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Vor 40 Jahren. Matthias Domaschk - das abrupte Ende eines ungelebten Lebens

Deutschland Archiv Neu im DA Schwerpunkte Zeitenwende? Der Ukrainekrieg und die Folgen. 42 Analysen & Essays. Was riskieren wir? Ein Sommer der Unentschlossenheit Sieben Monate Krieg Die Waffen nieder? Ungleiche Fluchten? Schwerter allein sind zu wenig „Russland wird sich nach Putin ändern“ Die be(un)ruhigende Alltäglichkeit des Totalitären Vergessene Bomben aus Deutschland Putins Mimikry Schon einmal Vernichtungskrieg Verhandeln, aber wie? Das sterbende russländische Imperium und sein deutscher Helfer Was lief schief seit dem Ende des Kalten Krieges? „Sie haben die Zukunft zerbrochen“ Vertreibung ist auch eine Waffe "Wie ich Putin traf und er mich das Fürchten lehrte" "Wir bewundern sie und sie verschwinden" Mehr Willkommensklassen! Hoffen auf einen russischen „Nürnberger Prozess“ Russische Kriegskontinuitäten Wurzeln einer unabhängigen Ukraine Der erschütterte Fortschritts-Optimismus "Leider haben wir uns alle geirrt" Die Hoffnung auf eine gesamteuropäische Friedens- und Sicherheitsarchitektur nicht aufgeben „Ihr Völker der Welt“ Das erste Opfer im Krieg ist die Wahrheit China und die „Taiwanfrage“ Transformation und Deutsche Einheit Die sozialpsychologische Seite der Zukunft Zwölf Thesen zu Wirtschaftsumbau und Treuhandanstalt Die andere Geschichte der Umbruchjahre – alternative Ideen und Projekte 30 Jahre nach Rostock-Lichtenhagen Wiedervereinigt auf dem Rücken von Migranten und Migrantinnen? Film ohne Auftrag - Perspektiven, die ausgegrenzt und unterschlagen wurden Geheimdienste, „Zürcher Modell“ und „Länderspiel“ 50 Jahre Grundlagenvertrag Drei Kanzler und die DDR Populismus in Ost und West Akzeptanz der repräsentativen Demokratie in Ostdeutschland Zusammen in Feindseligkeit? Neuauflage "(Ost)Deutschlands Weg" Ostdeutsche Frakturen Geschichtspolitik von oben? Anpassungsprozess der ostdeutschen Landwirtschaft Daniela Dahn: TAMTAM und TABU Wege, die wir gingen „Der Ort, aus dem ich komme, heißt Dunkeldeutschland” Unternehmerischer Habitus von Ostdeutschen Teuer erkauftes Alltagswissen Trotz allem im Zeitplan Revolution ohne souveränen historischen Träger Mehr Frauenrechte und Parität Lange Geschichte der „Wende“ Eine Generation nach der ersten freien Volkskammerwahl Unter ostdeutschen Dächern Die de Maizières: Arbeit für die Einheit Schulzeit während der „Wende” Deutschland – Namibia Im Gespräch: Bahr und Ensikat Gorbatschows Friedliche Revolution "Der Schlüssel lag bei uns" "Vereinigungsbedingte Inventur" "Es gab kein Drehbuch" "Mensch sein, Mensch bleiben" Antrag auf Staatsferne Alt im Westen - Neu im Osten Die Deutsche Zweiheit „Ein echtes Arbeitsparlament“ Corona zeigt gesellschaftliche Schwächen Widersprüchliche Vereinigungsbilanz Schule der Demokratie Warten auf das Abschlusszeugnis Brief an meine Enkel Putins Dienstausweis im Stasi-Archiv Preis der Einheit Glücksstunde mit Makeln Emotional aufgeladenes Parlament Geht alle Macht vom Volke aus? Deutschland einig Vaterland 2:2 gegen den Bundestag "Nicht förderungswürdig" Demokratie offen halten Standpunkte bewahren - trotz Brüchen Die ostdeutsche Erfahrung Kaum Posten für den Osten Braune Wurzeln Wer beherrscht den Osten „Nicht mehr mitspielen zu dürfen, ist hart.“ Ein Ost-West-Dialog in Briefen Stadtumbau Ost Ostdeutschland bei der Regierungsbildung 2017 Die neue Zweiklassengesellschaft DDR-Eishockey im Wiedervereinigungsprozess Die SPD (West) und die deutsche Einheit Die Runden Tische 1989/90 in der DDR Die Wandlung der VdgB zum Bauernverband 1990 Transatlantische Medienperspektiven auf die Treuhandanstalt Transformation ostdeutscher Genossenschaftsbanken Demografische Entwicklung in Deutschland seit 1990 Parteien und Parteienwettbewerb in West- und Ostdeutschland Hertha BSC und der 1. FC Union vor und nach 1990 25 Jahre nach der Wiedervereinigung Ostdeutsches Industriedesign im Transformationsprozess Wende und Vereinigung im deutschen Radsport Wende und Vereinigung im deutschen Radsport (II) Kuratorium für einen demokratisch verfassten Bund deutscher Länder Europäische Union als Voraussetzung für deutschen Gesamtstaat Welche Zukunft braucht Deutschlands Zukunftszentrum? Ein Plädoyer. 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Vor 40 Jahren. Matthias Domaschk - das abrupte Ende eines ungelebten Lebens

Henning Pietzsch

/ 20 Minuten zu lesen

Ein Tod, der bis heute Raum für viele Spekulationen lässt. Am 12. April 1981 starb der 23 Jahre alte Matthias Domaschk in Geraer Stasihaft. Unabhängig von der möglichen Einzelschuld beteiligter MfS-Mitarbeiter bleibt die Gesamtschuld eines politischen Systems.

Starb mit 23 Jahren in der Untersuchungshaft: Der Jenenser Bürgerrechtler Matthias Domaschk (© KONTRASTE, Rundfunk Berlin-Brandenburg)

Matthias Domaschk wurde am 12. Juni 1957 in Görlitz geboren. Er kam am 12. April 1981 im Alter von 23 Jahren in der Untersuchungshaftanstalt des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) Gera zu Tode. Angeblich durch Suizid, aber endgültig geklärt werden konnte das bislang nicht. Die Geschichte von Matthias Domaschk ist ein exemplarisches Beispiel für ein Leben in der "proletarischen Diktatur der Arbeiterklasse" im Spannungsfeld zwischen der Suche nach einem selbstbestimmten Leben und politisch motivierter Fremdbestimmung im Namen einer Ideologie.

