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18.9.2020 | Von:
Kathrin Zöller

Erinnerung, Wandel und Neubewertung – Die Schulzeit in der langen Geschichte der „Wende”

70 Prozent der Befragten der Sächsischen Längsschnittstudie (SLS), die als Langzeitstudie 1987 in der DDR begonnen wurde und bis heute durchgeführt wird, bewerten aus heutiger Sicht die Schule in der DDR besser als die in der Bundesrepublik. Mit einer Zweitauswertung der Befragungen hat sich Kathrin Zöller als Mitglied der Forschungsgruppe „Die lange Geschichte der ,Wende‘“ auseinandergesetzt. Hier berichtet sie über ihre Ergebnisse.

Das Foto zeigt eine Schulklasse in Jena 1973.Schule in der DDR (© picture-alliance)

Stellen Sie sich vor, Sie werden aufgefordert, sich an die eigene Schulzeit zu erinnern. Woran denken Sie zuerst? Vielleicht denken Sie „eigentlich an die Dinge in der Freizeit, an den Sport und das, was wir immer unternommen haben.”[1] Oder Sie denken an bestimmte Lehrkräfte, die Ihnen besonders positiv oder negativ in Erinnerung geblieben sind. Vielleicht auch an Streiche, die Sie mit Ihren Freundinnen und Freunden gespielt haben. Falls Sie bis 1989/90 in der DDR zur Schule gegangen sind, kommen Ihnen womöglich die Freie Deutsche Jugend (FDJ) in den Sinn, die Pioniernachmittage, spezielle Unterrichtsfächer und -inhalte (wie z. B. Staatsbürgerkunde oder der Unterrichtstag in der Produktion). Möglicherweise denken Sie, damit verbunden, an die Grenzen der freien Meinungsäußerung und das Politische im Schulalltag, ähnlich wie dieser Zeitzeuge: „z.B. die trockenen Pioniernachmittage, die irgendwo immer Pflicht waren, du da hingehen musstest, obwohl keiner richtige Lust hatte. Damals war schon auffällig bei Staatsbürgerkunde, dass wenn du Sachen kritisch hinterfragt hast, merktest, dass der Lehrer nicht richtig dahinterstand. Viele Sachen hat man ja auch nicht richtig vertreten, sondern oftmals nur vorgebetet und nicht dahintergestanden.”[2]

Und möglicherweise würden Sie Ihre Schulzeit aus heutiger Sicht anders bewerten, als Sie es damals getan hätten, und denken ähnlich wie dieser Proband: „Früher hat es einen nicht gestört zu FDJ und Pionierveranstaltungen zu gehen, aber aus der heutigen Sicht war das ein Eingriff in die Person.[3] Je nachdem, ob jemand in der Schulzeit mehr positive oder negative Erfahrungen gesammelt hat, wird auch die Einordnung und Bewertung der Schulzeit im Rückblick ausfallen. Dass Menschen mit etwas Abstand die Vergangenheit anders bewerten oder erinnern, ist etwas völlig Normales und ein Allgemeinplatz.[4] In Bezug auf die Erinnerung an die Schule in der DDR und ihren Wandel lohnt sich aber ein genaueres Hinsehen und zwar aus mehreren Gründen: Die Einordnung und Bewertung der DDR-Geschichte ist umstritten und auch nach wie vor politisch ein brisantes Thema. Mitunter ist diesbezüglich von einem „Erinnerungsstreit” die Rede.[5] Die Aussagen von Schülerinnen und Schülern über ihre Erfahrungen und Erinnerungen an ihre Schulzeit sowie die Beschreibung ihres Wandels weisen bestimmte Muster auf, deren Analyse dazu beiträgt, ein differenzierteres Bild auf das Bildungswesen der DDR und seine Erinnerung daran zu gewinnen.

Die Diskrepanz von Erfahrung und Erinnerung erforschen

Besonders auffällig beim Wandel der Erinnerung an die Schule in der DDR ist, dass die Diskrepanz zwischen den Bewertungen während der Schulzeit und der nachträglichen Einordnung relativ hoch ist. So schätzte die Mehrzahl der Teilnehmenden an der Sächsischen Längsschnittstudie (SLS) seit vielen Jahren das heutige, bundesrepublikanische Schulsystem im Vergleich zum DDR-Schulsystem als qualitativ schlechter ein. Zuletzt waren es 70 Prozent der Befragten, die die Schulbildung in der DDR besser bewerten.[6] Blickt man in die Texte aus deren Schulzeit, also in Aussagen, die sie 1990 formulierten, wird deutlich: Die Erinnerung an die DDR-Schule ist positiv, die Erfahrung mit der DDR-Schulzeit war es nicht zwangsläufig auch. Das heißt nicht, dass die Erinnerung deshalb „falsch” ist – es lohnt sich aber, genauer hinzuschauen.

Das Anliegen dieses Beitrages ist es, die Vielschichtigkeit von Erfahrung und Erinnerung herauszuarbeiten sowie den Wandel von Erinnerung als Grundlage für die Verständigung über historische Abläufe und deren Einordnung in der Gegenwart anzuerkennen. Gerade die Nuancen und unterschiedlichen Aspekte einer nachträglichen Bewertung als auch die Unterscheidung zwischen Erfahrung und Erinnerung können zu einem versachlichenden Blick auf die DDR-Schule beitragen, getreu dem Motto der Forschungsgruppe „Die lange Geschichte der ,Wende‘“: Differenzierung ist die neue Meistererzählung.[7]

Darüber hinaus stellt sich die Frage, wie der Wandel von Erinnerung überhaupt empirisch nachvollzogen werden kann. Als ein analytisches Vorgehen wird hier die Zweitauswertung einer sozialwissenschaftlichen Längsschnittstudie aus zeithistorischer Perspektive vorgestellt. Aus diesem Material wurden drei Fallbeispiele herausgearbeitet, anhand derer sich unterschiedliche Verlaufsformen der Erinnerung und Bewertung der Schulzeit in der DDR und in der Transformation in einer langen Perspektive zeigen lassen.

