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„Ich sehe mich als Erinnerungskünstlerin“

Deutschland Archiv Neu im DA Schwerpunkte Zeitenwende? Der Ukrainekrieg und die Folgen. 45 Analysen & Essays. Was riskieren wir? Ein Sommer der Unentschlossenheit Zehn Monate Krieg Die Waffen nieder? Ungleiche Fluchten? Schwerter allein sind zu wenig „Russland wird sich nach Putin ändern“ Die be(un)ruhigende Alltäglichkeit des Totalitären Vergessene Bomben aus Deutschland Putins Mimikry Schon einmal Vernichtungskrieg Verhandeln, aber wie? Das sterbende russländische Imperium und sein deutscher Helfer Was lief schief seit dem Ende des Kalten Krieges? „Sie haben die Zukunft zerbrochen“ Vertreibung ist auch eine Waffe "Wie ich Putin traf und er mich das Fürchten lehrte" "Wir bewundern sie und sie verschwinden" Mehr Willkommensklassen! Hoffen auf einen russischen „Nürnberger Prozess“ Russische Kriegskontinuitäten Wurzeln einer unabhängigen Ukraine Der erschütterte Fortschritts-Optimismus "Leider haben wir uns alle geirrt" Die Hoffnung auf eine gesamteuropäische Friedens- und Sicherheitsarchitektur nicht aufgeben „Ihr Völker der Welt“ Das erste Opfer im Krieg ist die Wahrheit China und die „Taiwanfrage“ Deutschlands Chinapolitik – schwach angefangen und stark nachgelassen "Ein Dämon, der nicht weichen will" Transformation und Deutsche Einheit Die sozialpsychologische Seite der Zukunft Zwölf Thesen zu Wirtschaftsumbau und Treuhandanstalt Die andere Geschichte der Umbruchjahre – alternative Ideen und Projekte 30 Jahre nach Rostock-Lichtenhagen Wiedervereinigt auf dem Rücken von Migranten und Migrantinnen? Film ohne Auftrag - Perspektiven, die ausgegrenzt und unterschlagen wurden Geheimdienste, „Zürcher Modell“ und „Länderspiel“ 50 Jahre Grundlagenvertrag Drei Kanzler und die DDR Populismus in Ost und West Akzeptanz der repräsentativen Demokratie in Ostdeutschland Zusammen in Feindseligkeit? Neuauflage "(Ost)Deutschlands Weg" Ostdeutsche Frakturen Geschichtspolitik von oben? Anpassungsprozess der ostdeutschen Landwirtschaft Daniela Dahn: TAMTAM und TABU Wege, die wir gingen „Der Ort, aus dem ich komme, heißt Dunkeldeutschland” Unternehmerischer Habitus von Ostdeutschen Teuer erkauftes Alltagswissen Trotz allem im Zeitplan Revolution ohne souveränen historischen Träger Mehr Frauenrechte und Parität Lange Geschichte der „Wende“ Eine Generation nach der ersten freien Volkskammerwahl Unter ostdeutschen Dächern Die de Maizières: Arbeit für die Einheit Schulzeit während der „Wende” Deutschland – Namibia Im Gespräch: Bahr und Ensikat Gorbatschows Friedliche Revolution "Der Schlüssel lag bei uns" "Vereinigungsbedingte Inventur" "Es gab kein Drehbuch" "Mensch sein, Mensch bleiben" Antrag auf Staatsferne Alt im Westen - Neu im Osten Die Deutsche Zweiheit „Ein echtes Arbeitsparlament“ Corona zeigt gesellschaftliche Schwächen Widersprüchliche Vereinigungsbilanz Schule der Demokratie Warten auf das Abschlusszeugnis Brief an meine Enkel Putins Dienstausweis im Stasi-Archiv Preis der Einheit Glücksstunde mit Makeln Emotional aufgeladenes Parlament Geht alle Macht vom Volke aus? Deutschland einig Vaterland 2:2 gegen den Bundestag "Nicht förderungswürdig" Demokratie offen halten Standpunkte bewahren - trotz Brüchen Die ostdeutsche Erfahrung Kaum Posten für den Osten Braune Wurzeln Wer beherrscht den Osten „Nicht mehr mitspielen zu dürfen, ist hart.“ Ein Ost-West-Dialog in Briefen Stadtumbau Ost Ostdeutschland bei der Regierungsbildung 2017 Die neue Zweiklassengesellschaft DDR-Eishockey im Wiedervereinigungsprozess Die SPD (West) und die deutsche Einheit Die Runden Tische 1989/90 in der DDR Die Wandlung der VdgB zum Bauernverband 1990 Transatlantische Medienperspektiven auf die Treuhandanstalt Transformation ostdeutscher Genossenschaftsbanken Demografische Entwicklung in Deutschland seit 1990 Parteien und Parteienwettbewerb in West- und Ostdeutschland Hertha BSC und der 1. FC Union vor und nach 1990 25 Jahre nach der Wiedervereinigung Ostdeutsches Industriedesign im Transformationsprozess Wende und Vereinigung im deutschen Radsport Wende und Vereinigung im deutschen Radsport (II) Kuratorium für einen demokratisch verfassten Bund deutscher Länder Europäische Union als Voraussetzung für deutschen Gesamtstaat Welche Zukunft braucht Deutschlands Zukunftszentrum? Ein Plädoyer. Erinnern, Gedenken, Aufarbeiten Vier Ansichten über ein Buch, das es nicht gibt "Es war ein Tanz auf dem Vulkan" Föderalismus und Subsidiarität „Nur sagen kann man es nicht“ Wenn Gedenkreden verklingen Zeitenwenden Geschichtsklitterungen „Hat Putin Kinder?