Mit dem Bau der Berliner Mauer vor 65 Jahren ab dem 13. August 1961 schloss die SED die letzte Lücke in ihrem Grenzsystem und zementierte auch im Wortsinn die Teilung der Stadt. Doch die Mauer hatte von Beginn an Löcher: Die 14 Grenzübergangsstellen rund um West-Berlin waren aus Sicht der DDR-Führung bedrohliche Lücken im Grenzsystem, die besondere Sicherungsmaßnahmen erforderten. So schuf der Ausreiseverkehr Fluchtgelegenheiten für die eigene Bevölkerung und schien in umgekehrter Richtung das Eindringen feindlicher Agenten und bedrohlicher westlicher Einflüsse zu ermöglichen.
Zugleich waren diese potenziellen Einfallschneisen des „Klassenfeindes“ zwingend erforderliche Tore zur Welt, über die nicht nur Waren, sondern auch Besucherinnen und Besucher aus dem Westen in die zusehends zur Mustermetropole des Sozialismus ausgebaute Hauptstadt strömten.
Dies zeigt sich besonders am Beispiel der DDR-Grenzübergangsstelle „GÜSt Friedrich-/Zimmerstraße“ in Berlin Mitte, die im Westen unter der US-Bezeichnung ihres alliierten Pendants als „Checkpoint Charlie“ bekannt wurde.
Die West-Alliierten reagierten darauf, indem sie mit dem Checkpoint Charlie eher symbolisch einen eigenen Kontrollpunkt einrichteten, an dem jedoch keine intensiven Kontrollen stattfanden. Stattdessen diente er vor allem der Beobachtung des DDR-Grenzgeschehens und dem Schutz des alliierten Personals bei Aufenthalten in Ost-Berlin – er sollte den reibungslosen Grenzverkehr sicherstellen. Diese besondere Situation machte den Ort für das DDR-Grenzregime nicht nur geheimdienstlich brisant, sondern verlieh ihm eine herausgehobene Rolle in den Bemühungen der DDR um ihre positive Außendarstellung.
Zwei Teilaspekte sollen betrachtet werden, in denen sich die Doppelstrategie aus repräsentativem Auftreten und Abriegelungswillen manifestierten: Zum einen werde ich mich chronologisch der baulichen Gestaltung des Grenzübergangs widmen und die unterschiedlichen Motivationen nachzeichnen, die den Auf- und Ausbau bestimmten. Zum anderen wird anhand von Fallbeispielen aus der Arbeitspraxis der DDR-Behörden in der Friedrichstraße herausgearbeitet, wie sich die widersprüchlichen Anforderungen an den Grenzübergang im Alltag auswirkten und wie sie beide Ziele – Abschottung und Öffnung – miteinander zu vereinen suchten.
Abriegeln und Ausgestalten: Aufbau des Grenzübergangs in den 1960er Jahren
Der Grenzübergang erlangte bereits kurz nach dem Mauerbau enorme internationale Aufmerksamkeit, als sich hier am 27. und 28. Oktober 1961 amerikanische und sowjetische Panzer symbolisch feuerbereit gegenüberstanden.
Eskalation im Kalten Krieg, mitten in Berlin: Am 28. Oktober 1961 stehen sich am Checkpoint Charlie in der Friedrichstraße US-amerikanische und sowjetische Panzer gegenüber. (© AP)
Eskalation im Kalten Krieg, mitten in Berlin: Am 28. Oktober 1961 stehen sich am Checkpoint Charlie in der Friedrichstraße US-amerikanische und sowjetische Panzer gegenüber. (© AP)
Fotos und Filmbilder dieser Auseinandersetzung gingen um die Welt und der Grenzübergang avancierte zu einem Ort, der in den folgenden Jahrzehnten Staatsgäste, Touristen und Neugierige anzog, die ihn als zentralen Schauplatz der Systemkonfrontation der beiden Supermächte identifizierten. Dabei gerät oft aus dem Blick, dass der Konflikt ursprünglich durch eine eigenmächtige Maßnahme der DDR-Führung ausgelöst wurde, die nicht mit der sowjetischen Führung in Moskau abgestimmt war.
Die SED-Spitze hatte mit dem Bau der Berliner Mauer nicht nur die Fluchtbewegung aus der DDR zu stoppen versucht, sondern auch ihre staatliche Eigenständigkeit und Handlungsfähigkeit in Berlin beweisen wollen. Die West-Alliierten hielten demgegenüber an ihrer Auffassung fest, dass die gesamte Stadt gemäß den Vereinbarungen nach dem Zweiten Weltkrieg weiterhin unter Viermächte-Kontrolle stand und sie uneingeschränkte Bewegungsfreiheit in ganz Berlin genossen. Als die DDR-Kontrolleure nun wiederholt versuchten, Kontrollen des amerikanischen Militärpersonals zu erzwingen, wenn es in Zivilkleidung nach Ost-Berlin einfuhr, sah insbesondere die amerikanische Seite diese Rechte empfindlich beschnitten.