Wie für fast alle Lebensbereiche, die sich während der „Wendezeit” wandelten, gilt für die Schule eine besondere Spannung: die Friedliche Revolution, die Volkskammerwahl, die Öffnung der Grenzen zur Bundesrepublik und der Umbau des Bildungssystems fanden bei laufendem Schulbetrieb statt. Beim Übergang von einem System zum anderen handelte es sich also keineswegs um einen großen Knall oder eine „Stunde Null”, musste der Schulalltag doch irgendwie aufrechterhalten werden. Da dieser Wandel in fast allen gesellschaftlichen Bereichen stattfand, sprechen wir in der Forschungsgruppe von einer Gleichzeitigkeit der Unsicherheiten (siehe Ergebnis 2 im Gesamtfazit). Der Autor Peter Richter hat dies in seinem Roman „89/90“ anschaulich formuliert: „Was bleibt dir denn, wenn du zum Fall der Mauer beiträgst, aber am nächsten Tag trotzdem eine Mathe-Arbeit schreiben musst [...]?[8]

Die Sächsische Längsschnittstudie als Quelle

Die Menschen, die hier im Fokus stehen, eignen sich als Untersuchungsgruppe zu den Erfahrungen mit der Umstrukturierung des Bildungswesens besonders gut: Sie haben in beiden Bildungssystemen Einblicke in die Schule und vor allem in ihre Transformation gewonnen. Im Sommer 1989 besuchten sie die 10. Klasse verschiedener Polytechnischer Oberschulen (POS)[9] und haben sowohl das DDR-Bildungswesen als auch dessen Umstrukturierung zwischen 1990 und 1992 als Schülerinnen und Schüler miterlebt.[10] Diese Alterskohorte der um 1973 Geborenen wurde bisweilen als „Wendekinder”[11] oder „Glückskinder der Einheit”[12] bezeichnet.[13] Darüber hinaus kennzeichnet die hier zu Wort Kommenden noch eine Besonderheit: Sie gehören zu den Probandinnen und Probanden der Sächsischen Längsschnittstudie,[14] und in diesem Rahmen werden sie seit 1987 in einer wiederkehrenden und bis heute andauernden Befragung wissenschaftlich begleitet. Zu verschiedenen Zeitpunkten wurden die Teilnehmenden der Studie, die alle den Jahrgängen 1970-1973 angehören, in Sachsen zur Schule gingen und heute dort wohnen, unter anderem zur DDR-Schule befragt.[15] Seit 1987 erhalten die Teilnehmenden einen Fragebogen , der den quantitativen Teil der Studie bildet. Basierend auf diesem Datenmaterial sind bereits eine Vielzahl von Publikationen erschienen.[16] Außerdem werden am Ende jedes Fragebogens eine oder zwei offene Fragen gestellt. Die Teilnehmenden formulierten hier ihre Antworten selbstständig und in unterschiedlichem Umfang. Dieser qualitative Teil der Studie ist für die zeithistorische Forschung besonders interessant und liegt auch meinem Dissertationsprojekt zur ostdeutschen Schule vor, während und nach 1989/90 zugrunde.[17]

Die schriftlich verfassten Antworten auf die offen gestellten Fragen der Sozialwissenschaftler zeichnen sich durch eine Unmittelbarkeit aus, die in rückblickenden Erinnerungsberichten nicht gegeben ist. Sie bieten daher die Möglichkeit, auf Informationen über das damals aktuelle Erleben, die Primärerfahrung der damals Jugendlichen, zurückzugreifen.[18] Darüber hinaus wurden mit ausgewählten Teilnehmenden im Jahr 1997 qualitative, leitfadengestützte Interviews geführt, die hier ebenfalls herangezogen werden. Dieser Quellenbestand eignet sich nicht zuletzt aufgrund seiner Anlage als Längsschnittstudie und der Mischung aus quantitativen und qualitativen Befragungselementen für die Untersuchung der Erfahrungen mit und Erinnerungen an die Schulzeit in Ostdeutschland zwischen 1989 und 1997 und darüber hinaus. Der Fokus liegt auf den Zeitschnitten 1990, 1994 und 1997.

Der bereits genannte statistische Befund, dass das DDR-Schulsystem gegenwärtig von 70 Prozent der Befragten besser angesehen wird als das bundesrepublikanischen System, gibt wenig Auskunft darüber, auf welche Aspekte des Schulwesens sich diese Einschätzungen beziehen und wie sich diese Einschätzung bei einzelnen Personen festgesetzt oder verändert hat. Drei Bewertungsmuster werden dazu exemplarisch herangezogen. Sie decken die Bandbreite von einer unveränderten Bewertung (Person A), den Wandel von negativer zu positiver Einschätzung (Person B) und unentschiedener Einschätzung (Person C) ab.

