ebenso eine Provokation wie die (eigene Überlegungen kritisch überdenkende) Annahme einer kohärenten Ich-Expression im Goetheschen Sinne. Oder bündig formuliert: "Die Leitkategorie der harmonischen Einheit der Person, die über das autobiographische Verhalten hergestellt wird, ist längst der historischen und wissenschaftlichen Entwicklung und der Kritik zum Opfer gefallen."

Der "Fall Gauck" markiert also die Ausnahme, die die Regel bestätigt. Das gilt vice versa auch für den öffentlichen Umgang mit der gewaltigen Zahl von "Erinnerungen an die DDR", die seit 1990 die Buchhandlungen und Bibliotheken, oft auch nur Verlagslisten und Bibliotheksverzeichnisse füllen. Denn bei aller Hingabe des geisteswissenschaftlichen Mainstreams der letzten 20 Jahre an den Topos des Erinnerns, gespeist durch empirische Befunde der Hirnforschung und beflügelt durch kulturwissenschaftliche Theorien des kollektiven, kulturellen oder kommunikativen Erinnerns von Assmann bis Welzer: Die wissenschaftliche Wahrnehmung der tatsächlich zu Hunderten vorliegenden Erinnerungstexte zu dem verloren gegangenen Objekt DDR bleibt in den meisten Fällen in einer merkwürdigen Schwebe zwischen Interesselosigkeit und Kopfschütteln ob so viel Rechthaberei und mangelnder Reflexionsfähigkeit. Beim Publikum hingegen kann es offenbar kaum Autobiographien genug geben. Eine zweite, kürzere Fallstudie mag den Sonder-Fall Gauck stärker verdeutlichen helfen.

II.


Christian Führer (© Ullstein Buchverlag)

Wenige Monate vor Joachim Gauck hatte Christian Führer, ebenfalls passend zum 20. Jubiläum der Friedlichen Revolution, seine Erinnerungen vorgelegt, und auch er variiert Goethe, allerdings mit einem geflügelten Wort aus der "Campagne in Frankreich". Der Titel "Und wir sind dabei gewesen" verkündet stolz die Teilhabe an einem welthistorischen Ereignis; sie wird im Untertitel zum Besitzanspruch an den Ereignissen vom Herbst 1989. Es geht um die "Revolution, die aus der Kirche kam."

Während Gaucks Buch erst im Oktober 2009 auf den Markt drängt, als etliche Erinnerungstage schon absolviert sind, trägt Führers Buch im Impressum noch das Jahr 2008, aber das Vorwort ist auf Epiphanias 2009 datiert (S. 10), die üblichen Vorab-Rezensionen finden sich entsprechend ab März 2009. Sein Buch begleitet das Erinnerungsjahr 2009 von Anfang an, das spätestens mit der Gedenk-Markierung der Kommunalwahl-Fälschungen vom Mai 1989 als Initialbeschleuniger des demokratischen Aufbruchs in der DDR einsetzt. Anders als Joachim Gauck ist Christian Führer ab September 1989 ein international wahrgenommener Protagonist der Friedlichen Revolution. Und eigentlich hat er die spannendere Geschichte zu erzählen, denn schließlich entschied sich in Leipzig und nicht in Rostock Welthistorisches. Es war Pfarrer Führer, der wenigstens für einige Monate so berühmt war, dass sich Günter Grass bei niemand anderem als bei ihm einquartierte, als er 1990 einige Tage in Leipzig wohnte. Während aber Gaucks Weg von Rostock und der Kirche in immer wichtigere Funktionen und Rollen führt, um im präsidialen Gestus vor der Nationalflagge sein Ziel zu finden, bleibt Führer über die Jahre 1989/90 hinweg ganz Leipzig und seiner Nikolaikirche verpflichtet. Sein autobiographisches Telos ist chiffriert in der Nikolaikirche und im 9. Oktober 1989. Diesem Datum gilt das erste Wort im Vorwort des Buchs und auch der bewegend sympathische Prolog, in dem sich der Leipziger Nikolaipfarrer seiner feierlichen Verabschiedung im Jahre 2008 erinnert, kommt nicht ohne den Gedächtnisrekurs auf diesen Tag aus: Er habe die Kirche betreten und gesehen, "dass sie voll besetzt war. Sofort kam mir die Erinnerung an den [...] 9. Oktober 1989." (13)