Die US-Streitkräfte antworteten auf die Maßnahmen der DDR-Seite zunächst mit militärisch eskortierten Testfahrten und dann, als die Kontrollversuche anhielten, mit einem Panzeraufgebot; schon seit dem Mauerbau am 13. August 1961 hatte die US-Armee nahebei in Seitenstraßen einige Panzer in Bereitschaft stationiert. Schließlich reagierten auch die Sowjets und ließen ihrerseits in annähernd gleicher Anzahl Panzer auffahren
Eine Niederlage für die SED im Kalten Krieg
Die in ihre Schranken gewiesene SED-Führung, die durch ihr eigenmächtiges Handeln auch Moskau erzürnt hatte, befürchtete in der Folge aber weitere Zwischenfälle und rechnete offenbar auch damit, dass amerikanische Panzer die Sektorengrenze gewaltsam durchbrechen könnten. Um solchen „bewaffneten Provokationen“ zu begegnen, sollte die Friedrichstraße nun zügig mit Sperranlagen befestigt werden. Überlegungen hierzu waren schon während der Panzerkonfrontation angelaufen.
Bereits einen Tag nach dem Abzug der beiden Kontrahenten konnte Stasi-Chef Erich Mielke an den SED-Generalsekretär Walter Ulbricht den Abschluss entsprechender Planungen für die Aufstellung „geeigneter Panzersperren“ vermelden.
„Ein breiter, schaukelnder Wagen (…) Nationalitätenkennzeichen NL, schlängelt sich durch das Gewühl der Arbeitenden, höfliche Abfertigung wie immer. (…) Passieren Sie, Mijnheer, passieren Sie! Kommen Sie morgen wie heute, kommen sie wann sie wollen – Ihr Wagen ist kein NATO-Panzer!“
Jenseits etwaiger militärischer Bedrohungsszenarien trieb die Verantwortlichen außerdem der Umstand um, dass ihr Land von den West-Alliierten weiterhin nicht als souveräner Staat anerkannt wurde. Dieser Umstand mag erklären, warum der Ausbau der Sperranlagen ursprünglich von einer aufwändigen Demonstration staatlicher Souveränität gegenüber dem „Klassenfeind“ flankiert werden sollte: Die im Herbst 1961 angestellten Planungen sahen zunächst eine aufwändige Gestaltung der Panzersperren mit Sichtblenden und opulenten Pflanzgefäßen in antiker Optik vor. Entsprechende Planskizzen zeigen darüber hinaus eine Vielzahl von Fahnenmasten, die noch durch eine Sendeanlage für den Lautsprecherkrieg gegen West-Berlin ergänzt werden sollten.
Angesichts dieser recht umfassenden, gen West-Berlin ausgerichteten Tätigkeiten, ist es bemerkenswert, dass die Schließung potenzieller Fluchtwege zunächst eher nachrangig behandelt wurde: Baulich blieb das Gelände der Grenzübergangsstelle nach Ost-Berlin kaum gesichert.
Die dabei entstehende Anlage wurde spätestens ab 1964 fester in das Sicherungssystem der Berliner Mauer integriert. Die Verantwortlichen schufen damit Klarheit im bisher eher undurchsichtigen Geflecht unterschiedlicher Akteure, die an den Grenzübergängen agierten: Alle Kräfte unterstanden fortan einem von den Grenztruppen eingesetzten Kommandanten, der den Kontakt zu den Grenzsoldaten im Mauerstreifen halten und den Grenzübergang gegebenenfalls militärisch verteidigen sollte.
Neugierige, die hier die Aussichtsplattform am Checkpoint Charlie erklommen, blickten zu dieser Zeit auf einen innerstädtischen Grenzübergang, der in seiner Barackenbauweise im Rückblick zwar eher bescheiden wirkte, jedoch im Kontext des Gesamtzustandes der frühen Berliner Mauer betrachtet werden muss. In Anbetracht des „baulichen Chaos“
Zwecks Repräsentation ein "niveauvolles Kontrollsystem"
Denn während man einerseits Fahrzeugsperren ausbaute und Reisende sehr genauen Kontrollen unterzog, gab man sich andererseits Mühe, die Anlage ansprechend zu gestalten: Zeitgenössische Fotografien zeigen frisch gepflasterte Plattenwege, gepflegte Grünflächen, Blumenbeete und Kontrollbaracken, die nicht nur regelmäßig in einem neuen Anstrich erstrahlten, sondern zeitweise auch mit Geranienkästen geschmückt wurden. Darüber hinaus schwor die Staatssicherheit ihre Kräfte in den folgenden Jahren gebetsmühlenartig auf ein „niveauvolles“ Kontrollsystem ein.
