Beleuchteter Reichstag

6.10.2021 | Von:
Anetta Kahane
Sharon Adler

Anetta Kahane, Kämpferin gegen Antisemitismus und Rechtsextremismus

Die Gründerin und Vorstandsvorsitzende der Amadeu Antonio Stiftung wurde 1954 in Ostberlin geboren. Ihre während der NS-Zeit geflüchteten Eltern, Max Leon Kahane und Doris Kahane, waren dorthin aus dem Lager und dem Widerstand zurückgekehrt. Im Interview erzählt sie, wie Juden und Jüdinnen in der DDR Antisemitismus und Antizionismus erlebten und wie (ambivalent) das Verhältnis zum Jüdischen im Kommunismus war.

Farbfoto: Anetta Kahane in der Amadeu Antonio Stiftung in Berlin-Mitte, die sie 1998 gegründet hat.Anetta Kahane in der Amadeu Antonio Stiftung in Berlin-Mitte, die sie 1998 gegründet hat. (© Sharon Adler/PIXELMEER, 2019)

Kindheit in der DDR, in Indien und Brasilien

Sharon Adler: Du wurdest 1954 in Ostberlin geboren. Wo und wie habt ihr damals gelebt, woran erinnerst du dich?

Anetta Kahane: Meine erste Erinnerung habe ich daran, wie ich in unserem alten Haus in der Tschaikowskystraße die Treppe hochkrabbelte. Da muss ich etwa zwei Jahre alt gewesen sein. Das war in einem abgeriegelten Areal in Pankow, das später das "Städtchen"[1] genannt wurde. Da lebte die Politprominenz, die Nomenklatura.[2] Dort bin ich aufgewachsen.

Sharon Adler: Durch den Beruf deines Vaters warst du mit deiner Familie auch außerhalb der DDR, in Indien und Brasilien. Welche Erinnerungen hast du an diese Zeit?

Anetta Kahane: Mein Vater war der erste DDR-Korrespondent in Indien, und als ich drei Jahre alt war, sind wir für drei Jahre nach Neu-Delhi gezogen. Im Kindergarten habe ich mich unter den vielen Kindern – Moslems, Sikhs, Hindus und einigen Europäern – sehr wohl gefühlt. Obwohl ich als rothaariges, blasses Mädchen unter den zumeist dunkelhäutigen Kindern sehr aufgefallen bin. Ich habe den Unterschied gar nicht wahrgenommen. So verschmolzen war ich mit ihnen.

Im Sommer kamen wir regelmäßig nach Berlin, was immer schwierig für mich war, denn ich konnte mich in der Stadt nur schlecht orientieren. Das war Ende der 1950er-Jahre, und Berlin, vor allem Ostberlin, war noch ein ziemlicher Trümmerhaufen. Alles war so anders als in Indien und sehr fremd für mich.

Bei einem Besuch einer Verwandten 1961 in London erfuhren meine Mutter und ich, dass die Mauer gebaut wird. Daran kann ich mich noch sehr gut erinnern, denn sie war sehr erschrocken und hat die Reise sofort abgebrochen. Das war ein einschneidendes Erlebnis und hatte auch familiäre Folgen.

"Erfahrungen mit dem Fremdsein und dem Deutschsein"

Sharon Adler: 1962/63 wurde dein Vater ND-Korrespondent für Lateinamerika in Rio de Janeiro. Wie hast du 1963 nach der Rückkehr aus Brasilien die erste Zeit in Deutschland erlebt?

Anetta Kahane: Anders als während der sechs Monate in Rio, wo viele jüdische Emigranten waren, habe ich mich als nicht zugehörig gefühlt.

Weil ich etwas kränklich und anämisch war, wurde ich zur Kur nach Thüringen "verschickt", so nannte man das damals. In zwei aufeinanderfolgenden Jahren, jeweils sechs Wochen lang. Dort hatte ich das erste Mal ein sehr, sehr großes Gefühl von Fremdheit und habe mich sehr unwohl gefühlt. In Erinnerung habe ich vor allem die Lieder, die dort ständig gesungen wurden, wie "Schwarz-braun ist die Haselnuss", und dieses Schunkeln dazu. Die Erzieherinnen haben mich sofort als etwas identifiziert, das nicht dazugehört. Das waren meine ersten ganz krassen Erfahrungen mit dem Fremdsein und dem Deutschsein.

Sharon Adler: Gab es ein Bewusstsein oder einen Austausch darüber, dass die meisten Eltern deiner nichtjüdischen Freund*innen zur Täter*innengeneration gehörten, während deine Eltern im Widerstand waren?

Anetta Kahane: Der Dialog zwischen den Kindern war kompliziert. Mein Vater war im Widerstand gewesen, während meine Klassenkameraden Väter hatten, die fast alle in der Wehrmacht gewesen waren. Ihnen fehlte ein Bein oder ein Arm, und wenn ich danach fragte, wurde nur gesagt "Mein Vater war im Krieg", was mich wunderte, denn mein Vater war es ja nicht. Es hieß nur lapidar: "Der war ja auch Jude", aber weiter wurde das nicht thematisiert. Wir Kinder haben in unterschiedlichen Realitäten gelebt. Und darüber gab es ein gemeinsames großes Schweigen. Die nichtjüdischen Menschen haben über die Wehrmacht geschwiegen, und die jüdischen Menschen haben über den Holocaust geschwiegen. Und die, die aus der Sowjetunion zurückkamen, haben über Stalin geschwiegen.

