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Zum Tod von Thomas Großbölting | Deutschland Archiv | bpb.de

Zum Tod von Thomas Großbölting Ein Nachruf von Hans-Georg Golz und Thomas Krüger

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Bei einem schrecklichen Zugunglück am Dienstag bei Hamburg ist Thomas Großbölting tödlich verunglückt. Seitdem die Nachricht bestätigt wurde, herrscht Entsetzen, dem Begreifen fern.

Thomas Großbölting (1969 - 2025) war seit August 2020 Direktor der Forschungsstelle für Zeitgeschichte in Hamburg (FZH) und Professor für Neuere Geschichte /Zeitgeschichte im Arbeitsbereich Deutsche Geschichte der Universität Hamburg. Er lehrte von 2009 bis 2020 Neuere und Neueste Geschichte am Historischen Seminar der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster. (© picture-alliance/dpa, Guido Kirchner)

Wir kannten Thomas seit den 1990er-Jahren – erst als guten Kollegen, später als Freund. Als er in der Behörde für die Stasi-Unterlagen forschte, kreuzten sich unsere Wege, immer wieder. Wir erinnern uns noch gut daran, als er uns in den Nullerjahren bei einer Tagung in Schwerin „rettete“: Donnerstagnacht sagte ein Referent ab, mit einem zentralen Vortrag, der fest eingeplant war. Wir riefen noch in der Nacht Thomas an und fragten, ob er sehr kurzfristig einspringen könnte. Er kam, wir holten ihn am Folgetag am Bahnhof ab, und er referierte wenig später mit Bravour.

So war er: stets aufgeschlossen für Neues, hilfsbereit, sach- und fachkundig, konstruktiv, fröhlich – und so gar nicht professoral. Sein primäres Forschungsfeld waren die deutschen Dinge, insbesondere die deutsche Vereinigung und die Transformationsjahre. Zuletzt war er ein allseits gefragter, weil fairer Gesprächspartner bei der Erforschung der unsäglichen, sexualisierten Verbrechen gegen Schutzbefohlene in den christlichen Kirchen.

Thomas Großbölting war Professor für Neuere Geschichte/Zeitgeschichte im Arbeitsbereich Deutsche Geschichte der Universität Hamburg und Direktor an der Forschungsstelle für Zeitgeschichte in Hamburg (FZH). Zudem war er seit Ende 2022 geschäftsführender Direktor der Akademie der Weltreligionen und setzte sich für den interreligiösen Dialog in der Stadt Hamburg ein. Zuletzt versuchte er, das von der Schließung bedrohte, renommierte Hamburger Institut für Sozialforschung (HIS) zu bewahren. Wir sprachen noch vor Kurzem darüber und wollten ihm dabei helfen.

Nach Studien in Köln, Bonn und Rom hatte er in Münster das Staatsexamen für das Lehramt an Gymnasien abgeschlossen. Nach einer Vertretungsprofessur am Institut für Geschichte der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg leitete er von 2005 bis 2007 die Abteilung Bildung und Forschung bei der Bundesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen (BStU). 2007 wurde er zum Professor für Geschichte der Neuzeit an die OvG-Universität Magdeburg berufen. Von 2009 bis 2020 hatte er die Professur für Neuere und Neuste Geschichte am Historischen Seminar der WWU Münster inne.

Thomas war der politischen Bildung und der bpb als geschätzter Autor, Ratgeber und herausragender Forscher eng verbunden – über Jahrzehnte: in der APuZ, in der Schriftenreihe, in vielen anderen Formaten unseres Hauses. Nun müssen wir ohne ihn auskommen. Thomas durfte nur 55 Jahre alt werden. Er hinterlässt seine Frau und vier Kinder. Wir werden ihn sehr vermissen.

Hans-Georg Golz (Leiter Fachbereich Print) und Thomas Krüger (Präsident)

Beiträge des Autors in der bpb:

Thomas Großbölting: Interner Link: Wem gehört die Revolution?, Deutschland Archiv vom 14.7.2020.

Thomas Großbölting, Interner Link: "Das religiöse Feld in Ostdeutschland. Von der Volkskirche über die Minderheitenkirche zur Avantgarde?", DA vom 20.9.2022.

Knut Andresen, Thomas Großbölting, Kirsten Heinsohn: Interner Link: "Forschungsdefizite rechtsaußen". Deutschland Archiv vom 13.2.2024.

Thomas Großbölting, Video "Externer Link: Aufbruch und Entgrenzung in Deutschland seit 1989/90", bpb-Buchmesse-Interview 2021.

Thomas Großbölting, Video Interner Link: "Laizismus für Deutschland?", bpb-Interview, 2019.

Thomas Großbölting, Interner Link: Geschichte und Gegenwart von Laïcité und "hinkender Trennung". Über Religionspolitik in Frankreich und Deutschland, APuZ vom 6.7.2018.

Thomas Großbölting, Interner Link: Geschichtskonstruktion zwischen Wissenschaft und Populärkultur, APuZ vom 8.10.2013.

Thomas Großbölting, Interner Link: Geteilter Himmel: Wahrnehmungsgeschichte der Zweistaatlichkeit, APuZ vom 23.2.2011.

Thomas Großbölting, Buch Der verlore Himmel. Glaube in Deutschland seit 1945, Schriftenreihe der bpb 2013.

Thomas Großbölting, Buch Externer Link: Wiedervereinigungsgesellschaft. Aufbruch und Entgrenzung in Deutschland seit 1989, Schriftenreihe der bpb 2020 (vergriffen).

Thomas Großbölting, Buch Interner Link: Die schuldigen Hirten. Über die Geschichte des sexuellen Missbrauchs in der katholischen Kirche, Schriftenreihe der bpb 2022.

Fussnoten

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