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18.3.2021 | Von:
Ingeborg Rapoport

Meine ersten drei Leben

Aus dem Buch von Ingeborg Rapoport: Menschen aus der Nachbarschaft

In der DDR fand die Kinderärztin Inge Rapoport ab 1952 ihre neue Heimat und an der Berliner Charité ihre Wirkstätte. Im Ruhestand resümiert die Wissenschaftlerin ihr Leben, erinnert an Wegbegleiter, rechnet ab mit Missständen in Politik und Gesellschaft – aber auch mit sich selbst. Sie lädt dazu ein, ihre Erfahrungen in der DDR und den medizinischen Fortschritt der Pädiatrie nachzuvollziehen. Adressiert an ihren ungeborenen Nachfahren Joshua entsteht ein bewegendes Bild ihres Lebens zwischen Judenhass und politischer Verfolgung, ärztlichem Engagement und sozialistischen Idealen.

Das Foto zeigt Inge Rapoport etwa Mitte der 1950er Jahre.Inge Rapoport etwa Mitte der 1950er Jahre. (© Privat)

Im Kapitel "Menschen aus der Nachbarschaft" aus dem dritten Teil ihrer Autobiografie beschreibt Ingeborg Rapoport den Start des Lebens ihrer Familie in der DDR. Dorthin musste sie mit ihrem Mann Mitja Rapoport und ihren vier Kindern vor McCarthy und seiner Kampagne gegen Kommunisten aus den USA fliehen.

Nach Ihrer Ankunft in Berlin wohnte die fünfköpfige Familie erst einmal in dem erhaltenen Flügel des ehemaligen und im Krieg erstörten Luxushotels "Adlon" am Brandenburger Tor. Von dort zogen die Rapoports nach Pankow in ein Haus in der sogenannten Intelligenziasiedlung. Über das Leben in dieser Umgebung erzählt Ingeborg Rapoport im Folgenden:
Das Foto zeigt das Buchcover von Ingeborg Rapoport, das 1997 herauskam, erscheint am 22. März 2021 als aktualisierte Neuauflage mit einem Vorwort von Daniel Rapoport.Das Buch von Ingeborg Rapoport, das 1997 herauskam, erscheint am 22. März 2021 als aktualisierte Neuauflage mit einem Vorwort von Daniel Rapoport. (© Eulenspiegel Verlagsgruppe GmbH)

Menschen aus der Nachbarschaft

Zunächst hieß es für uns, aus unserem Schwebezustand im Hotel Adlon herauszukommen und eine Bleibe zu finden. Man schien uns vergessen zu haben, bis Mitja – nach Wochen – darauf drückte, uns eine Wohnmöglichkeit zuzuweisen. Da kam uns ein Glücksfall zu Hilfe. Einem alten Professor und seiner Haushälterin war ein Einzelhaus angeboten worden, das er aber ablehnte, da es ihm zu mühsam zu bewirtschaften schien, und so wurde es uns zugesprochen: das gerade erst fertiggewordene letzte Häuschen in einer der beiden sogenannten »Intelligenzsiedlungen« in Niederschönhausen.

Unsere Siedlung bestand aus kleinen zweistöckigen Einzelhäusern zweierlei Bautyps, der eine, im Kern des Blocks gelegene, recht wohlproportioniert, im Obergeschoß jedoch mit abgeschrägten Decken – der andere, zu dem auch unser Haus gehörte, mit einer so asymmetrischen Fassade, dass ich mich immer gefragt habe, wie der Architekt den Anblick seines eigenen Produktes hatte ertragen können: rechts vom Eingang befindet sich nämlich neben einem winzigen Klofenster das normal große Fenster der Küche – links vom Eingang dagegen nichts – eine leere verputzte Wand, ohne Unterbrechung – und oben, fast mit der Höhe der Dachrinne abschließend: drei Fenster. Wir haben uns später bemüht, durch eine Fichte und höhere Büsche auf der linken Seite die optische Unausgewogenheit auszugleichen. In diesem Haus leben wir noch heute, und viele Beziehungen und Erinnerungen verknüpfen unser Leben mit jenen Menschen, die in dieser Siedlung gelebt haben. Mit der Zeit verloren die »Typenhäuser« ihr schematisches Einerlei und wurden durch die Bepflanzung der Vorgärten, durch mancherlei Umgestaltung zu Individuen, die die Lebensart ihrer Bewohner widerspiegelten und der Siedlung Leben und Eigenart verliehen.


Im Gegensatz zu der anderen, erstgebauten, »Intelligenzsiedlung«, wie die Anhäufung dieser Neubauten von der Bevölkerung genannt wurden, ist unsere die weitaus weniger »elegante«, da dem Baumeister nach und nach das Geld ausgegangen war. Sie ist auch nicht so groß und nimmt in unserer Straße lediglich einen halben Straßenblock von je vier oder fünf Häusern auf jeder Seite ein. Unser Haus als letztes in der Reihe grenzt schon an »normale« vier- bis fünfstöckige Mietshäuser, deren ältere Bewohner sich noch an den kleinen Kiefernhain erinnerten, der unserer Siedlung Platz machen musste. Nur noch die winzige Parkanlage an der Ecke mit ihrem abschüssigen Rasen und einer uralten Eiche am Fuß des »Berges«, wie der Hügel von allen Kindern bezeichnet wurde, war von dem einstigen Wäldchen geblieben. Diese Siedlung diente aus der Emigration und aus Konzentrationslagern zurückgekommenen Künstlern und Wissenschaftlern, die bei der großen Wohnungsnot der Nachkriegsjahre keine andere Unterkunft fanden, aber auch Professoren, die aus anderen Städten nach Berlin berufen wurden. Unsere Siedlung stand in unmittelbarer Nachbarschaft zu Wohnungen der alteingesessenen Bevölkerung. Die Bewohner der Straße um uns herum waren kleinbürgerlicher Herkunft, viele waren Nazis gewesen, 1945 war für sie nicht die Befreiung gekommen; sie sprachen vom »Zusammenbruch«; die älteren unter ihnen waren verbittert und standen dem neuen Regime misstrauisch, wenn nicht feindselig, gegenüber.
Ob es eine so gute Idee war, eine solche Siedlung von Einzelhäusern als Enklave in einem alten Stadtteil zu bauen, will ich dahingestellt sein lassen. Ich habe mich oft gefragt, wie viel Feindseligkeit diese Häuser unter den Anwohnern ausgelöst haben mögen, und habe mich von Anfang an darum bemüht, diese Feindschaften abzubauen, ohne deshalb unsere politische Weltanschauung zu verstecken. Alles in allem glaube ich, dass die Siedlung bis zur »Wende« ein Fremdkörper inmitten der übrigen Straßen Niederschönhausens geblieben ist. Dabei gab es in derselben Straße, in der wir wohnten – einige Blocks entfernt – eine alte Villengegend, deren Häuser durchweg komfortabler waren als die in unserer Siedlung. Aber ihre Besitzer waren »akzeptiert«, ihre Vergangenheit und Gesinnung, ihr Schicksal schien durchsichtig und nachfühlbar, während wir fremd und politisch sus­pekt waren. Dazu kamen eine weit verbreitete dumpfe Intelligenzfeindlichkeit und der offene oder unausgesprochene Vorwurf der »Begünstigung durch die Regierung«.
Die Bewohner unserer Siedlung waren keineswegs einheitlich »rot«, politisch aber doch vorwiegend dem Neuen verbunden. Ich empfand neben dem Gefühl des Unbehagens, von den Alteingesessenen scheel angesehen zu werden, auch eins der Solidarität, der Wärme und des lebhaften Interesses für die Vielzahl der »Intellektuellen« und ihrer Schicksale. Mit manchen freundeten wir uns an, andere kamen uns durch unsere Kinder näher. Einige starben oder zogen fort – aber sie bleiben für mich ein Teil dieser bunten Vielfältigkeit, die nun in unser Leben hineinströmte. Erste Kontakte ergaben sich zu unseren unmittelbaren Nachbarn, den Martienssens, gleich am Tage unseres Einzugs. Gerade hatten die letzten Handwerker unser Haus verlassen. Die Wände waren noch feucht, ein elektrischer Herd stand zwar in der Küche, aber die Heizplatten fehlten. Auch gab es zu der Zeit gerade keine Töpfe zu kaufen. Wir baten daher die Martienssens, bei ihnen die Milch für die Kinder wärmen zu dürfen.
So entstand unsere Freundschaft zu diesen hochherzigen Menschen. Professor Martienssen, emeritierter Klavierpädagoge an der Hochschule für Musik, Berlin, DDR, war schon sehr alt und lebte in sich zurückgezogen neben uns. Er hatte jedoch eine schöne und hochtalentierte, ich glaube, um mehr als 30 Jahre jüngere Frau, die sich in ihren Lehrer verliebt und ihn geheiratet hatte. Ihr einziger Sohn war etwas älter als unsere Kinder, deren Bekanntschaft er mit einer seiner schauspielerischen Darbietungen machte, als er ihnen nämlich von seinem Balkon aus mit wilden Gesten klarmachte, er sei der Teufel. Die Vorstellung war für unsere Kinder so furchterregend und zugleich anziehend, dass sie von Stund an mit »Nucki« Freundschaft schlossen.

