Die Montagsdemonstrationen haben ihren Ursprung in den Friedensgebeten, die seit Anfang der 1980er Jahre in Leipzig aus dem Umfeld der Friedens-, Umwelt- und Menschenrechtsbewegung heraus organisiert werden. Zentraler Anlaufpunkt der montäglichen Friedensgebete, die eine immer stärkere systemkritische Ausrichtung und Zulauf von Ausreisewilligen erhalten, ist dabei die Leipziger Nikolaikirche. Bereits 1988 kommt es vereinzelt zu Demonstrationen.
Das Jahr 1989 ist von zunehmender Unruhe geprägt. Neben den Entwicklungen im östlichen Europa zeugen die Proteste gegen den Wahlbetrug, die wachsende Kritik an der Partei- und Staatsführung und die Ausreisewelle in die Bundesrepublik immer nachdrücklicher vom Unmut in der Bevölkerung. Am 4. September 1989 kommt es im Anschluss an das Friedensgebet auf dem Vorplatz der Kirche zu einer Demonstration mit ungefähr 1.000 Teilnehmenden, der Auftakt für die wöchentlichen Montagsdemonstrationen. Die Demonstrierenden tragen Transparente, auf denen sie u. a. Versammlungsfreiheit und „Reisefreiheit statt Massenflucht“ fordern.
Das berühmteste Transparent entrollen Katrin Hattenhauer und Gesine Oltmanns mit der Aufschrift „Für ein offenes Land mit freien Menschen“ – gut sichtbar für viele internationale Journalistinnen und Journalisten, die sich wegen der Leipziger Messe gerade in der Stadt befinden. Kurz darauf greift die Staatssicherheit ein, entreißt den beiden Frauen und anderen Demonstrierenden die Transparente. Weil westliche Medien anwesend sind, finden keine öffentlichen Verhaftungen statt. Doch schon in der kommenden Woche, am 11. September 1989, schlagen Polizei und Stasi wieder hart zu, verhaften zum Beispiel auch Katrin Hattenhauer. Dennoch finden an jedem weiteren Interner Link: Montag Demonstrationen statt.
In den folgenden Wochen sind es immer mehr Menschen aus der Bevölkerung, die montags auf die Straße gehen, am 25. September ziehen bereits ca. 8.000 durch die Leipziger Innenstadt. Die Rufe „Wir bleiben hier!“ als Antwort auf die Forderung der Ausreisewilligen „Wir wollen raus!“ sind lauter geworden. Die Menschen fordern politische Reformen, u. a. auch die Zulassung der Bürgerbewegung „Neues Forum“ als Vereinigung nach Art. 29 der DDR-Verfassung. Am 2. Oktober sind bereits circa 20.000 auf der Straße. Für den Interner Link: 9. Oktober 1989 sind nach den Erfahrungen der letzten Wochen, u. a. angesichts der Ereignisse um den 7. Oktober in Berlin und anderen Städten, die Befürchtungen groß, dass die Situation durch massives Eingreifen der Einsatzkräfte, auch unter Schusswaffengebrauch, eskaliert. Doch der Protestzug mit 70.000 Demonstrierenden kann unbehelligt von staatlicher Gewalt durch Leipzig ziehen, weitere Demonstrationen etwa am 23. Oktober mit rund einer viertel Millionen Menschen folgen. DieInterner Link: Friedliche Revolution in der DDR nimmt ihren Lauf.
Armin Wiech
Zu überInterner Link: 20 weiteren Fotozeitreisen durch die deutsch-deutsche Geschichte, zusammengestellt vom Archiv der Robert-Havemann-Gesellschaft und der Redaktion Deutschlandarchiv der bpb 2026/27. (hk)