Bei aller Erinnerungsfreude fehlt dem Buch aber der existentielle Bruch einer Ich-Entfaltung ebenso wie eine kritische Spannungslinie. Nicht das Heraustreten aus der Kirche, hinein in die sich ermächtigende Bürgerbewegung und den Prozess von der Revolution zur Vereinigung trägt Führers Erinnerung, sondern die sichere Grundierung einer fröhlichen Gottesnähe. Insofern ist vieles, was bei Gauck zweifelhaft und fragwürdig ist, bei dem Leipziger selbstverständlich und beinahe mit Leichtigkeit klar und entschieden. Wo Gauck sich selbst im Prozess der Revolution fortlaufend transformiert und den Wandel in sich selbst – bis hin zur Trennung von seiner Frau, die bemerkenswert karg erinnert wird – aushandelt, lebt Führer in den Prinzipien, die ihn 1989 getragen haben, ruhig weiter. Dazu gehört auch eine sympathische Portion Sturheit, etwa wenn der britischen Königin, die 1992 die Stätten der Friedlichen Revolution mit ihrem Besuch ehrt, ein Extraplatz verwehrt wird: "An Sitzplätzen fehlt es uns in der Nikolaikirche nun wirklich nicht [...] In der Kirche Jesu Christi gibt es keine Menschen erster oder zweiter Klasse" (129).

Führers Geschichte nach 1989 füllt viele Seiten des Buchs, sein Engagement für die im Irak entführten Leipziger Ingenieure, sein Einsatz für soziale Gerechtigkeit, gegen Neonazis und für Arbeitslose. Aber immer ist die historische Instanz von 1989 die Richtschnur, genauer: wird das eigene ethische Handeln aus denselben theologischen Gründen hergeleitet wie das Handeln von 1989. Mit den Friedensgebeten, die er bis zu seiner Emeritierung 2008 weiterführt, findet sich auch eine Kontinuität in der Form. Gewiss, nur 1989 hebt Führer heraus, gibt seinem Buch die Verve, die es sogar in die Bestsellerlisten führt. Aber nie wird dieses Insistieren peinlich. Sogar die heikle Passage, in der sich Führer intensiv und stolz mit Frank Beyers Verfilmung von Erich Loests Roman "Nikolaikirche" beschäftigt – also die Reprise der eigenen Person – verliert sofort alles Schamhafte, weil Führer sich nie als Akteur, sondern stets als Werkzeug Gottes sah. Insofern ist für ihn 1989/90 viel weniger Zäsur als Bestätigung und gelungener Ausdruck eines theologischen Prinzips: der offenen Gottesnähe, in der alle gleich sind.

III.


Mit sechs Wochenplatzierungen, darunter einem Rang 16 (20. Juli 2009), in der Sachbuch-Bestsellerliste zählt Christian Führers Buch zu den erfolgreichsten autobiographischen Werken ostdeutscher Autoren im doppelten Jubiläumsjahr 2009/10. Das Buch hält eine gelungene Schwebe zwischen Autobiographie und Memoiren, wobei Führer ganz sicher der Selbstreflexion fähig ist. Die Kindheits- und Jugendgeschichte ist durchaus einer Autobiographie angemessen. Aber die vielen Fotos zu Begegnungen mit Prominenten nach 1990, ein Personenregister (das bei Gauck fehlt!) sowie die Freude an Anekdoten und Erlebnissen mit bekannten Personen lässt auch die Nähe zum Genre der Memoiren erkennen.

Lothar de Maizière (© Herder Verlag)