Nucki war ein einsames Kind, hochintelligent, immer der Klassenbeste, aber nie habe ich ihn mit anderen Kindern spielen sehen. Er war schauspielerisch tatsächlich ungewöhnlich begabt. Unvergesslich ist mir eine Schulaufführung geblieben, zu der er uns eingeladen hatte, in der er als vielleicht Zwölfjähriger einen alten Müller spielte. Jede Geste, der etwas schlürfende Gang, die Art, wie er sich den Mehlsack auflud, waren von unbestechlicher Realität und in erschütternder Weise wohl seinem alten Vater nachgeahmt. Er konnte auch glänzend deklamieren. Und doch wurde er kein Schauspieler. Ich habe ihm mehrfach seine Begabung vor Augen gehalten und auch aus meinem Bedauern keinen Hehl gemacht, dass er sich ihr nicht hingeben wollte. Er meinte, seine Stimme sei zu klein. Aber der eigentliche Grund war die Furcht der Familie vor den »Versuchungen des Theaterlebens«.
Mutter und Großmutter – und später er selbst – ängstigten sich vor den Abgründen ihrer leidenschaftlichen Familien-Veranlagung. In was für Schicksale hatte diese sie auch geworfen! »Amo«, die Großmutter, war zu unserer Zeit eine stets schwarzgekleidete, streng anmutende, hohe Gestalt, deren Schönheit auch noch im Alter aus dem feinen Schnitt des Gesichtes und den klaren Augen hervorleuchtete. Sie hatte sich aus einer großbürgerlich reichen Ehe heraus in einen bettelarmen schottischen Pastor verliebt, ihre ganze Vergangenheit bedingungslos stehen- und liegenlassen, war ihrem Liebhaber, der nach und nach in Trunksucht versank, gefolgt und blieb bei ihm durch Elend und Armut bis zu seinem Tode. Ihr Ehemann, dessen Liebe zu ihr ebenfalls nie erlahmte, hinterließ ihr und den beiden Kindern, einem Sohn und einer Tochter, Nuckis Mutter, ein beträchtliches Vermögen, das sich aber nur in kleinen Beträgen aus der BRD in die damalige DDR transferieren ließ. Amos Sohn war – soweit ich Andeutungen entnommen habe – in einen Strudel der Versuchungen gezogen, immer mehr ins Unglück geraten und hatte schließlich seinem Leben selbst ein Ende gesetzt.

Elisabeth Martienssen, Nuckis Mutter, hatte den Wesenszug der bedingungslosen Ausschließlichkeit von Amo geerbt. Ihr eigentliches Lebenszentrum war die Musik. Durch sie wurde sie wohl in die Arme ihres Lehrers getrieben, durch die Musik entstand auch ihre spätere Liebe zu einem viel jüngeren Menschen, einem angehenden Dirigenten, dem sie alles gab, was ihr an musikalischer Begabung innewohnte. Sie war selbst eine hochtalentierte Pianistin, aber vor allem eine großartige, leidenschaftliche und fordernde Lehrerin. In diesem Punkte verstand sich meine Mutter besonders gut mit ihr. Nach dem Tode ihres Mannes bewarb sie sich an der Hochschule für Musik »Hanns Eisler« als Dozentin. Der damalige Direktor, Professor Rebling, hatte aus »politischen Gründen«, die eigentlich wohl eher Elisabeths Mann galten, aber sich möglicherweise auch auf Elisabeths eigene unabhängige Geistesart und christliche Herkunft bezogen, große Vorbehalte, sie einzustellen, nahm sie aber schließlich auf unsere über Georg Knepler lancierte Empfehlung hin doch auf. Er hat es sicher nie bereuen müssen. Talent, Musikbesessenheit, Anteilnahme am Leben junger Menschen und eine Lehrerbegabung von solcher Intensität und Uneigennützigkeit in einer Person, das begegnet dem Direktor einer Hochschule nicht so oft. Nur zum eigentlichen Glücklichsein hatten Elisabeth – wie auch »Amo« – keine Begabung. Ihre hohen inneren Anforderungen ließen es nicht zu und bedeuteten auch für die, die ihr nahestanden, unablässige Prüfungen, denen sie sich nicht gewachsen fühlten. »Amo« liegt längst auf einem kleinen, dunklen Waldfriedhof. Die Katzen, die um sie herumstrichen, sind ebenfalls lange tot, und die Blütenpracht, die sich unter ihren ­Händen wie durch Zauber auf dem kargen märkischen Sandboden hinter ihrem Haus ausbreitete, wich später einem formell-repräsentativen Garten, als die »Ständige Vertretung der BRD« sich dort niederließ. Elisabeth zog zunächst in die Stadt, dann aber in ein Häuschen am Walde außerhalb Berlins, wo wir sie immer mal besuchen wollen. Und »Nucki«? Er studierte Philosophie, wohl das ungeeignetste Fach, wenn man sowieso schon sehnsüchtig und unerfüllt ist. Ab und zu treffe ich ihn zufällig, freue mich und bin traurig, weil ich fühle, dass auch sein Leben bisher nicht voll geglückt ist.