“, fragt meine Tochter Wolf Biermann über Putin: Am ersten Tag des Dritten Weltkrieges Der Philosoph hinter Putin „Putin verwandelt alles in Scheiße“ Das Verhängnis des Imperiums in den Köpfen Ilse Spittmann-Rühle ist gestorben Der Friedensnobelpreis 2022 für Memorial Rückfall Russlands in finsterste Zeiten Memorial - Diffamiert als "ausländische Agenten" Die Verteidigung des Erinnerns Russlands Attacken auf "Memorial" Der Fall Schalck-Golodkowski Ende des NSU vor zehn Jahren 7. Oktober 1989 als Schlüsseltag der Friedlichen Revolution Die Geschichte von "Kennzeichen D" Nachruf auf Reinhard Schult Leningrad: "Niemand ist vergessen" Verfolgung von Sinti und Roma Zuchthausaufarbeitung in der DDR - Cottbus Sowjetische Sonderhaftanstalten Tage der Ohnmacht "Emotionale Schockerlebnisse" Ein Neonazi aus der DDR Akten als Problem? Eine Behörde tritt ab Ostberlin und Chinas "Großer Sprung nach vorn" Matthias Domaschk - das abrupte Ende eines ungelebten Lebens Ein Wettbewerb für SchülerInnenzeitungen Totenschädel in Gotha Bürgerkomitees: Vom Aktionsbündnis zum Aufarbeitungsverein Westliche Leiharbeiter in der DDR Hohenzollern und Demokratie nach 1918 (I) Hohenzollern und Demokratie nach 1918 (II) Auf dem Weg zu einem freien Belarus? Erstes deutsch-deutsches Gipfeltreffen im Visier des BND Neue Ostpolitik und der Moskauer Vertrag Grenze der Volksrepublik Bulgarien Die Logistik der Repression Schwarzenberg-Mythos Verschwundene Parteifinanzen China, die Berlin- und die Deutschlandfrage 8. Mai – ein deutscher Feiertag? China und die DDR in den 1980ern 1989 und sein Stellenwert in der europäischen Erinnerung Stasi-Ende Die ungewisse Republik Spuren und Lehren des Kalten Kriegs Einheitsrhetorik und Teilungspolitik Schweigen brechen - Straftaten aufklären Welche Zukunft hat die DDR-Geschichte? Die Deutschen und der 8. Mai 1945 Jehovas Zeugen und die DDR-Erinnerungspolitik Generation 1989 und deutsch-deutsche Vergangenheit Reformationsjubiläen während deutscher Teilung 25 Jahre Stasi-Unterlagen-Gesetz Kirchliche Vergangenheitspolitik in der Nachkriegszeit Zwischenbilanz Aufarbeitung der DDR-Heimerziehung Der Umgang mit politischen Denkmälern der DDR Richard von Weizsäckers Rede zum Kriegsende 1985 Die Sowjetunion nach Holocaust und Krieg Nationale Mahn- und Gedenkstätten der DDR Behörde des Bundesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen Die Entmilitarisierung des Kriegstotengedenkens in der SBZ Heldenkult, Opfermythos und Aussöhnung Durchhalteparolen und Falschinformationen aus Peking Buchenwald und seine fragwürdige Nachgeschichte Grenzsicherung nach dem Mauerbau Einmal Beethoven-Haus und zurück Das Bild Walther Rathenaus in der DDR und der Bundesrepublik Alles nach Plan? Vier Gedanken über Werner Schulz „Wie ein Film in Zeitlupe“ "Ich hatte Scheißangst" 1989/90 - Friedliche Revolution und Deutsche Einheit Frauen in der Bürgerbewegung der DDR und während der Friedlichen Revolution Die Wege zum 9. November 1989 „Die Stunde ist gekommen aufzustehen vom Schlaf“ Mythos Montagsdemonstration Ossi? Wessi? Geht's noch? Es gibt keine wirkliche Ostdebatte Die. Wir. Ossi. Wessi? Wie man zum Ossi wird - Nachwendekinder zwischen Klischee und Stillschweigen 2 plus 4: "Ihr könnt mitmachen, aber nichts ändern“ Blick zurück nach vorn Wem gehört die Revolution? Die erste und letzte freie DDR-Volkskammerwahl Mythos 1989 Joseph Beuys über die DDR Der 9. Oktober 1989 in Leipzig Egon Krenz über den 9. November Die deutsche Regierung beschleunigt zu stark Projekte für ein Freiheits- und Einheitsdenkmal in Berlin und Leipzig Deutsch-deutsche Begegnungen. Die Städtepartnerschaften am Tag der Deutschen Einheit Mit Abstand betrachtet - Erinnerungen, Fragen, Thesen. Die frohe Botschaft des Widerstands Mauerfall mit Migrationshintergrund "Wer kann das, alltäglich ein Held sein?" "Es geht um Selbstbefreiung und Selbstdemokratisierung" Kann man den Deutschen vertrauen? Ein Rückblick nach einem Vierteljahrhundert deutscher Einheit Von der (eigenen) Geschichte eingeholt? Berlin – geteilte Stadt & Mauerfall Berliner Polizei-Einheit Die Mauer. 1961 bis 2021 The Wall: 1961-2021 - Part One The Wall: 1961-2021 - Part Two "Es geht nicht einfach um die Frage, ob Fußball gespielt wird" Mauerbau und Alltag in Westberlin Der Teilung auf der Spur The Games at the Gate Der Mauerfall aus vielen Perspektiven Video der Maueröffnung am 9. November 1989 Die Mauer fiel nicht am 9. November Mauersturz statt Mauerfall Heimliche Mauerfotos von Ost-Berlin aus Ost-West-Kindheiten "Niemand hat die Absicht, die Menschenwürde anzutasten" Berlinförderung und Sozialer Wohnungsbau in der „Inselstadt“ Wie stellt der Klassenfeind die preußische Geschichte aus? 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Die "Auskunftspersonen" der Stasi – Der Fall Saalfeld Geschlossene Venerologische Stationen und das MfS Jugendhilfe und Heimerziehung in der DDR Fraenkels "Doppelstaat" und die Aufarbeitung des SED-Unrechts "OV Puppe". 