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16.4.2021 | Von:
Eva Schäffler

Ein „eigener“ Weg der Paarbeziehungen: Nichtehelichkeit in der späten DDR und in Ostdeutschland

2019 wurde in Ostdeutschland mehr als die Hälfte aller Kinder nichtehelich geboren, während dieser Wert in Westdeutschland nur bei knapp einem Drittel lag. Den Ursprung und die Entwicklung dieses ostdeutschen Trends zur Nichtehelichkeit beschreibt dieser Beitrag.

Das Foto zeige junge Leute mit Baby in der DDR. Die Auwurde fnahme ca. 1984 gemacht.Junge Leute mit Baby, DDR, ca. 1984 (© picture-alliance, imageBROKER | Michael Nitzschke)

Grundsätzlich war innerhalb der DDR-Familienpolitik die Ehe – und nicht die nichteheliche Lebensgemeinschaft – der zentrale Dreh- und Angelpunkt. Eine der bis heute bekanntesten familienpolitischen Maßnahmen waren beispielsweise die Ehekredite, die Frischverheiratete seit 1972 aufnehmen und durch das sogenannte Abkindern zurückzahlen konnten. Pro Geburt wurde einem Ehepaar ein Drittel der Rückzahlung erlassen. Ab drei Kindern war der gesamte Kredit getilgt. Es gab aber auch weniger bekannte Maßnahmen, die sich an Ehepaare als Zielgruppe richteten. In einigen Kreisen der DDR wurden beispielsweise sogenannte Eheschulen veranstaltet. Hierbei handelte es sich in der Regel um Abendkurse, in denen vor allem junge Menschen in guter Eheführung unterrichtet wurden. Auf diese Weise sollten scheidungsanfällige junge Ehen stabilisiert und das Ideal der Dreikindfamilie propagiert werden.[1]

Pronatalismus und Promaritalismus

Jedenfalls war die Ehe aus Sicht der SED die Form der Paarbeziehung, die den Interessen der Paare und ihrer Kinder am besten entsprach. Das Leben in einer glücklichen und kinderreichen Ehe galt als integraler Bestandteil der sozialistischen Lebensweise. Die Familienpolitik in der späten DDR war dementsprechend stark „pronatalistisch“ und auch „promaritalistisch“: Geburten und Eheschließungen sollten also gefördert und Ehescheidungen vermieden werden. Rein statistisch zeigte dieser familienpolitische Kurs aber keine (nachhaltige) Wirkung: 1975 lag die Fertilitätsrate bei 1,54 Kindern pro Frau. Im Jahr 1980 stieg dieser Wert zunächst auf 1,94, ehe er 1985 auf 1,74 und 1989 wieder auf 1,57 Kinder pro Frau fiel.[2] Während im Jahr 1969 noch 16,9 Ehescheidungen auf 10.000 Einwohner*innen kamen, lag dieser Wert 1979 bei 26,7 und 1989 bei 30,1.[3]

