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5.11.2020 | Von:
Zeitzeugen TV

„Der Ort, aus dem ich komme, heißt Dunkeldeutschland”

Katharina Warda über ihre ostdeutschen Erfahrungen nach 1989/90

Das Projekt „Dunkeldeutschland” von Katharina Warda erzählt von den sozialen Rändern der Nachwendezeit und beleuchtet blinde Flecken deutscher Geschichtsschreibung. Ausgangspunkt sind ihre eigenen Erfahrungen, die sie als ostdeutsche Frau mit Migrationshintergrund nach 1989/90 machte.

Das Foto zeigt Katharina Warda im Gespräch Zeitzeugen TV.Katharina Warda im Gespräch Zeitzeugen TV. (© Zeitzeugen TV)

Katharina Warda bezeichnet ihre Familie als sogenannte „Wendeverlierer”. Sie erzählt über ihr Aufwachsen in der Stadt Wernigerode im Harz, an der Grenze zu Niedersachsen. Es geht vor allem um die Wirren und Besonderheiten der damaligen Zeit: Massenarbeitslosigkeit, sozialer Abstieg, rechte Gewalt und alles, was damals Erfahrungen Heranwachsender mit und ohne Migrationshintergrund prägte.

Heute gilt Wernigerode als ein Vorzeigeobjekt für den „Aufbau Ost“. Die pittoreske Innenstadt voller Fachwerkhäuser aus dem Mittelalter, das Schloss am Hang des Agnesbergs vor der Stadt und nicht zuletzt der Harz sind Touristenmagneten. Kaum etwas ist noch fühlbar von den Ereignissen, die Katharina Warda hier einst erlebte. Die Geschichten, die sie in ihrem Projekt „Dunkeldeutschland” erzählt, stammen aus den Wendejahren im Osten, aus der Peripherie, den Plattenbauten am Rande des Stadtkerns. Für sie verlief die „Friedliche Revolution“ alles andere als friedlich.

(© C 2020 Zeitzeugen TV)



Mit „Dunkeldeutschland” will Warda die Erlebnisse ihrer Generation zurück ins Licht holen und einem breiten Publikum zugänglich machen. Einen ersten Eindruck ihrer Interpretation der 30-jährigen Transformation in einem geeinten Deutschland gibt Katharina Warda in diesem Video.

Katharina Warda: „Ich bin das Kind einer deutschen Mutter und eines südafrikanischen Vaters und wurde in der DDR geboren. Seit der Wende erlebe ich Rassismus, Klassismus – und Abwertungen als Ostdeutsche. Laute Jubiläumsfeiern übertönen die Sprachlosigkeit, die wir erleben, wenn wir uns an die „Wendezeit“ erinnern. Es fehlen zu viele Stimmen, noch immer“.

Katharina Warda, Jahrgang 1985, studierte Soziologie und Medienwissenschaft. Sie lebt und arbeitet in Berlin als freie Autorin und Bloggerin. Das Zeitzeuginnen-Gespräch mit ihr führte Thomas Grimm von Zeitzeugen TV im Oktober 2020.

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