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Antisemitismus in der DDR Teil I Antisemitismus in der DDR Teil II Als ob wir nichts zu lernen hätten von den linken Juden der DDR ... Ostdeutscher Antisemitismus: Wie braun war die DDR? Die Shoah und die DDR Umgang mit jüdischen Friedhöfen und Friedhofsschändungen, Teil I Umgang mit jüdischen Friedhöfen und Friedhofsschändungen, Teil II Israel im Schwarzen Kanal Der Nahostkonflikt in Kinder- und Jugendzeitschriften der DDR, I Der Nahostkonflikt in Kinder- und Jugendzeitschriften der DDR, II Das Israelbild der DDR und dessen Folgen Buchenwald und seine fragwürdige Nachgeschichte Macht-Räume in der DDR Wirtschaftspläne im Politbüro 1989 "Macht-Räume in der DDR" Macht, Raum und Plattenbau in Nordost-Berlin Machträume und Eigen-Sinn der DDR-Gesellschaft Die "Eigenverantwortung" der örtlichen Organe der DDR Strategien und Grenzen der DDR-Erziehungsdiktatur Staatliche Einstufungspraxis bei Punk- und New-Wave-Bands Kommunalpolitische Kontroversen in der DDR (1965-1973) Schwarzwohnen 1968 – Ost und West Der Aufstand des 17. Juni 1953 Interview mit Roland Jahn Der 17. Juni 1953 und Europa Geschichtspolitische Aspekte des 17. Juni 17. Juni Augenzeugenbericht Kultur und Medien Einmal Beethoven-Haus und zurück Heimat ist ein Raum aus Bytes Der Aufbau des öffentlich-rechtlichen Rundfunks in Ostdeutschland Die Demokratisierung von Rundfunk und Fernsehen der DDR Die Stasi und die Hitler-Tagebücher Ein Nachruf auf Walter Kaufmann Die Tageszeitung »Neues Deutschland« vor und nach 1990 Wie ein Staat untergeht Objektgeschichte antifaschistischer Ausstellungen der DDR Reaktionen auf die Ausstrahlung der Fernsehserie „Holocaust“ „Mitteldeutschland“: ein Kampfausdruck? Gesundheitsaufklärung im Global Humanitarian Regime The British Press and the German Democratic Republic Kulturkontakte über den Eisernen Vorhang hinweg "Drei Staaten, zwei Nationen, ein Volk“ "Flugplatz, Mord und Prostitution" SED-Führung am Vorabend des "Kahlschlag"-Plenums Ende der Anfangsjahre - Deutsches Fernsehen in Ost und West "Wer nicht für uns ist, ist gegen uns. Es gibt keinen Dritten Weg" Frauenbild der Frauenpresse der DDR und der PCI Regionales Hörfunkprogramm der DDR DDR-Zeitungen und Staatssicherheit Eine Chronik von Jugendradio DT64 Die "neue Frau": Frauenbilder der SED und PCI (1944-1950) Lager nach 1945 Ukrainische Displaced Persons in Deutschland Jugendauffanglager Westertimke Das Notaufnahmelager Gießen Die Gedenkstätte und Museum Trutzhain Die Barackenstadt: Wolfsburg und seine Lager nach 1945 Die Aufnahmelager für West-Ost-Migranten Die Berliner Luftbrücke und das Problem der SBZ-Flucht 1948/49 Migration Fortbildungen als Entwicklungshilfe Einfluss von Erinnerungskulturen auf den Umgang mit Geflüchteten Friedland international? Italienische Zuwanderung nach Deutschland Jüdische Displaced Persons Das Notaufnahmelager Marienfelde Migration aus Süd- und Südosteuropa nach Westeuropa Die "Kinder der 'Operation Shamrock'" Rück- und Zuwanderung in die DDR 1949 bis 1989 West-Ost-Übersiedlungen in der evangelischen Kirche Migration aus der Türkei Griechische Migration nach Deutschland Die Herausforderung der Aussiedlerintegration Die Ausreise aus der DDR Das Spezifische deutsch-deutscher Migration Flüchtlinge und Vertriebene im Nachkriegsdeutschland Interview mit Birgit Weyhe zur Graphic Novel "Madgermanes" Die Migration russischsprachiger Juden seit 1989 Chinesische Vertragsarbeiter in Dessau Arbeitsmigranten in der DDR Gewerkschaften und Arbeitsmigration in der Bundesrepublik Deutschlandforschertagung 2016 Eröffnungsreden Panels und Poster Session Grenzgebiete Die Wende im Zonenrandgebiet Der andere Mauerfall Das "Grüne Band" Alltagsleben im Grenzgebiet Aktion, Reaktion und Gegenreaktion im „Schlüsseljahr“ 1952 Außensichten auf die deutsche Einheit Wahrnehmung des geeinten Deutschlands in Serbien Norwegische Freundschaft mit dem vereinten Deutschland Deutschland im Spiegel des Wandels der Niederlande Österreichs Reaktionen auf die Mühen zur deutschen Einheit Israelische Reaktionen auf die Wiedervereinigung Deutsche Diplomaten erleben den Herbst 1989 Das wiedervereinigte Deutschland aus Sicht der Slowaken Wahrnehmung der deutschen Einheit in Dänemark Die Perzeption der Wiedervereinigung in Lateinamerika Deutsch-polnische Beziehungen Der Blick junger Schweizer auf Deutschland Bulgarien blickt erwartungsvoll nach Deutschland Vom bescheidenen Wertarbeiter zur arroganten Chefin "Gebt zu, dass die Deutschen etwas Großes geleistet haben." 150 Jahre Sozialdemokratie Wehners Ostpolitik und die Irrtümer von Egon Bahr 150 Jahre Arbeiterturn- und Sportbewegung Die Spaltung der SPD am Ende der deutschen Teilung Willy Brandts Besuch in Ostberlin 1985 Deutschlandforschertagung 2014 Einleitungsvortrag von Christoph Kleßmann Tagungsbericht: "Herrschaft und Widerstand gegen die Mauer" Tagungsbericht: Sektion "Kultur im Schatten der Mauer" Interview mit Heiner Timmermann Interview mit Angela Siebold Interview mit Jérôme Vaillant Interview mit Irmgard Zündorf Interview mit Andreas Malycha Die Mauer in westdeutschen Köpfen Multimedia Zeitreisen mit "Kennzeichen D" Der Anfang vom Ende der DDR: Die Biermann-Ausbürgerung 1976 Wendekorpus. Eine Audio-Zeitreise. 