Gemeinschaftsgefühl und Stabilität. Gleichbleibend positive Bewertung der Schulzeit

Person A steht beispielhaft für eine mehr oder weniger konstant positive Einschätzung der Schule vor der Wende und danach. Im Zentrum der Äußerungen zur Schule stehen sowohl in dem schriftlich verfassten Beitrag von 1990 als auch in einem 1997 geführten qualitativen Interview das Gemeinschaftsgefühl und der Zusammenhalt in der Abiturstufe. Den Übergang von der POS, der genau zum Schuljahreswechsel im Sommer 1989 stattfand, beschreibt die Person als „schon etwas schwierig” und begründet dies vor allem mit den gestiegenen Lernanforderungen und der Gewöhnung an einen neuen sozialen Zusammenhang.[19] Als besonders positiv erfährt diese Person 1990 die Bemühungen der anderen Mitglieder der Klasse und der Lehrkräfte, durch gemeinsame Unternehmungen zusammenzuwachsen:

Meine Klassenkameraden und ich waren alle bemüht ein gutes Kollektiv so schnell wie möglich aufzubauen, was durch viele gemeinsame Unternehmungen auch gut gelang. Z.B. war unsere Klassenfahrt im Oktober einfach spitze. Rundum ein tolles Erlebnis. Mit unserer Klassenlehrerin haben wir auch ein sehr gutes Verhältnis, was sehr schön ist. Man könnte sagen: Mit ihr kann man Pferde klauen. Sie ist streng, aber gerecht und stets für einen Spaß zu haben. Mit diesem tollen Verhältnis haben wir viele Probleme gemeistert.[20]

Sieben Jahre später wird diese Erinnerung fast eins zu eins im Interview wiedergegeben: Interviewer: „Wenn Du an Deine Schulzeit zurückdenkst: Woran erinnerst Du Dich besonders gern?" Person A: „Speziell auf die Abi-Klasse bezogen hat mir halt sehr gefallen, wie wir uns zusammengeschweißt haben in den zwei Jahren. Man kam ja dorthin, neue Lehrer, neue Schüler, neue Unterrichtsmethoden, alles neu und da fand ich es gut, wie wir uns zusammengefunden haben. Wir haben auch viel nach der Schule zusammen gemacht und dann auch die Klassenfahrten und so, das war alles halt schön, gerade der Zusammenhalt, der sich entwickelt hat.[21]

Besonders deutlich werden hier die Rolle der Lehrkraft und das Gemeinschaftsgefühl in der Klasse beim Umgang mit dem Umbruch 1989/90. Den Lehrkräften kommt nicht mehr die Aufgabe der „Einfädelung der Schüler in die sozialistische Gesellschaft”[22] zu, sondern die Eingewöhnung in die Umbruchsgesellschaft. Ein Großteil der Lehrkräfte in der DDR wurde nach 1990 weiterbeschäftigt.[23] Der Schulwechsel der Schülerinnen und Schüler oder Versetzungen der Lehrkräfte wirkten sich aber verändernd auf den Schulalltag aus.

So beschreibt Person A vor allem den Kontakt zu anderen Lehrkräften und Mitschülerinnen und Mitschülern als besonders wertvolle Erfahrung. Aus dem im Jahr 1990 ausgefüllten Fragebogen lässt sich deutlich die große Unsicherheit hinsichtlich der künftigen Berufsbiographie, aber auch die Angst vor Arbeitslosigkeit, Kriminalität, Drogen und Perspektivlosigkeit für ostdeutsche Jugendliche ablesen.[24] Die Schule und die dazu gehörenden Personen werden zum stabilisierenden Faktor in einer Situation der Unsicherheit. Diese positive Grunderfahrung, Zuwendung und Gemeinschaftsgefühl in der Umbruchsituation erfahren zu haben, wiegt in der Erinnerung die im Fragebogen als negativ bewerteten Aspekte auf.

So wird die Politisierung des Schulalltags in diesem Fallbeispiel zwar benannt, aber nicht als prägende Erfahrung eingeordnet. Im Gegensatz dazu nimmt Person A im Verlauf der Zeit an, dass der Wegfall der Jugendarbeit in den 1990er Jahren ein Problem darstellt. Und so verfestigt sich die Erinnerung, eigentlich gerne in die Schule gegangen zu sein und dort Unterstützung in einer unsicheren Situation erfahren zu haben. Während die politische Ausrichtung und außerunterrichtlichen Angebote von Person A in den Fragebögen von 1990 und 1994 als sehr kritikwürdig eingestuft wurden, relativiert die befragte Person dies im Interview von 1997, wenn es heißt:

Ja gut, was jetzt die FDJ und die Pioniere betrifft, das hat einen schon irgendwo genervt. Man musste halt das eine oder das andere Mal zum Pioniernachmittag, auch wenn es einem nicht gefiel. Aber aus heutiger Sicht muss ich sagen, es war ziemlich gut, auch bezogen darauf, weil jetzt viele Jugendliche auf der Straße herumhängen und nachmittags nichts zu tun haben. Daraus entwickelt sich auch eine gewisse Kriminalität oder eben auch Perspektivlosigkeit, weil sie eben nichts kennenlernen. Diese Nachmittage haben auch viel genützt aufgrund der Beziehungen, wo halt viele Elternteile gearbeitet haben, [wir haben, Anm. d. Verf.] auch viele Sachen gesehen, wo halt nicht jeder rein kam. Deshalb fand ich die Organisation in der Hinsicht auch nicht ganz verkehrt. Ich denke auch mal, daß ich mit meinen Lehrern an sich viel Glück gehabt habe.[25]