Es gab diese ganz große Kluft zwischen denen, die gegen die Nazis waren, und denen, die mitgemacht hatten. Das war deutlich spürbar.

Mir war klar, dass ich es mit einem Umfeld zu tun hatte, das konträre Ansichten und Erfahrungen hatte – heute würde man sagen, eine postnationalsozialistische Gesellschaft. 1973, während der Weltfestspiele,[3] habe ich in der argentinischen Delegation auch gleich die jüdischen Kinder identifiziert und bin mit denen rumgezogen. Wir haben einfach unsere eigenen, jüdischen Weltfestspiele gemacht.

Jüdischsein und Antisemitismus in der DDR

Sharon Adler: Wann und wie hast du direkte antisemitische Erfahrungen gemacht?

Anetta Kahane: Als ich aus Rio nach Ostberlin zurückkam, bekam ich auf der Oberschule mit, wie über Juden geredet wurde, und verstand, warum ich mich in Deutschland immer schon so fremd gefühlt hatte. Während meiner Abiturzeit hatte ich dann auch die ersten antisemitischen Erlebnisse, nicht nur von meinen deutschen Peers, sondern auch bei einer Freundin von mir, die Polin war. Deren Eltern – hochoffizielle Sozialisten – sahen sofort, dass ich Jüdin war, und wollten mich aus der Wohnung werfen. Juden würden sie in ihrem Haus nicht dulden. Meine Reflektion darüber, was das Jüdische ist und ausmacht und bis ich dechiffriert hatte, wie es in der DDR funktionierte, hat eine Weile gedauert. Meine Eltern waren säkular. Mein Vater hatte zwar ein inniges Verhältnis zum Chassidischen, war aber expliziter Atheist. Für mich begann das Jüdische eine größere Rolle zu spielen, als ich 16 Jahre alt war. Damals habe ich versucht, es mir zurückzuholen, soweit ich das konnte. Ich bin zum ersten Mal in die Synagoge gegangen, und ich begann, biblische Texte zu lesen, jiddische Musik zu hören und mir selbst etwas Hebräisch beizubringen.

Das Leben nach dem Überleben: Jüdische kommunistische Rückkehrer*innen aus den Lagern, dem Widerstand und dem Exil

Sharon Adler: Deine Eltern sind während der NS-Zeit geflüchtet und 1945 nach Ostberlin zurückgekehrt. Wie war die Stimmung der Rückkehrer*innen in der DDR in diesen Nachkriegsjahren?

Anetta Kahane: Meine Eltern waren Ende 1949 in Prag, als es dort mit der antisemitischen Kampagne losging, die in die Slánský-Prozesse[4] mündete. Sie sind dann sofort in die DDR abgehauen, aber dort ging das ja auch los. Zum Freundeskreis meiner Eltern gehörten vor allem viele Antifaschisten, die zurück nach Deutschland, und bewusst in die DDR gegangen sind. Alle waren im Exil oder im Lager gewesen. Die meisten waren Juden. Das wussten sie zwar untereinander, aber es wurde nicht kommuniziert. Aber gab auch eine starke Kluft bei den Freundschaften. Die wenigsten hatten nichtjüdische Freunde, und wenn doch, waren das Menschen, die gegen die Nazis waren oder im Widerstand gekämpft haben. Das war Anfang der 1950er-Jahre. Mein Vater hat mir später erzählt, dass meine Eltern und ihre Freunde während dieser antisemitischen Schauprozessvorbereitungszeit große Angst gehabt haben. Ihre Strategie war: "Bloß keine Welle machen, das Jüdische möglichst nicht thematisieren und irgendwie damit durchkommen." In dieser Zeit wurden Freunde meiner Eltern verhaftet und durch die Mangel gedreht. Einige wurden ermordet, darunter der Verlobte meiner Tante.

Sharon Adler: Wie war das Verhältnis zum Jüdischen im Kommunismus? Wie war die Situation in der Jüdischen Gemeinde Ostberlins?

Anetta Kahane: Das Leben in der DDR war für Juden ambivalent. Regelmäßig wurde öffentlich erklärt, Jüdisch sei nur eine Religion, und Religion sei reaktionär. Viele Gemeindemitglieder, religiöse und nichtreligiöse, verließen 1953 die DDR. Sie alle konnten die antisemitische Stimmung nicht ertragen.
Und das, obwohl die meisten unter einem großen Druck standen, weil sie gerade erst aus den Lagern gekommen waren und keine andere politische Heimat hatten. Meine Mutter hätte auch anderswo Künstlerin sein können, aber mein Vater hatte sich sehr auf die Partei eingelassen und hing an seiner Arbeit. Dass er woanders als in der DDR als Journalist arbeiten würde, kam für ihn nicht in Frage.

1967, nach dem Sechs-Tage-Krieg, erschien im Neuen Deutschland ein Aufruf von jüdischen Genossen,[5] den alle Juden unterschreiben sollten. Ein richtiger Hetzartikel gegen Israel.[6] Mein Vater hat sich geweigert, dieses Pamphlet zu unterschreiben. Darauf war er auch ziemlich stolz. Er hat sehr wohl zur Kenntnis genommen, dass dieser israelbezogene Antisemitismus durchaus eine Relevanz für das Thema Antisemitismus insgesamt hatte.