Ein statistisch schwer zu fassender Trend

Ein weiterer demographischer Trend, der in der späten DDR immer deutlicher wurde, war die Tendenz zu nichtehelichen Lebensgemeinschaften und Geburten. Laut offiziellen Angaben lebten Mitte der 1980er-Jahre lediglich zwei Prozent der Bevölkerung unverheiratet zusammen.[4] Wie hoch der Anteil nichtehelicher Lebensgemeinschaften tatsächlich war, ließ sich statistisch schwer fassen: Frauen und Männer, die ohne Trauschein zusammenlebten, wurden in den verfügbaren Statistiken als Ledige geführt. Jedoch ergaben Berechnungen, die nach der Wiedervereinigung angestellt wurden, dass im Jahr 1987 28,7 Prozent der Frauen und 26,5 Prozent der Männer zwischen 18 und 40 Jahren sich für diese Form der Paarbeziehung entschieden hatten.[5] Was bereits in den 1970er- und 1980er-Jahren statistisch eindeutig nachvollziehbar war, war der steigende Anteil nichtehelicher Geburten: Die Nichtehelichenquote lag im Jahr 1970 bei 13,3 Prozent und im Jahr 1980 bei 22,8 Prozent, was die DDR zu einem Land mit einer der europaweit höchsten Nichtehelichenquote machte.[6] Die SED stand jedoch nichtehelichen Beziehungen und Geburten zumindest zwiegespalten gegenüber. Wie bereits erwähnt, wurde die Ehe als beste Form des Zusammenlebens bewertet und dementsprechend gefördert. Aus Sicht der Staats- und Parteiführung konnten unverheiratete Paare weniger leicht auf die Elternrolle festgelegt werden als verheiratete Paare. Wenn aus nichtehelichen Lebensgemeinschaften Kinder hervorgingen, galt dies aber auch als problematisch. Da diese Art von Beziehung als instabil(er) galt, hielt man sie für ungeeignet(er), um Kinder zu „guten Sozialisten“ zu erziehen. In einem internen Papier bezeichnete das Ministerium für Gesundheitswesen nichteheliche Lebensgemeinschaften mit Kindern beispielsweise als „unvollständige Familien“ und sah in ihnen „Probleme der Familienplanung und Sexualität von besonderem gesellschaftlichen Interesse“.[7]

„Eigen-sinn“ und Nichtehelichkeit

Aus heutiger Sicht stellt sich die Frage, wie sich der Trend zur Nichtehelichkeit in der DDR immer weiter verstärken konnte, wenn er doch von staatlicher Seite eher unerwünscht war. Eine Rolle in diesem Zusammenhang spielte das „eigen-sinnige“[8] Nutzen sozialpolitischer Leistungen, die entgegen ihrem staatlich vorgesehenen Zweck zur wachsenden Verbreitung nichtehelicher Lebensgemeinschaften und Geburten beitrugen. Hierbei handelte es sich um Leistungen, die eigentlich auf Alleinerziehende ausgerichtet waren, häufig aber auch von unverheirateten Paaren in Anspruch genommen wurden. Dazu zählten beispielsweise eine Vorzugsbehandlung bei der Versorgung mit Krippenplätzen sowie spezielle Leistungen der Sozialversicherung bei der Erkrankung des Kindes.

Eine weit verbreitete Strategie war, als unverheiratet zusammenlebende Mütter und Väter eine gewisse Zeit von diesen für Alleinerziehende gedachten Leistungen zu profitieren und erst danach eine Ehe einzugehen. Dies war aus materieller Sicht sinnvoll, da durch die Eheschließung weitere sozialpolitische Leistungen und Vorzüge in Anspruch genommen werden konnten (zum Beispiel der bereits genannte Ehekredit, auf den voreheliche Geburten auch rückwirkend angerechnet werden konnten). Dass ihre eigenen sozialpolitischen Strategien den Trend zur Nichtehelichkeit zum Teil befeuerten, wurde von staatlicher Seite in der Regel verschleiert oder zurückgewiesen. Ebenso wenig wurden Maßnahmen getroffen, um zu verhindern, dass Sonderleistungen für Alleinerziehende von unverheirateten Paare mit Kindern in „eigen-sinniger“ Weise genutzt wurden.

Gründe für den Trend zur Nicht- bzw. zur Vorehelichkeit

Gleichzeitig wurde von staatlicher Seite versucht, die Gründe für den Trend zur Nichtehelichkeit zu eruieren. Eine Studie des Zentralinstituts für Jugendforschung aus dem Jahr 1985 kam beispielsweise zu dem Schluss, dass dieser Trend in erster Linie „gesellschaftlich determiniert“ sei. Die familienpolitischen Rahmenbedingungen hätten den Trend nur in einem sehr begrenzten Ausmaß befördert. Als bedeutenderen Einflussfaktor nannte die Studie hingegen die Liberalisierung der Sexualmoral. Auch die steigenden Scheidungszahlen seien ein Faktor, der eine skeptische Haltung gegenüber der Eheschließung begünstige. Außerdem würden Männer und Frauen in nichtehelichen Lebensgemeinschaften mehr Freiheit für individuelle Interessen und Gewohnheiten als in der Ehe erwarten.[9] Aus heutiger Sicht können noch weitere Gründe für die wachsende Verbreitung von nichtehelichen Beziehungen und Geburten angeführt werden: Von Bedeutung war sicherlich der sinkende Einfluss der Religion beziehungsweise konfessioneller Gebundenheit. Auch die beinahe flächendeckende Frauenerwerbstätigkeit führte dazu, dass das traditionelle Ehe- und Familienmodell an Relevanz einbüßte.