Der US-amerikanische Bürgerrechtler Dr. Martin Luther King, den Berlins Regierender Bürgermeister Willy Brandt eingeladen hatte, am Vormittag des 13. 9.1964 auf der Westseite der Mauer am Potsdamer Platz. (© picture-alliance/AP)
Der US-amerikanische Bürgerrechtler Dr. Martin Luther King, den Berlins Regierender Bürgermeister Willy Brandt eingeladen hatte, am Vormittag des 13. 9.1964 auf der Westseite der Mauer am Potsdamer Platz. (© picture-alliance/AP)
Diese „taktische Klugheit“ war in der Friedrichstraße beispielsweise am 13. September 1964 gefragt, als der US-Bürgerrechtler
Bei weniger hochkarätigen Gästen zeigte man sich zwar nicht so flexibel, aber auch hier konnte der Spagat aus militärischer Härte und politisch vorteilhaftem Auftreten halbwegs gelingen. Bezeichnend ist dabei eine Episode aus dem Jahr 1966, als nach dem Absturz einer US-Postmaschine über der DDR zwei hochrangige Vertreter der US-Fluggesellschaft Pan Am in der Friedrichstraße erschienen und um Auskunft baten. Schnell schaltete sich der Chef der Passkontrolleinheit ein, stellte sich den beiden Amerikanern unter einem Decknamen vor, bat um Geduld und informierte eilends den Leiter seiner Stasi-Hauptabteilung. Dieser gestattete den beiden US-Bürgern die Einreise und ließ sie an das Verkehrsministerium verweisen. Die Amerikaner, deren Passdaten und Kfz-Kennzeichen derweil genau erfasst wurden, waren nach Bekunden der Staatssicherheit von so viel Entgegenkommen überrascht, zumal keine diplomatischen Beziehungen zwischen der DDR und den USA bestanden. Sie boten dem PKE-Leiter einige Flugzeugmodelle als Dankeschön an, die aber (befehlsgemäß) abgelehnt wurden:
„[Er] sagte den US-Bürgern, daß es eine Selbstverständlichkeit für einen sozialistischen Menschen ist, bei derartigen Unglücksfällen zu helfen.“
Dieses System schien jedoch nicht immer störungsfrei funktioniert zu haben. Beispielsweise gelang es mindestens einem DDR-Bürger, die gesamte Grenzübergangsstelle unkontrolliert zu Fuß zu durchqueren und nach West-Berlin zu gelangen. Die Grenzposten, die ihn dabei beobachteten, waren offenbar schlicht davon ausgegangen, dass dies seine Richtigkeit haben musste – der Vorfall fiel erst durch Berichte der West-Berliner Presse auf.
Zunehmende Reisendenzahl
Es war auch der konstante Anstieg des Reisevolumens, der das System zunehmend an seine Grenzen brachte: Alleine im Jahr 1969 wurden am Grenzübergang in der Friedrichstraße rund 1,1 Millionen Personen, 315.000 Pkw und 11.290 Busse gezählt.
Bereits 1970 lag dann ein Perspektivplan für die Überholung mehrerer Grenzübergangsstellen in Berlin vor, der für den Zeitraum 1971 bis 1975 insgesamt 8,6 Millionen Mark für eine Erweiterung der GÜSt Friedrich-/Zimmerstraße veranschlagte.
„Niveauvolle Abfertigung“ im Zeichen der Tauwetterpolitik?
Zu Anfang der 1970er-Jahre begann sich die außenpolitische Großwetterlage zu verändern, und das langjährige Bemühen der DDR-Führung um internationale Anerkennung trug langsam Früchte. Die Unterzeichnung des Grundlagenvertrages mit der Bundesrepublik Deutschland im Dezember 1972 führte zu einer internationalen Anerkennungswelle. Allein 1973 nahm die DDR zu 46 Staaten diplomatische Beziehungen auf und trat im Oktober gemeinsam mit der Bundesrepublik der UN bei.
Das Fazit des 1973 vorgelegten Papiers fiel durchaus harsch aus. Der Verfasser kritisierte neben „nicht zumutbaren Arbeits- und Lebensbedingungen“ für die eigenen Passkontrollkräfte vor allem den Umstand, dass die Gestaltung der Anlage ausschließlich vom vorhandenen Platzangebot, nicht aber von den „politisch-operativen Erfordernissen“ bestimmt werde. Bei einem grundlegenden Umbau sollten mehrere Probleme auf einmal gelöst werden: Die Abfertigungskapazität sollte gesteigert und die Überwachungsdichte weiter erhöht werden. Dabei sollten die einzelnen Reisekategorien (Alliierte und Diplomaten, zivile Pkw, Busse und so weiter) getrennt werden, um sie effizienter kontrollieren zu können. Neben einem umfassenden System aus Kameras wurden außerdem neue Fahndungs- und Verhörräume sowie verdeckte Personenschleusen gefordert.
Die erwartete Zunahme des Diplomaten- und Touristenverkehrs „durch die weltweite diplomatische Anerkennung der DDR“
„Die gegenwärtige Beschaffenheit und der Zustand der vorhandenen Kontrollgebäude, -anlagen und Einrichtungen sind nicht mehr geeignet, das politische Ansehen unseres Staates gegenüber ausländischen Bürgern zu stärken und den weiterhin zunehmenden grenzüberschreitenden Verkehr niveauvoll abzufertigen.“
Diese außenpolitische Dimension sollte mit der Forderung nach Sicherheit und dem übergeordneten Ziel der Fluchtverhinderung in Einklang gebracht werden – das Papier verordnete den Fahrzeugsperren und Barrikaden explizit eine möglichst „niveauvolle Gestaltung“.