1960/61 war er als Berichterstatter beim Eichmann-Prozess in Jerusalem. Das war für ihn sehr schwer. Zum einen, die Zeugen und die furchtbaren Dinge zu hören, und zum anderen, in Israel zu sein, wo wir Familie hatten, und dieses Land einfach wunderbar zu finden, aber das in der DDR nicht sagen zu dürfen. Er hat von Israel immer sehr geschwärmt. Er mochte das Land sehr. Ab und zu hat er mir zwar in den 1980er-Jahren in ideologischen Ansprachen erklärt, warum Israel ein koloniales Projekt ist, aber das war dann sehr aufgesagt. Seine ideologische Seite war immer auf Linie, aber seine lebendige Seite war es nicht. So wie es oft in Bezug auf das Judentum bei meinem Vater war.

Max Leon Kahane und Doris Kahane, geborene Doris Machol

Sharon Adler: Deine Eltern waren 1945/46 als Berichterstatter*innen bei den Nürnberger Prozessen, und 1961 war dein Vater[7] als Journalist beim Eichmann-Prozess in Jerusalem. Deine Mutter[8] war Künstlerin und Grafikerin. Sie hat während ihrer Inhaftierung im Lager Drancy Zeichnungen von Kindern gemacht, die nach Auschwitz deportiert wurden. Wie hat dich das geprägt?

Anetta Kahane: Das hat mich natürlich sehr geprägt. Ich bin 1954 geboren, neun Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs. Seit ich sechs oder sieben Jahre alt war, habe ich verstanden, wofür Nürnberg steht, und wusste, wer Eichmann war. Ich bin damit aufgewachsen.

Damit habe ich mich übrigens von anderen jüdischen Kindern unterschieden, denn es gab viele Eltern, die das ihren Kindern verschwiegen haben. Oder es geradezu abgewehrt haben oder das Jüdische nur als eine Religion abgetan und ihre Kinder mit ihrem Gefühl der Fremdheit alleingelassen haben. Das war bei uns nicht so. Als Kind habe ich die leisen Gespräche der Erwachsenen darüber miterlebt, wer von den Verwandten oder Freunden in Auschwitz "umgekommen" ist und wer "nicht mehr zurückkommt". Mein Großvater mütterlicherseits, seine zweite Frau und die Kinder sind auch in Auschwitz "geblieben". Überall waren Tote. Das war die Normalität dieser Generation.

Für uns Kinder war es total erschreckend, in Familien groß zu werden, die das nicht nach draußen tragen konnten, die aber nach innen unglaublich traumatisiert waren. Heute würde man vom posttraumatischen Stress-Symptom oder vom Zweite-Generation-Syndrom sprechen. Im Westen war es auch schwer, darüber zu sprechen, aber in der DDR war es ein noch größeres Tabu.

Sharon Adler: Wurden die Hoffnungen deiner Eltern erfüllt, als Juden gleichberechtigt einen sozialistischen Staat aufzubauen? Konnten sie in der DDR alles erreichen, waren sie ihren nichtjüdischen Kolleg*innen gleichgestellt?

Anetta Kahane: Für meine Mutter galt das schon. Sie hat das gemacht, was sie machen wollte. Ich weiß nicht, ob sie anders gemalt hätte, wenn wir nicht im sozialistischen Realismus gewesen wären. Ich glaube schon, dass sie davon stilistisch geprägt war. Sie hat – wie viele andere Maler in der DDR auch – Auftragsarbeiten angefertigt, die sehr politisch waren. Ich weiß nicht, ob es ihr Spaß gemacht hat, einen Armee-General oder die Altersvorsitzenden der Volkskammer zu portraitieren, aber sie hat diese Jobs eben angenommen. In vielen Dingen hatte sie eine Schere im Kopf.

Mein Vater war in der Hinsicht ein bisschen schizophren, denn es gab eine große Kluft zwischen seiner persönlichen und seiner politischen Wahrnehmung. Diese Kluft hat er jedoch nie wahrgenommen. Er hat sich im Grunde eine sehr gute Lösung für das Dilemma überlegt, als Jude in der DDR zu leben, indem er entschieden hatte, als Auslandskorrespondent für die DDR zu schreiben. So konnte er jederzeit nach Westberlin fahren und überall in die Welt reisen. Von dort hat er geschrieben, wie schlimm der Kapitalismus und wie wunderbar die DDR ist. Allerdings muss ich sagen, dass sich mein Vater immer sehr gegrämt hat, dass er politisch – und auch, was seine Rolle im Journalismus betraf –, nie einen leitenden Posten bekommen hat. Den hätte er bekommen, wenn er nicht Jude gewesen wäre, denn den Juden haftete das Stigma des Kosmopolitischen an, oder es wurde behauptet, dass sie unzuverlässig wären. Ich erinnere mich, wie er uns bei der Gründung der Zeitung Horizont[9] gesagt hat, dass er jetzt Chefredakteur würde. Aber obwohl er von Anfang an dabei war, wurde es ein anderer, irgend so ein deutscher Spießer.[10] Der war von der Partei und vom ZK auserwählt und hat die politische Linie gehalten. Das hat meinen Vater sehr getroffen, und er war sehr frustriert. Auch darüber, dass er kein Botschafter werden konnte. Er hatte sich auch gewünscht, im Ministerium für Justiz etwas zu werden, weil er Jura studiert hatte. Aber das ist alles nicht passiert. Das ist vielen Juden so gegangen. Es gab immer wieder antisemitische Schübe,[11] wo selbst sehr linientreue Juden in die zweite oder dritte Reihe gedrängt wurden. Es gab, glaube ich, zwei Juden im Politbüro, aber das waren die Ausnahmen. Im Mittelbau gab es keine.