1. Vorboten von Umbruch und Mauerfall 2. Schabowski und die Öffnung der Grenzen am 9. November 1989 3. Grenzübertritt am 10. November 4. Begrüßungsgeld 100 D-Mark 5. Den Anderen anders wahrnehmen 6. Stereotypen 7. Was bedeutet uns der Fall der Mauer? 8. Emotionen 9. Sprache Gespräche mit Zeitzeuginnen und Zeitzeugen Brecht & Galilei: Ideologiezertrümmerung Die Zweite Generation jüdischer Remigranten im Gespräch Ausgaben vor 2013 Bau- und Planungsgeschichte (11+12/2012) Architektur als Medium der Vergesellschaftung Landschaftsarchitektur im Zentrum Berlins Kunst im Stadtraum als pädagogische Politik Dresden – das Scheitern der "sozialistischen Stadt" Bautyp DDR-Warenhaus? Ulrich Müthers Schalenbauten Medizinische Hochschulbauten als Prestigeobjekt der SED Transitautobahn Hamburg–Berlin Literaturjournal Aufarbeitung (10/2012) "Es geht nicht um Abrechnung ..." "Ein Ort, der zum Dialog anregt" Eckstein einer EU-Geschichtspolitik? Schwierigkeiten mit der Wahrheit Personelle Kontinuitäten in Brandenburg seit 1989 "Geschlossene Gesellschaft" Kulturelite im Blick der Stasi Experten für gesamtdeutsche Fragen – der Königsteiner Kreis Friedrich II. – Friedrich der Große Literaturjournal Deutsch-deutscher Literaturaustausch (8+9/2012) Eine gesamtdeutsche Reihe? Die Insel-Bücherei Versuche deutsch-deutscher Literaturzeitschriften Geschiedene Gemüter, zerschnittene Beziehungen Ein Name, zwei Wege: Reclam Leipzig und Reclam Stuttgart Die Beobachtung des westdeutschen Verlagswesens durch das MfS Volker Brauns Reflexionen über die Teilung Deutschlands Die Leipziger Buchmesse, die Börsenvereine und der Mauerbau Die Publikationskontroverse um Anna Seghers' "Das siebte Kreuz" Westdeutscher linker Buchhandel und DDR Die Publikationsgeschichte von Stefan Heyms "Erzählungen" Das große Volkstanzbuch von Herbert Oetke Eine deutsch-deutsche Koproduktion: die "OB" Dokumentation: "Ein exemplarisches Leben – eine exemplarische Kunst" Literaturjournal Nach dem Mauerbau (7/2012) Der ewige Flüchtling Der Warenkreditwunsch der DDR von 1962 Die Entstehung der "Haftaktion" Leuna im Streik? Mit dem Rücken zur Mauer Der Honecker-Besuch in Bonn 1987 Ein Zufallsfund? Literaturjournal Politische Bildung (6/2012) Antikommunismus zwischen Wissenschaft und politischer Bildung Subjektorientierte historische Bildung Geschichtsvermittlung in der Migrationsgesellschaft "Hallo?! – Hier kommt die DDR" Vergangenheit verstehen, Demokratiebewusstsein stärken Keine einfachen Wahrheiten Literaturjournal Sport (5/2012) Sportnation Bundesrepublik Deutschland? Marginalisierung der Sportgeschichte? Dopingskandale in der alten Bundesrepublik Hooliganismus in der DDR "Erfolge unserer Sportler – Erfolge der DDR" Literaturjournal Nachkrieg (4/2012) Jüdischer Humor in Deutschland Die SED und die Juden 1985–1990 "Braun" und "Rot" – Akteur in zwei deutschen Welten Kriegsverbrecherverfolgung in SBZ und früher DDR Die "Hungerdemonstration" in Olbernhau Eklat beim Ersten Deutschen Schriftstellerkongress Workuta – die "zweite Universität" Dokumentation: Die Rehabilitierung der Emmy Goldacker Kaliningrader Identitäten "Osten sind immer die Anderen!" Freiheit und Sicherheit Literaturjournal Wirtschaft und Soziales (3/2012) Zeitgeschichte/ Zeitgeschehen Forum Literaturjournal Zeitgeschichte im Film (2/2012) Zeitgeschichte/ Zeitgeschehen Forum Literaturjournal Nonkonformität und Widerstand (1/2012) Zeitgeschichte/ Zeitgeschehen Dokumentation Forum Literaturjournal Deutsch-deutsches (11+12/2011) Zeitgeschichte/ Zeitgeschehen Dokumentation Forum Literaturjournal Öffentlicher Umgang mit Geschichte (10/2011) Zeitgeschichte/ Zeitgeschehen Forum Literaturjournal 21 Jahre Deutsche Einheit (9/2011) Zeitgeschichte/ Zeitgeschehen Dokumentation Forum Literaturjournal Wissenschaft (8/2011) Zeitgeschichte/ Zeitgeschehen Forum Literaturjournal 50 Jahre Mauerbau - Teil 2 (7/2011) Zeitgeschichte/ Zeitgeschehen Dokumentation Forum Literaturjournal 50 Jahre Mauerbau (6/2011) Zeitgeschichte/ Zeitgeschehen Dokumentation Forum Literaturjournal Kultur (5/2011) Zeitgeschichte/ Zeitgeschehen Dokumentation Forum Literaturjournal Innere Sicherheit (4/2011) Zeitgeschichte/ Zeitgeschehen Dokumentation Forum Literaturjournal Wirtschaftsgeschichte (3/2011) Zeitgeschichte/ Zeitgeschehen Dokumentation Forum Literaturjournal Ost-West-Beziehungen (2/2011) Zeitgeschichte/ Zeitgeschehen Dokumentation Forum Literaturjournal Medien (1/2011) Zeitgeschichte/ Zeitgeschehen Dokumentation Forum Literaturjournal Über das Deutschland Archiv Redaktion Nach den Unruhen in Kasachstan: Wendepunkt oder Weiter so?