Jedoch muss bedacht werden, dass nichteheliche Lebensgemeinschaften in der späten DDR zum Großteil de facto voreheliche Lebensgemeinschaften waren. Das bedeutet, dass diese Beziehungen nach einiger Zeit meist doch in eine Ehe überführt wurden. Spätere Schätzungen kamen zu dem Ergebnis, dass Ende der 1980er-Jahre etwa 80 Prozent der Paare in der DDR vor der Eheschließung unverheiratet zusammengelebt hatten.[10] Das Erstheiratsalter war in der DDR außerdem niedriger als in der Bundesrepublik. 1989 lag es in der DDR bei 24 Jahren und in der Bundesrepublik bei 27 Jahren.[11] Die Tendenz zur Vorehelichkeit kann also keineswegs als Indikator für einen Bedeutungsverlust der Institution Ehe gewertet werden. Für die meisten war die Ehe weiterhin eine normale und zudem noch mit materiellen und sozialen Vorzügen verbundene Station im Lebenslauf. Gleichzeitig wurde die voreheliche Lebensgemeinschaft zu einer normalen (Zwischen-)Station in der Vita.

Nach 1989/90: weder Schock noch Anpassung

Mit der deutschen Einheit war das Ende der pronatalistischen und promaritalistischen Familienpolitik gekommen. In vielerlei Hinsicht waren die alten Rahmenbedingungen, unter denen sich die Tendenz zur Vorehelichkeit entwickelt hatte, in den 1990er-Jahren nicht mehr vorhanden. Jedoch verschwand diese gesellschaftliche Tendenz nicht, sondern sie nahm weiterhin einen eigenen, vom westdeutschen abweichenden Entwicklungsweg. Fest steht, dass der sogenannte Wiedervereinigungsschock, den die Sozialwissenschaften prophezeit und für manche Gesellschaftsbereiche auch tatsächlich beobachtet hatten, hinsichtlich der nichtehelichen Lebensgemeinschaften und Geburten keine signifikante Rolle spielte. Ebenso fand in diesem Bereich keine Anpassung an westdeutsche gesellschaftliche und demografische Trends statt.[12]

Auch in der Bundesrepublik hatte sich das nichteheliche Zusammenleben im Laufe der 1970er- und 1980er-Jahre als selbstverständliches Modell etabliert. Schätzungen zufolge lag zwischen dem Ende der 1970er- und dem Anfang der 1980er-Jahre der Anteil unverheiratet zusammenlebender Paare zwischen einem Drittel und 50 Prozent.[13] Ebenso galt die nichteheliche Elternschaft immer seltener als sozialer Makel, wurde aber – anders als in der DDR – nicht zur gesellschaftlichen Normalität. 1990 lag der Anteil nichtehelicher Geburten im Westen bei lediglich 10 Prozent.[14] Eine Tendenz zur Vor- beziehungsweise zur Nichtehelichkeit bestand also in beiden Teilen Deutschlands, ihre konkrete Ausformung und Ausgeprägtheit unterschieden sich jedoch.