Wie viele tragische Schicksale barg unsere kleine Siedlung! Am bedrückendsten scheint mir das Leben des Bildhauers Will Lammert, der durch die Nazis und den Zweiten Weltkrieg mehr als sein halbes Lebenswerk verlor. Als er nach dem Krieg aus sowjetischer Emigration nach Berlin kam, musste er von vorn beginnen. Ich liebte und bewunderte diesen stillen Menschen und bin öfter in sein Atelier gegangen. Damals arbeitete er an den Entwürfen für sein wohl erschütterndstes Werk, das Mahnmal in der Gedenkstätte Ravensbrück, dem ehemaligen Frauen-Konzentrationslager: Weithin sichtbar über den See auf einer hohen Stele steht die von ihm geschaffene Frauengestalt, die, trotz Hunger und Verfolgung ungebrochen und stolz, das tote Mädchen in ihren Armen trägt – eine unvergessliche Anklage gegen die Nazi-Mörder von 92 000 Frauen und Kindern.
Will Lammert suchte nach einem Modell für das tote Mädchen, das schon nicht mehr Kind und noch keine Frau sein sollte. Ich bin ganz stolz darauf, dass ich diesen Menschen für ihn fand und auch dazu überreden konnte, ihm Modell zu stehen. Auch sein Thomas-Müntzer-Denkmal in Mühlhausen ist in meinen Augen trotz seiner scheinbar konservativen Darstellung eine großartige Verkörperung von menschlicher Würde und Unerschrockenheit. Es ist Lammert in der DDR keine lange Schaffensperiode mehr geblieben. Aber er war mit Sicherheit einer der bedeutendsten Bildhauer dieses Landes.

Durch unsere Kinder verknüpfte sich unser Leben auch mit der Familie eines anderen Bildhauers, Fritz Cremer, zu dessen Frau Christa wir schnell eine innere Nähe spürten. Ihre wunderbare hohe und schlanke Gestalt hat sich zu meiner Verwunderung wenig in Fritz Cremers Skulpturen widergespiegelt. Ursprünglich war sie mit dem Bildhauer Waldemar Grzimek verheiratet gewesen, von dem das bemerkenswerteste Heine-Denkmal, das ich kenne, in Berlin steht. Dieses Denkmal birgt für mich als Ärztin ein Geheimnis in sich, auf dessen Grund ich nie gekommen bin – sooft ich auch voller Bewunderung vor der Skulptur gestanden und gegrübelt habe. Grzimek hat es fertiggebracht, den gelähmten Heine darzustellen in seinem Willen und in seiner Ohnmacht, aufzustehen. Dieses unbändige und unstillbare physische und geistige Verlangen hat die Skulptur zu einem meiner Lieblingskunstwerke gemacht. Ich habe Grzimek persönlich nie kennengelernt, ich weiß von ihm lediglich aus vielen begeisterten Schilderungen unserer Söhne, damals kleine Schulbuben und eng befreundet mit Thomas Grzimek, dem Sohn aus Christa Cremers erster Ehe.

Welch ein Gegensatz musste zwischen den beiden Ehemännern von Christa bestanden haben. Waldemar war ein großer, kraftvoller Kerl, nach der Beschreibung unserer Kinder übermütig und jungenhaft, ließ er sich von ihnen bedenkenlos zu allen möglichen Streichen verleiten, zum Beispiel zu gänzlich gesetzeswidrigen Autogeschwindigkeiten, so dass ich immer froh war, wenn die Kinder wieder heil zu Hause waren. Sie lockten ihm Geld aus der Tasche, liebten ihn als ihresgleichen, aber sie bewunderten und respektierten seinen Esel, der den Garten in Erkner beherrschte, wo Grzimek damals wohnte.

Von diesem großen Kind, das Waldemar Grzimek wohl gewesen ist, wechselte Christa, die aus altem Landadel stammt, selbst eine talentierte sensible Malerin, zu dem kleinen ernsten, unermüdlich fleißigen Arbeiterjungen Fritz Cremer. Wahrscheinlich hat sie seine Festigkeit und Zuverlässigkeit, die unerschütterliche Kraft seines Glaubens an den Sozialismus angezogen. Wer von den beiden – Cremer oder Grzimek – der bedeutendere Künstler ist, wage ich nicht zu beantworten. Fritz Cremer hat sicher erst in der DDR sein Talent voll entfalten können. Im Gegensatz zu Grzimek fühlte er sich auch immer der Lehre und Erziehung junger Menschen verpflichtet, so war er auch viele Jahre Professor an der Akademie der Künste und betreute Meisterschüler. Auch Christas Talent förderte er mit liebevoller Aufmerksamkeit.

Als es nach der »Wende« 1990 im Museum für Deutsche Geschichte Unter den Linden in Berlin eine Ausstellung über die damaligen Strömungen und die Gefühle für die DDR-Vergangenheit gab und Fritz Cremers Werke als »Schandmale des sozialistischen Realismus« verhöhnt wurden, hätte ich den Urhebern dieser Bilderstürmerei gern meinen Zorn und meine Verachtung gezeigt. Aber sie waren selbst natürlich nicht zugegen. So konnte ich meinem Unmut nur laut Luft machen. Schon unter den Nazis verkannt, wurden an die 50 seiner frühen Bildwerke im Zweiten Weltkrieg vernichtet. Er war mehr als 40 Jahre alt, als er sein künstlerisches Schaffen wieder aufnehmen konnte. Am Ende seines Lebens sah er sich erneut einer feindlichen Bewegung gegenüber. Aber er war doch besser dran als Will Lammert – schließlich war er bereits weltbekannt, und man wird seine Monumente wohl doch nicht antasten. Wie mag er sein Los im Inneren getragen haben? Ein alter kranker Mann mit der Berufskrankheit eines Bildhauers, einem starken Lungen-Emphysem. Ich habe ihn zwar vor seinem Lebensende lange nicht gesehen, aber ich glaube, er wird mit dem ihm eigenen maßvoll-freundlichen Lächeln über die Meinungen kleinlicher Menschen hinweggesehen haben.

Christa hat jedenfalls durch dick und dünn zu ihm gestanden. Leider haben wir uns weniger und weniger gesehen, seit die Kinder erwachsen und ihre eigenen Wege gegangen sind. Thomas, ihr Sohn, war jahrelang Meikis Schulkamerad und bester Freund. Er wurde Töpfer und zog mit seiner Frau in das Oderbruch, zunächst erfüllt von der Einfachheit seiner ländlichen Umgebung, der melancholischen Weite der Landschaft – aber dann regte sich in ihm die Sehnsucht nach Neuem, nach weiterer künstlerischer Entwicklung – so löste er sich von Frau und Kindern und brach zu einem neuen Leben auf. Ich würde ihn gern einmal wiedersehen – er war und ist eines der vielen Kinder, Söhne und Töchter, die ich in mein Herz aufgenommen habe. Von den drei Cremer-Kindern war mir Thomas am nächsten. Sabine, um einige Jahre älter als Thomas und auch ein Kind aus Christas erster Ehe mit Grzimek, war damals ein stilles, in sich ruhendes Mädchen mit den großen blauen Augen ihrer Mutter, eine verträumte Schönheit, von der man kaum glauben konnte, dass sie dem fast handwerklich schweren Beruf ihrer beiden Väter folgen könnte. Sie ist inzwischen eine bekannte Bildhauerin geworden.