„Ich sehe mich als Erinnerungskünstlerin“ Sarai Meyron: Text, Installation, Audio, Video, Collage und Fotografie

Sarai Meyron Sharon Adler

/ 10 Minuten zu lesen

Die Multimedia-Künstlerin Sarai Meyron erzählt in ihrem Kunstbuchprojekt „No Words of Warmth / Keine wärmenden Worte“ auch vom acht Jahre langen Kampf ihrer Großmutter um Wiedergutmachungszahlungen.

Sarai Meyron am Tag der Eröffnung ihrer ersten Solo-Ausstellung und der Premiere ihres gleichnamigen Kunstbuches „No Words of Warmth / Keine wärmenden Worte“ im Foyer des Münzenberg Forums in Berlin. (© Sharon Adler/PIXELMEER, 2022)

Sharon Adler: Dein aktuelles multimediales Kunstbuchprojekt und deine Audioinstallation tragen den Titel „No Words of Warmth / Keine wärmenden Worte“. Welche Message transportierst du mit diesem Titel? Welche persönlichen Erfahrungen fließen in den Titel und den Inhalt ein?

Sarai Meyron: Ausgangspunkt des Buches und die Inspiration für den Titel sind die Wiedergutmachungsunterlagen meiner Großmutter. Sie hatte zahlreiche Dokumente, beinahe den gesamten Papierkram, das Hin und Her aus der acht Jahre dauernden Korrespondenz mit den Behörden aufbewahrt. Alles befand sich in einem Aktenordner: Papiere, Zeugenaussagen, ärztliche Bescheinigungen und private Korrespondenzen.

Bei der Lektüre werden die Mauer und der Antisemitismus deutlich, mit dem sie im Amt für Wiedergutmachung konfrontiert war, aber auch ihre Stärke, sich dagegen zu wehren, und die Unterstützung, die sie dabei von verschiedenen Menschen erhielt. Darüber, und über meine gemischten Gefühle, die ich beim Lesen der Dokumente hatte, schreibe ich in meinem Buch. Auf der einen Seite sehe ich die Stärke und Widerstandsfähigkeit meiner Großmutter, auf der anderen Seite sehe ich die Mauer der Bürokratie und den Kampf, den sie direkt nach dem Krieg führen musste.

All das zu lesen war für mich eine bittersüße Erfahrung. Ich habe alles sorgfältig digitalisiert und daraus eine zwei Meter lange Collage erstellt. Sie hätte noch länger sein können. In einem Moment der Fantasie beschreibe ich mich selbst, wie ich die Collage wie einen Schal trage, als ein imaginiertes Schutzschild für den kommenden Tag. Ein Schutzschild, weil es ihre Worte enthält, ihren Kampf mit dem Wiedergutmachungsamt, dessen Position ich als Nachkriegsstandpunkt ihr gegenüber betrachte. Aus diesem Grund erwärmen mich die Worte nicht. Es ist eine visuelle Metapher für das Tragen des Archivs und des Erbes meiner Familie und die Frage, wie sich dieses „Tragen“ auf jeden von uns auswirkt, da wir alle ein Erbe zu tragen haben.

Die Botschaft, die ich damit vermitteln möchte, ist eine Reflexion der Frage, die ich mir mit diesem Kunstbuch gestellt habe: Wie können Vergangenheit und Geschichte bewältigt werden? Wie, in welchen Bereichen wirkt sich das heute auf die Gesellschaft aus?

Der lange Kampf um „Wiedergutmachungszahlungen“ und eine Anerkennung des Unrechts

Sharon Adler: Kannst du bitte noch etwas mehr über deine Großmutter Lore Holtz, geborene Gutwillig, berichten, über die Geschichte ihrer Vertreibung und ihren Kampf um Restitution, um „Wiedergutmachung“? Kannst du bitte zusammenfassen, wie sie überlebt hat, welches Unrecht ihr angetan wurde und wie ihr Leben nach dem Überleben davon geprägt war?

Sarai Meyron: Ich finde es schwierig, etwas zu beantworten, das für sie eine zutiefst traumatische Erfahrung war. Ich denke, es ist einfach, mein eigenes Verständnis ihrer Erfahrungen zu projizieren, anstatt das, was für sie wahr war. Deshalb habe ich in dem Buch ihre Briefe an das Wiedergutmachungsamt veröffentlicht, damit die Leser*innen sehen können, welche Auswirkungen der Zweite Weltkrieg, den sie darin beschrieb, auf sie hatte.