Von der Vorehelichkeit zur Nichtehelichkeit

Der ostdeutsche Trend zu nichtehelichen Lebensgemeinschaften verstärkte sich in den 1990er-Jahren. Immer seltener handelte es sich dabei jedoch um voreheliche Lebensgemeinschaften. Im Jahr 1990 waren noch 57 Prozent der Ostdeutschen zwischen 20 und 35 Jahren verheiratet. Im Jahr 2004 betrug dieser Anteil nur noch 19 Prozent. Im Westen sank der Verheiratetenanteil im selben Zeitraum von 43 auf 29 Prozent.[15] Parallel dazu stieg der Anteil nichtehelicher Geburten in ganz Deutschland: Von 1990 bis 2000 kletterte er in Ostdeutschland von 34 auf 49 Prozent. Im Westen erhöhte er sich im selben Zeitraum von zehn auf 18 Prozent. Auch in den folgenden Jahrzehnten setzte sich dieser Trend weiter fort und stagnierte dann auf hohem Niveau: 2010 lag die Nichtehelichenquote in Ostdeutschland bei 58 Prozent und 2019 bei 54 Prozent. In Westdeutschland betrug dieser Wert in denselben Jahren 27 Prozent beziehungsweise 29 Prozent.[16] Was aber sind die Gründe für diese weiterhin sehr deutlichen Unterschiede zwischen Ost und West? Sozialwissenschaftliche Studien verweisen unter anderem auf unterschiedliche Muster bei der sogenannten kindorientierten Eheschließung (Eheschließung kurze Zeit nach der Feststellung einer Schwangerschaft). Diese Art der Eheschließung war in den 1990er-Jahren im Westen ein deutlich weiter verbreitetes Phänomen als im Osten.[17] Es gibt aber noch eine Reihe anderer Faktoren, die im Zusammenhang mit dem Trend zur Nichtehelichkeit in den neuen Bundesländern relevant sind: Auffällig ist, dass in der DDR geprägte Wert- und Verhaltensmuster zu einem gewissen Grad in den 1990er-Jahren nachwirkten, auch wenn die entsprechenden (sozial-)politischen Rahmenbedingungen nicht mehr bestanden. Unterschiedliche Familienmodelle in West und Ost

Die bundes- und nach 1989/90 auch die gesamtdeutsche Familienpolitik räumte verheirateten Paaren grundsätzlich mehr Vorteile ein als unverheirateten Paaren – wobei es keine Rolle spielte, ob ein Ehepaar Kinder hatte oder nicht. Anders als unverheiratete Paare profitier(t)en beispielsweise verheiratete Paare von Begünstigungen wie dem Ehegattensplitting, der gemeinsamen Veranlagung zur Einkommensteuer. Diese steuerliche Regelung war und ist vor allem für solche Ehepaare von Vorteil, in denen ein Partner – de facto meist der Mann – das gesamte oder den Großteil des Einkommens erwirtschaftet(e).

Jedoch entsprach eine solche Konstellation eher der west- als der ostdeutschen Lebensrealität: Hier ging die weibliche Erwerbsquote nach 1989/90 wegen der schlechten Lage am Arbeitsmarkt zwar zurück, blieb aber dennoch (etwas) höher als in Westdeutschland. Beispielsweise waren im Jahr 1991 54,3 Prozent der Frauen in Westdeutschland und 66,2 Prozent der Frauen in Ostdeutschland berufstätig. 1995 lagen diese Werte bei 54,4 Prozent beziehungsweise 57,5 Prozent.[18] Noch deutlichere und persistentere Unterschiede ergaben sich bei der Müttererwerbstätigkeit: Während ein Kind für Frauen im Westen häufig ein Grund war, keiner Erwerbstätigkeit mehr nachzugehen oder in Teilzeit zu arbeiten, war dies bei Frauen im Osten viel seltener der Fall. Selbst im Jahr 2000 waren diese unterschiedlichen Erwerbsmuster statistisch noch klar nachweisbar: In diesem Jahr lag die Müttererwerbsquote in Ostdeutschland bei 71 Prozent, wobei 75 Prozent der erwerbstätigen Mütter Vollzeit arbeiteten. In Westdeutschland lag der Anteil erwerbstätiger Mütter bei 49 Prozent, von denen 35 Prozent einer Vollzeitbeschäftigung nachgingen.[19] Ihre größere wirtschaftliche Unabhängigkeit bedeutete für viele Frauen und insbesondere für viele Mütter im Osten Deutschlands, dass eine Eheschließung im neuen Sozialsystem nur wenige materielle Vorteile mit sich brachte – zumal alte Vorteile wie beispielsweise die in der DDR üblichen Ehekredite verschwunden waren.