Die Jüngste, Trini, war zunächst eine lebende kleine Puppe mit den riesigsten Augen, die ich je in einem Kindergesicht gesehen habe, überschattet von glänzenden braunen Ponyfransen. Sie ließ sich geduldig von einer Vielzahl freiwilliger »Kinderfrauen« durch die Siedlung karren. Aus der geduldigen Kinderpuppe wurde aber später ein leidenschaftlicher, aufsässiger und eigenwilliger Mensch. Auch sie malerisch talentiert, wurde wegen ihrer selbständigen Bühnenbild-Entwürfe an der Weißenseer Hochschule für Bildende Kunst aufgenommen. Aber nach einem Jahr verließ sie die Schule, enttäuscht und verzweifelt über die Lehrer und sich selbst. Auch Trini habe ich lange nicht gesehen, und jetzt, da ich dies alles erzähle, befällt mich die Sehnsucht nach diesen verlorenen Kindern, die ich mit Christa geteilt habe, wie Christa auch unseren vier Kindern eine Mutter war. Wo mögen sie sein, wie fühlen und denken sie heute?

Zur Kinderschar in unserer Siedlung gehörte auch die erste »Braut« unseres Sohnes Meiki: Josette, damals vielleicht vier Jahre alt, die Tochter des aus französischer Emigration zurückgekehrten Sozialisten und Pädagogen Ernst Wildangel und der Französin Simone, die ihr Töchterchen mit leidenschaftlicher und besorgter Liebe nach dem frühen Tod ihres Mannes allein aufzog. Josette war eine der lieblichsten Kindergestalten, die ich je gesehen habe, mit der zarten Haut und den langen Wimpern eines Kleinkindes. Simone, ihre Mutter, eine dunkeläugige, zierliche Frau, deren Charme durch den typisch französischen Akzent noch erhöht war, liebte ihr einziges Kind abgöttisch. Trotzdem – oder vielleicht gerade deshalb – war sie dem kleinen Persönchen gegenüber besonders streng, das zwar von sanfter Engelhaftigkeit zu sein schien, aber durchaus seinen eigenen Willen hatte.

Ich erinnere mich noch heute an mein Erschrecken, als Simone ihrem Töchterchen androhte, dass der Weihnachtsmann wohl nur eine Rute bringen würde, falls es seine Unartigkeiten nicht aufgäbe, und zu meiner schockierten Bewunderung blieb Simone konsequent, obgleich es ihr fast das Herz brach. An diesem Eigenwillen Josettes scheiterte schließlich auch die Brautwerbung unseres damals fünfjährigen Sohnes Meiki, dessen feste Absicht, Josette zu heiraten, nachdem sie lange Monate »Eltern und Kind« gespielt hatten, durch die sehr bestimmte Erklärung Josettes, sie könne ihn nicht heiraten, da er immer darauf bestünde, den Puppenwagen allein zu schieben, eine jähe Abfuhr erlitt. So musste ich auf die lieblichste aller Schwiegertöchter verzichten, die meine Söhne je in die engere Wahl gezogen haben.

Noch ein anderes Kind aus unserer Siedlung schloss ich für immer in mein Herz: eine der vier »besten Freundinnen«, die im Leben unserer Tochter Fufu eine Rolle spielten. Fufu bezeichnete sie in einem ihrer selbsterfundenen Geschichtchen, das sie mir im Alter von sieben Jahren als Weihnachtsgeschenk überreichte, als ihre »Glücksfreundin«, eine Bezeichnung, die sicher den Superlativ ihrer Zuneigung ausdrücken sollte. Sie hieß Christiane und war eines der vier Kinder in der Familie Hans Grotewohls, des Sohnes von Otto Grotewohl, dem ersten Ministerpräsidenten der DDR, dessen Händedruck als Sozialdemokrat mit dem Kommunisten Wilhelm Pieck das Wahrzeichen der Vereinigung der beiden großen Arbeiterparteien zur Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands wurde. Die Grotewohls wohnten in der sogenannten »Straße 200« unserer Siedlung, einer kleinen, stillen Straße, die noch etwas von dem alten Wäldchen ahnen ließ, das hier einmal gestanden hatte. In ihrem Haus, das dem kleineren Bautyp zugehörte, herrschten stets fröhlicher Trubel und anheimelnde Unordnung.

Die Seele der Familie war Mädi Grotewohl, die Mutter der vier Kinder, temperamentvoll, warmherzig und stets voll Energie und Tatendurst. In wie vielen »Unternehmungen« waren wir nicht Bundesgenossen! Im Elternaktiv sowohl von Fufus als auch von Tommys Schulklasse, bei vielen Aktivitäten, die die Kinder in der Schule oder Pionierorganisation betrafen, bei der Rodung und gartenarchitektonischen Ausgestaltung eines kleinen Spielplatzes um die Ecke, schon außerhalb unserer Siedlung. Wie stolz waren wir, als wir SED-Mitglieder aus der Siedlung und der Umgebung begannen, diesen öden, verwahrlosten Platz urbar zu machen, und sich uns Nichtgenossen aus den Nachbarstraßen freiwillig anschlossen, so dass unter unseren Händen nicht nur ein reizender Kinderspielplatz und ein schönes Eckchen mit Bank für die Mütter oder alten Leute entstanden, sondern dass auch das Eis zwischen den Siedlungsbewohnern und der »Urbevölkerung« gebrochen schien. – Und welch eine herzzerbrechende Erinnerung ist von diesem Spielplatz am Ende geblieben! Eines Tages hieß es, dass er geräumt werden und dass die Kommunale Wohnungsverwaltung dort notwendige Gebäude errichten müsse. Kein Protest half, keine Vorhaltungen, was ein solcher Schritt an negativen politischen Folgen haben könnte. »Unser« Spielplatz verschwand und wich einer öden Baracke, umgeben von einem durch unordentlich gelagerte Bauteile verunzierten, betonierten Hof.

Ob es sich bei diesem Magistratsbeschluss um eine politische Provokation, Dummheit oder um unverzeihlichen Mangel an Sensibilität gehandelt hat? Wir »Schöpfer des kleinen Kinderparadieses« fühlten uns jedenfalls zutiefst frustriert. Wie oft mag sich die DDR solche Eigentore geschossen haben? Nein, das sind keine Kleinigkeiten, sondern tiefgehende politische Fehler, die den DDR-Slogan »Plane mit, arbeite mit, regiere mit« in den Augen der dem Neuen erst zaghaft ihr Vertrauen schenkenden Menschen lächerlich machten. So blieb der erneute Versuch, einen anderen unbebauten Eckplatz unserer Straße zu einem Kinderspielplatz zu gestalten, in allgemeiner Lustlosigkeit stecken. Jedes Mal, wenn ich an den Schaukeln und Klettergerüsten auf diesem kleinen, verwahrlosten Platz vorüberging, empfand ich Schmerz und Scham. Heute ist er eingezäunt und anscheinend verkauft. Die wenigen Kinder, die immerhin an den bunten Klettergerüsten gespielt haben, sind nun auch aus diesem Schuttparadies vertrieben.