Der Staat definierte sich zwar als antifaschistisch, bestand aber zu 90 Prozent aus NSDAP-Leuten, auch in der Partei. Es ist eine Legende, dass alle SED-Funktionäre Antifaschisten waren. Das waren sie nicht. Das war ein sehr deutscher Staat. Wenn im Westen kritisiert wurde, dass es faschistoid ist, wie sich Polizisten aufgeführt haben, so war das in der DDR viel schlimmer. In den 1950er-Jahren mussten Juden aus der Jüdischen Gemeinde austreten, wenn sie Kommunisten sein wollten. Mein Vater ist sofort nach der Wende wieder eingetreten. Ich bin vorher schon wieder eingetreten.

Persönliche Erfahrungen und Erinnerungen an die Zeit um 1989. Die Zeit der politischen "Wende". Der 9. November in Deutschland

Sharon Adler: Anlässlich des 30. Jahrestags des Mauerfalls schreibst du in einem Kommentar,[12] warum Du bei der Formulierung "Schicksalstag der Deutschen" im Kontext des 9. November[13] "Bauchschmerzen" bekommst. Warum?

Anetta Kahane: Weil "Schicksal" immer etwas Fatalistisches hat, etwas, das einfach passiert. In der DDR kursierte die Formulierung, dass "die Nacht des Hitler-Faschismus über uns hereingebrochen" ist. Als würde "Schicksal" etwas mit Gewitter oder einer Naturkatastrophe zu tun haben. Aber der 9. November der sogenannten "Reichspogromnacht" war geplant. Dass unter andere Ereignisse zu subsumieren, die an diesem Datum stattgefunden haben, halte ich für eine verharmlosende Strategie, die ich nicht gutheißen kann und extrem falsch finde.

Sharon Adler: In deinem Buch "Ich sehe was, was du nicht siehst. Meine deutschen Geschichten" schreibst du über den Antisemitismus und Antizionismus in der DDR.[14] Gab es damit vor oder nach der "Wende" aktive Auseinandersetzungen?

Anetta Kahane: Nein, das, was in der DDR nicht stattgefunden hat und auch nach der Wende nicht, waren aktive Auseinandersetzungen der Tätergeneration und deren Nachfahren mit dem Nationalsozialismus. Auch nach dem Ende der DDR gab es kein Gefühl dafür, dass man über diesen Teil der Geschichte reden müsste. Im Gegenteil. Gleich, als die ersten Probleme mit Nazis auftauchten, wurde abgewehrt. Eine beachtenswerte Leistung war jedoch, dass ein Teil der Bürgerrechtsbewegung an einem Runden Tisch eine Erklärung veröffentlicht hat, die von der Volkskammer beschlossen wurde. Darin hat sich die DDR für den Umgang mit Israel und für die Verbrechen der Nationalsozialisten entschuldigt. Die Opfer und deren Kinder wurden namentlich genannt. Gleichzeitig wurde mit dieser Erklärung die Aufnahme von Juden aus der Sowjetunion beschlossen.

Gemeinsame Erklärung der Volkskammer

Sharon Adler: "Wir bitten die Juden in aller Welt um Verzeihung. Wir bitten das Volk in Israel um Verzeihung für Heuchelei und Feindseligkeit der offiziellen DDR-Politik gegenüber dem Staat Israel und für die Verfolgung und Entwürdigung jüdischer Mitbürger auch nach 1945 in unserem Lande." Was hat die Erklärung der Volkskammer bewirkt?[15]

Anetta Kahane: Wir waren bis in die Knochen gerührt. Es war ein Moment, wo ich dachte, dass alles gut ist und wird. Das war ein ganz, ganz wichtiger Augenblick, aber es war leider nur ein Augenblick. Die Erklärung wurde fast einstimmig angenommen, aber was damit gemacht wurde beziehungsweise was nicht damit gemacht wurde, ist eigentlich viel interessanter. In den Enquete-Kommissionen zur DDR ist sie nicht aufgenommen worden. Und im Einigungsvertrag hat die Regierung Kohl die Aufnahme der Juden rausgestrichen. Ganz klar und ohne Zögern. Die Verhandlungsführer im Osten, was im Wesentlichen die Ost-CDU war, haben sich auch nicht gerade stark dafür gemacht. Was die Öffentlichkeit betrifft, so muss man heute mal fragen, ob sich irgendjemand an die Volkskammer-Erklärung erinnert. Kein Schwein kann sich daran erinnern. Die Bürgerrechtler, die die Erklärung geschrieben haben, haben in der Folge – auch bis heute – nicht darauf gepocht, dass dieser Geist erhalten bleibt. Das merkt man daran, dass es viel Verständnis für einige gibt, die heute zu dem rechten Rand der DDR-Aufarbeitung gehören.