Hinsichtlich der Bildungsziele, Unterrichtsgestaltung, materiell- technischen Ausstattung und der Gesamteffektivität wird die Schule in der DDR als wenig kritikwürdig eingeordnet (Frage im Fragebogen 1990 mit Skalenangabe [hier evtl. Abbildung der Frage aus dem Fragebogen einfügen].) Diese individuelle Einschätzung steht gängigen Topoi der Erinnerung an die DDR-Schule gegenüber, die den Fokus stärker auf die Unterdrückungs-, Disziplinierungs- und Indoktrinationselemente legen. In dieser Erzählung dominiert die Schule als ideologische Indoktrinationsanstalt, in der die Kinder durch Kontrolle und Propaganda zu sozialistischen Persönlichkeiten erzogen werden sollten.[26] Und mit einem Blick in die damalige Schulgesetzgebung eröffnet sich in der Tat ein wenig freiheitliches Bild.[27] Dass dieses im Schulalltag aber nicht immer eins zu eins umgesetzt wurde, zeigen die Erfahrungen und Erinnerungen der damaligen Schülerinnen und Schüler.

Vom „unverantwortlichen Staatsbürgerkundeunterricht” zum „Laberfach” – Unterricht im Zentrum der Erinnerung

In den Jahren 1989 und 1990 wurden einzelne Unterrichtsfächer von den Teilnehmenden der SLS vermehrt kritisch erwähnt. Dazu gehören vor allem Fächer, die der Vermittlung der politisch gewollten sozialistischen Haltung dienten, wie Geschichte und Staatsbürgerkunde, aber auch Russisch.[28] So erwähnt auch Person B, die hier exemplarisch für einen dynamischen Verlauf der Erinnerung und Bewertung der eigenen Schulzeit steht, die Fächer Geschichte und Staatsbürgerkunde im Fragebogen von 1990:

Durch die Wende in der DDR ist der Lehrstoff z.B. in Geschichte viel interessanter geworden. Der bis dahin unverantwortliche Staatsbürgerkundeunterricht ist glücklicherweise abgeschafft worden”.[29]

Weiterhin stuft die befragte Person die Schule der DDR 1990 in allen abgefragten Teilaspekten (Bildungsziele, Unterrichtsgestaltung, außerunterrichtliche Angebote, politische Ausrichtung, materiell-technische Ausstattung, Gesamteffektivität) als sehr kritikwürdig ein. Die Einschätzung der Schule und insbesondere der genannten Fächer wandelte sich Mitte der 1990er Jahre zum Positiven. Im Interview von 1997 formuliert sie: „Ich habe eigentlich keine schlechte Erinnerung. Teilweise habe ich Sport gehasst.[30] Im weiteren Verlauf wird auch der Staatsbürgerkundeunterricht (Stabü) erwähnt, diesmal allerdings mit positiver Konnotation:

Ich kann nicht einmal sagen, dass mir Stabü irgendwie missfallen hat. Das war ein Fach, dass alle geliebt haben, weil es ein Laberfach war, weil da nichts war. Gute Zensuren hast du eben bekommen, wenn du geschrieben hast, was alle wollten, und da waren sie zufrieden, und wenn du vielleicht noch selber daran geglaubt hast, war es noch besser.[31]

Ab Mitte der 1990er Jahre veränderte sich auch die Einschätzung zu der Frage, ob das Bildungswesen vor oder nach der „Wende” besser gewesen sei. So kreuzte Person B in den Befragungen von 1990 bis 1997 „nach der Wende besser” und danach „vor der Wende besser” an. In diesem Fall lässt sich also ein ganz deutlicher Wandel der Erinnerung bzw. eine rückblickende Neubewertung der Situation ausmachen, der sich auf den Fachunterricht und die politische Ausrichtung des Unterrichts bezieht. Über die Gründe dieses Wandels lässt sich nur spekulieren. Eine mögliche Deutung wäre der erneute Kontakt zum Schulsystem, diesmal in der Elternrolle. Hier könnte der Abgleich mit der eigenen Schulzeit und der heutigen Perspektive auf die Schule aus Elternsicht die sich wandelnde Einstellung zur DDR-Schule erklären. Inwieweit die heutige Bewertung der Schule mit dem eigenen sozialen Status und dem biographischen Verlauf zusammenhängt, gilt es in den Blick zu nehmen. Weiterhin fand ab dem Jahr 2000 in Deutschland eine bildungspolitische Debatte statt, die durch die Ergebnisse der PISA-Studie ausgelöst wurde. In diesem Zusammenhang wurde auch diskutiert, inwieweit die Ergebnisse im Ländervergleich mit der DDR-Vergangenheit und dem Konzept von Gesamtschulen zusammenhingen.[32]

Eine weitere Interpretationsmöglichkeit für das Umschwenken könnte darin bestehen, dass die Bewertung des Schulsystems eine Stellvertreterfunktion einnimmt und über das positive Bewerten der DDR die eigene Biographie und vor allem negativ bewertete Erfahrungen als Ostdeutscher in der Nach-„Wendezeit” kompensiert werden. Dieser Zusammenhang lässt sich zukünftig vertiefend durch die Kombination qualitativer und quantitativer Daten zum Thema Schule anhand der SLS analysieren. Es bleibt dabei eine methodische Herausforderung, herauszufiltern, auf welche Bereiche des Schulwesens sich die Bewertungen beziehen und genauer zu differenzieren, inwiefern die Bewertung der Schule stellvertretend für das Gesellschaftssystem steht.