Ein Zeitsprung 40 Jahre zurück

Am 10. April 1981 fuhren die beiden Jenaer Freunde Peter Rösch und Matthias Domaschk ("Matz") gemeinsam mit dem Zug nach Ost-Berlin, der Hauptstadt der DDR. Ihr Ziel, eine Einweihungs- beziehungsweise Geburtstagsfeier in einer von Freunden in Ost-Berlin besetzten Wohnung. Doch dort kamen sie nicht an. In Jüterbog wurden sie von der DDR-Transportpolizei aus dem Zug geholt und einer stundenlangen Befragung unterzogen. Grundlage ihrer Festsetzung war ein Stasi-Auftrag an die Transportpolizei, "daß verhindert werden muß, daß diese Personen in die Hauptstadt gelangen". Die DDR-Geheimpolizei Stasi als "Schild und Schwert" der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED) fürchtete, dass die jungen Leute, die das MfS wegen "Kontakten zu politisch-negativen Personen in Jena unter operativer Kontrolle" hielt, gegen den X. Parteitag der SED in Ost-Berlin demonstrieren könnten. Eine Überprüfung ihrer Gepäckstücke ergab aber "keine operative Bedeutsamkeit". Dennoch wurde ihre "Rückführung" beschlossen.

Information des "Operativen Einsatzstabs" (OES) des MfS Gera vom 10. April 1981 (Ausschnitt). (© BStU, MfS_BV-Gera_AP_Nr-1097-81_Bl-012)

Am Abend des 11. April transportierten Mitarbeiter der Staatssicherheit die beiden von Jüterbog nach Gera in die Untersuchungshaftanstalt des Bezirks, wo sie erneut verhört wurden - fast 13 Stunden am Stück. Erst am Mittag des 12. April eröffneten ihnen laut Unterlagen der Staatssicherheit dortige Beschäftigte, dass sie gegen frühen Nachmittag nach Jena entlassen würden. Aber nur einer kam raus, der andere zu Tode. Anschließend stand die Behauptung im Raum, Matthias Domaschk habe am 12. April 1981 kurz vor seiner Entlassung im "Besucherraum 121" der Untersuchungshaftanstalt in der Zeit zwischen 14:00 und 14:30 Uhr Suizid begangen.

Bleibende Zweifel

Bis heute zweifeln Angehörige und Freunde an der These einer Selbsttötung. Der Versuch zwischen 1990 und 1994, die Todesumstände juristisch zu ermitteln, scheiterte. Die damals zuständige Staatsanwaltschaft stellte 1994 fest: „Die umfangreichen Ermittlungen haben keinen Hinweis darauf erbracht, dass es sich im Fall des Matthias Domaschk nicht um eine Selbsttötung gehandelt hat.“

Die überlieferten Dokumente der Staatssicherheit gelten seit ihrer Entdeckung als einzige Quelle. Ihnen zu misstrauen war Anlass, 2015 den Hergang in der Untersuchungshaftanstalt Gera und die Umstände des Todes von Matthias Domaschk erneut zu untersuchen. Das Land Thüringen setzte auf Anregung von Domaschks seinerzeitigen Freundin Renate Ellmenreich eine unabhängige Arbeitsgruppe ein, die die Vorgänge in der Untersuchungshaftanstalt prüfen sollte. Federführend wurde die Arbeitsgruppe von der Thüringer Staatskanzlei unterstützt und begleitet. Der Rechtsanwalt Wolfgang Loukidis erwies sich als besonderer Motor der Arbeitsgruppe, zumal er einige wichtige Zeitzeugen beibrachte.

Die Ausgangslage war komplex. Zahleiche Indizien lagen vor. Vermutungen zirkulierten seit Jahren. Indizien und Vermutungen spiegelten nicht nur den Mangel an seriösen Quellen. Sie zeigten deutlich auf, dass vieles ungereimt war und blieb, besonders mit Blick auf die Quellen des MfS. 2004 kam der Thüringer Jugendpfarrer Walter Schilling im Rahmen einer Filmdokumentation deshalb zu dem Schluss: „Fragt erst einmal nicht, wie er gestorben ist. Fragt, wo er gestorben ist. Und das ist in der Untersuchungshaftanstalt in Gera gewesen. Und fragt, wer dafür verantwortlich ist. Das waren die Stasimitarbeiter. Und da liegt euer Zorn richtig!“

Renate Ellmenreich (Lebenspartnerin von Matthias Domaschk), Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Die Linke) und Henning Pietzsch (Mitglied der Arbeitsgruppe und Autor dieses Beitrags) am 13. August 2019 bei einer Pressekonferenz in Erfurt (Thüringen) über die Ergebnisse der "Arbeitsgruppe Tod von Matthias Domaschk". (© picture-alliance/dpa, arifoto UG)

Renate Ellmenreich, die ehemalige Lebensgefährtin von Matthias Domaschk, drückte es 2019 auf einer Pressekonferenz zum Abschlussbericht der Arbeitsgruppe in Erfurt so aus:

Natürlich wäre es mir am liebsten, die beteiligten MfS-Offiziere würden endlich reden. Mit mir oder Herrn Ramelow, oder mit wem auch immer, und die, die die Wahrheit kennen, die sie bisher verschwiegen haben, offenlegen. Die wissen es doch, ja, die dabei waren. Es gibt vier verschiedene Leute, die vor der Staatsanwaltschaft behauptet haben, ich war der erste, der ihn (Domaschk , d.A.) abgehängt hat. Also war es ein Gerangel? Und ich würde gern lieber wissen, wer hat ihn denn aufgehängt?!“

Roland Jahn , der Matthias Domaschk persönlich kannte und mit ihm befreundet war, ergänzte:

Der ehemalige Jenenser Bürgerrechtler (und noch bis Juni 2021 amtierende Bundesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen), Roland Jahn, am Grab des 1981 in Geraer Stasi-Haft zu Tode gekommenen Matthias Domaschk. (© Holger Kulick)

„Für mich kann man aus den Erkenntnissen der Arbeitsgruppe hier keine klaren Schlüsse ziehen. Es ist aber wichtig, dass die Widersprüche, die von der Arbeitsgruppe aufgezeigt worden sind, weiter aufgekärt werden. Dabei ist es immer wichtig, als Journalist, als Arbeitsgruppe, als Wissenschaftler, Quellenkritik zu üben, und dann natürlich durch Zeitzeugenbefragungen versuchen, das Bild abzurunden. Aber ich bin immer eher dafür, hier zu sagen, es ist jemand unter ungeklärten Umständen zu Tode gekommen als voreilig Thesen aufzustellen, für die es keine Belege gibt.“

Belege sind wesentliche Erkenntnisse, die den konkreten Hergang der Ereignisse in der Untersuchungshaftanstalt Gera dokumentieren. Das kann durch Dokumente verschiedenster Art geschehen oder durch Zeitzeugen, also Personen, die mittelbar oder unmittelbar in das damalige Geschehen einbezogen und Handelnde waren. Weder die überlieferte Vorgangsakte zum Tod von Matthias Domaschk noch damals handelnde Personen können und konnten bisher dazu beitragen, eine Eindeutigkeit über die konkreten Vorgänge am 12. April 1981 in der MfS-Untersuchungshaftanstalt Gera herzustellen. Dies nährt die anhaltenden Zweifel seiner Freunde und Familie, vor allem vor dem Hintergrund seines Engagements im damals oppositionellen Netzwerk von Jena im Rahmen der kirchlichen Jugendarbeit. Zahlreiche Akteure waren operatives Ziel des MfS.