Der Antrag "Aufruf zur Aufnahme sowjetischer Juden in der DDR"

Sharon Adler: In deiner Funktion als Ausländerbeauftragte des Magistrats von Ostberlin beziehungsweise als Mitglied der Arbeitsgruppe "Ausländerfragen" am "Zentralen Runden Tisch" hast du den Antrag "Aufruf zur Aufnahme sowjetischer Juden in der DDR" durchgesetzt.[16] Was bedeutete dir das persönlich und für das jüdische Leben in Deutschland heute?

Anetta Kahane: Das war auf verschiedenen Ebenen sehr emotional und wichtig für uns. Zum einen waren unter den sowjetischen Soldaten, die Ostdeutschland und Berlin befreit hatten, viele Juden. Der sogenannte Große Vaterländische Krieg hat viele Juden in der DDR dazu gebracht, für ewig und immer die Sowjets anzubeten. Die Sowjetunion hatte ja die größten Verluste, auch beim Kampf in Deutschland. Es war eine Möglichkeit, sich hier in diesem Sinne zu revanchieren, gleichzeitig hatten wir natürlich auch den kritischen Blick auf den sowjetischen Antisemitismus. Wir konnten insofern etwas Gutes tun, Juden aus der Sowjetunion herholen, die aus Familien kamen, die fast alle im Krieg aktiv gewesen waren, und wir konnten gleichzeitig dafür sorgen, dass sie Schutz fanden.

Eine Initiative ging vom Jüdischen Kulturverein aus, einem der wenigen Vereine, die es auch schon in der DDR gab. Am Runden Tisch "Ausländerfragen" haben wir eine Beschlussvorlage formuliert. Dann kamen immer mehr Juden aus der Sowjetunion und haben Asyl beantragt.

Das Leben hat sich total verändert. Es gab vorher 300 Mitglieder in der Jüdischen Gemeinde in der DDR, und mit jüdischem Background waren es insgesamt vielleicht 3.000. Und in der Gemeinde im Westen waren es vielleicht 1.500, höchstens 2.000.

Ich habe mich damals als Ausländerbeauftragte und später mit der RAA[17] sehr für die jüdischen Emigranten engagiert. Sie hatten es wahnsinnig schwer, auch in den Jüdischen Gemeinden. Mit einer Beratungsstelle haben wir versucht, die Brücke zur Gemeinde zu sein. Das haben wir so lange gemacht, wie es nötig war. Aber ich erinnere mich, dass es sehr konfliktreich war. Es gab große kulturelle Unterschiede. Viele der Juden aus der Sowjetunion waren säkular, manche waren sehr religiös. Die Juden in Deutschland aus dem Westen waren mehrheitlich remigriert und waren aus den Lagern gekommen. Viele hatten osteuropäische Wurzeln. Sie hatten sich etabliert und keinen Bock auf Juden aus der Sowjetunion. Die deutschen Juden im Osten waren mehrheitlich Kommunisten. Denn nach Deutschland zurückgekommen war nur, wer einen ideologischen Grund hatte. Es war für alle Seiten sehr schwierig. Ich habe mich bemüht, nicht nur den Beschluss voranzutreiben, sondern auch dafür zu sorgen, dass die Gemeinden offener sind. Es gab viele Gespräche, viele Projekte, viel Streit.

Gründung der Amadeu Antonio Stiftung

Farbfoto: Anetta Kahane und die Amadeu Antonio Stiftung demonstrieren gegen einen Neonazi-Aufmarsch.Anetta Kahane und die Amadeu Antonio Stiftung demonstrierte gemeinsam mit dem Politiker Cem Özdemir, Musikern der Brothers Keepers, der Filmemacherin Mo Asumang und anderen Engagierten am 8. Mai 2005 gegen einen Neonazi-Aufmarsch in Berlin. (© Chawa Kahane, 2005)

Sharon Adler: Wie kam es zur Gründung der Amadeu Antonio Stiftung?

Anetta Kahane: Entstanden ist die Amadeu Antonio Stiftung aus dem partikularen Interesse, gegen Antisemitismus, und aus dem universalistischen Interesse, gegen alle Formen von Rassismus und Diskriminierung aufzutreten. Dazu sollte sie sich um Initiativen für eine demokratische Kultur kümmern. Die Amadeu Antonio Stiftung ist mein Baby. Ich habe mir gedacht, wenn es einer Zivilgesellschaft bedarf, die diese Kriterien lebt, dann muss auch ich Verantwortung übernehmen und dafür sorgen, dass das passieren kann. Deswegen muss man die Menschen, die ebenfalls diese Ziele verfolgen, identifizieren, sie unterstützen, sie empowern und beraten und sie mit Inhalten versorgen. Wir haben die Stiftung nach Amadeu Antonio benannt, der gleich nach der Wiedervereinigung in Eberswalde von Rechtsextremen ermordet worden war.

Sharon Adler: Du bist seit Jahren massiv antisemitischen Anfeindungen ausgesetzt. Der Attentäter, der den Anschlag auf die Synagoge in Halle (Saale) verübte,[18] sagte im Prozess aus, dass du "ganz oben" auf seiner "Feindesliste" stündest. Woher kommt dieser Hass auf Jüdinnen und Juden? Würdest du von einer Täter-Opfer-Umkehr sprechen?