„Kann ich nicht beurteilen” – Differenzierte Bewertung der Schulzeit vor, während und nach der „Wende”

Während Person B ihre Meinung in Bezug auf die Schule vor der „Wende” lediglich einmal verändert und in den darauffolgenden Befragungswellen bei einer Position bleibt, schwankt bei Person C die Meinung mit jeder Welle. Alle Antwortmöglichkeiten werden im Verlauf der Zeit angekreuzt. Es überwiegt allerdings die Eintragung „kann ich nicht beurteilen”. Auch in den schriftlichen Äußerungen zeigt sich, dass die befragte Person sich um Differenziertheit bemüht. So beschreibt sie 1990, dass ihr der Übergang von der POS zur Erweiterten Oberschule (EOS) leichter gefallen sei, als sie es sich vorgestellt habe.[33] Im schriftlichen Text werden positive und negative Aspekte genannt:

Sie [die Freunde, Anm. d. Verf.] sind das Positive an der EOS! Sie geben Halt und vermitteln das Gefühl, nicht umsonst da zu sein, sondern auch wichtig für Andere zu sein. Negativ hervorzuheben ist, dass sich trotz der Wende kaum etwas an dem Unterrichtsinhalt geändert hat. Vor allem in Deutsch wird das deutlich. Mit diesem (altstalinistischen Lehrer) ist dieses schöne Fach manchmal unerträglich, da seine Ansichten oftmals weit an der Realität vorbeigehen.”[34]

Auch hier wird also der systemunabhängige bzw. systemübergreifende Faktor der sozialen Beziehungen mit der eigenen Peergroup benannt, während die Fächer und in diesem Falle die politische Ausrichtung einzelner Fächer negativ ins Gewicht fallen. Ebenso wird die Fortführung der Politisierung des Unterrichts, hier im Fach Deutsch, durch eine einzelne Lehrkraft kritisch herausgehoben. Diese Einschätzung zeigt sich auch im quantitativen Teil, in dem sowohl 1990 und 1994 die politisch konnotierten Fächer wie Geschichte, Staatsbürgerkunde und Wehrunterricht als ausschließlich oder überwiegend negativ bewertet werden.[35] Zur Frage der Kritikwürdigkeit der Schule insgesamt kreuzt die befragte Person gar nichts an und enthält sich damit einer Positionierung. Diese indifferente Haltung wird auch im Interview von 1997 deutlich, wo ebenfalls die politische Dimension der Schule in der DDR als negativ und der Zusammenhalt in der Klasse und beim Sport als positiv benannt werden.[36] In der mündlichen Einschätzung von 1997 wird deutlich, dass die Schulzeit in der biographischen Selbsterzählung keine besondere Rolle spielt und so scheint für dieses Beispiel die Bewertung der Schulzeit keine besonders drängende Frage zu sein.[37]

Dynamische Erinnerungen einordnen und anerkennen

Anhand der Fallbeispiele konnte gezeigt werden, dass sich die Bewertungen und Erinnerungen an die Schulzeit vor allem auf den Fachunterricht und das mit der Schulzeit verbundene erlebte Gemeinschaftsgefühl beziehen. Weiterhin zeigt der Blick in die Quellen wie dynamisch sich Erinnerung entwickelt. Nicht zuletzt ist aus methodischen Gesichtspunkten zu berücksichtigen, dass die hier untersuchten Menschen sowohl zu unterschiedlichen Zeitpunkten als auch mit unterschiedlichen Erhebungsinstrumenten befragt wurden. Dementsprechend ist bei der Zweitauswertung von sozialwissenschaftlichen, aber auch allen anderen Studien eine quellenkritische Einordnung des Materials, die auch die Wissensgeschichte berücksichtigt, notwendig.[38] Gerade für die öffentliche Debatte über die Deutung und Bewertung des Alltagslebens in der DDR und die Erfahrungen in der Nach-„Wende”-Zeit, ist ein differenziertes Hinsehen und Unterscheiden zwischen Erfahrung und sich wandelnder Erinnerung hilfreich.

Weiterhin zeigt sich auch am Beispiel Schule, dass verschiedene Settings oder Rahmen des Erzählens das Gesagte beeinflussen. Die Veränderung der Erinnerung an die Schulzeit ist somit ein Beispiel für die Unterschiede zwischen Erfahrung und Erinnerung. Dies zu berücksichtigen, liefert ein differenziertes Bild von der Schulzeit in der DDR. Das ist vor allem dann notwendig, wenn Erinnerungen oder nachträgliche Bewertungen der Schulen in Ostdeutschland in heutige bildungspolitische Debatten einfließen. Die Unterscheidung zwischen Erfahrung und Erinnerung kann zur Differenzierung beitragen. Erinnerung als etwas Dynamisches anzuerkennen und reflektiert damit umzugehen, wird in diesem umstrittenen Feld weiterhin die gemeinsame Aufgabe von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern und den Mitlebenden (Rothfels) sein, denn „zunächst einmal muss es um eine selbstbewusste und differenzierte Aneignung der Geschichte gehen, jenseits von Verteufelung oder Verherrlichung der DDR.”[39]

Zu Idee und Anlage der Forschungsgruppe und zu Gesamtergebnissen können Sie hier mehr lesen.