Registrierungsausweis von Lore Gutwillig, Großbritannien 1938, Buchdruck, Tinte, Fotografie, Prägestempel, 12,8 x 20,5 cm. (© Jüdisches Museum Berlin, Inv.-Nr. 2011/120/2, Schenkung von Lore Holtz-Gutwillig)

Meine Großmutter floh im Alter von 14 Jahren mit dem Kindertransport aus Nazi-Deutschland nach England. Sie stand acht Jahre lang in Kontakt mit dem Wiedergutmachungsamt. Durch einige in den Büchern veröffentlichten Dokumente können die Leser*innen ihren Prozess auf dieselbe Weise wie ich entdecken und in ihren Worten lesen, wie sie gekämpft hat, und die Reaktion des Wiedergutmachungsamtes auf ihre Briefe erfahren. Ich hoffe, dass die Leserinnen und Leser durch die chronologische Darstellung der Informationen in meinem Buch die Erfahrung nachempfinden können, dass die Erfahrungen meiner Großmutter sie nicht zum Opfer gemacht haben, sondern dass wir ihre Resilienz und Stärke bewundern können.

Sharon Adler: Anstelle des Begriffs „Wiedergutmachung“ wurde in Israel der Begriff „Pitzuim“ (Hebräisch „Entschädigungen“) verwendet, der dann durch den Begriff „Shilumim“ (Hebräisch: „Zahlungen im Rahmen der Wiedergutmachung“) ersetzt wurde. Kannst du bitte von dem Kampf deiner Großmutter um Restitution bei den deutschen Behörden berichten? Konnte sie ihn abschließen? Was hast du aus den Dokumenten und Briefen, die du in deinem Projekt abgebildet hast, herausgelesen?

Sarai Meyron: Indem sie den Behörden schrieb, dass sie das Trauma, das sie in der „Kristallnacht“ und in Nazi-Deutschland erlebt hat, noch Jahre später belastet und dass sie auch in der Zukunft Nervenzusammenbrüche haben könnte, die ganz klar im Zusammenhang mit der Nazizeit standen, war meine Großmutter ihrer Zeit voraus.

Sarai Meyron wurde 1995 in Israel geboren, ist in den USA aufgewachsen, und zog 2015 nach ihrem Sozialdienst in Israel nach Deutschland. Im Jahr 2022 hat sie ihr Studium an der Hochschule für Bildende Künste Braunschweig abgeschlossen: „Meine Arbeiten sind feministische Erzählungen und Darstellungen, in denen ich fantastische und mythologische Elemente verwende, um soziale Identitäten, nationale Erzählungen und kollektive Erinnerungen zu untersuchen.“ (© Sharon Adler/PIXELMEER, 2022)

Beim Lesen der Dokumente stieß ich auf einen Brief ihrer Psychiaterin. Sie erwähnte darin, dass sie neben meiner Großmutter auch andere Personen kennengelernt hat, die Schwierigkeiten hatten, eine Entschädigung zu erhalten. Sie schrieb auch, dass es ihr so schien, als ob die deutsche Regierung zwar etwas anbot, aber wenig Absichten hatte, das auch umzusetzen. Ich denke, das ist eine soziale Lesart, die wir im Rückblick nur schwer verstehen können. Meine Großmutter erhielt am Ende eine kleine symbolische Summe dafür, dass ihr die Möglichkeit einer Berufsausbildung genommen wurde, sowie einen lächerlich geringen Betrag für die Sachschäden, die ihre Familie am 9. November 1938 erlitten hatte. Wonach sie jedoch wirklich suchte, war etwas Ideelles: die Anerkennung, dass ihr Leben durch das Trauma des Zweiten Weltkriegs unwiderruflich geprägt worden war.

Sharon Adler: Wie beurteilst du in diesem Kontext Umfrageergebnisse wie die des ZDF aus dem Jahr 2020, nach denen 28 Prozent der Befragten der Aussage zustimmen, „die Deutschen sollten einen Schlussstrich unter die Beschäftigung mit dem Nationalsozialismus ziehen“?

Sarai Meyron: Bevor ich diese Menschen verurteile, was meine erste Reaktion ist, halte ich es für wichtig zu überlegen, woher diese Haltung kommt. In meinen Augen könnte sie von einer wachsenden Tendenz herrühren, die Art und Weise zu ändern, wie Erinnerungskultur strukturiert ist. Und sie könnte den Wunsch widerspiegeln, das Narrativ des Nationalsozialismus, das meiner Meinung nach sehr stark in der deutschen Kultur verankert ist, von „Schuld“ weg zu bewegen.

Ich glaube, dass auch jemand, der nicht während der Zeit des Nationalsozialismus in Deutschland gelebt hat, die gleiche Verantwortung trägt wie ich heute: sich zu erinnern und aus den Ereignissen zu lernen, um zu verhindern, dass so etwas jemals wieder geschieht. Wenn wir unsere Bildungssysteme überdenken und darüber nachdenken, wie wir aus einer Perspektive der gemeinsamen menschlichen Verantwortung – und nicht der Schuld – über die Vergangenheit lernen können, denke ich, dass viel mehr Deutsche, einschließlich derer, die keinen nationalsozialistischen Familienhintergrund haben, die Bedeutung dieses Themas erkennen werden.

Jüdischsein in Deutschland

Sharon Adler: Wie erlebst und reflektierst du das gegenwärtige jüdische Leben in Deutschland aus der Perspektive einer Israelin?

Sarai Meyron: Ich denke, das ist sehr individuell. In Deutschland werde ich normalerweise zuerst als Ausländerin gesehen, und dann, wenn die Leute erfahren, dass ich aus Israel komme, als Jüdin.

Sharon Adler: Du schreibst „Wenn jüdisch sein keine Kategorie mehr ist, darf es zu einer Facette unserer Identität werden.“ Was bedeutet das für dich im Kontext von „Erinnerungskultur“?