Anetta Kahane: Ja, unbedingt. Die Täter-Opfer-Umkehr besteht darin, dass die Leute Juden nicht als Subjekte akzeptieren und ihnen erklären: "Wenn Juden nicht so wären wie du, dann gäbe es auch keinen Antisemitismus". Das ist an sich schon antisemitisch. Diese Täter-Opfer-Umkehr erlebe ich täglich.

Ich werde nicht nur angefeindet, weil ich Jüdin bin, sondern auch, weil ich eine Jüdin bin, die menschenrechtsliberale Ziele verfolgt, und weil ich gegen Rechts bin. Wobei natürlich das eine mit dem anderen zusammenhängt. Ich finde Rassismus und Rechtsextremismus genauso abscheulich und absolut nicht satisfaktionsfähig wie Antisemitismus. Es ist schon immer ein Teil der jüdischen Identität gewesen, sich für die Rechte anderer einzusetzen. Das hat eine lange Tradition, das gehört zum Jüdischsein dazu. Aber es gibt eben auch, und das ist ganz wichtig, im Jüdischen nicht nur die universalistische Seite, die sich für alle anderen einsetzt, sondern auch eine partikularistische Seite, die sagt: "Auch wir müssen uns schützen." Und das ist etwas, was man den Israelis sehr übelnimmt. Es gibt also auch im Judentum einen Partikularismus, der legitim ist, aber den Juden übelgenommen wird. Das zu sagen ist mir wichtig.

Verschwörungsideologien während der Corona-Pandemie und israelbezogener Antisemitismus

Sharon Adler: Ob Verschwörungsideologien wie die Mär von der "jüdischen Weltverschwörung" oder Anschläge auf jüdische und israelische Einrichtungen: Die Liste von Angriffen physischer wie verbaler Art auf Juden und Jüdinnen ist lang. Warum ist Antisemitismus und sogenannte "Israel-Kritik" heute so angesagt und salonfähig?

Anetta Kahane: Eine einfache und eindeutige und einzige Antwort darauf gibt es nicht. Es gibt verschiedene Elemente des Antisemitismus und Milieus, aus denen er kommt. Hinzu kommt die Verstärkung und Eskalation durch die sozialen Medien. Das zieht sich quer durch alle Debatten und Milieus, und es gibt einen verstärkten Diskurs bei den Menschen im Kunst- und Kulturbereich, die sich für progressiv halten.

Antisemitismus folgt im Prinzip immer den gleichen Mustern und Projektionen. Die Projektion, die über Israel ausgespannt wird, ist nur eine davon. Diese Projektion sagt, dass es einen Grund für das Übel der Welt geben muss. Israel steht darin für das Böse und die Palästinenser für das Gute. Diese Generalisierung heißt im Grunde auch nichts anderes, als dass die Juden immer das Böse darstellen. Das unterscheidet Antisemitismus von anderen Ismen wie Rassismus. Antisemitismus ist immer nur denkbar, wenn man die Juden als die Externalisierung des Bösen betrachtet: Wenn die Juden nicht wären, wäre alles besser. Da bleibt nur der Vernichtungsgedanke: Die müssen weg. Weg aus dem Osten, weg aus Israel, weg aus Deutschland.

Sharon Adler: Hat das deiner Meinung nach auch etwas damit zu tun, dass die Juden als Volk in der Diaspora über Jahrtausende die Verfolgten waren und als Objekte angesehen wurden, denen das Recht abgesprochen wird, sich zum aktiven Subjekt zu machen?

Anetta Kahane: Natürlich, das ist einer der Gründe, warum Israel so besonders gehasst wird.[19] Die Juden als Opfer, das kann man ihnen gerade noch durchgehen lassen. Man kann immer mal versuchen, sie zu zerstören, oder sie mit Pogromen überschütten. Man kann ab und zu mal sagen, dass, wenn sie die Konfession wechseln würden, man sie eventuell leben lassen würde. Aber wehrhafte Juden, wann immer sie auftreten, rufen sofort Aggressionen hervor.

Das Jüdische Quartett. Sichtbarkeit jüdischer weiblicher Perspektiven

Sharon Adler: Während der Corona-Pandemie, im Sommer 2020, hast du ein neues digitales Talk-Format entwickelt, das Jüdische Quartett.[20] Ich freue mich sehr darüber, es zu moderieren. Wie kamst du auf die Idee und worin besteht das Konzept, was sind die Ziele und Themen?

Anetta Kahane: Die Corona-Situation hat von uns verlangt, dass wir in den Aktionswochen etwas tun, was gehaltvoll und sinnvoll und toll ist. Mein Bedürfnis war schon seit langem, in die Debatte um Antisemitismus eine starke jüdische Perspektive reinzubringen. Weil ich es immer blöd finde, wenn mehr oder weniger Bescheid wissende Nichtjuden sich gegenseitig erzählen, wie schlimm Antisemitismus ist. Ich wollte ein Format schaffen, in dem die jüdische Perspektive im Vordergrund steht und die Themen aus jüdischer Perspektive diskutiert werden.

Sharon Adler: Das Jüdische Quartett bildet ja nicht nur eine jüdische Perspektive, sondern auch eine jüdische weibliche Perspektive ab. Warum?