Zitierweise: Kathrin Zöller, "Erinnerung, Wandel und Neubewertung – Die Schulzeit in der langen Geschichte der „Wende” ", in: Deutschland Archiv, 18.09.2020, Link: www.bpb.de/315771

Fußnoten

1.
Sächsische Längsschnittstudie (SLS), Protokoll zum Interview am 12.10.1997, S. 9, Teilnehmer ID: 0243. Aus Datenschutzgründen wurden die ID-Nummern der Teilnehmenden der SLS pseudonymisiert.
2.
Ebd.
3.
Sächsische Längsschnittstudie, Protokoll zum Interview am 15.11.1997, S. 7, Teilnehmer ID: 0099. Rechtschreibfehler in den Originaltexten wurden korrigiert.
4.
Die Forschungslandschaft ist dazu äußerst vielfältig, ein Überblick findet sich beispielsweise bei: Sabine Moller, Erinnerung und Gedächtnis, Version: 1.0, in: Docupedia-Zeitgeschichte, 12.4.2010, http://docupedia.de/zg/Erinnerung_und_Ged.C3.A4chtnis, letzter Zugriff am 04.09.2020.
5.
Marcus Böick/Konstantin Goschler/Ralph Jessen, Die deutsche Einheit als Geschichte der Gegenwart, in: dies. (Hg.), Jahrbuch deutsche Einheit 2020, S. 9-23, S. 9. Siehe auch: Anne Sophie Friedel, Editorial, in: Aus Politik und Zeitgeschichte 28-29/2020, S. 3: „Der gesellschaftliche Aushandlungsprozess über die Frage, wie dieses Kapitel zu schreiben ist und von wem, hat im Vorfeld des Jubiläums Züge eines Deutungskampfes angenommen”.
6.
Vgl. Hendrik Berth, Wie lang ist die lange Geschichte der „Wende”?, in: Kerstin Brückweh/Clemens Villinger/Kathrin Zöller, Die lange Geschichte der „Wende”. Geschichtswissenschaft im Dialog, Berlin 2020, S. 99-100, hier S. 100. Und Peter Förster, Von der Enttäuschung vom Sozialismus der DDR zur Zukunftsangst in Ostdeutschland, in: Hendrik Berth/Elmar Brähler/Markus Zenger/Yve Stöbel-Richter (Hg.), Einheitslust und Einheitsfrust. Junge Ostdeutsche auf dem Weg vom DDR- zum Bundesbürger. Eine sozialwissenschaftliche Langzeitstudie von 1987-2006, Gießen 2007, S. 25-106, hier S. 69.
7.
Kerstin Brückweh/Clemens Villinger/Kathrin Zöller, Die lange Geschichte der „Wende”. Differenzierung ist die neue Meistererzählung, in: Marcus Böick/Constantin Goschler/Ralph Jessen (Hg.), Jahrbuch Deutsche Einheit 2020, Berlin 2020, S. 293-312.
8.
Peter Richter, 89/90, München 2015, Klappentext.
9.
In der DDR besuchten ab 1960 Kinder und Jugendliche in der Regel von der ersten bis zur zehnten Klasse die Polytechnische Oberschule (POS), siehe hierzu Barbara Kerbel, Von der Krippe bis zur Hochschule – das Bildungssystem der DDR, www.bpb.de/230383, letzter Zugriff am 04.09.2020.
10.
Grundlegend dazu: Rita Nikolai, Schulpolitik im Wandel. Historische Wurzeln und schulstrukturelle Wege in den ostdeutschen Bundesländern und Berlin nach der Wiedervereinigung, Berlin 2018.
11.
vgl. Thomas Ahbe/Rainer Gries, Geschichte der Generationen in der DDR und in Ostdeutschland. Ein Panorama, Erfurt 2009, S. 77ff. Und: Adriana Lettrari/Christian Nestler/ Nadja Troi-Boeck, Die Generation der Wendekinder. Elaboration eines Forschungsfeldes, Wiesbaden 2016. Und: Pamela Heß, Mehr Gemeinschaftsgefühl und ein stärkerer sozialer Zusammenhalt? Erinnerungen an die DDR als Potenzial für Generationenkonflikte, in: Deutschland Archiv, 26.3.2015, http://www.bpb.de/203625, letzter Zugriff am 04.09.2020.
12.
Jana Simon, Ein Klassentreffen, in: Die Zeit Nr. 45, 28. Oktober 2004, https://www.zeit.de/2004/45/Klassentreffen_2/komplettansicht, letzter Zugriff am 04.09.2020.
13.
Inwiefern bei der genannten Alterskohorte überhaupt von einer Generation gesprochen werden kann, wird diskutiert in: Volker Benkert, Glückskinder der Einheit? Lebenswege der um 1970 in der DDR Geborenen, Berlin 2017.
14.
Informationen zur Sächsischen Längsschnittstudie und zur deutschen Einheit, wiedervereinigung.de, letzter Zugriff 04.09.2020; siehe auch gesis daten, https://dbk.gesis.org/dbksearch/GDESC2.asp?no=0013&search=&search2=&DB=d&tab=0¬abs=&nf=1&af=&ll=10, letzter Zugriff 04.09.2020.
15.
Zur Verwendung der SLS als zeithistorischer Quelle siehe: Kathrin Zöller, Daten, Quellen, offene Fragen. Die Sächsische Längsschnittstudie aus zeithistorischer Perspektive, in: Hendrik Berth/Elmar Brähler/Markus Zenger/Yve Stöbel-Richter (Hg.), 30 Jahre ostdeutsche Transformation. Sozialwissenschaftliche Ergebnisse und Perspektiven der Sächsischen Längsschnittstudie, Gießen 2020, Seite 197-210.