Die Bauarbeiten sollten noch im selben Jahr beginnen. Die Sicherheitsbedenken der Staatssicherheit und der außenpolitisch bedingte Handlungsdruck konnten jedoch nicht verhindern, dass das Projekt nun aus gänzlich anderer Richtung unter Beschuss geriet: Der Oberbürgermeister Ost-Berlins, Ernst Krack, beklagte hohe Kosten und die drohende Mehrarbeit für seine ohnehin überlasteten Berliner Planungsstellen. Verkehrsminister Arndt, dessen Haus als Kostenträger für die Verkehrseinrichtungen in Erscheinung treten sollte, schloss sich diesem Protest in einem Schreiben an Stasi-Chef Erich Mielke an.
Ob dieses verwaltungsinterne Störfeuer ausschlaggebend war, muss offenbleiben, jedenfalls wurde die Beschlussvorlage zurückgezogen und die Planungen für einen Großumbau kamen vorerst zum Erliegen. In den folgenden Jahren beschränkte man sich eher auf kosmetische Überarbeitungen. So wurden Panzermauern mit Sichtblenden verkleidet und die Panzersperren im Vorfeld entfernt.
Zeitgenössische Fotografien und Luftbilder geben Aufschluss über den Zustand der Grenzübergangsstelle in diesen Jahren: Die bereits seit 1970 vorgesehene Überdachung der Kontrollflächen wurde nicht umgesetzt und die angestrebte Trennung des Verkehrs erfolgte lediglich mit Zaunelementen sowie einzelnen Betonsperren. Auch die neu gebauten Fußgängerkorridore bestanden lediglich aus Kunststoffwellplatten, die an einem Baugerüst befestigt waren. Obwohl gerade der Reisebusbetrieb und seine Kontrolle auf einer offenen Parkplatzfläche im schon erwähnten Staatssicherheitsbericht von 1973 Sicherheitsbedenken ausgelöst hatte, wurde er offenbar weiterhin nach diesem Verfahren abgefertigt.
Auch West-Alliierte zunehmend als Touristen in Ost-Berlin
Während die umgesetzten Baumaßnahmen also eher improvisiert wirken, zeigten die neuen Realitäten der Entspannungs- und Anerkennungspolitik die befürchteten Auswirkungen auf den Alltag der Kontrollkräfte. Sie mussten nicht nur mit deutlich mehr ausländischen Funktionsträgern und zunehmendem Tourismus umgehen, auch die West-Alliierten strömten nun in immer größerer Zahl in den Osten. Noch in den 1960er-Jahren hatte die US-Administration ihren Staatsbürgern von Besuchen in Ost-Berlin abgeraten und vor möglichen Übergriffen gewarnt. Ab Beginn der 1970er-Jahre wurden diese Regeln jedoch gelockert – nun begann sogar die Führung der US-Streitkräfte in Berlin, ihre Soldaten zu Individualtrips hinter die Mauer zu ermutigen.
Die alliierten Truppen waren aus DDR-Sicht ein besonderes Sicherheitsrisiko, da sie das engmaschigere Kontrollnetz an der Grenzübergangsstelle problemlos umgingen: Ihr Sonderstatus ermöglichte es ihnen, den Grenzübergang in Privat-Pkw und in Militärfahrzeugen, auf Privattouren oder in dienstlicher Mission zu durchqueren – den DDR-Kontrollkräften waren praktisch keine Kontrollen erlaubt.
Die Passkontrollkräfte unternahmen jedoch Anstrengungen, zumindest das beschriebene Mindestmaß an Kontrollen durchzusetzen, das nach der Panzerkonfrontation als Kompromiss etabliert worden war. Gerade unter den Vorzeichen der Entspannungspolitik gerieten diese Kontrollversuche jedoch zu einer heiklen Aufgabe, und es kam immer wieder zu Zwischenfällen, wenn alliierte Soldaten und ihre (zivilen) Begleitungen das Vorzeigen von Identitätsdokumenten verweigerten. Dabei drohten wütende Reaktionen der betroffenen Militärangehörigen und peinliche Blockaden der oft beschworenen „zügigen und reibungslosen Abfertigung“.
Als beispielsweise im Juni 1976 der Wagen einiger britischer Soldaten den Grenzübergang nach einer derartigen Auseinandersetzung für knapp zehn Minuten blockierte, stellte sich rasch ein Verkehrsstau von rund dreißig Fahrzeugen ein. Der Verfasser des entsprechenden Stasi-Berichts vermerkte mit Blick auf potentielle Image-Schäden, dass es sich „hauptsächlich [um] Fahrzeuge in der DDR akkreditierter Diplomaten [handelte]“.
Da sich derartige Zwischenfälle in dieser Zeit häuften, vermutete die Staatssicherheit einen gezielten Provokationsversuch durch die West-Alliierten. Dennoch siegte die Sorge um mögliche Imageschäden und diplomatische Verwicklungen – die Passkontrollkräfte knickten ein, und die Einreise wurden „unter Protest [gestattet,] um weitere Auswirkungen auf den grenzüberschreitenden Verkehr zu vermeiden“.
Verdeckte Fluchtverhinderung und „Feindbekämpfung“
Der Umstand, dass die DDR-Kontrollkräfte gegenüber den Alliierten eher zurückhaltend auftraten, sollte jedoch keineswegs zu der Schlussfolgerung verleiten, dass die Wachsamkeit gegenüber dem vermeintlich allgegenwärtigen Gegner im Verlauf der 1970er-Jahre nachgelassen hätte. Die Monatsberichte von Passkontrolleinheiten und Grenztruppen zeugen vielmehr von einer sorgsam kultivierten Wagenburgmentalität, in der sich die Akteure von allen Seiten durch diffuse Feinde bedroht sahen: Zu den sorgsam erfassten „Handlungen des Gegners beiderseits der Staatsgrenze“ zählten neben Fluchtversuchen die Aktivitäten der West-Alliierten und das tägliche Treiben jenseits der Mauer.