Anetta Kahane: Für das Format haben wir die Schlauesten, die Witzigsten, die Engagiertesten gesucht, und das waren eben Frauen. Somit war klar, dass die jüdische Perspektive von kompetenten Frauen eine Rolle spielen soll. Wir bilden durchaus unterschiedliche Sichtweisen auf verschiedene Themen ab, die Diskutantinnen sind sehr verschieden. Und wir haben ein hohes Diskussionsniveau und durch und durch eine jüdische Perspektive. Die endlich mal sagt, wie wir das sehen, empfinden und reflektieren. Unter anderem planen wir eine Ausgabe über Frauen im Judentum und deren Rollen. Aber auch die Argumentation zu allen anderen Themenbereichen zeigt unsere weibliche Perspektive. Ich bin sehr froh, dass es das Jüdische Quartett gibt, und finde das ganz toll.

Sharon Adler: Du bist vor kurzem Großmutter geworden. Welche jüdischen Werte möchtest du an deine Enkeltochter weitergeben?

Anetta Kahane: Ich glaube, das Wichtigste ist, dass sie glücklich wird und eine tolle, starke Frau, die mit Widersprüchlichkeit umgehen kann. Die diskutier- und meinungsfreudig ist, die sich Gedanken über die Welt macht und mit der Vielfalt, Gleichzeitigkeit und Widersprüchlichkeit dieser Welt klarkommt. Das sind ja auch sehr jüdische Eigenschaften. Das wünsche ich mir für sie. Wenn sie das mit dem Judentum verbindet, freue ich mich sehr darüber.

Hier geht es zur Vita von Anetta Kahane >>

Zitierweise: "Anetta Kahane, Kämpferin gegen Antisemitismus und Rechtsextremismus", Interview mit Anetta Kahane, in: Deutschland Archiv, 06.10.2021, Link: www.bpb.de/341439