16.
Eine aktuelle Bibliografie findet sich hier: Hendrik Berth, Bibliografie zur Sächsischen Längsschnittstudie, in: Berth et al., 30 Jahre ostdeutsche Transformation. Sozialwissenschaftliche Ergebnisse und Perspektiven der Sächsischen Längsschnittstudie, Gießen 2020, S. 357-368.
17.
Das Dissertationsprojekt „Die ostdeutsche Schule als Lebenswelt im Umbruch” entsteht im Rahmen der Projektmitarbeit in der Forschungsgruppe: „Die lange Geschichte der 'Wende'. Lebenswelt und Systemwechsel in Ostdeutschland vor, während und nach 1989/90” die unter Leitung von PD Dr. Kerstin Brückweh am Leibniz-Zentrum für Zeithistorische Forschung Potsdam von 2016 bis April 2020 von der Leibniz-Gemeinschaft gefördert wurde.
18.
Hans Günter Hockerts, Zugänge zur Zeitgeschichte: Primärerfahrung, Erinnerungskultur, Geschichtswissenschaft, in: Aus Politik und Zeitgeschichte (B 28/2001), S. 15-30, hier S. 17.
19.
„Die Anforderungen an der EOS sind wesentlich höher als an der POS. Dann war es eine völlig neue Klasse, an die man sich erst gewöhnen mußte. Weiterhin mußte man sich an die neuen Lehrer und ihre Unterrichtsmethoden gewöhnen.”, Sächsische Längsschnittstudie, Originalfragebogen 1990, Teilnehmer 0079 (im Folgenden wird die Kurzform verwendet: SLS 1990 Teilnehmernummer). Die Originalfragebögen lagern bei einem der aktuellen Verantwortlichen der Studie, Hendrik Berth, an der TU Dresden und wurden als Leihgabe an Kathrin Zöller übergeben. Die Identifikationsnummern der Teilnehmenden wurden für die Verwendung der Freitexte aus Gründen des Datenschutzes von Kathrin Zöller verschlüsselt. Die quantitativen Forschungsdaten der SLS sind im GESIS Leibniz-Institut für Sozialwissenschaften archiviert: Förster, Peter (2011): Sächsische Längsschnittstudie – Welle 4, 1990. GESIS Datenarchiv, Köln, ZA6216 Datenfile Version 1.0.0 (2011), doi:10.4232/1.10777.
20.
SLS, Protokoll zum Interview vom 20.10.1997, S. 10, ID: 0079.
21.
Ebd.
22.
Steffen Mau, Lütten Klein. Leben in der ostdeutschen Transformationsgesellschaft, Bonn 2019, S. 80.
23.
Rita Nikolai, Schulstrukturen im Wandel, S. 100.
24.
SLS 1990 153 0079
25.
SLS, Protokoll zum Interview vom 20.10.1997, S. 11, ID: 0079.
26.
vgl. Emmanuel Droit, Vorwärts zum neuen Menschen? Die sozialistische Erziehung in der DDR (1949-1989), Köln 2014.
27.
Grundlegend zum Schulsystem der DDR siehe beispielsweise: Gert Geißler/Ulrich Wiegmann, Schule und Erziehung in der DDR. Studien und Dokumente, Neuwied u.a. 1995.
28.
Siehe dazu z.B.: Friedemann Neuhaus, Geschichte im Umbruch. Geschichtspolitik, Geschichtsunterricht und Geschichtsbewusstsein in der DDR und den neuen Bundesländern 1983-1993, Frankfurt/M. 1998.
29.
SLS 1990 153 0085.
30.
SLS, Interview 1997, Transkript S. 7, ID 0085.
31.
Ebd.
32.
Wolfgang Lambrecht, „Von Finnland lernen heißt von der DDR lernen”? Wundersame oder wunderliche Wiederkehr eines untergegangenen Bildungssystems, in: Thomas Großbölting, Friedensstaat, Leseland, Sportnation? DDR-Legenden auf dem Prüfstand, Bonn 2010, S. 269-288.
33.
SLS 1990 153 0078.
34.
Ebd.
35.
SLS 1994 0078.
36.
SLS, Protokoll zum Interview am 26.10.1997, Transkript S. 7.
37.
SLS, Protokoll zum Interview am 26.10.1997, Transkript S. 9.
38.
Kathrin Zöller/Kerstin Brückweh, Transformation Research and the Longue Durée of 1989. Combining Qualitative and Quantitative Data, in: Przegląd Socjologii Jakościowej – Qualitative Sociology Review 15 (2019), S. 72-91, http://przegladsocjologiijakosciowej.org/volume45_pl.php, letzter Zugriff am 07.09.2020.
39.
Steffen Mau, Der Osten als Problemzone? Eine Skizze zur ostdeutschen Soziopolitik, in: Aus Politik und Zeitgeschichte 28-29/2020, S. 11-16, hier S. 11.
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Illustration, die Kathrin und Ereignisse rund um den Mauerfall 1989 zeigt.
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Der Mauerfall und ich