Sarai Meyron: Obwohl es vielleicht gut gemeint ist, habe ich das Gefühl, dass ich in den Augen anderer oft auf den „Juden“ reduziert werde. Eine Kategorie, in die ich nicht hineingehöre. Ich bin viele andere Dinge, bevor ich jüdisch bin, und ich möchte nicht aufgrund meiner Kultur, Herkunft oder Geburt kategorisiert werden. Jüdisch ein ist eine Facette meiner Identität, die auch einen fließenden Aspekt hat, so wie es das Alter oder das Geschlecht sein kann. Werde ich im Kontext von Erinnerungskultur vor allem zuerst als Jüdin gesehen, wird damit eine Art von Kategorisierung und Erwartung geschaffen, unter die ich nicht einsortiert werden möchte.

Sharon Adler: In deinen Arbeiten beschäftigst du dich mit der individuellen und der kollektiven jüdischen Geschichte sowohl in Israel als auch in Deutschland, so auch in der Videoinstallation „Atmendes Archiv; der Körper als Erbe“, in der du Fotos aus deinem Familienarchiv zeigst, die zwischen 1930 und 1960 in Deutschland und der Schweiz aufgenommen wurden. Wofür stehen die gezeigten Fotos für dich, was zeigen sie?

Sarai Meyron zeigt in ihrer Videoinstallation „Atmendes Archiv; der Körper als Erbe“ Fotos aus ihrem Familienarchiv, die zwischen 1930 und1960 in Deutschland und der Schweiz aufgenommen wurden. (© Sharon Adler/PIXELMEER, 2022) (© Sharon Adler/PIXELMEER, 2022)

Sarai Meyron: Mir gefällt, wie standardmäßig einige der Aufnahmen in den Familienalben von der Mittelschicht in Deutschland und der Schweiz sind. Franzi, die großartige Grafikerin meines Kunstbuches „No Words of Warmth / Keine wärmenden Worte“, wies mich darauf hin, noch bevor ich ihr erzählt hatte, welche Rolle diese Bilder für mich spielen. Sie meinte, dass sie genauso wie die Fotos aus ihrem eigenen Familienalbum aussehen würden. Genau das ist es! Und was ich an ihnen noch für bedeutsam halte, ist dieser Moment, dass Fotos von Freunden daruntergemischt sind und man nicht weiß, wer jüdisch ist und wer nicht. Das Verwenden dieser Fotos war für mich eine Möglichkeit, das deutsche Lesepublikum visuell über die Kategorisierung von „Juden“ zu befragen, von denen ich an den verschiedenen Stellen spreche.

Sharon Adler: Inwieweit sind die Fotos neben deiner individuellen auch repräsentativ für die kollektive jüdische Gesellschaft und Geschichte?

Sarai Meyron: Ich denke, es ist wichtig zu betonen, dass die Fotos nur eine Facette darstellen. Die jüdische Gesellschaft ist vielfältig, und das sieht man auf den Bildern nicht. Man sieht liberale und weiße Europäer, und Menschen, die ihrem Alltag nachgehen. Noch mehr als eine „Wiedergabe von kollektiv erlebten Traumata“ sehe ich es als eine Botschaft für die Zukunft, dass diese Bilder und Menschen, die in meiner Genetik verankert sind, ein Teil von mir sind, und dass wir uns fragen sollten, welche Geschichte wir in uns tragen und wie wir darauf aufbauen können.

Familie. „Mischidentität“

Sharon Adler: Du hast eine Externer Link: aschkenasische Mutter und einen sephardischen Vater. Was bedeutet diese „Mischidentität“ für dich, für deine Perspektive auf Jüdisch Sein und für deine Arbeit?

Sarai Meyron: Ich wurde 1995 in Israel geboren und bin in den USA und Israel aufgewachsen. Kurz nach meinem Sozialdienst in Israel bin ich allein nach Deutschland gezogen. Mein Migrationshintergrund und der meiner Familie prägen meine künstlerische Perspektive: Ich bin eine Mischung aus irakisch-sephardischen und schweizer-aschkenasischen jüdischen Eltern. Die Einflüsse der Vergangenheit in unserer Gegenwart, die jüdische Diaspora und die weibliche Stimme sind zentrale Themen in meiner Kunst.

Meine Arbeiten sind feministische Erzählungen und Darstellungen, in denen ich fantastische und mythologische Elemente verwende, um soziale Identitäten, nationale Erzählungen und kollektive Erinnerungen zu untersuchen, wobei ich häufig die Vergangenheit in Form und Inhalt reflektiere und gleichzeitig auf eine entscheidende, eine wesentliche Verbindung zur Zukunft verweise. Auf diese Weise schaffe ich eine Erinnerung und einen Beitrag für die Zukunft. Mein bisheriges Werk ist eine multimediale Mischung aus Text, Installation, Audio, Video, Collage und Fotografie; ich verwende das Medium, das am besten zum Konzept des jeweiligen Projekts passt.

Exotisierung und Zuschreibungen. Antisemitismus

Sharon Adler: Wie werden deiner Meinung nach jüdische und jüdisch-israelische Menschen in Deutschland heute von der nichtjüdischen Mehrheitsgesellschaft wahrgenommen? Mit welchen Bildern über Jüdinnen/Juden und das Judentum wurdest du in Deutschland konfrontiert?

Sarai Meyron: Ich denke, das größte Missverständnis besteht darin, jüdische Menschen als ein Volk zu sehen, obwohl es ein riesiges Spektrum von unterschiedlichen Ansichten und Einstellungen gibt. Die Bilder, mit denen ich am meisten konfrontiert werde, sind Stereotypen der jüdischen Symbolik, die mich überhaupt nicht repräsentieren.