Ganz anders jedoch, um einen dritte wichtige Akteurserinnerung von 1989/90 wenigstens zu nennen, ist die klassische Variante der – auf die zweijährige politische Aktivität beschränkten – Memoiren, die Lothar de Maizière erst zum 20. Jubiläum der Vereinigung im Herbst 2010 vorlegte. Versprach der extrovertierte Titel – "Ich will, dass meine Kinder nicht mehr lügen müssen" – eine Abrechnung mit der SED-Diktatur, so zeigt der Untertitel – "Meine Geschichte der deutschen Einheit" – die tatsächliche Richtung an: Es geht darum, in der Konkurrenz der Erinnerungen die eigene Position zu markieren, nicht zuletzt, wie im Detail gezeigt werden könnte, gegen Helmut Kohls Erinnerungsduktus an das Jahr 1990. Nicht ohne Erfolg (2 Wochenplätze in der Bestsellerliste), lässt de Maizières Buch neuerlich die Wucht von Gaucks Erfolg erkennen, der sich vom Erscheinen (Oktober 2009) bis ins Frühjahr 2011 in den "Buchcharts" hielt, 2010 einen beachtlichen Platz 18 der Jahresbestseller erreichte, und am 12. Juli 2010 mit Rang 5 seine beste Wochennotierung errang. Wie Bucherfolg und öffentliche Rolle zusammenhängen, lässt sich an der Bestsellerliste ablesen: Bis ins Frühjahr 2010 nur dreimal auf einem Wochenplatz unter 20, verschwand der Titel in der 20. bis 23. Woche von 2010 aus der bis Platz 50 zählenden Liste, um dann ab Anfang Juni parallel zur Präsidentschaftskandidatur nach vorn zu kommen: Platz 35 (24/2010), Platz 10 (25 und 26/2010), Platz 8 (27/2010), Platz 5 (28 und 29/2010).

Nur ein einziger Text ostdeutscher autobiographischer Provenienz hat in der seit 2001/02 zählenden Statistik ("Buchreport") einen noch markanteren Erfolg gehabt: Jana Hensels Ostalgiebuch einer geraubten Kindheitsidylle. Ironisch genug, denn schließlich darf Gaucks Buch in der Geschichte der ostdeutschen Autobiographik nach 1990 auch als Aufhebung der Ostalgie und als eine intergenerationelle Antwort auf Hensel gelesen werden. Gaucks, aber auch Führers und de Maizières Bücher vollziehen damit im Bereich des autobiographischen Erinnerns die neue Position der Ernsthaftigkeit nach, wie sie in anderen Bereichen – im Film durch "Das Leben der Anderen", in der Geschichtspolitik durch die Kontroverse zwischen Alltagsgeschichte und Diktaturpostulat, im Bildungssektor infolge der "Schroeder-Studie" – seit einiger Zeit unverkennbar ist.

Doch vor der erinnerungskulturellen Signifikanz der Autobiographik bleibe der Fokus noch für einen Moment bei der Perspektive des Erfolgs beim Publikum. Wenn seit langem ein internationaler "Autobiographie-Boom" und eine ausgesprochene "Erinnerungskonjunktur" konstatiert werden, so provoziert dies eine kritische Rückfrage angesichts einer die Literaturwissenschaftler wohl erschütternden gattungstypologischen Inkonsequenz des Publikums. Liest dies nicht sehr viel lieber Memoiren oder Memoirenhaftes als Autobiographien der Art, die als die "zunehmende Fiktionalisierung der Gattung" beschrieben wird? Denn naturgemäß verdankt sich der massenhafte Erfolg des Erinnerungsgenres nicht der skeptischen Differenzierung von Wahrheit und Wahrhaftigkeit bzw. ihrer Konstruktion und einer sorgfältig ausgeloteten Subjektivitäts- und Identitätsarbeit, sondern niedereren Instinkten wie Neugier, Schadenfreude oder Starkult. Jedenfalls lassen die wirklich erfolgreichen Titel dies vermuten. Gemeint sind autobiographisch grundierte Bücher von Dieter Bohlen (2002 Jahresbestseller Nr. 1), Hape Kerkeling (2006 und 2007 Jahresbestseller Nr. 1, 2008 Nr. 2) oder, in kleinerer Münze, von Stefan Effenberg (2002), Boris Becker (2002), Oliver Kahn (2008), Bushido (2008), vielen anderen Show- und Mediengrößen, Politikern des In- und Auslands (zum Beispiel Hillary und Bill Clinton, 2003 und 2004; Helmut und Loki Schmidt, 2008 und 2009; Helmut Kohl, 2004, 2005; Gerhard Schröder, 2006; Barack Obama, 2009) und medial gemachten Stars (Margot Käßmann, 2009).