Aber zurück zu Mädi Grotewohl, deren heiter-sprudelndes Wesen keine trüben Gedanken duldete. In ihrem Hause war nichts zu spüren von »Regierungsnähe« oder besonderer Bevorzugung. Die Grotewohls waren natürliche und herzliche Menschen. Hans und Mädi waren beide Architekten und haben eine Zeit lang in Nordkorea mitgeholfen, dort die Stadt Hamhung aufzubauen. Mädi hat übrigens auch den späteren Anbau unseres Hauses projektiert und geleitet. In ihrer fröhlichen Unbekümmertheit verrechnete sie sich um fünfzehn Zentimeter, so dass sie eine Treppenstufe quer durch unser Schlafzimmer legen musste, ein Umstand, der sie, und dann auch uns, mit Heiterkeit und alle Besucher stets mit zurückhaltendem Staunen erfüllte. Nach Jahren der Gewöhnung gelingt es einem, auf dem Weg zum Badezimmer auch nachts im Halbschlaf die Hürde ohne Stolpern zu nehmen. Als mein Bein wegen einer Fußfraktur in Gips lag, bot mir die ungewöhnliche Treppenschwelle Gelegenheit zu vorfristigen Rehabilitationsübungen, indem ich mich erst auf die Stufe setzte, dann drehte und schließlich das Bein auf die höhere Ebene schwang.

Auch im Bereich der Innenarchitektur waren Mädis krause Ideen unerschöpflich, und während sie in manchen Dingen den lieben Gott einen guten Mann sein ließ, setzte sie sich zum Beispiel mit unverdrossenem Eifer für bestimmte Arten von schwer erhältlichen Lampen ein, die ihr als Ideal vorschwebten. So hängen noch heute neben unseren Betten zwei Messingtüten an Schnüren von der Decke herunter, deren beschränkter Lichtkegel zwar die Nachttischchen beleuchten, nächtliches Lesen aber nur gestatten, wenn man sich halb aus dem Bett lehnt. Auch die Tischler, die unsere Einbaumöbel nach Mädis technischen Zeichnungen anfertigten, stöhnten über die Vorgaben, die Mädis prächtiges, großzügiges Wesen widerspiegelten, dem es auf ein paar Millimeter mehr oder weniger nicht ankam. Hans, ihr Mann, war eine gelungene Ergänzung zu Mädi. Ruhig, dickbäuchig, etwas phlegmatisch und voll freundlicher Toleranz sah er dem Trubel in seiner Familie wohlwollend zu und ließ Mädi gewähren.

Die Kinderschar bestand aus drei Mädchen, die im Alter unserer Kinder waren, und einem männlichen Nachkömmling, der für die eigenen Schwestern, soweit ich sehen konnte, keine echten Kontaktmöglichkeiten bot und oft zu Zänkereien Anlass gab. Claudia, die Älteste, war mit unserem Tommy gleichaltrig. Durch ihre ganze Kindheit hindurch war sie ein langaufgeschossenes fleißiges, eher stilles Mädchen. Dagegen war Christiane, Fufus »Glücksfreundin«, ein lustiger Quirl, deren Mund nie stillstand und die das Temperament ihrer Mutter geerbt hatte. Fufu und Christiane waren ein Herz und eine Seele, sie gingen gemeinsam in dieselbe Schulklasse und hatten einander stets so viel zu erzählen, dass sie für den Heimweg von der Schule die zehnfache Zeit brauchten, verglichen mit dem Hinweg am Morgen.

Trotz »Tante Gretes« Ermahnungen – sie war über Jahrzehnte fast das wichtigste Mitglied unserer Familie und ist in unser aller Herzen eine Zentralfigur geblieben –, nach der Schule pünktlich zu sein, konnte man in der Ferne die beiden Rückfallsünder, auf einem Mäuerchen hockend, beim endlosen Schwatzen beobachten. Wenn sie dann endlich aufschraken und nach Hause stürzten, dachten sie sich die fantasievollsten Schwindeleien aus, was alles sie abgehalten hätte: Nicht zu zählen waren die vielen Nachmittage, an denen die ganze Klasse nachsitzen, besondere Pflichten erfüllen und andere obskure Aktivitäten hatte erledigen müssen! Manchmal wählten sie auch den Umweg über Mädi, von der sie für Fufu eine Fürsprache bei Tante Grete erbettelten. Unsere scharfsichtige Tante Grete hatte die beiden Bummelanten aber längst erspäht und war im Übrigen nicht so leicht hinters Licht zu führen.

Christiane studierte später Architektur, heiratete einen Töpfer in einem kleinen Ostseebad, musste die Architektur aus Mangel an Berufsmöglichkeiten aufgeben und half ihrem Mann in der Töpferei. Sie hatten drei Kinder miteinander, von denen eines im Kleinkindalter auf tragische Weise starb. Ihr Mann begann zu trinken, und Christiane verliebte sich in einen jungen DDR-Maler, dessen Talent – ob zu Unrecht, weiß ich nicht, da ich nie eines seiner Werke gesehen habe – »von offizieller Seite« nicht geschätzt wurde und der schließlich auf einen Ausreiseantrag hin nach Westberlin zog. Christiane folgte ihm, was in den Augen ihrer Eltern für eine »Grotewohl-Enkelin« einen Skandal bedeutete und diese veranlasste, sich eine Zeit lang von ihrem eigenen Kind loszusagen. Beide Seiten waren todunglücklich über die Entfremdung. Mädi fing sich bald wieder – dazu war sie ein zu liebevoller und warmherziger Mensch, während Hans wohl etwas länger auf seiner sogenannten »prinzipiellen Haltung« beharrte, wie sie zu jener Zeit allen »Republikflüchtlingen« gegenüber erwartet wurde.

In welche schrecklichen Gewissenskonflikte geriet man in vielen Fällen, in denen Menschen aus echter Liebe zu einem Bürger des anderen Deutschlands die DDR verließen oder weil sie unter tatsächlicher oder vermeintlicher Chancenungleichheit bei uns litten. Wir Genossen wurden angehalten, »Republikflucht« zu verurteilen. Im Prinzip konnte ich dem zunächst auch zustimmen. Wir hatten es schließlich sehr schwer beim Aufbau einer – wie ich immer noch glaube – besseren Gesellschaftsordnung. Diese Menschen, die uns verlassen wollten, hatten wir ja großgezogen, ihnen Bildung und Kultur ermöglicht, Arbeit und Freizeit gegeben, Wohnungen gebaut, und wir glaubten, ihnen eine glückliche Zukunft geschaffen zu haben, ohne Arbeitslosigkeit, mit kostenlosem Zugang zu jeglicher gesundheitlicher Betreuung, ein Stückchen Welt ohne Angst vor Drogenmissbrauch und ständig steigender Kriminalität. Wir hatten ­zweifellos auch eine unschuldigere, herzlichere Art, miteinander umzugehen.