Die 2015 von der Thüringer Staatskanzlei unter Schirmherrschaft des Ministerpräsidenten Bodo Ramelow eingesetzte Arbeitsgruppe machte es sich zur Aufgabe, alle noch verfügbaren Quellen und Zeitzeugnisse zu finden und heranzuziehen, um die Ungewissheit der Todesumstände zu klären. Es war nicht Ziel, eine erneute juristische Verfolgung daraus abzuleiten. Die unmittelbar beteiligten MfS-Mitarbeiter wurden im Jahr 2000 wegen Freiheitsberaubung mit Strafbefehlen belegt. Ziel der Arbeitsgruppe war die Ermittlung belegbarer Widersprüche in den Dokumenten, um eine Rekonstruktion der Ereignisse zu ermöglichen. Neben überlieferten Dokumenten des MfS wurden Akten der Jenaer Pathologie ausgewertet. Auch die Akten der juristischen Ermittlungsverfahren zwischen 1989 und 1999 wurden gesichtet und ausgewertet. Darüber hinaus konnten zahlreiche Zeitzeugen befragt werden.

Unglaubwürdige MfS-Akten

Nicht überraschend war, dass bereits angestellte Vermutungen über die Nichtglaubwürdigkeit der MfS-Akten schnell herausgearbeitet werden konnten. Die Protokolle des MfS zu den konkreten Abläufen innerhalb der Untersuchungshaftanstalt sind nicht nur widersprüchlich, sie wurden teilweise nachweislich verändert oder manipuliert. Das beginnt mit den Bewegungsprofilen der namentlich beteiligten MfS-Mitarbeiter, zum Ereignisort generell, zur kriminaltechnischen wie pathologischen Untersuchung, sowie zur Frage nach der Echtheit einer Verpflichtungserklärung von Matthias Domaschk zur konspirativen Zusammenarbeit mit dem MfS, datiert vom 12.4.1981, also unmittelbar vor seinem protokollierten Tod. Derlei Dokumente waren nicht für die Öffentlichkeit bestimmt. Sie dienten der internen Darstellung in Verantwortlichkeit gegenüber der eigenen wie übergeordneten Dienststelle. Es muss auch davon ausgegangen werden, dass das MfS in dieser Zeit kein operatives oder politisches Interesse an einem derartigen „Vorfall“ in einem seiner Häuser hatte.

Die ehemalige MfS-Zentrale in Gera mit ihrer Untersuchungshaftanstalt, der Eingang zu Wache 4. (© BStU Gera KD)

Fest steht aus heutiger Erkenntnis: Die Mitarbeiter des MfS widersprachen sich in den staatsanwaltschaftlichen Vernehmungen in den Jahren 1991 bis 1992 erheblich in Bezug auf ihre jeweilige Beteiligung und die durchgeführten Handlungen. Der Ereignisort, an dem Matthias Domaschk zu Tode gekommen sein soll, konnte im Abgleich mit Bauunterlagen des MfS nicht verifiziert werden. Die MfS-Dokumente zum Suizid erwähnen stets einen „Besucherraum 121“ als Ereignisort. In den Bauunterlagen war dieser „Raum“ aber das Treppenhaus. Der so genannte Besucherraum firmierte unter der Raumnummer 124 und war über alle Etagen des Hauses so durchnummeriert. Die Heizungsrohre in dem angeführten Raum unterhalb der Decke, wo sich Matthias Domaschk erhängt haben soll, wiesen nach dem Bildbericht des MfS eindeutig zu erkennende Wischspuren auf, die nicht zum Tatwerkzeug, dem angeblich verknoteten Hemd von Matthias Domaschk, passten. Breite, Anlage und Verteilung der Wischspuren konnten nicht von einem Hemd stammen.

Die MfS-Mitarbeiter der kriminaltechnischen Abteilung hielten in ihrem Protokoll lediglich fest, der Tatort sei verändert vorgefunden worden. Die Leiche des Domaschk lag mit freiem Oberkörper auf dem Rücken am Boden – und das bereits vor dem Eintreffen der Kriminaltechniker und nachdem Matthias Domaschk von MfS-Mitarbeitern vom Heizungsrohr abgenommen worden sein soll.

Das kriminaltechnische Protokoll wurde zudem eine Woche später angefertigt und rückdatiert. Auch eine Manipulation des Totenscheines ist nicht auszuschließen, darin reihen sich Widersprüche um Widersprüche aneinander. Fest steht auch, er wurde nicht vor Ort erstellt. Dort erfolgte am 12. April 1981 um 16 Uhr nur ein handschriftlicher Eintrag mit Unterschrift eines Geraer Facharztes für Allgemeinmedizin, der ankreuzte "nichtnatürliche Todesursache".

Der weitgehend vom MfS ausgefüllte Totenschein Matthias Domaschks vom 13.4.1981 (© BStU Gera KD)

Nach der offiziellen Obduktion des Leichnams am 13. April 1981 in Jena wurden von MfS-Mitarbeitern maschinenschriftliche Eintragungen zur Todesursache vorgenommen, die rechtlich verschieden interpretierbare Schlussfolgerungen zulassen („Äußere Ursache: Selbstmord durch Erhängen“, „Feststellung bei der Leichenschau: Traumatische Strangulation“, „Ergebnis der Autopsie: Erhängen“). Diese Einträge stammten nicht von dem unterzeichnenden Oberarzt namens "Disse", sondern von den Mitarbeitern des MfS. Dr. Disse aus Jena unterschrieb lediglich das Formular, so wie zuvor der Allgemeinarzt Dr. Hagner. Das bestätigte Dr. Disse später in einem Zeitzeugengespräch. Er selbst habe nie von "Erhängen" sondern stets nur neutral von "Strangulation" gesprochen. Dies sei in seinem Obduktionsbericht auch so festgestellt, was belegt ist.

Offen blieb der Nachweis dafür, ob es bereits am 12. April 1981 eine Erstobduktion im Waldkrankenhaus in Gera gab. Hinweise und Zeitzeugenaussagen lassen dies nach wie vor vermuten, aber nicht eindeutig belegen. Daraus abzuleiten ist, dass die Unterlagen des MfS in ihrer Glaubwürdigkeit gering einzuschätzen sind. Sie dienten der dienstlichen Vergewisserung in Verantwortung gegenüber den Dienststellen beziehungsweise der Hauptabteilung XX/4 des MfS in Ost-Berlin. Die Handlungen der beteiligten Personen konnten teilweise rekonstruiert werden.

Der mögliche Tatort. Der so genannte Besucheraum 121 - im Bauplan von 1976 Raum 124. (© BStU Gera KD)

Umstritten bleibt auch, ob und wenn ja, warum Matthias Domaschk am 12.4.1981 eine schriftliche Verpflichtungserklärung gegenüber dem MfS abgegeben haben soll, verfasst in säuberlicher Handschrift ohne jedes Anzeichen von Nervosität oder Erschöpfung nach 13 Stunden Verhör. Die Protokolle zu angeblich gemachten Aussagen von Matthias Domaschk gegenüber den Vernehmern der Abteilung IX der Untersuchungshaftanstalt Gera ergaben jedenfalls keinen eindeutigen Beleg dafür, dass das Dokument zwingend von Matthias Domaschk stammen muss. Ein Schriftgutachten im Rahmen der staatsanwaltlichen Untersuchung stellte fest, dass die Handschrift in der Verpflichtungserklärung sehr wohl von Matthias Domaschk stammen könne. Andererseits sei es aber genauso möglich, dass das Dokument nachträglich erstellt worden ist. Technisch wäre dies durchführbar gewesen.