Es ist Leipzig im Spätsommer des Jahres 1989. Die Studentin Kathrin und ihre Freundinnen und Freunde erleben eine Zeit des Umbruchs in der DDR. Im November fällt die Mauer und damit die Grenze, die Deutschland und die Deutschen viele Jahrzehnte trennte. Über ihre Erlebnisse hat Kathrin von August bis November 2019 im bpb-Messengerprojekt "Der Mauerfall und ich" berichtet.

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Ausgebombt! Eine Zeitreise ins kriegszerstörte Berlin

31 Bildmontagen des Berliner Fotografen Alexander Kupsch, aus historischen Fotos vom zerstörten Berlin und Aufnahmen aus dem Jahr 2015, rücken die zerstörerische Kraft des Krieges erneut ins Bewusstsein, indem sie die Ruinen aus dem Mai 1945 ins Berlin von heute übertragen.

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NEU: Videoreportagen

Vom Einläuten der Friedlichen Revolution

Rund um den 7. Oktober 1989 herrschte Ausnahmezustand in mehreren Städten der DDR. Polizei und Stasi gingen gewaltsam gegen Demonstranten vor, die friedlich für Reformen eintraten. Ein filmischer Überblick.

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Themenseite

30 Jahre Mauerfall

Die Berliner Mauer war über 28 Jahre das Symbol der deutschen Teilung und des Kalten Krieges. Am 9. November 1989 reagierte die DDR-Regierung mit Reiseerleichterungen auf den Ausreisestrom und monatelange Massenproteste – die Mauer war geöffnet. Wir präsentieren ausgewählte Angebote zur Geschichte der Mauer und des Mauerfalls.

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Deutschlandarchiv bei Twitter

Ausstellung + Film

Die Mauer. Sie steht wieder!

Was wäre, wenn die Mauer Berlin erneut halbieren würde? 30 Jahre nach dem Mauerfall erinnert das Deutschland Archiv der bpb mit 30 Bildmontagen und einem Film von Alexander Kupsch an das Bauwerk, das die Stadt über 28 Jahre lang teilte.

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Chronik der Mauer

Es erwartet Sie eine Fülle von multimedial aufbereiteten Informationen über Mauerbau und Mauerfall - und über die Opfer der Grenze.

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Dossier

Stasi

Alles wissen, alles kontrollieren, Menschen manipulieren. Aus der Arbeitsweise der DDR-Geheimpolizei "Stasi" ist auch viel zu lernen über die Mechanismen von Diktaturen der Gegenwart. In der DDR überwanden couragierte Bürgerinnen und Bürger allerdings 1989 ihre Angst vor der "Staatssicherheit". Vor 30 Jahren wurde sie gänzlich entmachtet.

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Online-Angebot der bpb und der Robert-Havemann-Gesellschaft

jugendopposition.de

Wie haben junge Menschen in der DDR mit Mut und Musik gegen Stasi und SED-Diktatur gekämpft? Zeitzeugen berichten. Mit zahlreichen Texten, Videos, Audios, Fotos und Dokumenten.

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Online-Archiv

www.wir-waren-so-frei.de

Fast 7.000 private Filme und Fotos aus der Umbruchzeit 1989/90 sowie über 100 begleitende Erinnerungstexte. Dazu ost- und westdeutsche Medienberichte. Die persönlichen Erfahrungen der Fotografen und Filmemacher bieten zusammen mit der öffentlichen Berichterstattung vielfältige Blicke auf die historischen Ereignisse und deren Auswirkungen auf den Alltag in Ost und West.

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Wird die DDR-Diktatur verharmlost? Und warum begann die intensive Auseinandersetzung mit der NS-Vergangenheit erst so spät? Die Deutung von Geschichte ist oft umstritten - und nicht selten ein Politikum.

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13. August 1961: In den frühen Morgenstunden beginnt der Bau der Mauer, die Deutsche Teilung wird zementiert. Am Abend des 9. November 1989 kommt es zum Mauerfall. Bald 30 Jahre danach ist Deutschland in vielem noch immer ein Land mit zwei Gesellschaften.

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Zu dem Thema "Children of Transition, Children of War, the Generation of Transformation from a European Perspective" diskutierten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler auf der Deutschlandforschertagung 2016 vom 3. bis 5. November 2016 in der Universität Wien. Die Tagungsdokumentation gibt Einblick in die Themen und Ergebnisse.

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Messenger-Projekt

Der Mauerfall und ich

Es ist Leipzig im Spätsommer des Jahres 1989. Die Studentin Kathrin und ihre Freundinnen und Freunde erleben eine Zeit des Umbruchs in der DDR. Im November fällt die Mauer und damit die Grenze, die Deutschland und die Deutschen viele Jahrzehnte trennte. Über ihre Erlebnisse hat Kathrin von August bis November 2019 im bpb-Messengerprojekt "Der Mauerfall und ich" berichtet.

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Gedenkstätten, Museen, Dokumentationszentren, Mahnmale, Online-Angebote - zahlreiche Einrichtungen und Initiativen erinnern an die Opfer des Nationalsozialismus, bieten Bildungsangebote zur Geschichte des Nationalsozialismus und engagieren sich für Überlebende und Jugendbegegnungen. Wo Sie welche Erinnerungsorte mit welchem pädagogischen Angebot finden, erfahren Sie in der Datenbank.

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Der Tag in der Geschichte

  • 25. Nov. - 15. Dez. 1947
    Die Londoner Konferenz des Rats der Außenminister scheitert, da die Differenzen in der Deutschlandfrage nicht mehr zu überbrücken sind. Hauptstreitpunkte: Reparationen, Demontagen, Marshallplan, Bizone, Oder-Neiße-Linie, Friedensvertrag, deutsche Einheit und... Weiter
  • 25. November 1952
    In Bonn wird die dem Bundesinnenministerium unterstellte Bundeszentrale für Heimatdienst (seit 18. 5. 1963: für politische Bildung) errichtet. Ihr obliegt die überparteiliche und überkonfessionelle politische Bildungsarbeit in Zusammenarbeit mit anderen... Weiter
  • 25. November 1965
    Das 3.Passierscheinabkommen sieht einen Besuchszeitraum in Ost-Berlin vom 18. 12. 1965 - 2. 1. 1966 vor. Weiter
  • 25. November 1998
    Das Bundeskabinett tritt erstmals in Berlin zusammen. Unter der Leitung Gerhard Schröders (SPD) tagt es im ehemaligen DDR-Staatsratsgebäude, das als Sitz des Bundeskanzlers dient, bis das neue Kanzleramt fertiggestellt ist. Weiter