War das alles eine Illusion? Aber wenn ich das eben Geschriebene noch einmal lese, kommt mir die Redeweise »Wir hatten sie großgezogen …« vermessen, paternalistisch und überheblich vor. Sie hatten sich ja auch selbst aufgezogen, mit allen gemeinsam gelernt und gearbeitet. Woher nahmen wir das Recht, sie – wenn auch aus einem ursprünglich wohlgemeinten Gefühl heraus – als »unsere Menschen« zu bezeichnen. Durften sie nicht selbständig entscheiden, wenn sie so fühlten, alles im Stich zu lassen? Nein, dachten wir, sie hätten nicht das Recht, der Allgemeinheit zu schaden. Wir warfen ihnen Selbstsucht und Eigennutz vor und sahen nur die, die an das Geld und den Luxus dachten, wenn sie der DDR den Rücken kehrten, ihren Arbeitsplatz verließen und empfindliche Lücken in das Arbeits- und Produktionsgefüge rissen.
Ingeborg RapoportIngeborg Rapoport 2015 in Hamburg, im Alter von 102. (© picture-alliance/dpa, Bodo Marks)

Heute ist es wohl kaum noch nachfühlbar – und früher war es das in der BRD wohl auch nicht –, dass der Weggang von Arbeitskollegen oft einen unmittelbar unersetzlichen Verlust darstellte und zurückbleibenden Genossen und Nichtgenossen eine harte Last aufbürdete. Wie kann man sich noch heute in ein Gesellschaftsgefüge hineinfühlen, in dem jeder Einzelne so dringend gebraucht wird, heute, wo Millionen von Arbeitslosen mit Freude in jede Lücke springen würden? Nein, das schmerzliche Gefühl, im Stich gelassen zu sein von denen, die uns verließen, die gestern noch mit uns an einem Strang zu ziehen schienen, die entstehende Leere, die bohrenden Fragen, was von »unserer Seite« aus zuwidergelaufen war, falsch gemacht wurde – ich habe nichts davon vergessen! Aber durften wir von diesen Menschen als »Verrätern« sprechen? Übrigens bin ich selbst auch nie so weit gegangen. Nachdem ich anfangs jeden Weggang prinzipiell missbilligte und meine Enttäuschung sich im Wesentlichen darauf gründete, dass diese Menschen blind, ja verblendet wären, von zwei Gesellschaftsordnungen nach meiner Überzeugung und Erfahrung die schlechtere wählten, begann ich später jeden einzelnen Fall differenzierter zu sehen.

So ging es mir auch mit Fufus »Glücksfreundin« Christiane, die ich liebhatte und für die ich bei Mädi um Verständnis warb. Ihr Weggehen bedeutete für Christiane die Trennung von ihrer Tochter, die nicht mit ihrer Mutter gehen, sondern beim Vater bleiben wollte. Christiane zog auch keineswegs in eine gesicherte Existenz. Sie musste sich umschulen lassen, wurde Blumenbinderin und baute sich schließlich ein eigenes Blumengeschäft auf. Gewiss, auch ohne »Mauer« hätte es zu solcherart Rissen und Trennungen in Familien kommen können. Aber durch die Grenze entstand eben doch etwas anscheinend Endgültiges. Für viele mag diese Endgültigkeit nie verheilende Wunden hinterlassen haben.

Auch unter den Kindern der Nachbarschaft waren die politischen Spannungen zu spüren. Christiane und Fufu waren ebenso unzertrennlich wie Meiki und Thomas Grzimek. Aber während die Buben von sanfter Art waren, steckte in den Mädchen ein wild entschlossener Kampfgeist. Zu jener Zeit, als unsere Kinder, und natürlich auch Christiane, der Pionierorganisation der DDR beitraten, wurden sie von anderen Kindern in unserer Nachbarschaft noch häufig angefeindet. Ich erinnere mich an einen winterlichen Spätnachmittag – es war schon dunkel –, als die beiden Freundinnen atemlos vor der Haustür standen, über und über verdreckt, zerzaust, mit heißen Bäckchen, über die schwärzliche Tränenrinnsale liefen – und schluchzend, aber triumphierend von ihrem Sieg über eine »Bande« älterer Jungen berichteten, die ihnen die Pioniertücher hatten entreißen wollen.

Ja – auch »Banden« spielten eine Rolle in unserer Nachbarschaft. Sie bestanden meist aus halbwüchsigen Jungen und Mädchen, die mit Vorliebe in einer Gruppe um den Eingang der Bäckerei standen, Zigaretten rauchten und mit ihren rauen Stimmen Kommentare über die Vorbeigehenden von sich gaben. Sie standen in üblem Ruf, obgleich ich sie eigentlich nie etwas ernstlich Böses habe tun sehen. Diese »Banden« wechselten von Zeit zu Zeit ihren »Personalbestand«, und man sah ehemalige Mitglieder nach Jahren brav einen Kinderwagen mit eigenem Sprössling durch die Gegend schieben, meist selbst noch sehr wenig erwachsen aussehend. Diese »Banden« nahmen nie ein Kind aus unserer Siedlung auf, wie auch umgekehrt kein »Siedlungskind« sich zu ihnen hingezogen fühlte.

Unsere Kinder hatten das Glück, gerade in einer Periode mit vielen gleichaltrigen Kindern um sie herum aufzuwachsen, so dass alle immer großartige Erlebnisse miteinander hatten. Andere Kinder in unserer Siedlung waren einsamer – so wie Nucki oder die beiden Paryla-Kinder und die Söhne der Uhses, die alle älter waren. Natürlich waren da auch die Erwachsenen. Ich will bei den Parylas, den berühmten österreichischen Schauspielern, beginnen, die einige Jahre in unserer Straße wohnten und zu denen ich häufig wegen Anginen der Kinder gerufen wurde. Stets waren die Eltern bei solchen Gelegenheiten auf Tournee, und eigentümlicherweise liegt in meiner Erinnerung das fiebernde Kind mit geschwollenen Mandeln immer mutterseelenallein im Haus zu Bett. So kann es wohl kaum gewesen sein. Einmal jedoch trat Vater Paryla mächtig in Erscheinung. Die Parylas hatten zwei Wolfshunde, die im Winter ein gleichgroßes Interesse am Rodeln auf dem gegenüberliegenden Hügel hatten wie die Kinder aus der Nachbarschaft. Nur zeigten sie zusätzlich ein ebensolches Interesse an den wimmelnden Kinderbeinen. Natürlich sollten die Hunde eigentlich im Garten eingesperrt sein, aber mehr als einmal gelang es ihnen, auszubrechen und sich mit lustvollem Doppelgebell in das Kindergetümmel zu stürzen. Diesmal waren es Fufus Hose und eins ihrer Beine, die dran glauben mussten. Da aus beiden ein Stückchen herausgebissen war, ging Mitja zu den Parylas, um ihnen Vorhaltungen zu machen. Vater Paryla warf daraufhin einen umwerfenden Akt vollständiger Zerknirschung hin, verfluchte die Hunde und drohte ihnen in wahrhaft biblischem Zorn. Mitja war ganz hingerissen von der Vorstellung. Als er aber Paryla darauf hinwies, dass laut amtlicher Verfügung die Hunde auf Tollwut untersucht werden mussten, endete das Schauspiel schlagartig, und aus Paryla wurde ein normaler, beleidigter Hundebesitzer. Die Erinnerungen an die Uhses waren ganz anderer Art. Der Schriftsteller Bodo Uhse hatte Alma und deren Sohn aus erster Ehe aus den USA mitgebracht. Wir standen ihr eigentlich näher als ihm – oder kommt es mir nur jetzt so vor, weil wir, als er sie einer jüngeren Frau wegen verließ, ihren Kummer, ihre Verlassenheit und schließlich ihre Rückkehr in die USA mit ihr durchlebten?