Fazit

Alles in allem wurde das demographische Muster der Nichtehelichkeit, welches schon zu DDR-Zeiten bestanden hatte, auch nach 1989/90 weitergeführt. Jedoch wurde dieses „alte“ Muster einem Transformationsprozess unterzogen. Die Tendenz zur Vorehelichkeit wandelte sich schrittweise in eine eigene, von der westdeutschen Entwicklung abweichende Tendenz zur Nichtehelichkeit. Anders als in der zeitgenössischen sozialwissenschaftlichen Forschung erwartet worden war, fand also keine einseitige Anpassung von in der DDR geprägten Wert- und Verhaltensmustern an ihre bundesdeutschen Pendants statt.

In vielerlei Hinsicht gab es in Deutschland auch nach 1989/90 noch gesellschaftliche Unterschiede: Im Osten Deutschlands spielte das für den Westen noch eher typische traditionelle Familienmodell eine deutlich geringere Rolle. Ein Beleg dafür ist zum Beispiel die stärkere Verbreitung und Akzeptanz außerhäuslicher Kinderbetreuung – in der Regel ganztägig und auch für Kinder unter drei Jahren. Ein weiterer Beleg ist der größere Anteil permanenter nichtehelicher Lebensgemeinschaften, insbesondere auch mit Kindern. Abgesehen davon darf aber nicht vergessen werden, dass die Ehe in den 1990er-Jahren die dominante Form der Paarbeziehung in beiden Teilen Deutschlands blieb – zumindest dann, wenn man alle Altersgruppen in der Bevölkerung betrachtet. So lebten im Jahr 1999 ungefähr 39 Millionen Deutsche als Ehepaare zusammen, während nur ungefähr zwei Millionen Deutsche in einer nichtehelichen Lebensgemeinschaft lebten.[20]

Zitierweise: Eva Schäffler, "Ein „eigener“ Weg der Paarbeziehungen: Nichtehelichkeit in der späten DDR und in Ostdeutschland", in: Deutschland Archiv, 16.4.2021, Link: www.bpb.de/331533