Dass Jana Hensel und Joachim Gauck in diese Dimensionen hineinragen, ist für die ostdeutsche Autobiographik exzeptionell. Gewiss, Verkaufserfolge gab es auch zuvor – und zwar in einer beachtlichen Breite, aber ohne Jahresbestseller zu generieren. Immerhin kletterte Claudia Ruschs "Anti-Zonenkinder" "Meine freie deutsche Jugend" (2003) auf einen Wochenplatz 11 (25.8.2003) und hielt sich danach noch 30 Wochen in der Spitzengruppe der besten 50. Die erfolgreichen Bücher von aus Ostdeutschland stammenden Schauspielern wie beispielsweise Angelica Domröse ("Ich fang mich selber ein", 2003, ca. 20 Platzierungen, Spitze: Platz 8 am 19.5.2003), Manfred Krug ("Mein schönes Leben", 2003; am 22.9.2003 auf Platz 13, ca. 20 Platzierungen bis März 2004), Winfried Glatzeder ("Paul und ich", 2008, Platz 15 am 17.3.2008, 11 Platzierungen) oder Jan Josef Liefers ("Soundtrack meiner Kindheit", 2009, Platz 12 am 21.12.2009, 21 Platzierungen) markieren erneut das Genre der populären Künstlermemoiren. Allerdings ziehen sie doch immer auch die politische Positionierung als darstellende Kulturschaffende in der DDR mit in Betracht; und wenn ein Ost-Superstar wie Frank Schöbel ein 700-seitiges Erinnerungsbuch mit ausführlichem Rekurs auf seine Stasi-Akte vorlegt, so markiert schon der Umfang, dass nicht notwendig leichte Kost geboten wird. Vielmehr erinnert Schöbels ungewöhnliches Buch, auch wenn er seine Fans erreicht hat, an die große Masse der – zumeist ungelesenen – Lebensgeschichten der "ganz normalen Menschen", die das eigentliche erinnerungskulturelle Phänomen darstellen.

Blickt man auf die Ebene der politischen Akteure wie der Opfer politischer Aktivitäten in der DDR, so verwundert es vielleicht weniger, dass die aus einem Konvolut von Selbstzeugnissen und Dokumenten 'zusammen gezimmerten' Memoiren der Lotte Ulbricht mit dem irreführenden Titel "Mein Leben" (2003) auf Platz 7 der Bestsellerliste (7.4.2003, weitere 10 Platzierungen) vorstoßen konnte oder Markus Wolf geschickt einen Titel an den anderen reihte, als dass auch Texte, die Widerstand und Resistenz bezeugen, in diese Kategorien reichen. Neben Eva-Maria Neumanns Buch über ihre Erfahrungen im Frauenzuchthaus Hoheneck ("Sie nahmen mir nicht nur die Freiheit", 2007, Rang 26 am 28.5.2007), ist der ausgesprochene Longseller von Erika Riemann gemeint ("Die Schleife an Stalins Bart. Ein Mädchenstreich, acht Jahre Haft und die Zeit danach", 2002, im November 2003 auf den Wochenplätzen 4 und 5, bis 2004 in der 50er-Liste, auch als Taschenbuch erfolgreich).

Mit diesen Autorinnen ist endlich die Ebene der "ganz normalen Menschen" erreicht; doch tritt in diesen Büchern der "Alltag" der Diktatur dem Leser in spannungsgeladener Drastik und ganz und gar nicht "normal" entgegen. Die Literaturgeschichte der DDR-Zuchthäuser, der Erlebnisberichte über Fluchtversuche, Haft, Stasi-Verhör, Willkür und Gewalt, die kleine Opposition und den alltäglichen Widerstand ist noch nicht geschrieben. Einige Klassiker der Zeit bis 1990. stehen hier neben einer Fülle wenig bekannter, gleichwohl eindrucksvoller, oft eigenwilliger, im therapeutischen Erinnerungsakt sich der eigenen Existenz neu bemächtigender Texte. Und was für diese mit spezifisch kritischer Perspektive geschriebene Erinnerungen gilt, darf auch für die mehr oder weniger DDR-affirmativen sowie die eher neutralen der – vorsichtig geschätzt. – weit über 500 selbstständig veröffentlichten Erinnerungstexte zur DDR seit 1990 gelten. Zwischen Marktgängigkeit und Selbsttherapie dürfte mehrheitlich das Letztere den Ausschlag gegeben haben.