Alma war eine aufsehenerregende Frau mit langen Gliedern, schmalem langem Gesicht, pechschwarzen Augen und glänzendem, tiefschwarzem Haar. Im Geiste sah ich sie immer – indianergleich – auf wilden Pferden über endlose Prärien galoppieren. In Wahrheit war sie die Tochter eines reichen Diamanten-Importeurs aus Uticah, einer kleinen Stadt, up-state New York. Aber das andere, das Bild meiner Fantasie, war ihre eigentliche Wirklichkeit. Und Reiten war tatsächlich ihre Leidenschaft. In erster Ehe war sie mit dem Schriftsteller James Agee verheiratet gewesen, der in der McCarthy-Ära in den USA eine unrühmliche Rolle gespielt hatte. Als sie auf den noch jungen und anscheinend auf Frauen ungemein anziehend wirkenden Bodo Uhse traf, fing sie sofort Feuer, löste ihre Ehe und folgte ihm zusammen mit Joe, ihrem Sohn aus erster Ehe, in die DDR. Sie nahm ohne Bedenken das Risiko auf sich, in ein fremdes Land zu ziehen, dessen Sprache sie nie richtig erlernen würde, dessen Kultur ihr fremd war und dessen Vergangenheit sie, die jüdischer Herkunft war, hassen musste.

Und das alles für einen Mann, der sie zwar liebte, aber immer zu Seitensprüngen bereit war, vor allem aber für einen Schriftsteller, dessen Sprache sie nicht nachempfinden konnte, so dass sie schließlich auch nicht mehr las, was er schrieb, womit sie sicher bei aller Liebe und Generosität ihres Wesens den Todeskeim für ihre Ehe legte. Was war es, das Bodo Uhse so anziehend auf Frauen machte? Gewiss, er hatte schöne tiefliegende Augen unter starken Brauen, aber er war eher schmächtig von Gestalt und im Gespräch weder interessant noch witzig. Als Frauenheld habe ich ihn mir nie vorstellen können. Was ich vielmehr persönlich in ihm spürte, war eine wachsende Zerrissenheit. Ich glaube, dass er zutiefst an sich zweifelte, an seinem Talent, an der Fähigkeit, sein Buch (»Die Patrioten«) zu beenden – es blieb auch unvollendet. Ich glaube, dass irgendetwas in ihm zerbrochen war – der jugendliche Schwung, vielleicht auch der Glaube an den Sozialismus? Mir gegenüber hat er sich nie ausgesprochen. Ich denke mir, dass er mit dem Verlust der eigenen inneren Sicherheit allmählich auch Almas Glauben an sein Talent zerstörte. Wie kann aber ein Schriftsteller mit einem Partner leben, der nicht mehr an ihn glaubt, der nicht einmal liest, was er schreibt? Bodo Uhse war ein schwacher Mensch, und der letzte Konflikt zwischen seiner Zuneigung zu Alma und der Leidenschaft zu der viel jüngeren Geliebten, die ein Kind von ihm bekam, überstieg seine Kräfte. Schließlich siegten die Verführungskraft und die sexuelle Anziehung der jüngeren Frau.

Alma beschloss, mit den Söhnen zurück in die USA zu gehen. Von den beiden Jungen kannte ich Joe, den Älteren (der später wieder den Namen seines leiblichen Vaters annahm), weniger. Er wurde sofort nach Ankunft in den USA zum Militär eingezogen. Ich weiß nicht, ob er noch im Vietnamkrieg zum Einsatz kam. Jedenfalls hatte Joe Kraft genug, sich wieder in seine ursprüngliche Heimat einzupassen. Er wurde Schriftsteller wie seine »zwei Väter« und schrieb ein Buch über seine Kindheit in der DDR, in dem er seine Schwierigkeiten als Fremder in der Schule sowie seine Beziehungen zu Bodo schildert und beschreibt, wie er den Sozialismus erlebte, nicht ganz ohne Bitterkeit, aber doch in dem Bemühen, gerecht zu sein.

Ganz anders war das Schicksal des gemeinsamen Sohnes von Alma und Bodo Uhse: Stefan war ein Kind der DDR. Ich sah ihn oft, da er an schwerem Bronchialasthma litt. Das komplizierte Verhältnis seiner Eltern war mit Sicherheit ein schweres Trauma für den von Natur aus sensiblen und verschlossenen Jungen. In den USA fand er keinen Halt mehr und nahm sich schließlich das Leben. Bodo Uhse hat den Tod seines Sohnes nicht mehr erlebt, er starb bald nach Almas Übersiedlung in ihre alte Heimat.

In das Haus der Uhses, an das sich für uns so viele bedrückende Erinnerungen knüpften, zogen dann die Henselmanns, die Familie des bekannten Berliner Chefarchitekten, mit sieben bildhübschen Kindern, die aber zumeist schon dem Schulalter entwachsen waren. Alle – bis auf eines – hatten vom Vater her einen bohemehaften, abenteuerlichen Charakterzug geerbt. Gerade dieses eine Kind, eine begeisterte Junglehrerin, starb ganz jung. Ich sehe sie noch vor mir, wie sie mir vor unserem Hause strahlend von der Schule erzählt, einen kecken, kirschroten Hut auf dem Kopf, der ihr fröhliches Gesicht in der Sonne rosig färbt – und zehn Tage später starb sie an einer besonders heimtückisch verlaufenden Leukämie. Wir konnten es kaum fassen. Noch heute trauere ich um dieses fröhliche, zutrauliche Mädchen, das kaum die ersten Schritte in jenes Leben getan hatte, von dem junge Mädchen träumen.

Frau Henselmann war eine liebe, sanfte und kluge Frau, die den ruhigen Pol der Familie darstellte. Sobald die Kinder erwachsen waren, heirateten sie, ließen sich scheiden, heirateten abermals. Als ich Frau Henselmann einmal fragte, wie viele Enkel sie eigentlich habe, meinte sie: »25 plus/minus vier.« Frau Henselmann ist die Schwester der ersten Frau von Robert Havemann, von dem ich noch ausführlicher zu berichten habe. Beide Schwestern waren feine, ausgeglichene Menschen.

