Ayşe Demir wird kurz nach der Ankunft ihrer Mutter 1969 in Berlin-Schmargendorf geboren. Ihr Vater lebte schon seit 1965 als Gastarbeiter in Deutschland. Nach vier Jahren wollte er zurück zu seiner Familie in die Türkei gehen. Er entschied sich aber für eine Familienzusammenführung in Berlin, weil sein deutscher Arbeitgeber ihn unbedingt in Berlin halten wollte und eine Wohnung für die Familie zur Verfügung stellte.
Ayşe Demir: Ich bin ein Gastarbeiterkind Frühe Prägung durch Solidarität und ein Gerechtigkeitsempfinden
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Als Kind von "Gastarbeitern" wuchs Ayşe Demir in Berlin-Charlottenburg auf. Den Umzug in die Türkei mit 15 Jahren erlebte sie als Belastung, denn sie sprach kaum Türkisch. Heute lebt sie wieder in Berlin.
Ayşe Demir: Ich bin ein Gastarbeiterkind
Die Familie von Ayşe Demir gehört zu den alevitischen Kurden, die in der Türkei eine Minderheit darstellen. Sie stammen aus der Region Sivas in Zentralanatolien. Ayşe Demir wächst im bürgerlichen Berlin-Charlottenburg auf und macht in der Grundschule erste alltägliche rassistische Erfahrungen. Sie sei trotz sehr guter Noten eben doch keine Deutsche, hieß es dann. Ende 1984 zieht die Familie zurück in die Türkei. So muss Ayşe mit 15 Jahren in Istanbul noch einmal von vorn anfangen, denn die türkische Sprache beherrscht sie nur unvollkommen.
Aber auch das meistert sie und beginnt nach dem Abitur ein Studium der Germanistik in Istanbul, was sie nach ihrer Übersiedlung nach Deutschland fortführt. Später nimmt sie ein zweites Studium der Sozialpädagogik/Sozialarbeit in Berlin auf. Heute arbeitet sie als Projektleiterin im Türkischen Bund Berlin-Brandenburg. Als eine Vertreterin der zweiten Generation türkischer Gastarbeiter/-innen sieht sie die aktuellen Probleme der dritten und vierten Generation aus dem Blickwinkel der eigenen Migrationserfahrung.
So sei es wichtig, dass die Eltern das Herkunftsland der Familie nicht verschweigen. Als Ayşes Sohn sie fragte, „Mama, was sind wir? Sind wir Aleviten? Sind wir Türken? Sind wir Kurden? Sind wir Christen? Sind wir deutsch?“. Habe sie darauf leider nur allgemein geantwortet, "dass wir alle Menschen sind." Aber genau das sei nicht richtig gewesen, denn die jüngeren Generationen machten ihre eigenen Erfahrungen und je genauer sie über die Vergangenheit der eigenen Familien Bescheid wüssten, umso besser könnten sie selbst ihre eigene Identität verkörpern, sagt Ayşes Demir am Ende des Films.