Aufschlussreich für die stellenweise durchaus an Paranoia grenzende Feindbildkonstruktion an den Grenzübergängen ist auch eine in den 1970er-Jahren herausgegebene Handreichung, die Bombenattentate und organisierte Ausschleusungen an den Grenzübergängen gleichermaßen als planvolle Attacken auf die DDR identifiziert und sie der „Raffiniertheit [und] Brutalität“ des nicht näher benannten Gegners zuschreibt.
„[Hier] machen wir sozusagen an der Trennungslinie zwischen den sich feindlich gegenüberstehenden Gesellschaftssystemen unseren Dienst. Das (…) verlangt von allen Mitarbeitern vom Posten 1, der am weißen Strich steht und damit ganz vorn steht, bis zum Endkontrolleur – höchste Konzentration (…) denn sie sind (…) gegenüber feindlichem Einwirken, ständig gleichermaßen gefährdet.“
Den offensichtlichen Widerspruch zwischen diesem kämpferischen Anspruch gegenüber dem Gegner jenseits der Staatsgrenze und dem eher zurückhaltenden Auftreten, das die Tauwetterpolitik der Stasi auferlegte, ließ sich indes mit marxistischer Dialektik auflösen. So wurde erklärt, dass „die Politik der friedlichen Koexistenz harter Klassenkampf ist“, wodurch sich neue, schärfere Ansprüche an die militärische Einsatzbereitschaft stellen würden.
Die Gegner im inneren
Im Zentrum dieses permanenten Kampfes stand der Gegner im Inneren, also die fluchtwilligen Bewohnerinnen und Bewohner der DDR, für die sich besonders durch den Sonderstatus des Diplomaten- und Alliiertenverkehrs potenziell eine klaffende Lücke im Eisernen Vorhang eröffnete. Neben der Ausschleusung in den Kofferräumen von Diplomatenwagen und den ebenfalls kontrollbefreiten Privatfahrzeugen der alliierten Soldaten war besonders die Flucht in westalliierten Militäruniformen eine aussichtsreiche Option. Wie bereits beschrieben, konnten Uniformierte den Grenzübergang ohne jede Behinderung durch die Kontrollkräfte durchqueren. Die Stasi war sich dessen vollauf bewusst und bemühte sich, das Schlupfloch möglichst unauffällig zu schließen, gleichzeitig aber auf konfrontative Kontrollen der Alliierten zu verzichten. Dazu wurden im Laufe der Zeit durchaus ausgeklügelte Verfahrensweisen entwickelt, um jede unerwünschte „Öffentlichkeitswirksamkeit“
Vor diesem Hintergrund setzte die Stasi gegenüber dem alliierten Militärpersonal auf ein Netzwerk aus verdeckten Überwachungsmaßnahmen und zunehmendem Technikeinsatz, mit dem diese Personengruppe schon bei der Einreise möglichst vollständig erfasst werden sollte. Dies geschah zunächst mit Karteikarten, später aber auch mit Foto- und Videosystemen. Uniformierte Personen, die zur Ausreise erschienen, bei der Einreise aber nicht entsprechend erfasst worden waren, wurden unter Vorwänden überprüft. So wurden im Februar 1974 zwei Personen in US-Uniform gestoppt, wobei die schlechten Englischkenntnisse einer der beiden Männer auffielen.
Der Vorgang wurde durch den alliierten Beobachtungsposten in einem Gebäude am Checkpoint Charlie registriert, und der diensthabende Kommandeur der amerikanischen Militärpolizei kam hinzu. Letztlich wurde die Gruppe von den Passkontrollkräften gebeten, „den Sachverhalt im Dienstgebäude (…) zu klären“, was sie von anderen Reisenden isolierte. Die verdächtige Person wurde im Gebäude von seinem Begleiter (einem „echten“ US-Soldaten) und dem Checkpoint-Kommandeur getrennt und erst in der sicheren Abgeschiedenheit der eigenen Verhörräume gewaltsam durchsucht und festgenommen.
Die alliierten Soldaten, die sich in derartigen Fällen mit ihren Fahrzeugen und zur Verfügung gestellten Uniformen als Fluchthelfer betätigten, waren demgegenüber fast unantastbar und mussten in aller Regel ohne Konsequenzen nach West-Berlin entlassen werden – so auch in diesem Fall.
Dieses Manöver brachte der DDR nicht nur unerwünschte Medienaufmerksamkeit ein, sondern führte (inmitten des KSZE-Prozesses) auch zu Verstimmungen zwischen der DDR und der Sowjetunion, die in „derart diffizilen Angelegenheiten“ zukünftig ein behutsameres Vorgehen einforderten.