Das Ergebnis des Schriftgutachtens war daher konkret unkonkret. Es attestierte ein Sowohl-als-auch. Das trifft auch auf das etwa zeitgleich angefertigte so genannte Rohrgutachten zu. Als der Hauskomplex der Untersuchungshaftanstalt noch existierte, wurde ein Gutachten ausgearbeitet, ob die in Frage kommenden Heizungsrohre eine Person wie Matthias Domaschk tragen und als geeignet eingeordnet werden könnten, um einen Suizid in der vom MfS genannten Weise umzusetzen. Die Gutachter besichtigten den Ort, maßen die Höhe des angenommenen Fallweges, die Belastbarkeit der Rohre und testeten deren Tragekraft. Sie kamen zu dem Schluss, dass das betreffende Rohr die Durchführung eines Suizids erlaubt habe. Noch sichtbare Staubrillen in Übereinstimmung mit den 1981 angefertigten Fotos vom Ereignisort wurden jedoch nicht in Bezug gesetzt, was die Möglichkeit einer Strangulation in Zweifel hätte ziehen müssen.

Schon die kriminaltechnische Untersuchung der Mitarbeiter des MfS am 12. April 1981 zeigte erhebliche Defizite auf. Nicht nur, wie oben erwähnt, dass der Ereignisort verändert vorgefunden wurde. Die Leiche wurde nur aus einer Sichtposition fotografiert, nämlich von oben in Richtung rechts des Körpers, der bereits mit dem Rücken auf dem Boden lag. Der eintreffende Arzt, der den Tod bescheinigen sollte, erhob seinerseits keine Zweifel an der von den MfS-Mitarbeitern angegeben Todesursache. Weder im Totenschein noch im kriminaltechnischen Bericht werden zum Beispiel. Hämatome, Einnässung oder eine konkrete Beurteilung der Strangmarke vorgetragen. Eine Sicherung von Materialien oder Spuren, beispielsweise Stoffresten am Hals oder am betreffenden Rohr, wurde nicht mal in Erwägung gezogen. Offensichtlich glaubten die eintreffenden Kriminaltechniker wie auch der den Tod feststellende Arzt ohne weitere Detailkenntnisse und Untersuchung, was ihnen die MfS-Mitarbeiter vortrugen.

Undurchschaubare Zeitabläufe

Die Dokumente der kriminaltechnischen Untersuchung, die gerichtsmedizinische Untersuchung des toten Matthias Domaschk sowie die Handlungen und Handlungsorte der Beteiligten stimmen in ihren zeitlichen Abläufen wie konkreten Handlungen nicht miteinander überein. Sie weisen im Gegenteil erhebliche Mängel sowie offenkundige Manipulationen auf. Um diese Widersprüche aufzuklären, reichte es der Arbeitsgruppe nicht, Strukturen, Verfahrensweisen und normative Vorgaben des MfS zu erschließen. Deshalb war die Suche nach aussagewilligen Zeugen ein zweiter wesentlicher Schritt, um Erkenntnisse über die Ereignisse in der Untersuchungshaftanstalt zu erlangen. Das gestaltete sich erwartungsgemäß schwierig.

Neben den ermittelten Hauptverantwortlichen waren vor allem jene Personen von Interesse, die zwar nicht unmittelbar, aber durch ihre Aufgabe innerhalb oder außerhalb des MfS mit diesem „Fall“ zu tun hatten und/oder zumindest entscheidende Kenntnisse darüber haben konnten.

Lageplan der Stasi-Untersuchungshaftanstalt Gera. (© BStU Gera KD)

Personalakten der damaligen MfS-Mitarbeiter, Dienstbücher sowie Protokolle von Dienstbesprechungen wurden ausfindig gemacht und ausgewertet. Die Personalakten sollten nicht nur den Werdegang, sondern vor allem die Glaubwürdigkeit der beteiligten MfS-Leute in ihren Aussagen gegenüber der Staatsanwaltschaft widerspiegeln. Die Dienstbücher und die Protokolle der Dienstbesprechungen waren für einen Abgleich dessen nützlich, was über die Vorgänge in der Untersuchungshaftanstalt innerhalb des MfS und außerhalb der so genannten Todesakte von Matthias Domaschk in den beteiligten Diensteinheiten des MfS kommuniziert wurde.

Streit in den Reihen des MfS?

Auffällig war dabei, dass sich dort nicht ein einziger Eintrag zu dem doch außergewöhnlichen Ereignis finden ließ. Das ist um so bemerkenswerter, da es gegenüber der Staatsanwaltschaft mindestens zwei Aussagen gab, die einen anderen Eindruck vermittelten. Danach sei es zu Auseinandersetzungen innerhalb der beteiligten Jenaer Diensteinheit gekommen. Zwei Beteiligte, der damalige Referatsleiter der verantwortlichen Diensteinheit, Peter Urbansky, Hauptmann der Abt. XX/4 der Kreisdienststelle (KD) Jena, und Roland Mähler, Leutnant, Vernehmer der Abt. XX/4 der KD Jena, rückten dabei ins Zentrum des Interesses. Der Referatsleiter und der Mitarbeiter "Operativ", beide an jenem Wochenende nicht im Dienst, mussten die Diensteinheit ein Jahr später verlassen.

Es gab innerhalb der Einheit gegen Beide erhebliche dienstliche Beschwerden, ausgelöst vom letzten Vernehmer von Matthias Domaschk am 12. April 1981 in Gera, Horst-Henno Köhler, Hauptmann und stellvertretender Referatsleiter der Abt. XX/4 der KD Jena. Köhler arbeitete unter Peter Urbansky, Roland Mähler war Kollege. Mähler arbeitete zuletzt belastendes Material zur Person Matthias Domaschk heraus. Danach stand ein vermeintlicher Terrorverdacht im Raum durch angebliche Äußerungen von Matthias Domaschk über die italienische Terrorgruppe „Rote Brigaden“. Sie und ihre Methoden des politischen Kampfes soll er bei einem privaten Treffen mit anderen Personen als Vorbild bezeichnet und deren Handlungen befürwortet haben. Bewiesen war das nicht. Beteiligte des angeblichen Gesprächs widersprachen später dieser Darstellung vehement. Roland Mähler verließ das MfS 1982 freiwillig. Peter Urbansky wurde in eine andere Abteilung des MfS versetzt, wo er bis Ende 1989 unauffällig weiter seinen Dienst versah.

Recherchen der Berliner Aufarbeitungs-Zeitschrift "Horch und Guck" aus dem Jahr 2003 über möglicherweise involvierte MfS-Mitarbeiter aus Gera und Jena im Fall Matthias Domaschk 1981.