Und auch für die Höhenkammlinie trifft diese Spannung zu: Sei es die literarische Autobiographie, die am ehesten noch die Aufmerksamkeit der Forschung findet und ab 1991 mit den Titeln von Günter de Bruyn, Heiner Müller, Hermann Kant, Günter Kunert und einem knappen Dutzend weiterer Spitzenautor(inn)en die Gattung der DDR-Erinnerung prägten. Wer wollte es Schriftstellern verargen, dass sie ihre Identitätsmühen zu Markte tragen? Sei es der andere Pol der ostdeutschen Autobiographie-Szene, also die Memoirenwerke (und Interviewbücher) der früheren SED-Größen, zuvörderst fast das halbe Politbüro von 1989 mit Hermann Axen, Werner Eberlein, Kurt Hager, Heinz Kessler, Egon Krenz, Günter Mittag, Hans Modrow, Alfred Neumann, Günther Schabowski, Gerhard Schürer. Natürlich ist das Ausmaß an vorgeschobener bis quälerischer Selbstbefragung einerseits und mehr oder weniger geschickter bis peinlicher Selbstvermarktung andererseits bei den Trägern des Systems nicht nur graduell zu unterscheiden. Die erinnerungskulturelle Provokation liegt aber eben nicht in der Spitze, sondern in der Breite, in der Mächtigkeit des Erinnerungsverlangens auch auf der Ebene der "Normalen", deren Leben indes fast durchweg gar nicht so "normal" war, wenn man genau hinschaut.

IV.


Es liegt nahe zu überlegen, ob die Erinnerungsflut nach 1990 eine Antwort auf das Erinnerungstabu nach 1945 ist. Tritt an die Stelle des kommunikativen Beschweigens einer ungeheuerlichen Vergangenheit das rauschhafte Zerreden einer tragikomischen Erfahrung? Oder darf man der Friedlichen Revolution gar so viel Kraft zutrauen, dass sie Deutsche in Ost und West wirklich ermächtigt hätte, sich ihre Geschichten zu erzählen, um sich besser zu verstehen, wie es Richard von Weizsäcker und Christa Wolf hofften? Bei Joachim Gauck mag dies Modell vielleicht aufgehen. Aber trifft es die Masse der Erinnerungstexte?

Christiane Lahusen hat jüngst zur Strukturierung dieses Erinnerungsbergs ein dreigestuftes Modell vorgeschlagen, wonach sich zu Anfang der 1990er-Jahre mit "Erinnerungstexten vor allem die Opfer aus der Zeit der SED-Herrschaft zu Wort" gemeldet hätten, die bei einer informationsbegierigen, um Rehabilitierung und Entschädigung bemühten, zumal westdeutschen Öffentlichkeit "wahrgenommen" worden seien. Dieses Interesse sei "bereits nach wenigen Jahren deutlich" zurückgegangen, sodass "die ab Mitte der 90er Jahre en masse erschienenen" Lebenserinnerungen ehemaliger DDR-Funktionäre "im Westen kaum noch wahrgenommen" worden seien, zumal sie in einem ostdeutschen Verlagssegment erschienen und vor allem auf "interne Kommunikation" zielten. Dagegen erschienen die "Erinnerungstexte vieler Künstler, Dichter und Schauspieler [...] zumindest anfangs und teilweise auch heute noch in großen Publikumsverlagen des Westens".