Nicht alle Fluchtversuche waren jedoch heimlich zu unterbinden, und die am Grenzübergang eingesetzten Sicherungskräfte der Grenztruppen, des Zolls und der Staatssicherheit übten regelmäßig gemeinsam „Handlungsvarianten“ für verschiedene Fluchtszenarien.
Die Staatsicherheit führte den Vorfall anschließend als Beispiel für vorbildliche Dienstdurchführung an, produzierte einen Ausbildungsfilm und ehrte neben den beteiligten Schützen auch Nierings Geisel:
„Mir war klar, daß mein Leben äußerst bedroht war, aber ich empfand auch, daß ich immer mit einem Makel behaftet gewesen wäre, wenn es dem Terroristen [!]gelungen wäre, (…) sein Verbrechen und seinen Verrat an der DDR zu vollenden.“
„Repräsentative Grenzübergangsstelle“ und verstärkte Überwachung
Während man sich in den 1970er-Jahren also auf eine störungsfreie Abfertigung fokussierte, Konfrontationen zähneknirschend vermied und Fluchtversuche möglichst unauffällig, im Zweifel aber auch gewaltsam zu verhindern versuchte, blieb der wiederholt geforderte Großumbau weiterhin aus.
Auslösend waren dafür (wie schon zu Beginn der 1970er-Jahre) verschiedene, sich gegenseitig berührende Erwägungen, die eigentlich nur indirekt mit der Grenzsicherung zu tun hatten. Zum einen erkannte die DDR-Führung ihre martialischen Grenzanlagen mittlerweile selbst als potenzielles Verhandlungshindernis, wenn es darum ging, die dringend benötigten westlichen Kredite sicherzustellen. Zu Beginn des neuen Jahrzehnts wurde deshalb eine Kampagne begonnen, um „den Grenzsperren ein freundlicheres Erscheinungsbild zu verleihen“.
Zudem fiel nun die politische Entscheidung, den Aufbau des Ost-Berliner Stadtzentrums bis 1989 abzuschließen. Sie führte zur Jahreswende 1983/84 zum Beschluss des Politbüros und des Ministerrats, die bisher nachlässig behandelte Friedrichstadt aufzuwerten. Die politischen Lenker der DDR entschlossen sich nun dazu, das kommerzielle Vorkriegszentrum in der Friedrichstraße „zur bedeutendsten Handels- und Geschäftsstraße Berlins mit vielfältigen Erlebnisbereichen auszubauen“.
Der Nationale Verteidigungsrat zog am 2. Februar 1984 nach und beschloss, „die Rekonstruktion der Grenzübergangsstelle (…) der Gestaltung der Friedrichstraße termingerecht anzupassen“.
„Als Grundlage für die Erarbeitung von Gestaltungsvorschlägen gelten die für das Stadtzentrum verbindlichen städtebaulichen Prämissen: (…) Einhaltung der Baufluchten; (…) Ausbildung eines Dachgeschosses; Betonte Gestaltung der Erdgeschoßzone; (…) Einsatz hochwertiger, dauerhafter Materialien; keine Fassadenanstriche“.
Weitere Vorgaben des Magistrats betrafen unter anderem die „standortgerechte“ und abwechslungsreiche Gestaltung der Umfassungsmauer sowie das Material und die Farbgebung der geplanten Kontrollhalle.
Demgegenüber sah man auf der DDR-Seite offensichtlich weniger Bedarf für eine ansprechende Gestaltung und hielt sie wesentlich funktionaler. Laut Auskunftsdokumenten der Passkontrolleinheit war das Großbauprojekt (nicht ganz fristgerecht) bis 1986 abgeschlossen und somit zum 750-jährigen Stadtjubiläum Berlins fertiggestellt, womit laut internem Schriftverkehr des MfS eine „attraktive Grenzübergangsstelle geschaffen [wurde], die eine niveauvolle und jederzeit zügige Abfertigung (…) gewährleistet.“
Neben allem Bemühen um eine repräsentative Optik hatten die Sicherheitsbehörden, allen voran die Staatssicherheit, den Umbau jedoch auch dafür genutzt, ihre eigenen Kontroll- und Überwachungsmittel von Grund auf zu modernisieren. Das gesamte Areal wurde unter erheblichem Aufwand mit neuer Überwachungstechnik versehen; neben Lichtschrankentechnik wurden dazu auch flächendeckend Kameras eingesetzt, mit denen die Anlage überwacht wurde, Autokennzeichen sowie der kontrollbefreite Fußgänger- und Pkw-Verkehr erfasst und die „Feindseite“ beobachtet wurden. Die Steuerung erfolgte dabei aus einer eigens eingerichteten Zentrale.
Ob der Grenzübergang die ihm angedachte Repräsentationsfunktion auch in den Augen der Reisenden erfüllte, muss offenbleiben. Zumindest aber erwies sich der Neubau als beliebtes Fotomotiv für Touristen, der trotz seines nur dreijährigen Bestehens hundertfach abgelichtet wurde und als zunehmend beliebtes Motiv auch auf West-Berliner Souvenirpostkarten erschien.
Dieser Trend setzte sich bis 1989 fort, und die Stasi-Akten dieser Jahre sind mit Berichten über diese so bezeichneten „feindlich-negativen Handlungen“ angefüllt. Vereinzelt kam es auch zu gewaltsamen Ausschreitungen, etwa anlässlich des 25. Jahrestages des Mauerbaus im August 1986, bei dem die Grenzübergangsstelle von mehreren hundert Personen belagert wurde, bis letztlich auch die West-Berliner Polizei einschreiten musste.