Horst-Henno Köhler stieg dagegen 1983 parallel zu den vorgenannten Ereignissen zum Referatsleiter der Abteilung XX/4 der KD Jena auf und gehörte der so genannten Kaderreserve des MfS an. 1984 erfolgte seine Beförderung zum Major. Er ist bis heute diejenige Person, auf die sich der Verdacht einer direkten oder indirekten Mitwirkung am Tod von Matthias Domaschk richtet. 1985 wechselte er zur Hauptabteilung XX des MfS in Ost-Berlin als Offizier für Sonderaufgaben. 1987 wurde er dort erneut Referatsleiter. Nach den Ereignissen im April 1981 erhielt er mehrere Geldprämien und Auszeichnungen für seine langjährige MfS-Zugehörigkeit sowie seine vorbildliche Arbeit „bei der Bekämpfung des Klassenfeindes“. Peter Urbansky und Roland Mähler hätten mehr über die Vorgänge erzählen können. Sie können oder wollen es bis heute nicht.

Keine interne Untersuchung?

Eine interne Untersuchung des MfS über die Vorgänge in der Untersuchungshaftanstalt Gera scheint es nicht gegeben zu haben. Wenn doch, wurden die Dokumente vermutlich vernichtet. Zu vermuten ist das, weil die internen Auseinandersetzungen über das „Vorkommnis“ belegt sind und die überlieferte MfS-Todesakte untypisch gering in ihrem Umfang ausfällt.

2018 entschloss sich die Arbeitsgruppe, die Dokumente der kriminaltechnischen Untersuchung, zur Pathologie und den Totenschein anhand der überlieferten Fotos noch einmal fachlich prüfen zu lassen. Dafür konnte der renommierte Pathologe der Berliner Charité, Prof. Michael Tsokos, gewonnen werden. Anhand der ihm vorliegenden Dokumente des MfS sollte er eine unabhängige Begutachtung und Einschätzung vornehmen. In seinem Schreiben vom 18. Mai 2018 kam er zu dem Ergebnis:

„Zusammenfassend ergeben sich aus rechtsmedizinischer Sicht an der Todesursache Erhängen einige Zweifel. Als weiterer todesursächlicher Mechanismus kommt eine andere Form der Strangulation in Betracht, nämlich ein Erdrosseln von hinten. Ausweislich der fotografischen Befunde fand sich eine Strangmarke (Drosselmarke?) an der Halsvorderseite, die leicht zum Nacken hin anstieg und sich dort verlor. Eine solche Strangmarke kann ebenso bei einem Erdrosseln (auch hierfür würde der zusammengedrehte Hemdsärmel in Betracht kommen) entstehen, wenn nämlich der Täter (der Drosselnde) hinter dem Opfer (dem Gedrosselten) steht und der Gedrosselte sich in sitzender Position mit dem Rücken zur Körpervorderseite des Drosselnden befindet. Einen ähnlichen Fall kenne ich aus meiner eigenen praktischen Erfahrung als Sachverständiger vor Gericht."

Auszüge aus der Stellungnahme des Gerichtsmediziners Prof. Tsokos der Charité vom 18. Mai 2018 zum Todesfall Domaschk

Freilich beantwortet auch diese Einlassung nicht, wie die konkreten Umstände, also der konkrete Hergang, der schließlich zum Tod von Matthias Domaschk führte, aussah. Diese Beurteilung zeigt aber auf, dass nach genauer Prüfung der überlieferten Dokumente, selbst nach so vielen Jahren, eine andere als die vom MfS vorgetragene Behauptung vom Suizid in den Raum gestellt werden kann.

Ramelow: "DDR war kein Rechtsstaat"

Bei der Vorstellung des Abschlussberichts der Arbeitsgruppe erklärte Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow 2019:

Heute kann man sagen, wir haben Zeitzeugengespräche geführt mit Menschen, wo wir nicht dachten, dass sie sich melden. […] Wir näherten uns immer mehr ein Stück weit der Erkenntnis, dass der Verdacht, den sie immer geäußert haben, liebe Frau Ellmenreich, dass es sich nicht um einen Selbstmord handelt, dass es nicht einfach nur ein Verdacht ist, sondern dass es stimmt. Und ich denke, dass das, was heute hier vorgelegt wird, auch dokumentiert, dass das nicht stimmen kann. Aber es bleibt dabei, der letzte Beweis ist uns nicht gelungen. Wir hätten ihn gerne bewiesen, wir hätten ihn gern belegt. Ich kann heute nur danke sagen. Sie haben mich mitgenommen auf eine Zeitreise, in eine Welt, die ich als Außenstehender immer nur literarisch betrachten kann. Sie haben mich in eine sehr praktische, menschliche, lebensmenschliche Reise mitgenommen, bei der deutlich wird, die DDR war kein Rechtsstaat. Der Tod von Matthias Domaschk ist einer, der für viele steht, bei dem der Machterhalt über allem anderen gestanden hat. Und deshalb darf man keine romantische Betrachtung auf die DDR haben, sondern man muss sich daran messen, dass das, was wir an Taten zu bewerten haben, der Maßstab ist.“

Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (l.) neben Renate Ellmenreich und Peter Rösch 2017 (© Pietzsch)

Diesen Aussagen von Bodo Ramelow kann man aus meiner Sicht nur folgen. In der Tat wurde nach vier Jahren erneuter Arbeit klar, dass zwar etliche „Ungereimtheiten“ in den MfS-Dokumenten weitgehend aufgeklärt werden konnten. Nicht geklärt werden konnte dagegen der exakte Ablauf der letzten Stunden von Matthias Domaschk, auch weil relevante Zeitzeugen nicht befragt werden konnten oder wollten.

Renate Ellmenreich und die gemeinsame Tochter, Julia, fordern bis heute von den ehemaligen MfS-Mitarbeitern, insbesondere vom ehemaligen MfS-Hauptmann Horst- Henno Köhler, Aufklärung darüber, wie und unter welchen konkreten Umständen Matthias Domaschk zu Tode kam. Die Anzeige gegen Unbekannt wegen des Verdachtes auf Mord wurde noch im Jahr 1989 vom Vater gestellt. Die bis 1993 andauernden staatsanwaltlichen Untersuchungen verliefen unter keinem glücklichen Stern. Zunächst wurde das Verfahren von zwei Staatsanwälten in Gera durchgeführt, die dort bereits in der DDR als Staatsanwälte tätig waren. Danach wurde das Verfahren an die Staatsanwaltschaft Erfurt abgegeben. Diese kam ohne rechtliche Bewertung zu dem Ergebnis:

„Natürlich war Matthias Domaschk das Opfer der damals in der DDR Herrschenden, er war das Opfer der Machenschaften des MfS. Streng hiervon zu trennen ist jedoch die Frage der strafrechtlichen Verantwortlichkeit, die aus heutiger rechtsstaatlicher Sicht nicht nachgewiesen werden konnte, weshalb das Ermittlungsverfahren einzustellen war.“

So hieß es 1994. 15 Jahre später konnte die eingesetzte Arbeitsgruppe immerhin anhand ihrer Untersuchung belegen, dass die Dokumente des MfS den Tathergang zweifelsfrei nicht richtig wiedergaben. Weitere Erkenntnisse haben sich seitdem leider nicht mehr ergeben.