Diese Typologie zielt darauf, drei Kategorien – Chronologie, Verlagsstruktur und Autoren- und Texttypus – miteinander zu verflechten, was notwendig zu Komplexitätsreduktionen, auch zu Verzeichnungen führen muss. Der fast synchrone Auftakt mit so unterschiedlichen Texten wie denen von Günther de Bruyn, Manfred Gerlach, Walter Janka, Gustav Just, Hermann Kant, Krenz, Mittag, Vera Oelschlegel oder Schabowski, aber auch "Unbekannten" wie Helmut Eschwege, Jürgen Haase, Reinhardt Hahn oder Horst Wiener erschwert jedes chronologische Argument. Schwieriger beinahe noch zu bewerten ist die These der Rezeptionskurve von Opfern und Tätern: also ob ein sinkendes Interesse an Opfer-Texten das angeblich fehlende für die Funktionärsmemoiren bedingt? Wäre nicht eher die Prämisse des dominanten Interesses an den "Tätern" zu diskutieren, wenn man an die Etappen des deutsch-deutschen Literaturstreits denkt? Andererseits sind ab Mitte der 1990er-Jahre wertvolle autobiographische Dokumente in den verdienstvollen, in ihrer öffentlichen Wahrnehmung aber leider eher begrenzten Schriftenreihen der verschiedenen Landesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen eher für die Forschung "aufbewahrt" als in die lebendige Erinnerungskultur integriert worden. Was nun die Entwicklung eines ostdeutschen Verlagssegments betrifft, so zielt Christiane Lahusen namentlich für die Funktionäre der mittleren Schiene auf die "Rote Reihe" der "edition ost", die mit Erich Honeckers "Moabiter Notizen" ihren ersten großen Buchmarkt-Erfolg hatte, durchaus auch im Westen. Seit 2001 arbeitet die Edition unter dem Dach der Eulenspiegel Verlagsgruppe, die für die medienbekannten Persönlichkeiten die Formate "Das Neue Berlin" oder "Neues Leben" bereithält sowie – eine Etage darunter – das Label "Verlag am Park". Während die Eulenspiegel-Autoren inzwischen keineswegs ihre Erfolge im Verborgenen feiern, geht es im Schkeuditzer GNN-Verlag etliche Stufen unerbittlicher und DDR-affirmativer zu. Hier muss man am Leipziger Messestand gewärtig sein, einfach weggeschickt zu werden, wenn man nach einem Verlagsprogramm zu fragen wagt. Das Spektrum ist also breiter geworden. Neben verinselten Erzähl- und Erinnerungsgemeinschaften, die nach außen abgeschottet sind und sich nach innen bestärken, neben den offiziell geförderten LStU-Dokumentenreihen und den roten Paperbacks der ehemaligen Vizeminister und Hauptabteilungsleiter, die sich gegenseitig nicht wahrnehmen, steht der namenlose Berg privater Erinnerungen, die im Selbstverlag, als Books on Demand bzw. in entsprechenden Zuschussverlagen hergestellt werden.

Der Boom autobiographischer Literatur ist ein Subphänomen einer universellen Verschiebung des erinnerungskulturellen und geschichtspolitischen Koordinatensystems in den letzten 30 Jahren, der weit über das Fallbeispiel DDR hinausreicht, aber hier besonders gut greifbar ist. Diese Verschiebung ist mit einer massiven Depotenzialisierung der Geschichtswissenschaft in ihrer Orientierungs- und Leitfunktion verbunden, die längst von sensiblen Repräsentanten des Fachs wahrgenommen worden ist. Darüber vermag weder die geschichtspolitische Indienstnahme von Historikern in Enquete-Kommissionen und für Gedenkstättenkonzeptionen hinwegtäuschen noch das seit 1990 wild aufblühende Feld der zeithistorischen DDR-Forschung.

Das Ergebnis ist eine fundamentale Re-Individualisierung und De-Professionalisierung von Vergangenheit. Ebenso wie auf dem Buchmarkt das Geschichtsbuch und die fachwissenschaftliche Publikation mit den Memoiren und Autobiographien der Akteure um die Aufmerksamkeit des Publikums buhlen, beherrscht die Konkurrenz zwischen Historikern und Zeitzeugen längst die Szene der öffentlichen Aushandlung von Geschichte. Die Prägekraft von Geschichtsbildern in den audiovisuellen Medien, im Fernsehen und im Kino zuerst, in sublimierter Form im Museum oder im Denkmal, tut ein Übriges.

Wenn gleichwohl mit der These von der "Erinnerung als Integration" eine versöhnliche Einschätzung dieses Phänomens vorgeschlagen und mit Gaucks Buch in einer gleichsam idealtypischen Lektüre als einlösbar und sogar demokratieförderlich postuliert werden soll, so geschieht dies in der Erwartung, dass es den meisten Menschen ernst ist mit der eigenen Erinnerung. Sie ist ihnen zu wichtig, als dass man die Geschichte allein den Fachleuten überlassen würde, weil diese Geschichte noch im lebendigen kollektiven Austausch ist, weil sie noch immer zu "heiß" ist für die Abkühlung der Historisierung. Insofern ist Erinnerung als Integration zu verstehen: als Pochen auf Anerkennung, als Versuch, wenigstens in der eigenen Geschichte zuhause zu sein in dieser zerklüfteten Gesellschaft. Dies mag im Einzelfall eine Provokation sein, vielleicht sogar eine Ungeheuerlichkeit. Die Frage bleibt, ob Schweigen die bessere Alternative wäre.