„[Es] ist zu beachten, daß (…) aufgrund des hohen Bekanntheitsgrades und ‚Schauwertes‘ der Grenzübergangsstelle (…) täglich hunderte bis tausende Touristen das unmittelbare Vorfeld frequentieren und somit feindlich negative Handlungen, Provokationen und Demonstrativhandlungen höchst öffentlichkeits- und massenwirksam sind.“
Chronische Überlastung
Der Umstand, dass im selben Papier auf Rationalisierungsmaßnahmen und eine Reduzierung des Schreibaufwandes gedrängt wurde, verweist auf ein weiteres Problem, das die Staatssicherheit zuletzt umtrieb: Mit dem weiter ansteigenden Reiseverkehr und den häufigeren Protestaktionen wuchs auch der Personalaufwand stetig. Eine Prüfungskommission, die den Grenzübergang im Winter 1988 inspizierte, stellte fest, dass zu Stoßzeiten nicht nur das reguläre Personal der Verwaltung und die Funktionsoffiziere in der Passkontrolle eingesetzt werden mussten, sondern dass aushilfsweise weitere Kräfte aus anderen Diensteinheiten angefordert wurden. Die befragten Passkontrollkräfte klagten über Personalengpässe, Urlaubssperren sowie Sonderdienste an den Wochenenden. Dabei stieß es nach eigenem Bekunden auf „Unverständnis“, dass selbst Kranken- und Urlaubstage anteilig nachgearbeitet werden mussten.
Die Reisenden bekamen freilich nur wenig von den Problemen mit, die die Staatssicherheit zuletzt plagten. Die letzten Baumaßnahmen, die in der Friedrichstraße geplant wurden, hätten den andauernden Prozess hin zu einem scheinbar „niveauvollen“ Grenzübergang nun auch auf der DDR-Seite zur Vollendung gebracht. Im Sommer 1989, als sich entlang der Friedrichstraße noch immer geschäftig die Baukräne drehten, um die sozialistische Konsum- und Geschäftsmeile fertigzustellen, hatten sich die Ost-Berliner Planungsstellen der eigenen Zufahrt des Grenzübergangs angenommen. Das Ziel war nicht weniger als die möglichst vollständige Beseitigung der Kontrollanlagen aus dem Stadtbild: Nicht das Tor in den Westen, sondern ein reich gestalteter Wendehammer für Linienbusse, ein kleiner Taxistand und Blumenbeete sollten zukünftig den Abschluss der Friedrichstraße bilden, die damit nicht mehr als eine von der Mauer gekappte Arterie erkennbar sein sollte.
Der Grenzübergang wäre demgegenüber hinter einer Sichtblende verschwunden, während der Grenzverkehr über die Seitenstraßen vorbeifließen sollte. Die Ereignisse im November 1989 überholten diese Planungen jedoch, und sie kamen wohl nicht mehr zur Ausführung . Dem Mauerfall zum Trotz sollte der Grenzübergang sein weitaus bescheideneres Pendant auf der Westseite letzten Endes aber noch um einige Wochen überleben – er war (zumindest formell) noch in Betrieb, als der Checkpoint Charlie im Juni 1990 feierlich demontiert wurde.
Fazit
Während der 28 Jahre seines Bestehens blieb der DDR-Grenzübergang in der Friedrichstraße ein überaus dynamischer Ort, der Zeit seiner Existenz permanentem Wandel ausgesetzt war und neuen Anforderungen angepasst wurde. Während die Fluchtverhinderung im alltäglichen Handeln der Sicherheitsbehörden ohne Zweifel das zentrale Anliegen blieb, galt es, an den Grenzübergängen der DDR auch staatliche Handlungsmacht und Souveränität gegenüber dem (westlichen) Ausland zu demonstrieren. Durch seine Lage im Zentrum Berlins, die unmittelbare Anwesenheit der West-Allliierten und durch ihren permanenten, aus DDR-Sicht praktisch unkontrollierbaren Reiseverkehr durch die Mauer galt dies für den Grenzübergang in der Friedrichstraße in gesteigertem Maße und zeigte sich hier wie im Brennglas: Letztlich wurde mit jedem alltäglichen Konflikt zwischen den Kontrollkräften und den west-alliierten Truppen erneut um die staatliche Souveränität der DDR und den Status Ost-Berlins gerungen, auch wenn diese permanente Auseinandersetzung niemals wieder die Dramatik der Panzerkonfrontation vom Oktober 1961 erreichen sollte.