Fußnoten

1.
Zu diesen Eheschulen, aber auch zu den nichtehelichen Beziehungen vgl. ausführlich: Eva Schäffler, Paarbeziehungen in Ostdeutschland. Auf dem Weg vom Real- zum Postsozialismus (Studien zur Sozial- und Wirtschaftsgeschichte Ostmitteleuropas, Bd. 25), Wiesbaden 2017.
2.
Statistisches Bundesamt, Bevölkerung und Erwerbstätigkeit. Zusammenfassende Übersichten Eheschließungen, Geborene und Gestorbene, Wiesbaden 2020, S. 7.
3.
Verschiedene Scheidungsstatistiken der Staatlichen Zentralverwaltung für Statistik, in: Bundesarchiv (BArch), DE 2 30836, 20037, 20427, 20908, 21020.
4.
Amt für Jugendfragen, Zentralinstitut für Jugendforschung, Lebensgemeinschaften, Gedanken – Thesen – empirische Ergebnisse, 1985, in: BArch, DC 4 521, S. 2.
5.
Jutta Gysi, Frau und Familie, in: Gunnar Winkler (Hg.), Frauenreport '90, Berlin 1990, S. 112.
6.
Im Vergleich dazu lag die Nichtehelichenquote in der Bundesrepublik 1970 bei 5,5 Prozent und 1980 bei 7,6 Prozent (Johannes Huinink/Dirk Konietzka, Familiensoziologie. Eine Einführung, Frankfurt/Main 2007, S. 86.).
7.
Ministerium für Gesundheitswesen, Hauptabteilung Medizinische Betreuung, Abteilung Mutter und Kind, Konzeption zur Familienplanung und Sexualität als Teil der Familienpolitik, 1968, S. 1, in: BArch, DQ 1 26418, S. 1.
8.
Als „eigen-sinniges“ Verhalten werden gesellschaftliche Aneignungsstrategien von Herrschaft im eigenen Interesse bezeichnet. Das Konzept stammt ursprünglich aus der Alltagsgeschichte (Alf Lüdtke, Eigen-Sinn. Fabrikalltag, Arbeitererfahrungen und Politik vom Kaiserreich bis in den Faschismus, Hamburg 1993) und wurde vielfach für die Erforschung der DDR-Geschichte adaptiert (grundlegend ist hier: Thomas Lindenberger, Die Diktatur der Grenzen. Zur Einleitung, in: Thomas Lindenberger (Hg.), Herrschaft und Eigen-Sinn in der Diktatur. Studien zur Gesellschaftsgeschichte der DDR, Köln 1999, S. 13–44).
9.
Amt für Jugendfragen, Zentralinstitut für Jugendforschung, Lebensgemeinschaften (Anm. 4).
10.
László A. Vaskovics/Harald Rost, Junge Ehepaare in den alten und neuen Bundesländern – Ein Vergleich, in: Bernhard Nauck/Norbert Schneider/Angelika Tölke (Hg.), Familie und Lebensverlauf im gesellschaftlichen Umbruch, Stuttgart 1995, S. 137–153, hier S. 142.
11.
Diese Werte beziehen sich auf das Erstheiratsalter von Frauen. Das männliche Erstheiratsalter lag stets etwa zwei Jahre über dem weiblichen Erstheiratsalter (Josef Ehmer, Bevölkerungsgeschichte und Historische Demographie 1800-2000, München, S. 47; Arnd Bauerkämper, Die Sozialgeschichte der DDR, München 2005, S. 20).
12.
Zur Schock- bzw. zur Angleichungsthese vgl. z. B. Steffen Mau, Der demographische Wandel in den neuen Bundesländern. Familiengründung nach der Wende: Aufschub oder Verzicht?, in: Zeitschrift für Familienforschung 6 (1995), S. 197–220; Jürgen Dorbritz, Der demographische Wandel in Ostdeutschland - Verlauf und Erklärungsansätze, in: Zeitschrift für Bevölkerungswissenschaft 22 (1997), S. 239–268.
13.
Günter Burkart, Kohabitation und Individualisierung – Nichteheliche Paarbeziehungen im kulturellen Wandel, in: Zeitschrift für Familienforschung 3 (1991), S. 26–48, hier S. 28.
14.
Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (BiB), Nichtehelichenquote für West- und Ostdeutschland, https://www.bib.bund.de/DE/Fakten/Fakt/F05-Nichtehelichenquote-West-Ost-ab-1946.html, letzter Zugriff am 25.3.2021.
15.
Evelyn Grünheid, Überblick über die demographische Entwicklung in West- und Ostdeutschland von 1990 bis 2004, in: Insa Cassens/Marc Luy/Rembrandt Scholz (Hg.), Die Bevölkerung in Ost- und Westdeutschland. Demografische, gesellschaftliche und wirtschaftliche Entwicklungen seit der Wende, Wiesbaden 2009, S. 12–47, hier S. 42.
16.
Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (BiB), Nichtehelichenquote für West- und Ostdeutschland.
17.
Eine solche Studie ist z. B. GESIS – Leibniz-Institut für Sozialwissenschaften, ALLBUS Basisumfrage 1991, Variable Report, Köln 2014.
18.
Statistisches Bundesamt, Erwerbstätigenquoten 1991 bis 2019, https://www.destatis.de/DE/Themen/Arbeit/Arbeitsmarkt/Erwerbstaetigkeit/Tabellen/erwerbstaetigenquoten-gebietsstand-geschlecht-altergruppe-mikrozensus.html, letzter Zugriff am 31.3.2021.
19.
Gitta Scheller, Ostdeutsche Ehen und Familien im Spannungsfeld zwischen Entstaatlichung, neuen Aufgaben und Abhängigkeiten, in: Jutta Allmendinger (Hg.), Entstaatlichung und soziale Sicherheit, Opladen 2003, S. 852–868, hier S. 858 f.
20.
Ehmer, Bevölkerungsgeschichte (Anm. 11), S. 51.
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