Am 7. Januar 1992 wurde, nur wenige Tage nach der gesetzlichen Öffnung der Stasi-Personenakten, von der ehemaligen DDR-Bürgerbewegung ein weiteres Archiv vorgestellt, das seitdem das Studium von Stasiakten ermöglicht, das "Matthias Domaschk Archiv" der Robert-Havemann Gesellschaft. Hervorgegangen ist das Archiv aus der von der DDR-Opposition 1986 in zwei Kellerräumen der Zionskirche gegründeten "Umweltbibliothek". Zusammen mit ihr zog das Archiv zunächst in vier Räume in der Schliemannstraße im Prenzlauer Berg, heute befindet es sich in der Lichtenberger Normannenstraße. Das Archiv trägt bewusst den Namen von Matthias Domaschk, um an den ehemaligen Mitakteur der Jenenser Friedensbewegung zu erinnern, der 1981 unter bisher ungeklärten Umständen in Stasi-U-Haft ums Leben kam. (© picture-alliance/dpa, Klaus Franke)

Ein Symbol für den Unrechtsstaat

Nach außen ist Matthias Domaschk längst ein Symbol für das Unrecht im SED-Staat geworden. Ein Unrecht, das jeden treffen konnte. Symbolisch hat die Robert-Havemann-Gesellschaft ihre Bibliothek "Matthias-Domaschk-Archiv" genannt und auch das Thüringer Archiv für Zeitgeschichte "Matthias Domaschk" trägt seinen Namen.

Filmberichte und Bücher haben sich mit seinem Schicksal befasst, immer wieder fragend, wie die Quellen, die Erinnerungen an ihn und die Ergebnisse der Staatsanwaltschaften zwischen 1989 und 1994 einzuordnen und einzuschätzen sind. Darüber hinaus wird spekuliert, ob Matthias Domaschk eine Art Märtyrer war. Oder war er schlicht ein „ganz normaler Jugendlicher“, so, wie Hunderte andere Jugendliche insbesondere in Jena auch? War ihm ein Suizid überhaupt zuzutrauen? Womöglich als „Rache“ gegen die handelnden MfS-Mitarbeiter? Aus Verzweiflung und Ohnmacht gegenüber dem repressiven Staat? Aus Frust, sich eine Verpflichtungserklärung abgepresst haben zu lassen?

Diese und viele weitere Fragen können bis heute nur ambivalent beantwortet werden. Am ehesten nähern sich jene Beschreibungen dem Menschen Matthias Domaschk an, die aufzeigen, welche Bedeutung er als Mensch für andere Jugendliche in dieser Zeit hatte. Sie beleuchten sein Herkommen, sein politisches Engagement, seine Verzweiflung und Wut und sein konsequentes Handeln. Vor allem aber zeigen sie die Folgen seines frühen Todes auf.

Matthias Domaschk war Freund, junger Vater, politisch interessiert und engagiert, in manchen Momenten sicher auch hoffnungslos und dann auch wieder sehr mutig, wenn er konspirative Aktionen selbst unternahm oder sich daran beteiligte. Er war fürsorglich gegenüber seinen Mitmenschen, oft lustig und zutiefst poetisch, wissensdurstig. Er war ein rebellischer Geist und Zweifler, ein Mensch, der in seiner Zeit lebte und sich in Gefahr brachte, in Gefahr gebracht wurde durch die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen einer Diktatur. Sein Tod wurde so zur „Keimzelle“ von neuerlichem Engagement vieler Jugendlicher auf ihrem Weg in die Opposition gegenüber dem SED-Staat. Peter Rösch, sein Freund und Mitinhaftierter, verstarb am 17. Mai 2017. Er erlebte den Abschluss der Recherchen der Arbeitsgruppe nicht mehr. Als Freund von Matthias Domaschk hatte er nicht nur einen sehr großen Anteil an der Prägung einer potentiellen Opposition in Jena, als Betroffener hoffte er bis zum Schluss, dass die Todesumstände seines Freundes aufgeklärt werden könnten. Hass oder gar Rachegefühle gegen die Verantwortlichen im ehemaligen Ministerium für Staatssicherheit in der DDR hatte er dabei nie. Wichtig war und blieb ihm die Vergewisserung darüber, wie und warum sein Freund Matthias Domaschk starb.

Am Grab Matthias Domaschks auf dem Jenaer Nordfriedhof am 11. April 2021. (© Henning Pietzsch)

Was bleibt, ist die Gesamtschuld eines politischen Systems

Am Mittag des 11. April 2021 begingen Freunde und Familienangehörige ein stilles Gedenken auf dem Jenaer Nordfriedhof. Und am 12. April, also 40 Jahre nach Matthias Domaschks Tod, veröffentlichte die Thüringer Gedenkstätte Andreasstraße einen Externer Link: Podcast über Matthias Domaschk, zu Wort kommt darin auch Thüringens Ministerpräsident Ramelow, der Renate Ellmenreich zugleich ein persönliches Schreiben schickte:

Quellentext"Schreiendes Unrecht" - Ein Brief von Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow an Renate Ellmenreich vom 31. März 2021

Der Wortlaut:

Liebe Frau Ellmenreich,

die Mitteilung des Staatsicherheitsdienstes der DDR, dass sich Matthias Domaschk am 12. April 1981 in der Untersuchungshaft in Gera umgebracht haben soll, war für alle, die ihn kannten und machten, unfassbar. Zweifel an der Version seines Seibstmords bestanden von Anfang an und haben sich über die lange Zeit bis heute erhärtet.

Der Brief Bodo Ramelows vom 31.3.2011 zum Fall Domaschk an Renate Ellmenreich

Fest steht, Matthias Domaschk ist schreiendes Unrecht geschehen. Schreiendes Unrecht durch die SED-Diktatur, die nicht zuließ, dass sich junge Menschen von Brill und Gängelei des „Systems DDR“ frei machen wollten. Die Menschen für ihre Unangepasstheit, ihren Ungehorsam und Widerstand einen hohen Preis zahlen ließen. Im Fall von Matthias Domaschk war der Preis sein Leben.

Sie und Ihre gemeinsame Tochter Julia, Angehörige und Freunde mussten seitdem mit der quälenden Ungewissheit zu den letzten Stunden von Matthias Domaschk und der Frage nach dem Warum seines sinnlosen Todes leben lernen.

Dass mehr gegen als für einen Selbstmord spricht, hat die Arbeitsgruppe zum Tod von Matthias Domaschk, zu deren Einrichtung im März 2015 Ihr offener Brief den Anstoß gab, im Juni 2017 festgestellt. Jedoch hat sie bis heute nicht geschafft, die Mauer des Schweigens von Mitwissern, Mittätern und Tätern zu durchbrechen. Was am 12. April 1981 mit Matthias Domaschk tatsächlich geschah, wissen nur die beteiligten MfS-Offiziere, die darüber schweigen. Weil Tochter, Lebenspartnerin und Freunde ein Recht darauf haben zu wissen, was tatsächlich geschehen ist, geht die Aufarbeitung des Lebens und Todes von Matthias Domaschk weiter. Es ist wichtig, dass junge Menschen wissen, welche furchtbaren Folgen die Willkür eines allmächtigen Sicherheitsapparates haben kann und sie lernen, dass der Tod das Ergebnis eines gegen junge Menschen mit eigener Lebenskultur agierenden repressiven Staates sein kann.