Die DDR-Behörden erkannten diese Zusammenhänge früh und begriffen den Grenzübergang deshalb zu keinem Zeitpunkt als rein funktionales Gebilde innerhalb des Grenzsicherungssystems der Berliner Mauer. Der Umstand, dass bereits beim Aufbau der Anlage im Herbst 1961 Sicherungsmaßnahmen und ästhetische Aspekte zusammengedacht wurden, weist darauf hin, dass die Verantwortlichen dem Ort sehr früh eine zentrale Bedeutung beimaßen. Bei den Ausbaumaßnahmen ließen sie sich nicht nur davon leiten, durch „die Normalisierung der Kontrollen (…) die Anormalität der Teilung zu verstetigen“,
Die Aus- und Umbauten, die in den Jahrzehnten danach waren aber stets bewusste Gestaltungsentscheidungen und damit Indikatoren für die Prioritätensetzungen des Regimes in seiner angestrebten Außendarstellung. Die inhärenten Widersprüche aus Abschottung und Öffnung ließen sich indes immer nur aushandeln, aber nie auflösen.
So war man in den frühen 1960er-Jahren zwar einerseits noch bereit, in betont konfrontativer Manier militärische Stärke und staatliche Souveränität zu signalisieren. Der Umstand, dass man sich hinter Panzersperren und Losungstafeln verschanzte, hinderte die Hüter des Grenzübergangs andererseits jedoch nicht daran, gegenüber prominenten Gästen flexibel aufzutreten, sofern sich außenpolitisches Kapital daraus schlagen ließ. Die Anlagen, die während dieser Zeit entstanden, spiegelten in ihrer Ausgestaltung mit Panzersperren und Geranienkästen diese Doppelfunktion. Dieser Ansatz galt jedoch spätestens mit dem Beginn der Tauwetterperiode in den 1970er-Jahren nicht nur aufgrund gestiegener Sicherheitsbedürfnisse und Abfertigungszahlen als veraltet, sondern auch, weil das Konglomerat aus Stahlbeton und Abfertigungsbaracken im Zeitalter der Anerkennungspolitik kaum mehr geeignet schien, das Bild einer modernen und weltoffenen DDR zu vermitteln.
Wenn es in dieser Zeit darum ging, für einen Umbau zu werben, rückte deshalb vor allem die Sorge um das internationale Image der DDR in den Vordergrund. Ein mit diesem Argument wiederholt geforderter umfassender Umbau wurde indes durch Prioritätsrangeleien und materielle Einschränkungen immer wieder verzögert. Der Grenzübergang wurde stattdessen mehr und mehr von provisorischen Erweiterungen überformt, die darauf abzielten, den wachsenden Reiseverkehr effizient abzufertigen. Parallel zu diesen Rationalisierungsmaßnahmen versuchten die Sicherheitsbehörden, durch verstärkte Überwachung und ein möglichst verdecktes Vorgehen Fluchtversuche zu unterbinden und den Reiseverkehr möglichst lückenlos zu kontrollieren – ohne dabei unerwünschte Aufmerksamkeit zu erregen, internationale Spannungen hervorzurufen oder den Besucherfluss zu unterbrechen.
Erst als sich zu Beginn der 1980er-Jahre der politische Wille verstärkt auf die Stadtverschönerung im Umfeld des Grenzübergangs ausrichtete – auch hier ging es letztlich um ein „Schaufenster“ gegenüber dem Ausland –, erhielten die noch schwelenden Planungen für einen grundsätzlichen Umbau den notwendigen Nachdruck. Damit wurde aber nicht nur ein städtebauliches Gesamtkonzept realisiert, sondern auch das Kontrollsystem erneut optimiert. Inmitten der modernisierten und (zumindest aus ihrer Sicht) ästhetisierten Anlage sahen sich die Sicherheitsbehörden in der Friedrichstraße gegen Ende der 1980er-Jahre wiederum mit neuen Herausforderungen konfrontiert: Die Reisezahlen stiegen weiter, das eigene Personal geriet zunehmend an die Belastungsgrenzen, und man fand sich an einem Ort wieder, der die DDR wirksam repräsentieren sollte, aber längst auch zu einem Schauplatz für Demonstrationen und gegen das Regime gerichtete Aktionen auf West-Berliner Seite geworden war.
Die DDR konnte darauf nur noch in Ansätzen reagieren, bevor der
Ein Prozess, der noch heute im Gange ist, 37 Jahre nach dem Mauerfall nun mit einer konkreten Perspektive (siehe Titelfoto): Auf den Grundstücken wird – neben Wohn- und Geschäftshäusern – auf rund 2.300 Quadratmetern ein dauerhafter Bildungs- und Erinnerungsort geschaffen, der die bewegte Geschichte des Grenzüberganges "Checkpoint Charlie" in der Friedrichstraße und des
Zitierweise: Hendrik Gaus, „Vergangenheit und Zukunft des Checkpoint Charlie. Zwischen Panzersperren und Geranienkästen: Mehrdeutigkeiten des DDR-Grenzübergangs am Berliner Checkpoint Charlie", in: Deutschland Archiv vom 25.10.2026, Link: www.bpb.de/582551. Aus technischen Gründen erscheint der Beitrag erst im Lauf des Montags mit vollständiger Bebilderung.
Beiträge auf dieser Website sind Recherchen und Meinungsbeiträge der jeweiligen Autorinnen und Autoren, sie stellen keine Meinungsäußerung der Bundeszentrale für politische Bildung dar und sind Mosaiksteine zur Erschließung von Zeitgeschichte.
Ergänzend:
Sarah Bornhorst,
Anna von Arnim-Rosenthal, Susanne Muhle, Julia Reuschenbach,
Bernd Greiner,
Georg Mascolo,