Fussnoten

Fußnoten

  1. Am Institut für Deutschlandforschung der Ruhr-Universität Bochum wird zzt. unter Koordination des Verfassers eine Bibliographie der ostdeutschen Autobiographik seit 1990 erarbeitet, die möglichst vollständig alle einschlägigen Erinnerungstexte sammelt. Vgl. ab Juni 2011 die vorläufige Arbeitsbibliographie unter http://www.rub.de/deutschlandforschung. Der Verfasser dankt der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, die das Projekt fördert, und ist für weitergehende bibliographische Hinweise dankbar.

  2. Joachim Gauck, Winter im Sommer – Frühling im Herbst. Erinnerungen, München 2009, S. 343–346, Foto 345.

  3. Günter de Bruyn, Zwischenbilanz. Eine Jugend in Berlin, Frankfurt a. M. 1992; Ders., Vierzig Jahre. Ein Lebensbericht, Frankfurt a. M. 1996; vgl. auch Ders., Das erzählte Ich. Über Wahrheit und Dichtung in der Autobiographie, Frankfurt a. M. 1995.

  4. Vgl. Dennis Tate, Shifting Perspectives. East German Autobiographical Narratives before and after the End of the GDR, Rochester 2007, S. 159, 188.

  5. So Goethe im Vorwort zu: Aus meinem Leben. Dichtung und Wahrheit, Bd. 1 (1811), zit.: Michaela Holdenried, Autobiographie, Stuttgart 2000, S. 162.

  6. Vgl. Silke Flegel/Frank Hoffmann, Erinnerungen an die DDR. Zur Bedeutung autobiographischer Kontinuitätssuche nach dem Umbruch in Deutschland, in: Claus Erhart/Nathalie Schnitzer (Hg.), Rupture et continuité au pays u tournant. Umbruch und Kontinuität im gewendeten Land, Aix-en-Provence 2010, S. 17–33, mit der Schlussthese (33), dass im "Zeitalter der Ich-Klitterungen" und existentiellen Umbrüche die "kohärente Entfaltung des eigenen Ichs im Sinne des Goetheschen Lebenskonzepts" allenfalls noch bitter-ironisch oder starrsinnig möglich sei.

  7. Heinz-Peter Preußer/Helmut Schmitz, Autobiografik zwischen Literaturwissenschaft und Geschichtsschreibung. Eine Einleitung, in: Dies. (Hg.), Autobiografie und historische Krisenerfahrung, Heidelberg 2010, S. 7–20, hier 9.

  8. Heinz-Peter Preußer/Helmut Schmitz, Autobiografik zwischen Literaturwissenschaft und Geschichtsschreibung. Eine Einleitung, in: Dies. (Hg.), Autobiografie und historische Krisenerfahrung, Heidelberg 2010, S. 7–20, hier 9, zitieren entsprechend zustimmend eine US-amerikanische Forscherin, die die Differenzierung von Autobiographie und Memoiren nicht mehr, wie bislang üblich, an der Bedeutung von innerer Entwicklung vs. äußerer Funktion der Person (vgl. Michaela Holdenried, Autobiographie, Stuttgart 2000, S. 29f; Martina Wagner-Egelhaaf, Autobiographie, 2. Aufl., Stuttgart/Weimar 2005, S. 55f) festmacht, sondern daran, ob das Subjekt der "Selbstreflexion fähig" sei.

  9. Christian Führer, Und wir sind dabei gewesen. Die Revolution, die aus der Kirche kam, Berlin 2008.

  10. Der Vergleich der Schilderung dieser Episode bei Christian Führer, Und wir sind dabei gewesen. Die Revolution, die aus der Kirche kam, Berlin 2008, S. 260f, und Günter Grass, Unterwegs von Deutschland nach Deutschland. Tagebuch 1990, Göttingen 2009, S. 51–58, lohnt sich, weil sie die liebenswürdige Einheitlichkeit des Gottesmanns Führer schlagartig verdeutlicht.

  11. Die folgenden Daten lt. Bestsellerarchiv (Hardcover/Sachbuch) des Branchendienstes Buchreport: http://www.buchreport.de/bestseller/suche_im_bestsellerarchiv.htm [3.5.2011].

  12. Lothar de Maizière, Ich will, dass meine Kinder nicht mehr lügen müssen. Meine Geschichte der deutschen Einheit, Freiburg/Br. u.a. 2010.

  13. Vgl. http://www.randomhouse.de/book/edition.jsp?edi=312312 [3.5.2011].

  14. Jana Hensel, Zonenkinder, Reinbek 2002; 2002 u. 2003 jew. Platz 13 der Jahresbestsellerliste, 28.1.2003 mit Rang 3 bester Wochenplatz.