Deshalb tragen in Jena eine Straße, ein Hörsaal der Friedrich-SchilIer-Univer— sität und das Thüringer Archiv für Zeitgeschichte den Namen von Matthias Domaschk. Deshalb wurden die aktuellen Untersuchungsergebnisse der Arbeitsgruppe in der Publikation von Dr. Henning Pietzsch und dem Dokumentarfilm von Tom Franke „Matthias Domaschk 2.0 — Suizid oder Mord in U-Haft 89?" im August 2019 veröffentlicht. Deshalb führt Peter Wensierski derzeit Interviews für sein Buch über das Leben und den Tod von Matthias Domaschk. Deshalb erinnert die jüngste Episode des Externer Link: Podcasts „Horchpost DDR“ an Matthias Domaschk.

Die Auseinandersetzung mit der eigenen Geschichte soll insbesondere junge Menschen zum Nachdenken über die DDR anregen und bei ihnen die Herausbildung demokratischer Werte befördern. Ich habe die Hoffnung, dass ihr Engagement und ihre Fragen bewirken, dass sich Menschen dem Gespräch nicht länger verweigern können, die am „System DDR“ beteiligt waren, und somit die Mauer des Schweigens auch im Fall Matthias Domaschk doch noch durchbrochen werden kann.

Die gemeinsame inhaltliche Arbeit von Betroffenen, zivilgesellschaftlichen Akteuren und Regierungsstellen zur Aufarbeitung der ungeklärten Todesumstände von Matthias Domaschk haben zu einer den mitmenschlichen Umgang in unserer Gesellschaft bereichernden Form einer anderen Kultur des Vertrauens geführt. Dieses Vertrauen nicht zu enttäuschen, fühle ich mich als Ministerpräsident verpflichtet.

Das Gedenken an den Tod von Matthias Domaschk vor 40 Jahren steht für die Erinnerung an die DDR und die Bewertung ihrer politischen Ordnung und gesellschaftlichen Lebensverhältnisse. Es ist wichtiger Teil einer lebendigen Demokratiearbeit, das einem wesentlich durch Stasi-Akten und öffentliche Verdrängung mitgeprägten Bild der Lebenswirklichkeit in der DDR deutlich entgegen tritt.

Herzlichst Ihr Bodo Ramelow

Quelle: Henning Pietzsch, "Interner Link: Vor 40 Jahren - Matthias Domaschk - das abrupte Ende eines ungelebten Lebens", Deutschland Archiv vom 12.4.2021

Interner Link: Downloaden

2021 wäre "Matz" 64 Jahre alt geworden und stünde kurz vor dem Eintritt in den Ruhestand. Wir wissen nicht, wie er sein Leben gelebt hätte. Was wir aber wissen, ist, dass sein Leben im Alter von 23 Jahren abrupt endete in den Händen des Staatssicherheitsdienstes der DDR.

Unabhängig von der möglichen Einzelschuld der beteiligten MfS-Mitarbeiter am Tod Matthias Domaschks bleibt die Gesamtschuld eines politischen Systems. Ein System, das seine Bürger im Namen einer heilsversprechenden Ideologie mit den Machttechniken und Machtmitteln einer autokratischen Diktatur einsperrte, bevormundete und, wo „nötig“, mit Repressionen überzog, oft genug politisch-willkürlich organisiert und motiviert. Feind war, wer anders denkt! Wer anders leben wollte, galt als "feindlich-negativ" und war Staatsfeind. All jene, die sich dem politischen System anpassten beziehungsweise anpassen konnten, lebten in einer heilen Welt der Diktatur.

Im Innenhof der Jungen Gemeinde Jena 2003 bei einem ZeitzeugInnentreffen. Die Junge Gemeinde war zu DDR-Zeiten einer der wichtigsten Treffpunkte der Jenaer Friedens- und Bürgerrechtsbewegung und wurde von der Stasi intensiv überwacht. (© bpb/Kulick)

Literatur

- Aktion Gegenschlag. BStU-Außenstelle Gera, Berlin/Gera 2013.

- Die "andere" Geschichte, So besteht nun in der Freiheit zu der uns Christus berufen hat..., Autorenkollektiv, Matthias-Domaschk-Archiv Jena im Verein Künstler für Andere, Erfurt 1993.

- Julia Batz/Martin Olaf Klause, Matthias Domaschk. Gedenkstätte Amthordurchgang e.V., Gera 2012.

- Renate Ellmenreich, Die Geschichte eines politischen Verbrechens in der DDR und die Schwierigkeiten, dasselbe aufzuklären, 2. Aufl., Erfurt 1998.

- Jürgen Fuchs, Magdalena, Berlin 1998.

- Antje Hirsch, Jugendopposition. Kirche und Legitimationsverfall der SED, Göttingen 1997.

- Gerold Hildebrand, Politisches Tötungsverbrechen an Matthias Domaschk als Bagatelle. Geldstrafen für MfS-Offiziere wegen Freiheitsberaubung, in: Horch und Guck, Heft 30, Berlin 2000.

- Idea-Dokumentation 15/96, Meister. Die MfS-Vorlaufakte des Thüringer Landesbischofs Werner Leich im Spiegel seiner Vermerke, idea.e.V. (Hg.), Wetzlar 1996.

- Walter Jahn, Du bist wie Gift. Erinnerungen eines Vaters, Erfurt 1996.

- Freya Klier, Matthias Domaschk und der Jenaer Widerstand, Berlin 2007.

- Katharina Lenski, Im Schweigekreis. Der Tod von Matthias Domaschk zwischen strafrechtlicher Aufarbeitung und offenen Fragen, in: Jörg Ganzenmüller (Hg.), Recht und Gerechtigkeit. Die strafrechtliche Aufarbeitung von Diktaturen in Europa, Köln/Weimar/Wien 2017.

- Matthias Domaschk. Horch und Guck, Sonderheft I, Berlin 2003.

- Matthias Domaschk, Sonderheft der Zeitschrift „Gerbergasse 18“ 2019, Geschichtswerkstatt Jena (Hg.).

- Björn Mensing/ Heinrich Radtke (Hg.), Widerstehen. Wirkungsgeschichte und aktuelle Bedeutung christlicher Märtyrer, Leipzig 2002.

- Ehrhart Neubert, Geschichte der Opposition in der DDR 1949-1989, 2. Aufl., Bonn 1998.

- Siegfried Reiprich, Der verhinderte Dialog, 2. erw. Auflage, Robert Havemann-Gesellschaft, Berlin: Robert Havemann-Gesellschaft 2001.

- Ulrich Schacht, Hohenecker Protokolle. Zeitzeugengespräch mit Kerstin Hergert, Zürich 1984.

- Udo Scheer, Vision und Wirklichkeit, Berlin 1999.

- Henning Pietzsch, Jugend zwischen Kirche und Staat, Weimar 2005.

- Henning Pietzsch, Matthias Domaschk 2.0. Suizid oder Mord in Stasi-Haft 81?, Landeszentrale für politische Bildung Thüringen (Hg.), Erfurt 2019.