In unserer Nachbarschaft gab es außerdem noch die beiden »letzten Ritter«, wie ich sie für mich selbst bezeichnete: den freundlich-zurückhaltenden Ludwig Renn, Spanienkämpfer und Schriftsteller, der das Haus mit seinem Chauffeur bewohnte, und Professor ­Alexander Mette, den vormaligen Freudianer, der sich in langjährigen inneren Auseinandersetzungen von Freud losgesagt hatte und Marxist geworden war. Die Frau dieses selbst Freunden gegenüber stets formvollendet höflichen Menschen war einst Tänzerin gewesen und von herzlicher Liebe zu Kindern erfüllt. Bei ihr und der »Tante Friedlich« nebenan gab es stets ein Bonbon, so dass unsere und andere Kinder diese Straßenseite deutlich bevorzugten.

Die beiden Friedrichs wohnten uns schräg gegenüber – er war Grafiker und hatte die Schmalseite seines Hauses mit großen »lebensbejahenden« Graffiti »geziert«, die allerdings dem späteren Umbau des Gebäudes zur Residenz des Schweizer Botschafters ohne unser Bedauern zum Opfer fielen. Die beiden Friedrichs waren ein altes, kinderloses Ehepaar, das sich ewig in den Haaren lag. Trotz ihrer Zänkereien waren die beiden einander aber sehr zugetan. Sie kamen aus Arbeiterfamilien im Saarland und hatten schwere Jahre im antifaschistischen Widerstand hinter sich. Nach dem Tode von »Onkel Friedlich« verfiel der blühende Garten, der sein Stolz gewesen war, und mit »Tante Friedlich« ging es stetig bergab, so dass man sie schließlich in ein Pflegeheim bringen musste. Die Zeit des Faschismus war für sie nicht in der Vergangenheit begraben, seine furchtbare Macht holte sie als alte und sterbende Frau in täglichen Wahnvorstellungen und qualvollen Ängsten wieder ein.

Man darf nie vergessen, dass die Zeit des Faschismus in Deutschland mit dem Ende des Zweiten Weltkrieges nicht schlagartig vorbei war – wie man nach langer Dunkelheit das Licht wieder anknipst. Bei wie viel Tausenden von Menschen mag er ihre Träume wieder und wieder mit seinem tödlichen Hohn bedrohen? Nicht mehr eigentlich zu unserer Siedlung gehörend, aber nur um die Ecke wohnend, gehören in meiner Erinnerung die Kahane-Kinder, die öfters mit ihrer kleinen Mutter zu uns in den Garten kamen. Doris Kahane war Malerin, eine ernsthafte, wenn auch vielleicht nicht so bedeutende Malerin. Sie war ehemalige Spanienkämpferin und ein reizender, beherzter Mensch, der mir einmal anvertraute, dass man sie vor dem Umgang mit uns gewarnt hatte. Man sei sich zwar nicht ganz sicher, möglicherweise seien wir aber raffinierte Spione und Agenten für die USA. Sie wollte nicht damit herausrücken, von wem so etwas kam, aber offensichtlich traute man Westemigranten wie uns, insbesondere dem klugen Mitja, in der Parteiführung nicht über den Weg. Mitja focht dies nicht weiter an, er lachte darüber – aber ich war betreten über das Misstrauen, das uns im Übrigen noch des Öfteren begegnen sollte. Der Mangel an Vertrauen in die Menschen war ein tragischer Wesenszug, der sich durch Partei- und Staatsführung von der Gründung bis zum Ende der DDR zog. So schmerzlich ich ihn empfand, so bitter hemmend er sich auswirkte, so sehr konnte ich ihn doch auch verstehen. Er entsprang der berechtigten angstvollen Einschätzung, dass die Existenz dieses »ersten sozialistischen Staates auf deutschem Boden« in jedem Moment seiner vierzigjährigen Geschichte vom Untergang bedroht war. Aber wie viele intellektuelle Quellen blieben dadurch unerschlossen, wie viele Menschen furchtsam umgangen, nicht für uns gewonnen und sogar von uns gestoßen.

Ich möchte die Schilderung unserer Nachbarschaft abrunden mit dem Bild zweier Menschen, die zwar miteinander verheiratet waren und einander achteten und liebten, aber vor meinen Augen nie zu einem Ehepaar verschmolzen. Ich spreche von René Graetz, dem Bildhauer und Grafiker, und der Karikaturistin und Malerin Elizabeth Shaw. René hatte ich ganz besonders in mein Herz geschlossen. Ich liebte seine jungenhafte Naivität und fröhliche Ursprünglichkeit, seinen unabhängigen fragenden Geist, die Fähigkeit, seine tiefen Zweifel, die nach und nach in ihm entstanden, und die Wunden ungerechter Kritiken, die ihm von unbefugter Seite und offiziell zugefügt wurden, von sich wegzulachen, wenn auch manchmal ein bitterer Ton aus seinem Lachen herauszuhören war. In Berlin geboren, in Genf aufgewachsen, in Kapstadt an der Seite der Schwarzen kämpfend, über Paris noch kurz vor Ausbruch des Zweiten Weltkrieges nach London gelangend, als sogenannter »enemy alien – feindlicher Ausländer« nach Kanada deportiert, dort interniert und schließlich für die letzten künstlerisch produktiven Jahre als überzeugter Kommunist nach Berlin gekommen, hatte er wohl eigentlich kein rechtes Vaterland außer der Fortschritts- und Friedensbewegung der Welt. Er sprach auch Deutsch nur mit englischem Akzent und wohl am liebsten Englisch. Er war ein großes Talent und ein unwiderstehlich charmanter Mensch. Sein Tod hat mich mit großer Trauer erfüllt.

Noch kurz vor seinem Tode traf ich ihn auf der Straße, und er erzählte mir, dass er von Elizabeth, seiner Frau, einen neuen künstlerischen Aufbruch erwarte. Elizabeth ist nun auch schon tot. Ich weiß nicht, ob dieser Aufbruch noch erfolgt ist. Sie war eine glänzende, witzige Zeichnerin, deren künstlerische Art einen unerwarteten Gegensatz zu dem lieblich-jungmädchenhaften Aussehen, ihrer zarten irischen Haut und ihrem herb-herzlichen Wesen bildete. Aus ihren Lebenserinnerungen kann man heraushören, dass sie wohl stets mit Liebe, Sehnsucht und Sorge an ihre irische Heimat zurückdachte und sich in der DDR nie ganz zu Hause gefühlt hat.

Alle diese Menschen um uns herum standen für pulsierendes Leben, sie hatten ungewöhnliche Schicksale, waren von schöpferischem Tatendrang. Die meisten von ihnen waren, wie wir, mit dem Wunsch gekommen, aufzubauen, etwas Neues, Besseres entstehen zu lassen, ihre Talente und Gaben hineinzuwerfen in die brodelnden ersten Jahre dieses neuen Deutschlands. Keine Nörgelei an der DDR oder Anklage Außenstehender wird mich je dieses Glücksgefühl einer schöpferischen Gemeinschaft, das uns damals beflügelte, vergessen lassen.

Das Buch »Meine ersten drei Leben« erscheint im Verlag Neues Leben, einem Imprint der Eulenspiegel Verlagsgruppe.

Ergänzend:

- Charlotte Misselwitz über Ingeborg Rapoport, erschienen im Deutschland Archiv am 3.11.2021

- Zum Themenschwerpunkt im Deutschland Archiv 2020/21: Jüdinnen in Deutschland nach 1945

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