  15. Klaus Schroeder/Monika Deutz-Schroeder, Soziales Paradies oder Stasi-Staat? Das DDR-Bild von Schülern, Stamsried 2008.

  16. Martina Wagner-Egelhaaf, Autobiographie, 2. Aufl., Stuttgart/Weimar 2005, S. 1; Michaela Holdenried, Autobiographie, Stuttgart 2000, S. 9; jüngst sprechen Heinz-Peter Preußer/Helmut Schmitz, Autobiografik zwischen Literaturwissenschaft und Geschichtsschreibung. Eine Einleitung, in: Dies. (Hg.), Autobiografie und historische Krisenerfahrung, Heidelberg 2010, S. 7–20, hier 7, von einer "nahezu beispiellosen Beliebtheit" des Genres.

  17. Michaela Holdenried, Autobiographie, Stuttgart 2000, S. 20.

  18. Die Identitätsproblematik erarbeitet am Beispiel literarischer Autobiographien Valeska Steinig, Abschied von der DDR. Autobiographisches Schreiben nach dem Ende der politischen Alternative, Frankfurt a. M. 2007.

  19. Frank Schöbel, Frank und frei. Die Autobiographie, Berlin 1998.

  20. Heinz-Peter Preußer/Helmut Schmitz, Autobiografik zwischen Literaturwissenschaft und Geschichtsschreibung. Eine Einleitung, in: Dies. (Hg.), Autobiografie und historische Krisenerfahrung, Heidelberg 2010, S. 7–20, hier 7.

  21. Heinz Brandt, Ein Traum, der nicht entführbar ist. Mein Weg zwischen Ost und West, München 1967, Ellen Thiemann, Stell dich mit den Schergen gut. Erinnerungen an die DDR, Köln 1984. Von beiden Titeln liegen mehrere, z. T. erweiterte Neuausgaben vor.

  22. Mit bewusster Subjektivität nenne ich Dietrich Koch, Das Verhör. Zerstörung und Widerstand, Dresden 2000; Anke Jauch, Die Stasi packt zu. Freiheitsberaubung 1980, Frankfurt a. M. 2007; Siegfried Jahnke, Geschichten aus der GULAG-Welt, Düsseldorf o. J. (2010); Karl Wilhelm Fricke u.a., Der lange Arm der Stasi. Folter, Psychoterror, DDR-Nostalgie, Aachen 2009.

  23. Die Schätzung basiert auf der o. a. bibliographischen Erfassung (vgl. Anm. 1).

  24. Vgl. Jeannete van Laak/Annette Leo, Erinnerungen der Macht. Erinnerungen an die Macht. SED-Funktionäre im autobiographischen Rückblick, in: DA 41 (2008) 6, S. 1060–1067. Christian Jung, Geschichte der Verlierer. Historische Selbstreflexion von hochrangigen Mitgliedern der SED nach 1989, Heidelberg 2007, bietet noch weit reicheres Material, allerdings die Grenzen der Gattungen (Gerichtsrede, tagesaktuelle Pressegespräche) weit ausdehnend.

  25. Insofern warnt Ute Hirsekorn mit Recht davor, die Funktion dieser Texte lediglich in ihrem "Rechtfertigungs- und Überlebensinteresse" zu sehen, vgl. Dies., Kontinuitäten und Brüche in den Lebensbeschreibungen von Angehörigen der Parteielite der DDR nach der Wende, in: Heinz-Peter Preußer/Helmut Schmitz (Hg.), Autobiografie und historische Krisenerfahrung, Heidelberg 2010, S. 149–160, hier 150.

  26. Christiane Lahusen, Den Sozialismus erzählen. Autobiografische Interpretationen von Diskontinuitäten, in: Preusser/Schmitz (Anm. 7), S. 139–148, hier 140.

  27. Martin Sabrow, Erinnerung als Pathosformel der Gegenwart, in: Ders. (Hg.), Der Streit um die Erinnerung, Leipzig 2008, S. 9–24; Carsten Heinze, Autobiographie und zeitgeschichtliche Erfahrung. Über autobiographisches Schreiben und Erinnern in sozialkommunikativen Kontexten, in: Geschichte und Gesellschaft 36 (2010), S. 93–128.

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Dr. phil., Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Deutschlandforschung der Ruhr-Universität Bochum.