- Jochen Wich/Martin Morgner, Das verlorene Leben des Matthias D., Musiktheaterstück, 2016.

Zitierweise: Henning Pietzsch, "Vor 40 Jahren. Matthias Domaschk - das abrupte Ende eines ungelebten Lebens“, in: Deutschland Archiv, 12.04.2021, Link: Externer Link: www.bpb.de/330728. Alle Beiträge im Deutschland Archiv sind Recherchen und Meinungsbeiträge der jeweiligen Autorinnen und Autoren, sie stellen keine Meinungsäußerung der Bundeszentrale für politische Bildung dar.

Mehr Informationen über das MfS:

- Stasi-Dossier der bpb Interner Link: www.bpb.de/stasi

- Externer Link: Aktensammlung des BStU zum Fall Domaschk

- Interner Link: Wie Stasihaft aushalten? Ein Fallbeispiel aus Potsdam. Deutschland Archiv vom 9.4.2021

- Website Externer Link: www.jugendopposition.de der Robert-Havemann-Gesellschaft

- Eine Interner Link: Spurensuche der Redaktion Kontraste aus der ARD zum Fall Domaschk aus dem Jahr 1993

Fussnoten

Fußnoten

  1. Peter Rösch (* 15. Oktober 1953; † 17. Mai 2017) war ein DDR-Bürgerrechtler. Maßgeblich war er in den Jahren 1973 bis 1982 an Aktionen und DDR-weiten Vernetzungen der „Offenen Arbeit“ der Jungen Gemeinde Jena-Stadtmitte beteiligt.

  2. Quelle: BStU, MfS_BV-Gera_AP_Nr-1097-81_Bl-012

  3. Freistaat Thüringen, Staatsanwaltschaft Erfurt, Aktenbestand 6-83-0414, Signatur 4212-4232, 8464, 9823. Vollständige Aktensammlung der Haupt-, Neben- und Beiakten der Staatsanwaltschaften Gera und Erfurt zum Fall Matthias Domaschk.

  4. Renate Ellmenreich (geb. Groß, * 28. April 1950), nach ihrem Theologiestudium in Berlin Tätigkeit als Katechetin in Jena-Neulobeda. Hier lernt sie Matthias Domaschk kennen. Sie ist Mutter der gemeinsamen Tochter Julia. Zum Zeitpunkt des Todes von Domaschk war sie bereits in die Bundesrepublik ausgereist (1980) und als Pfarrerin in Frankfurt/Main tätig. Seit den 1990er-Jahren bemüht sich Ellmenreich um die Aufklärung der Todesumstände von Domaschk.

  5. Der Arbeitsgruppe gehörten Renate Ellmenreich als Betroffene, Peter Rösch † 2017 als damals Mitinhaftierter (2017 verstorben), Wolfgang Loukidis als Rechtsanwalt und der Autor in seiner Funktion als Historiker an. Das Ergebnis waren zwei Veröffentlichungen: Henning Pietzsch,: Matthias Domaschk 2.0, Suizid oder Mord in Stasi-Haft 81, Thüringer Landeszentrale für politische Bildung, Erfurt 2019, ISBN: 978-3-946939-71-9; Gerbergasse 18, Sonderheft „Matthias Domaschk“, Jena 2019, ISSSN 1431-1607.

  6. Walter Schilling (* 28. Februar 1930; † 29. Januar 2013 in Saalfeld), war ein deutscher evangelisch-lutherischer Pfarrer und Repräsentant der Kirche von Unten.

  7. Tod im Stasiknast. Warum starb Matthias Domaschk? ©, 2005, Erstausstrahlung am 02.10.2005 / ARD, https://armadafilm.de/tod-im-stasiknast/, zuletzt aufgerufen am 20.3.2021

  8. Matthias Domaschk 2.0 - Suizid oder Mord in Stasi-Haft 81,. https://www.youtube.com/watch?v=E4jQadB2hew, zuletzt aufgerufen am 21.3.2021.

  9. Roland Jahn (* 14. Juli 1953), deutscher Journalist und Leiter der Stasiunterlagenbehörde BStU. Als Dissident, SED-Gegner und Bürgerrechtler gehörte er in der DDR zur Jenaer Opposition.

  10. DVD "Tod im Stasiknast. Warum starb Matthias Domaschk 2.0", Armadafilm & Stiftung Aufarbeitung 2019.

  11. Vgl. Henning Pietzsch, Jugend zwischen Kirche und Staat. Geschichte der kirchlichen Jugendarbeit in Jena 1970-1989, Böhlau Verlag Köln/ Weimar/ Wien 2005; Matthias Domaschk: Sonderheft der Zeitschrift „Gerbergasse 18“ 2019, Hg. Geschichtswerkstatt Jena (Hg.).

  12. Sonderheft 1/2003 - Matthias Domaschk, iIn: Zeitschrift „Horchk & Guck“, Hg.: Bürgerkomitee 15. Januar Berlin (Hg.).

  13. Vgl. Henning Pietzsch,: Matthias Domaschk 2.0. Suizid oder Mord in Stasi-Haft 81?, Hg. Landeszentrale für politische Bildung Thüringen (Hg.), Erfurt 2019.

  14. Michael Tsokos ist ein deutscher Rechtsmediziner und Professor an der Charité in Berlin. Er leitet seit 2007 das Institut für Rechtsmedizin der Charité und gleichzeitig das Landesinstitut für gerichtliche und soziale Medizin in Berlin-Moabit.

  15. Bodo Ramelow (* 16. Februar 1956), Politiker (Die Linke). Seit dem 5. Dezember 2014 Ministerpräsident des Freistaates Thüringen.

  16. Rede des Ministerpräsidenten des Freistaats Thüringen Bodo Ramelow am 13. August 2019 über die Ergebnisse der Arbeitsgruppe "Tod von Matthias Domaschk". Das Sonderheft für Matthias Domaschk ist bei der Geschichtswerkstatt Jena erhältlich,. http://www.geschichtswerkstatt-jena.de/; https://www.facebook.com/geschichtswerkstatt.jena/videos/vb.207593082733261/793582167776820/?type=2&theater, beide zuletzt aufgerufen am 21.3.2021

  17. Staatsanwaltschaft Erfurt, Aktenbestand 6-83-0414, Signatur 4212-4232, 8464, 9823.

  18. Vgl. auch Björn Mensing/ Heinrich Radtke (Hg.), Widerstehen. Wirkungsgeschichte und aktuelle Bedeutung christlicher Märtyrer,. Leipzig 2002.

  19. Renate Ellmenreich, Die Geschichte eines politischen Verbrechens in der DDR und die Schwierigkeiten, dasselbe aufzuklären, 2. Aufl., Erfurt 1998; Freya Klier, Matthias Domaschk und der Jenaer Widerstand, Berlin 2007.

  20. Stefan Wolle, Die heile Welt der Diktatur. Alltag und Herrschaft in der DDR 1971-1989, Berlin 1998.

Henning Pietzsch ist Vorsitzender der Geschichtswerkstatt Jena, er recherchiert seit Jahren über den Tod des jungen Matthias Domaschk in Geraer Stasihaft 1981.