Fußnoten

1.
In den Ostberliner Ortsteilen Pankow und Grünau entstanden ab April 1949 auf Anregung der Sowjetischen Militäradministration drei Siedlungen mit insgesamt 93 Häusern, in denen Persönlichkeiten der sogenannten Intelligenz in der SBZ/DDR untergebracht wurden. Vgl. Bettina und Hans Asmus, Die Intelligenzsiedlungen in Ost-Berlin, Berlin 2021.
2.
Unter der Nomenklatura sind die Führungseliten der DDR zu verstehen.
3.
Die Weltfestspiele der Jugend und Studenten (kurz: Weltjugendspiele) waren internationale Jugendtreffen, die 1947 vom Weltbund der Demokratischen Jugend (WBDJ) in Prag ins Leben gerufen wurden. Zu den X. Weltfestspielen 1973 in Ostberlin kamen acht Millionen Menschen. Siehe www.bpb.de/geschichte/deutsche-geschichte/weltfestspiele-73/ und http://weltfestspiele.redglobe.org/, zuletzt aufgerufen am 17.5.2021.
4.
Der Slánský-Prozess war ein antisemitisch inszenierter Schauprozess der Stalin-Ära im Jahr 1952 in Prag gegen Rudolf Slánský, ehemaliger Generalsekretär der Kommunistischen Partei der ČSSR, und 13 weitere Parteifunktionäre, darunter elf Juden. Die Anklagen waren erfunden, die Geständnisse erfoltert und erpresst. Elf der Angeklagten wurden 1952 wegen einer vermeintlichen trotzkistisch-zionistischen Verschwörung zum Tode verurteilt. Das Urteil war der Beginn einer von der sowjetischen Führung erwünschten Prozesswelle ähnlicher Art im gesamten sozialistischen Lager. Siehe Thomas Haury, Antisemitismus in der DDR, in: Bundeszentrale für politische Bildung (Hg.), Dossier Antisemitismus, www.bpb.de/37957, zuletzt aufgerufen am 1.7.2021.
5.
Am 9. Juni 1967 veröffentlichte das Neue Deutschland die "Erklärung von Bürgern jüdischer Herkunft", die von dem jüdischen Kommunisten Albert Norden im Stil der Polemik der antizionistischen Propaganda der SED verfasst worden war. Siehe Jeffrey Herf, Unerklärte Kriege gegen Israel. Die DDR und die westdeutsche radikale Linke 1967–1989. Aus dem Englischen von Norbert Juraschitz. Göttingen 2019, https://www.bpb.de/shop/buecher/schriftenreihe/325594/unerklaerte-kriege-gegen-israel und https://www.wallstein-verlag.de/9783835334847-unerklaerte-kriege-gegen-israel.html.
6.
Vgl. Wolfgang Benz, Das Israelbild der DDR und dessen Folgen, in: Deutschland Archiv, 18.4.2017, www.bpb.de/246359 und Sebastian Voigt, Das Verhältnis der DDR zu Israel, in: Dossier Israel, www.bpb.de/45014, zuletzt aufgerufen am 20.7.2021.
7.
Max Leon Kahane, geboren 1910 in Hannover, gestorben 2004 in Berlin, flüchtete 1933 nach Prag in die Tschechoslowakei, war Journalist und Chefredakteur sowie später Direktor des von ihm 1946 mitbegründeten Allgemeinen Deutschen Nachrichtendienstes in der DDR (ADN). Von 1955 bis 1957 war er stellvertretender Chefredakteur der Berliner Zeitung, die dem Zentralkomitee (ZK) der SED unterstellt war, und Auslandskorrespondent und Chefkommentator der Tageszeitung Neues Deutschland. Von 1968 bis 1980 war er Chefkommentator und Kollegiumsmitglied der Wochenzeitung Horizont, deren Mitgründer er war.
8.
Doris Kahane, geboren als Doris Machol 1920 in Berlin, gestorben 1976 ebenda, war eine jüdisch-kommunistische Widerstandskämpferin. Mit ihrer Mutter flüchtete sie aus dem nationalsozialistischen Deutschland über Mallorca und Barcelona nach Paris. 1944 wurde sie in Marseille verhaftet und in das Sammellager Drancy deportiert, wo sie Skizzen von Kindern machte, die nach ihrer Ankunft im Lager von den Eltern getrennt wurden. Es entstand eine Serie von Zeichnungen, darunter "Menschen im Lager" sowie "Der Abtransport jüdischer Kinder nach Auschwitz", Drancy 1944. Siehe: Doris Kahane – eine Künstlerin im Lager Drancy, aufgeschrieben von Max Kahane 1993, in: Inge Lammel (Hg.), Jüdische Lebenswege. Ein kulturhistorischer Streifzug durch Pankow und Niederschönhausen, überarbeitete und erweiterte Neuausgabe, Berlin 2007.
9.
Horizont war eine sozialistische Wochenzeitung für internationale Politik und Wirtschaft und erschien im Berliner Verlag erstmals am 1. November 1968. Bis 1983 wurde sie wöchentlich verlegt. Von 1983 bis 1989 erschien sie monatlich, ab 1990 wöchentlich. Mit der Ausgabe 24/1991 wurde das Erscheinen eingestellt.
10.
Chefredakteur war von 1968 bis 1989 Ernst-Otto Schwabe, dem so gute Kontakte zur DDR-Führung nachgesagt wurden, dass Hans-Otto Bräutigam als Leiter der Ständigen Vertretung der Bundesrepublik Deutschland Gespräche mit ihm als inoffiziellen diplomatischen Kommunikationsweg suchte, zitiert nach Gunter Holzweißig, Klassenfeinde und "Entspannungsfreunde" - West-Medien im Fadenkreuz von SED und MfS, Schriftenreihe des Berliner Landesbeauftragten für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR, Berlin 1995, zuletzt aufgerufen am 18.7.2021.
11.
Siehe dazu: Thomas Gloy, Die Judenpolitik der frühen DDR. Ideologische Voraussetzungen und Vorgänge in der Sowjetunion – Auswirkungen in der DDR, in: Birgit Kletzin (Hg.), Fremde in Brandenburg: von Hugenotten, sozialistischen Vertragsarbeitern und rechtem Feindbild, Münster 2003, S. 198.
12.
Anetta Kahane, 30 Jahre Mauerfall – Demokratie ist kein Geschenk des Schicksals, https://www.amadeu-antonio-stiftung.de/30-jahre-mauerfall-demokratie-ist-kein-geschenk-des-schicksals-52195/, zuletzt aufgerufen am 12.5.2021.
13.
9. November 1938; 9. November 1989, 3.12.2020, https://www.bpb.de/315715, zuletzt aufgerufen am 12.5.2021.
14.
Thomas Haury, „Antizionismus“ in der frühen DDR, www.bpb.de/322325, zuletzt aufgerufen am 12.5.2021.
15.
"Gemeinsame Erklärung der Volkskammer". Die Fraktionen der Volkskammer der Deutschen Demokratischen Republik, Berlin, 12. April 1990.
16.
Der Antrag wurde am 12. Februar 1990 ohne Gegenstimmen angenommen. Etwa 200.000 Juden und Jüdinnen aus der ehemaligen Sowjetunion konnten nach Deutschland kommen.
17.
Regionale Arbeitsstellen für Ausländerfragen, Jugendarbeit und Schule (RAA) e.V.
18.
Ein rechtsextremer, antisemitischer und frauenfeindlicher Attentäter hat am 9. Oktober 2019 an Yom Kippur, dem höchsten jüdischen Feiertag, einen Mordanschlag auf die Synagoge von Halle verübt. Als es ihm nicht gelang, in die Synagoge einzudringen, erschoss er in unmittelbarer Umgebung der Synagoge Jana Lange und Kevin Schwarze und verletzte auf seiner Flucht drei weitere Menschen schwer. Er wurde am 21.12.2020 zu lebenslanger Haft mit Sicherheitsverwahrung verurteilt, www.belltower.news/urteilsverkuendung-rechtsextremer-halle-attentaeter-zu-lebenslanger-haft-verurteilt-109141/, zuletzt aufgerufen am 12.5.2021.
19.
Antisemitismus: Israel wird zum Ventil für Judenhass, Kolumne von Anetta Kahane in der Frankfurter Rundschau, 17.05.2021, https://www.fr.de/meinung/kolumnen/israel-palaestina-nahost-konflikt-juden-hass-antisemitismus-90578396.html, zuletzt aufgerufen am 20.7.2021.
20.
https://www.amadeu-antonio-stiftung.de/das-juedische-quartett/, zuletzt aufgerufen am 12.5.2021.

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