Die Multimedia-Künstlerin Sarai Meyron erzählt in ihrem Kunstbuchprojekt „No Words of Warmth / Keine wärmenden Worte“ auch vom acht Jahre langen Kampf ihrer Großmutter um „Wiedergutmachungszahlungen“. (© Sharon Adler/PIXELMEER, 2022)

Sharon Adler: Welche Art von Zuschreibungen oder Kategorisierungen als israelisch-jüdische Frau hast du persönlich erfahren?

Sarai Meyron: Das sind vor allem Erfahrungen, die ich als Künstlerin mache, zum Beispiel durch die Kategorisierung „jüdische Kunst“. Ich sehe mich eher als Erinnerungskünstlerin, im weitesten Sinne des Wortes - auch unter Berücksichtigung meiner eigenen Erinnerung, der meiner Familie und des gesellschaftlichen Gedächtnisses sowie der nationalen Narrative, die daraus entstehen. Ich denke, meine Kunst richtet sich an viel mehr Gruppen als nur an Menschen mit jüdischem Hintergrund.

Sharon Adler: In deinem Kurzvideo „Woher kommen Sie?“ aus dem Jahr 2017 stellst du deinem imaginierten Publikum Fragen zu Herkunft und Muttersprache. Was war deine Intention, was war der Hintergrund, wie bist du vorgegangen und was hast du für dich aus dieser Arbeit mitgenommen?

Sarai Meyron: Inspiriert wurde es von Small-Talk-Fragen, mit denen ich in Deutschland immer wieder konfrontiert wurde. Durch das Video wollte ich über diese Fragen und auch über die Art und Weise, wie sie mir gestellt wurden, nachdenken. Sie lauten unter anderem: Woher kommen Sie? Was machen Sie in Deutschland? Bleiben Sie in Deutschland?

Diese und andere Fragen stammen aus meiner Erinnerung, und so, wie ich sie wahrgenommen habe, spiegele ich sie den Zuschauer*innen. Ich erhoffe mir dadurch, dass sie nachvollziehen können, wie es sich anfühlt, diese Fragen, die oft einen seltsamen Beigeschmack haben, gestellt zu bekommen. Ich fand es sehr ermutigend, wie gut diese Arbeit ankam und wie viele Menschen mir sagten, dass sie sich davon angesprochen fühlten. Ich denke, dass das eine Erfahrung ist, die viele Menschen teilen.

Interner Link: Zur Vita von Sarai Meyron >>

Zitierweise: „Ich sehe mich als Erinnerungskünstlerin“, ein Interview von Sharon Adler mit Sarai Meyron. Das Gespräch wurde aus dem Englischen übersetzt. In: Deutschland Archiv, 22.12.2022, Link: www.bpb.de/516554

Ergänzend:

Zu über 40 weiteren Portraits im Rahmen der Serie Externer Link: "Jüdinnen in Deutschland nach 1945"

Fussnoten

Fußnoten

  1. Sarai Meyron, No Words of Warmth / Keine wärmenden Worte, Leipzig 2022.

  2. Lore Holtz, geborene Gutwillig, geboren am 24.6.1924 in Fürth in Bayern. Siehe auch https://objekte.jmberlin.de/object/jmb-obj-442275, zuletzt aufgerufen am 12.12.2022.

  3. https://www.bundesfinanzministerium.de/Web/DE/Themen/Oeffentliche_Finanzen/Vermoegensrecht_und_Entschaedigungen/vermoegensrecht_entschaedigungen.html, zuletzt aufgerufen am 12.12.2022.

  4. Vgl. Andrea Schäffler, „Ein Viertel will Abschluss mit NS-Zeit“, ZDF-heute vom 20.12.2022, https://www.zdf.de/nachrichten/politik/holocaust-umfrage-ns-zeit-100.html, zuletzt aufgerufen am 15.12.2022.

Weitere Inhalte

Sarai Meyron, geboren 1995 in Israel, ist in den USA aufgewachsen und zog 2015 nach ihrem Sozialdienst in Israel nach Deutschland. Im Jahr 2022 hat sie ihr Studium an der Hochschule für Bildende Künste Braunschweig mit einem Diplom in Freier Kunst abgeschlossen. Im gleichen Jahr wurde sie mit dem Kunstpreis des Landkreises Ebersberg für ihr Video „Woher kommen Sie?“ ausgezeichnet und es erschien ihr Kunstbuch „No Words of Warmth / Keine wärmenden Worte“.

geboren 1962 in West-Berlin, ist Journalistin, Moderatorin und Fotografin. Im Jahr 2000 gründete sie das Online-Magazin und Informationsportal für Frauen AVIVA-Berlin, das sie noch heute herausgibt. Das Magazin hat es sich zur Aufgabe gemacht, Frauen in der Gesellschaft sichtbarer zu machen und über jüdisches Leben zu berichten. Sharon Adler hat verschiedenste Projekte zu jüdischem Leben in Deutschland für unterschiedliche Auftraggeber/-innen umgesetzt und auch selbst Projekte initiiert wie "Schalom Aleikum“, das sie zur besseren Verständigung von Jüdinnen und Muslima entwickelte. Nach dem Anschlag auf die Synagoge in Halle im Jahr 2019 initiierte sie das Interview- und Fotoprojekt "Jetzt erst recht. Stop Antisemitismus". Hier berichten Jüdinnen und Juden in Interviews über ihre Erfahrungen mit Antisemitismus in Deutschland. Seit 2013 engagiert sie sich ehrenamtlich als Vorstandsvorsitzende der Stiftung ZURÜCKGEBEN. Stiftung zur Förderung jüdischer Frauen in Kunst und Wissenschaft. Für das Deutschland Archiv der bpb betreut sie die Reihe "Jüdinnen in Deutschland nach 1945"